Frechheit, die die Seiten gewechselt hat

Donnerstag, 22. Januar 2015

Was darf Satire? Alles! Das stimmt und stimmt nicht. Denn Satire hat auch mit dem Mut zu tun, dem mächtigen König die Leviten zu lesen und nicht den wehrlosen Bauern. Wenn Satire überhaupt etwas bedeutet, dann das: Denen »da oben« und dem Massengeschmack eines auszuwischen.

Jetzt stellen sie sich mal wieder die Frage, was Satire so alles darf und soll. Bedenkenträger sehen Grenzen. Andere glauben, es gibt keine. Das langweilt schon langsam. Alle Jahre wieder ein solcher Diskurs. Seit Tucholsky. Mich würde indes interessieren, ob jedes Gekrakel als Satire durchgehen soll. Und ist es eigentlich Satire, wenn man in einem Klima allgemeiner Islamfeindlichkeit die Symbolik des Islam verspottet? Denn immerhin ist das Wort »Satire« die Schöpfung eines Kynikers. Menippos von Gadara nannte so seine kynischen Spottverse. Der Kyniker war grundsätzlich einer, der gegen »die da oben« war, gegen die Mächtigen, den Mainstream und den Zeitgeist. Das Gegenteil davon ist der Zyniker. Besser gesagt nicht das Gegenteil, sondern seine evolutionäre Fortentwicklung.

6 Kommentare:

Unknown 22. Januar 2015 um 17:41  

Satire soll m.E. auch lehren, auf andere Art, nicht trocken, sondern eben auf spielerische Art mit viel Hintersinn. Aber was sagt uns ein Turbankopf mit Rakete?

Anonym 22. Januar 2015 um 19:46  

Das erscheint mir nun doch etwas undifferenziert.

Islam- und Islamismussatire ist sehr wohl Herrschaftssatire. Nämlich gegen die Herrschaft einer Ideologoie. Eine sehr reale Herrschaft noch dazu, sowohl als staatliche Macht als auch als Herrschaft in den Köpfen. Sie ist keinswegs schon implizit gegen Muslime gerichtet sondern zunächst einfach gegen deren Ideen. Da ist Satire nicht nur möglich sondern notwendig. Besonders in einem Land (dieses) das sich erblödet Blasphemie strafrechtlich zu ahnden.

Und wer Islamisten auf die Schippe nimmt der macht sich sicher auch nicht per se dem Zynismus schuldig. Diese representieren bekanntlich nicht die Gesamtheit aller Muslime, maßen sich dies aber an. Ein solcher totalitäre Anspruch der sich durch Gewalt und Unterdrückung Geltung verschaffen will ist genau das was die Satire der Lächerlichkeit preisgeben muss, nicht zuletzt zugute der Menschen die am meisten unter ihm leiden müssen: Muslime.

kevin_sondermueller 23. Januar 2015 um 11:19  

Guter Beitrag! Mal von der
zynischen Islamkritik abgesehen:
die Alltags-Satire für empathiebefreite Geistesarme findet ja seit Jahrzehnten im Privatfernsehen statt – als Prekarierbashing und Bloßstellung hilflos Armer, wahrscheinlich unter dem Einschaltquotenapplaus der PEGIDA-Verdächtigen. Etwas, an das sich gewöhnt zu haben, unserer Restgesellschaft ein Verrohungszertifikat ausstellt.

Zu Diogenes von Sinope: dort stand seine Wiege, nicht sein Kithos aka Tonne. Er wurde wegen Falschmünzerei aus seinem Geburtsort verbannt – als lupenreiner Kyniker musste er
einfach den Geldhokuspokus verachten und verhohnepiepeln.

Anonym 24. Januar 2015 um 08:30  

Ein guter Beitrag.
Der Islam als spät gestiftete Religion (7. Jahrhundert) ist wie jede Religion, eine frühe Form des sozialen Bewusstseins. Somit untrennbarer Bestandteil der menschlichen Kultur. Und es ist vieles Auslegungssache. Je nach dem.
Das Etymologische Wörterbuch sagt zu Satire:
Kritische, mit Ironie, Komik und humoristischer Überspitzung (gesellschaftliche) Missstände verspottende Dichtung oder Darstellung, Spottgedicht, indem menschliche Torheiten verspottet werden.
Alles peinlich, wie mit Begriffen hantiert wird. Aber das liegt generell am omnipräsenten Orwellschen Sprachgebrauch.

Anonym 24. Januar 2015 um 12:29  

Hallo anonym,
der Islam als spät gestiftete Religion (7. Jahrhundert) ist wie jede Religion, eine frühe Form des sozialen Bewusstseins?
Was ist mit dem antiken Griechenland über 1000 Jahre zuvor? Und auch davor gab es natürlich schon "soziales Bewusstsein".

Anonym 24. Januar 2015 um 14:52  

Homo homini deus est. Religion existiert wenigstens seit der Menschwerdung und ist nicht zufällig oder willkürlich entstanden. Sie basiert auf dem wesentlichen Unterschied des Menschen vom Tier, denn die Tiere haben keine Religion (Ludwig Feuerbach).

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