In langer Tradition

Samstag, 24. Januar 2009

Das Zauberwort des Jahres 2008 war zweifelsohne Change. Es erklang zunächst in den Vereinigten Staaten von Amerika und wie so vieles davor, von der Blue Jeans bis zum Hip Hop, wurde es zu einem regelrechten Exportschlager. Nicht nur die Deutschen verfielen einer kindlichen Naivität und lauschten in Berlin dem neuen Messias. Seit gestern ist diese Projektionsfigur für eine bessere Welt nun offiziell Präsident des „mächtigsten“ Landes der Welt. In den letzten Wochen war viel zu seinem Kabinett geschrieben worden. Die dort künftig handelnden Personen entstammen zu großen Teilen der Clinton Ära und lassen nicht viel Hoffnung auf einen tatsächlichen, radikalen Wandel in der US-Politik. Hinzu kommt die fast schon an Geschichtsklitterung erinnernde Verklärung der Bush Junior Jahre zu einer Art Unfall in der ja ansonsten von Humanität und Multilaterismus geradezu überquellenden US-amerikanischen Vergangenheit. Da verwundert dann auch Obamas schwülstige Rede zum Amtsantritt keinen klar denkenden Menschen mehr. Voller Pathos besann er sich dort auf den Geist der Gründerväter:

„Die Zeit ist reif, um unseren beständigen Geist wieder zu beteuern, um den besseren Teil unserer Geschichte zu wählen.”

Der bessere Teil der Geschichte, der Urknall des großartigsten Volkes der Welt, der mit dem Genozid der einheimischen Bevölkerung begann. Jener bessere Teil der Geschichte, in der ein Debattierclub eine hervorragende Verfassung aus der Taufe hob, die weder für Schwarze noch für die indigenen Ureinwohner galt. Wenn Barack Obama seine Wahl zum Präsidenten als Beweis für einen überwundenen Rassismus und als Kronzeugen seinen Vater anführt, der vor 60 Jahren kaum ein Restaurant in den USA hätte besuchen können, so mutet diese selektive Wahrnehmung sonderbar an. Oder sind die Bilder der Rassenunruhen in Los Angeles für wahr schon aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden?

Barack Obamas Reminiszenz an sein politisches Vorbild Lincoln, jene sagenhafte Gestalt des amerikanischen Sezessionskrieges, deutet auf weitere Verdrängung von Tatsachen hin. Lincolns Motiv für die Einigung der Nation war vorrangig nicht die Rassenfrage. Freiheit und Gleichheit dienten lediglich als Parole. Vielmehr war die wirtschaftliche Stärke vor allem der Baumwollproduzenten etwas, dass man im Norden nur ungern Preis zu geben bereit war. Noch vor dem Kriegsausbruch, beharrte Lincoln auf der „physischen Verschiedenheit zwischen der weißen und der schwarzen Rasse“, die, wie er glaubte, es „für immer ausschließen wird, dass die beiden Rassen auf dem Fuße sozialer und politischer Gleichheit miteinander leben.“ Auch später schien seine Grundhaltung zum Thema nicht wesentlich von dieser Position abzuweichen: “Mein höchstes Ziel in diesem Kampf ist die Rettung der Union, nicht der Schutz oder die Vernichtung der Sklaverei. Wenn ich die Einheit retten könnte, ohne einen einzigen Sklaven zu befreien, würde ich es tun.“ Während des gesamten Bürgerkrieges wurde die Sklaverei in den Nordstaaten, als deren Präsident Lincoln sie ja jederzeit hätte abschaffen können, weder aufgehoben noch angeprangert. Kurzum: Lincoln war ein Rassist. Und wie bei allen verhinderten Helden der Geschichte, wurde er ermordet, bevor er zum Beweis des Gegenteils antreten konnte. Ein Mann wie Obama, der nichts geringeres als einen Neuanfang ja einen historischen Einschnitt plant, sollte besser glaubhaftere Ikonen installieren.

Der Führungsanspruch Amerikas, den der frisch gebackene 44. Präsident von god’s own country bei seinem Antritt wie all seine Vorgänger mit der üblichen Selbstverständlichkeit in den Vordergrund rückte, wird von vielen Staaten und Völkern nicht erst seit George Walker Bush eher als Drohung denn als Aufbruch ins Glück empfunden. Als wäre nicht gerade die amerikanische Spielart der Globalisierung, die von Hybris gekennzeichnete alleinige Deutungshoheit von Demokratie und Wirtschaft, diese ausschließliche Globalisierung des Kapitals und der maximalen Rendite, die Ursache für die derzeitige Krise.

