Was muß denn noch passieren?

Mittwoch, 28. März 2012

Es herrscht Krise. Die Wirtschaft kriselt, der Euro und die Finanzen auch - und letztlich liegt die Demokratie krisengeschüttelt im Krankenbett. Öffentliche Kassen werden zweckentfremdet, ihre Erträge kommen der Rettung von Banken und Konzernen zu, unterdessen die Sozialsysteme trockengelegt und deren Anspruchsberechtigte, wenn nicht gänzlich kriminalisiert, so doch anrüchig gemacht werden. Das ist das Milieu, in dem eine linke Partei eigentlich gedeihen könnte - so ein Umfeld muß sie sich fast schon wünschen, wenn sie nach Jahrzehnten neoliberaler Beschulung der Massen, einen Stich machen will. Nun ist das Umfeld eingetreten - und eine linke, linksliberale, u-sozialdemokratische Partei gibt es wieder, nachdem man lange Zeit keine mehr in diesem Lande kannte. Und trotz klimatisch guter Bedingungen für ein solches Projekt: sie kariolt gerade so über der Fünf-Prozent-Hürde bundesweit, verliert bei Landtagswahlen und wird bei kommenden, die Prognosen tendieren dorthin, aus dem Landtag gekegelt.

Neoliberalismus zu tief eingepflanzt

Sie müht sich an einem Volk ab, das die Krise sieht und merkt - manche tun das schon seit Jahren, andere schlittern gerade hinein, wieder andere mühen sich, in Krisenzeiten nicht in persönliche Krisen zu geraten. Sicher ist, dass nichts sicher ist - das ist die Erkenntnis, die uns die mit der Globalisierung drohenden Neoliberalen seit nunmehr Dekaden lehrten. Seit Jahren sind sie die Lehrmeister der Parteien - und die "wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit", heißt es in Artikel 21 des Grundgesetzes. Die und die Medien, die auch belehrt wurden von denen, die das Laissez-faire zur Doktrin erhoben haben. Seit Jahren vernimmt man dieses eindimensionale, so entzückend einfache Weltbild, wonach der Markt über (Selbstheilungs-)Kräfte verfüge, die als ordnende Instanz fungieren, womit der schlanke Staat ein guter Staat sei, weil er diese Kräfte nicht lähme. Geklappt hat das in der Praxis nie - aber es klang so wohlig und die Legionen von Kuratoren und Botschaftern einschlägiger Think Tanks und Initiativen, die sich im Fernsehen und im Feuilleton lümmelten, erzeugten die Auffassung, dass die Doktrin auch dann stimmen könne, wenn sie gerade nicht stimmte.

Wie will eine linke Partei, die diesen Doktrinen, die ins Fleisch und Blut eines ganzen Volkes übergangen sind, in wenigen Jahren auflösen, was in Jahrzehnten verfilzte? Wie will sie ein Brot-und Spiele-Volk, diese hiesige Bespaßungsgesellschaft, die im Boulevard die höchsten Weihen des Journalismus ahnt, mit aufklärerischer Ernsthaftigkeit und seriösen Erklärungen fesseln? Wie soll man den Beißreflex, den man den Bürgern schon vor dem neoliberalen Zeitalter einpflanzte, nämlich den, alles was dem linken politischen Spektrum auch nur ansatzweise zu entsteigen scheint, als kinder- und schlimmer noch eigentumfressenden Kommunisten zu beziffern... wie soll man das aus den Köpfen schlagen? Es ist ja nicht so, dass man nicht kapitalismuskritisch wäre hierzulande - aber die Rezepte dagegen lesen sich vom Stammtisch bis zur Tageszeitung meist so: Wettbewerb, Anreize schaffen, Eigeninitiative, der Markt reagiert, vertraut oder ist je nachdem skeptisch...

Trotz Krise, die neoliberale Beackerung hat sich für das Wirtschaftsbaronat gelohnt

Es sind die Schlagworte der neoliberalen Heilslehrer, mit denen alles anders, menschlicher, besser werden soll - alles, was vormals schon nicht menschlicher, nicht besser geworden ist. Wer die nicht im Repertoire führt, der tut sich schwer bei den Menschen. Sicher, der Kapitalismus, die Spekulativwirtschaft, all diese Erscheinungen - aber es muß doch Wettbewerb in jeder Sparte geben, man muß doch Anreize schaffen, Lohnabstandsgebot und so. Wie soll man auch Narrative, die man täglich vernommen hat, die noch immer, wenn auch etwas beschämter als vorher, gedudelt werden - wie soll man diesen liebgewonnenen Soziolekt und seine Gedankengänge einfach so ablegen?

Ein Hoch hat Die Linke nie gehabt. Knapp acht Prozent bei der Bundestagswahl 2005 waren ein Anfang - vier Jahre später waren es knapp zwölf Prozent. Man lege nicht zu viel wert auf Prognosen. Betreten macht es allerdings schon, dass man bei fünf, sechs, optimistisch sieben fiktiven Prozent auf Bundesebene dümpelt - von den in Aussicht stehenden Landtagswahlen keine Rede. Und die Zeiten sind seit 2009 nicht besser geworden. Es sind eigentlich Zeiten für linke Parteien angebrochen - aber keiner wählt sie. Das kann nur bedingt am Personal liegen, wie man oft hört. Farblose Typen seien das, liest man zuweilen. Gut Gysi nicht und Lafontaine auch nicht - Wagenknecht naja, wer es spröde, humorlos wirkend mag. Aber Farblosigkeit ist doch nicht die Erklärung. Denn wo sind die Farbtupfer bei den anderen Parteien? Die Grünen sammeln eine immer größere Wählerschaft um sich - wer ist da farbig? Mal von der Garderobe Claudia Roths abgesehen. Und ob es nur die Kampagne ist, die man gegen Die Linke fährt, wie Jens Berger unter anderem in seinem "Stresstest Deutschland" nachzeichnet, kann man auch nicht glauben wollen.

Trotz wankendem Koloss, trotz Krisen, die diesen an Manchester angelehnten Kapitalismus in die Bredouille bringen - letztlich haben Konzepte, die das seit Jahrzehnten bekannte neoliberale System torpedieren, wenig Chancen. Vielleicht ist das irgendein Stockholm-Syndrom, vielleicht nur Desinteresse, vielleicht aber auch eine verinnerlichte Schizophrenie - Symptom für den Neoliberalismus! -, dass sich nur alles ändert, wenn sich nichts ändert. Also wählt man denselben hanebüchenen Quatsch, den man immer wählte, einen aus dem Bund neoliberaler Parteien. Oder man wählt innovativ, wählt die Piraten, eine Art FDP mit Computerausrüstung, deren Programm bei Lambsdorff bestellt scheint. Nur Die Linke, die bei aller Kritik, doch so anders ist, wie das, was sonst so kreucht und fleucht, die wählt man nicht...



56 Kommentare:

Harald 28. März 2012 um 09:17  

Es hängt sicherlich auch mit der "Sprachregelung" zusammen.
Gibt es hier im Lande doch keine Armen sondern nur Armutsgefährdete, und das ist ja noch nicht so schlimm. Schlimmer wäre es, wenn es Arme gäbe.
Nur um ein Beispiel zu nennen. Die Verdummung nimmt immer groteskere Züge an, es ist kaum noch zum Aushalten.

Anonym 28. März 2012 um 10:11  

Die Piraten sind keine FDP. Sie stehen für einen freiheitlichen Bürgerstaat in Selbstverantwortung und für Leistungsbereitschaft!!

Roberto J. De Lapuente 28. März 2012 um 10:14  

Oha, dann habe ich die Piraten wohl verkannt. Sie sind keine FDP, haben aber, wenn ich lese, was Du schreibst, von ihr abgeschrieben. Kann das sein?

Anonym 28. März 2012 um 10:22  

Irgendwer muß ja Schuld an den steigenden Benzinpreisen sein. Rassismus, Ausgrenzung, Schuldzuweisung sind einfacher als über sich selbst und sein eigenes Verhalten zu reflektieren.

ES REICHT MAL WIEDER NICHT FÜR ALLE!

Und die Piraten sind deshalb erst mal für die SCHULDENBREMSE.

So sind dicke fette Posten in Reichweite.

Und danach reicht es allemal.

Zumindest für einen selbst.

Anonym 28. März 2012 um 11:08  

Passieren tut eigentlich genug.

"Der Verkaufsleiter eines Lebensmittel-Discounters hat mir neulich berichtet, er sei angewiesen worden, missliebigen Mitarbeitern einzelne Artikel aus dem Sortiment in die Tasche zu schmuggeln, um sie anschließend wegen Diebstahls entlassen zu können."

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,823887,00.html

Anonym 28. März 2012 um 11:26  

Die Piraten sind für "Leistungsbereitschaft".
Und wer nicht "Leistungsbereit" ist?

Nun ja, ich wähle die sowieso nicht. Und das obwohl ich in der IT tätig bin.

Mir ist es auch unerklärlich, warum Die Linke so wenig Zuspruch erhält.

Ich war mal SPD Wähler. Seit Schröder und dem Gesocks, das noch immer in der SPD das Sagen hat, wähle ich die im Leben nicht mehr.

Warum ist die SPD noch immer nicht abgewählt? Die SPD legt ja schon wieder bei Wahlen zu.
Haben die Wähler die Machenschaften der Sozialabbaupartei schon wieder vergessen? Ich nicht!

Wenn die nach Schröder wieder zulegen, ist dass für die doch ein Zeichen, dass sie so weiter machen könnnen, wie Schröder es vorgemacht hat. Man wird ja nicht abgestraft.

christophe 28. März 2012 um 11:30  

Ich habe so meine Probleme mit der Linken. Was in dem Beitrag steht, ist natürlich richtig. In den USA, denen wir bekanntlich immer ca. 5 Jahre nachhinken, ist durch Dauerpropaganda 'links' (heißt dort 'liberal', sic!) dermaßen verteufelt, dass sogar eine zaghafte Gesundheitsreform scheitern wird.
Bei der deutschen Linken sehe ich keine klare Linie, keine nachvollziehbare Programatik und ein Personal, welches den Anforderungen einer solchen Partei nicht immer gewachsen ist, ganz abgesehen von den Grabenkämpfen, die bisweilen den Eindruck machen, als seien sie von V-Leuten geschürt. Mein derzeitiger Favorit ist der 'front de gauche' mit Jean-Luc Mélenchon. Ein vorbildlicher, pfiffiger Wahlkampf und ein Kandidat, der die klassisch-linken Ideale gut rüberbringt. Aber von Frankreich lernt man hierzulande nur ungern...

