Kollektiv individuell

Montag, 5. Januar 2009

Immer wieder muß man davon hören, dass es unser System des Individualismus ist, welches diese, unsere westliche Gesellschaft, ausmache und auszeichne. Und gerade dieses System ist nun in Gefahr, weil aufgrund sozialer Ungerechtigkeiten - die außerdem ja unumgänglich seien - ein gewisser Hang zur linken Politik in der Masse spürbar wird - der Kommunismus, der innerhalb linker Parteiprogramme deutlich hervorspähe, so munkelt man, wird alles Individuelle vertilgen, es unmöglich machen, eine Gesellschaft der Gleichmacherei erzeugen.

Der Ruf derer, die sich vom Bolschewismus eines Lafontaine oder Gysi fürchten, mutet einer wahnwitzigen Satire an. Denn es sind ausgerechnet solche Kreise, die sich mokierend hervortun, die sich so gar nicht individuell in ihr Leben stürzen. Solche die ihrem Beruf in identischen Jacketts, ähnlichen Krawatten, haargleichen Aktenkoffern nachgehen, außerhalb dieser "Berufung" an die gleichen Urlaubsziele rasen; solche die wie ein Ei dem anderen gleichend, bei Opernbällen oder anderen gesellschaftlichen Anlässen dahinvegetieren; solche die in ihrer farblosen Bürgerlichkeit kopieren, was man ihnen als kopierenswert vorgibt; und natürlich dürfen auch jene nicht vergessen werden, die aufgrund ihrer Religion gleiche Gewänder, wallende Kleider tragen, sich damit von ihrem Amtskollegen nicht unterscheiden lassen. Und weil dieser Hang zur Uniformierung, der auch in Betrieben und Unternehmen zum Knigge ökonomischer Vernünftelei ernannt wurde, scheinbar für viele noch nicht ausreicht, wird von einigen Reaktionären, in guter preußischer Manier, auch noch etwas mehr Mut zur Uniform gefordert.

Aber was sich bisher in diesen Zeilen nur am Oberflächlichen orientierte, trifft auch für die Geisteshaltung dieser Kreise zu, die zudem von vermeintlich liberalen Kreisen der Presse erfolgreichen Flankenschutz erhalten. Ihre Medien sind Ausdruck von Gleichschaltung, in denen nur spärlich andere Meinungen und Gedankenansätze verbreitet werden dürfen, um wenigstens den Schein von Vielfalt zu wahren, um mit dem Aushängeschild dieser scheinbaren Individualität, für ihre Daseinsform zu werben. Feindbilder werden im gleichen Stil, mit gleichen Mitteln, über die Grenzen der Redaktionen hinweg, angegriffen und in Bedrängnis gebracht. Sogar der Wortlaut gleicht sich häufig in erschreckender Weise. Die freien Medien, frei in der Möglichkeit ihrer Vielfalt, reduzieren ihre Freiheit darauf, nicht vielfältig sein zu wollen, wollen nur vielfältig in ihrer Einfalt wirken. Individuelle Formen der Information, wie sie uns via Internet bekannt sind, verweilen im Ruch des Amateurhaften, werden degradiert, weil sie nicht in der professionellen Aufmachung präsentiert werden, wie die Einheitsfront der vielfältigen Einfaltspinsel. Die Uniform, das Kollektiv, die Gleichmacherei steckt auch hier in marschierenden, auf Gleichschritt bedachten Stiefeln.

