Langer Rede: kaum ein Sinn...

Freitag, 23. März 2012

Es war die Rede auf die man gewartet hat. Erwartungen erfüllt! Sie war unausgegoren, nicht konkret, idyllisch an der Wirklichkeit vorbei. Präsidiale gute Laune; "Demokratiewunder" nennt er diese Gesellschaft fröhlich - aber, so sagte er auch, dieses Land sei nicht perfekt, wir haben nur "nie ein besseres gesehen". Im gleichen Überschwang dichtete mal einer Deutschland, Deutschland über alles! Überhaupt sprach er viel von "unserem Land" und davon, es nicht im Stich zu lassen - und Seehofer lobte ihn passend, weil der nun Vereidigte damals das Wir sind ein Volk! hochhielt. Das passt - aus Wir sind das Volk!, der Klarstellung, wer Souverän zu sein hat, wurde einst das Wir sind ein Volk!, die nationale Agenda, die die Reformer und die Bürgerrechtler der ersten Stunde in der DDR gar nicht beabsichtigten. Unser Land: Welches meint er denn? Das Land der Wirtschaftsbosse? Oder das der Arbeitslosen? Als sei ein Land für alle unterschiedslos wahrnehmbar.

Soziale Gerechtigkeit hat er noch schnell in die Rede eingeflochten. Die war er bislang schuldig geblieben zu fordern. Nun macht er sie zur Säule der Freiheit. Allerdings, so betont er nachdrücklich, habe es der vorsorgende Sozialstaat zu sein - in neoliberalen Büros nennt man das Modell aktivierender Sozialstaat. Der geht von der Prämisse aus, dass man Menschen bedrängen und drangsalieren, stetigem Druck ausliefern muß, damit sie vom Leistungsanspruch keinen Gebrauch mehr machen. Keine Fürsorgepolitik, meint er, was notwendig sei ist ein Sozialstaat, der "vorsorgt und ermächtig". Ermächtigt? Wen? Tut er das nicht bereits, wenn er Arbeitslosen in die Unterhosen greift, um Vermögensverstecke im Eingriff zu erfühlen? Ist das, was als Hartz IV bekannt ist, nicht ein behördliches Ermächtigungsgesetz, das jeden noch so windigen Angestellten der Behörde dazu ermächtigt, Menschen zu verfolgungsbetreuen, in ihr Privatleben hineinzuschnüffeln? Welche Ermächtigungen will der Mann der Stunde denn noch? Postuliert er damit den wehrhaften Sozialstaat, der die Bedürftigen geheimdienstlich oder öffentlich bekämpfen soll?

Welches Europa hat er eigentlich gelobt? Spricht er von dem, das wir haben? Europa war mal Verheißung, sagt er. Und nun ist es endlich erfüllt und man soll deshalb dazu stehen. Aber es ist wie mit "unserem Land" - was ist denn Europa? Der Wirtschaftsverband, der sich auf für die Wirtschaft förderliche Maßnahmen einigen kann, nicht aber auch eine gemeinsame soziale Stoßrichtung? Das Europa der Konzerne? Dieses Europa, in dem man Griechenland ungeschoren empfehlen kann, einfach mal demokratische Wahlen ausfallen zu lassen? Die Verheißung für ein Europa der Bürger, für einen Raum, der nicht nur Wirtschaftsraum, sondern auch Bürgerraum ist, ist noch lange nicht erfüllt. Das europäische Parlament ist eine Inszenierung - Gesetze werden in Hinterzimmern Brüssels geschmiedet, in jener Stadt, die nicht nur Kapitale Belgiens, sondern auch des Lobbyismus ist. Das Parlament kann Entwürfe nur ablehnen oder verabschieden, aber an keinen expliziten Änderungen von Gesetzesentwürfen mitwirken - meint er etwa dieses Europa, in dem sich das "Demokratiewunder" nicht durchgesetzt hat?

Er bleibt unkonkret, er benennt keine Probleme, gibt keine Anstöße. Er lobt viel, er ruft zum Optimismus und zur Zuversicht auf. Gute Laune in allen Ehren - aber wer die wesentlichen Probleme und die kritischen Aspekte nicht nennt, wer sie ausblendet, der sollte einem launigen Karnevalsverein vorstehen, nicht aber einer Republik, die durchaus reformwürdig ist in vielen Bereichen, die umdenken muß, die das Hirngespinst von der marktkonformen Demokratie so schnell es geht begraben sollte. Das sind natürlich auch theologische Kniffe. Aber die kann man ihm nicht durchgehen lassen.

