Wer die Schuldigen nicht benennt, macht sich mitschuldig...

Mittwoch, 21. Januar 2009

Andrea Ypsilanti ist schuld, das heißt, sie ist gerade dabei sich schuldig zu machen. Bisher konnte man ihr bei objektiver Betrachtung keine Schuld zuweisen, bestenfalls taktische Schwächen nachsagen - jetzt aber, im Moment der Schmach, mit der man sie bedeckt, da beginnt sie sich in Schuld zu verstricken. Sie beginnt damit, weil sie nicht beginnt - nämlich mit der Gegenwehr, mit dem Gegenangriff, weil sie nicht auf den Tisch haut, obwohl sie weniger denn je zu verlieren hätte. Stattdessen schweigt sie, verkriecht sich, nimmt - so scheint es - die zugeteilte Schuld auf sich und hofft auf das große Vergessen. Vielleicht ist es überheblich, einem Menschen, der so dem öffentlichen Druck ausgesetzt und auch erlegen ist, eine solche Kampfeshaltung abzufordern, aber schon Sun Tse wußte, dass ein Soldat, dem der Fluchtweg versperrt ist, mit größerem Elan ins Gefecht zieht, mit dem Mut der Verzweiflung, mit dem dumpfen Empfinden, sowieso alles verloren zu haben. Zwar ist ihre Passivität verständlich, aber nun, da man ihr den letzten Fluchtweg versperrt hat, da sogar ihr Sitz im Landtag Geschichte sein soll, wäre der Moment der Abrechnung gekommen - der Wahrheit willen, der Selbstachtung willen und um sich nicht des Schweigens schuldig zu machen.

Sie sollte mit gesundem Selbstvertrauen dazu stehen, dass nicht sie es war, die die SPD ruiniert hat, in eine existenzielle Krise geführt, dass nicht sie diejenige ist, die ein siegreiches Flaggschiff in den Schiffsfriedhof manövriert hat, sondern dass andere, schon Jahre bevor der Name Ypsilanti überhaupt in der gesamten Bundesrepublik bekannt war, es langsam aber sicher - meist sogar schnell und noch sicherer - auf eine Havarie zugesteuert haben. Und dabei ist kein vages Herumdeuteln gefragt, sondern handfeste Aussagen, die sie der Öffentlichkeit schonungslos mitteilen muß; Namen sollen genannt, Fehler aufgezeigt, der Verrat benannt werden.

Da müßte an erster Stelle Schröder genannt werden, der seine reformerischen Wahnvorstellungen am Volk gesundtherapieren durfte, der mit der Agenda 2010 eine Abkehr von der Sozialdemokratie vollzog, und schlimmer noch: eine Abkehr von einer Gesellschaftsform, die auch Schlechtergestellte teilhaben läßt und sie nicht ausschließt; sie müßte die rhetorische Frage in den Raum werfen, warum unter der Regierung Schröder Kommissionen Reformen erarbeiteten, warum Wirtschaftspersönlichkeiten Reformen vordiktierten, obwohl eine solche Arbeit die Aufgabe der Volksvertreter wäre; sie dürfte sich nicht scheuen darzulegen, dass Schröder der Totengräber der Sozialdemokratie war, der den Parteipatriarchen heraushängen ließ, der innerhalb der SPD eine Abnick-Mentalität heranzüchtete, indem er ständig mit Rücktritt drohte und Basta-Politik betrieb.

Und dann wären da natürlich all die Gesellen, die Schröder in seiner Amtszeit duldete, die sich unter seiner Ägide medial austoben durften. Da ist der Karrierist Schily, der in jedem Bundesbürger einen Terroristen erblickte, der biometrische Pässe forderte, damit sein Arbeitgeber sich eine goldene Nase verdient; Schily, der jeden Bürger aushorchen lassen wollte, der aber seine Nebenverdienste als sein persönlichstes Heiligtum verschlossen hält. Oder Steinbrück, der das SPD-Bundesland Nordrhein-Westfalen an Rüttgers verlor, sich aber dennoch als großen Messias am sozialdemokratischen Himmel feiern läßt; Steinbrück, der ernsthaft glaubt, dass sich Politik nur um sogenannte Leistungsträger kümmern muß, während die Nutzlosen sehen sollen wo sie bleiben. Dann war dann noch der vorbildliche Sozialdemokrat Clement, der gegen Arbeitslose wetterte, der in seinem Ministerium einen Jargon benutzen ließ, wie man ihn zuletzt unter Goebbels sprach; der knallharten Lobbyismus ausleben durfte, während er sich als unabhängiger Vertreter seiner Partei vorstellte. All jene müßte Ypsilanti nennen - mit Namen, mit dem Vergehen, mit konkreter Darlegung ihrer Bestatterarbeit.

