Prioritäten muss man haben

Montag, 18. März 2013

Dass das gleich mal gesagt ist: Ich hätte mir keinen Anschlag auf Markus Beisicht, diesem Kopf aus dem Führungskader von pro NRW, gewünscht. Auch Rechtsextremisten darf man nicht fröhlich aus der Welt befördern. Mord ist Mord. Aber fragen muss sich schon, weshalb hier die Zugriffe gelingen und mögliche terroristische Angriffe vereitelt werden, während gleichzeitig jahrelang und trotz Involvierung von Geheimdiensten, zielgerichteter Terror nicht erkannt werden wollte.

Es gibt tatsächliche Terroropfer in diesem Lande und es gibt potenzielle. Ob jemand tatsächlich Opfer wird oder potenziell Opfer bleibt, ist eine Frage der Setzung von Prioritäten. Manche Gefahrengruppen sind ganz offenbar beschützenswerter als andere. Dazu zählen auch Rechtsextremisten. Türkische Mitbürger weniger. Die können Opfer einer Mordserie werden und deren Hinterbliebene müssen dann damit leben, dass das Tatmotiv in deren angeblichen Kontakten zur türkischen Unterwelt gesucht wird.

Obgleich diese Republik nun weiß, dass der Rechtsradikalismus keineswegs nur Rassismus predigte, sondern auch mindestens eine Mordbrigade unterhielt, kann man sich nur schwer durchringen, dem Rechtsradikalismus die Kanäle abzugraben. Innenminister Friedrich ziert sich da immer ein bisschen. Aber in salafistische Räumlichkeiten läßt er eindringen, findet dort scheinbar offen rumliegende Attentatspläne und meldet sich als Vereitler des Terrors zurück. Das potenzielle rechtsradikale Opfer hat das Glück, dass man seinen potenziellen Mörder für gewichtiger erachtet als jene, die schon tatsächlich Bürger ausländischer Herkunft getötet hatten.

Das ist die ganz besondere Prioritätensetzung, die das Innenministerium unter Friedrich für sich installiert hat. Erst werden Rechtsradikale und Linksextremisten gleichgesetzt, wobei die einen Menschen schlagen, anzünden und töten und die anderen vornehmlich Autos umkippen und Steine werfen - und dann kann man sich aber doch nicht zur Gleichsetzung von Rechtsradikalen und Salafisten entschließen.

Der pro NRW-Boss hätte es nicht verdient. Nicht mal er. Es gibt Grenzen, die einzuhalten selbstverständlich sein müssen. Aber dieses Engagement seitens der Behörden wünscht man sich vergeblich auch dann, wenn gegen rechtsradikale Kriminelle ermittelt wird. Da war man schon mal über Jahre hinaus blind - aber auf vagen Verdacht hin stürmt man die Räume religiöser Hardliner und hat - Zufallzufall! - einen Attentatsplan gefunden.

Und der pro NRW-Mensch darf sich nun als potenzieller und tatsächlicher Märtyrer feiern lassen. Er habe alles Recht der Welt, islamophob zu sprechen, wird es dann heißen. Die Moslems wollten ihn ja ermorden. Und die Hinterbliebenen der Opfer der NSU, die dürfen nicht mahnen, wenn einer wie Beisicht spricht und hetzt, denn Rechtsradikale reden zwar viel Unsinn, aber Taten folgen nur in seltenen Einzelfällen.



7 Kommentare:

Anonym 18. März 2013 um 09:07  

Könnte es sein, dass linkes Gedankengut unter den Mitarbeitern der einschlägigen staatlichen Organe eher selten vorhanden ist, während das rechte Äquivqalent seit 1945 dort immer ein paar wohlwollende Gönner hatte? Ach, das sind bestimmt nur haltlose Vermutungen an einem trostlosen Montag morgen...

Cory 18. März 2013 um 10:44  

Ist der Unterschied zur NSU nicht, dass die Mordaufrufe gegen den Herren schon seit einiger Zeit öffentlich waren? Wenn ich in der Öffentlichkeit Hinweise hinterlasse, dass ich eine bestimmte Person töten will, führt das eher zu meiner Aufdeckung, als wenn ich das vermeide, oder?

Anonym 18. März 2013 um 11:35  

Wieso dauernd diese Islamhetze -
könnte ein Plan dahinterstecken?

Albert Pike hat im Jahre 1871 einen Brief an Giuseppe Mazzini geschrieben, indem er ua. über drei geplante Weltkriege berichtet:

Der erste Weltkrieg soll dazu dienen, das zaristische Russland zu Fall zu bringen.

Der zweite Weltkrieg wird auf nationalistischen Bestrebungen basieren, soll der Gründung des Staates Israel dienen und den Kommunismus stärken.

Der dritte Weltkrieg wird durch Kontroversen zwischen muslimischen Führern um dem politischen Zionismus seinen Anfang finden. Der Rest der Welt soll jedoch, bis zur restlosen Erschöpfung auf allen Ebenen, in diesen Konflikt hineingezogen werden...

Anonym 18. März 2013 um 14:25  

Anmerker meint:

Ja, so ist das wohl in einer Demokratie, Roberto. Er hat alles Recht der Welt, sich islamophob zu äußern. Ebenso haben Muslime alles Recht der Welt dagegen zu demonstrieren, aber halt weder Mordrohungen auszusprechen noch entsprechende Anschläge zu begehen. Da muss der Rechtsstaat entgegenhalten, auch wenn er manchmal so tut, als sei er auf dem Rechten blind. Vielleicht darf man Friedrich unterstellen, dass er durch die NSUsache sensibler geworden ist. Klarerweise dürfen wir ihn , wie Du deutlich hervorhebst, nicht aus seinen Widersprüchen entlassen. Aber es geht nun mal nicht an, dass sich der Islamismus(!) anschickt, den Rechten nachzueifern.

MEINT ANMERKER

Roberto De Lapuente 18. März 2013 um 15:17  

@ anonym von 11:35 Uhr:

Pike schrieb auch an Mazzini, dass am 18. März 2013 um 11:35 Uhr ein Anonymus einen seltsamen Kommentar bei ad sinistram hinterlassen wird - und dass der ad sinistram-Betreiber sich köstlich über diesen Unfug amüsieren wird.

maguscarolus 18. März 2013 um 17:25  

Bodenloses Verschwörungsgetuschel eines "Hochgrad-Freimaurers" namens Albert Pike und seiner neuzeitlichen Gläubigen. Nostradamus und Cagliostro lassen auch schön grüßen.

Anonym 19. März 2013 um 17:19  

Der Blick zurück:
Wer sich das Verhalten der Politik und die Urteile der Justiz in den 20ern und früher 30ern des vergangenen Jahrhunderts gegenüber Anhängern des linken Spektrums im Vergleich zu den Anhängern des rechten Spektrums genauer betrachtet, und dabei offensichtliche Parallelen zum Verhalten der Politik und der Justiz in der heutigen Zeit auffindet, darf diese gern behalten.

Anhänger des 04.08.1789

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