Die Flucht der Frau vor den Frauen, die Sozialhilfe benötigen

Samstag, 8. Februar 2014

Bravo, Alice Schwarzer! Erneut hat sie als Vorkämpferin der Emanzipation eine Marke gesetzt und von sich Reden gemacht. Im Sinne der Gleichstellung wie sie sie meint war das längst fällig. Warum sollen nur Männer Steuerflucht begehen dürfen? Wer sich beruflich selbstverwirklichen und Geld verdienen darf, so mag sie sich gedacht haben, der soll auch das Finanzamt und die Gesellschaft prellen dürfen. Die Kerle tun es doch auch.

Früher parolierten Feministinnen "Mein Bauch gehört mir!" - heute gibt uns die Feministin zu verstehen: Mein Geld gehört mir. Man muss mit der Zeit gehen. Früher ging es noch um Bürger- und Menschenrechtliches in der Sache. Heute um das Recht derer, die gut verdienen. Sie sind halt alle oben angekommen und kämpfen jetzt von dort aus gegen Ausbeutung. Nur der Ausbeuter hat sich geändert. Vormals war es der Mann - jetzt ist es der Staat, der die Leistungsträgerin schröpft, um davon die Hartz IV-Pomeranze durchzufüttern. Mensch, früher hat eine Frau nicht mal Leistungsträgerin sein und Steuern hinterziehen können. Schwarzer hat viel für die Frauen geleistet.

Für Verkäuferinnen sind die Positionen, die Schwarzer heute so vertritt, nichts als eine auf Genitalien fokusierte Folklore ohne Realitätsbezug. Seien wir doch mal ehrlich: Die Gleichheit der Löhne ist in diesem unteren Segment des Arbeitsmarktes schon lange umgesetzt. Alle verdienen geschlechterübergreifend wenig. Aber die Schwarzisten trichtern uns ein, dass es immer noch um Frau gegen Mann geht. Nicht etwa um arm gegen reich. Lohnungleichheiten mögen irgendwo in der Einkommensliga 5.000 Euro aufwärts besonders ausgeprägt sein. Aber da geht es auch nicht mehr um Überleben und um schlafraubende Sorgen, weil man seine Stromrechnung kaum bezahlen kann. Bei normalen Angestellten sind die Aussichten übergeschlechtlich genauso beschissen. Es geht doch Schwarzer schon lange nur noch darum, eine Gleichstellungsbeauftragte für jenen Teil der Frauenschaft zu sein, der oben angekommen ist. Das hat sich über Jahrzehnte so entwickelt.

Für die Gleichstellung hat sie ganz zweifelsfrei viel getan. Ihr Weltbild war jedoch immer gewöhnungsbedürftig. "Sind Frauen die besseren Menschen? Nicht unbedingt. Sie sind nur ohnmächtig ...", schrieb sie vor vielen Jahren. Ohnmächtig in einer männlichen Welt. Oder verständlicher: Die Frau ist nur manchmal schlecht, weil es den Mann gibt. Und als Opfer sieht sie sich ja auch jetzt. Sie hat nur noch nicht gesagt, welcher Mann sie zur Steuerhinterziehung trieb.

Wahrscheinlich war sie aber auf andere Weise von einer Ohnmacht befallen. Einer, die sie als Leistungsträgerin einem Staat auslieferte, der ihr schwer verdientes Geld einsammelt, nur um Schmarotzer zu finanzieren. Es war vermutlich, wie bei mehr oder weniger allen Steuerbetrügern, die Flucht des Geldes vor dem Zugriff eines Staates, der ja nicht richtig mit Geld umgehen kann und es auch noch selbstgerecht verpulvert. Für sinnlose Brückenbauprojekte und Arbeitslose. Sozialismus! rufen manche Leistungsträger ja auch gerne in voller Blindheit dieser Umstände. Kennen wir ja alles. Hatten wir schon. Der Hoeneß hat deswegen sogar gewimmert wie ein Bub bei der Tetanusimpfung.