Vergessen dürfte sie viele andere nicht: die vier Stauffenbergs, die im Namen ihrer Wähler dafür sorgten, dass deren Willen, nämlich eine sozialdemokratisch geführte Regierung in Hessen, unmöglich gemacht wurde; Müntefering und Beck, die ständig mit mahnenden Zeigefinger gen Hessen deuteten, um der hessischen SPD-Vorsitzenden von einst die LINKE auszutreiben, anstatt sie zu stärken, eine Regierung auf die Beine zu stellen; gerade dieser Müntefering, der sich vor einigen Jahren entrüstete, weil man seine Partei an Wahlversprechen aus dem Wahlkampf messe, was ja unfair sei. Überhaupt die halbe Hessen-SPD, die am Wahlabend auftrat und glaubte, sie könne ihr hundsmiserables Abschneiden einfach Andrea Ypsilanti in die Schuhe schieben.

Was an Aufzählung noch fehlt, was vielleicht des Guten zu viel wäre, das wären all die kleinen und größeren Wadenbeißer marktgläubiger Prägung, die ihr menschenverachtendes Weltbild in die Lande tragen. Die ganze Sarrazins, Dohnanyis, Steinmeiers, Strucks, Gabriels, Eichels. Man müßte sie wenigstens erwähnen, damit man auch deren Anteil am Niedergang erfassen kann. Auch sie haben ja munter dazu beigetragen, aus der SPD eine form- und inhaltslose Hülle zu machen, eine Partei, die noch weniger politisches Format herausgearbeitet hat, als ein Herrengesangsverein; inhaltslos zwar, aber ideologisch versaut, vollgestopft mit den Schlagwörtern und Parolen neoliberaler Sektierer, aber weiter von den Wurzeln ihres Daseins entfernt, denn je.

Jetzt wäre (noch) der Moment, sich all das und viel, viel mehr von der Seele zu reden, noch hören die Medien hin, wenn Ypsilanti etwas sagt. Freilich, man wird sie auslachen und verspotten, aber mancher wird sich vielleicht fragen, ob sie nicht Wahres spricht, diese Wortbrecherin aus Hessen, ob vielleicht gar nicht sie das Wort gebrochen hat, sondern die führenden Köpfe der Partei, weil sie seit Jahren Wortbrüche an der eigenen Klientel vollbringen. Jetzt sollte sie, ach was, jetzt muß sie es wagen - Spott muß sie sowieso schon ertragen, aber mit einem Gegenangriff, den ihr manche Tageszeitung sicherlich in aller Ausführlichkeit gewähren würde, könnte sie Respekt zurückgewinnen, könnte sie tief verkrustete Wunden aufbrechen, die auch aufgerissen werden müssen, sofern sich diese Partei erhalten will. Passiert das nicht, wird die LINKE früher oder später die neue Sozialdemokratie dieses Landes sein - daran führt kein Weg vorbei. Wenn sie jetzt schweigt, wenn sie nicht zurückbeißt und schonungslos anspricht, was die SPD zum Todeskandidaten hat werden lassen, dann macht sie sich, ob sie will oder nicht, mitschuldig - dann hat sie den Kompagneros das Feld auch noch kampflos überlassen.

27 Kommentare:

Geschreibsel 21. Januar 2009 um 02:11  

Moin! Dein Artikel ist ein gelungener Abgesang auf "die deutsche Sozialdemokratie" (SPD), aber ich verstehe irgendwie so überhaupt nicht, was die eine Frau (Ypsilanti) da jetzt im speziellen mit zu tun hat und warum grade sie in der Verantwortung sein soll, den SPD-Bonzen den ganzen Dreck vor die Füße zu werfen (aka die Meinung zu sagen).

