Masochistischer Bildungsauftrag

Montag, 12. Januar 2009

85 Prozent aller Erwerbstätigen sind mit ihrem Arbeitsplatz unzufrieden - dies besagt eine Umfrage, mit der Volker Kitz und Manuel Tusch ihr "Frustjobkillerbuch" rechtfertigen. Der Inhalt, von beiden Psychologen als bahnbrechende Erkenntnis in den öffentlichen Diskurs geworfen, ist in einigen knappen Sätzen erläutert. Immer mehr Menschen sind unzufrieden mit ihren Berufsleben, glauben sich im falschen Film, wenn sie täglich immer wieder den gleichen Ort betreten müssen, an dem sie zu wenig verdienen und zu wenig Anerkennung zugesprochen bekommen. Aber der daraus entstehende Frust ist nicht die "Leistung" des dortigen Umfeldes - nein, die Schuld trägt der Unzufriedene selbst, schlicht deshalb, weil er unzufrieden ist. Was Kitz und Tusch als wissenschaftlich angehauchtes Populärwerk verkaufen, ist also zunächst nichts anderes, wie die Aufarbeitung eines Phänomens, durch tautologisches Wiederkäuen desselbigen.

Die konkreten Beispiele sind leicht gegeben. Erwartet man als Arbeitnehmer Anerkennung seitens des Vorgesetzten, so sollte man keine zu große Erwartungshaltung an den Tag legen - wer weniger erwartet, wird weniger enttäuscht. Gleichfalls in puncto Gehalt: auch hier sollte man grundsätzlich nicht zu viel erwarten, um nachher nicht mit Enttäuschungen kämpfen zu müssen. Und sollten die unliebsamen und nervigen Kollegen, die mobben und jede Tätigkeit des Gemobbten ganz genau beobachten, einem das Leben erschweren und die Arbeitstage unerträglich machen - die Momente des Privaten ebenso, weil sich erlittenes und durchgemachtes Mobbing nicht an der Stechuhr abschütteln läßt -, dann sollte man in sich kehren und erkennen, dass die Kollegen womöglich unter der gleichen Frustration leiden wie man es selbst tut, weswegen sie so reagieren - Verständnis statt Bekämpfung dieses Mißstandes.

So einfach kann das Arbeitsleben sein. Es liegt nie an den Zuständen, nicht an der Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre, nicht an der immer uniformeren Hierarchie innerhalb der Unternehmen, nicht an dem Druck, den mancher Zeitgenosse nur durch Unterdrückung seiner Kollegen kompensieren kann, zumal ein durch Unterdrückung zu Fehler getriebener Kollege den eigenen Arbeitsplatz ein wenig sichert - es liegt immer an einem selbst. Das "Jobfrustkillerbuch" schwimmt damit auf der Welle der üblichen think positive-Bestseller, die einem erklären wollen, dass die Rätsel aller (Alltags-)Probleme immer in einem selbst vorhanden sind - man muß nur solange an sich herumfeilen, sich verdrehen und winden, sich verleugnen und unliebsamen Zwängen unterwerfen, sich selbst anlügen und es sich selbst schönreden, bis man glaubt, was man eigentlich gar nicht glauben wollte, bis man seinen Frust als Produkt eines fehlgeleiteten Individuums erkennt, nicht mehr als Folge aus den gegebenen Umständen. Wenn man das erst erkannt und umgesetzt hat, dann blüht eine schöne neue Welt - mit positiver Denke wird sie uns zugänglich.

Warum der think positive-Quatsch, aus der Schmiede neoliberalen Eigenverantwortungs-Geschwätzes, hier abgehandelt wird? Wo doch das besagte Buch keine Neuheit auf dem Büchermarkt ist. - Weil Manuel Tusch einen feinen Auftritt im ZDF absolvieren durfte, weil der Diplom-Psychologe im "Mittagsmagazin" saß und erklären durfte, warum es bei vielen Menschen, die mit ihrem Arbeitsplatz unzufrieden sind, falsch läuft. Weil er ein Forum für sein fadenscheiniges Beratungselaborat angeboten bekam. Warum ausgerechnet er? Warum der "Frustjobkiller" dort vorgestellt wurde, obwohl er schon seit Monaten käuflich ist? - Weil es zur Strategie des Einschwörens gehört, zu jeder Tages- und Nachtzeit, mit allen Mitteln, auch mit solchen Hinweisen zu angeblich lesenswerten Büchern, die Menschen auf Linie zu bringen. Sie sollen verinnerlicht bekommen, dass nicht die äußere Welt Verantwortung für ihren Frust trägt, sondern sie selbst es sind, die an sich arbeiten müssen - beseitigt nicht die Zustände, die euch quälen; beseitigt das, was in euch drinnen nicht stimmt! Nicht Lohnzurückhaltung, nicht Abbau von Arbeitnehmerrechten, nicht Sozial- und Demokratieabbau, die ja auch in die Arbeitswelt hineinstrahlen, haben die Unzufriedenheit bewirkt, sondern womöglich irgendein psychischer Defekt, den man sich doch bitte per Ferntherapie, d.h. durch das Lesen solcher Bücher, heilen möchte.

Es gäbe auch heute genug aufklärende Bücher, die diese Gesellschaft ins rechte Licht rücken, die erklären, warum eine total frustrierte Arbeitsmentalität entstand, die die Schuldigen der Misere nennen würden - aber das ZDF bietet so eine Information nicht an, sondern rekrutiert einen Psychologen, der in die Masochismus-Wunde hineinbohrt, der also erklärt, dass man masochistisch genug sein sollte, in sich selbst die Quelle des Mißstandes zu suchen. Das ist der neue Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten...