Wie überall in der westlichen Hemisphäre scheint auch in den USA die primäre Aufgabe darin zu bestehen, mit Rettungspaketen in Schwindel erregender Höhe den Fäulnisgeruch einer imgrunde gescheiterten Ideologie so schnell wie möglich zu überdecken, um die Maschine anschließend wieder auf Hochtouren in Betrieb zu nehmen. Nichts deutet darauf hin, dass Barack Hussein Obama etwas anderes plant. Nicht viel mehr lässt erahnen, dass der Großteil der Amerikaner überhaupt etwas anderes will.

Es ist daher davon auszugehen, dass das inhaltsleere Marketinggeschwätz vom Change nicht zu einem Happy End führen wird. Der Rest der Welt sollte aufhören zu träumen und sich auf ein Amerika gefasst machen, das noch viel fordernder und im Zweifel auch rücksichtsloser seine Probleme auf Kosten anderer wird lösen wollen.

Dies ist ein Gastbeitrag von Stephan Lüdde.

17 Kommentare:

Anonym 24. Januar 2009 um 10:38  

Mit Obama an der Spitze hat die PR-Agentur der amerikanischen Führungsriege endlich wieder eine Symbolfigur, welche es weltweit wieder möglich macht mit anderen Ländern gemeinsame "Politik" zu betreiben.

Jetzt wo im Ausland eine breite Bevölkerungsschicht endlich wieder pro Amerika sein kann, da der böse Bush nun endlich weg ist, können die jeweiligen demokratischen Regierungen endlich wieder ganz öffentlich mit Amerika gemeinsame Sache machen - ohne das das Volk deswegen gleich im Dreieck springt oder Kanzlerkandidaten wie Schröder mit einem Anti-Bush-Wahlkampf den Wähler von sich überzeugen.

Ab jetzt ist Amerika endlich wieder ohne malus - PR sei Dank, nun kann man endlich wieder gemeinsam in den Krieg ziehen.

Anonym 24. Januar 2009 um 11:01  

Sie haben die Situation gut erkannt.

Das tolle Land, in dem ca. 50 Millionen Menschen keine Krankenversicherung haben, in dem ein ungeheures Maß an Armut herrscht, das Agent Orange einsetzte, das seine eigene Soldaten zu Testzwecken den Strahlen der Atombombe aussetzte, in dem es Bootcamps gibt, in dem ca. 60 % der Menschen die Evolutionstheorie ablehnen, das Todesschwadronen eingesetzt hat, das aus reinen Machtgründen heraus mit Diktatoren zusammenarbeitet, die Todesstrafe verhängt, sich in der UNO immer wieder Extrawürstchen rausnimmt, ...

Pfui, mit dieser Supernation will ich nichts zu tun haben.

Ich glaube auch, das auf den Obama-Rausch ein Kater folgen wird. Ein ganz schmerzhafter.

Anonym 24. Januar 2009 um 11:35  

Dass sich die USA nicht vom Denken in rassistischen Kategorien getrennt haben, beweist doch der gesamte Wahlkampf: Nun soll alles besser werden - man höre: weil der Kandidat ein Schwarzer ist. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an Rice und Powell aus Bushs Kabinett, die ja ebenfalls keine Weißen waren. Aber haben sie eine andere Politik als Bush gemacht?
Ich gebe diesem Statement in allem recht: Mit einem schwarzen Präsidenten lassen sich die aggressiven Forderungen des USA-Imperialismus viel "glaubwürdiger" durchsetzen als mit der frömmelnden Bulldogge Bush. Insofern hat die Welt von einem Obama wohl kaum etwas Gutes zu erwarten. Und darüber können Sprechblasen wie "Change" und "Yes, we can" doch nun wirklich nicht hinwegtäuschen. Ich registriere, wer diesen Wahlkampf finanziert hat, wer Obamas Berater sind - und bin von allen Illusionen bereits jetzt geheilt.

Tony 24. Januar 2009 um 12:15  

In Abwandelung eines Satzes den ich vor einem halben Jahr gehört habe:

Obama wird vermutlich der beste Präsident sein, den das US-Amerikanische System hervorbringen kann.

Ich bin skeptisch, jedoch hoffnungsfroh. Ich werde weiterhin das kritisieren, was zu kritisieren ist und mich für eine bessere Welt einsetzen, eine Welt ohne Kapitalismus und ohne Krieg.

