Facie prima

Mittwoch, 25. November 2009

Heute: Der Wahrheitsjünger im demokratischen Zwirn, der Sozialrassist


Bieder kommt er des Weges, wie ein ehrenwerter Herr und rechtschaffener Mitbürger. Lächelnd wird er abgebildet, vornehm dreinschauend, im feinen Zwirn predigt er die bürgerliche Mitte, trägt er seine Sozialrassismen gegen Unterschichten und Ausländer vor. Dabei weiterhin als schneidiger Demokrat auftretend, liebevoll mit dem Kameraobjektiv spielend, während des Arbeitsscheuen Faulheit und des Gastes Dreistigkeit thematisiert wird. Es handelt sich um jenen Schlag Blödmann, gedankenversunken und mitbürgerlich in Linsen glotzend, der durch Le Pen zur Weltberühmtheit gelangte - der beauf, der Spießer und Chauvinist, der Hetzer und Menschenfeind, mit der Physiognomie eines Zwerges aus dem Vorgarten. Ein Gartenzwerg, der gewöhnlich und trivial die Zipfelmütze über seine Ohren zieht, der aber explosiv aufmischt, der unter seinem Hemdchen voller Zündstoff steckt. Der beauf, der Gartenzwerg als neuer Trommler der Unmenschlichkeit!

Dabei tut ihm seine offenbare Ungepflegtheit keinen Abbruch. Trägt ein Protagonist jener Gesellschaftsschichten, die der beauf normalerweise verächtlich macht, einen ungepflegten, strähnigen, strukturlosen Schnurbart, so unterstellt man ihm Schlampigkeit und fehlende Wasch- und Pflegemoral, so wie es jener arbeitsscheuen und integrationsunwilligen Schicht eben immer zustand. Trägt der demokratische Denker Zottelbart, wartet mit speckigem Haar auf, dann blinzelt man daran vorbei. Der Wahrheitsjünger im demokratischen Zwirn ist so beschäftigt mit seinen Denkarbeiten, mit dem Formulieren und Ausfeilen seiner stammtischigen Wahrheit, dass man an hygienischen Nichtig- und Kleinigkeiten vorbeisieht. Der zottelige Fransenbart, das verstrubbelte Haar sind kein Ausdruck von Ungepflegtheit - sie stellen die Betonung der Wichtigkeit dar. Wer rege denkt, hat kaum Zeit zur Pflege. Der Denker ist des materiellen Daseins entflohen, er kann speckig durch die Medienlandschaft huschen, was die Opfer seiner Hetze nicht können, nicht dürfen, ohne mit Häme überschüttet zu werden.

Der besorgte Mitbürger ist einer aus "unserer Mitte", ein Geselle, dessen "Herz am rechten Fleck" liegt, der an einer "freien Schnauze" kranke. Er gilt als marktschreierischer Rüpel, der oft zu ungeschlacht ist, der aber bei hellem Lichte besehen, ein feiner Kerl sei, der halt manchmal an "flinker Zunge" leide. Er meine es nicht so, er sei vielmehr einfach nur zu ehrlich, spreche nur aus, was alle anderen sowieso schon denken. "Einer von uns" eben - einer der das ausspricht, "was unter uns" eh schon gedacht wird. Einen solchen Mann aus dem Volk tut kein doofer Blick, keine ungleichmäßig geschnippelte Lippenbürste Abbruch. Jemand wie er kann sich alles erlauben, "einen von uns" kritisiert man nicht - man lobt ihn, streicht seine Zivilcourage heraus, sein demokratisches Engagement, seine Menschenliebe, die ihm Antrieb wurde. Dass der Sozialrassist, der braune Wahn als biedere und hässliche Bürgersfratze in unsere Stuben zurückkehrt, in der Maske der Demokraten, um Adorno zu bemühen, oder um es grob zu sagen: dass der braune Irrsinn als hässlicher Mann zurückkehrt, scheint in den letzten Wochen und Monaten kaum mehr wahrgenommen zu werden. Nicht Uniform und Armbinde harren des Wahnsinns: wackerer Schnäuzer und schlecht sitzender Anzug begrüßen die neue Zeit, paradieren dem neuen doch alten Übermenschentum.

38 Kommentare:

Frank 25. November 2009 um 17:27  

Ich habe Göring, Goebbels und Hilter optisch zwar etwas anders in Erinnerung - aber es kann ja sein, daß ich mich irre...

klaus baum 25. November 2009 um 17:54  

warum kritisierst du meine lieblingsmenschen? ich bin entsetzt.

Anonym 25. November 2009 um 17:58  

Lieber Roberto,
wieder einmal volle Zustimmung und wohl gesprochen! Ich würde dennoch gern daran erinnern, dass Sie das Ohrfeigengesicht Norbert Bolz offenbar übersehen haben. Den gelackten Intellektüllen, der von der unkündbaren C3/C4-Kanzel herab nonchalant einräumt, dass die Zeiten zwar härter würden, es aber leider nun mal Herren und Knechte geben müsse und dass allzuviel Gleichmacherei leiderleider ganz ganz schlecht für uns alle sei und dass die naiven Gutmenschen und Sozialromantiker das einfach einmal akzeptieren...
Uaah, Verzeihung, mein Rechner hätte sich beinahe aufgehängt und mit ist auch schon ganz schwummerig geworden.

Ihr Blog ist mir nach wie vor ein Quell der Freude und des Trostes. Schön, dass Sie wieder auf dem Damm sind!

Herzliche Grüße
S. Rosen

Peinhard 25. November 2009 um 18:52  

Der Sloterdijk ist schon ein merkwürdiges Kerlchen... So ganz schlau werde ich aus ihm ehrlich gesagt nicht. Ist er am Ende nur ein Schwätzer? Oder ein Clown? Oder was?

maguscarolus 25. November 2009 um 22:09  

@Peinhard
Ist er am Ende nur ein Schwätzer? Oder ein Clown? Oder was?

Für ihn trifft zu:

"si tacuisses, philosophus mansisses"

Aber leider kann er "die Tinte nicht halten".

Anonym 26. November 2009 um 02:13  

"[...]Der Sloterdijk ist schon ein merkwürdiges Kerlchen... So ganz schlau werde ich aus ihm ehrlich gesagt nicht. Ist er am Ende nur ein Schwätzer? Oder ein Clown? Oder was?[...]"

Lieber Peinhard,

"Der Sloterdijk" gilt als einer der "größten dt. Philosophen der Neuzeit", und zeigt mir wie sehr das "Volk der Dichter und Denker" auf den Hund gekommen ist.

