Hinter die Schalter!

Dienstag, 31. Januar 2012

Was ist bloß mit diesem Land im Herzen Europas los? Sind das die Bosheiten eines Herzpatienten? Der kranke Mann an der Spree? Der psychisch kranke Mann, der seine Vertreibung von den Gestaden des Rheins nie verarbeitet hat? Wieder mal erkrankt? Dieses so leicht aufgeregte Völkchen in Zentraleuropa. Dieses Völkchen, das sich ja ordentlich fürchtet, zu einem Völkchen zu werden, kein Volk mehr sein zu können, weil es schrumpft. Sie sterben aus, ängstigen sie sich - und mit ihnen verstürbe die edelste Rasse unter den Menschen. Stets befehlend, kommandierend, Schneller, schneller schneller!, Regierung entmachten!, Hilfsvölker schaffen, Quislinge engagieren. Sind das Minderwertigkeitskomplexe? Meglomaner Heilswahn?

Ich meine, als Sohn eines Gastarbeiters habe ich einiges erlebt. Man duzte meinen Vater grundsätzlich - ekelhaft, wenn man als Sohn miterleben muß, dass man mit seinem Vater spricht, wie mit einem Bengel, damit der begriffstutzige Ausländer auch ja folgen kann. Ich habe darüber schon mehrfach berichtet. Erlebtes - Miterlebtes - Durchlebtes. Und ich habe die Erzählungen meines Vaters durchlebt. Viel von ihren europäischen Nachbarn haben sie nie gehalten - von den Gastarbeitern, den Nachbarn, die nach Deutschland strömten, sowieso nicht. Die deutsche Bierärschigkeit war stets gnadenlos zwischen Weißbier oder Pils und Breze oder Currywurst. Mahlzeiten eines großen Volkes! Nehmen uns die Arbeit weg! und Faules Pack! - das Land der Denker und keiner vermag es mit Logik anzugehen. Was stimmt denn nun? Arbeiten oder Faulheit? Die stinken! und Die nehmen uns die Frauen weg! - passt das zusammen? Fressen nur Dreck! und Auf nach Bella Italia! - Pizza, der letzte Schmutz? Was will ich denn damit eigentlich sagen? Vielleicht, dass schon damals dieses erregte Volk aus der Mitte Europas ganz besonders höflich mit Gästen und Nachbarn umgegangen ist. Doch meist geschah das dort, wo der Scheiß Ausländer! dem Spott hochherrschaftlichen Deutschtums wehrlos ausgesetzt war. Offiziell gab es diesen Herrenmenschenwirbel nicht.

Als mein Vater in den Sechzigerjahren nach Deutschland gehen wollte, da nahm ihn vorher noch ein Nachbar zur Seite. Einwurf: ... gehen wollte! Wollte er? Ist es ein Wollen, wenn die wirtschaftliche Lage zwingt? Soll das euphemistisch verwendete Wollen nicht kontrastieren, dass man ihn hier eigentlich nicht wollte? So wie das Müssen aussagen würde, dass man hierzulande angewiesen war auf diese bezahlten Wanderarbeiter? Er wollte kommen, heißt: keiner hat gesagt, du sollst kommen! Doch zurück zum Nachbarn: Der warnte meinen Vater ausdrücklich. Traue den Deutschen nicht, sagte er. Hinterlistig seien sie; sie sagten zwar so, meinten es aber anders; Hinter deinem Rücken setzen sie dir zu! - Dolchstoßlegende mal anders. So will es jedenfalls die Legende; so ist es in meiner Erinnerung festgezurrt.

Keine Stunde Fahrt von Gernika entfernt wurde mein Vater geboren, wuchs er auf - er war noch kein Jahr alt, als sich die mutigen Fliegertruppen des Deutschen Reiches dort Orden verdienten. Vielleicht war der alte Nachbar ja, ich denke ihn mir als Alten, weiß es nicht besser, von dort gekommen - vielleicht hatte er Familie oder Freunde dort - vielleicht half er dabei, die von der Legion Condor in Schutt und Asche bombardierte Stadt als Trümmermann Stein für Stein umzudrehen - vielleicht ist er gar als Dreiecksgesicht auf Picassos berühmten Bild fast gleichen (weil spanisierten) Namens, gebannt. Ganz klar waren das Vorurteile gegenüber Deutschen - nachvollziehbar finde ich. Die Deutschen haben einen solchen Mann nicht die Arbeit und die Weiber genommen, was sie später oft von den Ausländern in ihrem Vaterlande behaupteten, sie haben die Weiber getötet und die Arbeitsplätze vernichtet. Das ist ein minimaler Unterschied, finde ich. Wenn ich dann gelegentlich hörte, dass man im Ausland auch nicht vorurteilsfrei sei gegenüber Fremden, insbesondere gegenüber Deutschen, dann fragte ich mich schon, ob man die Relationen, die zu diesen Ressentiments führten, überhaupt begriff.

Erstaunlich ist aber, dass man damals glaubte, der Deutsche - sagen wir das mal so, der Deutsche, obwohl ich dergleichen ja verabscheue - würde heimlich und hinterfotzig seinen Hass auf die Welt ausstoßen. Deutsche Bestie! Trau ihnen nicht, sie tun schön, sind aber ganz anders! Die deutsche Überheblichkeit, der größenwahnsinnige Impuls, der aus diesem Land im Herzen Europas entfloh, wo man Herztabletten schluckte, bevor man hektisch zur fanatisch betriebenen Arbeit eilte, diese befehlerische Lebensart, die man selbst als Sendungsbewusstsein interpretierte: man wusste, dass es das gibt, aber man wusste auch, dass es nicht mehr selbstbewusst vertreten wurde, in schmissiger Uniform und mit flotter Marschtonkunst etwa.

Das hat sich geändert. Völlig geändert. Man spricht wieder Deutsch in Europa, verheißen stolze Stimmen arg schwäbelnd. Und es soll noch mehr Deutsch palavert werden, niederbayert man. Regierungen will man entmachten, ihnen Kommissare vorsetzen, europäische Nachbardemokratien endgültig in Diktaturen umorganisieren, europäische Souveräne, immerhin Völker sind damit gemeint, entmündigen. Griechenland ist ein riesengroßes Problem!, meint der Deutschmeister. Ich dachte immer, Griechenland ist ein kleines Land. So kann man sich täuschen! Andere üben sich in Züchterlatein, machen kenntlich, wie man wertvolle Eigenschaften und Merkmale kreiert. Letzterer tut das, obwohl er noch vor einigen Wochen in einem bekannten deutschen Magazin Wortmeldung gab, erklärte, dass er das alles gar nicht so meinte. Seiner langen Genetik-Rede kurzer Sinn: Man hat mich falsch verstanden! Von einer Pferdezucht dieses Mannes weiß man nichts. Dennoch hält er züchtige Vorträge. Der Deutsche, ein edler Lipizzaner - ein veredelter Herr, dem Europa zu Füßen liegt. Und die Nachbarn, wie dieser österreichische Kolumnist, die fürchten sich etwas. Wie wird man das wohl in Polen beäugen? Die singen Deutschland, Deutschland über alles; über alles in Europa! - und dann spachteln die auf Parteitagen mit dieser BdV-Präsidentin, die dem Reichsgau Danzig-Westpreußen nachtrauert - sie würde ihn anders nennen, wenn sie ihn wieder verwalten dürfte, ich weiß doch! Man hat schließlich aus der Geschichte gelernt und benutzt andere Namen. Nach der Wiedervereinigung hatte man in Europa Angst vor diesem zentraleuropäischen Großstaat - zwanzig Jahre hat es gedauert, bis er sich seines historischen Auftrags gewahr wurde. Europa soll aufgehen in Deutschland - erst dann ist man saturiert.