30 Kommentare:

Anonym 12. Januar 2009 um 16:31  

Ich glaub' es nicht! Schon der Einführungstext lässt mich an schlecht gemachte Satire denken, aber nicht an ein "wissenschaftlich-fundiertes" Sachbuch.

Dabei bin ich immer wieder erstaunt was da so alles gedruckt und verlegt wird.

Auch dieses "Machwerk" wirbt mit einem in die "Irre" führenden Titel.

Allerdings, mich würden die Verkaufszahlen interessieren, so sehr viele Käufer hat das "Teil" sicher noch nicht gefunden.

Wenn die verantwortlichen RedakteurInnen, ob bei ZDF oder dem anderen Staatsfernsehen, auf Derartiges zurückgreifen, ist das eine sehr schwache Leistung.

Wobei ich bei den MacherInnen des Mittagsmagazins durchaus auch wieder dieses "ach so dumme, dumme (und böse) Abgleiten in die PR-Szene vermute. Ein Schelm, der sich nicht dabei denkt: "Nun gucke doch mal an, die wollen für diesen Schinken auch noch zusätzliche Kaufinteressenten gewinnen."

Wo doch gerade in den Öffentlich-Rechtlichen die offene PR außen vor bleiben soll - oder?

Aber, mittlerweile halte ich viele ArbeitnehmerInnen für nicht mehr ganz so doof, dass sie auf so einen Blödsinn hereinfallen.

Ich gebe Ihnen aber Recht, diese Typen müssen es wohl immer wieder probieren.

Sieht man auch an dem wahlblog, den das ZDF jetzt ins Netz gestellt hat. - Nur - so doll scheinen die Zugriffszahlen nicht zu sein (misserable Handhabung inbegriffen) und die Kommentare scheinen von freien Mitarbeitern erstellt zu sein.

Mein Tipp: Wir sollten diese "Hansis" auch nicht überschätzen. Trotzdem finde ich es gut, dass Sie denen auf die Fingerchen klopfen.

Anonym 12. Januar 2009 um 18:00  

Ich zitiere mal diesen Psychologen:

„ Wir wollen Spiel, Spaß und Spannung und obendrein noch Selbstverwirklichung, jede Menge Geld und immer nur nette Leute um uns herum. Das kann kein Job bieten.“

Zitat Ende

Anscheinend hat dieser 33 jährige Jungpsychologe wohl dies alles erreicht wovon er spricht. Er hat wohl diesen Job, der alles bietet. Vor allen Dingen bietet ihm sein Job eine in Zukunft gesicherte Existenz. Psychologische Erkrankungen nehmen immer mehr zu, insbesondere aber nicht aus den Gründen, die er nennt. Ich wünsche diesem Psychologen nicht die Arbeitslosigkeit, nicht staatlich verordnete Zwangsarbeit, in seiner Naivität würde er darin umkommen. Mann und Frau kann immer nur darüber urteilen, was man selbst erlebt hat.

Anonym 12. Januar 2009 um 18:33  

Ahja, wieder 2 Pseudowissenschaftler, die meinen, dass man selber schuld sei aber ja nicht das System und man lieber nur die Symptome kurieren sollte.

Wir sollten vielmehr darüber nachdenken, ob wir dieses System, wo jeder gegen jeden kämpft und auch gemordet wird (ja, ich nenne es Mord, wenn tagtäglich Menschen durch Hunger oder Durst umkommen, obwohl genügend Lebensmittel für jeden verfügbar sind), oder ob wir gemeinsam und friedlich zusammen leben wollen.

Wie komme ich zu der Theorie? Letztendlich bin ich mir meiner Theorie jetzt sicher, da Anfang des Jahres mal wieder eine Mitteilung übers Radio mich ereilte, dass der Krankenstand aufgrund von Depressionen gestiegen sei.
Und ich bin mir sicher, dass es bei sogenannenten "unzivilisierten" Völkern keine oder kaum Depressionen gibt.

klaus baum 12. Januar 2009 um 19:10  

das gehört auch zur neoliberlane strategeie, den leuten einzureden, es läge an ihnen selbst, wenn sie eine stupide arbeit als stupide und eine unsoziales betriebsklima als unsozial empfinden.
die menschen werden solange behämmert, bis sie glauben, ihre richtige wahrnehmung und empfindung wäre falsch.

klaus baum 12. Januar 2009 um 19:14  

und hier noch eine kleine historische erinnerung. das jahr ist etwa 1760 und der jugendliche anton befindet sich bei einem hutmacher der lehre. das zeugnis ist authentisch, es stammt aus jener zeit und ist von K. Ph. Moritz, aus seinem Roman "Anton Reiser":
“(S)o verfloß damals Antons Leben: des Morgens von sechs Uhr an rechnete er bei seiner Arbeit aufs Frühstück, das er immer schon in der Vorstellung schmeckte, und wenn er es erhielt, mit dem gesundesten Appetit verzehrte, den ein Mensch nur haben kann.
Dann ging es wieder frisch an die Arbeit, und die Hoffnung aufs Mittagessen brachte wiederum neues Interesse in die Morgenstunden, wenn die Einförmigkeit der Arbeit zu ermüdend wurde.
Des Abends wurde jahraus, jahrein eine kalte Schale von starkem Biere gegeben. Reiz genug, um die Nachmittagsarbeiten zu versüßen.
Und dann, vom Abendessen an bis zum Schlafengehen, war es der Gedanke an die bald bevorstehende, sehnlich gewünschte Ruhe, der nun über das Unangenehme und Mühsame der Arbeit wieder einen tröstlichen Schimmer verbreitete.
Freilich wußte man, daß den folgenden Tag der Kreislauf des Lebens so von vorn wieder anfing. Aber auch diese zuletzt ermüdende Einförmigkeit im Leben wurde durch die Hoffnung auf den Sonntag wieder auf eine angenehme Art unterbrochen.
Wenn der Reiz des Frühstücks und des Mittags- und Abendessens nicht mehr hinlänglich war, die Lebens- und Arbeitslust zu erhalten, dann zählte man, wie lange es noch bis auf den Sonntag war, wo man einen ganzen Tag von der Arbeit feiern und einmal aus der dunklen Werkstatt vors Tor hinaus in das freie Feld gehen und des Anblicks der freien offenen Natur genießen konnte.
Oh, welche Reize hat der Sonntag für den Handwerksmann, die den höheren Klassen von Menschen unbekannt ist, welche von ihren Geschäften ausruhen können, wenn sie wollen.”