Wenn dieser Mann als "größter dt. Philosoph der Neuzeit" geadelt wird, dann muss etwas gewaltig schief laufen in Deutschland, und Goethe, Schiller, Nietzsche & Co. drehen sich nicht allein im Grabe um, nein die kreiseln regelrecht, und kommen nicht mehr zur Ruhe bei solchen Philosophen, die sich wieder den neuen Herrenmenschen andienen wie einst Heidegger, und ein gewisser Carl Schmitt, an die Nazi-Faschisten.

Wie sagte einst Heinrich Heine:

"[...]Denk ich an Deutschland in der Nacht.....[...]"

Gute Nacht
Resignierter

Tim 26. November 2009 um 03:08  

Das schreckliche ist ja, dass diese Herren wirklich nur aussprechen, was in verdammt vielen Köpfen tatsächlich gedacht wird...
Das wissen die auch, und deshalb trauen sie sich was.

Anonym 26. November 2009 um 09:08  

@Tim

ja, was kann man nur dagegen machen wenn in vielen Köpfen etwas eigenes gedacht wird?
Vielleicht den vielen Köpfen sagen was sie zu denken haben? Und wenn sie nicht hören wollen, sollen sie vielleicht fühlen? Nein, man grenzt sie aus! Das tut dem Sozialwesen Mensch weh! NAZI, ja, das wirkt.
Ist halt nicht so einfach wenn die eigene "Toleranz" bei der Meinung des anderen aufhört...

maguscarolus 26. November 2009 um 09:54  

@Anonym

ja, was kann man nur dagegen machen wenn in vielen Köpfen etwas eigenes gedacht wird?
Vielleicht den vielen Köpfen sagen was sie zu denken haben? Und wenn sie nicht hören wollen, sollen sie vielleicht fühlen? Nein, man grenzt sie aus! Das tut dem Sozialwesen Mensch weh! NAZI, ja, das wirkt.
Ist halt nicht so einfach wenn die eigene "Toleranz" bei der Meinung des anderen aufhört...


Sollten also deiner Meinung nach die Blasen, welche aus dem faschistoiden Sumpf als "einfache Lösungen aller Gesellschaftsprobleme" aufsteigen als wertvolle Gedanken von Mitmenschen geachtet werden?

epikur 26. November 2009 um 12:37  

@anonym

Besonders die braunen Anhänger (ich vermeide mal das Wort NAZI Dir zuliebe^^) zeichnen sich ja für Weltoffenheit und Toleranz aus, nicht wahr?

Und ob die Masse wirklich etwas "eigenes denkt", wie Du so schön behauptest, darf auch angezweifelt werden. Die Masse denkt in der Regel nicht einmal, sie lässt sich von fremdgesteuerten Emotionen leiten, wie Le Bon in seiner Massenpsychologie ausführlich untersucht hat.

Wo das alles hinführt, hatten wir schon einmal. Niemand kann so etwas ernsthaft wieder wollen.

Anonym 26. November 2009 um 12:39  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

wie immer fulminant beschrieben.

Vor allem die Unterscheidung schlecht rasierter bzw. gewaschener Arbeitsloser, und schlecht rasierter gewaschener Zeitgeistprediger, die du hier beschreibst bringt es auf den Punkt.

Man könnte auch sagen, wenn man dem Staat nicht auf der Tasche liegt, dann kann man aussehen, stinken und rumpöbeln wie man will, aber wehe du liegst dem Staat auf der Tasche, wie es so schlecht heißt, dann bekommst du sofort die Bevormundung des Staates zu spüren.

Ich denke immer öfter, wären die Arbeitslosen nicht auf's Geld angewiesen, dann würden die von einen solchen faschistoiden Gläubiger auch keines annehmen, der diese mit obigem Argument "solange du dem Staat auf der Tasche liegst..." immer wieder ausgrenzen will.

Erinnert fatal an die Spießer-Moral so mancher Elternteile, die meinen - zum Nachwuchs "Solange du deine Füße unter diesen Tisch streckst...."

Unser Staat hat die Moral eines schlechten Familienvaters - Ich meine so etwas sogar im neuen Buch von Albrecht Müller "Meinungsmache" konkret nachgelesen zu haben, und fühle mich - leider - wieder einmal - bestätigt.

Freiwillig würde niemand von jemand Geld ausleihen, der sich so verhält wie unser paternalistischer Staat. Man könnte auch sagen: "Von Arschlöchern leihe ich mir kein Geld aus." - Leider ist man, im Falle der Arbeitslosigkeit, eben auf diese Arschlöcher vom Staat angewiesen - zwangsweise, was man immer wieder erwähnen sollte, denn wie schon öfters erwähnt "freiwillig, würde niemand von so jemandem...."

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Ralf-zwei.null 26. November 2009 um 13:19  

Leider hab ich mir nicht mehr gemerkt, ob das nun von Priol oder von Schramm kam, in jedem Fall kam es aus der "Anstalt":

"Warum sehen solche Arschlöcher genau so aus, wie man sie sich vorstellt?"

Nichts hinzuzufügen...

Wolfgang 26. November 2009 um 13:32  

Immer wenn ich die "großen Reden" Hitlers oder Göbbels irgendwo sehe bin ich weniger schockiert über die lächerlichen Argumentationsketten dieser Witzfiguren als vielmehr über die hysterischen Reaktionen der Zuhörer.

Und ganz ähnlich geht es mir bei Sarrazin, Sloterdijk und Co. Wir sind ein halbwegs freies Land mit einigrmaßen ausgeprägter Meinungsfreiheit. Also sollen die Witzfiguren doch der Meinung sein, soziale Marktirtscahft sei Diebstahl oder bittere Armut sei für weite Teile der Bevölkerung etwas erstrebenswertes. Wirklich Angst habe ich vor den Medien, die solchen Blödsinn unreflektiert als Tatsachen darstellen und von dem lauten und leider auch recht zahlreichen Teil der Bevölkerung, der das angeblich schon lange so sieht.

Die Hetzer stellen sich wieder als Helden des kleinen Mannes dar und der "kleine Mann" applaudiert dazu. DASS macht mir Angst.

Anonym 26. November 2009 um 13:46  

Man muss grundsätzlich versuchen, auch Sozialfaschisten wie Sarrazin korrekt zu behandeln. Der redliche Mensch sollte sich auch darin von diesen Volksverhetzern unterscheiden. Die Äußerungen Sarrazins zu HARTZIV-Empfängern weisen ihn zweifelsfrei als Menschenverächter und Volksverhetzer aus. Sein Interview zur Integrationsfähigkeit türkischer Mitbürger mag im Ton teilweise problematisch sein und auch Vorurteile bedienen. Aber auch ein Rechter Hetzer hat ein Anrecht darauf, stilistisch provokant zu formulieren. Menschen haben manchmal ambivalente Züge und die Frage ist ob und welche der dort von Sarrazin angesprochenen Probleme nicht doch existieren. Als kritischer Mensch darf man auf keinem Auge blind sein. Z. B. auch nicht auf dem Ausländerfreundlichen. Meine Informationen reichen nicht aus, um das abschließend zu beurteilen. Man muß aufpassen ob man Vorurteilen aufsitzt. Ich habe jedenfalls zumindest Vorausurteile, die teilweise mit den Aussagen Sarrazins zur Integrationswilligkeit von türkischen Mitbürgern übereinstimmen. Es ist mir bisher nicht gelungen daraus ein Urteil zu machen.