Katzengreis 28. März 2012 um 12:00  

Es kommt eigentlich alles zusammen, die unsägliche Doppel"dumpf"spitze Ernst & Lötzsch, die ständige Propaganda gegen die LINKE und eine ganze Portion Feigheit der Partei davor, richtig Lagerwahlkampf zu machen. Nicht einfach nur solche unsäglichen Sprüche wie "Reichtum für Alle" usw.. Das dabei nichts rauskommt ist ja wohl auch klar, damit macht sie sich lächerlich.

Letztlich wäre es doch egal, ob die Medien aufheulen, aber dann würde die LINKE wenigstens mal wieder richtig wahrgenommen werden. Da würden schon ein paar alte Hartfield-Motive reichen.

Anonym 28. März 2012 um 12:09  

Im übertragenen Sinne könnte ich sagen: Ich bin von meiner Krankheit schon so geschwächt, dass ich gar keine Kraft mehr habe, etwas gegen sie zu unternehmen.

Dirk 28. März 2012 um 12:23  

@ christophe

"...Bei der deutschen Linken sehe ich keine klare Linie, keine nachvollziehbare Programatik..."

Hast Du das Programm wirklich mal gelesen und woran machst Du denn fest, dass DIE LINKE keine klare Linie vertritt?

Da haben wir schonmal einen der Gründe dafür, warum es der LINKEN so schwer fällt, mehr Einfluss zu gewinnen, gefunden... Gerade auch in diversen Internetforen immer wieder gut ablesbar. Das, was es bei den "etablierten" Parteien doch genausowenig gibt, wird ausgerechnet der LINKEN zum Vorwurf gemacht und man merkt nicht einmal mehr, dass man damit der allgegenwärtigen Manipulation auf den Leim gegangen ist...

Anonym 28. März 2012 um 12:54  

"Neoliberalismus" schon zu tief in den Köpfen ... der von Ihnen vertretene "Sozialliberalismus" etwa nicht?

Ernst Otte, Hamburg 28. März 2012 um 13:28  

Lieber Roberto!
"Es herrscht Krise", sagst du, aber der Frühling ist da. "Die Wirtschaft kriselt", aber die Biergärten sind voll mit gut angezogenen Leuten. "Krisengeschüttelt" liege die Demokratie "im Krankenbett", aber die FDP ist im Saarland gerade abgemeiert worden und Wulff ist gerade durch sehr viele Journalisten und ein interessiertes Publikum aus seinem Amt entfernt worden, die "anrüchig" gemachten "Anspruchsberechtigten" organisieren sich in ihren Milieus zu großen Teilen ein tapferes Leben und achten mit Erfolg darauf, dass ihre Würde nicht zerstört wird. Es gibt unerhörte Geschichten von Initiative und Verantwortung im Hartz IV - Bereich, von "Selbstverantwortung" besser zu schweigen, denn dieses Wort ist mit Bann belegt, weil Neoliberale und Gauck es gebrauchen. Und Die LINKE "kariolt gerade so über die Fünf-Prozent-Hürde bundesweit". Vielleicht liegt es daran, dass die Erwartungen an die LINKE deshalb nicht in Erfüllung gehen, weil die wählende Bevölkerung die Wirklichkeitsbeschreibung dieses Artikels offenbar gar nicht teilt und vom "Krankenbett" keine Ahnung hat, in dem sie gerade abgelegt worden ist.

DIE LINKE jedenfalls "müht sich an einem Volk ab" - stop: "das Volk" gibt es gar nicht, sondern es gibt Gruppierungen mit völlig unterschiedlichen Interessen, Freuden, Ängsten, Ansichten und Gewohnheiten und die wollen einfach nicht so wie du möchtest, lieber Roberto. Am wenigsten, glaube ich, lassen sie sich ihre politische Kompetenz absprechen von Leuten, die meinen, die Gesellschaft würde aus einer Bertelsmann-Etage heraus gesteuert und Deutschland sei ein Land mit einer großen Gehirnwaschanlage!? Zurück zu deinen Gedanken: DIE LINKE müht sich "an einem Volk ab, das die Krise sieht und merkt". Das mag sein, dass Teilgruppen etwas davon "merken" und einige etwas "sehen", andere Gruppen, zahlenmäßig vielleicht bedeutend größer merken nicht das Geringste, sondern prosperieren und nur relativ wenige wählen links. So ist das. Soll man sich eine Herrschaftsform denken, in der ein so unbefriedigendes Wählervotum ignoriert werden kann?

Dein Zorn jedenfalls ist groß. Du bringst dir wichtige Stichwörter: die "Globalisierung", die "Neoliberalen", die "Markt-Doktrin", die "Legionen von Kuratoren und Botschaftern", die "dem Volk" ein X für ein U vormachen. Und dann redest du plötzlich schlecht über "das Volk": "Brot-und Spiele-Volk", "Bespaßungsgesellschaft", ich dachte gerade noch, die schlottern vor Angst und Ungewissheit?
Und dann unterstellst du ihnen einen "Beißreflex" gegen Kommunisten und "wie soll man das aus den Köpfen schlagen?" Das ist recht aggressiv gefragt, lieber Roberto, vielleicht sollte dein Text auf diesen Satz zulaufen? Die neoliberale Gesinnung aus dem Oberstübchen schlagen, einfach rausschlagen?
Und dann unterstellst du diesem "Volk", es sei "schizophren" und wähle deshalb alles mögliche, nur nicht die deiner Meinung nach heilbringende LINKE. Sollte man da nicht wie seinerzeit Brecht formulieren, mit diesem Volk ist nichts anzufangen, man suche sich einfach ein neues?!

Die Steuergelder werden, wie du schreibst, statt für Anspruchsberechtigte missverwendet, um Banken zu retten und Konzerne vor dem Konkurs zu bewahren, Du kritisierst das - aber hast du dir schon mal überlegt, dass sehr Vielen deutlich ist, wenn "der Staat" sich anders verhielte, dass dann eine Krise ungeahnten Ausmaßes heraufkommen würde, der Viele gern aus dem Weg gehen möchten? Sie wollen leben, arbeiten, sich einrichten in teils schlechten Kompromissen (das wissen die meisten!) und ihre Würde achten, sie wollen pragmatisch bleiben und keinen Aufstand und erst recht keine politischen Führer, die ihnen ihr vermeintlich falsches Bewusstsein "aus dem Kopf schlagen".

Und von einem lebenspraktischen Standpunkt aus haben sie Recht.

Roberto J. De Lapuente 28. März 2012 um 13:45  

Kurzum, alles im Butter - ja, dann ist ja alles in Ordnung. Die wollen nicht so wie ich möchte? Lach! Ja, so wird es sein...

Anonym 28. März 2012 um 17:31  

Gegen die Intelligenz ..., denn die möchte man nicht wirklich.
Man möchte den marktkonformen Menschen, der nur den Nützlichkeitsaspekt im Kopf hat.
Dass sich das nachteilig auf das gesellschaftliche Klima auswirkt, wird dabei billigend in Kauf genommen.
Und der Nützlichkeitaspekt rechnet sich ausschließlich in finanziellen Dimensionen.
Alles ist gut..., man trommele ruhig weiter, irgendwann ist es auch im letzten Kopf angekommen...

http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2012/nutzklugheit-und-marktintelligenz/

Beste Grüße
onlyme

Anonym 28. März 2012 um 18:19  

Die Linke sollte sich für NICHTPARTEIMITGLIEDER öffnen.

In den Kommunen in NRW sollten interessierte NICHTPARTEIMITGLIEDER ein demokratisches Wahlrecht für die Aufstellung der Wahllisten bekommen.

Und sie sollten Vorschläge für Anträge usw. zur Abstimmung stellen dürfen.

Anonym 28. März 2012 um 18:23  

Wenn das Wahlergebnis von vornherein feststeht GROSSE KOALITION ist es schwer für die Linken ihre Sympathisanten an die Wahlurne zu bekommen.

Es ist eine Grabesruhe.

Das grosse Kontroverse thema fehlt.

Zuviele haben sich an den Abbau des Sozialstaates gewöhnt.

Und wer nur einen Minijob hat bleibt gleichwohl sozial isoliert.

landbewohner 28. März 2012 um 18:40  

die angst vor "dem linken" wurde, zumindest hierzulande und in der alt-brd, jedem kind schon in der grundschule eingeimpft, seit den 50ern. und diejenigen, die sich aus diesem gedankengefängnis befreien konnten oder wollten, distanzieren sich immer öfter von "der linken", weil diese zu oft und immer öfter klassische spd-positionen einnimmt bzw lediglich nach"regierbarkeit" strebt. und die grosse masse, von der zumindest die schlecht- und normalverdiener unzufrieden sind, übt sich lieber in passivität und abgrenzungsverhalten (gegenüber noch mehr drangsalierten, weil einfach durch jahrzehntelange verdummung das wissen um zusammenhänge fehlt, und seit jeher nur ca. 5 % der bevölkerung an politik interessiert sind, die dann das denken lieber bild,spiegel,zdf und rtl überlassen. und über wirklich radikale änderungen der derzeitigen arbeitsgesellschaft, die nun einmal nötig wären, wagt ja nicht einmal die linke laut nachzudenken, wie soll dann der normale kleinbürger zu solchen denken kommen.

ulli 28. März 2012 um 18:43  

Ich denke, die "Linke" findet kaum Zuspruch, weil eben auch kaum jemand den Sozialismus zurück haben will.
Über die terroristische Variante des Sozialismus, den Stalinismus, brauchen wir sicher nicht zu reden - da säßen wir alle schon längst im Gulag. Bleibt Honneckers geriatrieverdächtige Spießbürgerdiktatur? Aber die konnte sich doch nur so lange halten, wie die Mauer, die drum herum stand, hielt. Danach wollten 90% der Menschen einfach weglaufen.
Sicher fährt der heutige Turbokapitalismus gegen die Wand. Aber der "Sozialismus" ist eben keine gute Alternative. Man könnte es auch mit dem großen Ernst Bloch sagen: Die Geschichte ist zur Zukunft hin offen. Aber nicht zu den ideologischen Ruinen der Vergangenheit.

pillo 28. März 2012 um 19:33  

Warum andere die Linke nicht wählen, kann ich nur vermuten. Von mir selber (als langjährigen Linkenwähler) kann ich aber sagen, dass mich bei dem Gedanken an die nächste Bundestagswahl zunehmend Zweifel plagen, ob ich noch einmal bei der Linken mein Kreuz mache.