Anonym 12. Januar 2009 um 20:13  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

du hast es voll ins schwarze getroffen, dass "Frustjobkillerbuch" ist ein rein esoterisches Machwerk - Think Positiv, also nicht die positive Grundeinstellung sondern z.B. sich vor den Spiegel zu setzen und tausendmal zu sagen "ich schaff es!" stammt vom Think-Positiv-Autor Napoleon Hill.

Mir ist dies schon längst aufgefallen, und da ich Mitglied der IBKA, des Internationalen Bundes Der Konfessionslosen und Atheisten e.V., bin, dass sich eben auch mit den falschen Heilsversprechungen der Esoteriker beschäftigt ist die Vorgehensweiser der Autoren des "Frustjobkillerbuches" eigentlich ein alter Hut für mich....

Es gibt auch zu diesen Thema ein aufklärerisches Werk:

http://www.denkladen.de/product_info.php/info/p479_Scheich--Positives-Denken-macht-krank.html

...mehr zu Autor und Buch auf der eben erwähnten Homepage....

Danke für den Text, mir ist übrigens auch bei anderen Bewerbungsratgeber-Autoren schon die Tendenz aufgefallen statt seriösen Ratschlägen unseriöse Tipps aus der Eso-Ecke zu geben.....z.B. bei den renommierten Autoren Hesse/Schrader.....

Es scheint nicht alleine an der Durchsetzung einer Ideologie, der neoliberalen, sondern auch rein am Geldmachen mit dem Bewerberschicksal zu liegen, dass immer mehr Tipps (z.B. auch die unseriöse Masche der "neurolinguistischen Programmierung) aus der Esoterik-Ecke ihren Weg in Bücher zum Thema Bewerbungen finden....

Böse Zungen behaupten, dass auch Bewerbungstrainings bei Arbeitsagenturen mittlerweile solch dämliche Tipps nachmachen, aber das halte ich für ein Gerücht....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Die Esoterik-Szene ist übrigens von Anfang an eng mit Sekten wie z.B. Scientology verbandelt, und ich dachte nie, dass unseriöse Ratschläge aus dieser Ecke ihren Weg in eigentlich seriöse Bewerbungs- bzw. Karrieremanagementliteratur findet, aber man lernt nie auch - leider :-(

Anonym 12. Januar 2009 um 21:01  

Jo, genauso ist es. Ich haber versucht bei Amazon eine kritische Anmerkung zu diesem Buch zu verfassen. Es war nicht so sprachlich ausgefeilt, aber inhaltlich traf es den gleichen Tenor. Amazon hat es aber einfach wegzensiert.

Diese Publikation erinnert mich auch an das Superhörbuch von V. Kühn :" Mit den Wolfen geheult" Unterhaltung im dritten Reich...

Nun geht es bei uns richtig los, der Mensch ist selber schuld, ich glaube es wird ein Wunder geschehen, davon geht die Welt nicht unter.....

ben 12. Januar 2009 um 21:54  

Diese ganze Beratergilde, egal auf welchem Gebiet, will halt auch nur Geld verdienen. Und da man die Führungskräfte i.d.R. nicht zum Umdenken bewegen kann, geht man eben auf die "Normalos" los, die im Streben nach einem Job oder darin, einen zu erhalten, zu fast allen Mitteln greifen und anscheinend, falls man den Bewertungen halbwegs trauen kann, auch noch mehrheitlich begeistert sind, dass sie selbst Schuld an Ihrem Zustand sind.
Daran zeigt sich aber gut, dass das Konzept wirkt und dass die TV-Sender nichts beleuchten, sondern nur unkritisch Massen zum Fraß vorwerfen.

Ich stelle mir schon seit Jahren die Frage, wenn die Ansprachen in meinem Betrieb zum vergangenen und neuen Jahr kommen, wo immer noch ein Stück mehr verlangt wird, noch härter zugepackt werden soll usw., wo eigentlich die Grenzen dieser ganzen Belastung und Ausbeutung sein sollen,
denn außer den minimalen Tariferhöhungen habe ich seit Jahren keine Lohnerhöhung gesehen, die Gewinne sind aber im Gegensatz dazu jedes Jahr gestiegen. Ist halt das alte Lied, dass der Produktivitätsfortschritt nicht an diejenigen, die ihn erarbeitet haben, weitergegeben wird.

Wenn man nicht gerade ein Faulenzer ist, gerne arbeitet und die Einstellung hat, dass das Leben noch so viel neben der Arbeit bieten und Arbeit allein nicht der Lebenszweck sein kann, hilft es um sehr mehr, diese ganzen Pseudo-Hilfsbücher und Ansprachen zu ignorieren und für sich einfach eine persönliche Grenze zu ziehen, soweit sie nicht den Job kostet.

