Der guate alte Franz

Samstag, 16. März 2013

Der neue Papst und wie man ihn nun nennt.

Jorge Maria Bergoglio gab sich, nachdem er bestätigt hatte, die Wahl anzunehmen, den Namen Fransiscus. Dieses Zeremoniell geschieht in lateinischer Sprache. Liefe es auf Deutsch ab, hätte er sich Franz genannt. Gleichwohl haben die Medien just in dem Moment, da der neue Papst gelüftet wurde, sich der latinisierten Form bedient. Das widerspricht den Gepflogenheiten deutschsprachiger Papstlisten.

Konsequent und richtig wäre, Bergoglio Franz zu nennen. Ratzinger war im deutschsprachigen Raum ja auch nicht Benedictus und Wojtyla und Luciani wurden auch nicht Ionnes Paulus geschrieben und gerufen. Auch in anderen Sprachräumen nutzt man ja jetzt wieder die landeskonforme Variante. In spanischen Sprachraum ist er Francisco, im englischen Francis und im französischen François.

Rausreden könnte man sich damit, dass Franz von Assisi im Deutschen schon mal - wenn auch eher selten - als Heiliger Franziskus gerufen wird. Keiner würde jedoch vom Kaiser Franziskus sprechen - und Georg Kreisler sang ja auch vom guaten alten Franz und nicht vom guaten alten Franziskus. Müntefering ein Franziskus?

Ehrlicher wäre es aber wahrscheinlich, wenn man einfach zugeben würde, dass einige Sender während der Live-Übertragung vom Kamin damit angefangen haben und dann nicht mehr davon ablassen wolltenoder konnten. Flugs war dieser Name in der deutschsprachigen Welt und schon fast allgemeingebräuchlich geworden. In der festlichen Stunde klang Franziskus aber auch viel hochtrabender als Fraaanz. Lingua franca schien da nicht passend.

Dass es keinen Franz mit der Nummer Eins geben kann, solange es keinen Franz Zwo gab, ist nun mittlerweile angekommen. Eine Eins schon zu vergeben, ehe es eine Zwei gibt, ist nicht nur für Papstlisten unüblich. Bei der Proklamation Benedikts wurde der Zusatz "der Sechzehnte" lateinisch genannt - bei Franz fiel keine Zahl zwecks Nummerierung. Die katholischen Kardinäle meinen viel zu wissen, aber Hellseher, die wissen ob es einen zweiten Franz jemals geben wird, sind sie dann doch nicht.

Es war schon seltsam und ein Ausdruck dieser "pluralistischen" Medien, dass überall unreflektiert von Franziskus I. gesprochen wurde. Mal sehen, ob man aus dem Franziskus nicht noch einen Franz macht. Vielleicht als Strafe, wenn er innerkirchlich festklebt...



9 Kommentare:

maguscarolus 16. März 2013 um 12:34  

"Franciscus" weckt doch ganz andere Assoziationen. Er ist ein Werbeträger!

Anonym 16. März 2013 um 17:26  

ANMERKER MEINT:

Also wenn´s einer kann´s, dann der Franz. Der Franz ist Argentinier und vielleicht kein Spiennier. Obwohl er´s mit der Junta hatt´, ist er vielleicht die Junta satt. Ja der Franz, der kann´s. Auch dass er für die Armen ist, das haben wir ganz lang vermisst. Ja der Franz, der kann´s.
Für ARD und ZDF, da kam der Franz gerade recht. Sie konnten jubilieren und ihn gar auch noch
hofieren. Das war doch eine einz´ge Pracht. Ja die beiden haben Macht. Haben was von Franz gesagt, als noch niemand kannt´die Plag. Ja der Franz, der kann´s.
Jetzt brauchen Journalistenmaden nicht mehr für die Armen schwafeln. Dafür ham se nun den Franz - der kann´s. Der Erlöser ist nun da. Es lebe Franz-Halleluja!

MEINT ANMERKER

Anonym 16. März 2013 um 19:10  

das stimmt schon, Franz ist im Deutschen irgendwie kein Name. Er bedeutet nichts und klingt eher lustig.

Ecoli 16. März 2013 um 22:11  

Und wenn man denkt,

schlimmer geht es nicht mehr,

kommt irgendwo ein Franziscus her.....;)

Anonym 17. März 2013 um 03:10  

Ist doch klar, dass ein Papst Franz sich hinter dem Kaiser Franz einreihen würde. Also musste man sich bei den Katholenfreunden in den Sendern in Deutschland schleunigst etwas hochtrabender Klingendes einfallen lassen. Arm und hilflos ist das, auch deshalb sollte man auf jeden Fall konsequent "Franz" sagen. So wie zuvor ja auch Ratze die passende Bezeichnung war, damit der Mann die Bodenhaftung nicht verlor...

Anonym 17. März 2013 um 11:32  

Halten wir uns an die Schillerschen Räuber: Franz heißt die Kanaille!

Hartmut 17. März 2013 um 12:05  

Franz erinnert mich an Franzbranntwein ! ;-)

TaiFei 18. März 2013 um 07:03  

Wenn man die I. erwähnt, hat das nichts mit Hellseherei zu tun. Es wäre lediglich die Ergänzung "der ERTE mit diesem Namen". So unüblich wäre das historische gesehen nicht.

Roberto De Lapuente 18. März 2013 um 07:22  

Doch wäre und ist es. Die Nummerierung tritt nur in Kraft, wenn es in der Ahnenreihe denselben Namen schon mal gab. Einen Ersten kann es nur unter mindestens zwei geben. Das gebietet schon die Logik.

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