Da hat einer geredet und man wusste nicht, was er sagte. Welches Land meinte er? Welches Europa? Welche Ermächtigungen? Und auch: Welche Form von Integration? Als zugehörig, wie sein Vorgänger, hat er Muslime nicht benannt. Sie seien da, sprechen anders, pflegen eine andere Kultur - er werde das Erbe seines Vorgängers hochhalten. Aber Zugehörigkeit fiel in der Rede nicht. Die Fremden, sie sind da, war die Botschaft - Integration heißt ja in manchen Kreisen auch, Leitkultur durchboxen. Meinte er das? Langer Rede: kaum ein Sinn...



24 Kommentare:

Dirk 23. März 2012 um 11:57  

Und im Anschluss wird im Bundestag der Untergang des Abendlandes heraufbeschworen, wenn DIE LINKE schlappe 5 Prozent von den Millionären fordert... Dieser Präsident passt einfach wie die Faust auf's Auge zu diesem Land.

Anonym 23. März 2012 um 12:57  

der sagt, er ist ein linker. gauck ist aber ein rechter.

Anonym 23. März 2012 um 13:23  

Das gelobte Demokratiewunder darf bei gebräuchlicher Sprachnutzung wohl als Synonym für "Ein Wunder, dass dies noch jemand Demokratie nennt" interpretiert werden.

Aber wer will das schon immer so genau wissen bei dem präsidialen Missverstandenen.

Er mahnte die Politkkaste zwar zu verständlicher Kommunikation mit dem Volk. Als gutes Beispiel kann man seine Vereidigungsrede nicht gerade bezeichnen.

Aber da habe ich ihn dann wohl auch nicht richtig verstanden.

Zwei Dinge bleiben bei diesem medialen Casting "Deutschland sucht den Super-Präsi" nur zu hoffen. Das sich, ob seines Alters, doch noch weise Züge bei ihm herauskristallisieren. Oder dass sich die Statistiker bezüglich der durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland geirrt haben. Damit diese Farce für Deutschland nicht zu lange dauert.

mfg
Stephan

Die Katze aus dem Sack 23. März 2012 um 13:34  

Der neue Präsident wirkt auf mich phrasendrescherisch. Das mag wohl auch an meiner beschränkten Auffassungsgabe (Gabe?) liegen. Dennoch bin ich der Meinung: Er könne so langsam damit beginnen, seinem erklärten Zweckverständnis mit wirklichem Verständnis-Sinn zu versehen.

Der selbsternannte Demokratielehrer sollte auch nicht vergessen, das er es, im Wesentlichen, mit demokratischen Laien zu tun hat. Aber das tut er ja auch nicht, das Vergessen.

Der neue Präsident kann daher labern so viel er will, was er ganz sicher auch tut. Ich messe ihn an seinem Verhalten, wenn es um die Prüfung und Unterzeichnung ihm vorgelegter Gesetze geht. Wem er gar nicht erst empfängt, und wem er dienend in persona huldigt.

Der professionelle Redner Gauck, hat sich mir ja bereits Gelegenheit zur Vorstellung gegeben. Ebenso wie der Autor Gauck und der Demokratie-Vereinsmeister Gauck. Den Bürgerrechtler Gauck konnte ich nicht erkennen, wohl aber einen Theologen und Bundesbeauftragten (ein Posten, mit sehr eigenartigen Bewerbungsverfahren).

Ich daher neugierig und gespannt, ob das Amt den Gauck formt, der Gauck das Amt formt oder ob er sich irgendwo dazwischen aufzuhalten pflegt.

Roberto J. De Lapuente 23. März 2012 um 13:35  

"Er mahnte die Politkkaste zwar zu verständlicher Kommunikation mit dem Volk."

Das ist ja überhaupt so eine Lieblingsmahnung von BuPräs. Wahrhaftig ist das natürlich großer Quatsch - macht es die Sache besser, wenn man mir verständlich Krieg erklärt oder man mir verständlich macht, dass der Sozialstaat nur gut ist, wenn es ihn immer weniger gibt?
Man versteht dann zwar, wie es gemacht wird, versteht aber nicht, wie man es nur zulassen kann...

Anonym 23. März 2012 um 13:43  

Der Bundespräsi (neu) schwätzte eben drauflos. Die Allgemeinplätze sind bei ihm im Geistigen jedoch sehr konkret. Nur war er so pfiffig, sein wirkliches Denken nicht zu offenbaren. Das eine solche Figur zum Vorsteher der Republik avanciert wurde, ist sehr bedenklich.