Sie ist doch nur ein Bauernopfer, ein machtpolitischer Spielball. Die Frau tut mir ehrlich gesagt seit einem Jahr unheimlich leid. Sie hat ihre Ruhe verdient.

Anonym 21. Januar 2009 um 07:09  

Lieber Roberto,

wieder ein mal sehe ich meine Gedanken in eine sehr gute Form gebracht. Genau so empfinde ich es auch und sie geben mir mit Ihrem Beitrag wieder einmal mehr die Möglichkeit in Diskusionen meinen Standpunkt zu vertreten. Vielen herzlichen Dank dafür.

Vielleicht sollte man Andrea Ypsilanti diesen Beitrag zu kommen lassen, denn möglicherweise möchte sie sich ja wehren und traut sich nur nicht, weil sie den Vorwurf des Nestbeschmutzerin fürchtet. Sie denkt vielleicht auch nicht daran, dass sie viele noch zögernde Streiter animieren könnte den Kampf gegen die Ungerechtigkeiten in unserem Lande aufzunehmen.

Liebe Grüße
Margitta Lamers

Anonym 21. Januar 2009 um 07:25  

Lieber Roberto J de Lapuente,

danke für den guten Text.

Was mich immer wieder wundert ist die Nibelungentreue, die manche der SPD halten, obwohl die sich spätestens seit dem Wiederantritt der "alten Garde" um Müntefering selbst abgeschafft hat. Was ist die Motivation z.B. von Ypsilanti, Albrecht Müller (Macher von Nachdenkseiten und Buchautor), Ottmar Schreiner und vielen anderen in der schröderianischen SPD zu bleiben? Hoffen die immer noch auf eine Rückkehr zu alten Werten?

Also ich persönlich hatte einmal vor in die SPD einzutreten, habe aber, kaum, dass Schröder die Hetze gegen Arbeitslose, die man eigentlich so nur von den konservativen Parteien Deutschlands, und gewissen rechtsextremen Parteien von REPS bis NPD kennt sowie aus dem Geschichtsunterricht über die Nazis, meine Eintrittserklärung im Ofen verbrannt.

Lange Zeit war ich von der Politik maßlos enttäuscht - !Nichtwähler!.

Bis die Linkspartei kam, der ich - gerade weil in Berlin die LINKE mit Wowereit eine neoliberale Gruppierung in der Regierung hat - auch skeptisch gegenüberstehe, die ich aber dennoch unterstütze, weil die Linkspartei in Berlin wohl einen Ausrutscher darstellt, der sich mit der Zeit von selbst erledigt.

Wir benötigen, gerade bei der Befürchtung einer drohenden Weltwirtschaftskrise II, keine neue neoliberale Partei, die das Nichtwähler-Phänomen ins Unendliche abdriften läßt, sondern, wenn schon keine sozialistische, so doch eine sozialdemokratische Partei, die ausspricht, was viele in Deutschland über die Zockermentalität sowie die Schattenregierung von Deutschlands Banken und Versicherungen über den Lobbyismus im Bundestag denken:

Deutschland ist derzeit keine Demokratie mehr (Zitat: Peter Sodann), aber dass kann man ja wieder ändern....

Was vielleicht der Grund ist, dass unsere "Eliten" derzeit so nervös sind?

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

ben 21. Januar 2009 um 07:46  

Wenn ich in meinem Bekanntenkreis sehe, wie diese Dame verurteilt wird und der zum Teil aktuell FDP gewählt hat, bekommt die Mainstream-Berichterstattung wohl auch noch mehrheitlich Zustimmung.
Das Land muss wohl erst wirklich ganz am Boden liegen, bevor die Leute merken, wer es zu Grunde gerichtet hat.

Ich verstehe allerdings auch nicht, wie Ypsilanti abtaucht und sich permanent ohne Gegenwehr diffamieren lässt. Durch mein Gerechtigkeitsempfinden bin ich aber auch wohl für politisches Denken völlig ungeeignet, da es ja immer nur darum geht, Meinungs-Schnittmengen auszuloten und die Meinung von gestern als völlig dämlich anzusehen....