Anonym 24. Januar 2009 um 15:30  

Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt alles Spekulation. Bevor man Obama heilig spricht oder verdammt, sollte man ihm zumindest die Zeit zu Handlungen geben, die die eine oder die andere Position rechtfertigen (oder ihm gar zugestehen, weder nur das eine noch nur das andere zu sein). Für den Mord an den Ureinwohnern, Vietnam oder die Atomwaffentests kann er nun wirklich schlecht verantwortlich gemacht werden. Es bleibt abzuwarten, wie er die von den US-Amerikanern anscheinend als natürlich gegeben angesehene Führungsrolle dieser Nation (in diesem Kritikpunkt gebe ich dem Autor Recht) umsetzt. PR-Reden zur Meinungsmache in der Öffentlichkeit sind für mich nicht das ausschlaggebende Moment für das Urteil über einen Präsidenten.

Sarina

Anonym 24. Januar 2009 um 17:46  

@Sarina

Ich stimme dir zu, es bleibt abzuwarten was Obama wirklich tut - ohne gleich in plumpen Antiamerikanismus zu verfallen.
Übrigens, wäre Obamas Mutter nicht US-Amerikanerin gewesen, dann wäre Obama wohl nie geboren, oder Kenianer. Seine Heimat ist prompt Stolz - auch als er diese im Wahlkampf als US-Senator Obama besucht hat -, aber auch euphorisch, die Euphorie dämpfte Obama in der Heimatstadt seines Vaters in Kenia mit folgendem Satz: "Man sollte sich nicht zuviel von ihm versprechen." Diesen Satz äußerte er in einer PR-Doku über den Besuch bei seinen Wurzeln in Kenia mit dem Titel: "Barack Obama - Ein Superstar auf den Spuren seiner Vorfahren" - mittlerweile auf DVD ausleihbar. Ein Satz der mir bitter aufstieß, zumal Kenia nicht gerade als eines der reichsten afrikanischen Länder bekannt ist - wen der Menschen, die tatsächlich von Hunger und Armut bedroht sind so etwas sagt, dann hoffe ich, dass er dies nur aus falscher Bescheidenheit gesagt hat. Ansonsten ist es zynisch, aber ich hoffe immer noch, dass ich Obama falsch verstanden habe, da dieser Mensch mir sympatisch ist, gerade wegen seiner ehrlichen Ausstrahlung, dem spotten von Bush-Unterstützern - einer bezeichnete ihn gar als "afroamerikanischen Marxisten". Als Marxist gilt man ja heute nicht mehr aufgrund der marxistischen Ideologie, sondern einfach aufgrund der Tatsache, dass man für den Wohlfahrtsstaat eintritt, in diesem Sinne hoffe ich, dass Obama wirklich ein Marxist ist.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Für Angie/Westerwelle, da bin ich sicher sind die finstersten Kommunisten Willy Brandt (SPD) und Ludwig Erhardt (CDU)....ganz ohne Ideologie....einfach nur weil die für den "Wohlstand für alle" (Zitat CDU-Mann Ludwig Erhardt) eintreten. Soweit ist die neoliberale PR in Deutschland mittlerweile gelangt. Übrigens, ich sehe mich im Sinne von Brandt und Erhardt, und hoffentlich auch Obama, auch als "Marxist".

Anonym 24. Januar 2009 um 20:03  

Sorry vorher noch einen Hinweis vergessen, die US-Republikaner verspotten die Obama-Regierung als "Regierung der Intellektuellen".

Dies ist noch eine Tatsache, die mir im Gegensatz zum Dummkopf - George W. Bush wußte nicht einmal wo die Länder auf der Landkarte liegen, die er bombardieren läßt - Bush die Obama-Regierung direkt sympathisch werden läßt.

Und eine Regierung McCain wollte - bei der fundamentalistischen Vizepräsidentin aus dem eisigen Alaska, Frau Palin - sicher auch global niemand - die wäre genauso dämlich & kriegstreiberisch wie der "Gotteskrieger" George W. Bush gewesen.

Oder wollte die wirklich jemand ernsthaft lieber als Obama haben?

Frägt sich
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 24. Januar 2009 um 21:41  

Hat sich hier auch nur irgendjemand mal Gedanken gemacht, warum Obama sogar von deutschen Neoliberalen (u.a. Stoiber, von Dohnanyi bei der unsäglichen Illner-Sendung am Donnerstag, einfach mal bei ZDF.de das Video anschauen) für gut befunden wird. Ein "Linker" kann Obama damit schon mal nicht sein.