Anonym 23. März 2012 um 13:58  

"Überhaupt sprach er viel von 'unserem Land' und davon, es nicht im Stich zu lassen"

Das klingt ja so, als wollte eine Großzahl der Bürger "ihrem" Land den Rücken kehren wollen. Und dann passt's ja wieder: Genauso hat er doch auch argumentiert, als DDR-Bürger ihr Land verlassen wollten und es taten (wie seine Söhne).
Fazit: Er hat nichts dazu gelernt (Ich teile auch nicht die Hoffnung, er könne an Weisheit gewinnen. Altersstarrsin ist ja doch auch eine Variante). Und... Deutschland - das gelobte Land (so vor einigen Monaten der Titel eines Artikels in der ZEIT - der Grund und das Ziel allen menschlichen Seins, aller Sehnsüchte. Eine Satire D. Wischmeyers endet folgendermaßen: X % der Bundesbürger fahren jedes Jahr ins Ausland in Urlaub. Warum kommen sie eigentlich freiwillig wieder zurück?
Das frage ich mich gelegentlich auch.

Grüße, Cora

Anonym 23. März 2012 um 14:08  

Der Einfachheit halber mein Kommentar beim sprengsatz:

Wenn mir von meinen Kritikern wochenlang vorgehalten würde, ich sei monothematisch, würde ich auch eine breitgefächerte Rede halten – “die beste Rede die er je im Bundestag gehört habe” (Sigi Pop).
Schöne Reden halten kann doch jeder. Und dieses “Ängste vermindern unseren Mut wie unser Selbstvertrauen manchmal so entscheidend, dass wir beides ganz und gar verlieren können” erinnern mich dann doch ein wenig an Roosevelts “Das Einzige, vor dem wir Angst haben müssen, ist die Angst selbst.”

Joachim Gauck ist wie Sinclair Lewis’ rhetorisch begabter Elmer Gantry; der Pfarrer der sooo schön vor der Liebe Gottes predigen konnte, dass die Frauen schwach und deren Augen ganz feucht wurden…

der Herr Karl

Maxim 23. März 2012 um 15:00  

Gauck: "Ängste mindern unseren Mut" - das ist schon seit Jahren so ein Dauerbrenner in Politik und Medien. Berechtigte und begründete Kritik wird kurzerhand umdefiniert zu diffusen Ängsten, z.B. haben Arbeitslose demnach Angst vor Freiheit und Eigenverantwortung. Da läuft es dann wieder auf das ewig gleiche "bessere Erklären der Politik" hinaus.
Einfach nur lachhaft, wie jetzt in zahlreichen Online-Medien diese alten Worthülsen auf die Goldwaage gelegt und dem Leser als teure Kostbarkeiten dargeboten werden.

Anonym 23. März 2012 um 15:25  

Hi,

schon der Schöner-Sonntag-Ausruf am 18. März nach seiner Wahl war "abgekupfert"

http://duckhome.de/tb/archives/9969-WAS-FUER-EIN-SCHOENER-SONNTAG!.html

Roberto J. De Lapuente 23. März 2012 um 15:31  

Was will uns der Autor des Was-für-ein-schöner-Sonntag-Textes sagen? Die Frage ist nicht rhetorisch, ich frage ganz ernst.

FF 23. März 2012 um 16:36  

"Freiheit statt Sozialismus!" - der ganze Gauck ist nichts anderes als ein fleischgewordenes CSU-Wahlplakat aus den frühen 80ern, das laufen, sprechen und Krawattenknoten binden gelernt hat.

That's it. Ignorieren, weitergehen.

André Tautenhahn 23. März 2012 um 16:57  

Hingewiesen werden sollte auch Norbert Lammerts Vorbemerkungen, die in den Medien mal wieder nur als unterhaltende Einlage verkauft wurden. Er sagte zum Beispiel:

Joachim Gauck weiß aus eigener Anschauung, was ein Leben in Gängelung, Bevormundung und Unfreiheit bedeutet - und was die Kraft der Freiheit vermag.

Ist das nun Ironie oder purer Zynismus? Als ob nicht auch der ausgebildete Sozialwissenschaftler Lammert wüsste, dass die Kraft der Freiheit gegenwärtig wieder darin besteht, Menschen zu gängeln, zu bevormunden und sie unter Androhung von Leistungskürzungen in ihren Grundrechten zu beschneiden.