Anonym 21. Januar 2009 um 08:18  

Eine sehr interessante Frage, die du da aufwirfst. Die Frau hat politisch sowieso nichts mehr zu verlieren, taugt höchstens noch zum Gespöttobjekt bei Kerner und Co.Der Müntebla hat sie ja nach der Wahl getröstet und sie lässt sich anscheinend wieder brav in den SPD-Stall zurückführen. Kein Wiederwort ist zu vernehmen. Vllt. lässt sie sich, der Karriere wegen, so lange zureiten, bis sie zu 100% auf Seeheimerlinie trabt und damit "regierungsfähig" wird. Die folgenden Wochen sollte man als Zeitfenster für Ypsilanti sehen. Entweder ist sie eine gesinnungslose Karrieristin oder eine Politikerin mit Format. Es wäre wirklich schlimm , wenn die Mainstreampresse Recht behalten würde in der Einschätzung, dass Ypsilanti einfach nur machtgeil ist. Alleine Ypsilanti wird diese Frage, durch ihre Handlungen (Worte sind in diesen Kreisen nichts wert), beantworten können.

Roberto J. De Lapuente 21. Januar 2009 um 08:25  

Ich muß an dieser Stell den Befürwortern meiner Gedanken Dank aussprechen. War ich mir doch so gar nicht sicher, ob ich da etwas von Ypsilanti verlange, was vollkommen utopisch in dieser Situation ist. Freilich, ein Zeitfenster muß man ihr zugestehen, aber dann muß Klartext gesprochen werden, auch auf die Gefahr hin, wieder einmal von BILD und Konsorten zerrissen zu werden - aber das wird sie ja sowieso. Wenn sie in der SPD bleibt, und das wird sie und soll sie auch (jeder muß selbst wissen, was er in solchen Fragen tut), dann hat sie die Rolle der Opposition einzunehmen, wenn sie sich einreiht, wenn sie zum Abklatsch der ach so linken Nahles wird, dann hat die BILD recht gehabt und es kann des Spottes nicht genug sein.

Kurt aka Roger Beathacker 21. Januar 2009 um 08:50  

"eine Abkehr von einer Gesellschaftsform, die auch Schlechtergestellte teilhaben läßt

Ich weiss gar nicht, was daran verkehrt sein soll - jedenfalls nicht, wenn man es ueber den Weg der Aufhebung des "schlechter gestellt seins" inszenieren wuerde ..

:-D

Wo es keine Schlechtergestellten [mehr] gibt, da braucht man auch keine Gesellschaftsform [mehr], in der den "Bessergestellten" Almosen fuer jene abgenoetigt werden, die "schlechter gestellt sind, wodurch den Begueterten gerade in der Perpetuierung des Schlechten der Wahn erhalten bleibt, sich neben den Guetern auch die "Guete" noch zurechnen zu duerfen.

Anonym 21. Januar 2009 um 09:12  

"ach so linken Nahles", haha. Da hast du wieder mal ins Schwarze getroffen. Habe diese Meinung überall kundgetan und musste mich belehren lassen, dass Nahles doch die einzige "linke" Politikerin in der SPD-Spitze ist. Nach dem überragenden Artikel zum "Geschichtsdiskurs" ,dem heutigen tollen Artikel (den ich um 08:18 kommentiert habe), wandert dein Blog in meine Favoriten.

Migrant

Anonym 21. Januar 2009 um 09:31  

Bitte kein Mitleid mit der SPD.

Diese widerwärtige neoliberale Agendapartei, die seit den Neunzigern ihre Wurzeln ignoriert, sich auf Kosten der verarmten Masse profiliert und sich selbst jetzt noch dem Kapital auf kriecherische Art anbiedert und von diesem profitiert, verdient eine Implosion galaktischen Ausmasses.

Tschüss Stiefellecker-Partei.

Anonym 21. Januar 2009 um 10:21  

Da gibt es doch wohl ein Problem:Yps hat doch von Anfang an die Wahrheit gesagt,Wahlinhalte gehen vor Koalitionsaussagen und dergleichen.

Man wird ihr keine Plattform bieten,sich erneut zu erklären.Der Hass der ihr entgegenschlägt ist unerträglich.Und wie sagt der widerwärtige Thevesen vom ZDF:Wer einmal lügt,dem glaubt man nicht.
Nein,stellt sie sich der Aufarbeitung,wird es für sie nur noch schlimmer,bis der Parteiausschluß vollzogen wird.

