Ins vierte Jahr...

Mittwoch, 4. Januar 2012

oder: trotz leichtem Rückgang, ad sinistram weiter im Aufschwung.

Ins vierte Jahr geht es also hiermit. Vier Jahre - ist das nicht schon die Halbwertszeit für Blogs? Kommt ad sinistram damit nicht langsam in seine besten Jahre, ins potenteste Mannesalter? Zweifel? Midlife crisis? Vier Jahre: die Länge einer Legislaturperiode...

Erfreulich zeigt sich hingegen die Situation bei den Leserzahlen. Die positive Entwicklung hat sich im Jahr 2011 nach Einschätzung von Experten fortgesetzt. "Ad sinistram profitiert von den bisher schlechten Entwicklung hierzulande. Im Jahr 2011 war keine Trübung zu erkennen. Die Besucherzahlen halten sich konstant, moralischer Verfall und politische Offenbarungseide wachsen weiter, womit die Nachfrage nach ad sinistram weiter ansteigen dürfte", sagte Roberto J. De Lapuente, Vorstandsvorsitzender, Blogbetreiber und Autor, heute in Ingolstadt anlässlich der jährlichen Pressekonferenz.

Zwar gebe er zu, dass die Besucherzahlen leicht rückläufig seien. Die drei fetten Jahre dürfen aber nicht dazu verleiten, falsche Schlüsse zu ziehen. Nachdem 2008 etwa 150.000 Menschen auf ad sinistram zugriffen, 2009 weitere 470.000 und 2010 abermals 630.000 Zugriffe zu verzeichnen waren, blieb man im Jahr 2011 bei etwa 620.000 Besuchen. "Die Zahlen seien aber nicht alarmierend", meinte De Lapuente, "sie seien saisonbereinigt und daher mit den Zahlen der Vorjahre nur schwer vergleichbar." De Lapuente führte die leichten Verluste auf das Wetter zurück, nachdem er jedoch auch erklärte, dass noch vor einem Monat mit Zuwächsen gerechnet wurde, die man indes auch durch das Wetter gerechtfertigt hätte.

Bewölkte Monate, überdies atomwolkenbewölkte Monate fanden großen Zuspruch. Gleichwohl Utøya, auch reges Interesse und hohe Frequentierung mit sich brachte. Im September dann ein Durchhänger, wenige Besucher, was auf den Papstbesuch zurückzuführen ist. "Das streng katholische Publikum ad sinistrams säumte im September die Straßen des Landes, um den Heiligen Vater willkommen zu heißen", rechtfertigte sich De Lapuente.

Außerdem bekräftigte er nochmals die Reformen, die nun endlich griffen. "Die Zahlen sprechen für sich", erklärte er abermals im Rahmen der Pressekonferenz, "die Reformen waren richtig und wichtig und zeitigen nun Resultate." Es wäre vermessen, jetzt davon abzugehen, so der Blogbetreiber weiter. Die Besucherzahlen des letzten Jahres seien kein Rückschlag und durchaus im Rahmen dessen, was vorab kalkuliert wurde. Kritischen Stimmen, die den Einbruch ad sinistrams hinter den neuesten Zahlen vermuteten, erteilte De Lapuente entschieden eine Abfuhr. Man müsse jetzt optimistisch nach vorne schauen und die gute Arbeit des letzten Jahres fortsetzen.

Gegen Ende der Pressekonferenz bedankte sich De Lapuente nochmals bei allen Lesern und Besuchern und wünschte ein erfolgreiches Jahr 2012.



25 Kommentare:

Anonym 4. Januar 2012 um 09:48  

gratuliere! weiter so bitte!

Drahtwerker 4. Januar 2012 um 11:04  

Köstlich!
Ich bedanke mich für die vergangenen und freue mich auf die kommenden rhetorischen Leckerbissen des Herrn De Lapuente.

Kalamis 4. Januar 2012 um 11:09  

"moralischer Verfall und politische Offenbarungseide wachsen weiter" ... jaja, das haben die alten Griechen vor Tausenden von Jahren auch schon gesagt. Seit Jahrtausenden wird alles immer schlimmer und schlimmer. Jederzeit herrscht der Tiefpunkt der Entwicklung. In welches historische Zeitfenster man auch schaut: es geht immer abwärts, abwärts, abwärts. War also nie anders und ist auch vorgegeben. Adam & Eva waren auf dem Höhepunkt bis zur Verführung (der Apfel!), danach besteht die Geschichte nur noch aus sich potenzierenden Sündenfällen.
malus, -a, -um: schlecht, schlimm, böse.

