Noch vor der Sommerpause

Montag, 16. Juni 2014

oder Warum jeder Sieg der DFB-Elf eine Gefahr für unsere Demokratie ist.

Kürzlich konnte man lesen, dass die Regierung Fracking unter Auflagen zulassen will. Das soll »noch vor der Sommerpause« geschehen. Diese Floskel soll nicht nur Eile weismachen. Sie kaschiert, dass sie Synonym für etwas ganz anderes ist.

Die Nachricht vom Fracking ging unter. Plötzlich waren andere Themen wichtiger. Reus, Brasilien, das streikende Personal, das die Weltmeisterschaft gefährdet und Bierhoffs Pressekonferenzen. »Noch vor der Sommerpause« war hier nur als anderes Wort für »während der WM« gemeint. Denn faktisch fallen diese zwei Zeitpunkte ja »rein zufällig« in dieselbe Zeit. Die Weltmeisterschaft ist vor der Sommerpause und die Sommerpause kommt gleich nach der Weltmeisterschaft. Die beste Zeit dafür, umstrittene Vorhaben durch die Instanzen zu boxen.

»Etwas Ablenkung tut gut«, schrieb dieser Tage der »Schwarzwälder Bote« und meinte damit, dass die Weltmeisterschaft von den ernsten Weltenläuften weglockt. Er zählt hierbei den »Terror im Irak und in Nigeria, Bürgerkrieg in Syrien, Ukraine-Krise, europäische Neufindung« auf und vergisst darüber aber den Bundestag, der die Feierlaune und Zerstreuung gerne mal ausnutzt, um unbequeme Gesetze zu beschließen. Denn das »Sommermärchen« brachte eine Mehrwertsteuererhöhung und das letzte Weltturnier in Südafrika handelte den Bürgern nicht nur eine Erhöhung der Krankenkassenbeiträge ein, sondern bestätigte abermals die Aufhebung dieser ehemals paritätischen Versicherung. Vor zwei Jahren, während der Europameisterschaft, beschloss der Bundestag innerhalb weniger Sekunden, dass Ämter Bürgerdaten an Adresshändler weiterleiten dürfen. »Meldegesetz« nannte sich diese Frechheit, die später vom Bundesrat kassiert wurde.

»Noch vor der Sommerpause« wurde das alles beschlossen. Also innerhalb des Turniers. Wenn alle fiebern, saufen, mit den Gedanken beim Spielplan sind. Danke, Jules Rimet, dass du der politischen Kaste der Postdemokratie so einen feinen luftleeren Raum geschaffen hast! Wenn die mal plant, die Reste der Demokratie auszusetzen, dann sicherlich »noch vor der Sommerpause«. Schnell und effizient. Nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit, versteht sich. Alles völlig transparent, denn die Demokratie wird nach demokratischen Mitteln ausgesetzt. Jeder kann zuschauen. Wenn er möchte. Es will ja nur keiner! Denn was Japan gegen die Elfenbeinküste und der DFB gegen Ghana treibt, bestimmt unser Bewusstsein.

Dass sie Fracking jetzt vor der Sommerpause abhandeln wollen, das ist ein Euphemismus - so verschweigt man, dass sie es unter diesem »transparenten Ausschluss der Öffentlichkeit« in die Wege leiten wollen. Es suggeriert überdies »gebotene Eile« und »parlamentarische Effizienz«. Die Kritik kommt in diesem Klima der Überstürzung dann nur noch kurz. Sie kann ja dann »nach der Sommerpause« einsetzen, wenn die Weltmeisterschaft vorbei ist. Nur dann ist es zu spät, dann sind die Weichen schon gestellt. Und nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Irgendwas wird auch dann wichtiger sein.