Bei Schwarzer war es allerdings noch ein wenig mehr: Es war unter anderem die Flucht der Frau vor den Frauen, die Sozialhilfe benötigen. Nicht mal für ihre in Elend lebenden Geschlechtsgenossinnen hatte sie sozialstaatliche Sympathie. Aber hat man sie je etwas über die Lage von Frauen in Arbeitslosigkeit reden hören? Hat sie je die Not von Hartz IV-Empfängerinnen thematisiert? Komisch eigentlich, denn Ein-Euro-Jobberinnen hat sie schon mal wahrgenommen. Bei der Emma wollte man vor Jahren mal welche "einstellen".


12 Kommentare:

ulli 8. Februar 2014 um 11:51  

Es ist ein Phänomen dieser Generation. Wenn man Schröder und Fischer in den Siebzigern prophezeit hätte, dass sie mal den Sozialstaat abwickeln werden, hätten sie sich das nicht vorstellen können. Fischer hat damals bei Opel, Rüsselsheim gejobbt, um die Revolution anzuzetteln. Schwarzer war mit Simone de Beauvoir befreundet, die angesichts der heutigen Verhältnisse womöglich wieder die Maoisten unterstützen würde. Aufgewachsen in den Ruinen Nachkriegsdeutschlands, meist in ärmlichen Verhältnissen, ging es für diese Leute seit den Sechzigern nur aufwärts. Auch den Muff der Adenauerära konnten sie abstreifen. Wirtschaftlicher Druck wurde in Deutschland eigentlich bis zum Ende der Achtziger auf keinen Menschen ausgeübt. Es handelt sich um eine extrem privilegierte Generation, die zudem mit einem massiven Egoismus gesegnet war. Heute sind sie alle wohlhabend bis reich. Aber irgendwann haben sie auf ihrem Weg nach oben alle die Peilung verloren, was richtig und was falsch ist.

Sledgehammer 8. Februar 2014 um 13:33  

Bei "Satrapen" und Egalitären markieren meist Grobheit, Megalomanie und Radikalität den Rang.

Anonym 8. Februar 2014 um 17:19  

uli 11:51

" Es handelt sich um eine extrem privilegierte Generation, die zudem mit einem massiven Egoismus gesegnet war."
Das mit den Verallgemeinerungen ist halt immer problematisch. Denn so ist die Charakteristik nicht akzeptabel. Es war eigentlich das Ziel genau dieser Generation für eine sozial gerechtere Gesellschaft zu kämpfen. Aber irgendwas kam dazwischen, zumindest bei den Großkopfeten dieser Generation. Hat sie die Macht korrumpiert? Hatten sie nie die richtige sprich nachhaltige Erdung? Waren ihre Ansprüche nur theoretischer Natur? Ich denke es war all dies und deshalb muss man sie an ihrem Ursprung messen und ihnen immer wieder vorhalten, was sie einmal angestrebt haben - man muss sie entlarven, um ihnen ihren Gurustatus zu nehmen.

MEINT ANNMERKER

Unknown 8. Februar 2014 um 18:13  

Das ist nicht ganz richtig. Auch in den Klassen unter 5000 EUR im Monat und im Niedriglohnbereich gibt es Unterschiede in der Bezahlung von Mann und Frau. Und Ostfrau ist noch einmal niedriger anzusetzen. Vergessen wir nicht die Frauen, die einen, wie man heute sagt, migrantischen Hintergrund haben, die sind in der Lohnskala die allerletzten. Vielleicht werden sie noch nach unten getoppt von Tagelöhnern, das weiß ich aber jetzt nicht genau. Ich sehe das Problem auch in den gesellschaftlichen Verhältnissen. Schwarzer ist weit weg von denen, die gerade mal so über die Runden kommen. Sie lebt in einer anderen Welt als die meisten Frauen. Ihr Interesse ist auf Frauen der oberen Mittelschicht bis weiter oben fokussiert.

Hartmut B. 8. Februar 2014 um 21:55  

schon in den 70ern war mir diese Frau dermaßen unsympathisch, das kommt mir jetzt wieder hoch - es ist ein widerliches Weibstück. Ihre egomane Haltung und ihre scheinbare
Einstellung, Frauen seien was besseres hat mich schon damals angewidert.
Und genau, sie ist eine Emanze, die sich nie und nimmer um sozial Schwächere auch nur um ein Haar gekümmert hat.....

sie war und ist wohl profilierungssüchtig --- soll sie damit glücklich werden und ihr Heil weiter bei der Blöd-Zeitung suchen......

