Die Armut, die es nicht mehr gibt

Montag, 30. März 2015

oder Frau Nahles hat völlig recht gehabt.

Mal wieder gute Nachrichten aus dem Arbeitsministerium. Ministerin Nahles will der Armut ans Revers. Endlich. Es soll wieder weniger Arme geben. Zur Armutsbekämpfung ist jedes Mittel recht. Jetzt hat man sich mal wieder entschlossen, die Armutsdefinition zu überdenken.

Als einst die FDP den Armutsbericht beschönigte, da war der Aufschrei unter den Sozialdemokraten riesig. Auch Nahles mischte damals ordentlich mit. »Wer die Realität ausblendet und ignoriert, kann keine gerechte Politik machen«, sagte sie damals der SZ. Jetzt ist sie der Ansicht, dass es unanständig ist, die Leute als arm zu deklarieren, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung haben. Da müsse man umdenken. Dass der Paritätische Wohlfahrtsverband neulich festhielt, dass die Armut in Deutschland weiter gewachsen sei, hält sich daher für grundlegend falsch. Man brauche mehr »Sachlichkeit in der Debatte«. Anders gesagt, wer von der Armut im Lande spricht, der ist unsachlich. Man darf sie halt nicht nur verschweigen, wie der Rösler und seine Brigade damals - man muss sie per definitionem aus den Augen aus den Sinn bewegen.

Wir haben also gar nicht so viel Armut. Und das bisschen Armut, das dann noch übrigbleibt, das will Nahles abgeschafft wissen. Mit Neudefinitionen. Und mit dem ewigen Spiel, das man spielt, wenn man oben sitzt. Man kann immer noch die eine Hälfte der Armen heranziehen, um die andere Hälfte der Armen in die Mangel zu nehmen. Man herrscht, wenn man teilt. So war es immer. Diesmal sind es illegale Einwanderer und junge Erwerbsgeminderte - »da haben wir es mit wirklicher Armut zu tun«, erklärte die Ministerin. Oho, ihr Hartz-IV-Bezieher, schaut genau hin, so sieht Armut nämlich wirklich aus. Das sind Arme! Euch geht es doch gut!

Und wenn man mal wieder eine alte Frau dabei beobachtet, wie sie im Mülleimer nach Pfandflaschen sucht, dann darf man sich sicher sein: Armut ist das nicht. Nein! Das ist einfach nur das Faible einer Frau, die ihren angeknacksten Reichtum kompensieren möchte. Kleptomanen stehlen ja auch eher selten aus der Not heraus. Es ist der Nervenkitzel. Und wer sagt denn, dass die Suche nach Pfandflaschen nicht kitzeln könnte? Dass ihre Grundsicherung nicht ausreicht, ist nur ein Gerücht, bloß böse Unterstellung. Sie hat immerhin 55 Prozent des mittleren Einkommens in der Tasche. Ist das etwa nichts?

Es ist keine gerechte Politik von dieser Frau Nahles zu erwarten. Weil sie die Realität nicht nur ausblendet und ignoriert, sondern auch noch beschönigt. Das war mal ihr eigener O-Ton. Sie hat völlig recht mit dieser Einschätzung gehabt. Na also, von ihr kommt nicht nur Quark. Und wir indes wissen, was nicht zu erwarten ist: Gerechte Politik.

14 Kommentare:

TaiFei 30. März 2015 um 07:33  

Nahles = Musante
Sheridan: "And when exactly did all this happen?"
Musante: "When we rewrote the dictionary."

Babylon 5 Season 3
Voices of Authority

Anonym 30. März 2015 um 09:22  

"[...]Es ist keine gerechte Politik von dieser Frau Nahles zu erwarten. Weil sie die Realität nicht nur ausblendet und ignoriert, sondern auch noch beschönigt. Das war mal ihr eigener O-Ton. Sie hat völlig recht mit dieser Einschätzung gehabt. Na also, von ihr kommt nicht nur Quark. Und wir indes wissen, was nicht zu erwarten ist: Gerechte Politik[...]"

Stimmt genau, aber einen Punkt möchte ich korrigiert haben die SPD bekämpft seit 2003 nicht die Armut sondern die Armen - eben auch mit der Lüge, dass die doch gar nicht so arm sind wie deren Unterstützer meinen - Woher kenne ich das nur? War das nicht 1788 in Frankreich genau dasselbe - nur damals noch ohne eine angebliche "Arbeiterpartei" namens "SPD"?

Frägt sich
Bernie

Anonym 30. März 2015 um 09:31  

Kleine Ergänzung:

Wie hat Frau Nahles, die derzeitige Arbeitsministerin, 2003 bei Hartz IV abgestimmt? War die dafür oder dagegen?