Anonym 23. März 2012 um 19:06  

Eine Larve in so einme alter - schwerlich dass die selbige eines Tages je entschlüpfen wird, für alle sichtbar, transparent und nur dem Menschen dient, und sich nicht dem erst besten Lobbyisten anbiedert..auch nicht den folgenden....!
Zugegeben, wenn überhaupt eine schwere Metamorphose!
Fazit: es werden neue Insekten gesucht die dieses Land demokratisch befruchten!

Anonym 23. März 2012 um 20:53  

Ich bin der festen Überzeugung, dass Herr Gauck keine Ahnung vom SGB II hat. Er wäre entsetzt, wenn er erfahren würde, dass es in Deutschland keine garantierte Grundsicherung aufs Überleben in Deutschland gibt. Er wäre entsetzt, wenn ihm gewahr würde, dass Menschen in Deutschland von CDU, SPD, und den GRÜNEN durch das SGB II schikaniert und entwürdigt werden. Er hat keine Ahnung von alledem. Sollte er allerdings davon wissen, ist er der falsche Präsident.

Anonym 24. März 2012 um 08:34  

@Anonym 23. März 2012 20:53

... Sollte er allerdings davon wissen, ist er der falsche Präsident.

Er wäre es erst recht, wenn er davon nichts wüsste.

mfg
Stephan

Anonym 24. März 2012 um 13:25  

Sauber auf den Punkt, Herr De Lapuente.

Diese Rede mutet mehr wie eine Predigt an, was ja im Sinne seiner Vita, kein Wunder ist.
Pathetisch, selbstvergessen und selbstgerecht.
Wo bleibt die Freiheit für Arbeitslose, Aufstocker und Armutsrentner? Jene, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, aus welchen Gründen auch immer?
Oder bezieht sich das Wort nur auf diejenigen, denen Staat dient, zur Umsetzung ihrer Pläne bzgl. höchstpersönlicher Lebensplanung?
Wo verortet er die Realität im Land? Registriert er, dass es der breiten Masse immer schlechter geht?
Nein, ganz bestimmt nicht. Das möchte man nicht sehen und breitet eine Decke darüber. Weil, was nicht sein kann, ganz einfach nicht sein darf.
Über Ursachen und Wirkung schweigt man sich aus und Lösungsansätze sind damit perdu.
Wieder einmal schwingt ein Hauch von Schuldzuweisung in seinen Worten mit ..., erbärmlich.

Freiwirtschaftler 24. März 2012 um 18:53  

Alle wesentlichen Fragen, sofern sie das zivilisierte Zusammenleben im weitesten Sinne betreffen, sind seit einem Jahrhundert vollständig geklärt. Es fehlte allein die Antwort auf die Alles entscheidende Frage, warum „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ (Silvio Gesell, 1916), insbesondere von denen, die von sich glauben, sie wüssten schon was, bis heute nicht verstanden wird: http://www.deweles.de

Anonym 24. März 2012 um 20:15  

In seiner Rede hat er die Aufstiegschancen erwähnt und mir fällt zum ersten mal ein Defekt auf, der damit verbunden ist.

Die Aufstiegschance klingt toll denn sie gibt an wohin es gehen soll.

Das setzt aber voraus, dass es auch ein woher gibt.

Das Woher wird gar nicht besprochen.
Die Unterschicht muss es einfach geben.

Punkt, aus, fertig!


Ziemlich trivial. Aber gerade die trivialen Tatsachen muss man mal aufschreiben.

Bonsta 25. März 2012 um 13:16  

Dieses Gelaber von Politikern, die doch bitte verständlich sprechen sollten, Politiker, die bedauerten, sie würden zwar die richtige Politik machen, jedoch mangelt es ihnen an der Vermittlung...

Ja das kennt man bereits von der Schröder/Fischer Regierung. Das jedoch war damals nicht das Problem und ist es auch heute nicht, denn es gibt keine Möglichkeit dem Volk "verständlich" zu erklären, warum man Lohnverzicht üben sollte, warum man mittlerweile 3 Mio Soldaten in Kriege geschickt hat, deren Länder 80% der Deutschen nicht mal auf der Landkarte finden würden, um nur zwei Punkte zu nennen. Nicht die falsche Erklärung von Politik ist das Problem, sondern die falsche Politik selbst ist es. Diese Arroganz, diese Überheblichkeit, diese Unterstellungen, der Bürger wäre einfach nur zu bekloppt zu begreifen, was Politik will, ist es, die mich erst so richtig auf die Palme bringt...