Buchtipps:

Webster Tarpley - Barack H. Obama - The unauthorized biography

Webster Tarpley - Obama - The postmodern coup - Making of a manchurian candidate (deutsche Version: Wie ein US-Präsident gemacht wird)

Anonym 24. Januar 2009 um 22:45  

"[...]Ein "Linker" kann Obama damit schon mal nicht sein.[...]"

Gegenfrage:

Hast du einmal Obamas Bücher gelesen?

Und was die Neoliberalen angeht, die haben sich schon mehr als einmal geirrt, mit ihrer gescheiterten neoliberalen Weltsicht - siehe Weltwirtschaftskrise II, verharmlosend Finanzkrise genannt.

Das Stoiber, Merkel & Co. sich nicht schämen als Neoliberale gelten zu wollen jetzt wo die neoliberale "Mauer gefallen ist" (Zitat kein geringerer als Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz)

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Obama braucht auch kein "Linker" im dt. Sinne zu sein - im us-amerikanischen reicht mir völlig.

Übrigens, der "linke" Bush- und Clinton-Kritiker Michael Moore wird da schon aufpassen, dass bei Obama alles in die richtige Richtung läuft:

http://www.michaelmoore.com (auf englisch)

Anonym 24. Januar 2009 um 22:46  

"[...]Webster Tarpley - Obama - The postmodern coup - Making of a manchurian candidate (deutsche Version: Wie ein US-Präsident gemacht wird)[...]"

Das Buch gilt übrigens als klassische Verschwörungstheorie - wie z.B. die diversen Verschwörungstheorien um den 11. September 2001.

Ich bleib dabei abwarten....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 24. Januar 2009 um 23:39  

Ja, habe ich gelesen. Äußerst schwammig und kitschig. (Tarpley liefert einige nähergehende Fakten und gegenteilige Sichten zu Dreams from my father...hochinteressant!)

"Verschwörungstheorie" (heutzutage wird man schon für jede 'gefährliche' Wahrheitsaufdeckung mit dieser Vokabel totgeschlagen) hin oder her...die unauthorized biography über Obama solltest du aber schon mal lesen. Es ist doch äußerst seltsam, dass dies das einzige Buch ist, was kritisch mit Obama umgeht. Es ist doch wichtig, woher Obama kommt, wer ihn finanziert usw. Die Nominierungen von Rahm Emanuel, Timothy Geithner (Protégé von Kissinger!! einfach mal googlen) oder Robert Gates sprechen doch jetzt schon Bände.

Man muss auch nicht alles *automatisch* glauben, was darin steht, sondern kann einige Sachen selbst nachrecherchieren und dann immer noch verdammen. Das Buch regt sehr zum Nachdenken an und es ist wichtig, JETZT über Obama nachzudenken, um vorbereitet zu sein. Tarpley hat fundiertes Historikerwissen (in Postmodern Coup verweist er auf die Bsp. mit Mussolini und Hitler, die ja auch unter "Linker Flagge", der Arbeiterbewegung, hochgespült worden sind, also "Trojanische Pferde" benutzten, so wie jetzt auch Change und Hope als Hohlvokabeln transportiert werden und es unter Obama sogar "Green corps" (corps! sic!) oder "peace corps" (sich!) gibt; und das Land wollten Mussolini und Hitler auch "einigen", wie übrigens auch Bush 2001 in seiner Antrittsrede äußerte). Wer weiß, vielleicht versteht man ja damit gewisse Amtsentscheidungen besser oder kann schon vorausdeuten. (Randnote: als Tarpleys Bücher erschienen, war noch nicht klar, ob McCain oder Obama Präsident wird; das ist der Beweis, Tarpley hat diesen Punkt schon mal sehr gut vorausgeahnt!) Wer Tarpleys gründlich recherchierte George Bush senior Biografie gelesen hat, der weiß, dass er unmöglich ein paar persönliche Abrechnungen mit den Herren über die er schreibt, haben kann (er kommt aus der Bürgerbewegung, ist kapitalismuskritisch und strenger Kriegsgegner).

Tarpley geht in der Biografie z.B. Obamas Familienstruktur nach, wo erste Verbindungen zwischen einem Afrikaner (Obamas Vater oder Großvater, glaube ich mich zu erinnern) und einem britischen Kolonialisten (ergo: der erste Kontakt der Obama-Familie zu einer bestimmten Elite) aufgezeigt werden oder dass Obamas Mutter bei der Ford Foundation gearbeitet hat und Obama nur private Unis besuchte (also das genaue Gegenteil einer durchschnittlichen Afroamerikaner-Bildungskarriere!!).