Früher deutete man über den Eisernen Vorhang, schimpfte auf die da drüben, die keinen Individualismus kennen würden, weil ihnen ihr System keinerlei Raum dafür gelassen hat. Auch wenn diese Erkenntnis gar keine Propagandamasche des Westens war, so wurde während des Kalten Krieges immer so getan, als gäbe es die uniformierte Gesellschaft nur im Kommunismus, jedoch nicht im freien Teil der Welt. Das war damals schon gelogen - man muß rückblickend nur betrachten, wie westliche Massenmedien über die Staaten jenseits der Mauer und Mauern berichtet haben - meist war es der Schaum vorm Mund, der eine deutliche Artikulation, d.h. eine verständliche Information, verhinderte. Heute ist es nicht anders, wahrscheinlich aber noch schlimmer. Wir zeigen heute auf die Gefahr des wiederaufkeimenden Kommunismus, den wir in einer pro-kapitalistischen Partei wie der LINKEN - die sich ja innerhalb des kapitalistischen Systems arrangiert, die darin Reformen umsetzen und Sozialsysteme stärken will - zu erkennen meinen. Aber auch auf die moslemische Welt wird gedeutet, in der es ja keinen Individualismus gäbe, weil der religiöse Fanatismus dies nicht zulassen würde. Dabei spielt es auch keine Rolle für die Jünger des angeblichen Individualismus, dass man Religionsfanatismus mit nationalen Eigentümeleien oder innerreligiösen Konflikten gleichsetzt - für den Westen ist dort drüben so oder so das Reich der obskuren Gestalten, die alle gleich denken, sich gleich kleiden, gleich handeln und die gleiche Abscheu gegenüber dem Westen hegen.

Und das alles aus dem Munde derer, die innerhalb ihrer uniformierten Lebensentwürfe Gleichmacherei betreiben, wie sie womöglich der andere deutsche Staatsentwurf nach 1945 nicht kannte, zumindest nicht in einer solchen Verlogenheit, den Menschen auch noch zu erklären, dass die Gleichmacherei gar keine sei. Der westliche Individualismus, wie wir ihn heute kennen, zeichnet sich dadurch aus, dass er verneint wird, als Eigenbrötlerei verpönt ist - er wäre zwar möglich, aber die Menschen nutzen ihn millionenfach nicht, ordnen sich lieber einem Kollektiv unter, welches in Traditionen, Institutionen, Konventionen oder mannigfaltigen Gruppierungen unterteilt - aber auch untereinander vermischt - ist. Was damit vom westlichen Individualismus übrigbleibt ist die Einsicht, dass er zwar umsetzbar ist bzw. wäre, dass es dazu lediglich eines mehr oder minder mutigen Schrittes, einer guten Portion Selbstwert bedarf, dass er aber gleichermaßen nicht machbar gemacht wird, weil man ihn diskreditiert - man sei schließlich gerne Teil einer Gesellschaft, die vorgibt, wie man sich zu kleiden und verhalten hat, und die einem klarmacht, was man zu denken habe. Eine Gleichmacherei, die wirtschaftlich erwünscht ist, weil sie so den Menschen modellierbar macht, ihn für seinen wirklichen Daseinsgrund - dem eigentlichen Grund seiner Geburt - leichter zugänglich macht: der Mitarbeit an einer entfesselten Profitmaximierung, der er sich anstandslos und ohne unnötigen Fragereien unterzuordnen hat.

Was den herrschenden Kreisen, den Herrschaften aus der Wirtschaft, als Individualismus vorschwebt, ist nicht die Möglichkeit des Einzelnen, frei und ohne Rücksicht auf Vorgaben sein Leben so leben zu können, wie es ihm entspricht; sich kleiden zu können wie er will, denken zu dürfen, was er denkt, sagen zu dürfen, was seine Zunge gerade formt - was dort als Individualismus gilt, was als Freiheit des Einzelnen verstanden wird, ist die Freiheit des Ausbeutens. Jeder soll dergestalt frei sein, seinen Nächsten so auszubeuten, wie es dieser individuell zuläßt. Individualismus in der uniformierten Konsum- und Handelsgesellschaft bedeutet, Menschen individuell ausbluten zu lassen; sie individuell zu bezahlen - dem einen wenig, dem anderen weniger; sie individuell zu vergeuden und zu verfeuern - gerade so, wie es das ausgebeutete Individuum erlaubt oder wie es ein Arbeitsschutzgesetz nicht unterbindet; sie sollen zu willfährigen Nummern eines Kollektivs gemacht werden, aus dem ein individueller Unternehmer aus dem Vollem schöpfen kann; sie individuell zu verblöden, ihnen zwar kollektiv Informationen und Bildung - wirkliche Bildung, die auch von den Wurzeln nicht haltmacht, philosophische Fragen z.B. nach der Legitimität der Herrschaftsverhältnisse zuläßt - zu verweigern, die Verdummung aber individuell möglich macht, weil letztlich der eine wenig weiß und der andere noch weniger.

Wenn sie sich also entrüsten, weil Lafontaine wieder gleichmacht, wieder kollektiviert im Geiste, wieder den Individualismus verbalzerdeppert, dann meinen sie damit, dass er das Individuum gefährdet, welches innerhalb des Systems Profite erzielen will, die ihm letztlich auch selbst zur Verfügung stehen sollen - die Rädchen des Apparates, die an der Profitmaximierung ihre Lebenszeit vergeuden, die Angestellten und Arbeiter, sind damit nicht gemeint. Was sie eigentlich sagen wollen ist: Sie - die Kommunisten und Feinde der Individualität - gefährden unseren schönen, so frei wirkendenden Kollektivismus, in dem jedermann, gleich all den Einfältigen in Aldous Huxleys Dystopie, dem Irrglauben verfallen ist, in einer freien, ja grenzenlos und gänzlich freien Welt zu leben; einen Kollektivismus, der unseren - d.h. der herrschenden Kreise - Individualismus am Leben erhält, der uns atmen läßt, der andere für uns schwitzen und bluten läßt. Was diese Damen und Herren als Auszeichnung unserer freien Welt begreifen, was sie uns schmackhaft machen wollen, ist ein Zustand, der für die Mehrheit der Menschen in diesem Lande überhaupt nicht gilt, auch nicht gelten soll - sie sollen nicht individuell sein, damit die Ackermanns, Zumwinkels, Weises - und wie sie alle heißen - weiter individuell leben dürfen. Deshalb ihr Engagement, wenn es um die Beibehaltung des Individualismus geht, wenn sie also "Frieden" schreien, aber "Krieg" meinen - ein Schlachtruf zugunsten unseres Kollektivs wird schließlich nicht gerne gehört. Man will nicht an das erinnert werden, was einem in der Magengrube liegt.

13 Kommentare:

Anonym 5. Januar 2009 um 02:35  

Treffend analysiert - danke für den Hinweis auf eine erneute Verballblödelei von Horst Köhler.
Der Mann hat scheint's vergessen, dass gerade die dt. Eliten mit "Uniformität" vorsichtig umgehen sollten - ein Schreiber wies dort zurecht auf die Geschichts(ver)fälschung eines Guido Knopp hin. Jetzt wird auch klar warum: Schon die gute Jutta (von) Ditfurth redete einmal davon, als diese ihren Adelstitel abgab, dass der Geld- und Titeladel in Deutschland immer noch derjenige ist, der seit den Bauernkriegen und dem 30-jährigen Krieg jegliche Form des Individualismus von "ganz unten" mit blutiger Waffengewalt, und Uniformierungsvorgaben von "ganz oben" bekämpft hat.

Dein Artikel sollte wirklich weite Verbreitung finden....

Gerade aus oben erwähntem Grund....

Übrigens, dazu paßt auch, dass derzeit medial die Geschichte der brutalen Ex-DDR bis auf die Knochen ausgeschlachtet wird, während die des Nachfolgestaates des Dritten Reiches der Ex-BRD mitsamt seinen Nazigrößen in allen wichtigen Staats- und Wirtschaftsbereichen verschwiegen wird.

Tja, kein Wunder, wenn die selben "Eliten", bis auf wenige Ausnahmen, immer noch dran sind, die schon seit der Weimarer Republik bzw. seit Hitler-Deutschland das vermeintliche Sagen im Lande Deutschland haben..... :-(

Manul 5. Januar 2009 um 05:10  

Man könnte auch sagen, dass der heutige Begriff des Individualismus nichts anderes bedeutet als Entsolidarisierung. Unsere 'Eliten' haben auch Recht, wenn sie das als eine Gefahr sehen, denn nur Solidarität einigt die Ausgebeuteten, die ihnen dann eine Gegenwehr ermöglicht. Daher sind faschistische Umtriebe mehr als erwünscht, denn sie beschäftigen die Betroffenen (und jene, die sich solidarisch erklären) mehr, als die eigentlichen Probleme. Im Hintergrund kann man dann unbemerkt das Spinnennetz weiter weben, bis man jegliche Gegenwehr erdrückt hat. Die Luft wird jedenfalls immer dünner und das Atmen fällt immer schwerer...

Anonym 5. Januar 2009 um 07:31  

Es sind doch immer Interessen, die Gruppen bzw. Klassen verbinden, das schreiben Sie ja auch ganz richtig. Ich gehe sogar weiter und behaupte, dass der gepriesene Individualismus dem Menschen schädlich ist, denn mit ihm wird der Mensch vereinzelt. Dass die Herrschaften, die am Drücker sind, dies begriffen haben, beweisen sie uns tagtäglich.

ben 5. Januar 2009 um 08:26  

Wieder treffend mit zielsicherer Feder formuliert.

Man kann aktuell aber gut erkennen, dass die Furcht vor den Massen bei den Führungs-Individuen vorhanden ist (allein an den bescheuerten Weihnachts- und Neujahrsansprachen).
Auch der Wirtschaft-Führungs-Pöbel hält sich etwas zurück, um den Widerspruch der Benachteiligten nicht weiter anzuheizen und auf bestimmte Gesichter und Personen festzurren zu lassen.
Dafür gibt es ja die vielen Organisationen und Stiftungen, die jeweils ganz individuell und gesamt im Kollektiv sehr wirksam mit der Politik und ihren Individuen verbunden sind, um die Mehrheit in ihrem Sinne steuern zu können.

Manchmal hat man den Eindruck, dass es nur noch Individualität beim Einkommen gibt, beim Einkauf gibt es vielfach individuelle Angebote schon nicht mehr (10 Erdbeerjoghurts von verschiedenen Marken sehe ich nicht als Auswahl an;-), 25 Automodelle von der gleichen Plattform und drei Marken sind auch keine wirklich Auswahl, die Berufswahl wird eher von den Chancen, einen Job zu bekommen bestimmt, Parteien unterscheiden sich nicht mehr wirklich...usw.

Roberto J. De Lapuente 5. Januar 2009 um 08:48  

"Ich gehe sogar weiter und behaupte, dass der gepriesene Individualismus dem Menschen schädlich ist, denn mit ihm wird der Mensch vereinzelt."

Wenn wir uns den entfesselten Individualismus betrachten, einen solchen, der keinerlei Grundlage in der abendländischen, säkularisierten Philosophie hat, ein Individualismus, wie er ja mit Waffengewalt von der RAF propagiert wurde, dann kann man der obigen Aussage nur zustimmen.

Individuell zu sein bedeutet aber auch, sollte bedeuten, dass jeder individuell Aufgaben zu erfüllen hat, Verantwortung zu tragen hat - das ist aber nicht auf ökonomische Verwertbarkeiten reduzierbar, sondern in vielerlei Hinsicht wichtig. Schon der Plausch im Treppenhaus mit einer ansonsten einsamen Seniorin ist als verantwortungsvollen Umgehen mit dem Nächsten zu deuten und widerspricht der Individualität sicherlich nicht.

Auch wenn in Japan freilich innerhalb des soziologischen Gefüges nicht alles zum Besten steht, so hat sich dort eine Gesellschaft entwickelt, in der Verantwortung für die Mitmenschen ein Leitmotiv ist - das spiegelt sich sogar in den Sozialgeflechten in den Betrieben wider. Individualismus ist dort aber eher unbekannt, man fragt nicht danach, wie man selbst werden will, sondern nur, was die Gemeinschaft will - junge Japaner versuchen sich dem zu entziehen, greifen europäische Ideale auf (keine angelsächsischen, die ja wenig individuell als puritanisch waren), quasi das europäische Geisteserbe, um sich innerhalb des japanischen Miteinanders wenigstens ein Paar Nischen des Für-sich-seins entwerfen zu können. Das Sozialgefüge Japans wird also gar nicht als untragbar verworfen, man will nur beides besser miteinander vereinen.

machtnix 5. Januar 2009 um 15:43  

Freiheit und Egalität sind ideologische Leitbegriffe der bürgerlichen Moderne. Leider sind sie nichts weiter als leere philosophische Worthülsen- idealisierte Augenwischerei. Phänotypisch manifestieren sie sich jedoch sehr deutlich in dem, was in Sie in Ihrem Artikel beschreiben.

Zitat:
"...das ist aber nicht auf ökonomische Verwertbarkeiten reduzierbar..."

Da bin ich anderer Meinung. Gerade die ökonomische Verwertbarkeit von allem schafft erst jene verzerrten Begriffe von Individualität und Gemeinschaft. Marx sprach von der Entfremdung von der Arbeit. Man könnte diesen Begriff in seiner Totalität auf die bürgerliche Gesellschaft im Allgemeinen ausdehnen. Die Logik des Kapitals macht letztlich alles zur Ware auch Individualität und Gemeinschaft. Beide Begriffe sind Spielarten ein und der selben Sache, nämlich der des Warenwerts. Auch die sozialistischen Experimente der Vergangenheit haben sich nie außerhalb des Kapitals bewegt, daran sind sie schließlich auch gescheitert, sozusagen an einer innerkapitalistischen Konkurrenz. Eine "Eigentlichkeit" der Begriffe Individualität und Gemeinschaft gibt es nicht außerhalb des Warenwerts, da er nunmal für unser Denken und Handeln konstituitiv ist. Die einzige Möglichkeit besteht in der negativen Kritik der Warengesellschaft, da eine positive außerhalb des Denkbaren liegt.

Klaus-Dieter 5. Januar 2009 um 15:54  

Machen wir es uns nicht zu einfach. Dieser Bundeshorst und seine Äußerungen sind keineswegs so banal und beliebig wie sie erscheinen mögen.

Dass er in der Weihnachtsansprache zuallererst an die "Soldatinnen und Soldaten" erinnerte, dass er im BamS-Interview sich freut über "auf Balkonen und im Garten" gehisste Deutschlandfahnen ebenso wie darüber, dass das Deutschlandlied "heute öfter gesungen wird" als früher, dass er fordert, "der deutschen Sprache als Amtssprache in multinationalen Einrichtungen", gemeint ist die Europäische Union, "sollte entsprechend der Bedeutung des Landes Rechnung getragen sein."

Kurz und schlecht: Köhlers Redereien als belanglos oder beliebig abzutun ist vorschnell. Bei näherem Hinsehen entpuppen sie sich als in Banalität versteckte nationalistisches und militaristisches Agitprop.

ware.luege 5. Januar 2009 um 16:42  

Beim Lesen dieses (mal wieder hervorragenden Artikels *neidisch guck*) fiel mir spontan der Kriegstreiber und -hetzer Joseph Martin Fischer ein. Als "Turnschuhminister" erzeugten er und seine "Grünen" jahrelang helle Empörung. Vor allem die FDP sprach oft von "einer Beleidigung des Parlamentes". Dabei sind die FDP-Politiker vom Hals abwärts nicht zu unterscheiden. Sie tragen die gleichen Anzüge, die gleichen gelb-blauen Krawatten und leben auch sonst optisch und verbal ihren Hang zur Gleichmacherei aus.

Bis auf eine Ausnahme sind alle Fraktionen mit dem Schlachtruf "Mehr Freiheit wagen!" in den Neoliberalismus gezogen. Heute sind sie in ihrer selbstgeschaffenen (Kapital)freiheit so gefangen, das sie keine Vorstellung davon haben, wie sie sich in den bevorstehenden Wahlkämpfen unterscheidbar machen können.
Den Slogan "Mehr Netto vom Brutto!" zum Aushungern der Sozialsysteme findet man bei "SPD", CDU, CSU, Grüne und FDP unterschiedslos.
Nieder mit der kommunistischen Gleichmacherei! *grins*

Anonym 5. Januar 2009 um 21:21  

ACHTUNG!
Nur ganz kurz, weil eben gesehen...Günther Jauch hat eben auf RTL freimütig und stolz zugegeben, Maulwürfe in seinem Garten gern mal mit der Schaufel zu erschlagen. (Näheres dazu hoffentlich morgen auf bild.de oder so)

Roberto hatte ja im November einen guten Artikel über den "feinen" Herrn Jauch geschrieben, deswegen erwähne ich es hier mal schnell.

Anonym 5. Januar 2009 um 22:28  

Da sie in den letzten Tagen 1 jährigen Geburtstag feiern konnten, noch meinen Glückwunsch!

Ich lese gerne ihre Beiträge. Es freut mich, dass sich auch andere Menschen Gedanken über unseren unseligen Zeitgeist machen.
Ich habe für mich irgendwann einmal die „Gurkentheorie“ entwickelt um ein Bild zu haben mit der man viele Zustände in der Gesellschaft verdeutlichen kann. In der Menschen nicht mehr Subjekt sind, sondern zum Objekt werden.

Sie passt vielleicht zu ihrem heutigen Thema.

Meine „Gurkentheorie“ als Bild:
Alle Welt hat sich über die Regulierungswut der EU aufgeregt. Sie betraf nicht nur die Krümmung der Bananen,. sondern auch die Gurken.
Dabei ist der Grund ganz einfach.
Handelsketten und Großhändler kaufen große Mengen Gurken weltweit zusammen.
Damit dies möglich ist, hat man Güteklassen festgelegt, die diesen Handel im großen Stil möglich machen.
Güteklasse 1A z.B. Länge X, Dicke Y, Gewicht Z, gerader Wuchs, dunkelgrün, keine Flecken, - Geschmack ist nicht messbar, spielt also keine Rolle.
So kann man schnell ordern , Preise festlegen und vergleichen – kurz global handeln.
Und die Produzenten wissen was sie anbauen und züchten müssen.
Gurkensorten die nicht in die vielgefragten Güteklassen passen, werden aussortiert, verschwinden vom Markt und sterben aus. Sie sind völlig nutzlos.
Es ist also eine Normierung im Sinne des Handels.

Zwar gibt es letztlich nur noch Einheitsware und die Vielfalt stirbt aus. Aber so ist es nun mal mit der Globalisierung.

Und wenn man jetzt den Menschen, Bildung, Arbeitswelt, Gesundheitswesen, Pflege auch nur noch ökonomischen Zwängen unterordnet, vollzieht sich eigentlich das Gleiche.
Wir werden auf Güteklasse 1A getrimmt. Auf unsere maximale ökonomische Nützlichkeit. Das bestimmt unseren Preis. Alles andere ist wertlos und muss aussortiert werden.

Aber anders als bei der EU Gurkenverordnung regt sich kaum jemand darüber auf.

Deshalb ist ihre Seite wichtig.

Hendrik M. 5. Januar 2009 um 22:40  

Sehr guter Artikel, danke dafür.

Ich könnte jedes Mal kotzen, wenn ich höre und sehe, wie Menschen *unreflektiert*(!) Anzug und Krawatte tragen. Nichts gegen edle Zwirne zu besonderen Anlässen, aber irgendwo hört es auch auf. Schließlich wird genug Missbrauch mit dieser Kleidung betrieben (siehe Artikel).

Dazu habe ich mal eine Frage, weil ich ja alle paar Wochen die Debatten im Bundestag bei Phoenix verfolge. Gibt es im Reichs...äh, Bundestag eigentlich eine Kleiderordnung, die besagt, dass jeder dieser Abgeordneten einen Anzug bzw. Krawatte tragen muss? Geht nicht auch neutraler Ringelpullover, im Jogging-Anzug, Bademantel (Dittsche) oder neutralem T-Shirt (ohne Slogan oder Werbung drauf, natürlich)? "Ein Mann/eine Frau des Volkes" gilt ja demnach überhaupt nicht mehr, eher noch "Ein Mann/eine Frau der Bankster usw.". ;-)

Jaja, ich weiß, es wirkt halt seriöser, damit soll das Volk nur geblendet werden. Ich verfluche Uniformen (auch an den englischen Schulen und sonst wo)! Aaaaaaargh!

Zornige Grüße,
Hendrik Maaß (popcultures.de)

Anonym 6. Januar 2009 um 19:28  

Guter Artikel Roberto, weiter so!!!

Leztlich haben unsere "Eliten" einen höllischen Schiss davor, daß der kapitalistisch Vereinzelte um einer solidarischen Gemeinschaft willen seinen Pseudoindividualismus aufgibt um sich endlich einem zur Gegenwehr Imstande sehenden Kollektiv anzuschliessen. Individualismus bedeutet in unserem kapitalistisch-repressiven System doch nichts anderes, als daß man gerade dann, wenn man Hilfe am nötigsten hätte, alleine dasteht.
Gemeinschaftsinn und -willen ist gerade für "die da oben" existensbedrohend.
Und übrigens...
wo ist denn der propagierte Individualismus, wenn`s darum geht, für die individuell verzockten Milliarden einen Deppen zu finden, der dafür gerade steht? Da hat man plözlich keine Angst mehr vor`m Kollektiv.
Solange man sich die "Gemeinschaft" als Goldesel nutzbar machen kann, ist alles bestens, versucht der so Gemolkene sich zu solidarisieren mit seinen Leidensgenossen, schreien "die da oben" gleich Kommunismus, Sozialismus etc.

Individualismus, als die echte Freiheit, Entscheidungen treffen zu können, lässt sich nur in einem starken und selbstbewussten Kollektiv durchsetzen!

bis die Tage...

Anonym 6. Januar 2009 um 20:01  

Zu "Kollektiv individuell" paßt auch die unterschiedliche Berichterstattung über Todesfälle am Dreikönigs-Tag.

Eine ältere, offenbar verwirrte Frau, ist erstes Opfer der Kälte Sie ist nur mit einer Strickjacke bekleidet aus dem Altersheim ausgebüchst und erforen - mehr hörte man nicht.

Merckel, der Chef-Zocker, von Ratiopharm, der von BW-Steuerzahlern für seine Zockerei noch bezahlt werden sollte hat Georg Schramms Forderung "Jump you fuckers!", zitiert aus "Neues aus der Anstalt" wahr gemacht und ist vor einen Zug gesprungen, die Betroffenheit ist groß....für den Zocker nicht für die ältere Dame, die erfroren ist.

Nein, diese Art der "kollektiv-medialen-Individualität" kotzt nur noch an....

PS: Noch ein Beispiel heute aus dem RTL, ein paar Jugendliche wollten einem arbeitslosen, obdachlosen Werfarbeiter eine warme Bleibe anbieten, der lehnte frecher Weise ab, die Jugendlichen gaben angeblich "entnervt" auf - Fazit: Die arbeitslosen Erfrorenen der nächsten Kälte-Tage sollen "kollektiv-indiviuell" selbst dran schuld sein, wenn die erfrieren.

Deutschland im Jahr 2009:

Doppelt kalt, einmal menschlich-unsozial und einmal klimatisch-winterlich.

Frage:

Wann gilt eigentlich doppelt war:

menschlich-sozial und klimatisch-freundlich.....

Es ist fünf vor Zwölf für ein neues gesellschaftliches Miteinander - gegen neoliberale Eiseskälte, bei der sogar die ersten Menschen - als reine FDP-Egoisten - längst ausgestorben wäre.

Ein Segen für die Natur? Ich weiß es nicht.....

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