Aber so ist er, dieser neue Typus, vor Eitelkeit und Arroganz nur so triefend. An uns kann es ja nicht liegen, wir sind über alles erhaben, es müssen immer die anderen sein. Abwechselnd das begriffsstutzige Volk, der faule Grieche oder immer wieder gern der Moslem, der unsere "Werte" nicht verstehen will.

Einfach ekelhaft...

pillo 25. März 2012 um 13:37  

Gauck hat im Grunde nur das (aus seiner Sicht beste) System verteidigt, und das in der ihm eigenen pastoralen Art. Das er auch etwas von Gerechtigtkeit faselte, war letztendlich nur ein verbales Zugeständnis an seine Kritiker. Läge ihm dieses Thema tatsächlich am Herzen, so hätte er es auch ausführlicher und konkreter behandelt.

Gauck hat mit seiner Rede die Aussage von Jutta Ditfurth vollumfänglich bestätigt: "Einen wie ihn holt man, um den Leuten die Ohren vollzuquatschen."

Gauck war schon immer ein Konservativer. Er gehörte, so wie Vera Lengsfeld, zu jener Gruppe, die die DDR nie reformieren sondern schon immer abschaffen wollten, und von den Mainstreammedien fälschlicherweise als Bürgerrechtler tituliert wurden. Für Gauck war mit dem Beitritt der DDR am 3. Oktober 1990 das Ziel erreicht.

Übrigens, wenn jetzt viele Medien so verwundert tun, warum SPD und Grüne Joachim Gauck unterstützt haben, dann kann man das nur als Heuchelei bezeichnen. Die Antwort lautet natürlich: Weil Gauck gerade auch ihr Kandidat ist - libertär-konservativ, Transatlantiker, Linkenhasser - eben der perfekte Repräsentant der verrohenden Mittelschicht, also auch der SPD-Grünen-Klientel.

Lupus 25. März 2012 um 20:59  

"Ein Wunder, dass dies noch jemand Demokratie nennt"? Die Demokratie der '50er Jahre, die man demzufolge noch zurecht Demokratie nennen durfte - wodurch unterscheidet sich diese denn von der heutigen Demokratie?

Jens 26. März 2012 um 01:01  

Die Kommentare hier, sind,

mit Verlaub sehr verehrter Herr Lapuente mitunter noch erhellender als der Artikel der den Anstoß dazu gab.

Mitunter, nicht immer. In diesem Falle herrscht zumindest Gleichstand ;)

Anonym 26. März 2012 um 21:30  

@Lupus

Worin sich unsere heutige Demokratie von derselbigen in den 50er Jahren unterscheidet, mag ich nicht beurteilen. Obwohl das Wort "kann" etwas besser gewählt wäre. Dazu fehlt mir die direkte Erfahrung, da ich diese nicht miterlebt habe.

Was ich aber sehr wohl für meine Person reflektieren kann, ist nunmal die heutige von mir erlebte - nennen wir es mal versöhnlich - Demokratie.

Eine Demokratie welche ursprünglich als Herrschaft des Volkes gedacht war. Ich bin mir sicher, daß die Einflussnahme von Unternehmen, Interessverbänden und ähnlich korrumpierenden Vereinen auf die Politik nicht im Sinne einer Demokratie sind. (zumal selbige Politik immer von der Freiheit der Märkte predigt)

Eine Politik, die dem aufmerksamen und eigenständig denkenden Bürger nur die demokratische Wahl lässt, alle paar Jahre seine Lieblingsfarbe auf einem Wahlzettel anzukreuzen. Dass sich damit politisch für die Menschen in diesem, meinem Lande mit der Abgabe seiner/ihrer Stimme dadurch nichts ändert, das darf man täglich an den getroffenen Entscheidungen und Äußerungen unserer Volksvertreter "bewundern".

Keine der großen Parteien hat die Cojones um bei irgendwelchen Koalitionsgesprächen zu sagen: "Nö, mit uns nicht". Bestes Beispiel dafür sind die SPD und die "Grünen". Da wird nicht nur die eigene, sondern auch die Parteiseele mitverkauft, um ja regieren zu können.

Zu guter Letzt: Politik, welche pünktlich zu Wahlen oder in Krisenzeiten medial immer mit dem "Terrorismus"-Hammer schwingt - und das meistens völlig haltlos - nur um eine umfassende Totalbespitzelung des Volkes zu rechtfertigen, kann sich nicht von mir als demokratisch - also dem Volke verpflichtet - bezeichnen lassen.

mfg
Stephan

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