Falls die dafür war ist ihre Politik doch nur konsequent, und sie hofft auf die Vergeßlichkeit der Wähler, und neue Generationen, die mittlerweile herangewachsen sind, und die die Erinnerung daran vergessen haben wie Deutschland "tickte" als Hartz IV nur ein böser Gedanke eines, damals noch nicht vorbestraften, Managers namens Dr. Hartz war.

Man sollte die ewige Erinnerung (in- und außerhalb des Netzes), und zwar namentlich an die Hartz IV-Abstimmung wachhalten, d.h. zumindestens solange die damals Verantwortlichen noch nicht in Rente oder tot sind - wäre doch eine Idee, damit auch nachwachsende Generationen sehen was für Schw.... uns "regieren"....

Gruß
Bernie

Anonym 30. März 2015 um 09:37  

Noch eine Ergänzung:

Welcher Lobby-Verein wohl da wieder dahinter steckt, dass Frau Nahles so Töne spuckt?

Gruß
Bernie

Anonym 30. März 2015 um 10:01  

Schon das mittlere Einkommen von ca 1300€ Netto ist nun wirklich nichts, worüber man in der Politik stolz sein sollte, diese ~1300€ stellen schließlich die Spitze der Hälfte der Arbeitenden dar, also mal eben so 21 Millionen Menschen.

Davon dann auch noch 40% abziehen...

Aber wenn man davon so gut leben kann, sollte man das vll als neue Höhe der Diäten ansetzen. Oder seien wir großzügig, nehmen wir das mittlere Einkommen. Vielleicht motiviert das ein bisschen.

Anonym 30. März 2015 um 10:10  

Bei Frau Nahles kann man schön erkennen, wie die geistige Armut im rasanten Tempo an Fahrt gewinnt.

ulli 30. März 2015 um 10:27  

Nahles hat übrigens auch der SZ erzählt, dass sie gern schnelle Autos fährt. Nachdem Gabriel, der vielleicht bei seinen TTiP-Kumpels schon einen millionenschweren Posten in petto hat, die Chancen der SPD bei den nächsten Wahlen rechtzeitig gegen die Wand gefahren hat, ist womöglich der Wettbewerb um die Kanzlerkandidatur eröffnet. Da empfiehlt es sich natürlich, ein wenig in Richtung "Mitte" zu rücken und ein bisschen gegen die Armen zu treten. Das kommt immer gut an beim deutschen Spießer, vor allem bei dem aus der unteren Mittelschicht. Mal sehen, ob sie demnächst was zum Thema Außenpolitik oder Europa sagt?

Anonym 30. März 2015 um 11:24  

ANMERKER MEINT:

Ja so ist es und es ist wahrlich zum K...., was diese SPDFrau sich erlaubt.Die führt einfach einen "Neusprech" ein und will damit die Realität verschleiern. So schnell geht das, wenn frau im Amt ist, dann schert sie ihr Geschwätz von gestern einen Dreck. Wie kommt´s dazu? Vermutung: Diese Ministerium war ja vorher Leyenbesetzt und deren Berater sind ja nicht im Nirgendwo des Ministeriums verschwunden. Sie tun nach wie vor ihre Pflichtz. Sie beraten ihre Chefin. Die heißt zur Zeit halt mal Nahles und die ist ohne klares politisches Fundament nun mal leicht zu beeinflussen. Was ja auch geschieht und ablesbar ist.Nicht umsonst enthält der schändliche Ausspruch "Wer hat uns verraten ..." viel Wahrheit. Die Sozis tun alles dafür, dass er wieder an "Wert" gewinnt. Leider ist die bundesrepublikanische Gesellschaft inzwischen so sozialisiert, dass sie die eigentliche poltische Alternative, nämlich DIE LINKE als solche weder wahrnimmt noch wählt.
MEINT ANMERKER

maguscarolus 30. März 2015 um 14:20  

Median des Nettoerwerbseinkommens in Schland:

im Jahr 2000 (33,2 Millionen abhängig Beschäftigte) 1.324 Euro/Monat,
im Jahr 2005 (33,4 Millionen abhängig Beschäftigte) 1.300 Euro/Monat,
im Jahr 2010 (35,3 Millionen abhängig Beschäftigte) 1.294 Euro/Monat. ... to be continued

Und was verdienen "Eliten" à la Nahles – und wofür verdienen sie es?

Ich möchte das Essen mehrerer Jahre von mir geben bei dem Gedanken, dass ich früher mal so eine Sch... - Partei gewählt habe!

Diese ganzen "Volksvertreter": Schröder, Müntefering, Nahes, Gabriel etc. sind für mich nur noch Eines – "Rotes Tuch"!

