Lebenswelten Deutscher in Europa und der Welt

Montag, 5. März 2012

Immer dieser Wirbel, immer dieses Theater um Studien! Um spalterische, segregierende Studien. Und immer diese Verlautbarungsorgane, die solche Studien mit süßer Wonne hochspielen und beim Ausblähen aufblähen! Muslime wieder mal. Radikale junge Muslime!, schimpft es aus diversen Blättern. Integrationsverweigerer! Und wer sich verweigert, der ist ein radikaler junger Muslim - ein Anwärter auf den Terror.

Im sachlichen Laut handelt die Studie "den Moslem" in Deutschland ab. Alles ganz nüchtern. Und die berichtende Presse, die Studien für heilige Schriften hält, leiert nüchtern nach, nicht ohne vorher trunkene Überschriften formuliert zu haben. Sonst liest es ja keiner! 24 Prozent hegen eine starke Abneigung gegenüber dem Westen. Was heißt das denn? Zweifeln sie an der Demokratie oder an einem Wirtschaftssystem, das sich der Demokratie mehr und mehr überstülpt? Stört sie der Westen im Westen oder das Sendungsbewusstsein, das den Westen "osterweitern" läßt? Und muß man Muslim sein, um Abneigung gegen dieses schulmeisterliche Muckertum des Westens zu empfinden?

Überhaupt stellen sich Fragen:
Unter jungen Muslimen, so sagt die Studie, hegten viele Vorurteile gegenüber Juden. In der Tat bedenklich. Sind junge Christen davor gefeit? Judenfriedhöfe werden hierzulande noch immer von sehr sehr selbstbewussten Deutschen geschändet - eine Hegemonie, die man nicht leichtfertig an billige ausländische "Arbeitskräfte" abgibt.
Und ist die mündlich kommunizierte Gewaltbereitschaft, die die jungen Muslime in die Studie diktierten, nicht allerorten vorzufinden? Deutsche Polizisten haben alleine in Stuttgart mehr Schaden an Menschen verursacht, als hitzige Muslime bislang in ganz Deutschland.
Die Totalverweigerer, die Integration auf keinen Fall möchten - gibt es die in deutsch nicht auch in Antalya, auf Mallorca und beim Sauerkrautfest auf Naxos? Ißt man in manchen Gegenden der Türkei nicht bevorzugt schwäbisches Bauernbrot denn Ekmek? Deutsche Fincabesitzer auf Mallorca, die nur aus geschäftlichen Gründen keine Zeit für einen integrierenden Sprachkurs finden: Gilt so eine Ausrede?

Man wünscht sich noch mehr Studien. Studien mit schönem Namen. "Lebenswelten Deutscher in Europa und der Welt" - das wäre doch so ein hübscher Name. Und so eine Studie wäre doch auch so wichtig. Da könnte man dann Sachen lesen wie: Als Ursachen für die Radikalisierung, gerade unter den reicheren Deutschen, nennt die Studie das Ausmaß der ökonomischen Denkweise, die prägende Wirkung überkommener sozialdarwinistischer Theoreme, die Orientierung an Kosten und Nutzen sowie das Erleben von gruppeninterner Selbstbeweihräucherung. Aber auch der Konsum von radikalen Zeitungen, wie etwa der strammdeutschen Bild-Zeitung, fördert die Gewaltakzeptanz und die chauvinistische Überheblichkeit der Deutschen.

So könnte man das lesen. Die Welt muß doch diese neue deutsche Geltungssucht, die man hier etwas verkleidend als Selbstbewusstsein bezeichnet, auch mal studieren - ganz so, wie die Deutschen die Welt in Studien packen, besonders den Teil der Welt, der mit dunklem Teint täglich gen Mekka beten soll. Was gärt denn da in Zentraleuropa vor sich hin? Was köchelt da? Woher kommt es? Ursachen und Prozentzahlen täten gut. Wieviel Prozent der Deutschen wollen Deutschland den Deutschen? Wie hoch ist der Prozentsatz der Deutschen, die Eugenik für eine exakte Wissenschaft halten? Kann man in Zahlen gießen, wieviele Deutsche sich weigern, sich im Ausland bedingungslos zu integrieren? Wieviele von ihnen halten der deutschen Leitkultur die Treue? Wieviele wollen sie gar für ein Modell für die Welt machen? Sind Deutsche schöner, sind sie höher, schneller, weiter als alle anderen?

Und als Überschrift schreibt man dann: Studie belegt: Immer mehr großmannssüchtige Deutsche! Und der Aufschrei, der wird gigantisch sein. Frechheit! Was bildet sich die Welt nur ein! Uns - uns - uns Deutsche so in die Ecke zu drängen! Selbst hält man sich ja doch an Fakten, an Sachlichkeiten, wenn man Studien publiziert - aber die deutsche Herrschsucht, studienhaft belegt, die ist an den Haaren herbeigezogen. Müßiggang ist aller Laster Anfang, weiß man doch - und das faule Gesindel in der Welt, es hat nichts zu tun, als uns - uns - uns Deutsche zu beleidigen! Das ist der Dank - der Welten Lohn, man kennt das doch sprichwörtlich.