Aber ich halte jede Wette,daß sie nicht zu einer Seeheimerin wird.

Anonym 21. Januar 2009 um 11:00  

"[...]Man wird ihr keine Plattform bieten,sich erneut zu erklären.Der Hass der ihr entgegenschlägt ist unerträglich.Und wie sagt der widerwärtige Thevesen vom ZDF:Wer einmal lügt,dem glaubt man nicht.[...]"

Dem guten Thevesen vom ZDF sollte man einmal mitteilen, dass diese Meinung für alle anderen Parteien -evtl. momentan noch: außer der Linkspartei - ganz genauso gilt.

Mit solchen Sätzen fördert er nur die "größte Partei" in Deutschland, die die Hessen-Wahl eindeutig gewonnen hat:

!Die der Nichtwähler!

Glaubt man nicht?

Na denn auf zur Satire-Sendung "Neues in der Anstalt":

Überschrift hier: "Urban Priol zu Hessen: “Der Wortbruch ist Bestandteil der Politik”" - Quelle und mehr dazu:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3709#more-3709

Ganz ohne "Neues in der Anstalt" - dieses Phänomen hatte dank George W. Bush ja sogar international Geltung, und ist sicher der Grund das viele beim neuen US-Präsidenten erst einmal abwarten....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 21. Januar 2009 um 12:20  

Frau Ypsilanti hat viel geleistet. Sie ist aus meiner Sicht eine tragische Figur. Sie hatte sich einiges vorgenommen und ist gescheitert - worden(!).

Aber: Ypsilanti RIP ?

Hoffentlich nicht! Denn mit Wieder-Auferstehung hab' ich's nich' so.

Ich hoffe viel mehr, daß sie eine politische Heimat findet, in der sie - gerne auch zusammen mit Scheer - ihre Politik verwirklichen kann.

Um noch mal auf den Kern des Artikels zu kommen: ja es wäre schön, wenn sie Roß und Reiter genannt hätte. Aber das von ihr einzufordern geht zu weit.

Wer in der SPD hat schon das Rückgrat das zu tun? Das wäre (vermutlich) auch die/der, die/der die SPD aus der Krise, hin zur Mehrheit führen könnte. Wie die Geschichte gezeigt hat: wer eine soziale und demokratische Politik machen will wird in die Zange genommen und abserviert. Beispiel gefällig? Man denke nur mal an Willy Brandt, Helmut Schmidt und Herbert Wehner. Oder Oskar Lafontaine - den "gefährlichsten Mann Europas".

Schönen Gruß von einem sozialen Demokraten

flatter 21. Januar 2009 um 12:25  

"Die vier Stauffenbergs" trifft den Nagel auf den kopf. Als ich den Trailer zu dem lächerlichen Streifen mit Tom Cruise sah, mußte ich auch spontan an den Shcwachsinn denken, den die Presse über die vier Seeheimer geschrieben hat. Dasselbe falsche Pathos.
Ich weiß nicht, wie es Ypsilanti geht, aber ich erfahre gerade in einer gaz anderen Sache, daß man müde wird, wenn man einsieht, das ein Kampf nicht zu gewinnen ist. Vielleicht kommt sie wieder, nachdem sie ihre Knochen gezählt hat.

Anonym 21. Januar 2009 um 12:49  

Hervorragend!
Allerdings, warum erst jetzt?
Und warum soll nur Frau Ypsilanti Ross und Reiter nennen?

Wo bleiben ihre Mitstreiter, Scheer und Genossen?

Irgendwo habe ich gelesen: ... und Scheer sich genervt zurückzog ..."

Ja, genau das ist es. Die Typen haben A. Ypsilanti nur benutzt und hofften insgeheim auf Posten, statt sie mit aller Ernsthaftigkeit zu unterstützen.

Wo sind sie denn, die sogenannten Linken in der SPD?
Zu Duckmäusern sind sie geworden unter dem Seeheimer-Kreis und den anderen (Schein)Genossen.

Diese Partei hat sich unter Schröder zum Helfershelfer der sogenannten "Bürgerlichen" degradiert.

Und das Schlimme, sie machen weiter! Das, was da noch an "Genossen" in der SPD rumdümpelt sind Gevatter. Kumpanen, einig im Geist der Zerstörung.