Der Nachbar, der wertvolle, ja völkerverbindende Ratschläge gab, er ist geschichtlich überholt. Wenn es ihn so je gab - auch väterliche Erinnerungen können sich modifizieren und im Kopf neue Gestalt annehmen. Gernika ist mittlerweile vergessen. Man erinnert sich auch nicht mehr an die deutsche Besatzung Griechenlands - man darf wieder fröhlich Demokratien aushebeln, wieder lustig wer sein in der Welt. Nicht still, nicht heimlich. Man darf wieder ein aufgeregtes, aufstrebendes Volk sein - ... Wesen ... genesen; der inflationäre Spruch, den keiner mehr lesen will. Das deutsche Schicksal, so schrieb Tucholsky mal, sei es, vor einem Schalter zu stehen - das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen. Vor dem Schalter der Verantwortlichkeit standen sie lange genug. Diesem Schicksal wollen sie nun entkommen, zum Ideal marschieren. Die Schalter Europas besetzen! Politiker aus der bürgerlichen Mitte leiten Deutschland ins Ideal. Vormals war das glatzköpfige Erkenntnis: Wir müssen endlich dieses uns eingeredete schlechte Gewissen ablegen! Vorbei, vergessen - Vergangenheit! Jetzt haben sie es endlich kapiert, die rechte Wahrheit ist jetzt allgemeinverbindlich, massenkompatibel, in der bürgerlichen Mitte angelangt.

Ja, gewohnt ist man einiges als Gastarbeitersohn - als Gastarbeiter selbst ohnehin. So vornerum nett und hintenrum fies war man hierzulande nie. Da hat sich der, der Gernika nicht vergessen konnte, etwas getäuscht. Sie ließen einen immer wissen, was sie von dir denken - aber nie so, dass ein Massenpublikum zuhören konnte. Jetzt hört es zu und findet es toll - jedenfalls findet es nichts Unanständiges daran. Auch das hat sich eklatant geändert. Vorher konnte der currywurstgabelnde, weißwurstzutzelnde Herrenmensch nicht vor allen so tun, als sei er der Schöpfer des Himmels und der Erde, die leuchtende Weisheit und weise Erleuchtung, die oberste Sprosse der Evolution - es gab genug, die fuhren ihm über das Maul. Auch solche gab es! Habe ich erlebt - nicht selten. Deutsche sind nämlich wie andere auch: feine Leute und riesige Arschlöcher. Gut durchmengt wie überall; leichte Überschüsse bei letzteren, wie überall. Die einzige Internationale der Welt, die in jedem Land eine Botschaft hat, dürfte wahrscheinlich die Vereinigung der Arschlöcher sein. Diese couragierten Leute in Deutschland jedenfalls, die sind beträchtlich weniger geworden - jetzt zucken sie mit den Achseln, Aber die Griechen!, und der Euro, Notsituationen erfordern außergewöhnliche Vorgehensweisen, entschuldigen sie sich. Dazu gehört wohl auch, den Rest von Europa aussehen zu lassen, wie deutsches Mobiliar, wie Sessel, auf denen mindestens ein deutscher Arsch seinen Platz finden muß. Und erst wenn in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal ein deutscher Kommissär waltet, in Europa also noch mehr Deutsch gesprochen wird - Deutsch ins Grundgesetz und in die Verfassungen aller EU-Staaten! -, dann gibt die Megalomanie, diese urtypische deutsche psychische Störung, Ruhe - eine Weile wenigstens...



46 Kommentare:

Spartaner 31. Januar 2012 um 07:38  

Hallo Roberto,

ich verstehe deine Wut und dein Hass. Aber bitte wirf nicht alle Menschen in diesem Land in den gleichen Topf. Das haben sie nicht verdient.
LG

Roberto J. De Lapuente 31. Januar 2012 um 07:58  

Ähm, lies doch bitte bis zum Ende.

Roberto J. De Lapuente 31. Januar 2012 um 08:03  

"Deutsche sind nämlich wie andere auch: feine Leute und riesige Arschlöcher. Gut durchmengt wie überall; leichte Überschüsse bei letzteren, wie überall. Die einzige Internationale der Welt, die in jedem Land eine Botschaft hat, dürfte wahrscheinlich die Vereinigung der Arschlöcher sein." - schrieb ich.

klaus baum 31. Januar 2012 um 08:21  

also ich fühle mich nicht kollektiv verurteilt. und vonhass kann bei roberto nicht die rede sein, allenfalls von analytischer kraft.

dellejack 31. Januar 2012 um 09:04  

salü - nur das Wort 'Arschloch' stört mich gar sehr - was damit gemeint ist teile ich voll und ganz! Nur die Diffamierung einesjeden (hftl. funktionierenden) Ringmuskels, denn jener erfüllt eine super Aufgabe und ist sehr wichtig, was man von den 'Gemeinten' nicht unbedingt behaupten kann, somit ist dieses Wort für mich entschieden zu schwach.!
Persönlich empfinde ich es schon fast als peinlich Deutscher zu sein - --
doch überall sind Menschen wie du und ich - und das stimmt mich hoffend -
friedlicher SchwarzwaldGruß

Anonym 31. Januar 2012 um 09:13  

A.

Mir ist das als deutscher so was von peinlich wie deutsche Führer/innen sich in Europa, speziell mit Griechenland, aufführen!
Führen die Deutschen Europa wieder in den Abgrund?

piet 31. Januar 2012 um 09:39  

Moin Roberto - Es gibt nicht nur weniger Menschen, die den Herrenmenschen über´s Maul fahren. Es gibt auch weitaus weniger Volk, daß zuhören möchte. Hat seine Gründe,hängt zusammen.Wir Deutschen konnten uns über die Jahrhunderte selten aus unserer Angststarre befreien. Untertanentum, Klassengesellschaft, nach oben buckeln, nach unten treten ist uns zweite Natur. Bei uns braucht eine Autorität (oder was wir dafür halten) nur "Buh" zu sagen, dann kneifen wir die Arschbacken und schlagen die Hacken zusammen und verstecken uns hinterm Volkskörper, warten darauf, was wir zu meinen haben. Wir sind uns dieses Mechanismuses durchaus bewußt, aber wir sind feige und schwach und vertrauen selten auf den Beistand unserer Nächsten. Das macht uns im Inneren mürbe, wir möchten nämlich nicht schwach sein. Unseren Selbsthass übertragen wir auf das Fremde, oder was uns als Objekt zur Reaktion angeboten wird.Bewußtsein entwickeln hilft uns nicht, weil wir dadurch nur mehr Fragen haben, wo wir uns doch nur nach (einfachen) Antworten sehnen. Wir wollen Ruhe, wir wollen Gleich- nicht Mißklang.Für Solidarität können wir uns nichts kaufen, Haben macht uns frei, teilen im Alltag können wir nicht. Wir spenden lieber dreimal im Jahr, unser privater Ablaßhandel, der uns das Elend vom Hals halten soll.Wir sind der feuchte Traum unser Eliten und Führer. Wir sind die, genau, die auch mal hinter dem Schalter sitzen wollen. Gebt uns Uniformen,macht uns zu Abteilungsleitern, Abschnittsbevollmächtigten, Verwaltern und wir küssen euch zum Dank die Füße.Wir sind kleine Leute, mit kleinen Sehnsüchten, Träumen. Unsere Ängste und unsere Zweifel schreiben wir heimlich in unser Tagebuch.Unsere Unfreiheit kompensieren wir mit Fetischen.Manchmal würden wir gerne aus unserer Haut schlüpfen und Jemand anderes sein. Und wir sind damit nicht allein, wir sind Menschen, vor und hinter den Grenzen, überall auf diesem Scheißeknödel von Planeten.

Anonym 31. Januar 2012 um 10:00  

Hallo Roberto,

ich kann gut deine Wut verstehen, mein Vater war nämlich genau einer dieser "Menschen" und jedesmal habe ich mich zutiefst geschämt, schon als Kind und Jugendlicher. Mir ist die Herkunft völlig egal, hauptsache kein Arschloch. Daher frage ich mich manchmal, ob und wann die großen und kleinen Archlöcher anfangen werden, die anderen wegzusperren, denn die großen und kleinen Führer wollen wieder an Tageslicht. Der Prozess hat bereits begonnen.

Gruß Werner

pillo 31. Januar 2012 um 10:15  

Wir Ossis konnten die Herrenmenschenmentalität unserer "Brüder und Schwestern" aus dem Westen schon Anfang der 90er Jahre bewundern. Für die waren wir doch keine richtigen Deutschen, eher so halbe Polen bzw. Russen.