Anonym 26. November 2009 um 16:42  

@Wolfgang

Ich las vor einiger Zeit einmal ein gutes Buch über die Hetze in Deutschland - eines englischen Historikers - Peter Longerich "Davon haben wir nichts gewußsst!" - Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933 - 1945.

Er hat einen neuen Aspekt untersucht, der mich fatal an heute erinnert, denn es geht Herrn Longerich darum aufzuzeigen wie die Medien damals -im Auftrage des NS-Staates - Hetze gegen Juden betrieben haben. Es erinnert fatal an Bild, Springer & Co. heute, schließt aber mit einem optimistischen Fazit:

Die ganze Medienhetze gegen Juden hat nichts gebracht, die Deutschen wußten mehr über die Shoa als die nach dem Krieg zugegeben haben, aber eben nur Faschisten haben wirklich alles befürwortet, die anderen waren entsetzt, resigniert und wollten sich nicht mit dem NS-Staat anlegen - ein Trauerzeugnis, aber nur wenn man weiß, dass damals jeder, der Juden half selbst im KZ landete. Dies ist keine Behauptung, sondern wird von Peter Longerich Punkt für Punkt belegt - So war Deutschen sogar der ganz normale Alltagsumgang mit Juden strickt verboten. Wie schon gesagt, es geht im Buch rein um die Medienpropaganda der Nazis & deren konservativer "Verbündeter" in den damaligen Medien, und die hat trotz oben erwähnter Punkte dieser mörderischen Diktatur nicht gefruchtet.

Im Gegenteil, trotzdem gab es Mitbürger die Juden versteckt, denen bei der Flucht geholfen und auch anders beigestanden haben.

Hätte die goebbelsche Propaganda wirklich alle willenlos gemacht, dann wäre dies so nicht möglich gewesen.

Zurück ins heute, ich denke einmal die ganze Hetze gegen "sozial Schwache", die fatal an die Pressehetze damals gegen Juden erinnert, bringt nichts - Ich seh's hier doch optimistischer als andere - Wir sind nicht so beeinflußbar, auch heute nicht, wie Guido Westerwelle, Sloterdijk, Merkel & Co. uns gerne hätten.

Wir erinnern eher an unsere Großmütter/-väter bzw. Eltern, die eben durch massivste Nazipropaganda nicht 1:1 beeinflußbar waren, aber leider auch in den anderen Punkten....z.B. mangelnde Zivilcourage und Resignation.....gegenüber dem heutigen Staatsterrorismus von Merkel/Westerwelle....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Amelia 26. November 2009 um 17:34  

Integrationsunwille? Dazu müsste ich mal eine Geschichte erzählen. Vorweg, ich bin deutscher Abstammung und wurde in eine "gehobene Akademikerfamilie" hineingeboren.

Trotzdem wurde ich rund zehn Jahre lang in der Schule auf das heftigste gemobbt, und meine Mutter förderte das indirekt, indem sie mich zwang, unmoderne, billige Klamotten zu tragen, mir eine als albern wahrgenommene Frisur schnitt, mir kaum Fernsehen erlaubte und kein Taschengeld gab - kurz, mir kaum eine Chance gab, mich wie ein "normales" Kind zu verhalten und mitzubekommen, was in der Welt meiner Mitschüler so vor sich ging. Außerdem musste ich meinen Mitschülern gegenüber immer behaupten, das sei alles ganz und gar mein eigener Wille - meine Mutter, die selbst mit der Welt und mit sich überhaupt nicht im Reinen war, wollte nicht als "die Böse" dastehen, sie hat sich einfach hinter mir versteckt. Na ja, und wenn es dann darum ging, dass die anderen meine (immer sehr guten) Hausaufgaben zum Abschreiben haben wollten, habe ich sie ihnen nicht gegeben. Ist vielleicht auch verständlich, wenn man ständig getreten, geschlagen und gehänselt wird, oder nicht?

Trotzdem, wenn es mal zu Klassendiskussionen um meine Situation kam, war immer ich die "Schuldige", und sogar die meisten Lehrer sahen das so. Ich war egoistisch, ich wollte mich "nicht in die Klasse integrieren" etc. etc. Dass ich in dieser Klasse gar nicht so unbedingt sein wollte, aber keine andere Wahl hatte, spielte natürlich überhaupt keine Rolle (dabei gab es nun mal Schulpflicht, und meine Eltern wollten mich - leider - die Schule bzw. die Klasse nicht wechseln lassen).

Als Junge wäre ich vielleicht aggressiv gegen andere geworden. Weil ich eine Frau bin, bin ich aggressiv gegen mich selbst geworden. Bis heute.

Heute bin ich nach außen hin ziemlich unauffällig, bzw. gelte als erfolgreich, modern etc. Das gelang mir, weil ich mich stark von meinen Eltern distanziert habe, unter anderem, weil meine Mutter ihrerseits voller Hass gegen alles "Schwächere" steckte (trotzdem quälen mich ständig Schuldgefühle meinen Eltern gegenüber), aber auch, weil ich nicht arm war, weil ich erfolgreich im Studium war und weil ich keine irgendwie auffälligen äußerlichen Merkmale mehr hatte (als Kind war ich klein und körperlich unterentwickelt), und weil man als Erwachsener zum Glück keinen Schulsport mehr machen muss, wo ich immer kläglich versagt habe. Was wäre gewesen, wenn ich arm/Ausländerin/behindert oder anderweitig gehandicappt gewesen wäre? Ich weiß es nicht. Es war so schon schwierig genug, als Erwachsene aus dieser Außenseiterrolle herauszukommen, und der Selbsthass ist immer noch da.

Deswegen tue ich mich sehr schwer damit, anderen Leuten ihren "Integrationsunwillen" vorzuwerfen.