Ich mache jetzt schon seit Jahren die meiste Zeit des Arbeitsjahres Vertretungen und decke damit oft zwei, bei vielen Situationen, die auch immer öfter werden, teilweise drei Arbeitsplätze ab, bezahlt werde ich für einen und Dank bekommt man dafür auch so gut wie nie zu hören.
Klar bin ich dann noch selbst Schuld, wenn ich schlechte Laune habe und der Kopf ist dann bei der ganzen Hektik dafür frei, für alle anderen, die sinnlose Kommentare abgeben, Verständnis zu zeigen.
Im Werbefernsehen ist es ähnlich einfach gestrickt, da gibt es die Welt auch nur in bunten Farben und mit einfachen Botschaften vermittelt.....

Anonym 12. Januar 2009 um 23:44  

"Wie Recht Sie damit haben, dass wir immer danach streben sollten, die Verhältnisse zu verbessern. Und wie Unrecht zugleich damit, positives Denken als "think positive-Quatsch" abzutun. Es ist für ein Kollektiv ungemein bereichernd, wenn seine Mitglieder immer je zunächst versuchen, Schwierigkeiten bei sich selbst zu lösen. Erst das schafft die Kraft - und auch die Legitimität - nach außen hin Änderungen einzufordern. Ich wünsche allen von Herzen das Glück, in einem Think-positive-Quatsch-Kollektiv arbeiten zu können!"

Ach du liebes Ottchen, habe selten so gelacht. Obwohl es doch immer heißt:Denke positiv und du wirst depressiv.

Tja, manche Zweckoptimisten sind halt richtige Spaßvögel

Anonym 13. Januar 2009 um 05:20  

Als ich noch arbeiten musste (ich betone: musste, in der DDR habe ich gern gearbeitet), habe ich mich immer gefragt: Welches Recht hat dieser Unternehmer, all mein Wissen, all mein Können, das ich mir schwer erarbeitet habe, für sich selbst zu beanspruchen und die Knete, die ich mit meiner Arbeit mache, in die eigene Tasche zu stecken, mir aber nur Appel und Ei zuzugestehen. Ich denke, da liegt der Kern des Frusts, das darf nicht ausgesprochen werden, und dafür sind solche Bücher gut. Gut geschrieben, Roberto.

Peinhard 13. Januar 2009 um 09:16  

Es zeugt von psychischer Gesundheit, in dieser Gesellschaft psychisch zu erkranken. Das ist nicht paradox, das ist traurig.

Wir 'leisten' uns ein System, das trotz mehr als ausreichender Produktivität einen 'Daseinskampf' inszeniert, der nur der Jagd nach Profit und der ebenso längst obsolet gewordenen Kapitalakkumulation geschuldet ist. In einer demokratisch und bewußt gestalteten Wirtschaft könnten wir alle in Ruhe und Zufriedenheit leben, ohne Krisen und Konjunkturen, ohne Existenzkrampf, ohne Armut und Hunger, ohne Auschluß von allein Millionen hierzulande und Milliarden weltweit. Zu 'Leistung muß sich lohnen' aber gehört der Auschluß derjenigen, die nicht so leisten können oder schlicht dürfen, unbedingt dazu.

Anonym 13. Januar 2009 um 11:20  

Die Gehirnwäsche läuft doch schon länger:

--> auch Du kannst es schaffen
--> vom Tellerwäscher zum Millionär
--> Du bist Deutschland

usw.

Man muss dem Esel die Möhre nur nahe genug vors Gesicht halten, dann läuft er schon.

Flying Circus 13. Januar 2009 um 11:49  

@Reinhard:

"Zu 'Leistung muß sich lohnen' aber gehört der Auschluß derjenigen, die nicht so leisten können oder schlicht dürfen, unbedingt dazu."

Ja. Außerdem braucht es aber jede Menge "Drohnen", die die tatsächliche Leistung auch erbringen. Mich packt die kalte Wut, wenn ich lesen "darf", daß Manager für ihre unerhörten Leistungen entlohnt werden. Diese Leistungen werden letztendlich ganz unten erbracht. Irgendwo steht jemand am Fließband und schraubt das Produkt zusammen. Darüber sitzen die Leute, die das Produkt ersonnen haben. Und so weiter. Und ganz oben sitzt dann der Manager und schöpft den Rahm ab - pardon, erbringt seine wertschöpfende Leistung. Und wird dafür "leistungsgerecht" bezahlt. Und schüttet natürlich die Gewinne an die Geldgeber aus, die wollen wir nicht vergessen. 25% Rendite müssen schon drin sein in diesen Zeiten.

Und all das geht eben nur, wenn der Rest entsprechend wenig bekommt. Drohnen eben. Und wer an diesem Streß zugrunde geht, bei dem stimmt etwas nicht. Manager halten ja auch 16-Stunden-Tage durch. Jawollja.

Aber was will man machen, die Medien legen ja auch ein entsprechendes Sperrfeuer. Z.B. SpargelOnline (und die gedruckte Ausgabe sowieso) kann ich gar nicht mehr lesen, weil das meinem Blutdruck überhaupt nicht gut tut.

persiana 13. Januar 2009 um 15:44  

Die ganze Psychologie fußt doch letztendlich auf neoliberalistischen Fundamenten (und was die Psychiatrie betrifft, hier übrigens eine interessanter Artikel click .
Sozialpädagogen predigen gerade denjenigen, die schon seit Generationen unter unserem System am meisten zu leiden haben, doch schon seit Jahr und Tag von:"Eigenverantwortung, nicht Rumjammern, sei doch froh, dass dieses und jenes nicht..., da hast du aber noch Glück gehabt, dass es nicht viel schlimmer ist..., es liegt schon auch an dir..." alles immer schön mit dem erhobenen Zeigefinger. Wie Automaten geben sie auf bestimmte Reizwörter hin ihre Redensarten von sich, mögen sie in der jeweiligen Situation nun passen, oder nicht. Für die gehobenen Ansprüche gibt es dann die Psychotherapie, falls jemand überhaupt nicht mehr klarkommt. Da durfte ich schon bei manch einem meiner ehemaligen Freunde die Wandlung vom kritischen Denker zum Sprücheklopfer erleben.

Das ist mir schon aufgefallen, lange bevor auch nur irgendjemand an die Krise und die Notlagen dachte...So ein Zufall, dass gerade jetzt alles so schön passt, Psychologen haben jetzt und bestimmt auch in Zukunft sicherlich Hochkonjunktur, und der "erfolgreiche" Abschluss einer Psychotherapie dürfte wohl genau auf Linie liegen, mit dem gewünschten Prototyp des gehorsamen Bürgers.

Fühlt sich jetzt jemand von den angesprochenen Berufsgrupen auf die Füße getreten?
Nicht böse sein, jeder hat eben seine eigene Wahrheit.

Peinhard 13. Januar 2009 um 17:02  

@Flying Circus

"Und ganz oben sitzt dann der Manager und schöpft den Rahm ab - pardon, erbringt seine wertschöpfende Leistung. Und wird dafür "leistungsgerecht" bezahlt. Und schüttet natürlich die Gewinne an die Geldgeber aus, die wollen wir nicht vergessen."

Eben. Auch die unverschämt gut bezahlten Manager sind noch 'Knechte' des Kapitals, das darf man nicht vergessen, sonst gerät man schnell in eine Phantomdiskussion, die den eigentlichen Kern der Sache verfehlt.

Anonym 13. Januar 2009 um 18:16  

Lieber Roberto,

nach dem ich Ihren B eitrag gelesen gatte, habe ich mir das Video dazu angesehen. Wenn ich mir den Herrn Tusch so ansehre, erinnert er mich an das Buch:
"Schöne neue welt" von Aldus Huxley
Genau diesen Typus Mensch hatte ich beim Lesen vor augen.

Leider begegnen mir immer mehr Menschen dieses Schlages und es macht mir mehr und mehr angs, dass diese Menschen in Positionen kommen, in denen sich viel schaden anrichten können.

Positiv Denken! Viele bücher habe ich darüber gelesen, bis ich endlich erkannte, dass die meisten manipulativen Charakter hab en.

Mitlerweile schaue ich bei Begriffen wie z.B.: Solitar, Eigenverantwortung, Human,Sozial genau hin um zu begreifen was gemeint ist. Denn oftmals haben sie mit dem ursprung nichts mehr zu tun (Neusprech)

Vor sehr vielen Jahren sah ich ein Poster, welches einen Affen in einer nachdenklichen Haltung zeigte. Darunter der Satz:
"Denken ist Glücksache, aber Glück hat nicht jeder.

Liebe Grüße
Margitta Lamers

PS: Ihre Beiträge sind für mich wie das tägliche Brot.

Anonym 13. Januar 2009 um 19:11  

Das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm schaue ich mir schon seit vielen Jahren nicht mehr an. Es ist, um es buddhistisch auszudrücken, ein Geistesgift. Oder gehaltloses Fast Food. Danach habe ich noch ein paar jahrelang im Privatfernsehen diverse TV-Serien oder Filme angeschaut. Doch eines Tages erschienen mir auch diese leer und belanglos. Jetzt lebe ich ohne Verdummung und sinnlose Gewaltverherrlichung.

Doch bitte ich inständigst darum zu bedenken, das die Manipulation sehr viel ältere Ursprünge hat und schon sehr lange gepflegt wird. Ein gutes Beispiel ist die christliche Kirche. Details sind z. B. hier zu finden: http://www.theologe.de/theologe18.htm

Vor kurzem schaute ich mal wieder in das ZDF rein. Die Sendung "Aus der Anstalt". Die fand ich sehr gut. Priol, Schramm und die anderen haben das System sehr gut kritisiert. Doch was nützt es? Das Publikum lacht und man geht zur gewohnten Tagesordnung über. Ändern tut sich nichts.

Ich möchte darauf hinweisen, daß das Wort "Wissenschaft" auch nur eine leere Etikette ist. Es sagt nichts über den Inhalt aus.
Bitte denkt immer daran, daß die NAZIs "wissenschaftlich" die Rassen untersuchten! Das Ärzte und Wissenschaftler viele grausame "Menschenexperimente" ausübten. Darüber sollte man in den Schulen viel mehr berichten. Dieses nicht-thematisieren solcher Abläufe ist eine furchtbare Volksverdummung. Wenn die Menschen mehr darüber wüßten, dann hätten es die Neoliberalen heute viel schwerer.
Und auch hier stoße ich auf ein weiteres Unwort: Liberal. Bei mir löst das Wort gut Gefühle aus. Liberal = "Großzügig, Weltoffen, ...". Doch auch hier findet man nur den Wolf im Schafspelz.

Ich glaube, es gibt einen großen Markt, eine große Nachfrage im Volk nach Leuten wie z. B. Manuel Tusch. So gut wie der lebt! Da muß er viele zahlungswillige und -fähige Kunden haben! Wer Zugriff auf das Xing-Netzwerk hat, der kann dort mal nach "Coach", "Berater", ... suchen. Eine Suche über Google wird wahrscheinlich zu einem ähnlichen Ergebnis führen. Man wird feststellen, daß es ein riesiger Markt ist. Herr Tusch ist einer von vielen.

Vielleicht gehen dort viele Leute hin, weil man sich dann toll fühlen kann (man strebt ja nach Höherem, arbeitet an seiner eigenen Entwicklung)! Ich spreche aus langjähriger eigener Erfahrung. Ich dachte immer, ich wäre auf dem richtigen Weg. Aber in Wirklichkeit bin ich vor der sozialen Realität geflohen und dem harten Kampf um eine menschenfreundliche Welt aus dem Weg gegangen.

Dann machte ich noch eine andere Erfahrung mit diesen Coachs, Beratern, ... Bei der Eingliederungsmaßnahme, an der ich teilnahm, waren sehr viele von solchen tollen Typen zu treffen. Die meisten waren total im Hype-Zustand (Hype = künstlich aufgebauscht!). Und sie versuchten uns mitzupushen (mitzureißen). Und wie das halt in Diktaturen ist, wehe dem, der nicht brav im Takt mitmarschiert und artig dem Führer applaudiert. Dann wurde es der Inquisatorin gemeldet und man mußte Rede und Antwort stehen. Natürlich alles hübsch sozialverträglich, psychologisch und pädagogisch verpackt!

Ich glaube, nachdenkliche bzw. kritische Menschen sind eine Minderheit. Jedoch nicht mangels Aufklärung und weil viel manipuliert wird, sondern weil die Mehrheit mit dem Status Quo zufrieden ist und ihn nicht ändern will (obwohl sie vielleicht darunter leiden).

Nach dem dunklen Kapitel "Drittes Reich", hätte das, was heute in Deutschland passiert, nie wieder eintreten dürfen. Es hätte ein Aufschrei der Empörung und Entsetzens durch das Volk gehen müssen. Doch er kam nicht. Das ist sehr betrüblich.

Wenn ich über Kurt Tucholsky lese, dann denke ich, das sich nur die Verpackung geändert hat.

G. G.

Anonym 13. Januar 2009 um 19:48  

Kein Brett ist so dünn als dass man nicht damit auf jemanden einschlagen könnte. Mein Eindruck ist ja dass das Buch Verarsche ist, aber das hat sicher mit einer falschen Einstellung zu den Umständen und meinen überzogenen Erwartungen zu tun ...

Anonym 13. Januar 2009 um 20:08  

@Persiana

"[...]Fühlt sich jetzt jemand von den angesprochenen Berufsgrupen auf die Füße getreten?
Nicht böse sein, jeder hat eben seine eigene Wahrheit.[...]"

Du triffst den Nagel auf den Kopf Persiana "jeder hat eben seine eigene Wahrheit" - man könnte auch sagen "jeder hat eben seine eigene Ideologie/Religion".

Der beste, entlarvendste Film zum Thema Geldmachen mit Psychotherapie ist von Frank Oz, Titel: "Was ist mit Bob?" - schade, dass der nicht öfter gezeigt wird....

Kann sehr erhellend sein so ein Film.....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Mir wurde auch schon eine Psychotherapie angeboten, als ich mit dem Tod meines Vaters nicht klar kam. Ich Esel nahm an, Hilfe geht so, aber einige Wochen nach der Therapie las ich, dass Trauer eben kein Fall für eine Psychotherapie wäre, da Trauer keine Depression ist......
Ich könnte mich heute noch ärgern.....der Therapeut hätte mir ja gleich sagen können, dass ich trauere, und die Therapie nicht auf Depression laufen lassen....tja, man lernt nie aus....heute wäre ich schlauer....

Anonym 13. Januar 2009 um 20:42  

Das erinnert mich irgendwie an Dale Carnegies Denk-Positiv-Strategien:

http://www.infosekta.ch/is5/themen/positiv_scheich1999.html

Anonym 13. Januar 2009 um 23:19  

Immer dieser pseudo-wissenschaftliche tintenverschwenderische Unterhaltungsquatsch.

Noch eine Gattung, die aus den USA herübergeschwappt ist.

Kein Wunder, dass die Amis alle medikamentenabhängig sind. Was es da ohne Rezept oder auch mit Rezept gibt, ist unglaublich.

Ursprünglich haben ja amerikanische Wissenschaftler wissenschaftliche Bücher in Normalsprache geschrieben, um die Bevölkerung aufzuklären: Jared Diamond oder mit Einschränkung auch Noam Chomsky sind da Vorbilder.

Dann haben die Amis entdeckt, dass man Geld machen kann, wenn man "Wissenschaft" draufschreibt und seitdem publiziert jeder Vollidiot mit akademischem Titel Bücher, deren wirklicher Wert nur noch nach ihrer Toilettenpapier-Verwendungsmenge gemessen werden kann.


Du machst keine Karriere in der Firma?
Deine Schuld.

Du hast keine Ausbildung/Qualifikaiton?
Deine Schuld.

Du bist deprimiert?
Deine Schuld.

Du bist krank?
Deine Schuld.

Du bist nicht so intelligent wie Einstein?
Deine Schuld.

Du bist nicht mit Claudia Schiffer/Kate Winslet verheiratet?
Deine Schuld.


So einen Blödsinn können auch nur Psychologen glauben. Verhaltenspsychologen glauben zum Beispiel, dass ein Mensch, der z.B. Depressionen hat, nur sein Verhalten, also seine Sichtweise des Lebens und seine Lebensweise, ändern muss, um aus den Depressionen herauszukommen.
Dass ein Depressiver zu deprimiert/traurig/unmotiviert/zurückgezogen/entmutigt usw. ist, um überhaupt sein Leben auf die Reihe zu kriegen, kapieren die überhaupt nicht.