Folglich mussten uns die Bayern, Schwaben, Rheinländer, usw. erst einmal zeigen, wie man "richtig" arbeitet. Damit sich diese "Entwicklungshelfer" aber überhaupt nach "Dunkeldeutschland" trauten, gab es die berühmt berüchtigte "Buschzulage".

Roberto, Du siehst also, auch untereinander machen die selbsternannten Herrenmenschen noch Unterschiede. Ein bayrischer Lippizaner ist schon noch etwas anderes als ein sächsischer. Umso mehr schmerzt es mich, wenn ich sehe, wie meine "lieben Mitmenschen" - trotz ihrer negativen Erfahrungen - in die Hetze gegen die so genannten PIIGS-Staaten einstimmen.

Wenn ich mich heute in Spanien aufhalte, bin ich wirklich froh, dass man mich nicht als Deutschen identifizieren kann, weder äußerlich noch an der Sprache. Das Image von Deutschland bzw. den Deutschen hat hier in den letzten Jahren mächtig gelitten.
War das Bild von Deutschland lange Zeit von Interesse, einer Vorbildfunktion und z.T. schon fast Bewunderung geprägt, so sehen viele Spanier das Merkel-Deutschland mittlerweile als Zuchtmeister und Gefahr für ihre Existenz.

Neben der Arroganz ist es wohl wieder einmal der deutsche Hang zur Perfektion, der uns und anderen Völkern zum Verhängnis wird. Wenn wir einer Ideologie hinterher rennen, dann aber richtig. Das war beim Faschismus so, dass war beim Staatssozialismus so und natürlich ist es auch heute beim Neoliberalismus so.

Klaus 31. Januar 2012 um 10:36  

"Bei uns braucht eine Autorität (oder was wir dafür halten) nur "Buh" zu sagen, dann kneifen wir die Arschbacken und schlagen die Hacken zusammen"...
Sag das mal einem Lehrer, der die letzten Jahrzehnte erlebt hat. "Schön wär's", würde er antworten.
Das Gegenteil dieser Aussage ist der Fall.

Roberto J. De Lapuente 31. Januar 2012 um 10:38  

Ja, klar, die Welt als schwarz und weiß. Nichts davon stimmt vermutlich - alles davon stimmt vermutlich.

PeWi 31. Januar 2012 um 10:50  

Lieber Roberto De Lapuente, mir ist das aus dem Herzen gesprochen. Ich, als Ostdeutsche, habe diese Überheblichkeit der Deutschen am eigenem Leib gespürt und weiß, wie einen Zumute sein kann. Ich frage mich immer wieder, was soll aus diesem Land werden. Und wie kann ich den Griechen, Spanieren oder Portugiesen noch entgegentreten, so von Angesicht zu Angesicht. Sie wissen doch nicht, dass ich nicht so denke wie Merkel und Co. Ich kann deren Sprache nicht, mich nicht sprachlich mit ihnen solidarisieren, nur mit meinem Herzen. Ob sie das verstehen können? Ich habe so viele Fragen ... und es gibt kaum Antworten. Danke für den Artikel.

bela m. 31. Januar 2012 um 13:14  

ich habe die Deutschen so kennen gelernt. ich habe hier nicht als Mensch gezählt.

Hartmut 31. Januar 2012 um 13:15  

Danke Roberto, für diesen prima Artikel !

Statt eines Kommentars, das Motto, das Ralph Giordano seinem Buch, Die zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein, vorangestellt hat:

"Ich weiß, daß ich eine der deutschesten Bestien bin, ich weiß nur zu gut, daß mir das Deutsche das ist, was dem Fische das Wasser ist, daß ich aus diesem Lebenselement nicht heraus kann, und daß ich - um das Fischgleichniß beyzubehalten - zum Stockfisch vertrocknen muß, wenn ich - um das wässrige Gleichniß beyzubehalten - aus dem Wasser des deutschthümlichen herausspringe. Ich liebe sogar im Grunde das Deutsche mehr als alles auf der Welt, ich habe meine Lust und Freude dran, und meine Brust ist ein Archiv deutschen Gefühls."

Heinrich Heine

ich bin ein rechter! 31. Januar 2012 um 13:39  

geifergeifergeifer. spuck spuck spuck. schtonk! schtonk!

Anonym 31. Januar 2012 um 14:12  

@Roberto J. De Lapuente
Ähm, lies doch bitte bis zum Ende.
Hallo lieber Herr De Lapuente, hab ich gemacht, doch schlucken muss man schon, selbst dann, wenn es so ist, wie es ist. Durch das Persönliche, wird es persönlich. Und es steuert in die Richtung, die es eigentlich schon immer genommen hat. Der Deutsche und die Anderen, der Blick aus der Perspektive der Nationalitäten (oder auch Glaubensrichtungen), das ist erlaubt und nötig, keine Frage. Wir, die anderen Nationen und die Deutschen. Dabei liegt das Problem viel tiefer, wie auch @piet schon richtig ausführte, es liegt im nach außen geleiteten Selbsthass. Das richtet sich gegen jeden Einzelnen, außer gegen sich selbst. Denn jeder ist ein Fremder. Es wird lediglich unterschieden in nützlich (aus verschiedensten Gründen), oder nicht zu gebrauchen bzw. störend und schädlich. Es macht niemals halt vor dem Nächsten, auch nicht vor jemandem mit der Abstammung deutsch, selbst die engsten Verwandten wie Lebenspartner kann das treffen. Die Zusammenarbeit im Nutzen täuscht darüber hinweg, man sei sich Freund und Gefährte, doch man ist es nicht. Wie Tucholsky schon sagte, vor dem Schalter und die dahinter.

Die persönliche Perspektive (Herkunft/Wurzel/Glaubensrichtung/Situation) bestimmt die weitere Analyse. So sagt der Türke vor dem Schalter: „der Deutsche hinter dem Schalter meint mich“. Der Ossi vor dem Schalter: „der Deutsche hinter dem Schalter meint mich“. Und der Islamist vor dem Schalter: „der Deutsche hinter dem Schalter meint mich“. Der verlassene alleinerziehende Partner: „der Deutsche hinter dem Schalter meint mich“. Wie es generell ein Arbeitsloser vor dem Schalter tut: „der Deutsche hinter dem Schalter meint mich“... usw. usf.. Alle haben Recht, sie sind ja auch alle gemeint, nur unterschiedlich bezeichnet. Das liegt an der deutschen Präzisionskrämerei, es muss halt alles exakt festgehalten und nummeriert werden, sonst kommt man ja ganz durcheinander.
So stört ein wenig der Topf, das hebt die eine Passage nicht ganz auf, weil die Analyse aus persönlicher Perspektive (oder Kategorisierung auf Deutsch) schon die Denkrichtung eingeschränkt hat. Wobei es zu verstehen ist, ganz natürlich, den Reigen eben aus der eigenen Perspektive zu eröffnen. Insoweit bitte ich, meine Ausführungen nicht als Kritik am Text zu verstehen. Denke, wir Deutschen selbst sind als Deutsche schon zweigeteilt, in: „der deutsche Herrenmensch und der deutsche Untermensch“. Letztere Gruppe ist zwar recht heterogen (mit oder ohne Migrations- oder sonstigen Hintergründen), doch man kann aus der Perspektive des Herrenmenschen titeln: „alle Nichtherrenmenschen sind halt Untermenschen“ (das bringt einen leichter zu der Frage: „Dürfen sie den Titel Menschen überhaupt führen“). So wird halt gedacht.

ff.