Amelia 26. November 2009 um 17:35  

Ähnliche Entwicklungen wie in Berlin kennt man im Übrigen seit langem aus zahlreichen Großstädten in den USA - Minderheiten kapseln sich ab, werden gewalttätig etc. Oft wohnen in solchen Problemvierteln Schwarze oder Latinos. Es handelt sich also weder um Türken noch um Muslime, und einen Sozialstaat, der daran "schuld" sein könnte, gibt es in den USA so gut wie nicht. Oder man lese mal dieses historische Beispiel: http://en.wikipedia.org/wiki/Five_Points,_Manhattan

Iren und Schwarze! Der auffälligste gemeinsame Nenner ist die Armut. Besonders schlimm ist es meistens in Städten mit hoher Arbeitslosigkeit, z.B. heute in Detroit. Wenn es ohnehin nur geringe Chancen auf einen Job gibt (oder die vorhandenen Jobs nicht zum Leben ausreichen), dürfte es besonders schwierig sein, aus dem gewohnten Umfeld auszubrechen und sich voll und ganz an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes anzupassen. Ich glaube kaum, dass es ein Zufall ist, dass diese Probleme in Berlin (wo sind da die Jobs???) auch besonders ausgeprägt sind. Seltsamerweise scheint eine gewisse Gruppe von Leuten diese Parallelen zu anderen Fällen aber auszublenden, wenn sie auf dem deutschen Sozialstaat, dem Islam und der türkischen Kultur als angeblichen Ursachen herumhackt.

Jutta Rydzewski 26. November 2009 um 23:08  

Sehr gut ausgesucht, lieber Herr De Lapunte, die Fotos. Sagenhaft die Ähnlichkeit der Beiden, einerseits Le Pen und der andere Blödmann. Könnten fast Zwillinge sein, von innen und außen. Der Hetzer und Menschenfeind, mit der Physiognomie eines Zwerges aus Berlin, der so genannten SPD angehörend, ist natürlich heute Stargast bei Illner. Mal wieder typisch der Titel der Sendung:

Eltern unter Verdacht

Geld für Kinder oder für Schnaps?

So langsam ist das ZDF, in seiner öffentlich-rechtlichen Verkommenheit, trotz Neues aus der Anstalt, nicht mehr erträglich. Peter Frey, der es sich, hinsichtlich der Krebserkrankung von Lafontaine, in seinem "Kommentar" natürlich nicht verkneifen konnte, auf das Klatsch-und Tratschblatt Spiegel Bezug zu nehmen, und sich damit erneut bis auf die Knochen blamiert hat, das aber offenbar, mit seiner unheilbaren Links- bzw. Lafontainephobie, schon gar nicht mehr merkt. Der Frömmler Hahne, ein weiterer ZDF-Starjournalist, bezeichnet einen jugendlichen Amokläufer (ist schon etwas länger her) auch schon mal als Monster bzw. Monstrum, und die "reinliche" Petra Gerster hat erst kürzlich, ganz cool und taff, bei den 19 Uhr Heute-Nachrichten von Kadavern gesprochen hat, und damit 11 aufgefundene menschliche Leichen gemeint, wobei es sich (natürlich ganz zufällig) ausschließlich um Schwarze und Drogensüchtige in den USA gehandelt hat, die einem Serienmörder zum Opfer gefallen waren. Meine entsprechenden Anfragen an das ZDF blieben, mit einer Ausnahme, natürlich unbeantwortet.

maguscarolus hat das gestern in - Kein Benehmen ist Lebensart - passend ausgedrückt:

Wir haben eine Gesellschaft, in der sich Ethos und Moral von oben her auflösen und die sich mit großen Schritten auf einen barbarischen Zustand hin entwickelt ...

Für den Anfang würde schon etwas mehr Anstand reichen, aber auch dazu reicht es schon nicht mehr. Doch wo soll es auch herkommen bei den "Vorbildern". Gesocks, asoziales Gesocks, die Sarrazins, Sloterdijks, Buschkowskys und Co. Sie erhalten viel zu viel Aufmerksamkeit durch die Medien. Aber das ist ja so bezweckt.

mfg
Jutta Rydzewski

Anonym 27. November 2009 um 03:53  

"Ich habe jedenfalls zumindest Vorausurteile, die teilweise mit den Aussagen Sarrazins zur Integrationswilligkeit von türkischen Mitbürgern übereinstimmen."

Woran erkennt man denn, ob ein Migrant willens ist, sich zu integrieren oder nicht? Was genau sind eigentlich die Forderungen, die an ihn gestellt werden, damit er als integriert betrachtet wird? Sind diese überhaupt gerechtfertigt? Und wurde ihm von der Gesellschaft, in die er sich integrieren "soll", auch die Möglichkeit gegeben, diese Forderungen zu erfüllen?

Die stark vereinfachende Behauptung, eine bestimmte Gruppe sei schlicht nicht bereit, sich zu integrieren ist in meinen Augen jedenfalls weder belegt, noch auf irgendeine Weise nützlich.

Anonym 27. November 2009 um 13:36  

@Jutta Rydzewski

Unsere Gesellschaft zeigt übrigens schon im Krieg in Afghanistan dem nichtdeutschen Ausland wie unsozial die geworden ist.

Hier ein Aufsatz, den ich - in diesen Tagen, wo Jung kurz einmal auf der Abschußliste stand - nicht unterschlagen will:

""Soziale Kälte" von
Volker Bräutigam

[...]Soziale Kälte
Volker Bräutigam

Der erste schwere Herbststurm ist über uns hinweggezogen und hat einen Teil seiner reichen Beute in unsere Kleingartenanlage geworfen: einen Birnbaum, viele abgerissene Äste und Unmengen frisches Laub, dazwischen Fetzen von Dachpappe. Das ganze Quartier hat geholfen, aufzuräumen und die Schäden zu beseitigen. Nun sitzen wir beim Nachbarn im Büdchen, trinken Kaffee aus der Thermoskanne. Und wie kaum anders zu erwarten, kommt das Gespräch unter Laubenpiepern nach der Diskussion der Gemeinschaftsarbeit wieder auf die Politik, diesmal auf die Bundestagswahl. »Jetzt werden wir soziale Kälte erleben«, sagt mein Parzellennachbar Bernd, der Sozialdemokrat, und zählt die wahrscheinlichen Froster auf: Steuererhöhungen, noch mehr Sozialabbau, Inflation. Berechtigte Befürchtungen, begründete Sorgen.