Der Muslim ist es, der Sorgen bereitet - der klebrig feuchte Traum aber, der Deutschland als Hegemon Europas und des Westens betrachtet, der Ausländer in Deutschland zu genetisch bedingten Dummköpfen und Faulpelzen deklariert, der wird als Chance, nicht als Sorge Europas gefeiert. Gibt es keine Studien, die erklären, wieviele hierzulande mittlerweile radikal megaloman denken, weshalb sie sich radikalisiert haben?



9 Kommentare:

Anonym 5. März 2012 um 10:37  

Es gibt ja eine Studie, die zumindest dieses Thema anschneidet: "Deutsche Zustände" nennt sie sich. Die wurde mal ganz kurz erwähnt, in der Tagesschau sogar, aber einen Aufschrei gab es nicht. Kaum beachtet, eher todgeschwiegen. Die deutschen Großmannssüchtigen mögen es nicht, wenn man ihnen direkt nachweist, wie verfault ihr Charakter mittlerweile ist. Damit will man nicht konfrontiert werden. Das muss man ignorieren, denn nichts trifft einen härter, als die Wahrheit...

Pascal 5. März 2012 um 10:37  

Hach, diese Debatte in einem Land, in dem die Polizei solche Kalender veröffentlichen darf: https://imgur.com/a/NO3Wv#0

In solch einem Land möchte ich mich auch nicht integrieren... Aber halt, ich bin ja Deutscher, also kann man mich nicht ausweisen, in den Osten zu den bösen Kommunisten abschieben geht auch nicht mehr.
Hmmm, als einziger Vorwurf könnte ich mir noch anhören müssen, was Verweigerern wie mir zu Adolfs Zeiten gedroht hätte.

Welche Art Ergebnisse der FDP-Politiker in Sätzen wie: "Ich muss mich schon wundern, dass das BMI erneut Steuergelder darauf verwendet, eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keinerlei Erkenntnisse" meint, möchte ich mir besser gar nicht vorstellen.

Anonym 5. März 2012 um 11:07  

"Die Totalverweigerer, die Integration auf keinen Fall möchten - gibt es die in deutsch nicht auch in Antalya, auf Mallorca und beim Sauerkrautfest auf Naxos?"

Mit dem Unterschied, dass Mallorca & Co. von den Deutschen dort leben.
Dies gilt eindeutig nicht für die in der Studie genannten "Totalverweigerer".
Und Sie wissen es.

Anonym 5. März 2012 um 11:38  

Bonjour,

ja, diese „Deutsche Leitkultur“, die uns seit Generationen völlig grundlos vermittelt hat, dass wir zu den Besten gehören, ja schlimmer noch, der Beste zu sein! Es ist halt die grenzenlose blinde Dummheit der Arroganz...
Seit drei Jahren lebe ich „Teilzeit“ in Frankreich und kann ganz gut beurteilen, dass es Länder gibt, die im sozialen und kulturell-bildungsmäßigen Bereich Deutschland weit überlegen sind.
Selbst „Durchschnittsfranzosen „ haben ein besseres Geschichtswissen-und Bewußtsein als die meisten deutschen Abiturienten , das Schulsystem ist sowieso besser, da es soziales Zusammenleben schon ab der „maternelle“ fördert und noch keine Trennung nach dem 4. Schuljahr vorsieht.
Bei den Demonstrationen gegen die Rentenreform in Frankreich gingen ALT und JUNG gemeinsam auf die Straße, in Deutschland wurden dafür die Jungen gegen die Alten aufgehetzt !
Wenn ich in meinem Alter (57) keine Schwierigkeiten hätte, in Frankreich einen Job zu finden, hätte ich Deutschland schon längst den Rücken gekehrt.
Ich schäme mich so sehr meiner Nationalität, dass ich mir extra ein altes Auto mit französischer Zulassung gekauft habe, um in Frankreich nicht zu blöd auszusehen...
Und, ich denke, dass ich gut integriert bin...schließlich spreche ich fließend französisch, schaue französisches TV (das meistens bessere Informationen bietet als in D), lese französische Zeitungen und Bücher und diskutiere viel mit meinen Nachbarn.
Denen habe ich bereits viel über die wirklichen Verhältnisse in Deutschland erzählt und sie gewarnt, weder auf die Versprechungen Sarkozys noch F.Hollandes zu hören, die beide Deutschland als wirtschaftliches Vorbild propagieren. Nun issen wenigstens meine Nachbarn, worauf der „deutsche Wirtschaftserfolg“ wirklich basiert.
Dass die Volksverdummung in Frankreich noch keine deutschen Ausmaße angenommen hat, liegt vielleicht auch daran, dass es In Frankreich kein zentrales Volksverblödungsblatt wie in Deutschland gibt.
Mein Fazit ist , dass ich mich eben leichter in eine Gesellschaft integrieren kann, mit deren Kultur und menschlichen Umgangsformen ich mich am besten identifizieren kann.
Dass sich viele Ausländer in Deutschland „schlecht“ integrieren, könnte ja wohl daran liegen, dass es sehr schwer fällt, sich so zu verbiegen, dass man in die „deutsche Leitkultur“ passt....
Selbst mir fällt es schon immer wieder schwer, nach jedem Frankreich-Aufenthalt hier wieder ein „normales Leben“ zu führen.
Die Agressionen schon auf der deutschen Autobahn, das ungeduldige Rummosern im Supermarkt, wenn es mal länger an der Kasse dauert, all das möchte ich wirklich NICHT in mein Leben integrieren!