Aber wer sein Leben ohne Hilfe ändern kann, braucht eben keine Hilfe, auch keine psychologische.

Die Psychologie hat mit Sicherheit ihre Berechtigung, aber der Quatsch, der da gerade abläuft, ist schwer zu ertragen.

Geschreibsel 13. Januar 2009 um 23:24  

Oh niedlich. Positives Denken und (Populär)Psychologie.
Und dann hat man den Salat und wird ob der Arbeitsumstände krank (oder noch schlimmer arbeitslos, am besten beides) und dann trifft man auf eine Ärzteschaft, die lustig mit Antidepressiva um sich wirft und in das gleiche Horn bläst, weil sie ja gut davon lebt und (meint) an den Rahmenbedingungen könne man ja eh nix ändern. Heureka hauptsache es gibt lustige Pillen für alle. Probleme löst das zwar keine, aber mit etwas Glück und wenig Nebenwirkungen fühlt sich der Betroffene aka Verarschte auch noch wieder gut und alles ist prima töfte. Ja das Leben ist doch soo schön, wenn man nur will.
(wer Zynismus und Sarkasmus findet darf den behalten)

Ich find's gut, das hier auch mal in dieser Richtung etwas angeprangert wird. Da wird viel Schindluder mit betrieben und viel Leid verlängert bei Institutionen, weil der Blick nur nach innen gerichtet und an Symptomen herum gedoktert wird. Die Umstände werden nicht "behandelt" oder gar in Frage gestellt (wer selbst mal in den Institutionen war wo "die" Volkskrankheit "Depression" (mit)behandelt wird, kann ein Lied davon singen). Traurig - und ärgerlich!

(P.S.: Das Buch "positives Denken macht krank" ist echt lesenswert!)

(P.P.S.:
@Peinhard: "Es zeugt von psychischer Gesundheit, in dieser Gesellschaft psychisch zu erkranken. Das ist nicht paradox, das ist traurig."
Wie wahr, wie wahr! Allein DAS zu erkennen hilft mehr als mancher seichter Psychoratgeber!
@anonym: "Nach dem dunklen Kapitel "Drittes Reich", hätte das, was heute in Deutschland passiert, nie wieder eintreten dürfen. Es hätte ein Aufschrei der Empörung und Entsetzens durch das Volk gehen müssen. Doch er kam nicht. Das ist sehr betrüblich."
Korrekt! Gelernt ist gelernt. Über Generationen hinweg. Die Objekte und Symbole sind ja wie man sieht austauschbar.)

Anonym 13. Januar 2009 um 23:35  

@ Peinhard:

Es ist allerdings ein Unterschied, ob der Knecht, Verzeihung, "Manager", lebt wie ein Fürst zwischen seidenen Bettlaken oder mit den Schweinen im stinkenden Stall wie die meisten anderen Knechte, Verzeihung "Arbeiterklasse".

Je höher jemand steht, desto mehr Möglichkeiten, Freiheiten und Geld hat er, und das schließt auch die Freiheit mit ein, aufzuhören und von den Zinsen zu leben, was sicherlich schon ab 10 Mio € Vermögen leicht möglich ist.

Den allermeisten Knechten, Pardon "Arbeiterklasse", steht diese Möglichkeit nicht zur Verfügung.

Also bitte nicht die Manager und die Arbeiterklasse in denselben Topf werfen, denn genau solche Wortverdrehereien sind typisch für die Neoliberalen, denn Manager sind nunmal keine Knechte.

philgeland 14. Januar 2009 um 02:10  

Glückwunsch zu diesem Post! Flüssig geschrieben und treffend formuliert.
Die Rezensionen auf Amazon sind übrigens auch lesenswert - aus einem anderen Grund.

Den Vogel schiesst ein gewisser "sydney" ab. Zitat:

"Insgesamt staunt man, wie viel man über sich selbst lernen und in seinem Leben ändern kann, wenn man sich mal ein kleines bisschen Zeit für sich selbst nimmt."

Ja, ja, mein lieber "sydney", man lernt nie aus. Vergrab dich noch ein wenig mehr in deine kleine Welt. Du hattest wohl Angst, sie ganz zu verlieren - bei all der Hektik. Jetzt, nach der Lektüre dieses empfehlenswerten Buches, ist dein Fell hoffentlich ein wenig dicker geworden, wenn du morgens zur Arbeit fährst. Und falls der Inhalt des Buches seine Wirkung auf dich verlieren sollte, kannst Du ja immer noch davon träumen, nach Australien auszuwandern.

philgeland 14. Januar 2009 um 04:37  

@persiana
Du schreibst:
"Die ganze Psychologie fußt doch letztendlich auf neoliberalistischen
Fundamenten"
Sorry, aber das halte ich für Geschwafel.
Psychologie an sich ist wertfrei - eine Methode, ein "Instrument". Kommt nur drauf an, wie man damit umgeht.

Anonym 14. Januar 2009 um 10:17  

"Zynismusmodus an"

Also Ihr 1 Euro Schnarcher, da hört Ihr es, es liegt an Euch selbst, dass Ihr Euren Job nicht mögt. Feilt an Eurer Einstellung, dann klappts auch mit der Freude an der Arbeit.

"Zynismusmodus aus"

Peinhard 14. Januar 2009 um 12:57  

"Also bitte nicht die Manager und die Arbeiterklasse in denselben Topf werfen, denn genau solche Wortverdrehereien sind typisch für die Neoliberalen, denn Manager sind nunmal keine Knechte."