Die Linke hat sich meiner Ansicht nach für den opportunistischen Weg an die Macht entschieden, wie einstmals die Grünen. In den Ländern, in denen sie mitregiert, ist sie de facto kaum noch von der SPD zu unterscheiden. Die Partei ist zunehmend von karrierebewußten Opportunisten (Gysi, Bartsch, Liebig, Kipping, etc.) gekapert, denen es vorangig um Posten innerhalb der Linken bzw. in den Länderparlamenten geht. Ja auch Gysi zählt dazu! Der kann zwar schöne Reden halten, ist aber letztendlich auch schon längst in diesem System angekommen und sorgt dafür, dass die Linke sich immer mehr an die Volksverräter von der SPD annähert.

Wie krampfhaft, ja fast schon verzweifelt, die Linke um Zustimmung bei den Mainstreammedien buhlt, kann man daran sehen, dass sie mittlerweile über jedes Stöckchen springt, das ihr von diesen (bzw. der neoliberalen Einheitspartei) hingehalten wird - sei es die Kommunismus'debatte', der Brief an Castro oder die Antisemitismus'debatte'.

Das die Linke immer noch so "extrem" wirkt, liegt doch nicht daran, dass sie so unglaublig weit links stehen würde, sondern daran, dass die anderen Parteien mittlerweile so weit nach rechts gerückt sind. Ergo ist die Linke heute das, was früher einmal die SPD war - das kleinere Übel.

Mein Problem an der Sache ist folgendes. Selbst mit der Wahl des "kleineren Übels" legitimiere ich schlußendlich diese ganze Farce, die uns hier als Demokratie verkauft wird.

Ich werde wohl bei der nächsten Wahl meinen Stimmzettel ungültig machen. Ich lasse mir sicher nicht vorwerfen, ich sei zu faul zur Wahl zu gehen oder gar 'politikverdrossen', aber ich gebe auf meine Art ein klares Signal, dass ich diesen Zirkus als Ganzes ablehne.

Wirkliche Veränderungen kamen immer von der Straße, und das wird auch in Zukunft so sein.

Andreas S 28. März 2012 um 19:58  

Ich denke, dass die Piraten einen Überraschungscoup landen konnten: Die Presse konnte sich einfach nicht schnell genug auf sie einschiessen und macht jetzt gute Miene zum Spiel - es besteht ja sicher keine Gefahr für die Machtverhältnisse durch diese Exoten. Gegen die LINKE wird massiv Propaganda gemacht, da nicht nur prominente SPD-Parteimitglieder (Lafontaine, Maurer) "rüber machen" sondern auch das linke Spektrum der SPD-Wähler abgegriffen wird. Und wenn es nicht mehr als Mehrheitsbeschaffer für die Merkel reicht steht die neoliberale Baggage ziemlich blöd da.
Hier in Stuttgart gab es (vor der Wahl) zwei Parteien gegen S21 - über die Grünen wurde berichtet, und nun an der Regierung erfüllen sie wie erwartet die Wünsche der Immobilien-Clique und des Ramsauer. Die LINKE wurde totgeschwiegen - mit bekanntem Ergebnis.

volker 28. März 2012 um 20:09  

sehr geehrter anonym copy right by gauck

Nobbi 28. März 2012 um 21:24  

"Es herrscht Krise", so fängt das an. Darf ich mal fragen, wann in der Geschichte irgendwann mal nicht Krise herrschte?

Anonym 28. März 2012 um 22:59  

Piraten = Bürgerpartei. Es stellt sich nur die Frage, für welche Bürger. Siehe BGE. Andersgestrickte FDP?

Anonym 29. März 2012 um 09:54  

Beide Parteien (LINKE und Piraten), haben sich gegründet, um für die Bürger, die man nicht mehr braucht, ein bischen Hoffnung zu geben. Ändern werden sie gar nichts.

Anonym 29. März 2012 um 10:32  

Als die Banken pleite gingen, wollte man deren Einfluss einschränken.
Passiert ist das nie, stattdessen pumpt man weiter Geld hinein, dass diese dann teuer weiterkreditieren an Pleitestaaten.

In Griechenland und Italien haben die Banken ihre eigenen Marionetten an die Macht gesetzt, niemals gewählt.

Gleichzeitig jaulen die deutschen Städte, Länder und der Bund über die eigene Schuldenlast, ohne das jemand auf die Idee kommt, es könnte ja helfen, die Einkommenssituation zu verbessern, wenn man die Ausgaben schon nicht in den Griff bekommt. Nein, lieber wird die Rente faktisch abgeschafft, die Sozialhilfe beschränkt.

Und der mündige Bürger (!) ist zu belämmert, zu bemerken, dass die Verarmung des Staates Staatsdoktrin ist, nicht etwa eine tragische Dummheit.


Und dann gibt es noch diese antigriechische Stimmung, die als Ventil benutzt wird. Dass seriöse Berechnungen besagen, wir hätten derzeit rund 15 Mrd bezahlt in der Schuldenkrise, aber über 30 Mrd aus direkten Zinsgeschäften hieraus verdient, und zusätzliche fast 60 Mrd durch die Verbilligung des Euros durch eben diese Krise, die vor allem Deutschland dient.
Und das, weil wir Griechenland totsparen, statt die eigene Doktrin des "antizyklischen Handels" zu befolgen und einen "Marshall-Plan" einsetzen, der Deutschland nach dem Krieg auf die Beine half, und der unter anderem auch Basis dafür ist, dass Deutschland keine Reparationen an Griechenland zahlen musste.

Sollte Griechenland so weit gehen, und diese Reparationen endlich einfordern (um die eigenen Schulden zu tilgen), und damit vor einem Gericht einen Präzedenzfall schaffen (die Forderungen wären wohl gerechtfertigt, da die legitimen Forderungen weiter bestehen, bisher nur immer durch die vier Siegermächte verschoben wurden), werden auch andere Staaten ihre Reparationen einfordern, und dann...tja...die aktuellen deutschen Gesamtschulden sind nur Peanuts verglichen mit dem, was dann an Neuforderungen auf uns zukäme. Und dann wird's besonders lustig, denn dann gehts dem Rest Europas plötzlich wieder gut und Deutschland wäre am Ende.

Anonym 29. März 2012 um 11:27  

LEUTE macht die augen auf, Ad Sinitram ist ein rechter Blog.

Roberto J. De Lapuente 29. März 2012 um 11:30  

Putzig... wirklich putzig.

R@Z€ 29. März 2012 um 11:38  

Die entsprechend „passenden“ NGO’s müssen ihre Mitglieder für diese Partei mobilisieren und mehr Zusammenarbeit mit der Linken wagen!!! Mittlerweile sind doch mehr Menschen außerparlamentarisch und ehrenamtlich organisiert/tätig als es bundesweit Parteimitglieder gibt. Und die wollen alle das gleiche und zwar genau das Gegenteil davon, was die etablierten Parteien in den letzten 50 Jahren und mehr nicht geschafft haben durchzusetzen.
Trotz aller gewünschten Unabhängigkeit vieler NGO’s, wer hier „Wer neutral bleibt, schadet den Unterdrückten“. Greenpeace, Attac, Campact, ausgestrahlt, Ärzte Ohne Grenzen, Germanwatch, LobbyControl, Sea Shepherd, Amnesty International, Business Crime Control, Weed, Oxfam Rettet den Regenwald, Grundrechtekomitee, BUND, die gesamte Friedensbewegung sie alle haben doch nur Existenzberechtigung ob der vorherrschenden Wirtschaftordnung und des eindoktrinierten Giermenschen; der dieses Giersystem nun mal liebt. Auch ein Hartz IV-Empfänger will ein Iphone, ob er es braucht oder nicht (Bedarf oder Bedürfnisse).
Diesen Organisationen muss doch langsam - trotz aller Erfolge (im Übrigen meist kleinen, die ihnen nichtsdestotrotz absolut zur Ehre gereichen, und weiterhin wichtig sind!!!) - klar geworden sein, dass sie sich in dieser Staats/Wirtschafts-Systematik hoffnungslos abstrampeln. Ihnen muss doch mittlerweile klar geworden sein, dass man all die Missstände in den bestehenden systemimmanenten Strukturen nur mit der Linken (soweit sie ihre Positionen durchziehen) heilen könnte und nicht mit den bestehenden Placebos (SPD, CDU, Grüne oder FDP). Nach dem Mindestlohn kommt der Werkvertrag, es findet sich für dir Arschlochfraktion immer eine (Gesetzes)Lücke, ein Kopierschutz der geknackt wird, eine Systeminhumanität, die sich schönreden und verkaufen lässt …
Sinn und Zweck all dieser Organisationen ist es doch eigentlich, sich obsolet zu machen. Aber wer will das schon?!

R@Z€ 29. März 2012 um 11:46  

@ Anonym 29. März 2012 11:27

"LEUTE macht die augen auf, Ad Sinitram ist ein rechter Blog."

und zwar vom Verfassungsschutz finanziert... lass mich raten: Antideutsche Antifa!

Komisch, warum hat sich noch niemand die Frage gestellt, warum die Arschlochfraktion immer größer wird...

Anonym 29. März 2012 um 12:39  

""Was muß denn noch passieren?" Ach, wozu sollten Leute, denen dieses ganze widerliche Ausbeutersystem eh zum Halse raushängt, einer einer ewig schwankenden, ständig nach bügerlicher Anerkennung lechzenden zweiten SPD die Stimme geben, eines Vereins, der sich "Linke" tituliert, aber den wissenschaftlichen Sozialismus, sein Studium und seine Propagierung meidet wie der Teufel das Weihwaaser?

DIESEN HAUFEN BRAUCHT DOCH NIEMAND!
(Außer nach fetter Staatsversorgung gierenden Polit-Karrieristen und Funktionärs-Fatzkes)

Unsolidarische Grüße von
Bakunin

Anonym 29. März 2012 um 12:50  

pillo hat gesagt...

"Mein Problem an der Sache ist folgendes. Selbst mit der Wahl des "kleineren Übels" legitimiere ich schlußendlich diese ganze Farce, die uns hier als Demokratie verkauft wird."

Exakt, so ist es!

Bei keiner Wahl steht wirklich die Diktatur der Besitzenden über die Besitzlosen, die Ausbeutung der Letzteren durch die Ersteren jemals zur Wahl, sondern nur verschiedenfarbige Marionetten, die diesen Sachverhalt einem gesellschaftlich vorsätzlich verbödeten Wahlvolk als "gottgegeben" bzw. im Neusprech als "alternativlos" verkaufen - und staatlich mitorganisieren!

MfG Bakunin

Anonym 29. März 2012 um 13:14  

@Bakunin
"DIESEN HAUFEN BRAUCHT DOCH NIEMAND!
(Außer nach fetter Staatsversorgung gierenden Polit-Karrieristen und Funktionärs-Fatzkes)"

Da kann ich als Anarchist nur voll zustimmen. Ich habe mich sehr kritisch über die LINKE, insbesondere über "die Weisheit mit den Löffel-Fressern" Wagenknecht und Lafontaine geäußert - das wurde allerdings hier nicht veröffentlicht. Keine Ahnung warum. Ok, muss ich so hinnehmen - denke mir aber meinen Teil dazu.

Ich gehe jede Wette ein, dass das Dreamteam "Wagenknecht/Lafontaine" jeden mittelständischen Betrieb (d.h. volle Haftung - mit Eigenkapital - Steuergelder verprassen und schlau daher reden geht hier nicht!) an die Wand fahren würden.
Welche Vorstellung ich von Wirtschaft habe, geht ungefähr in diese Richtung:


http://walbei.wordpress.com/2010/12/21/anders-wirtschaften-assoziativ-wirtschaften/

Auf alle Fälle, eine Wirtschaft, die sich selbst organisiert, unabhängig von den Polit-Bonzen, die vom Tuten und Blasen keine Ahnung haben, aber davon sehr viel.

Anton Reiser

Anonym 29. März 2012 um 13:53  

Bei der nächsten Schweinerei ist die LINKE anscheinend nicht dabei - vmtl. aus taktischen Gründen - wie bei den zahllosen Euro-"Retttungs"-Fonds. Wenn es auf ihre Stimmen angekommen wäre, hätten sie niemals die "Rettungs"-Fonds blockiert, so viel ist sicher.


Heimliche Grundgesetz-Änderung: Bürger soll nicht mehr in Karlsruhe klagen können:
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/03/40921/

Leute, wann wacht ihr auf! Wir sind auf den Weg in einer EU-ESM-Diaktatur.

Anton Reiser

Anonym 29. März 2012 um 23:37  

Jetzt mal einfach nur im Scherz ... vll. schreib ich Frau Wagenknecht an .. so von Frau zu Frau ... und bitte Sie, sich die Haare karottenrot zu färben ...

Ansonsten, wieder ernst ... hätte ich mir die psychosoziale Entwicklung bis hin zum Nationalsozialismus nicht angetan, wäre ich vermutlich auch verwundert und hätte es nicht sogar erwartet. Das wird auch noch so bleiben, solange sich nicht an der Spitze das auftut, was das Volk zu sehen wünscht. Volk, das kann man nicht einfach so ändern und anpassen, umgekehrt ist das schon einfacher.


Das Volk braucht seine Propheten, da führt kein Weg daran vorbei .. Charisma und Überzeugungskraft ... mitreißende Schlagworte, Propaganda, Berieselung von morgens bis abends ... Fertig! Das kann man drehen und wenden, Moral, Ethik, Intellekt und Wissen anführen, als unschicklich deklarieren (was ich alles verstehe, was alles sogar richtig ist) ... bringt jedoch nichts, denn nichts anderes bringt die Masse in Bewegung. I.Ü. völlig unabhängig von der Richtung (das ist ja das Gefährliche).

Doch das möchte man nicht akzeptieren, man möchte sich nicht auf diese Ebene begeben ... (ist letztlich auch eine Form von Elfenbeinturm) und so bleibt es, wie es ist. Davon abgesehen, dass möglicherweise die finanziellen Mittel nicht so exorbitant sein mögen, doch das halte ich eher für untergeordnet.

I.Ü. .. die Piraten sehe ich ähnlich. FDP mit Laptop und eben lauter, bunter, noch polemischer und auffälliger, noch leerer. Deswegen flexibel, interpretierbar, völlig ohne Programm. Das zieht halt alle an, die gerne in die Leere hinein interpretieren (bzw. fehlinterpretieren) und sich so rundum verstanden fühlen sowie die Protestwähler. Davon abgesehen, dass es sogar die Gruppenzugehörigkeit anspricht, junge Menschen, die sog. Erstwähler unter sich. Wie das häufig bei jungen Menschen so ist, mit wenig Lebenserfahrung, dafür um so mehr Überzeugung, zu den einzigen zu gehören, die wissen, wie das Leben funktioniert.

Der ein oder andere mag sich entsinnen, welche letzte Partei mit nahezu identischer Strategie ihre Erfolge begründete... Nein, es war nicht die CDU, auch nicht die FDP ... geschweige denn etwas von Links ;)

Gruss
rosi

Anonym 30. März 2012 um 00:04  

pillo 28. März 2012 19:33

Warum andere die Linke nicht wählen, kann ich nur vermuten. Von mir selber (als langjährigen Linkenwähler) kann ich aber sagen, dass mich bei dem Gedanken an die nächste Bundestagswahl zunehmend Zweifel plagen, ob ich noch einmal bei der Linken mein Kreuz mache.

Die Linke hat sich meiner Ansicht nach für den opportunistischen Weg an die Macht entschieden, wie einstmals die Grünen.


Egal, was Sie wann als übel oder nicht übel empfinden ... Jetzt müssen Sie mir nur noch erklären, wie Die Linke erst einmal in die Postion kommen soll, außerhalb der Machtposition, um in diesem Land etwas zu bewegen? Sie wissen es nicht? Sehen Sie, ich auch nicht.

Alles in allem kann ich nur daraus schließen, damit Sie die Linke wählen, müsse sie in der Opposition ohne Regierungsmacht bleiben. Es ist Ihnen schon klar, dass man dann in diesem Land kaum Einfluss nehmen, sich überhaupt nichts ändern kann?

Um gewählt zu werden, Einfluss nehmen zu können, ist es von Nöten auf die Wähler etwas zuzugehen ... ohne wird das nichts, man braucht die Masse bzw. einen großen Teil davon dazu.

Gruss
rosi

Anonym 30. März 2012 um 00:36  

@Anton Reiser

insbesondere über "die Weisheit mit den Löffel-Fressern"

Also ... müsste ich gerade einen Aufsatz zum Thema Projektionen von verschiedenen Gruppen schreiben ... würde ich vermutlich kein deutlicheres Beispiel aus dem Volke dafür finden .. zumindest nicht so darüber fallen (ich dürfte Sie zitieren?).

Mir fällt weder bei Frau Wagenknecht diese großkotzige «Großmannsucht-Besserwisserei-alle-sind-blöde-und-völlig-unfähig-außer-mir» (eine Frau Wagenknecht, die doch eher häufig kaum zu Wort kommt - zumindest in den Öffies - und sich sehr zurück nimmt, nehmen muss, ständig unterbrochen wird) auf, noch bei Herrn Lafontaine. Letzterer hätte zumindest schon etwas mehr davon. Doch mit Ihnen konkurrieren - und das als geübter Politiker -, das schafft nicht einmal er.

So wirken Sie auf mich, in voller epischer Breite voll hinein getroffen .. in solch eine Deklaration ... was Sie da auf Frau Wagenknecht und Herr Lafontaine - vermutlich weit wech von sich gewiesen (kann gar nicht sein .. isse klar) - projizieren. Und nein, bin mitnichten ein Fan (eigentlich ist mir Herr Lafontaine menschlich überhaupt nicht sympathisch), nur ist das für mich nicht wirklich das Kriterium, geht es um Politik ... absolute Sympathie .. braune Haare .. oder was auch immer. Inhalte interessieren mich weit mehr ...

Das hat was, keine Frage, das nenne ich Real-Satire. Sie erfüllen vermutlich sogar alle Kriterien (Klarname oder nicht, kann ich nicht beurteilen), die bspw. ein Döring beklagt (oder polemisiert) und «Die Tyrannei der Massen» nennt:
http://www.youtube.com/watch?v=Re-_qB6nHfI

Normalerweise behalte ich derartiges für mich ... Doch ich dachte - so ganz spontan - vll. sollte es Ihnen doch jemand mal sagen ... (möglicherweise empfinde ich dies auch nur so ganz alleine ... halte es jedoch nicht für sehr wahrscheinlich ...).

Nicht, dass uns die Dörings dieser Welt den Hahn abdrehen, und gerade Sie als Beispiel wählen würden ... (das ist ein Scherz). Wobei das in diesem Falle natürlich nicht gilt, denn Sie sind gegen Links und viel gewichtiger wirkt: "Der Feind meines Feindes ist zuerst einmal mein Freund ... später wird er wieder Feind".

Gruss
rosi

PS: Ziemlich beeindruckt durch diese Pose ... und amüsiert ... keine Frage ... Humhom ...

Anonym 30. März 2012 um 07:52  

@rosi

Sie meinen also, dass ich meine "Weisheiten" auf das Polit-Liebes-Duo projeziere? Da haben Sie mich völlig falsch verstanden (den Rest Ihres Textes lasse ich mal außen vor - den habe ich schlicht nicht verstanden - das sind halt die Nachteile einer textuellen Auseinandersetzung - verbal hätte ich jetzt schlicht fragen können: Was meinen Sie damit?)
Ich habe meinen C.G. Jung gelesen (der "Schatten" - die eigenen "Dunkelheiten" auf andere projezieren).
Ich will mal kurz meinen Standpunkt in Bezug auf die LINKE und das Politsystem allgemein, schildern:
1. Ich habe keine Ahnung wohin sich die Gesellschaft hinentwickelt. Auch mit der Kaffeesatzleserei aus Statistiken (wie es die Polit-Bonzen seit der Erfindung der Statistik - durch z.B. Adolphe Quetelet - tun) ist dies, für mich, nicht möglich. Mein Motto: "Ich weiß, daß ich nichts weiß". Einfach mal Hayek lesen - da lernt man intellektuelle Bescheidenheit, während die Polit-Clowns als erbärmliche "Gottspieler" (Roland Baader) agieren.
2. Die Polit-Parteien gehören abgeschafft (siehe Simone WEIL).

http://www.civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1315:simone-weil-abschaffung-der-parteien&catid=1:neuestes&Itemid=33


Das ist unwürdig für denkende Menschen. Allein dieser Streit mit Ihnen ist mir zutiefst zuwider.

3. Die Politik ist niemals die Lösung, sondern dieses System ist die Ursache für die Probleme. Von oben herab regieren (Top-Down-Prinzip) hat noch nie mehr als Dummheit und Arroganz erzeugt ("Der Kaiser ist nackt"-Prinzip).

4. Die Gesellschaft kann sich nur anarchisch, von unten nach oben (Bottom-up-Prinzip) organisieren. Also Lokal"politiker" (aber ohne Parteien - man wählt halt den besten Mann/die beste Frau, zur Lösung der lokalen Probleme) sind o.k. - aber alles Politgesocks darüber stiftet mehr Unheil, als das es nützt. Das sind im Prinzip Parasiten, die auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung leben - und Milliarden in Schwarze Löcher (Griechenland & Co.) versenken.

5. "Demokratie" ist nichts anderes als organisierte Verantwortungslosigkeit (siehe Hans-Hermann Hoppe). Schröder hat hunderte Millionen an Steuergelder in einen maroden Baukonzern versenkt, nur um sich als "Retter" feiern zu lassen, wenige Monate später war der Konzern pleite. Muss Schröder das Geld zurück zahlen? Nein! Er kassiert aberwitzige Pensionen für dieses Verbrechen.

6. Ich glaube an die "Schwarm-Intelligenz" (das Wissen der vielen - was würde in unserem Gehirn passieren, wenn die Neuronen so organisiert wären, wie unser Staat - mit einer Zentrale in Berlin? Völliges Chaos. Wir könnten vmtl. nicht mal in der Früh aufstehen. Weil diese Aufgabe, für eine zentrale Stelle, viel zu komplex wäre.)
7. Ich glaube an die Dummheit, Blödheit und Arroganz der Mächtigen, die ihre widerwärtige Polit-Farce (wenn ich nur an Sackotzi denke, wie er, wie ein Duracell-Hase durch ganz FRA jagt, um dem frz. Volk zu "dienen") nur abziehen können, weil die Masse obrigkeitsgläubig ist. Wir brauchen diese Polit-Clowns nicht, weder linke, noch rechte, noch mittige Clowns.

Anton Reiser
(übriges ein Pseudonym - Der geniale (psychologische) Roman von Karl Philipp Moritz - auch Rio Reiser ließ sich namensmäßig davon inspirieren.)

mone 30. März 2012 um 11:55  

@Anton Reiser: aber nun würde mich noch interessieren wie Sie dafür Unterstützer finden wollen? Und kommunalpolitisch-- ich weiß nicht wie umfassend da ihre Erfahrungen sind in den Stadt- und Gemeinderäten und Bürgerversammlungen der Nation. Kann ich empfehlen, das holt einen schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.
Eine relative große Masse an Menschen hat weder Zeit noch Lust sich um jede Entscheidung selbst zu kümmern, was die oft erschreckend geringe Beteiligung an Volksentscheiden zeigt, auch da ist es eine homogene Gruppe die sich fast vollständig mobilisieren läßt (das sogenannte Bildungsbürgertum) während der Rest mit dem Gefühl eh nix ändern zu können lieber zu Hause beleibt...
Ich wünsche mir tatsächliche eine andere Art des Zusammenlebens, nehme mir auch die Zeit diese Utopie mit Menschen unterschiedlicher Coleur zu besprechen und stelle immer wieder fest dass kaum jemand bereit ist bis an die Grenze seines Tellerrandes, geschweige denn darüber hinaus zu denken.
Ein Beispiel: Gratisökonomie. Damit kann man fast jeden überfordern...

Gruß mone

Anonym 30. März 2012 um 13:08  

@mone

Sie haben vollkommen Recht. Ich habe meine Anmerkungen auch mehr als Utopie verstanden - wo die Reise hingehen sollte. Als erstes würde ich alle Parteien auflösen - stattdessen nur noch echte Volksvertreter (d.h. direkt gewählte - nicht Polit-Clowns, die sich über Parteilisten nach oben schleimen), je Wahlkreis, nach Berlin schicken.

Je weniger Politik von oben (Bund, Länder), desto besser.
Je mehr Politik von unten (Gemeinden), desto besser.

Anton Reiser

Anonym 30. März 2012 um 18:54  

@Reiser

"Ich weiß, daß ich nichts weiß"

Sie würden sich wundern ... dass ist meine Devise, wobei ich eher formuliere (denn der obige Satz ist ja nur im Kontext korrekt zu verstehen):

Ich weiß, dass ich stets viel zu wenig wissen werde.

Denn eben:
Einfach mal Hayek lesen - da lernt man intellektuelle Bescheidenheit gibt noch mehr, was man da lesen könnte. Es zu lesen reicht jedoch nicht, schön wäre es, ein Leser würde es auch praktizieren. Und fein, jetzt schwenken Sie Ihre Projektion auf mich als Person um.

Und exakt darauf hab ich Sie aufmerksam gemacht, doch - wie Sie ausführten - das haben Sie nicht verstanden. Das ist auch nicht wichtig. Mir ist an dieser Stelle wesentlich wichtiger, andere verstehen das, weil ich davon ausgehe (mag mich irren), Sie werden es nicht mehr können, doch andere sollten es besser verstehen.

Insoweit ist ein "Streit mit mir", nicht die richtige Begrifflichkeit. Das haben Sie völlig falsch interpretiert.

Es ist gut, wenn Sie Hayek (und sicherlich andere) gelesen haben, eine solche Bescheidenheit zeigen Sie jedoch nicht. Das ist mir letztlich völlig egal, solange Sie so etwas nicht predigen, was Sie nicht praktizieren (können). Es mag ja sein, dass Ihnen nicht bekannt ist, dass Äußerungen, wie:

"die Weisheit mit den Löffel-Fressern"

wirken, wie Sie wirken. Es ist auch möglich, dass Ihnen entgeht, wie weiterhin Äußerungen gegenüber meinen Intellekt sich auswirken (erwartet hatte ich eine solche oder ähnliche Reaktion), die quasi in denselben Tenor fallen: "Weisheit ...Löffel", sonst würden Sie mir nicht anraten, mehr zu lesen, auf dass ich Ihrem "hohen" Niveau ein ganz klein wenig näher rücken sollte (gleich, dürfte ja nicht zu schaffen sein ...) und mir eine solche Beobachtung ansonsten schlicht nicht zustehen würde. (Doch, doch, ich darf das, ob es Ihnen gefällt oder nicht).

Und wie das hier wirkt:
Allein dieser Streit mit Ihnen ist mir zutiefst zuwider. (Hätte mich gewundert, wenn nicht, mich hätte gar gewundert, Sie hätten es völlig anders formuliert).

Da es sich Ihnen emotional wohl weder im Vorfeld, noch im Nachhinein erschlossen hat (also der Wirkungsgrad) - davon bin ich ausgegangen - habe ich es rational in Ansätzen versucht, es Ihnen deutlich zu machen.

Schaue einige Zeit hier hinein. Alles in Allem, Ihre üblichen Äußerungen, das «Mensch zuwider Statement», verbunden mit Ihrer politischen Ausrichtung als Anarchist, ergibt sich für mich ein Bild mit gewissen Wahrscheinlichkeiten. Dass Sie derart auf mich angesprungen sind .. passt mir natürlich sehr gut (hätte es auch Testballon nennen können).

ff.

Anonym 30. März 2012 um 18:56  

Teil 2

Wenn Sie folgender Devise folgen könnten, wäre es voraussichtlich nicht ganz so, hhhm, anschaulich:
Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist die Fähigkeit, zu beobachten ohne zu bewerten.
(Jiddu Krishnamurti)

Seine Aussage ist nicht zu verwechseln damit, beobachtete Dinge festzuhalten und solche auch zu äußern. Doch Sie können davon ausgehen, ganz sicherlich führten ausgerechnet solch höchst abwertende und beschimpfende Bewertungen, wie:

"Die Weisheit ... mit Löffel ..." zu obigen Weisheiten von Krishnamurti. (Und nein, dieser zitierte Spruch sagt nicht aus, Krishnamurti hätte den Stein der Weisen für alles gehabt. Es sagt nur aus, dass dieser Spruch als eine Weisheit gerade hervorragend passt .. auch zu Hayek).

Und nein, bin mitnichten davon ausgegangen:

Sie meinen also, dass ich meine "Weisheiten" auf das Polit-Liebes-Duo projeziere?

Nein, nein, sondern Sie projizieren Ihre persönlich Wirkung (Ihr Sein kann ich letztlich hier nicht beurteilen) auf solche Personen. Das bedeutet:

Sie stellen sich exakt so dar, wie Sie andere Personen beschreiben. Damit kommen Sie dem, was Sie gelesen haben, C.G. Jung, schon recht nahe. Dass Sie das nicht merken, nicht einmal in Erwägung ziehen, spricht für sich.

Siese Persönlichkeit:
http://www.stadthaus.ulm.de/stadthaus/weitere_infos.61050.htm

(Sie sind sicherlich nicht angewidert, wenn ich vermute, dass Sie ihr ähnlich sein könnten, wenngleich ich doch hoffe, Sie hat sich mehr zurückgenommen).

Und nur, damit Sie mich nicht wieder falsch verstehen, das ist nicht in den Bewertungskontext zu bringen mit Intelligenz und Bildung (bzw. Wissen, oder was man darunter versteht), sondern das bewegt sich in ganz anderen Dimensionen, Brücken und Kernen bspw..

Das fügt sich i.Ü. nahtlos ein:
Ich glaube an die Dummheit, Blödheit und Arroganz der Mächtigen

Das ist i.Ü. ein Fehler, der so gut wie immer auf Selbstüberschätzung zurückzuführen ist. Die Mächtigen, sind alles andere als blöd oder dumm, die Sarkozy's dieser Welt sind nur Frontfiguren.

Wären die Mächtigen blöd oder dumm, wären sie nicht die Mächtigen. Könnte auch formulieren: denjenigen, den man als seinen Gegner ausmacht, sollte man niemals unter- und sich selbst dabei überschätzen.

ff.

Anonym 30. März 2012 um 19:00  

Teil 3

Natürlich kann ich auch ganz konkret werden, damit andere mich auch verstehen:

Höchstwahrscheinlich, das vermute ich derart stark, dass ich denke, man sollte schon darauf aufmerksam machen: habe ich mit Anton Reiser einen Narziss und/oder einen Boderliner vor mir. Natürlich ziehen solche Menschen nicht selten einen kleinen Fan-Kreis hinter sich her ... die einen mehr, die anderen weniger. Der letzte große Charakter, der solche Züge aufwies, hatte sogar ganz viele Fans, der letzte kleine weniger, doch selbst er hatte viele, wie er auch Pamphlete zur Verfügung hatte.

Dabei ist es völlig irrelevant, in welche Richtung es geht (man formuliert: Sektenartiges ... kann vieles sein, politisch ... theologisch ... oder eher das Gegenteil), doch es stets eine höchst radikale und für sich selbst enorm erhöhte Position.

Natürlich gibt es auch berühmte Persönlichkeiten, insbesondere im künstlerischen Bereich (aber nicht nur dort), die der Welt dabei vieles geschenkt haben - wirkt sich ja nicht immer negativ aus.

Doch Sie können sich vorstellen, wohl wäre mir dabei nicht ... mir vorzustellen, ausgerechnet Sie würden die Geschicke lenken ... Mir wäre lieber, jene die Lenken (ganz generell) würden die Menschen lieben, zumindest achten und schätzen, anstatt sie zu verachten und sich angewidert abzuwenden. ... Der letzte große .. war auch immer so angewidert ... von jedem und allen, von selbst von seinen Fans, doch noch schlimmer von seinen Kritikern.

Noch kürzer, für den Fall, dass dem Letzten noch nicht klar ist, was ich meinte:

Sie haben ordentlich einen an der Waffel, ganz gewaltig sogar. Möglicherweise wissen Sie das auch noch und wollen es nicht glauben oder akzeptieren. Kommt auch nicht so selten vor … die spinnen alle, die Psychologen und Therapeuten …

Gruss
rosi

PS: Und weiter werde ich mich diesbezüglich auch nicht mit Ihnen beschäftigen ... habe deutlich gemacht, was ich deutlich machen sollte ... bevor irgendwelche Schafe auch noch bewundernd hinter her tappsen ..

Anonym 2. April 2012 um 08:14  

@rosi

Zunächst: Vielen Dank für den Literatur-Tipp! Das Büchlein werde ich sofort lesen. Ria Endres kannte ich vom Namen her, wußte aber nicht, daß sie sich mit Thomas Bernhard, Beckett, Hannah Arendt, Fritz Zorn ... beschäftigt hat.

Sie haben micht völlig falsch verstanden.

"Doch Sie können sich vorstellen, wohl wäre mir dabei nicht ... mir vorzustellen, ausgerechnet Sie würden die Geschicke lenken ..."

Um Gottes willen! Was schreiben sie denn da. Das ist exakt das GEGENTEIL von meiner Meinung. Das Kennzeichen des Anarchismus ist, dass NIEMAND die Geschicke lenkt - sog. "Schwarmintelligenz". Im Mittelalter glaubte man, ohne Könige geht es nicht. Wir glauben ohne diese Polit-Clowns, die ganze Staaten an die Wand fahren (siehe die unzähligen Euro"rettungen". Jetzt sind wir schon im Billionen-Bereich, bald werden es Billiarden sein), geht es nicht.

Mit meiner Bezeichnung "Die Blödheit, Dummheit, Arroganz ... der Mächtigen" habe ich natürlich nicht ihre Machtgeilheit gemeint, auf dem Gebiet sind sie sehr schlau (Sie wissen alles über: wie man an die Macht kommt bzw. an der Macht bleibt - als reiner Selbstzweck ...), sondern auf die Ergebnisse ihrer Politik.
Sie haben noch immer die Völker in Kriege, Inflationen und den völligen wirtschaftlichen Ruin geführt.

Anton Reiser

Anonym 2. April 2012 um 13:02  

@rosi
Vielleicht noch als Ergänzung:
Mein Traum ist eine "akephale" Gesellschaft, d.h. eine Gesellschaft "ohne Kopf" -
und ich hasse dieses Monster, dass momentan entsteht (den Wasserkopf "Brüssel" meine ich) - deshalb sind meine Kommentare auch manchmal sehr extrem. Aber ich will nur die Menschen aufrütteln. Wir leben in einem Sklavensystem, das wie eine Pyramide funktioniert. Die 1% an der Spitze der Pyramide schieben sich alles in ihren gierigen Rachen.
Und der Sreit mit Ihnen ist mir nicht deswegen zuwider, weil ich so schlau bin, sondern weil wir BEIDE Sklaven sind. Sklaven sollten sich solidarisieren.

Anton Reiser

Anonym 2. April 2012 um 13:38  

Uuuups, jetzt habe ich doch glatt den Link vergessen:

http://rette-sich-wer-kann.com/ueber-hannelore-vonier/

Anton Reiser

pillo 2. April 2012 um 15:43  

@rosi
[...]Jetzt müssen Sie mir nur noch erklären, wie Die Linke erst einmal in die Postion kommen soll, außerhalb der Machtposition, um in diesem Land etwas zu bewegen?[...]


Nun rosi, Sie meinen also, man könne innerhalb des bestehenden Systems durch die Wahl einer Partei etwas grundlegend ändern? Sehen Sie, diese Auffassung ist meiner Meinung nach illusorisch.

Man kann dem Kapitalismus ja viel vorwerfen, aber sicher nicht, dass er ein starres und verkrustetes System wäre. Der Kapitalismus ist so flexibel und amorph, dass er es immer wieder geschafft hat, sich den jeweils aktuellen Gegebenheiten anzupassen und seine Kritiker bzw. Gegner reihenweise "einzubinden", also zu vereinnahmen.

Die Grünen sind ja das "beste" Beispiel. Ich will nämlich gar nicht allen Grünen unterstellen, dass sie von Anfang an nur auf Posten und Privilegien aus waren. Sie hatten sich in den 80er Jahren für den Weg durch die Institutionen entschieden, um die Politik von innen heraus zu verändern. Nun, wie wir heute alle wissen, haben sich die Institutionen als stärker erwiesen und die Grünen von einst bis zur Unkenntlichkeit deformiert. Die Grünen ihrerseits haben bestenfalls kosmetische Korrekturen erreicht und dabei eher noch geholfen, das System zu stabilisieren.
Diejenigen, die es mit den Veränderungen ernst meinten, haben irgendwann frustriert aufgegeben und wurden dafür von umso mehr karrieregeilen Opportunisten ersetzt.

Und leider, so sind nun einmal meine Beobachtungen, vollzieht sich dieser Prozess mittlerweile auch bei der Linkspartei. Sicher noch lange nicht so deutlich wie bei den Grünen, aber der Weg ist eingeschlagen.
Wir können doch heute schon erleben, wie die so genannten "Realpolitiker" innerhalb der Linken von den Medien bevorzugt (sprich: benutzt) werden, um die wirklich Überzeugten als fundamentalistische, traditionalistische Dogmatiker und Spinner darzustellen, deren sich die Partei besser entledigen solle.

Die Linke könnte mit einer zweigleisigen Strategie, als Fundamentalopposition innerhalb des Parlaments und vor allem als außerparlamentarische Organisation (als Plattform zur Bündelung der linken Kräfte), eine Menge erreichen. Auf jeden Fall deutlich mehr als momentan, wo man ständig zwischen opponieren und anbiedern (bitte habt uns doch endlich lieb) hin und her schwankt.

Letztendlich wird es aber unweigerlich zu einer Revolution kommen. Was der Auslöser sein wird, wie sie ablaufen wird, ob sie friedlich bleibt und was am Ende dabei heraus kommt, kann niemand seriös voraussagen. Das sie kommt, steht für mich fest. Die Frage ist schon längst nicht mehr ob, sondern nur noch wann?!

Anonym 2. April 2012 um 18:13  

@Anton Reiser

Sie haben micht völlig falsch verstanden. Das mag sein, das werde ich überdenken.

U.U. liegt es auch daran, dass man mittlerweile derart umzingelt ist, von der Arroganz des Einzelnen, der stets alles perfekt und vollumfänglich zu wissen scheint und stets bereit ist, diesen Anspruch im Außenverhältnis geltend zu machen. Oder, die "Lauer-Variante" sogar mit der Unwissenheit kokettiert, den Anspruch der Fehlerlosigkeit im Außenverhältnis einfordert und es trotzdem besser weiß, obwohl er nicht weiß, und andere nicht wissen. Nicht, das dies ein einziger Mensch auf diesem Planeten leisten könnte (das Allwissen), aber das hält ja kaum jemanden davon ab, so zu tun als ob. Diese Arroganz, begleitet das menschliche Versagen, ist kaum noch zu ertragen; begegnet einem jedoch überall. Auf die Dauer sinkt die Kompensationsfähigkeit, meine gar gegen 0.

@pillo

Nun rosi, Sie meinen also, man könne innerhalb des bestehenden Systems durch die Wahl einer Partei etwas grundlegend ändern? Sehen Sie, diese Auffassung ist meiner Meinung nach illusorisch.

Nein, pillo, so simpel denke ich nicht. Es geht darum, dass man durch seine Wahl evtl. Veränderungsmöglichkeiten einleiten könnte.

Ihre Theorie setzt voraus, dass die Menschheit niemals in der Lage sein wird, für maßgebliche Veränderungen ein Mittel außerhalb von einzusetzender Gewalt heranzuziehen.

Es ist möglich, dass wir noch nicht so weit sind. Es ist jedoch ebenso möglich, dass wir doch schon so weit sein könnten.

Nur ausschließen möchte ich die Entwicklungsfähigkeit des Menschen zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Dass es mit der Wahl alleine nicht getan ist, versteht sich von selbst. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass man sich die Wahl gleich ersparen und direkt zur archaischen Gewalt übergehen sollte, bedient man den Bereich einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Gruss
rosi

Anonym 3. April 2012 um 07:24  

@ rosi
Sie haben völlig Recht mit
"... dass man mittlerweile derart umzingelt ist, von der Arroganz des Einzelnen ..."
Wenn man dann wieder mal mit einer solchen Arroganz konfrontiert wird, dann explodiert man sofort. Das kenne ich.

Mit meinem, zum Teil provozierenden Formulierungen, wollte ich nur eines sagen: Das Polit-System ist NIEMALS die Lösung für unsere Probleme. Das Polit-System schafft erst die Probleme, die sie vorgibt zu lösen. Es ist völlig lächerlich, z.B. von den Linken oder jetzt von den Piraten "die Rettung" (überspitzt formuliert) zu erwarten. Das Polit-System ist ein perfides Plünderungs-System. Diese Leute leben nur von unseren Steuergeldern. Man muss sich das vorstellen: Wir bezahlen diese Leute, damit sie unsere Steuergelder in schwarze Löcher schütten und schwachsinnige Gesetze auskotzen (z.B. Rauchverbot in kleinen Stehkneipen ... - die Gesetzesflut nimmt von Jahr zu Jahr zu!). Aber die Leute wollen es so haben, also bekommen sie es auch so.

Gedankenexperiment: 500 Tage ohne Politik in Berlin und Brüssel - was wäre die Folge? Wir wären zumindest für 500 Tage verschont von schwachsinnigen Gesetzen ...

500 Tage ohne mittelständische Unternehmen (Bäckereien, Klempner, Schreiner, Elektriker, Friseure und und und) - was wäre die Folge?
Tja, dann hätten wir ein massives Problem, denke ich mal.

Diese Fernseh-Parteien-DEMOKRATIE ist eine widerwärtige Farce - eine Commedia dell'Arte. Da treten die Polit-Clowns tagein, tagaus in der Glotze auf und geben vor die Wirtschaft "anzukurbeln" (mit Geldern aus dem Nichts erzeugt! bzw. auf Schuldenbasis - d.h. "in the long run" ist das Volksausplünderung bzw. Schuldknechtschaft für das Volk - aber das sagen sie natürlich nicht.) und Arbeitsplätze zu schaffen. Diese Leute tragen aber zu unserem Wohlstand NICHTS, aber auch GAR NICHTS bei. Sie geben nur vor es zu tun - und die Leute glauben ihnen, weil sie obrigkeitshörig sind. Die mittelständischen Unternehmen, die den Wohlstand schaffen bzw. die jeder von uns benötigt, um überhaupt den Alltag bewältigen zu können (die Polit-Fratzen in Berlin und Brüssel braucht niemand!) - die kommen in der Glotze überhaupt nicht vor. Die Glotze erzeugt eine MATRIX-Welt, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Deshalb sind die Parteien auch so geil per "Fernsehrat-Aufsichtsrat"-Gremien die Kontrolle über die Glotze zu behalten. So können sie schön das dumme Volk verarschen. Es ist wie im Fußball-Stadion. Die Leute sitzen in den Rängen, schauen dem Geschehen auf dem Rasen zu (d.h. sie glotzen TV - das ist für sie "die Wirkllichkeit" - hier passiert Agenda-Setting usw.) und vor dem Stadion steht ihr Auto (d.h ihre Ersparnisse, ihre Renten, ihre Lebensversicherungen). Das wird, während sie auf den Rasen glotzen, von den Politfratzen völlig demontiert (Radkappen abmontiert, alle Sitze raus, der Motor wird ausgebaut ...) und in alle Einzelteile zerlegt, bis nur noch das Chassis übrigbleibt.

Anton Reiser

Anonym 3. April 2012 um 07:38  

Ich bin mehr sehr wohl bewußt, daß der ANARCHISMUS eine Utopie ist. Das ist für mich eine Art Regenbogen am Horizont, um die Welt überhaupt ertragen zu können. Der Traum, daß die Menschen einfach ihre Arbeit machen, daß keine Polit-Clowns sagen, wo es lang geht (auf der Grundlage von Statistiken, die schon bei der Erstellung veraltet sind. Statistiken, die nur bestehende Trends in die Zukunft fortführen, was natürlich immer zu völlig absurden Ergebnissen führt. New York um 1900: Statistiker warnen: Also, wenn das mit der Zunahme der Pferdefuhrwerke in NY so weiter geht, wird NY in 30 Jahren unter einer 3 m dicken Pferdeäpfel-Schicht versinken.).
Mein Traum ist eine Gesellschaft als selbstorganisierendes System (so funktioniert die gesamte Natur - dissipative Strukturen - Ilya Prigogine), ohne Wasserkopf und besserwisserische Polit-Clowns. Niemand weiß bzw. kann wissen, wo die menschliche Reise auf dem Planeten Erde hingeht. Wer hätte vor 30 Jahren das Internet vorausgesagt?

Aber vermutlich, würde, wenn man die Polit-Fratzen (Berlin, Straßburg, Brüssel) davonjagen würde, das Machtvakuum mit noch schlimmeren Gestalten (Mafia? - obwohl, die regiert ja jetzt schon mit) gefüllt werden.

Anton Reiser

Anonym 3. April 2012 um 10:34  

@Anton Reiser
"... daß der ANARCHISMUS eine Utopie ist. Das ist für mich eine Art Regenbogen am Horizont, um die Welt überhaupt ertragen zu können. " Tschah, da bekomme ich dann automatisch eine Sperre, dies zu diskutieren, weil ich ungerne Regenbögen von Horizonten hole.

Vll. derart:

Würde lieber einen anderen Ansatz fahren, der sich an die politische Entwicklung der menschlichen Kulturen anpasst. Selbst die Reifung der parlamentarischen Demokratie, die wir heute kennen und praktizieren (aktuell mehr nur noch so nennen), hat ihre Zeit benötigt, um politische Kompetenzen sowohl durch deren Repräsentanten, als auch - und das ist m.E. weitaus wichtiger - durch das Volk (bzw. den Völkern) zu entfalten.

Wir neigen in der Beurteilung und Lösungsvorstellung meist dazu, Entwicklungsprozesse nur in der Zeitdimension der eigenen Lebensspanne zu betrachten (und die ist bekanntlich recht kurz). Und dann neigen wir zusätzlich dazu, uns bei der Zukunftsgestaltung/-Prognose-/Umsetzbarkeit zu verschätzen, weil wir es möglicherweise zu eilig haben, und/oder zu einfach vorstellen bzw. einiges an Parametern nicht berücksichtigen, was u.v.a.m. schon in der subjektiven und aufgewerteten Einschätzung des Menschseins liegt.

Denn wenn wir uns den Evolutionsprozess der Demokratie (und ich meine hier, Demokratie mit dem Ziel, die Macht ginge vom Volke aus) betrachten, dann kann man schon sagen, der Weg war für die Menschheit ein beschwerlicher und ein ziemlich langer (so lange sind wir aus der letzten Diktatur noch gar nicht draußen). Hätte sicherlich auch ein bisserl schneller gehen können (und wir hätten besser die letzte Diktatur ausgelassen), doch die Menschheit geht halt so schnell vorwärts, wie sie geht. Rückwärts lässt sich das nicht ändern, nach vorne sollte man jedoch auch nicht preschen, sondern sich auf die gegenwärtigen Möglichkeiten konzentrieren. Wie Sie schon formulierten: "wer hätte vor 30 Jahren ..." Eben. Wir sollten das lassen (zumal wir in diesem Fach regelmäßig versagen, egal, welchen Fachbereich es auch streift), so weit in die Zukunft berechnen zu wollen und damit möglicherweise sich selbst erfüllende Prophezeiungen erst generieren.

Von dieser Warte her betrachtet, würde sich m.E. als nächsten logischen Schritt "mehr Demokratie" anbieten (nicht weniger, wie es m.E. bereits vollzogen ist, eben durch die Herrschaft der Finanz, da stimme ich mit MM völlig überein, nenne es selbst gerne Finanzdikatur). Und zwar würde ich im ersten Schritt eine Mischform zwischen der Parlamentarischen und direkten Demokratie bevorzugen. Das meine ich weder abwertend noch arrogant, sondern mehr als notwendigen, natürlichen Reifungsprozess, dem eine Beschleunigung (ob wir die Geduld haben oder nicht) abträglich sein könnte.

Dass ein solches Zwischen-Schrittchen von Nöten sei, meine ich daran zu erkennen, wie die Diskussionen bspw. zum Thema "Direkte Demokratie" normalerweise geführt werden. Die Meinungen hierzu sind recht kontrovers. (Von jenen, die alle und jeden dazu für zu blöd erachten, abgesehen). Es werden sich immer verschiedene Entwicklungsstufen/Kompetenzen gegenüberstehen, die m.E. zu akzeptieren, zu respektieren und zu berücksichtigen sind. Doch mit der Verantwortung kommt m.E. nicht selten die Kompetenz. Bisserl zeitverlagert, aber sie kommt.

ff.

Anonym 3. April 2012 um 10:37  

Teil 2

Im nächsten Schritt würde sich für mich der Gedanke "Wirtschaftsdemokratie" anschließen, weil die heute praktizierten, streng hierarchischen wirtschaftlichen Prozesse diametral zu den Demokratischen laufen ... doch das geht schon in Richtung weiterer Zukunft, die mehr Vision ist. Während Mischformen zwischen Direkter und Parlamentarischer Demokratie bereits von einigen Nationen praktiziert werden.

Zumindest hat die Partei Die Linke, neben vielen anderen sozialen Themen, zumindest darüber nachgedacht, über beides. Natürlich bin ich kein Prophet und könnte behaupten: "Würden sie gewählt, setzten sie dies auch um". Kann nicht einmal sagen: "Setzte man es um, dann ist es gut".

Zukunftssicherheit .. werde ich nicht erlangen, insoweit wird man wohl, wenn man dazu bereit ist, hier ein Risiko eingehen. Doch wenn man eines eingeht, dann gut durchdacht und Schritt für Schritt, ohne dass die Menschheit sich selbst überholen müsste. Und das kann ich drehen und wenden, da bietet sich m.E. ausgerechnet die Partei Die Linke schon an (ungarantiert).