Amicalement

Christine Reichelt

Roberto J. De Lapuente 5. März 2012 um 12:14  

Oh ja, der Einwand, den kenne ich. Mancher deutsche Rentner, der seine Rente in eine spanische Bäckerei trägt, der finanziert also Spanien - wenn er denn überhaupt in eine spanische geht. Und die Türken, die hier leben und konsumieren?

Jaja, ich weiß, irgendein Einwand kommt immer - Rassismus findet immer seinen Weg, kein Argument ist zu dämlich... gleichwohl, die üblichen Einwände, das pseudoaufklärerische Getue, es wird hier in der Mottenkiste vergammeln...

Anonym 5. März 2012 um 13:24  

Hallo Roberto,
toller Text, der zum Nachdenken anstößt.
Man muss noch nicht einmal ins Ausland gehen, um deutsche Integrationsverweigerer bewundern zu können. Das allerbeste Beispiel für eine Parallelgesellschaft ist doch Bayern. Warum kann sich Bayern nicht integrieren ? Warum wehrt man sich dort so vehement, sich anzupassen ?
IMMER muss es einen bayrischen Sonderweg geben, bei fast allen politischen Entscheidungen bemerkt man diese beschissene "Mir san mir" Mentalität. Man hält sich für etwas Besonderes, und das auch noch ohne jeglichen Grund. Immer wieder muss man sich Tiraden bayrischer Politiker gefallen lassen, die oft genug hart an der Grenze des Grundgesetzes entlangschrammen und sich somit aus dem politischen Konsens verabschieden.
Bayrische Asylpolitik (die in ihrer Extremität höchstens noch von Niedersachsens Überzeugungstäter Schünemann getoppt wird) ist ein Paradebeispiel für Integrationsunwilligkeit. Während der gesellschaftliche Konsens in Richtung multikulturellen Miteinanders geht, schottet man sich in Bayern plakativ ab.
Anton Chigurh

Anonym 5. März 2012 um 21:14  

@ Christine Reichelt:

"Dass sich viele Ausländer in Deutschland „schlecht“ integrieren, könnte ja wohl daran liegen, dass es sehr schwer fällt, sich so zu verbiegen, dass man in die „deutsche Leitkultur“ passt...."

Das erlebe ich tagtäglich, denn die Gleichschaltungsorgie des Großkotzreichtumswohlstandchauvinismuslandes Germania ( sehr interessant ->Rekrut Nicolas Chauvin ) ist ein Bestandteil, um in Germania am Leben zu bleiben.

Im Büro, bei Bewerbungen, egal ob an der Kasse - überall das selbe Lied, die selbe Leier.

Sei so, wie wir es wollen - oder wir mobben dich. Ein verfaulter Charakter des deutschen Volkes ist noch harmlos ausgedrückt...

Evora 6. März 2012 um 13:33  

Ja, "Ein verfaulter Charakter des deutschen Volkes ist noch harmlos ausgedrückt..."
Tatsächlich ist es der deutsche Charakter, der verfault ist. Der spanische und englische ist z.B. anders, eben unverdorben.

Udo 10. Mai 2012 um 13:36  

Meinten SIe nicht, dass die Araber unsere verkommenen Werte gar nicht wollten, Roberto?
Nun hat der Arab Youth Survey 2012 in einer Befragung von 2500 arabischen Jugendlichen in 12 arabischen Ländern ergeben, dass an Nummer 1 aller Lebenswünsche "gute Bezahlung" steht, und zwar mit einer Steigerung von 63 auf 82 Prozent.
Dagegen fiel der Wunsch nach Leben in einem demokratischen Staat von 68 auf 58 Prozent ab.
GELD über alles - dieser verkommene Wert, er eint sie alle - nicht etwa soziale Gerechtigkeit. Deswegen steht die Linkspartei auch auf verlorenem Posten.

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