Das war nicht meine Intention - zweifellos sind Manager nicht nur privilegierte 'Knechte', sondern sie stehen natürlich auf Seiten des Kapitals. Mein Hinweis sollte nur bewirken, selbiges vor lauter Mangager-Fixierung nicht aus den Augen zu verlieren. Denn auch 'Manager-Schelte' und der Hinweis auf individuelle 'Gier', ohne das Kapitalverhältnis überhaupt noch zu thematisieren, gehört zu den neoliberalen Denkfiguren. Wobei es mir eben auch nicht genügt, nur den 'Neoliberalismus' zu geißeln - der selbst nur eine (wie wir sehen ebenfalls unzureichende) Antwort auf die generelle Krise des Kapitalverhältnisses ist. Die Hoffnung auf den Keynesianismus die meistens bei der Kritik des Neoliberalismus im- oder explizit mitschwingt, halte ich gleichfalls für verfehlt.

Anonym 14. Januar 2009 um 13:04  

"[...]Sorry, aber das halte ich für Geschwafel.[...]"

Stimmt, was den Neoliberalismus angeht.

"[...]Psychologie an sich ist wertfrei - eine Methode, ein "Instrument". Kommt nur drauf an, wie man damit umgeht.[...]"

Das würde ich so nicht unterschreiben - Psychologie ist keineswegs rein wertfrei. Oder wie sonst erklärst du mir, dass im Rahmen der Euthanasie (NS-Zeit) Millionen Menschen als sogenannte "asoziale" Elemente "sonderbehandelt" wurden?
Psychologie ist, so denke ich, wie jede andere Wissenschaft stark mißbrauchsgefährtet - und gerade in einem Land wo damals unter Hitler Millionen Menschen auch im Rahmen der Psychologie ermordet wurden wäre ich mit der Nennung "Psychologie wertfrei" sehr vorsichtig.

Übrigens, dass Psychologie keineswegs wertfrei ist, dass kann man auch in anderen Systemen nachvollziehen - Sacharow, der bekannte sowjetische Systemkritiker, wurde von der Sowjetunion auch als "psychisch krank" denunziert - trotz Nobelpreis. Grund? Er war gegen den autoritären Staatskommunismus der Kommunisten Rußlands.

Sorry, philgeland, aber das mußte mal gesagt werden.

Übrigens, der Mißbrauch der Psychiatrie findet auch im der Demokratur namens Merkel-Deutschland wieder statt:

http://www.stern.de/politik/deutschland/:Steuerfahndung-Frankfurt-Eiskalt/649420.html?pr=1

...einziger Unterschied, die Psychiatrier, die eifrige Beamte als geisteskrank darstellen wollen müßen in Deutschland - dank Rechtsstaat - mit einer hohen Strafe rechnen....

Mfg
Junger

Anonym 14. Januar 2009 um 22:47  

Buchtipp auch hier:

"Wunsch-Bullshit im Universum" Jacky Dreksler, Hugo Egon Balder

Klappentext
WUNSCH-BULLSHIT IM UNIVERSUM»Ist esoterisches Extrem-Wünsching Bullshit?« fragen Hugo Egon Balder (Genial daneben) und Jacky Dreksler (RTL Samstag Nacht) in dieser ernsthaften, aber auch satirischen Analyse. Extrem-Wünsching behauptet: Du kannst vom Universum garantiert alles haben: Geld, Jobs oder Parkplätze - wünsch es dir einfach Das verkünden Bestsellerautoren wie Rhonda Byrne (The Secret - Das Geheimnis), der Schauspieler Pierre Franckh oder Bärbel Mohr. Dabei verdrehen sie Fakten oder brüsten sich mit selbst gewirkten "Wundern", um ihre Botschaft verkaufswirksam »rüberzubringen«. Das nennen Balder & Dreksler mit Princeton-Professor Harry G. Frankfurt "Bullshit" - opportunistischen Umgang mit der Wahrheit. Sie kritisieren die Mischung aus positivem Denken, Esoterik und Allmachts-Fantasien, die behauptet: Du bist Gott. Durch das esoterische Gesetz der Anziehung erschaffst du dich und den Kosmos allein durch deine Gedanken. Das Gute, aber auch das Übel: Arm? Fett? Krebs? Keinen Job? Haus abgebrannt? - Selber schuld: Du hast alles selbst "angezogen". Balder und Dreksler analysieren die Wunschtheorien mit Humor. Aber hinter dem leichten Ton steckt ein moralisches Anliegen: Die Wünschelwichte präsentieren sich als allwissende Gurus, Psychologen und Seelsorger. Sie greifen in das Leben von Menschen ein, die in Not, krank oder verzweifelt sind oder nach dem Sinn ihres Lebens suchen. Die aber bekommen Bullshit statt Lebenshilfe.

In diesem Sinne.....

Anonym 15. Januar 2009 um 15:11  

Vielen Dank für diesen schönen Beitrag. Mir ist schon länger aufgefallen, dass esoterisch-sektiererisches Gedankengut zunehmend in klassischer populärwissenschaftlicher Literatur auftaucht, auch in eigentlich "unverdächtigen" Genres wie Bewerbungsratgebern. Zudem sind Ratgeber mit esoterischem Ansatz anders als noch vor wenigen Jahren oft eher unauffällig aufgemacht und daher auf den ersten Blick kaum von seriöser Populärwissenschaft und -psychologie zu unterscheiden. So wird der aufklärerische Ansatz guter Populärwissenschaft (bewusst?) unterlaufen bzw. sogar ins Gegenteil verkehrt.

Daher finde ich es wichtig, dass Sie auf die ideologische Nähe des Psycho- und Esoterikmarkts zum Neoliberalismus hinweisen. Das Thema würde noch wesentlich mehr mediale Aufmerksamkeit verdienen. Danke für Ihre Analyse.:-)

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