So What 4. Januar 2012 um 11:41  

Wann schnallen Sie endlich als einer der Letzten, daß der Mensch ambivalent ist und es natürlich immer etwas zu bemängeln geben wird, bis zum Ende der Menschheitsgeschichte?
An Ihrem Auftreten gibt es auch einige Ungereimtheiten, über die sich ein Blog führen ließe.
SO WHAT ?!

Gerrit 4. Januar 2012 um 12:00  

Roberto, Sie schreiben ausschließlich für Intellektuelle, und die brauchen Sie nicht. Daher ist Ihre Leserschaft recht volatil.
Ich arbeite als Aufseher auf dem Bau und habe die Arbeiter schon manches Mal auf Ad Sinistram hingewiesen. Die Reaktionen waren allerdings überraschend negativ. Die einfachen Leute empfinden Sie als Winkeladvokat, da Sie in einem für sie abgehobenen, nicht verständlichen Stil schreiben. Diese Leute werden das Gefühl nicht los, dass jemand, der nicht auf Augenhöhe mit ihnen redet, sie jederzeit übervorteilen könnte. Diese Leute sagen: "Warum redet er nicht Klartext, wenn er es ehrlich meint?"
Diese Leute verstehen Ihre Texte nicht als Klartext, sondern Sie sehen darin nur beständige intellektuelle Klimmzüge, die Distanz zu ihnen schaffen.
Sie haben es selbst in der Hand, weiter auf Distanz zu einem Großteil potentieller Leser zu setzen oder diese abzubauen.

Siebenstein 4. Januar 2012 um 13:09  

Schön sie wieder zu lesen, ich hatte sie schon vermisst.

Auch ihnen, lieber Roberto de La- Puente ein gesundes und auf hohem Niveau erfolgreiches neues Jahr.

Siebenstein 4. Januar 2012 um 13:16  

ein Tipp aus den Nachdenseiten

http://soundcloud.com/user3204483/wdr2kabarett-schmickler

Libero 4. Januar 2012 um 13:25  

Ins vierte Jahr...? Hab ich mir an Sylvester mein Rechenzentrum weggeblasen? Oder färbt die Schönstatisti(c)kerei schon ab?
An dieser Stelle ein fettes Dankeschön und Dir weiterhin viel Erfolg!

Joshu 4. Januar 2012 um 13:26  

Guten Tag! Ich bin Argentinier, aber meine Eltern sind Deutsche, im 2.Weltkrieg nach Argentinien ausgewandert. ich habe mit dem Gedanken gespielt, einmal zurückzukehren. Aber Ihr Blog gibt mir Nahrung für Hass auf Deutschland: Ich weis, das es richtig war nicht zurückzukehren.
Danke!

Wolfgang 4. Januar 2012 um 13:39  

Vier Jahre sind das schon? Gut, das erste Jahr hab ich wohl verschlafen, für die anderen Drei von meiner Seite: herzlichen Dank und nur nicht müde werden!

Die Analysten des Sozialministeriums sind übrigens der Ansicht, der leichte Einbruch bei den Leserzahlen sei aufgrund der hervorragenden Arbeitsmarktlage in Deutschland zu verbuchen. Immer mehr Menschen, die voll arbeiten und sich nicht einmal ihre Existenz damit sichern können haben nu mal weniger Zeit und Muße zum surfen....

flatter 4. Januar 2012 um 13:57  

Oh, so jung doch noch? Gratuliere. Genießen Sie es, denn in meinem Alter sieht man nur zunehemend scheiße aus. Da trösten auch keine Leser, die eh nicht zahlen.
Zu den anstehenden Reformen wissen Sie hoffentlich, was zu tun ist: Bauen Sie Personal ab und privatisieren Sie unnötigen Besitz. Sie können mir etwa günstig Ihre Hardware verkaufen und diese zu einem geringen Aufpreis zurück mieten.
Alles alles Gute!

Anonym 4. Januar 2012 um 14:24  

Aufgezogen wie einen Bericht vom Arbeitsmakrt. Das ist zum todlachen. Super so.

Anonym 4. Januar 2012 um 14:26  

Gerrit 12.00 Uhr: Wenn ich diesen Vorschlag zu Ende denke, lande ich bei BILD. Als Linker mit nur 8 Jahren Allgemeinbildung lese ich allerdings sogar seit 20 Jahren "konkret", die mit ihrem intellektuellen Schreibstil , insbesondere im Kulturteil, auch nur eine Minderheit erreicht. Das ist mir aber lieber als die Vereinfachung von Sprache zu Lasten der Präzision und Eindeutigkeit.

PS.: Roberto wehr Dich!!!!,-)

Roberto J. De Lapuente 4. Januar 2012 um 14:28  

Was will ich mich dagegen wehren? Wenn er meint. Ich schreibe, wie ich schreibe, weil ich es anders nicht kann - das ist die ganze Wahrheit.