Mir aber geht beim Thema »soziale Kälte« etwas anderes durch den Sinn: »Ich mach euch einen Vorschlag. Lehnt euch mal zurück und schließt die Augen. Laßt euch von unserm Herbststurm gedanklich nach Afghanistan tragen, in eine Position einige hundert Meter über einem sandigen Flußbett bei Kundus. Unter euch – seht ihr ´s? – stecken zwei der NATO geraubte Tanklastzüge bis tief über die Achsen fest. Sie wären nur mit schwerem Bergegerät wieder flott zu nachen. Die Räuber haben Dörfler aus der Nachbarschaft gerufen: ›Nehmt euch, was ihr tragen könnt, bald kommen die Deutschen und holen sich ihre Laster zurück!‹ Männer, Frauen und Kinder wuseln um die Fahrzeuge und zapfen Treibstoff ab, willkommenes Heizmaterial. Was ihr, Nachbarn, euch jetzt in Gedanken ausmalt, das sah auch der Bundeswehroberst Klein, aber auf gestochen scharfen Bildern, in Echtzeit übermittelt von den deutschen Spähsatelliten über dem Kriegsgebiet. Laßt eure Augen zu! Der Oberst schickt nun keine Soldaten mit einem Bergepanzer, er schickt überhaupt keine Bodentruppen, weil er seine Mannschaft zum Schutz ihres Lagers zu benötigen meint. Er fordert vielmehr US-Jagdbomber an, und trotz wiederholter Warnhinweise der Piloten, da unten seien viele Zivilisten zu sehen (die sieht der Oberst auf den Satellitenfilmen ja selbst), befiehlt er, die Tanklaster zu bombardieren. Eine Detonation. Ein riesiger Feuerball, eine heftige Druckwelle. Und von einer Sekunde zur nächsten bleiben von mehr als hundert Menschen nur noch verkohlte Leichenteile, hunderte weitere Dörfler sind verstümmelt.«[...]"

Quelle und kompletter Text:

http://www.sopos.org/aufsaetze/4adac6e961ccd/1.phtml

Ich vermute einmal, dem Autor Volker Bräutigam geht es nicht darum von der sozialen Kälte in Deutschland abzulenken, sondern eben darum zu reflektieren, dass diese soziale Kälte sogar bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr immer mehr durchschlägt.

Als Geschichtsinteressierter:

War dies nicht schon früher so? Ich denke da insbesondere an den II. Weltkrieg, und die dt. Besatzungsregime in den eroberten Ländern, denen der NS-Faschismus - auch im Alltag - 1:1 aufgepropft wurde.

Mich wundert nur, dass dies heute keiner merken will, der Sozialabbau im Innern, und der Krieg im Äußern hängen 1:1 zusammen - wie damals übrigens auch.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 27. November 2009 um 18:39  

"Woran erkennt man denn, ob ein Migrant willens ist, sich zu integrieren oder nicht?"

Genau ich habe heute bereits selbst überlegt, das die Formulierung so problematisch ist.

"Integrationswille" (Integrationsfähigkkeit) heißt eigentlich: Ich sollte in der Gesellschaft in der ich als Migrant lebe eine Perspektive haben. Ich sollte die grundlegenden Regeln anerkennen. Das muß nicht unbedingt so weit gehen, wie mir mal jemand sagte: In Indien müßten Sie auch mit einem Turban auf dem Kopf herumlaufen.

Aber man sollte in unserer Gesellschaft z. B. anerkennen das Mädchen dieselben Rechte haben wie Jungen. Jungen dürfen nicht die Paschas sein. Jedenfalls nicht in unserer Gesellschaft. Anläßlich der Unruhen in Frankreich nach dem Tod zweier Jugendlicher auf der Flucht vor der Polizei las ich damals, das die männlichen Jugendlichen keine Arbeit hätten, ihre Freundinnen schon. Eine Krankenschwester erzählte mir vom "Pascha-Verhalten" türkischer Jugendlicher bei Besuchen auf der Station. Ich selber hatte öfter die Aufgabe, Praktikanten in der Firma mit Arbeit zu versorgen. Am Ende mußten die Schüler einen Bericht schreiben. Der Bericht des türkischen Jugendlichen hatte fast in jeden Wort einen Schreibfehler. Seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt dürften also gering sein. Er muß dafür nicht selbst verantwortlich sein, aber es war nun mal so.

Kurz: Ich bin in diese Gesellschaft auch nicht integriert in dem Sinne, daß ich "auf Linie" bin, aber ich komme nicht in die Gefahr:

- einen Ehrenmord zu begehen,
- Frauen als Menschen zweiter
Klasse anzusehen,
- nicht auf meine Lehrerin zu
hören, da ich als Pascha erzogen
wurde

oder eben möglicherweise prinzipiell geringere Chancen gehabt zu haben, Bildung und Ausbildung zu erlangen.

So war das mit dem Problematik der Integration gemeint.

Geheimrätin 27. November 2009 um 20:15  

@ Anonym vom 26. November 2009 13:46
Man muss grundsätzlich versuchen, auch Sozialfaschisten wie Sarrazin korrekt zu behandeln. Der redliche Mensch sollte sich auch darin von diesen Volksverhetzern unterscheiden. Die Äußerungen Sarrazins zu HARTZIV-Empfängern weisen ihn zweifelsfrei als Menschenverächter und Volksverhetzer aus. Sein Interview zur Integrationsfähigkeit türkischer Mitbürger mag im Ton teilweise problematisch sein und auch Vorurteile bedienen. Aber auch ein Rechter Hetzer hat ein Anrecht darauf, stilistisch provokant zu formulieren. Menschen haben manchmal ambivalente Züge und die Frage ist ob und welche der dort von Sarrazin angesprochenen Probleme nicht doch existieren. Als kritischer Mensch darf man auf keinem Auge blind sein. Z. B. auch nicht auf dem Ausländerfreundlichen. ...

WOW! was ein differenzierter, sachlicher Kommentar! Sozialrassismus igitt, aber National-rassismus, naja, also .. auch Volksverhetzer und Menschenverächter sollte man schon mit einer gewissen Fairness begegnen und das Stigmatisieren von Menschen nicht in jedem Fall vorverurteilen, da muss man schon differenzieren können, gerade wenn es um In-oder Ausländer geht.. Jawoll!

na denn, hier noch ein kleines Schmankerl für den differenzierungsfähgigen anonymen Kommentator - Hagen Rether über Deutschland, Türken und die Integration

Anonym 27. November 2009 um 20:47  

Ich hatte mich zunächst auf den Kollegen Sarrazin beschränkt, aber dann fiel mir im Hinterstübchen plötzlich noch was zu Sloterdijk ein.
Ich meine es war in einer der Sendungen zur Philosophie, die er zusammen mit Safranski so ab 2002 moderierte. Da meine ich gab es auch eine Sendung zur Thematik Arbeitslosigkeit. Zumindest meine ich philosophierte Sloterdijk damals über die Lage des Arbeitslosen. Und wieder kann ich nur meinen, (es ist halt lange her)er "schwätzte" was von dessen "Ausgeschlossen Sein".

Es war jedenfalls der Versuch den Begriff anzustrengen und (in meinen Augen) eher dazu angetan, das Schicksal der Arbeitslosigkeit schwätzerisch zu verharmnlosen, obwohl der Ausdruck Sympathie zu zeigen schien und das weiß ich, die Arbeitslosigkeit eher als "Skandal" anprangern sollte.

