Eine Erklärung irgendeines Arbeitgeberverbandes

Dienstag, 20. März 2012

oder: wie so jeder seine eigenen Lehren aus Ereignissen zieht.

Der Konkurs des Schlecker-Konzernes hat uns alle betrübt. Eine über Jahrzehnte reichende Erfolgsgeschichte nahm sein trauriges Ende. Viel wurde in den Medien spekuliert, weshalb es ausgerechnet Schlecker war, der so unrettbar ertrank. Das Konzept sei veraltet gewesen, konnte man lesen. Linke Analysten meinten natürlich, es sei das schlechte Arbeitsklima gewesen, das die Kunden forttrieb - und natürlich, das Argument, das immer vorgebracht wird: Schlecker war zu teuer. Wir als irgendein Arbeitgeberverband aber sagen eindeutig: Die Gründe für die Pleite liegen im sozialen Unternehmertum Schleckers begraben. Die Rücksichtnahme und die Großzügigkeit, mit der Schlecker als Tarifpartner auftrat, haben ihm das Leben gekostet. Spendierfreudiges Patronatsgehabe passt nicht mehr in unsere Zeit!

Großzügige Löhne führen leicht zu maßlosen Forderungen. Schlecker gab und gab - uns als x-beliebiger Arbeitgeberverband sind Stundenlöhne bekannt, die um die 6,50 Euro lagen. Bereits als Einstiegslohn, muß man dazu sagen. Manche Mitarbeiter sollen sogar 9,00 Euro in der Stunde eingestrichen haben. Natürlich ist uns bewusst, dass jeder möglichst viel Geld mit möglichst wenig Arbeit erlangen möchte. Das sind die Gesetze des freien Marktes, die wir ausdrücklich schätzen. Aber es hat Grenzen zu geben - und Schlecker hätte gut daran getan, seine Rolle als sozialer Arbeitgeber nicht zu übertreiben, den maßlosen Stundenlöhnen Grenzen aufzuzeigen. Auch der Gesetzgeber ist hier aufgefordert, der skandalösen Praxis der Gewerkschaften, horrende Stundenlöhne zu erstreiken, Einhalt zu gebieten. Irgendein Arbeitgeberverband ruft daher die Regierung auf, weitere Schleckers zu verhindern und Grundlagen dafür zu schaffen, um Arbeits- und Personalkosten zukünftig in einem Rahmen zu halten, den man überblicken kann.

Seit Jahren warnen wir alle beteiligten Seiten, dass die Zeiten der Sozialromantik endgültig beendet sind. Schlecker hat eindrücklich bewiesen, dass man mit sozialem Unternehmertum auf den globalisierten Markt nicht mehr überleben kann. Irgendein Arbeitgeberverband sähe höhere Löhne auch lieber - alleine die Lage läßt es nicht zu. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, um den Menschen auch künftig Arbeit bieten zu können, braucht es Maßhaltung bei Löhnen und eine flexiblere Arbeitszeit. Schlecker hat uns bewiesen, dass unsere Leitlinie, Wettbewerbsfähigkeit vor sozialer Kompetenz zu stellen, richtig war.

Wir, ein x-beliebiger Arbeitgeberverband, rufen daher alle unsere Mitglieder auf, ab sofort weitere Schleckers zu verhindern. Wohin hohe Lohnkosten führen können, haben wir ja nun gesehen. Jetzt heißt es wieder gesund wirtschaften, keine sozialromantischen Experimente mehr betreiben. Niedrige Löhne, längere Arbeitszeiten, damit die Menschen auch morgen noch Arbeit haben: das ist sozial! Eine Gute-Mensch-Unternehmenspolitik ist es nicht...



11 Kommentare:

Hartmut 20. März 2012 um 08:26  

Bravo, Roberto!

Der Sozialgedanke ist aus dem Bewußtsein der Menschen ausradiert !

Anonym 20. März 2012 um 08:46  

Rentner dürfen in Zukunft mehr ohne Abzüge dazu verdienen.

So bekämpft Frau von der Leyen die Altersarmut und hält die Löhne niedrig.

Die RESERVEARMEE steht bereit.

PS:

Die Banken erpressen die Kommunen.

Und drohen keine Kredite mehr an diese auszugeben.

Dies geschieht meiner Meinung nach in Absprache mit der Bundesregierung.

Die Raffinesse mit der die letzten übrig gebliebenen Reste für die WETTBEWERBSFÄHIGKEIT beseitigt werden ist merkelhaft.

Sie ist eines REAGAN ganz und gar würdig.

Wieso lieben so viele Menschen ihre Peiniger?

Anonym 20. März 2012 um 08:52  

Amazon übernimmt Kiva-Systems.

Einen Hersteller von Robertern in der Lagertechnik.

NIEMAND SOLL GLAUBEN AMAZON REAGIERE NICHT AUF KRITIK AN SOZIALEN MI?STÄNDEN!

PS:

Die Senkung der Löhne und der Arbeitsstandards kann Automatisierung und Abbau von Arbeitsplätzen nicht verhindern!

Da der technische Fortschritt auch bei niedrigsten Löhnen angewandt werden will.

UND STROM WIRD FÜR DIE BÜRGER DESHALB IMMER TEURER.

Dieses Jahr wahrscheinlich wieder um 10%.

Damit die Unternehmen immer niedrigere Strompreise bezahlen können.

Sehr intelligente Wirtschaftspolitik von MERKEL.

Lutz Hausstein 20. März 2012 um 09:49  

Genau, irgendein Arbeitgeberverband! Endlich habt ihr den Bauplan des großen Weltenalls gefunden!

Wenn nur all die Schleckern ihr Zeugs so billig wie möglich anbieten können, weil sie ihre Mitarbeiter noch mieser bezahlen, dann werde auch ich wieder mehr kaufen.

Sinkt dadurch der Preis für Zahnbürsten, werde ich ab sofort beidhändig mit zwei Zahnbürsten mir die Zähne putzen. Ich werde doppelt soviel Waschmittel in die Waschmaschine kippen und ich wische zukünftig zweimal täglich die Wohnung, vormittags und abends.

Daran werde ich mich auch nicht hindern lassen, nur weil ich als Mitarbeitern von anderen Schleckern selbst nun 30 Prozent weniger Geld in der Lohntüte habe. I wo. Solch kleinkariertes Denken ist mir völlig fremd.

Roberto J. De Lapuente 20. März 2012 um 10:06  

Danke an Fehlerteufel - er weiß schon warum :)

harzpeter 20. März 2012 um 10:25  

Tja, das möglichst schnelle verdienen von so viel Geld wie nur irgend möglich mit so wenig Leistung wie nur irgend möglich ist nun mal das alleinige Vorrecht von Arbeitgebern/Unternehmern, Konzernvorständen, Finanzjongleuren aller Art, Spitzenpolitikern und Erben aus reichem Hause. Irgendein Arbeitgeberverband wird die Aufnahme eines entsprechenden Artikels in unsere Verfassung schon noch bei der Politik in Auftrag geben.

Anonym 20. März 2012 um 10:33  

BLÖD: "Schlecker schließt 2.100 Filialen. Die freigesetzten 100 Mitarbeiterinnen erhalten vom Bundespräsidialamt einen Ehrensold.!"

(Satire aus!)

Anonym 20. März 2012 um 10:45  

"Manche Mitarbeiter sollen sogar 9,00 Euro in der Stunde eingestrichen haben"

Köstliche Überhöhung als Kontrast zur Meldung, dass die Löhne der Chefs von DAX-Unternehmen rasant gestiegen sind.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,821327,00.html

der Herr Karl

Anonym 20. März 2012 um 14:33  

Schlecker macht seinen Laden dicht weil nicht mehr genug Profit.
Was soll daran ungewöhnlich sein?
Das machen so alle Firmen.
Das nennt man heutzutage Marktwirtschaft, böse Zungen auch Kapitalismus.
Den wollt ihr doch alle, oder nicht?
Ihr liebt doch alle seine "Effizienz" bei der "Güterversorgung", oder nicht?
Natürlich, ganz klar, mit sicheren gut bezahlten Arbeitsplätzen für alle und natürlich tollen Gewinnen für die tüchtigen Unternehmer, auf das sie noch mehr gute und bestens bezahlte Arbeitsplätze für alle Arbeitnehmer schaffen.
Alles ganz klar, Freunde.

Zum weiteren heißhungrigen Erwartungen diesbezüglich empfehle ich für den Rest des Tages noch ganz viel JIM BEAM oder noch bessser Koks für die Nasenwände.

Prosit ! Wohl an... !

Bakunin

Stefan Rose 20. März 2012 um 16:52  

Es ist doch faszinierend. Jahrelang galt der schwäbische Großdrogist als abschreckendes Beispiel dafür, wie man mit Mitarbeitern nicht umgehen sollte. In letzter Zeit sind nur noch O-Töne von Leuten zu vernehmen, die den Typen in den höchsten Tönen für seine sozialen Segenstaten loben...
Übrigens hatte ich auch schon vor, mich für so einen hochdotierten Posten als Arbeitgeberverbandsfuzzi zu bewerben. Viel mehr als "Unmöglich, das kostet Arbeitsplätze!" und "Lohnzurückhaltung!" oder "maßvolle Tarifabschlüsse!" scheint man verbal nicht auf die Reihe kriegen zu müssen.

Trojanerin 20. März 2012 um 22:15  

Die Firma Schlecker ist wahrlich kein sozialer Arbeitgeber. Kaum ein anderes Unternehmen wird so deutlich mit schlechten Arbeitsbedingungen assoziiert.
Eine Freundin von mir hat viele Jahre bei Schlecker gearbeitet. Die Firma Schlecker war so sparsam, dass sie sich sogar die Telefonanschlüsse für ihre Filialen gespart hat. Dumm war nur, dass in Notsituationen wie Überfällen dann keine Hilfe gerufen werden konnte.

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