Schon alleine deshalb muss man hoffen, dass der DFB nicht mit dem Pokal zurückkommt. Jeder Sieg von Löws Mannschaft ist ein wenig mehr Vertuschung und Verdunkelung, ein Stück mehr Entdemokratisierungsgrundlage. Denn dann hat diese Regierung nicht nur »vor der Sommerpause« Handlungsspielraum. Dann ist »vor der Sommerpause« wie eine Verlängerung. Und der Taumel verschleiert bis Weihnachten, was von oben herab diktiert wird.


6 Kommentare:

Anonym 16. Juni 2014 um 14:44  

Nicht nur das ganze Turnier ist eine Gefährdung für die Demokratie, auch solche Nationalspieler sind es:

http://instagram.com/p/pHiH6RuJ4G/#

Über so etwas sollte sich einmal die BILD aufregen. Aber wahrscheinlich ist diese anderweitig beschäftigt.
Amerika21 darf es übernehmen. (https://amerika21.de/2014/06/102632/proteste-repression-wm-start)

Anonym 17. Juni 2014 um 13:59  

die wm ist eine große sache, dies kann man nicht leugneen! wachsamkeit gegenüber der politik ist immer angebracht!

Roberto De Lapuente 17. Juni 2014 um 15:33  

Die WM ist letztlich nur eine WM. Der Weltmeister von heute ist der vergessene Weltmeister von morgen.

Anonym 17. Juni 2014 um 21:33  

...ich tu mir diesen Fussball-Moist nicht an....wenn ich nur das Bild von dieser Merkel sehe, wie sie einen auf "Fan" macht, da kann ich schlicht nur das grosse Kotzen kriegen....jetzt fehlt nur noch der bigotte Pfaffe aus Berlin im Stadion....

Anonym 18. Juni 2014 um 10:18  

Sind Fussballer nur so bretznagelblöde oder ist das eher der Durchschnitt? Auch "Die Anstalt" musste lange suchen, bis sie etwas fand. Ansonsten blieb nur Völlers Weißbierausraster. Und ein anderer Ex-Nationaltrainer fand das besagte Regime in Argentinien damals noch als Spieler nicht kritikwürdig und glätzte mit einer lächerlichen Aussage.

Die FIFA-Grundsätze sind ja völlig i.O., aber was ist daraus geworden? Ein durch und durch korrupter Scheissehaufen. Auch Ex-Spieler, nationale Ikonen sind nur noch ekelhafte Arschlöcher. Ob Platini oder Beckenbauer, von Hoeness gar nicht zu sprechen. Bierhoff ist Botschafter der INSM. In Frankreich drohen die Spieler erst mit Streik, wenn es um die Deckelung ihrer Irrsinnsgehälter geht.

Sämtliche Sportartikelhersteller sind grausame Ausbeuter in der 3. Welt. Von Kinderhand genähte WM-Bälle sind lange kein Insiderwissen mehr. Aber hat irgendwer jemals eine kritische Aussage eines Kickers dazu gehört? Ich nicht. Ich höre heute immer mal wieder, dass ein Spieler keine Zeit hat, ein Interview zu geben, weil Frau Merkel gerade in der Kabine ist. Ja, ganz toll...

Und den Fans? Denen scheint das auch egal zu sein. Im Fussball vereint, sich in grenzenloser Dummheit badend, ist es nur angebracht, dem Volk die miesesten Gesetze unterzujubeln. Verdient haben wir das allemal! Jetzt kann man sich wieder rund um die Uhr nur Schwachsinn anhören, jeden Tag Pressekonferenzen und Interviews und weil das noch nicht langt, darf auch jeder Hans Wurst, der mal irgendwie was mit Fussball zu tun hatte oder auch nicht, seinen Senf dazu geben. Ob morgen die Sonne noch aufgeht, wenn Mats Hummels Knie nicht heilen will? Wer weiß...

Anonym 18. Juni 2014 um 14:34  

robert: der weltmeister wird nie vergessen, weil er unvergesslich ist, frage mal die spanier, die 2010 zum ersten mal gewonnen haben!man darf aber eben nicht nur dafür leben, mehr als klar, kenne aber niemanden der nur dafür lebt!

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