Ich weiß genau, daß die FAZ den speziellen schwätzerischen Ausdruck in einem Kommentar damals für treffend befand.

Daran sieht man, daß sich mit zunehmend steigender Arbeitslosigkeit offensichtlich das Klima entscheidend verändert hat. Damals 2002 gingen auch die Ideologen wohl noch davon aus die Arbeitslosigkeit "bekämpfen zu können". Nachdem dies scheiterte suchte man nicht etwa nach einer Erklärung für dieses Scheitern, sondern eröffnete mit HARTZIV und seiner permanenten schöpferischen Erweiterung den Kampf und den Terror gegen den (Langzeit)Erwerbslosen. Und so hat nun wohl auch Sloterdijk seine damalige noch "wohlmeinende" (?) philosophische Schwätzerei in Diffamierung abgewandelt. So ändern sich in der Demokratie die Zeiten, wenn die Schwierigkeiten größer werden.

Wäre toll wenn jemand wüßte, was Sloterdijk in 2002 zur Arbeitslosigkeit gesagt hat, um den Kontrast zu heute zu verdeutlichen.

Anonym 27. November 2009 um 21:53  

"[...]So ändern sich in der Demokratie die Zeiten, wenn die Schwierigkeiten größer werden[...]"

Ich kann dem nur bedingt zustimmen, denn in wirtschaftlichen Notzeiten - so las ich es einmal, noch vor Jahren - wendet sich Deutschland eindeutig in Richtung Rechtsextremismus ab, und in raues soziales Klima.

War 1929 - bei der letzten "Großen Depression" schon so, und wiederholt sich nun bei der neuen Weltwirtschaftskrise 2009 leider doch - und dies schreibe ich obwohl ich der Ansicht bin, dass Geschichte sich nicht wiederholt.

Um einmal Oskar Lafotaine zu zitieren, der damals noch die Regierung Schröder gemeint hat, Deutschland erinnert immer mehr an die letzte Regierung vor dem NS-Faschismus - Die Regierung Brüning hatte mit einem ählichen unsozialen Klima im Alltag zu kämpfen, und förderte dies damals mit Gesetzen, die den Nazis 1:1 nahe kamen.

Is leider so....

Nix Demokratie, die Regierung Merkel/Westerwelle ist auf dem besten Weg in eine neofaschistische Diktatur....

Anonym 27. November 2009 um 21:59  

@Geheimrätin

Danke für den Hinweis ich fühle ich hier - bei einigen Kommentaren - auch an das Feindbildpredigen gegen ALLE Moslems erinnert, welches nun - mangels Juden - "in" zu sein scheint.

Eines noch an die Moslemfeinde hier, es ist etwas anderes, wenn man generell JEDE Religion als Unsinn abtut, oder sich nur auf eine versteift, denn genau bei dem Versteifen auf NUR eine Religion, bzw. der Vorurteile gegen die islamische Kultur allein, fängt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit an.

Noch was, die Hassprediger gegen den Islam, dass stelle ich schon lange fest übernehmen sogar Vorurteile, die man früher in Vorbereitungszeiten des Holocaust auf Juden gemünzt hat - so z.B. das Schächten, das jüdische Mitbürger ebenso wie Moslems betreiben (ich auch für barbarisch halte), aber eben für beide Religionen, und jede andere Religion, die auf solche barbarischen Praktiken steht.

Typisch für solche Islamfeinde ist übrigens, dass die nicht weit weg vom Hasspredigen gegen Juden sind...ergo Antisemiten und Islamophobe mehr Gemeinsamkeiten haben als man zunächst vermutet...

Mfg
Ein Atheist

philgeland 27. November 2009 um 23:13  

Le Pen ist ein Prototyp, eine "evolutive Vorstufe" des modernen europäischen Faschisten - der Ausdruck einer Form des rechten medialen Populismus, der seine "Blütezeit" noch vor sich hat.

Anonym 28. November 2009 um 13:26  

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,663760,00.html

Auf der sinnlosen Bambi-Verleihung traten die Klitschko-Brüder mit folgendem Satz auf:

"Erst wenn ihr euch integriert, könnt ihr die Vorteile der Demokratie genießen."

Ich bekomme Bauchschmerzen, wenn Migranten solche Arschkriecher-Sätze fallenlassen. Ja, tut mir leid, auf mich wirken diese Sätze extrem kriecherisch und eliteschmeichelnd.

Anonym 28. November 2009 um 14:04  

@philgeland

Irgendwie hast du recht, aber mich wundert noch eines, warum erwähnt hier keiner Berlusconi in Italien? Liegt es daran, dass der stets äußerlich gepflegt auftritt, während er moralisch ebenso verkommen ist wie Le Pen, Sarrazin & Co.?

Übrigens:

Gerade Berlusconi ist doch DAS Paradebeispiel für den Faschismus, und die Demokratieverachtung, des 21. Jahrhunderts in Italien bzw. EU-weit.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 28. November 2009 um 20:02  

WOW! was ein differenzierter, sachlicher Kommentar! Sozialrassismus igitt, aber National-rassismus, naja, also .. auch Volksverhetzer und Menschenverächter sollte man schon mit einer gewissen Fairness begegnen und das Stigmatisieren von Menschen nicht in jedem Fall vorverurteilen, da muss man schon differenzieren können, gerade wenn es um In-oder Ausländer geht.. Jawoll!

Antwort:
Ja es ist nun einmal so , daß sich die Wahrheit einer Aussage nicht an ihrem Entdeckungszusammenhang, sondern an ihrem Begründungszusammenhang bemißt. Ich weiß zwar nicht ob das unumstritten ist, (Paul Feyerabend hätte es vielleicht gern anachistischer) aber ich halte es damit seit 1977 so (trotz Feyerabend).

Beispiel: Philip Lenard diffamierte die Physik Einsteins als jüdische Physik. Das war faschistoid, denn die Wahrheit der Einsteinschen Theorie bemißt sich nicht daran, ob sie von einem Juden entdeckt wurde, sondern daran, daß sie empirisch prüfbar ist. Wie verhält es sich nun mit den Leistungen Lenards in der Physik? Obwohl Lenard Faschist war, sind seine Ergebnisse die überprüft wurden natürlich korrekt.

Sarrazin hat sich durch seine Äußerungen zu HARTZIV-Empfängern in meinen Augen tatsächlich als Volksverhetzer geoutet. Ich will das in der Kürze nicht weiter begründen. Seine Äußerungen zur Integrationsproblematik der türkischen Mitbürger haben für mich (derzeit noch) einen anderen Status. Diese werden nicht dadurch falsch, daß er ein Volksverhetzer ist und sie eventuell in diesem Zusammenhang entdeckt hat, nein sie werden wahr oder falsch wenn sie der empirischen Prüfung standhalten oder nicht. Und ich habe nun einmal Erfahrungen und Kenntnisse, die teilweise mit den Aussagen Sarrazins übereinstimmen.