Anonym 30. März 2015 um 14:25  

Dass nicht jeder ein Millionär werden kann, ist übrigens Unsinn.
Wenn man alles vorhandene Vermögen oberhalb 1 Million Euro auf alle Erwachsenen der Welt verteilen würde, wäre jeder Millionär - ohne Entwertung des Geldes.

H. Ewerth 30. März 2015 um 17:21  

Während der letzten 3 Jahrzenten wuchsen die Abfindungen für Manager 127 x schneller als bei den Arbeitnehmern. Seit 1950 ist dabei das Geschäftsführer – Arbeiter Verhältnis um 1000% gestiegen, das ist kein Tippfehler.

Manager verdienten das 30-fache des Durchschnittseinkommens, jetzt das 500-fache. Irgendwo muss das Geld ja herkommen, um diesen Wahnsinn zu bezahlen? Am einfachsten eben, bei denen die sich eh nicht wehren können.

Anonym 31. März 2015 um 17:22  

Vielleicht meldet sich mal jemand der eine kritische Geschichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) schreibt - seit den Schröder-Jahren, und nicht immer den leider wieder allzu akuellen Spruch bringt "Wer hat uns verraten die Sozialdemokraten!"

Wäre doch mal eine Idee mal zu sehen wie die SPD anno 1998 angetreten ist, und was aus dieser Partei nun unter Gabriel geworden ist - die andere Geschichte ist ja schon über 100 Jahre alt, und leider wieder akutell - Damals ging es um die Zustimmung der SPD zum Völkerschlachten im 1. Weltkrieg, und nur Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht verweigerten sich was Ihnen später durch NOSKE-SPD und rechtsextreme "Freischärler" die Ermordung gebracht hat....

...wie bereits erwähnt, mir geht es nur um die aktuelle SPD Sigmar Gabriels bzw. den Verrat an der Sozialdemokratie seit dem Genossen der (Industrie-)bosse Gerhard Schröder.....

Irgendwer meinte einmal, dass die SPD das Willy-Brandt-Haus abschließen sollte und geschlossen in die CDU/CSU eintreten sollten, da kein Unterschied mehr.....tja, seit Gabriel wohl wahr.....

Trauriger Gruß
Bernie

Anonym 3. April 2015 um 12:37  

Es gibt eine ganze Reihe von (mir nahestehenden) Menschen, die unabhängig voneinender behaupten,
ich hätte ein "beinahe enzyklopädisches" Allgemeinwissen und wäre überdurchschnittlich intelligent.
Vor gut zehn Jahren fragte mich dann mal Jemand, weshalb ich dies nicht nützen und in die Politik gehen würde.

Ich habe ihm ungefähr Folgendes geantwortet:

"Das Finanz- und Monoplkapital haben sich vor langer, langer Zeit auf Kosten Jener, die sich dagegen nicht wehren durften, konnten oder wollten, ein Freudenhaus geschaffen.
In diesem Bordell gibt es viele, viele "Huren".
Nebe dem Militär, den diversen Schutz- und Geheimdiensten und all den anderen "Freudenmädchen", ist die Politik wohl die Meistfrequentierte und Bestbezahlte.
Selbst die Existenz der (politischen und gewerkschaftlichen) Oposition sowohl parlamentarischen als auch außerparlamentarischen stellt dies nicht in Frage.
Ihre Duldung als Merkmal der sogenannten "freiheitlich-bürgerlichen Demokratie" hat Kalkül und Methode.
Sie dient nach Aussen hin der Legitimation.
Sie ist kontrollier-, da sichtbar.
Sie ist manipulierbar, da uneinheitlich und zerstritten.
Sie ist organistorisch, namentlich und personell austauschbar.

Ich habe keinen Bock darauf, als Hure in einem Bordell zu arbeiten, das von Denen finanziert wird, gegen Die ich eigentlich bin."
Jetzt kann sich der geneigte Leser sicher denken, in welche Kategorie "Mensch" die sogenannte "Arbeitsministerin" Nahles nebst Anhang einzuordnen ich mir, so ganz für mich selber, erlaube. (Gott, oder weiß der Teufel Wem, sei Dank, darf man ja -noch- kundtun, was man denkt.)
Mehr als sinnlose und sinnverwirrende Allgemeinplätze, Halbwahrheiten und Lügereien sind da nicht zu erwarten.

Anonym 7. April 2015 um 14:12  

Hallo Vorredner,
"Neben dem Militär, den diversen Schutz- und Geheimdiensten und all den anderen "Freudenmädchen", ist die Politik wohl die Meistfrequentierte und Bestbezahlte. "

Nach Bestbezahlung würden sich die Politiker wohl die Finger lecken... Allerdings verdient ein Manager durchschnittlich das 25-fache eines Poltikers...

  © Free Blogger Templates Columnus by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP