Wiederholen ist gestohlen

Mittwoch, 18. Juni 2014

»Sozialtourismus«, »Souveränität« und »Grenzkontrollen« waren die Schlagworte, die rechtspopulistische Parteien brauchten, um die etablierten Parteien der Mitte auszubremsen. So sieht es jedenfalls von Altenbockum, Redakteur bei der »Frankfurter Allgemeinen« speziell im Falle Dänemarks. Aber genau das was jetzt faul ist im Staate Dänemark, so liest man zwischen den Zeilen, trifft für das gesamte Europa zu.

In der politischen Mitte strickt man an einem neuen Narrativ. Das geht ungefähr so: Die Menschenfischer hätten niederste Beweggründe angesprochen. Damit gepunktet und der Mitte schwankende Wählerschaft abgenommen. Das stimmt ja auch. Was aber verschwiegen wird ist, dass die Radikalisierung der Menschen nicht von Rechtsextremen begonnen wurde. Das alles kroch aus der Mitte. Die Union kriminalisiert Ausländer in Deutschland seit Jahren. Und die Sozialdemokraten halten in ihren Reihen zwei beim Boulevard berühmte sozial(-rassistische) Hetzer. Des einen Buch war ein Bestseller und hat salonfähig gemacht, von Ausländern wieder etwas verächtlicher reden zu dürfen.

Sie haben den Weg gewiesen. Sie und allerlei Zeitungen. Auch die »Frankfurter Allgemeine«, die jetzt so tut, als hätte sie damit nichts zu tun. Die gesellschaftliche Verrohung ging aber auch von einem Medienbetrieb aus, der die neuen rechten Hetzer hofierte, ihnen ein Forum gab. Die animierten das Feuilleton und die Kommentarspalten zu Meinungsäußerungen, die vor Beipflichtung nicht zurückscheuten und die »Leitkultur« umwarben. Leitartikler bastelten aus diesen geistlosen Idioten irgendwie geartete Widerstandskämpfer gegen die »Gesinnungsdiktatur« und halfen so bei der Schaffung der Legende, dass die Meinungsfreiheit quasi nicht mehr gelte.

»Sozialtourismus«, »Souveränität« und »Grenzkontrollen« waren als Begriffe schon in der Welt, bevor das rechtspopulistische und rechtsextremistische Spektrum mit ihnen punkten konnte. Es hat sie kein Rosenberg ersonnen. Sie mussten nur abschöpfen, was in der Mitte entstand. Was aus den Parteien quellte und in die Gazetten sickerte. Jetzt will es aber wieder mal keiner gewesen sein. Das soziale Milieu der politischen Mitte erfindet sich ihre eigene Unschuld. Dass sie die Brandstifter beschworen hat wie einst Herr Gottlieb Biedermann, das weist sie von sich. Die politische Vernunft, dieses Synonym für »politische Mitte« bejammert sich selbst als überrumpelte Kraft.

Aber keine Sorge, die Mittel wie man die Rechtspopulisten wieder los wird, haben manche dieser Leute aus der Mitte schon gefunden. Man muss ihnen nur die Themen wegnehmen, empfiehlt von Altenbockum zum Beispiel. Das ist natürlich Augenwischerei, denn die Mitte hat ihnen vorher die Themen doch in die Hand gedrückt. Wiederholen ist gestohlen. Und wenn das Rechtspopulistische in die Mitte abwandert, gibt es dann nicht auch weiterhin Rechtspopulistisches? Die Abgrenzung zwischen diesen beiden Lagern wird täglich schwerer.


6 Kommentare:

Anonym 18. Juni 2014 um 10:08  

Tut mir leid, aber wenn ich Buschkowsky wäre, würde ich dich jetzt wegen Verleumdung anzeigen. Und zwar völlig zu Recht!
Man muss bestimmt kein Freund von diesem Mann sein, aber zu Sarrazin hat er sich nun wahrlich kräftigst abgegrenzt, und ihm "Sozialrassismus" vorzuwerfen ist derart bewusst übertrieben unspezifisch, dass es nicht mehr links ist, sondern schlicht linkisch.

Anonym 18. Juni 2014 um 12:21  

ANMERKER MEINT:

Dass eine strikte Abgrenzung gar nicht erwünscht ist. Geht es doch darum, durch Vernebelung Stimmen zu gewinnen. Nehmen wir doch einfach mal die CSU, die zwar im Europawahlkampf nicht reüssieren konnte, aber die engen Verbindungen zu den rechten Sudetendeutschen mit Herzblut pflegt. Wenn die FAZ heute Krokodilstränen weint ob der Unübersichlichkeit, die sie selbst mit heraufbeschwört hat, ist sowas mehr als heuchlerisch - es ist infam! Denn die FAZ arbeitet mit Verve mit daran, dass die Deutschen ideologisch auf "WirsindwiederwerKurs" getrimmt werden. Spannend dürfte sein, wer als interner Widerpart auf den verstorbenen Schirrmacher folgen wird oder ob ein solcher gar nicht mehr erwünscht ist und sich die die FAZ so zur völligen Kenntlichkeit wandeln wird - zu: Deutschland einig Vaterland von den Alpen bis zur Waterkant!
Gerade deshalb müssen die Machenschaften der "Konservativen" immer wieder aufgedeckt und an den Pranger gestellt werden.
Danke Roberto!

MEINT ANMERKER

Anonym 18. Juni 2014 um 13:34  

Hieß er nicht Biedermann?

Ansonsten auf den Punkt getroffen. Glückwunsch.

Roberto De Lapuente 18. Juni 2014 um 14:09  

Anonym von 10:08: Du Volltrottel, ich habe den Namen dieses Mannes nicht mal genannt. Aber du hast ihn erkannt. Kann ich so falsch nicht liegen.

Anonym von 13:34: Ja, natürlich. Ist verbessert. Danke!

herbert 18. Juni 2014 um 19:02  

Roberto, herrlich gekontert,danke für deinen Artikel

Anonym 19. Juni 2014 um 21:49  

Ja der arme deutsche Bürger des Mittelstandes...
Ständig wird er verführt.
Eigentlich gehört er ja zu den Guten, aber er wird ständig gegen seine Willen zu etwas bösem gezwungen.
Er ist nicht Schuld.

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