Bosbach hat in diesem Zusamenhang Zahlen genannt, die er nicht nachgewiesen hat. Daraufhin versuchte ich, Zahlen der Kritiker Bosbachs zu evaluieren. Ich mußte fststellen, daß diese ebenfalls keine Zahlen brachten. Also bin ich leider nicht weitergekommen.

Aber WoW, es ist schon so: die Objektivität ist das Thema für den rationalen Teil meines Lebens.

Anonym 28. November 2009 um 21:23  

"Nix Demokratie, die Regierung Merkel/Westerwelle ist auf dem besten Weg in eine neofaschistische Diktatur...."

Antwort:

Das sich die Zeiten ändern .. sollte eben (im Prinzip) obiges heißen. Die "Demokratie" transformiert sich beim Auftreten schwerer wirtschaftlicher Probleme (ganz naturwüchsig) in eine neofaschistische Diktatur.

Presse, Medien und Öffentlichkeit sind faktisch gleichgeschaltet (abgesehen von Internet-Blogs) und die Langzeitarbeitslosen, sowie Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen sind bereits partiell vogelfrei. Ich selbst habe mich zunächst einmal dafür entschieden dem jetzigen System totalitäre Anfangsgründe zuzusprechen. Der Begriff Faschismus ist zu stark mit dem 3 Reich identifiziert. Aber man muss klar konstatieren, dass die Behandlung der Langzeitarbeitslosen starke Parallelen zu faschistischen Methoden aufweist.
Zum Beispiel werden vermehrt Langzeitarbeitslose für geistig behindert erklärt und verschwinden so in einer Behindertenwerkstatt aus der Arbeitslosen-Statistik. Da ist schon einiges im Gange.

Anonym 28. November 2009 um 22:52  

hab ich mir doch beim Gucken vom ZDF auch gedacht, der ist doch selber so`n fettes Schwein, der lässt sich ja ziemlich gehn...
und jetzt seh ich den Kommentar hier und muss schon arg schmunzeln.

Grüßle
D.B.

Anonym 29. November 2009 um 00:13  

"[...]Der Begriff Faschismus ist zu stark mit dem 3 Reich identifiziert[...]"

Da empfehle ich dir aber dringendst eine Weiterbildung - mit seriöser Sachbuch-Literatur - zum Thema Faschismus.

Der Faschismus ist keineswegs zu stark mit dem 3 Reich identifiziert, und mich nervt schon lange, dass man beim Thema - in Deutschland - immer wieder bei der mörderischen Nazi-Diktatur landet.

In anderen Ländern, z.B. angelsächsischen, sieht man die Sache globaler:

Der Faschismus ist in Deutschland nur eine besonders mörderische Unterart einer weltweiten Ideologie gewesen, und endete keineswegs mit dem Ende des 3. Reiches.

In ganz Mittel- und Südamerika sowie im Spanien Francos herrschten noch Jahre nach dem angeblichen Ende des Faschismus faschistische Diktaturen - es sei nur an Pinoquet in Chile erinnert.
Pinoquet, ein Freund der Neoliberalen, war eindeutig ein Faschist, ein Mörder und Verbrecher, wenn auch eben nicht so schlimm wie Hitler, aber ein Faschist war Pinoquet schon.

Es gäbe noch genügend Beispiele für ein Weiterleben des Faschismus nach Hitlers Tod, aber die Sache ist müßig - es gibt genug Sachbuchliteratur zum Thema.

Es scheint übrigens ein wirklich deutschtypisches Phänomen zu sein beim Kommunismus/Sozialismus sofort an die tote Ideologie zu denken, und mit naziähnlichem Antikommunismus in Richtung Linkspartei zu kämpfen, und die anderen Faschismen europa- bzw. weltweit zu verharmlosen, indem man die NS-Dikatur als einzigen Faschismus outet.

Wie schon geschrieben, bilde dich mal mit diverser Sachbuch-Literatur, am besten angelsächsischer weil globaler, zum Thema weiter....

Nix für ungut, aber ich seh's so....obwohl ich selbst in Deutschland geboren und aufgewachsen bin - Kein Grund darauf stolz zu sein, denn dies ist einfach Zufall - Hätte in jeder anderen Weltregion und bei anderen Nationen geboren werden können, die die Sache eben anders sehen als die Rechtsnachfolgerländer des Dritten Reiches.

Peinhard 29. November 2009 um 09:42  

"Bosbach hat in diesem Zusamenhang Zahlen genannt, die er nicht nachgewiesen hat. Daraufhin versuchte ich, Zahlen der Kritiker Bosbachs zu evaluieren. Ich mußte fststellen, daß diese ebenfalls keine Zahlen brachten. Also bin ich leider nicht weitergekommen."

Es ist auch fraglich, ob die 'Zahlen' das leisten könnten. Denn in ihnen stecken notwendigerweise bereits Definitionen und Zuordnungen, die es ihrerseits erstmal zu hinterfragen gälte, von der zugrundeliegenden Auffassung von 'Intergration' bis hin zu der Frage, was an 'Fehlanpassung' sozial und was durch Herkunft bedingt wäre. Wobei ein Zusammenhang dieser beiden Faktoren dann wiederum eher auf die Seite der Untersuchenden zurückzeigen dürfte als auf die Untersuchten... uswusf.

Oder um die Brücke zurück zu HartzIV zu schlagen - selbst wenn sich heraustellen sollte, dass der Prozentsatz an Leistung 'erschleichenden', Sanktionen durch falsche Angaben vermeidenden oder nebenbei schwarzarbeitenden Delinquenten signifikant höher sein sollte, bliebe immer noch die Frage, ob es sich dabei um Betrug oder schlicht um Notwehr einem längst unmenschlichen System gegenüber handelte.

Langer Rede kurzer Sinn: Zahlen nützen einem überhaupt nichts, solange man nicht auch die ihnen zugrundeliegenden Wertungen zur Kenntnis nimmt und hinterfragt. Sonst mündet das leicht in einen 'primitiven Positivismus'.

Anonym 29. November 2009 um 18:00  

Ich möchte die Diskussion abschließen. Man kann sonst sicher endlos weiter diskutieren.

Ich will mich jetzt auch nicht weiter damit entschuldigen, das ich kein ... bin usw.

Die 3 Personen haben einiges auf dem Kerbholz und sind sicher zurecht ins Visier genommen worden.