Ich wette, die führenden Typen (Steinmeier, Münte und Co.) sind mit nichts anderem beschäftigt, als sich anzubiedern, um irgendwo in der noch existierenden Wirtschaft (geht natürlich auch irgendeine Stiftung oder so ein Pseudo-Institut) einen lukrativen Posten zu sichern.

Diese Menschen sind ohne Gewissen.

Wieso soll dann ausgerechnet eine Frau wie Andrea Ypsilanti die Heilige Johanna spielen?

Außerdem, man sollte die Wähler nicht unterschätzen - die haben sehr wohl gemerkt, wer hier die "falsche" Seite bedient.

Mainstreampresse und andere Medien (siehe ZDF und ARD, von den Privaten braucht man ohnehin nicht zu sprechen), sie alle haben keine Inhalte mehr. Man braucht sich nur die tagelangen Aufzeichungen von Obamas Inthronisation anzuschauen.

Sie können es nicht begreifen - Gottlob, kann ich da nur sagen - denn so werden sie es gar nicht merken wie ihr Zug abfährt.

Ich bin jedenfalls dazu übergegangen, für DIE LINKE und für Sahra Wagenknecht meine eigene PR zu machen.

Denn nur mit ganz einfachen Sprüchen wird sich das schon bei den Leuten einprägen:

Sie kann es - Sie ist die Beste!

epikur 21. Januar 2009 um 13:49  

Tja, die Nibelungentreue zur SPD ist sehr anstregend. Und da gibt es leider so einige, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass es für die SPD kein zurück mehr geben wird. Angefangen von Ottmar Schreiner bis hin zum guten Albrecht Müller. Sie alle haben die Hoffnung, dass die SPD zu ihren Wurzeln zurückfinden wird. Ich habe diese Hoffnung nicht.

Reinen Tisch mit dieser Partei zu machen, sie zu verlassen oder reihenweise in die Linke einzutreten würde viel eher helfen die SPD endlich aufzurütteln.

Was Ypsilanti betrifft, finde ich, verlangst Du ein wenig viel von ihr. Was glaubst Du, was passieren würde, wenn Sie gegen die SPD nun aufbegehren würde? Die Medien würden sie als schlechte Verliererin, SPD-Verrräterin und Populistin diffamieren. Die SPD würde sie evtl. aus der Partei schmeißen. Nach einem Jahr Medienhetze hat Frau Ypsilanti vermutlich einfach keine Kraft mehr. Ich denke, das ist doch verständlich, oder?

Ich würde eine ausgiebige öffentliche Debatte über die Rolle der Medien insbesondere was Frau Ypsilanti betraf, bevorzugen. Denn die stehen m.E. wirklich in der Verantwortung.

UK 21. Januar 2009 um 14:58  

Hallo,
kann mir jemand einen Link nennen, bei dem die tatsächliche (sprich: wörtliche) Wahlkampfaussage von Frau Ypsilanti nachzulesen ist. Bei entsprechenden Diskussionen wäre es hilfreich den Wortlaut ihrer Argumentation zu kennen.
Eine weitere Frage: Ist den (laut Parteiengesetz oder was auch immer) die Wahl zur Ministerpräsidentin mit Zustimmung einiger Linken-Abegeordneten gleichbedeutend mit dem Zustandekommen einer Koalition mit dieser Partei? Falls jemand sich damit auskennt - ich wäre dankbar für Aufklärung.
Einen schönen Tag noch
UK

Anonym 21. Januar 2009 um 15:27  

Zunächst mal ein paar Sätze zu den Ursachen der Kampagne gegen Frau Ypsilanti: Es musste aus Sicht der Konservativen innerhalb und ausserhalb der SPD - mit allen Mitteln - verhindert werden, das in den "alten" Bundesländern eine Zusammenarbeit mit der "Linken" stattfindet. Denn dies hätte strategisch gesehen mittelfristig die Möglichkeit eröffnet, eine andere Politik zu machen. Eine Politik nicht nur jenseits der CDU, sondern jenseits des neoliberalen Mainstream.
Und das nicht nur in Hessen. Was exakt das ist, was nach Meinung der Entscheidungsträger von den Seeheimern bis hin zu rechtskonservativen Kreisen unbedingt verhindert werden musste.
Entsprechend breit war die Kampagne gestreut, es "schossen" ja nicht nur die Springerschen Revolverblätter (auch wenn das Zentralorgan des moralischen Analphabetismus sich mal wieder an der "Spitze der Bewegung" befand). Das diese Kampagne - zumindest in Teilen - ehrabschneidenden und diffamierenden Charakter hatte, dürfte wohl unstrittig sein.