Anonym 31. Januar 2012 um 14:16  

Doch ich bezweifele irgendwie, es beschränke sich auf Deutschland selbst, wenngleich mir an anderen Orten die tumbe, unaufgeregte Präzision zu fehlen scheint, die man ansonsten, also von den Deutschen abgesehen, nur bei Soziopathen findet. Denn bei diesen Gedanken, bleibe ich stets hängen:
@piet hat gesagt...
Moin Roberto - Es gibt nicht nur weniger Menschen, die den Herrenmenschen über´s Maul fahren. Es gibt auch weitaus weniger Volk, daß zuhören möchte.
Zuhören, übers Maul fahren, darüber nachdenken, dagegen stehen … das wollte man damals auch nicht wirklich, weltweit nicht wirklich, wobei man GB da vll. herausnehmen muss. Und das gibt mir zu denken, gab mir stets zu denken, für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In Kombination mit:

@ De Lapuente:
Das deutsche Schicksal, so schrieb Tucholsky mal, sei es, vor einem Schalter zu stehen - das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen. ...Die Schalter Europas besetzen! …. Dazu gehört wohl auch, den Rest von Europa aussehen zu lassen, wie deutsches Mobiliar, wie Sessel, auf denen mindestens ein deutscher Arsch seinen Platz finden muß.

bekommt es eine besondere Bedeutung. Wieso scheinen die Schalter und Sessel derart feil geboten zu sein, dass er Deutsche Schalterhintersteher es quasi als Einladung versteht, so man ihm willig Platz zu machen scheint? Denke ich nur an die letzten Nachrichten: 25 EU Mitglieder beugen sich dem Spardiktat, genannt Einigung. Nur zwei möchten scheinbar weder ihren Sessel noch ihren Schalter räumen, weil sie die eigenen besetzt halten, England und Tschechien. Wartet man darauf, dass die deutsche Präzision möglicherweise Platz auf den Sesseln lässt (Ärsche sind in der Regel kleiner, als Sitzflächen), für nichtdeutsche Herrenärsche? Nach dem Motto: „Lass ihn mal machen, lass ihn schon mal ruhig den Sessel abstauben. Geht’s gut, nehmen wir mit Platz, geht’s schief, waren wir nicht daran beteiligt“.

@Werner
“Daher frage ich mich manchmal, ob und wann die großen und kleinen Archlöcher anfangen werden, die anderen wegzusperren, denn die großen und kleinen Führer wollen wieder an Tageslicht. Der Prozess hat bereits begonnen.“

Die Frage erübrigt sich! Wobei „Prozess begonnen“ natürlich Interpretationssache ist. Deutschland sperrt spätestens seit der Agenda 2010 die „Anderen“ bereits weg. Heutzutage baut man dafür keine Lager mehr, man baut Wohnsilos, ganze Viertel. Sie werden nicht mehr zwangsweise zur Arbeit transportiert bzw. müssen nicht mehr im Gleichschritt zur Arbeitsstätte marschieren (zu langsam für die heute schnell taktende Zeit), sie haben ihren Transport selbst und zügig zu organisieren. Man nennt es auch nicht Zwangsarbeit, sondern Maßnahme mit verschiedenen Begriffszusätzen, davor oder dahinter (wobei ich überhaupt recherchieren müsste, wie man die Maßnahmen damals benannte). Es laufen auch keine Blockkontrolleure, rekrutiert aus eben jener Klientel (die haben sich als besonders durchgriffig erwiesen) durch die Massenunterkunft, sondern Kontrolleure mit Block durch den Wohnblock.

Jene sind ebenfalls aus den eigenen Reihen rekrutiert und sie verschaffen sich einen „freiwillig“ genehmigten Zutritt zur Wohngemeinschaftsunterkunft. Gearbeitet wird mit psychosozialer Gewalt. Kontrolle ohne Grenzen, von der Schrankdurchsuchung bis zur letzten Quittung. Anmeldung und Abmeldung: „Jawohl Herrr Oberst, melde gehorsamst, darf ich meine ganztägliche Haft unterbrechen, möchte zu Tante Erna nach Hamburg? Jawohl, Herr Oberst, nur eine Ausnahme. Jawohl, Herr Oberst, stehe wieder zur Verfügung“.

Die Drohung ist das Prinzip der Bestrafung, die Erpressung, das typische „Wenn nicht freiwillig… dann musst Du verhungern“, letztlich also die Frage: Existenz oder Nichtexistenz, Leben oder Sterben. Offener Strafvollzug mit Todesandrohung bei Zuwiderhandlung. Es fehlen die Fußfesseln, die es beim justiziablen Strafvollzug gibt, doch man hat sie gar nicht nötig, wohin soll man auch gehen, der Radius begrenzt.

ff

Anonym 31. Januar 2012 um 14:17  

Diese Schicksalsandrohung reicht völlig aus, den Rest gleich ohne weiter reichende Kontrolle zu kontrollieren, in Haft zu nehmen, denn alle können sie eh nicht flüchten, die Aufnahmekapazitäten für Flüchtlinge sind weltweit begrenzt. Es bleiben immer genug übrig, um darzustellen, wer hinter dem Schalter sitzt und wer regelmäßig vor dem Schalte zu stehen hat.

Deswegen: „Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen“, darf man diesmal wörtlich nehmen. Ist schlicht und ergreifend auch nicht mehr nötig, davon abgesehen, viel zu teuer.

@pillo

“wieder einmal der deutsche Hang zur Perfektion“

Und es nicht einmal Perfektion, zumindest was ich unter diesem Begriff verstehe. Es ist mehr Präzision und Unbeirrbarkeit einer unflexiblen Stupidität. Einem Zug auf Gleisen kann man auch nur mit Phantasie die Perfektion unterstellen, seinem Schienenstrang zu folgen.

Und ja, da ist schon alles sehr peinlich, bedrückend und bedrohlich. Zumal wieder einmal kaum einer zu glauben, zu merken bereit ist, wie weit es schon fortgeschritten, befreit ist. Längst alltäglich, übergangen in den ganz normalen Wahnsinn der Realität.

Gruß
rosi

Anonym 31. Januar 2012 um 15:06  

"[...]Und erst wenn in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal ein deutscher Kommissär waltet, in Europa also noch mehr Deutsch gesprochen wird - Deutsch ins Grundgesetz und in die Verfassungen aller EU-Staaten! -, dann gibt die Megalomanie, diese urtypische deutsche psychische Störung, Ruhe - eine Weile wenigstens...[...]"

Vortrefflich getroffen, wie immer ;-)

Übrigens, die die dir Wut und Hass nachsagen, wie der "Spartaner" sollten mal von mir - einem hier geborenen dt. Menschen folgenden Satz hören:

"Was die Wehrmacht nicht geschafft hat, dass schafft nun - in neuen Stiefeln - die Merkel-Wirtschaftsdiktatur für den Rest Europas"

...es heißt wieder, wie einst bei Kaiser Wilhelm, und Bismarck (Merkel wurde gestern sogar direkt mit Bismark als "Eiserne Kanzlerin" tituliert, wegen ihrer unnachgiebigen Thatcher-Natur): "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!"

Tja, und ich, als hier geborener alter Bundesrepublikaner, traure dem alten "Bimbes-Kanzler" Helmut Kohl, den, ich gebe es gerne zu, ich ebenso haßte wie seine Ziehtochter Maggie Merkel, nach - So ändern sich die Zeiten.....

Bin ich nun deswegen als gebürtiger Deutscher ein Deutschenhasser? Tja, und wenn schon, es ist mir egal ;-)

Seltsam finde ich, dass ich mit Gastarbeitern, und nichtdeutschstämmigen, sowie nicht-chauvinistischen Deutschen keine Probleme hatte - in meinem Leben, aber mir anderen, und zwar egal in welcher Kaste oder Partei durchaus schon.

Noch seltsamer ist, dass genau diese Kaste, die ich verabscheue in Zeiten von Sozialabbau, Krieg und dt. Größenwahn ("Spar-Kommissar" für Griechenland) Oberwasser hat, und meine Hoffnung ist nur, dass uns hier wieder die Einsicht trifft, dass das genau der falsche Weg für Europa, und Deutschland als Teil Europas, ist.

Gruß
Bernie

Anonym 31. Januar 2012 um 15:12  

beitrag gefällt mir.
DA

Anonym 31. Januar 2012 um 15:12  

Ergänzung:

Was "Vorurteile" angeht, da halte ich es mit dem großen Komödianten, Schriftsteller, Humanisten und Schauspieler:

Sir Peter Ustinov.

...der lehnte auch alle Arten von Vorurteilen ja, ja soll sogar ein Buch darüber geschrieben haben, wie einzelne Nationen sich über Vorurteile gegen andere Nationen definieren (was auch für Nationalitäten gilt), und daher habe ich Roberto J. de Lapuente schon richtig verstanden als er schrieb, dass es "[...]feine Leute....wie überall[...]" gibt.

Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre, aber z.B. gibt es Judenhasser am Meisten in Gegenden wo nie jüdische Nachbarn gesichtet wurden, ebenso verhält es sich mit den "National Befreiten Zonen" im Osten Deutschlands, dort sind die größten Ausländerhasser Deutschlands, aber eben genau aus dem Grund: Die haben noch nie Kontakt mit realen Ausländern gehabt.....gilt übrigens auch für andere Nationen - meist in Gegenden wo noch nie Ausländer gesichtet wurden leben eben die größten Ausländerhasser (da einen sich Europas Nationen)....

...die Beispiele lassen sich x-beliebig ausweiten, und ihr wißt sicher wie ich das mitbekommen habe.....

...an der These ist durchaus etwas wahres.....

Gruß
Bernie

Klaus 31. Januar 2012 um 16:40  

Ich wüßte nun auch nicht, wie der Text weiterhelfen sollte. Die Deutschen sind damit aus der Verantwortung genommen, da man mit der Diagnose einer psychischen Störungen auch keine Verantwortung mehr für sein Handeln tragen muss.
Der Text spricht den Deutschen also Narrenfreiheit zu.
Ist das hilfreich?

Stefan Rose 31. Januar 2012 um 18:58  

Seit der Kaiserzeit lässt sich in der deutschen Außenpolitik jene fatale Dichotomie ausmachen zwischen Großmannssucht und Zukurzgekommenfühlen. Was in den letzten zwei Jahren allein außenpolitisch an Porzellan zerschlagen, an mühsam aufgebautem Vertrauen durch die Kauders, Fleischhauers, Sarrazins et al. zerstört worden ist, geht auf keine Kuhhaut.
Was für das große Ganze gilt, wiederholt sich oft im Kleinen: Ich kann, obwohl selbst ohne sog. Migrationshintergrund, Robertos Zorn hervorragend nachvollziehen. Wer einmal eine halbe Stunde lang mit Verstand zugehört hat, wie sich allwissende BLÖD-Leser über die faulen Griechen/Italiener/Spanier/Protugiesen usw. austauschen, weiß, wovon die Rede ist.

Zoran 31. Januar 2012 um 19:44  

Wenn ich anfangen würde, könnte ich kein Ende finden. Also in aller Kürze...

Die Gastarbeiter...... deren Arbeit wurde verleumdet, als unnötig empfunden, heute negiert.

Deren Nachkommen wurden damals als vollkommen unnötig empfunden und heute verleumdet.

Wie sich die Geschichte doch ändert!

Ein ehemals guter Bekannter...bis vor 3 Wochen, dem ersten Anschein nach ein normaler Mensch, den ich in meinen Freundeskreis einladen wollte, sagte mir völlig unvermittelt „Scheiss Name für einen Deutschen“ und anschließend ein hasserfülltes „Scheiss Ausländer!“ . Dabei mochte ich ihn vom Herzen. All das passierte, unabsichtlich oder nicht, aber gewollt, in einer 20 Mann-Gruppe mit der ich noch lange zu tun haben werde. Da war ich baff. Ich habe ihm tagsdrauf, denn man will ja drüber schlafen, geschrieben, dass ich früher auf Glatzen einzuschlagen vermochte...in West-Berlin, er habe nun Glück das es nicht mehr die ´90 Jahre sind und ich 20 Jahre jünger bin. Ein ,vor ein paar Jahren zugezogener, Thüringer beleidigt mich in meinem Geburtsbezirk...beleidigt, mich , einen , er hat es gewusst, Partisanensohn......

P.S.
Ich liebte es früher mit den Amis Baskelball zu spielen, mit den ungehobelten Tommys am Tisch zu sitzen, an französischen Kasernen vorbeitufahren......

Umdenker 1. Februar 2012 um 10:09  

Mal ganz abgesehen davon wie allgemein dämlich und reaktionär wir uns immer verhalten (und leider gilt das nicht nur in Deutschland), wenn es Krisen gibt und der Wohlstand der Massen sinkt.

Dieses "die Sau durchs Dorf treiben" und dabei meist die falschen erwischen (heute sinds halt die Islamisten, Hartz 4ler aber Ausländer sind damals wie heute beliebt), so wundert mich etwas ganz anderes.

Warum spricht man in der heutigen Zeit noch von Ausländern? Kennt man die Geschichte der frühen Menschen nicht? Die Wanderungen aus Afrika und Asien über die ganze Welt, die heutige expontiell ansteigende Vermixung von Genpools durch billige und schnelle Mobilität, selbst über Kontinente hinweg.

Ausserdem die aus wissenschaftlicher Sicht "sinnlose" Unterscheidung in Nationalitäten, als wäre das biologisch vorgegeben. Man wird nicht als Deutscher, Pole, Türke oder sonstwas geboren, sondern erst von der Gesellschaft dazu "gemacht".

Ob nun ganz offiziell als "Staatsangehörigkeit" oder eben durch die kulturelle Erziehung, usw. Eine Nationalität existiert NICHT in den Genen und kann nicht anhand bestimmter Chromosome ausgemacht werden (wehe jetzt kommt mir einer pingelig, denn natürlich gibt es genetische Variationen, die eher eine Zuordnung in einem bestimmten Land möglich machen, das hat aber eher was mit der dort vorhandenen Umwelt zu tun und nicht mit poltisch/kulturellen Faktoren).

Um Gottes Willen da muss man nicht mal in verschiedene Länder gucken. Da reichen zwei Dörfer, die 20km voneinander entfernt sind um schon teils gravierende kulturelle Unterschiede auszumachen. Da sind die Fehden oft grösser, als zwischen zwei Menschen aus zwei Kontinenten. Man sollte doch meinen wir wären da ein bisschen rationaler im 21.Jh. aber mei, meine Hoffnung in die Menschheit ist eh schon flöten gegangen.

Anonym 1. Februar 2012 um 10:44  

ja sakrament!

da rödelt man jahrelang den gewerkschaftlich abgesicherten deutschen gemeinwohl-kapitalismus gegen die anglo-amerikanischen finanzterroristen um goldman-sachs auf, nur am ende festzustellen, dass sich eben dieses deutschland, nun im vollbesitz seiner ökonomischen potenzen, bei der erstbesten gelegenheit als genau der imperialist aufführt, den bis auf die "antideutschen" niemand auf dem schirm hatte.

taschentücher!

Derter 1. Februar 2012 um 12:23  

Würde man einen gleichlautenden Artikel in Spanien veröffentlichen und die Worte Deutschland und Spanien gegeneinander austauschen - man könnte dieselben Reaktionen abrufen.
Nur allzu leicht könnte sich herausstellen, dass die psychische Störung der Megalomanie eine Eigenschaft "der Menschen" und nicht primär "der Deutschen" ist.
Nur meine 5 Cent zum Thema.

Roberto J. De Lapuente 1. Februar 2012 um 12:27  

Das mag sein. Aber mit Verlaub, es waren Stimmen aus der deutschen Regierung, die einen Finanz-Gauleiter für Griechenland forderten. Und es war die deutsche Öffentlichkeit, die das ohne Kritik zu üben, hinnahm...

Abbeyman 1. Februar 2012 um 12:45  

Chapeau! Großer Furor und tolle Analyse. Ich lese immer wieder gerne von Leuten, die das, was ich denke, bei weitem besser als ich formulieren können. Als Deutscher fühle ich mich angesprochen, sehe den Spiegel, der mir vorgehalten wird und schäme mich ein wenig für meine Inkonsequenzen. Aber jemand wie Roberto gibt mir auch wieder die Zuversicht, dass es hierzulande nicht nur nach rechts geht. Es gibt den bitteren Witz, dass Deutschland den 2. Weltkrieg nicht militärisch gewinnen konnte, nun aber auf dem besten Wege sei, das Ziel mit anderen Mitteln zu erreichen. Starker Tobak. Aber sind die Spardiktate nicht auch eine Art Besatzung? Wo bleibt denn die Volkssouveränität, wenn dem griechischen Premier eine Volksbefragung de facto verboten wird? Und ist das mediale Griechenland-Bashing nicht gesteuerte Meinungsmache um dumpfe Volksstimmung hinter politischen Entscheidungen zu wissen? Ist eine BILD -Aufmache von "Super-Deutschland" nicht einfach nur peinlich, sondern vor allen Dingen primitiv-nationalistisch? Laßt uns vor den Schaltern bleiben - dahinter ging es immer blutig zu und Europa - lass uns nicht mit uns allein...