Ich will meinen Ansichten zu den Dreien, auch weder etwas hinzufügen noch zurücknehmen
Ich will mich auch nicht damit entschuldigen, das ich kein ... bin usw.

Ich denke es gibt mit der Integrationsfähigkeit und -willigkeit Probleme.

Wer unter Google

"Fakt Magazin Integration Türken" eingibt wird auf YouTube fündig und kann sich ja sein eigenes Urteil bilden.

Anonym 29. November 2009 um 18:58  

"[...]"Fakt Magazin Integration Türken" eingibt wird auf YouTube fündig und kann sich ja sein eigenes Urteil bilden.[...]"

Schade, aber dein Hinweis auf eine islamfeindliche Seite spricht dennoch Bände.

Ich hätte einen Buchtipp für dich:

"Feindbild Moslem" von Kay Sokolowsky.

Mehr dazu auch hier:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31419/1.html

Überschrift "Der Hass auf Muslims hat sich in Deutschland wie eine Epidemie breitgemacht"

Übrigens Kay Sokolowsky schreibt auch von den Parallelen zwischen dem Feindbild gegen den Islam, und dem Feindbild gegen Juden - Wolfgang Benz, Antisemitismusforscher, sieht dies im Buch auch so - Der Antisemitismus und die Islamophobie sind Brüder im Geiste.

Nicht erst seit dem 11. September 2001, der den Moslems kein guter Tag war, wie ich damals schon ahnte, da die Attentäter den Gegnern des Islam in die Hände gespielt haben, die jeglichen Moslem als Terroristen sehen wollen.

Ich schließe die Diskussion auch ab, und verweise noch einmal auf das von mir erwähnte Buch "Feindbild Moslem" - Rotbuch Verlag.

Mfg
Ein Atheist

Anonym 30. November 2009 um 15:15  

"[...]Da empfehle ich dir aber dringendst eine Weiterbildung - mit seriöser Sachbuch-Literatur - zum Thema Faschismus.[...]"

Ich vermute einmal stark, dass die Empfehlung nicht befolgt wird, denn - nach heutigem Überlegen - Menschen, die den Faschismus mit dem Tod Hitlers als erledigt sehen sind sehr oft Anhänger des heutigen Rechtsextremismus von NPD,DVU & Konsorten.

Der heutige Rechtsextremismus/Neofaschismus ist -nach deren Ansicht - auch kein Faschismus, sondern eher eine Art "nationaler Sozialismus". Stimmt's? Hier werden Parallelen zu Marktradikalen mehr als offensichtlich, die schon immer behaupten wollten, dass die Nazis keine Faschisten waren, sondern "nationale Sozialisten".

Ergo sind die Verfassungsschutzleute in der NPD von CDU/CSU/FDP genau zu diesem Zweck, und der Ablenkung vom immer mehr um sich greifenden Alltagsrassismus vieler Deutscher, installiert worden - bei Deutschlands Rechtsextremisten bzw. Neofaschisten von NPD/DVU/REPS & Co.

Fazit:

Neoliberale sind die echten Faschisten, wie auch der Fall Honduras beweist, wo die marktradikale FDP alle verfassungsmäßigen Hüllen fallen läßt, und ihr wahres - demokratiefeindliches und rechtsextemistisches - Geschicht zeigt. Frei nach dem Motto: Honduras bzw. Lateinamerika ist weit weg, und da fällt schon keinem in Deutschland auf, dass wir immer nur von "Freiheit" und "Demokratie" reden, aber wo es notwendig ist eben beides verraten, und gemeinsame Sache mit Neo-Faschisten und Rechtsextremisten machen.

Heinzi 30. November 2009 um 15:34  

@ Amelia 26. November 2009 17:34

Ich lese mit erschrecken Ihre Sichtweise der Dinge und vermute hinter ihren zwar erkannten Schuldgefühlen Ihren Eltern gegenüber ein Überbleibsel rudimentärer traditioneller Rollenerwartungen an ein Kind, das immer dankbar zu sein hat.
Ich möchte Ihnen empfehlen sich die Literatur von Alice Miller und Arno Gruen zu lesen und aus ihren Ausführungen zu lernen. Als Grundlage für die Betrachtung empfehle ich Fritz Riemann. Es verhilft zu einem tieferen Verständniss warum Menschen sind wie sie sind und dies hilft auch Kindern ihre Eltern als das zu sehen was sie in fast allen Fällen waren: Gut und Schlecht. Es hilft auch sich zu befreien von der Alltagslast indoktrinierter Forderungen an das Kind in uns und insbesondere Alice Miller spricht auch Mut zu sich aufzulehnen wenn Eltern als Autoritätspersonen sich aus egoistischen Motiven heraus dem eigenen Kinde gegenüber ungerecht verhalten.
Amelia, ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Dominik Hennig 6. März 2010 um 17:21  

Frage mich langsam, ob große Teile der Liberalen (einschließlich der von mir geschätzten) hier nicht alle völlig in die Irre gehen, wenn da dieser Soupcon plötzlich westerwellisch Oberwasser in unserem Diskurs bekommt! Um einmal mehr Stefan Blankertz zu zitieren:

“Es ist naheliegend, daß Menschen, denen die staatlichen Interventionen in die Wirtschaft die Möglichkeit zur Arbeit genommen haben, auf Unterstützung angewiesen sind. Sie könnten sich selbst erhalten, wenn man sie nur ließe. Sie sollten für die Unterstützung, die sie erhalten, alles andere als dankbar sein. Sie sollten erzürnt sein. Aber was bleibt ihnen übrig? Sie nehmen die Unterstützung und ballen die Faust in der Tasche. Nun verkündet der schlaue konservative Politiker, es handle sich doch um arbeitsfähige Menschen, denen darum keine Unterstützung zukomme. Die Unterstützung wird gestrichen, die wirtschaftlichen Möglichkeiten verbessern sich jedoch nicht. Was soll ein Mensch in einer solchen Situation anderes tun, als Vertreter des Wohlfahrtsstaates zu wählen?” – Stefan Blankertz

Und meinen Freund Christian:

“es ist völlig absurd. hartz 4 ist das kleinste problem das deutschland hat. solange der arbeitsmarkt nicht frei ist, soll man den menschen ihr hartz 4 doch lassen. was für ein scheiss system nimmt den menschen die möglichkeit zu arbeiten und drangsaliert sie dann wegen der mickerigen ersatzleistungen?”

Und um abschließend noch Julika Hartmann von freilich.ch zu zitieren:

“Reiche werden bespitzelt, Arme in Arbeitslager geschickt. Sind nur zwei Seiten einer Medaille. Und dass die jeweils eine Seite die Drangsalierung der anderen ok findet und verteidigt, ist halt einfach nur slave on slave brutality ohne die das System zusammenbrechen würde.”

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