Gerrit 4. Januar 2012 um 15:42  

Hallo Anonym, der Du meintest "Gerrit 12.00 Uhr: Wenn ich diesen Vorschlag zu Ende denke, lande ich bei BILD."

Man kann jeden Artikel hier in ein paar einfachen Sätzen zusammenfassen und erhält dann immer noch gegensätzliche Informationen als in BILD.

Roberto J. De Lapuente 4. Januar 2012 um 15:57  

Dann machen Sie das doch in Zukunft... ich meine, ich hätte nichts dagegen, wenn Sie den Arbeitern, deren Aufseher (klingt wie in einer JVA, btw) Sie sind, meine Texte in nuce reichten... meinen Segen hätten Sie, Gerrit.

Hermann O. 4. Januar 2012 um 16:01  

ich hätte nicht geschrieben, daß die leser weniger wurden. wenn man ehrlich ist dann ist es so, daß sie ihre leser halten konnten. in zeiten wo die zeitungen immer weniger auflagen haben und leser verlieren ist das nicht schlecht. gratuliere!

piet 4. Januar 2012 um 16:30  

Ich kann diesen Blog auch ohne Abitur lesen. Wenn´s nicht direkt klickert, lese ich es eben zwei bis dreimal. Wenn´s mir zu moralin wird, lasse ich es erst mal sacken und lese es später nochmal, erkenne es an, oder verwerfe es.Manchmal sind hier wunderschöne, manchmal auch wunderschön traurige Sätze zu finden. Mit der Sprache zu spielen ist ja nun kein Verbrechen, wenn man dazu fähig ist und die Muße hat. Der aktuelle Artikel in Form einer Bilanz-Pressekonferenz ist einfach goldig und entlarvt trefflich das große Bla der Entscheidungsträger, bzw. deren Verkündiger. Danke hierfür.

lutzhausstein 4. Januar 2012 um 20:01  

Ich denke, jeder hat seinen Stil. Einen Stil, der authentisch ist. Vor allem dies ist wichtig. Authentizität. Dies macht denjenigen und seine Texte und Aussagen auch glaubwürdig.

Und gerade im Zusammenspiel mit den verschiedenen Stilen, auch in der Blog-"Nachbarschaft", kann so ziemlich jeder das für ihn speziell Richtige finden. Sei es nun der intellektuelle, der burschikose, der zynische, der analytische Stil oder was auch sonst noch.

Denn mit einem bestimmten Stil erreicht man sowieso nie alle Menschen. Deshalb finde ich es wichtig, dass jeder seinen eigenen Stil findet und diesen dann auch beibehält.

totschka 4. Januar 2012 um 20:35  

Herzlichen Glückwunsch! Ich freue mich schon auf den 3. Band der Printversion und rätsele derweil über die Hintergrundfarbe des Titels. ;-)

Trojanerin 4. Januar 2012 um 22:38  

auf Ad sinistram ist zu Beginn des neuen Jahres mit dem vorliegenden Artikel Satire vom Feinsten zu lesen. Für die sehr schönen Beiträge in der Vergangenheit sage ich danke an den Autor; Ich bin froh, dass es ad sinistram gibt, denn die Beiträge sprechen mir häufig aus dem Herzen und ich erfreue mich an ihrer wunderschönen Sprache.

Harzpeter 5. Januar 2012 um 04:17  

Herzlichen Glückwunsch zum vierten Geburtstag sowie für die (hoffentlich!) noch kommenden Jahre viel Kraft für das weitere erfolgreiche Schaffen und Wirken auf, für und mit ad-sinistram!

Hartmut 5. Januar 2012 um 11:04  

Wie der Vorstandsvorsitzende, De Lapuente, den Erfolg des Unternehmens,ad sinistram, zum Jahresbeginn 2012 bekannt gab, möchte ich diesem gratulieren und weiterhin alles Gute wünschen.

Der Esprit dieses Blogs möge uns auch weiterhin erhalten bleiben - weit über eine Legislaturperiode hinaus....Gratias.

Inhumanist 5. Januar 2012 um 12:44  

Reine Beschönigung um die Investoren zu beruhigen, geben sie's doch zu! Auch der Markt für unentgeltilichen Antikapitalismus ist gegen die Auswirkungen der Krise nicht gefeit, das werden sie schon noch merken.

Pascal 6. Januar 2012 um 12:25  

Auch von meiner Seite alles Gute zum vierten Geburtstag und weiter so! Wir freuen uns alle schon auf das nächste Buch.

Und zur Sprachdebatte: Es ist sicherlich eine gute Idee, wenn jemand, der Zeit und Freude mitbringt, Roberto's Texte auf's Wesentliche runter bricht, so wie das Johann Most mit Marx' Kapital getan hat

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