Anonym 1. Februar 2012 um 13:02  

Danke für den Text, der mir aus der Seele spricht. Selbst ich als (ost)deutscher finde es unertäglich, wie sich die deutschen 'Herren'-Eliten nun in Europa gerieren. Und nicht nur in Europa, nein, auch gegenüber den eigenen 'Untertanen'. Ich bedauere es, daß "wir" Deutzschen einmal mehr schaffen, den Unmut anderer Völker auf uns zu ziehen. Und so langsam komme ich zu der bitteren Erkenntnis, daß ein Volk keine Feinde mehr braucht, wenn es die Deutschen als 'Freund' an seiner Seite hat...

Anonym 1. Februar 2012 um 14:00  

Hallo, Roberto.
Deine Enttäuschung über Deutschland spricht fast aus jeder Zeile. Ich kann sie nachvollziehen und leide mit - als blonde, blauäugige Deutsche.

Als ich in 2004 die Nase von Deutschland voll hatte, ging ich in die Niederlande. Ich merkte, Deutschland verändert sich, damit wollte ich nichts zu tun haben, meine Familie blieb hier.

In den Niederlanden wurde ich von vielen älteren Menschen gefragt, die Besatzung und Krieg erlebt hatten, ob es in Deutschland nun duchweg blonde,blauäugige Menschen gäbe. Gott sei Dank nicht, war meine Antwort. Es gab damals noch junge Menschen mit grünen, gelben oder blauen Haaren - noch etwas mehr Solidarität.

Seit letztem Jahr bin ich wieder hier, wegen der Familie.
In den Niederlanden hat sich das Klima gegen Andere inzwischen auch verändert. Ausreisen lohnt nicht mehr. Ausreissen auch nicht.

Veränderungen finden immer statt. Wir haben aber in der Hand, in welche Richtung sie gehen.

Dein Beitrag zeigt - ich lese auch regelmäßig die NDS - welche Richtung in Deutschland bevorzugt wird. Und ich hoffe, dass über die breite Gegenöffentlichkeit durch die NDS, Dein Blog, JJBlog und das Mitwirken an politischen Diskussionen in den Foren der großen online Zeitungen und den Transfer ins Private, diese Richtung 1. gestoppt und 2.in eine demoratische, freundliche, respektvolle,völkerverbindende Richtung umgeleitet wird.

Anonym 1. Februar 2012 um 14:50  

"Aber mit Verlaub, es waren Stimmen aus der deutschen Regierung, die einen Finanz-Gauleiter für Griechenland forderten."

Sie bringen da ein einziges Beispiel - ich würde gar nicht hinterher kommen mit der Auflistung von EU-Doktrinen, die ständig bevormundend ohne die Deutschen oder andere Bevölkerungen zu fragen aufs Tableau gehievt werden.

Christoph 1. Februar 2012 um 15:05  

Wunderbarer Artikel, dem ich voll zustimmen kann. Schön geschrieben und zutreffend.

Roberto J. De Lapuente 1. Februar 2012 um 15:13  

"... der Auflistung von EU-Doktrinen..."

So wie jene, Ländern die gegen EU-Verfassung oder EU-Vertrag votiert haben, mit Ausschluss zu drohen, dort neue Plebiszite zu verlangen, Verfassungen eben Vertrag nennen usw.? Da tat sich Berlin ganz laut hervor...

Anonym 1. Februar 2012 um 16:55  

Lieber Roberto,
Hier Artikel ist in der Tat sehr erfrischend als Gegenposition zur "faulen Griechen"- Presse. Es wundert mich aber das hier nur positive Kommentare stehen.
Nein - ihre "Analyse" ist unzutreffend in wesentlichen Bereichen - lassen Sie da mal einen effektiven Deutschen ran...

1. Die europäische Einigung ist weder Ziel noch Folge deutscher Großmannssucht "light" sondern der bitteren Erfahrungen zweier Kriege, unendlich viel Leid, Tod und namenlosen Grauens. Wir wollten es gemeinsam neu versuchen.
2. Die Finanzwirtschaft hat es geschafft innerhalb der letzten 3 Jahre die Krise diverser Assets - also ihrer Krise - in unserer Wahrnehmung zu verändern. Nun ist es die Krise des Euro, und die Südeuropas - für die auch schon, welch Wunder, Schuldige identifiziert wurden. Da wir jetzt bezahlen müssen, und das können sie kaum leugnen, ist es ratsam einen Blitzableiter zu haben.
3. Nennen sie es dumm, das viele auf dieses "Umlabeln" des Problems reingefallen sind. Mit dem "häßlichen Deutschen" hat das nichts zu tun. Ich kenne niemanden der Europa jetzt zeigen will das nur wir was taugen.
4. Sie fallen ebenso darauf herein. Und schlimmer noch: Sie nehmen ein Überschriften der Bildzeitung, die lediglich aufwiegelt und Auflage zu machen und ein paar blöde Statements von Politikern der zweiten Reihe als Beleg dafür das wir uns nie ändern.
5. Damit tun sie nichts, aber auch garnichts um etwas zu ändern.

Die meisten "echten" Deutschen wissen das sie Fehler haben und Eigenheiten die für andere vielleicht unangenehm sind. Scheinbar aber nicht unangenehm genug das es doch viele in unser Land gezogen hat? Ach das hatte nur wirtschaftliche Gründe? Achso? Aber der relative Wohlstand breiter Schichten in der Vergangenheit kam auch daher das wir sind wie wir sind. Wenn Sie das nicht akzeptieren können, und sich hier nur als Opfer hinstellen (warum eigentlich, außer wegen einer gefühlten Benachteiligung und weil der Vater eine Warnung vor uns erhalten hat - ist das das Trauma?) kann ich Ihnen nur sagen: Sie können soviele aufrüttelnde Beiträge schreiben wie Sie möchten, es ist so vergebens wie einem Esel das Fliegen beibringen zu wollen.
Und wie gesagt, Danke für Ihren Artikel aber kämpfen Sie nicht gegen ein Phantom - sondern die, die dafür sorgen das wir uns gegenseitig die Augen auskratzen.
Ich hoffe Sie zeigen bei der Zensur jetzt Größe.

Mfg Marco

Anonym 1. Februar 2012 um 17:02  

donnerwetter, ich staune immer wieder, wie scharfsinnig jemand analysiert und das dann auch noch so zu "papier" und auf den punkt bringen kann.
Ich wünschte mir, Schreiber wie Roberto oder z.B. Jacob Jung würden zur Pflichtlektüre in staatsbbürgerlichem Unterricht.
Ich hoffe Du bleibst uns trotzdem erhalten - auch wenn´s manchmal schwer fällt. Für die "feinen Leute" bist Du einer, der ihre Gedanken in Worte fassen kann.

Aldo 1. Februar 2012 um 17:22  

Es gab einmal eine kurze Zeit, in der das nationalistische Denken in Deutschland keine große Konjunktur hatte, eine Zeit, in der, - es klingt fast unglaublich- ein Bundespräsident auf die Frage : „Lieben Sie Deutschland?“ antwortete: „ich liebe nicht den Staat, ich liebe meine Frau.“ Unerhört diese Antwort des damaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, aber für die Zeit damals doch nicht so untypisch, traf er doch den Nerv unserer Generation während der Studentenrevolte. Diese Zeiten sind schon lange vorbei, und es ist nicht nur die Wiedervereinigung, besser der Anschluss und die Kolonisierung der ehemaligen DDR, die diese scharfe Wende zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bewirkt haben. Eine wichtige Station auf diesem Weg waren der Radikalenerlass, der leider kaum Spuren in der kollektiven Erinnerung der Deutschen hinterlassen hat, obwohl damit die Studentenbewegung gespalten wurde.
Dann hat der Staat noch eins draufgesetzt mit den Ereignissen um den Deutschen Herbst, der die Hysterie der Mehrheit der BRD-Deutschen gegen eine kleine Minderheit richtete, obwohl- das ist vielleicht viel zu wenig bekannt- dahinter eine Geheimarmee der NATO stand, nämlich Gladio.
Ich erinnere mich sehr gut an diese Zeit im Oktober 1978. Das war keine Demokratie mehr, sondern ein Land im Ausnahmezustand. Viele haben sich dann mehr oder weniger zähneknirschend den herrschenden Verhältnissen angepasst, manche haben Landkommunen gegründet. Eine kleine Minderheit , zu der ich mich auch zähle,ist Ende der 1970er Jahre ins selbstgewählte Exil gegangen. In meinem Fall war es Mexiko, von wo ich erst 1985 wieder zurückgekehrt bin.
Was ich damit sagen will: Der Hass vieler Deutschen richtet sich nicht nur gegen AusländerInnen, sondern gegen alle Andersdenkenden. Das hat sich seit der NS-Zeit nicht wesentlich geändert. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Ich vermute, es hat mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun, die auch historisch zu erklären sind. Bisher hat es in Deutschland keine erfolgreiche soziale Revolution gegeben, nur eine Niederlage nach der anderen. Das zehrt am Selbstbewusstsein, und die Menschen flüchten sich in Phantasmagorien, dabei ihre Trennungen und Traumata, die sie erlitten haben auf den Andern, den Fremden, der sie eigentlich selbst sind, projizierend.

Anonym 1. Februar 2012 um 17:32  

was ist das für ein quatsch, mfg marco? unverständlich was du da schreibst. inhaltlich totaler bockmist.

Roberto J. De Lapuente 1. Februar 2012 um 17:46  

Kurz und knapp, Punkt für Punkt:

"1. Die europäische Einigung ist weder Ziel noch Folge deutscher Großmannssucht "light" sondern der bitteren Erfahrungen zweier Kriege, unendlich viel Leid, Tod und namenlosen Grauens. Wir wollten es gemeinsam neu versuchen."

Und nun? Was hat das mit meinem Text zu tun?

"2. Die Finanzwirtschaft hat es geschafft innerhalb der letzten 3 Jahre die Krise diverser Assets - also ihrer Krise - in unserer Wahrnehmung zu verändern. Nun ist es die Krise des Euro, und die Südeuropas - für die auch schon, welch Wunder, Schuldige identifiziert wurden. Da wir jetzt bezahlen müssen, und das können sie kaum leugnen, ist es ratsam einen Blitzableiter zu haben."

Von was ablenken?

"3. Nennen sie es dumm, das viele auf dieses "Umlabeln" des Problems reingefallen sind. Mit dem "häßlichen Deutschen" hat das nichts zu tun. Ich kenne niemanden der Europa jetzt zeigen will das nur wir was taugen."

Die Eurokrise ist durchaus auch eine Folge der deutschen Exportpolitik. Ökonomen wiesen schon vor Jahren darauf hin. Das fanden andere europäische Nationen durchaus häßlich. Wie die Deutschen derzeit wahrgenommen werden, kann man im österreichischen Feuilleton lesen, in England ohnehin - die Polen fühlen sich unwohl und Griechenland auch. Spanien ahnt, dass das Deutschgerede auch bald dazu führen wird, dass man von Kommissaren spricht, die Spanien verwalten sollen. Es ist wie es immer war, dieses seltsame Sendungsbewusstsein, dieses Besserseinwollen in der Welt, das tatsächlich zu Heinemanns Zeiten abgestellt schien, bricht immer wieder auf. Es ist kein Kavaliersdelikt, wenn "standfeste deutsche Demokraten" fordern, in Nachbardemokratien solle die Regierung entmachtet werden und durch eine EU-Marionette ersetzt werden. Wer das nicht erkennt, der ist blind oder - man verzeihe mir - blöd.

"4. Sie fallen ebenso darauf herein. Und schlimmer noch: Sie nehmen ein Überschriften der Bildzeitung, die lediglich aufwiegelt und Auflage zu machen und ein paar blöde Statements von Politikern der zweiten Reihe als Beleg dafür das wir uns nie ändern."

Zweite Reihe? Merkel ist zweite Reihe? Kauder auch? BILD-Zeitungs-Schlagzeile? Wo denn bitte? Sowas kommt hier zuweilen vor, das stimmt. Aber in diesem Text: nada.

"5. Damit tun sie nichts, aber auch garnichts um etwas zu ändern."

Aha. Ja, wenn Du das sagst, dann wirds schon nicht stimmen.

"Sie können soviele aufrüttelnde Beiträge schreiben wie Sie möchten, es ist so vergebens wie einem Esel das Fliegen beibringen zu wollen."

Du hast vermutlich recht. Hiermit hinlänglich bewiesen.

"Ach das hatte nur wirtschaftliche Gründe? Achso? Aber der relative Wohlstand breiter Schichten in der Vergangenheit kam auch daher das wir sind wie wir sind."

Glaubst Du, Menschen verlassen ihre Heimat aus Langeweile? Es sind wirtschaftliche Zwänge. Ahnung kann nicht dahinter sein, wenn man das bezweifelt. Weil wir sind, wie wir sind? Gilt das auch für den Gastarbeiter, der anfangs mitarbeitete am Aufschwung? Oder ist ihr Sosein nicht erwähnenswert?

"Wenn Sie das nicht akzeptieren können, und sich hier nur als Opfer hinstellen ... kann ich Ihnen nur sagen: Sie können soviele aufrüttelnde Beiträge schreiben wie Sie möchten..."

Da warst Du nicht mutig genug. Wenn es dir nicht passt, kannst du ja gehen. Auch so eine Floskel in diesem Land. Bekamen Ausländer zu hören - und solche, die sozialere Strukturen anmahnten. Kannst ja nach drüben gehen! Du hast in Deinem Satz nicht mal die Kurve gekriegt, denn letztlich sagt er nichts aus, hat keine Botschaft: Wenn es mir nicht passt, kann ich noch so viele Beiträge schreiben? Was soll das denn heißen?

feynson 1. Februar 2012 um 18:13  

Esel lernen nicht nur nicht das fliegen nie.
Sie lernen auch nie das lesen.
Stimmts marko?

Hofnarr 2. Februar 2012 um 03:57  

Ein Artikel, wo einem das anfängliche Schmunzeln im Hals stecken bleibt, da zu nah an der Realität.
Zeit für einen Aufruf, Leite mit noch normaler Verdauung vereinigt euch gegen die A....

Anonym 2. Februar 2012 um 12:25  

Als Schweizer erlaube ich mir, nur kurz auf folgenden Unterschied hinzuweisen (mit eigenen Ohren in einer kleinen Kneipe kürzlich mitgehört):
Ein Schweizer zur Serviertochter:
"I hätt gärn es Bier."
Ein Deutscher zur Serviertochter: "Ich krieg ein Bier."

der Herr Karl

Anonym 2. Februar 2012 um 13:59  

Einer, der wenigen EUdssr-Abgeordneten, der gegen die sozialistische Bande (Barroso & Co.) kämpft, ist Nigel Farage. Gestern geriet er mit Schulz (nicht Axel, sondern Martin - seines Zeichens "Präse" dieses kafkaesken Parlaments) + Bütikofer (darf sich hier, in Straßburg, noch mal die Taschen vollstopfen - für die "richtige" Politik in Deutschland war er unbrauchbar geworden) aneinander. Da die Mainstream-Medien kaum etwas berichten, ein Link.

http://www.ef-magazin.de/2012/02/02/3397-gestern-im-eu-parlament-nigel-farage-aergert-reinhard-buetikofer-und-martin-schulz


Anton Reiser

helord 2. Februar 2012 um 19:43  

Stich ins Wespennest!

Ja, es gibt sie, diese ganz bestimmte Sorte von Deutschen, die einem das Blut in den Adern gefrieren läßt... man trifft sie an den Stammtischen, in Vereinslokalen, in den Wirtshäusern der Provinz, vor den Kiosken und in den Buden & Trinkstuben... und auch ich fürchte diese Brut, die Du so anschaulich geschildert hast! Diesen Befund nun aber zu verallgemeinern und durchblicken zu lassen, dass im Grunde ihres Wesens ALLE Deutschen so sind, wäre ein klarer Trugschluss und auch nicht fair!

Jeder Mensch hat einen Schatten und auch Völker haben ihre dunkle Seite... der finstere Schatten der Deutschen ist in den letzten 100 Jahren wohl allzu deutlich hervorgetreten, was aber nicht heißt, dass allein die Deutschen über solch finstere Abgründe verfügen! Außerdem ist es nicht sehr konstruktiv, das Böse an einer bestimmten Volkszugehörigkeit festzumachen, es damit überhaupt in eine unlösbare Relation zu setzen, nicht mit Juden und auch nicht mit Deutschen! "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" ist eine dichterische Projektion, begreiflich, wenn man die Hintergründe kennt... die letzte Wahrheit oder das letzte Wort ist es jedoch nicht! Ausschließliches Deutschen-Bashing stellt die Realität verkürzt und verzerrt dar! Sosehr ich Ihre Essays und Kolumnen größtenteils schätze, meine ich doch, dass Sie diesmal etwas über das Ziel von Aufklärung hinausgeschossen sind... diese Glosse war jedenfalls nicht sehr hilfreich und scharfsichtig! Sosehr ich auch die Gründe dafür zu begreifen mich bemühe... es bleibt ein schaler Nachgeschmack, aber nicht etwa, weil ich mich als Deutscher davon verletzt fühlen würde, sondern weil ich befürchte, dass Ihr oftmals klares, scharfes Urteil keine Spur mehr in diesem äußerst tendenziösen Artikel hinterließ! Er benutzt den simplen Umkehrschluß: alle Opfer sind gut, alle Täter aber böse. Alle Deutschen sind böse, weil sie alle Mittäter sind, eine Mitschuld haben... alle anderen Völker sind Opfer, also gut! Deutsche sind (fast!) immer böse, Gastarbeiter und ihre Kinder immer Opfer und also immer gut! - Mit Verlaub: so kommen wir nicht weiter! (sit venia verbo!) Das ist zu seicht! Man könnte Ihnen leicht Neid unterstellen, Neid darauf, sich selbst nicht als "Herrenmensch" aufführen zu können! Darum wird der Spieß einfach umgekehrt und nun einmal zu Abwechslung und zur ausgleichenden Gerechtigkeit nun mal der Deutsche als böser Parasit hingestellt, dem man keinesfalls trauen darf, nun spielen wir einmal die Rolle des Brunnenvergifters und Totengräbers der Welt ...Juden, ihr könnt abdanken! Wir Deutschen übernehmen jetzt den Job, aber auch an allem schuld zu sein!

Und ach, Guernica...! Unzweifelhaft schreit das Blut der Geschändeten und Gemordeten zum Himmel und niemand spricht uns frei von Schuld... aber: gab es nicht zwei Spanien, ein helles, leuchtendes, unschuldiges, und eines, das bereit war, sein finsteres Antlitz dem eigenen Volk mit aller Härte entgegenzurecken... Hitler war nur ein willkommener Erfüllungsgehilfe für General Franko: eine schmutzige Hand wäscht die andere... aber es war ein Bürgerkrieg der dunklen Seite gegen die helle, Faschisten gegen Commies... und Franko hat Hitler um Jahrzehnte überlebt... schon vergessen? Und ist er nicht mit brutaler Gewalt gegen alle Kritiker seines Regierungsstils vorgegangen... jahrzehntelang, als schon kein Hitler mehr war?

Ja, ich sage es: alle Völker haben ihre Schatten, ihre dunkle Seite, und da ist keines das besser wäre, auch keines das wirklich gut wäre, sondern alles ist im Fluß! Niemand weiß wohin die Völker noch treiben... hoffen wir, dass vor allem einmal der Volk-Blut-und-Boden-Gedanke gründlich aus den Köpfen der Menschen verschwinden wird, dann wird es auch vorbei sein mit dem Faschismus, dann findet Rassen- und Völkerhass keinen Nährboden mehr!

Anonym 3. Februar 2012 um 06:36  

@helord 2. Februar 2012 19:43

" ... aber es war ein Bürgerkrieg der dunklen Seite gegen die helle, Faschisten gegen Commies..."

Um Gottes willen, das können Sie doch nicht im Ernst meinen. Die Kommunisten sich dieselben, widerwärtige Verbrecher, wie die Faschisten - beides Verherrlicher der Staats-Bestie, die das Individuum unter seinen gewichsten Stiefel zertritt.
Das Helle, das gab es in der Geschichte noch nicht mal ansatzweise. Das Helle wäre, die Selbstherrschaft des Individuums (Gandhis "Swaraj"), das seine gewalttätigen und geilen Triebe unter Kontrolle hat und sich aus freien Stücken mit anderen Individuen verbindet - ohne das perverse Instrument "Staat" - der spanische "Anarchismus" (das Wort ist leider unbrauchbar - man denkt automatisch an Bomben, die hoch gehen) war vielleicht ein solcher Ansatz.

Anton Reiser

helord 5. Februar 2012 um 00:34  

Entgegnung an :

Ja, ich gebe Ihnen recht: die Schwarz-Weiß-Malerei und Hell-Dunkel-Projektion ist nicht sehr genau und gibt nicht im Entferntesten die tatsächliche Realität wider... weil es eine Vereinfachung, eine Verkürzung, eine Abstraktion ist. - Allerdings entstand im Bewußtsein vieler Intellektueller während der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges, der Wunsch, das freie Spanien gegen die Faschisten zu verteidigen, auf der Seite der Antifaschisten kämpften viele Freiwillige aus der ganzen Welt: Schriftsteller, Künstler veschiedenster Nationen... sie taten es entweder aus Verantwortungsbewußtsein oder aus Abenteuerlust, oder weil sie selbst eine eher anarchistische, manche eine eher kommunistische Grundhaltung hatten... sie sahen sich als das Licht, das gegen die Finsternis des Faschismus angehen wollte: "no pasaran!" und "libertad o muerte!" waren die Kampfparolen gegen die Falange... "lieber tot als unfrei!" und... "wir halten sie auf - sie kommen nicht durch!" waren ihre erklärten Ziele. Dies als Kampf des Lichts gegen die Finsternis zu sehen, ist nur dem ideologisch Verblendeten wirklich möglich, jemandem, der mit großem Pathos bestimmte Ideale verfolgt... in der Realität stellt dies aber eine Verkürzung dar, ist diese Schwarz-Weißmalerei weitab von jeder tatsächlichen Erfahrung. Aber wenigstens müssen die Fronten geklärt sein! Deshalb bediente auch ich mich dieser Vereinfachung, wohl wissend, dass die Realität weitaus diffiziler und komplizierter, weil vielschichtiger ist! Jedenfalls sind mir in diesem denkwürdigen Kampf, um einmal eindeutig dazu Stellung zu nehmen, die Antifaschisten immer klar sympathischer erschienen als die Schergen des Generals Franko! Und sie haben damals leider verloren! Und dies tatsächlich durch das Eingreifen und die Hilfe Hitler-Deutschlands! - Der Kommunismus selbst (meist sowieso nur ein bloßer Name, der die oft heterogensten Ideen auf einen Nenner bringen soll, eine bloße Flagge, die eine dubiose Ladung deckt...!) stellt für mich nicht unbedingt das reine Ideal der Menschlichkeit und Menschenwürde dar, dazu hat er die Menschenwürde zu oft mit Füßen getreten! Der Schatten der Völker speist sich oft aus den unterschiedlichsten Ideen... und auch der Kommunismus gebar viel Finternis... zumal in Russland... er ist kein absoluter Wert, wenn man ihn geschichtlich betrachtet, nicht eindeutig "hell" oder "dunkel" zuzuordnen... eher noch eine nebulöse Idee, die zu allem fähig ist... aber es ist auch eine Eigenschaft des Menschen, alles umzukehren und das "Gute" in "Schlechtes" zu verwandeln und umgekehrt... es ist eben kein Verlass auf diese Ideale! Darum ist in jedem Fall Wachsamkeit geboten!

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