Was die Reaktionen von Frau Y. angeht: Es ist doch vollkommen egal , ob sie reagiert oder nicht. Die Fakten sind in diesem Fall schlicht völlig irrelevant. Der Vorgänger von Frau Y. als hessischer Spitzenkandidat hat in einem Interview auf HR3 gesagt, das er seit dem Freitag vor dem Parteitag mit den "Abweichlern" in Kontakt stand. Was schlicht und ergreifend die Version der 4 Lügen straft. Und? Stört das irgend jemand bei den Mainstream-Medien? Diese Meldung schaffte es AFAIK allein auf eine der hinteren Seiten der FR, ansonsten Fehlanzeige.
Das Verhalten der "anständigen" Frau Metzger ist ebenfalls dokumentiert. Sie erhielt die Ergebnisse der konstituierenden Fraktionssitzung der SPD am gleichen Tage an ihrem Urlaubsort. Und wie lange brachte sie um (zusammen mit ihrem Schwiegervater und Herrn Walter !) ihr Gewissen zu entdecken?

Kaboom
(http://kaboom.myblog.de/)

Arbo Moosberg 21. Januar 2009 um 15:56  

Der Artikel ist wirklich interessant und enthält einige Punkte, die auch meinen Gedanken entsprechend. Nebenbei bemerkt: Auch manch Anmerkung(en) der KommentatorInnEn hier.

Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob es womöglich doch zu viel verlangt ist, was Du, lieber Roberto, verlangst. "Flatter" hat weiter oben schon darauf hingewiesen, dass mensch auch müde werden kann. Schau Dir diese elende Kampagne an. Meine Güte, sie war zwei mal bei Beckmann und hat sich verbal die Fresse polieren lassen (03.03.2008 und 06.10.2008).

Per Mediathek habe ich übrigens nochmal die letzte Sendung dieses medialen Fäkalienbeckens angeschaut und durfte wieder erleben, wie dort nach unten getreten wurde. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass jemand irgendwann den Kanal schlicht und ergreifend voll hat. Warum soll sich Yps nochmal vor die Kamera stellen? Sich nochmal runterputzen lassen? Vor allem von solchen SchmalspurjournalistInnEn?

Ich kann's jedenfalls nachvollziehen, auch wenn ich - und da stimme ich Deinem Ansinnen zu - es selbst gerne sähe, dass sie "abrechnet".

Was mich persönlich an dieser Situation ärgert, ist, dass sie das Gefühl verstärkt, solche Flachpfeifen und Lügenbolde wie Kotz-Koch kommen immer durch - flankiert durch eine doch ziemlich "engagierte" Presse. Garniert durch das emsige Schönreden schlechter Ergebnisse, das wirkt wie DDR-light. "Lieben" tun sie (die Mainstream-Politiker) uns doch alle ...

Es ist zum Teil wirklich frustrierend!

Arbo

Anonym 21. Januar 2009 um 19:05  

Auch wenn ich eigentlich befürworte, dass Ypsilanti weiterkämpfen sollte, gerade jetzt!, muss ich ehrlich sagen, dass ihre Chancen, gehört zu werden, gleich null sind.

Die Medien würden ihr jede Aussage im Munde verdrehen. Selbst wenn sie Gehör finden würde, würde man nicht hören, was sie sagt.
Tatsache.

Die Parteirechten würden noch einige Nägel in ihren Sarg und in die schon demolierte Parteilinke schlagen.

Zum Schluss würde Ypsilanti dann, wie schon ein Vorposter schrieb, als Populistin verschrieen werden und kann ihre politische Karriere beenden bzw. sich in Lafontaine-2 umbenennen lassen.