Frage: warum wurde Obama als "idealer Kandidat" ausgewählt? Meinst du, die hätten einen Sozialdemokraten oder Kommunisten hochgelassen, der das Finanzsystem gründlich von den Schergen gesäubert hätte bzw. einen Pazifisten, der mit den Kriegsverbrechen ein für alle mal Schluss macht?

Anonym 25. Januar 2009 um 00:47  

Obama wird eher wie die Clintons Spielchen spielen, die nicht so leicht zu durchschauen sind.

Das heißt, es gibt keine Verwendung mehr für die kriegstreiberisch-plumpe Bush-Garde - und genau die lässt Obama ja jetzt zum Teil vor Gericht stellen, um die "Verbrechen" aufzuarbeiten ;-), d.h. um die Bush-Garde überhaupt loszuwerden.

Irrt euch nicht, unter Clinton wurde begonnen, die Finanzmärkte zu entfesseln und anderen Ländern durchaus weitreichende ökonomische Fesseln anzulegen - mit Spielraum zwar aber ohne Zweifel unter amerikanischer Dominanz.

Obama lässt in dieser Hinsicht leider keine Besserung erkennen. Die Freilassung der Guantanamo-Gefangenen und die Abkehr von der No-Sex-before-Marriage-Kampagne der Bush-Garde sind nur Zuckerstückchen für die Affen. Ob die Guantanamo-Gefangenen nicht schlicht in normalen US-Militärgefängnissen ihr Leben werden fristen müssen, wird sich noch herausstellen, denn wenn die freigelassen werden, werden die sich erstmal vor die Kameras stellen und das wäre ein PR-Desaster für die USA. In Aufarbeitung der US-Verbrechen waren die USA nämlich immer schon schlecht.

Putin hat von mehreren Machtzentren in der Welt gesprochen.
Obama ist noch lange nicht so weit, der glaubt an die Überlegenheit und die Vormachtstellung des American Way of Life. Leider will er uns allen genau diesen Weg aufzwingen und ist vermutlich nicht lernfähig, was andere Wege angeht.

Interessant wird, zu sehen, wie Obama die Beziehungen zu Iran oder zu Chavez (war Venezuela, gelle) gestalten wird.

Die Töne, die bisher nicht von Obama zum Gaza-Krieg kamen, lassen jedenfalls nix gutes für den Palästina-Israel-Konflikt und die Gegend da unten (Irak, Iran) ahnen.

Und selbst wenn Obama change wollte, ist die Frage, ob man Obama denn lässt, wie er will. Man soll sich nicht einreden, ein Präsident könnte ganz alleine regieren, wie er denkt, wenn er das denn tut. Bei Bush war das ja durchaus fraglich.

Obama ist besser als McCain.
Aber ob Obama irgendwie gut ist, wird sich noch herausstellen.

Anonym 25. Januar 2009 um 08:23  

Im Augenblick sage ich nur: Holzauge sei wachsam.

Good Cop, Bad Cop.

Anonym 25. Januar 2009 um 13:57  

Neoliberale sind eben nichts anderes als "alte kalte Krieger", die mit der Ideologie Reagans/Thatchers vom "Reich des Bösen" bzw. der Totalitarismusdoktrin Hannah Ahrendts auch heute noch hantieren, obwohl die längst - von der Geschichtsschreibung - relativiert sind.

Anonym 25. Januar 2009 um 21:07  

"Die Nominierungen von Rahm Emanuel, Timothy Geithner (Protégé von Kissinger!! einfach mal googlen) oder Robert Gates sprechen doch jetzt schon Bände."

Nicht zu vergessen die Inanspruchnahme der
Beraterzombies Zbig Brzezinski
und Paul Volcker ("Volcker-Shock").

Es wird sich nichts ändern, nichts.

otti 27. Januar 2009 um 01:41  

"Change" erinnert mich an die 'Schangsen' (Chancen) der freien Marktwirtschaft nach dem Fall der Mauer.
Die blühenden Landschften sind inzwischen von Unkraut überwuchert.

Anonym 27. Januar 2009 um 11:10  

@otti

Zum Fall der Mauer weise ich auf Joseph Stiglitz, den Wirtschaftsnobelpreisträger, hin, der die Finanzkrise als "Fall der Berliner Mauer" des Neoliberalismus bezeichnet hat.

In diesem Sinne....hoffen wir beide auf eine bessere Welt dank Obama.....

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