Naja, vll. stehle ich doch jetzt Regenbögen ... Ein Blick dort hinein, und ich meine alle Kommentare:
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/8114/die-fdp-und-die-schlecker-pleite-polittaliban-auser-kontrolle#comments

dürfte dazu vermutlich völlig ausreichend sein. Es ist nur ein einziges Thema, eigentlich ein kleiner (nicht im Bezug auf die betroffenen Schicksale) Teilbereich der Politik und so viele Menschen kommentieren den Artikel nicht einmal ...

Das mag ich ja alles falsch sehen ... möglicherweise auch überbewerten ... doch irgendwie glaube ich nicht daran.


Gruss
rosi

PS: Zum Thema "zum Teil provozierenden Formulierungen" etc. pp., das lasse ich einfach mal so stehen, und ich denke, das dürfte für uns Beide gelten (wie für andere hier auch) wir sind mitnichten hier in diesem Block ... um uns ausgerechnet darauf zu konzentrieren ...

Anonym 3. April 2012 um 13:15  

@rosi
"... Natürlich bin ich kein Prophet und könnte behaupten: "Würden sie gewählt, setzten sie dies auch um". ..."
Bei dieser Thematik traue ich mir durchaus den Propheten zu: Die LINKE würde NIX, GOARNIX (wie man in Bayern sagt) von dem Programm umsetzen (können/wollen/dürfen). Bestes Beispiel: Gysi als Finanzsenator in Berlin, der damals, wenn ich es recht in Erinnerung habe, als sozialer Kahlschläger unterwegs war, trotz seiner eindrucksvollen sozial-romantischen Rhetorik.

Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Ich habe 2009 die LINKE, als kleineres Übel gewissermaßen, gewählt (in erster Linie weil sie gegen den Afghanistan-Krieg waren). Außerdem stamme ich aus einer proletarischen Familie. Was liegt dann also näher als links zu wählen?
Warum wähle ich jetzt nicht mehr links?
Ich habe Bücher gelesen und die Ideen dieser Bücher haben mich derartig überzeugt, dass ich meine Vorstellungen in Bezug auf Staat/Politik/Gesellschaft um 180 Grad geändert habe. Dieses System "Demokratie" (besser Etatismus, Staatskapitalismus, Finanzdiktatur, Diktatur der Konzerne usw.) ist einfach nur eine lächerliche Verarschung der arbeitenden Menschen. Diese heilige, faßt göttlich verehrte "Demokratie" wird kein einziges Problem lösen, weil sie ein Großteil der Probleme selbst erzeugt - z.B. die aberwitzige Gesetzesflut.
Ich habe gelesen:
Roland Baader: "Geld, Gold und Gottspieler: Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise" +
"Geldsozialismus: Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression"
Stephen Zarlenga: "Der Mythos vom Geld - die Geschichte der Macht. Vom Tauschhandel zum Euro: eine Geschichte des Geldes und der Währungen"
Claudia von Werlhof: "West-End: Das Scheitern der Moderne als »kapitalistisches Patriarchat« und die Logik der Alternativen"

Das soll jetzt natürlich nicht heißen, daß diese Bücher "DIE WAHRHEIT" gepachtet haben. Aber die Ideen, die ich dort fand, haben mich überzeugt, daß jede Wahl in diesem Polit-System eine lächerliche Farce ist. Egal welche Partei in den Bundestag kommt, es wird sich nichts ändern.
Gerne lasse ich mich von Ihnen überzeugen, falls Sie die besseren Ideen haben. Kein Mensch hat die WEISHEIT für sich gepachtet, da der Mensch "ein Wesen im Werden" ist.

Anton Reiser

Anonym 3. April 2012 um 13:33  

Forts.
Grundvoraussetzung einer "demokratischen" Gesellschaft, wäre ein Geldsystem, dass allen nützt. Wir haben aber ein Geldystem, dass in perfider Weise nur der obersten 1%-"Elite" (die auf der Dollar-Pyramide ganz oben sitzt - "das Auge Gottes" bzw. die "Super-Klasse" - Buch des Ex-Clinton-Beraters David Rothkopf) nützt. Dieses Geld wird von den Polit-Clowns in Zusammenarbeit mit den Zentralbanken und dem Mindestreservesystem nahezu "aus dem Nichts" erzeugt. Das ist nichts anderes - in the long run - als die Plünderung des Volksvermögens. Bevor man hier überhaupt über Wahlen nachdenkt, sollte erstmal ein echtes Geld eingeführt werden. Das Freiheitsgefasel von Gauck kommt mir so vor, als hätten Fische im Aquarium die völlige Freiheit überall hinzuschwimmen, sich zu solidarisieren ... aber der liebe Papa Gauck "vergißt", daß eine kleine Fische-Elite die Macht über das Wasser hat, d.h. sie können mehr Wasser (= Geld) ins Aquarium lassen oder sie können Wasser abziehen.
Ich sehe nur eine (utopische) Möglichkeit das System zu Fall zu bringen und das ist der anarchistische Weg Gandhis: Passiver Widerstand, Konsumverweigerung (Was ich schon seit etwa 3-4 Jahren versuche umzusetzen. Das ist gar nicht so einfach, weil man von der Konsumseuche viel mehr infiziert ist, als man selbst wahrhaben möchte.), der Weg von Hermann Melville's Bartleby "J would prefer not to" (Ich möchte lieber nicht) ...

Anton Reiser

Anonym 3. April 2012 um 14:24  

@rosi - Ihr angegebene Spiegelfechter-Link. Tja, die Kommentare sind (teilweise) erschreckend ... Regenbogen ist da keiner in Sicht ... aber ich fand

O-Ton >Der Spiegelfechter<: "Allen Diskussionen um Lohn/Arbeitsbedingungen zum Trotz ist Schlecker m.E. aufgrund des Zentralismus und des “Top-down-Approachs” gescheitert."

Diese Kritk trifft genauso gut die POLITIK jenseits der lokalen Gemeinden. Das kann nicht funktionieren. Nicht weil die Leute böswillig sind, sondern weil die Probleme derartig komplex sind - eine ganze Volkswirtschaft, das sind Milliarden/Billionen Variablen, die eigentlich zu berücksichtigen wären. Aber die "Gottspieler" lassen sich ein paar lächerliche Statistiken erstellen (bestes Beispiel Schäuble, als er seinen Referenten öffentlich vorführte, weil dieser, seine abstrusen Statistiken nicht schnell genug überarbeitete bzw. fälschte(?) ...) und lenken so das "Staatsschiff".

Welch absurde Folgen das hat, kann man bei Stefan Frank's "Weltvernichtungsmaschine" nachlesen, als er Alan Greenspan's (der größte Geldscheißer der Weltgeschichte - Alan wird aber jetzt bedroht von "Helikopter"-Ben Bernake - er wird seinen "Rekord" wohl verlieren. Köstlich die Kapitelüberschirft im neuen Buch von Matt Taibbi "KLEPTOPIA: Wie uns Finanzindustrie, Politik und Banken für dumm verkaufen" - sie lautet: "Das größte Arschloch der Welt".)
Arbeitsweise beschrieb. Alan hatte ca. 20-25 Parameter (vmtl. auf einem Excel-Sheet), die alle 30 Minuten aktualisiert wurden. Mit diesen Parametern "steuerte" er die Weltwirtschaft. Was für ein arroganter, jämmerlicher IDIOT! Leider hat dieser Idiot eine deratige Macht (bzw. die Leute, die hinter ihm stehen - Rockefeller? Rothschild? - kurz: die 1%-"Elite"), dass er die ganze Weltwirtschaft "an die Wand fahren" kann. Roland Baader nennt solche jämmerlichen Statistik-"Helden" "GOTTSPIELER".

Ich frage mich, woher kommt diese Hybris? Liegt das im westlichen Denken verwurzelt? Ist es die Folge der Renaissance? Die Folge von Newton's wissenschaftlicher Revolution? Newton sah ja den ganzen Kosmos als MASCHINE an (während der geniale LEIBNIZ den Kosmos als einen sich entwickelnden ORGANISMUS ansah), die man steuern kann ... Adam SMITH übertrug das Newton'sche Denken auf die Nationalökonomie, die er ja begründet hat ("Der Wohlstand der Nationen") und 200 Jahre später landet man bei Alan und Benny ... Aber so einfach wird's wohl nicht sein.

Anton Reiser

Anonym 12. April 2012 um 13:04  

Man muss sich leider nur mal anschauen, wie sich Oskar Lafontaine von dem Konservativen Jan Fleischhauer von Angesicht zu Angesicht vorführen läßt, um zu realisieren, dass es mit der LINKSpartei nicht gut laufen kann.
Hier ist der Zusammenschnitt der Anne Will-Sendung, in der man sich wie gesagt mal die Entlarvung Lafontaines genau ansehen sollte.
Sein Stammeln, sein Lavieren, usw...
Grauenvoll, schrecklich, abgründig.
www.youtube.com/watch?v=tbHW38sXgEU

Anonym 13. April 2012 um 13:20  

Wolfgang Pohrt, Vertreter der "undogmatischen Linken", in der aktuellen Ausgabe der BRAND EINS zum Kapitalismus:

Ich glaube, dass heute, nach 150 Jahren Kapitalismus, eine Revolution kaum noch möglich ist. Das Kapital hat in dieser Zeit Bedingungen geschaffen, unter denen es unersetzbar und unverzichtbar geworden ist.

Das spricht für die überlegene Funktionsfähigkeit des Kapitalismus und ist zugleich der Beweis seiner Unmenschlichkeit im empathischen Sinne. Der Mensch war von Natur aus ein zähes und aggressives Biest. Er musste es sein, sonst wäre er vor 40.000 Jahren jämmerlich eingegangen. Er funktioniert am besten unter Bedingungen, die seine Existenz bedrohen. Dann werden Adrenalin und andere Hormone ausgeschüttet, die einen physischen und mentalen Leistungsschub bewirken. Der Kapitalismus hat es nun geschafft, die permanente Existenzbedrohung in die Zivilisation hinüberzuretten. Von Theodor Adorno stammt der Gedanke, das, was millionenschwere Topmanager antreibe, sei in letzter Instanz die atavistische Angst vorm Verhungern.

Wollen wir das? Immer mit der latenten Angst vorm Verhungern leben, einer Angst, die in Krisenzeiten ganz real wird und ungeahnte Leistungsreserven mobilisiert? Ich will es nicht. Ich sehe nur keine Möglichkeit mehr, diesen Zustand zu ändern.

Was sagen wir dazu?

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