Ich vermute auch, dass Ypsilanti jetzt eine Weile ruhig bleiben wird und sich dann weiter engagiert, wo und wie kann ich mir noch nicht vorstellen, aber ich glaube nicht, dass sie vollkommen aufgibt.

Die Schlacht ist zwar verloren, aber der Krieg noch nicht zuende.

Jeder, der behauptet, dies anders zu sehen und noch nicht ausgewandert ist, ist entweder ein Heuchler oder ein lethargischer Pessimist.

Anonym 21. Januar 2009 um 21:04  

Ehrlich gesagt, nach dem brutalen Vertrauensbruch durch Schroeder & Co., glaub ich der SPD nichts mehr. Die Parteibasis hat das damals mitgetragen und trägt es heute noch mit. Bei denen ist keinerlei Einsicht erkennbar.

Und was wäre das für ein eigenartiger Zustand gewesen, wenn sich Frau Ypsilanti behauptet hätte. Die Bundes-SPD zieht in die eine Richtigung und die Landes-SPD in eine ganz andere Richtigung. Das hätte wahrscheinlich nur zu lauen Kompromissen geführt, die dem Bürger nicht gedient hätten.

Doch werfen wir einen Blick in die "gute alte Zeit":

---

Kurt Tucholsky über die SPD

" Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt.

Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels
oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas -:

vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören:
zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter
einem ehemals guten Namen."

(Kurt Tucholsky)

...und ihr kapiert immer noch nicht und wählt die bzw. ihre schwarz-gelben Bruderparteien - stimmt's ?

---

Das ganze erinnert mich an "Dinner for one - the same procedure every year".

G. G.

Anonym 21. Januar 2009 um 21:27  

Noch ein Nachschlag in Sachen SPD:

SPD mag Demokratie auch nicht: Kleine Parteien sollen im Bundesrat entmachtet werden

Prost Mahlzeit

Anonym 21. Januar 2009 um 22:09  

Danke. Ein geistreicher Beitrag.

Anonym 22. Januar 2009 um 09:07  

"[...]Ehrlich gesagt, nach dem brutalen Vertrauensbruch durch Schroeder & Co., glaub ich der SPD nichts mehr. Die Parteibasis hat das damals mitgetragen und trägt es heute noch mit. Bei denen ist keinerlei Einsicht erkennbar.[...]"

Geht mir genauso - mit allen Parteien - sogar der Linkspartei. Mein Motto seither: "An ihren Taten sollt ihr sie messen, nicht an ihren Worten."

Ich denke damit lag ich - leider - was CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNE/LINKE (in der Berliner Stadt"regierung") - bisher noch nicht falsch.

Allesamt neoliberale Parteien, mit Ausnahme der Bundes-Linkspartei, aber seit Berlin bin ich sogar bei denen skeptisch.....

Das Nichtwähler-Phänomen wird wohl riesige Ausmaße annehmen, wenn sich nicht wenigstens die Linkspartei zum alten Sozialstaat Ludwig Erhardts bzw. Willy Brandts bekannt.

Da bin ich mir sicher - leider, um es noch einmal zu erwähnen....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser
(=skeptischer Linksparteiwähler und ehemaliger/(zukünftiger(??) Nicht- bzw. Ungültigwähler.

war2palaces 22. Januar 2009 um 09:19  

@UK, 21. Januar 2009 14:58
Einfach ins Wahlprogramm der SPD-Hessen schauen. (Vorsicht, sehr lang);-)
http://www.spd-hessen.de/.net//html/12915/welcome.html

Dr. Peter Zuzulik 23. Januar 2009 um 15:36  

Qui tacet, consentire videtur. Wer schweigt, scheint zuzustimmen.

Anonym 23. Januar 2009 um 16:35  

Yep, die alte Kaufmannsregel - wie könnte es anders sein: "Schweigen gilt als Zustimmung."

Dr. Urs Friedrich

Anonym 23. Januar 2009 um 20:04  

Erst mal Lob für diese Berichte hier.
Ich habe den Bericht Frau Ypsilanti
zukommen lassen.
Sie allein wird nun die Möglichkeit haben ihn zu lesen oder nicht.
Wenn sie ihn liest wird sie sich bestimmt Gedanken darüber machen.
Diese Entscheidung darüber sollten wir Ihr überlassen.
Und zwar mit Respekt.

Dieter P

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