Manfred Peters 9. Februar 2014 um 11:28  

„Nicht mal für ihre in Elend lebenden Geschlechtsgenossinnen hatte sie sozialstaatliche Sympathie. Aber hat man sie je etwas über die Lage von Frauen in Arbeitslosigkeit reden hören?“ 
Warum auch, denn diese Geschlechtsgenossinnen werden nicht die Emma kaufen. Schwarzers Feminismus war von Anfang an ein neoliberales Geschäftsmodell, das zu Beginn in eine kapitalistische Marktlücke stieß und damit einen gewissen Erfolg hatte. Da kam für Schwarzer der Supergau in Form der Frauen aus der DDR in die reale Bundesrepublik. Im Stile und brutaler als die Kinkel-Doktrin mussten die Errungenschaften der Frauen in der DDR diskreditiert und delegitimiert werden.
Zitat: Emma Schwarzer 1. Januar 1990:
„... Schlimmer noch: Die "Mutti-Politik" wurde in den letzten Jahren in der DDR auch noch gesetzlich festgeschrieben durch "Babyjahr" und "Haushaltstag". ... In den Jahren des weltweiten westlichen Aufstands der Frauen herrschte tiefes Schweigen in der DDR....“
Was heute als sozialer Fortschritt verkauft wird, war damals laut Schwarzer und Co. kommunistisches Teufelswerk.
Wer sich die ganze Eloge zur Gemüte führt und auf einige vergiftete positive Anmerkungen stößt, bitte nicht darauf reinfallen bzw. als Gegenargument vorbringen.
Die von Schwarzer hochgelobte und unterstützte neue Frauenbewegung in den NBL (der autonome feministische "Dachverband"später  Unabhängigen Frauenverband (UFV)) existierte nur kurze Zeit.

Anonym 9. Februar 2014 um 12:54  

Ich sehe das so: Das Prinzip ist ganz einfach: wer sich ganz unten eingerichtet hat, meckert zuhause vor Fernseher und Frau. Wer finanziell eine Stufe besser dasteht, meckert in der Kneipe. Die finanzielle Mitte hält das Maul, weil sie den Verpflichtungen (Kredit auf Auto und Haus und Urlaub und..., Bildungsrun des Kindes/der Kinder) auch morgen noch aufbringen wollen bzw. müssen: der zufriedene Demokrat, geht zum meckern mit sich allein in den Keller bzw. versucht z.B. durch regelmäßigem Besuch in der Kirche oder dem Tanzverein ein sinnvolles Prinzip zu erkennen....
Die nächste Stufe freut sich über jeden Euro "extra", der klamm heimlich zur Seite gelegt werden kann (es vermittelt das Gefühl einer lebensverlängernden Maßnahme und Abgrenzung von weiter unten...) und der kleine Rest ganz oben kann niemals genug bekommen. Dort ist man unter sich - ein eigenes, fast unantastbares Refugium. Wer auch immer mit den besten Absichten auf dem Banner dort angelangt ist, wird in der Regel seine alten Prinzipien vergessen. Die wenigen nicht käuflichen, die dieses Prinzip überwunden haben, sind die idealen Menschen. Gandhi, Martin Luther King, Franz von Assisi, John Lennon... es gibt noch ein paar wenige.

Anonym 9. Februar 2014 um 13:56  

Was die meisten noch gar nicht verstanden haben, wie ich fürchte:
Die SPD trägt jetzt die Politik von Merkel mit (soweit sie es nicht schon in der Opposition getan hat). Die SPD wird also in den nächsten Jahren fortwährend Entscheidungen treffen, die gegen das Programm der Linkspartei stehen... Diese Entscheidungsträger können also unmöglich mit der Linkspartei koalieren, bzw. die Linkspartei unmöglich mit diesen, da diese dann von ihren eigenen Entscheidungen zurücktreten müssten. Und da diese Politiker noch mindestens die nächsten zwei Bundestagswahlen in der SPD sind, ist eine Regierungsbeteiligung der Linkspartei in dieser Zeit praktisch ausgeschlossen...

Anonym 9. Februar 2014 um 17:29  

@ anonym (13.56h)

ich möchte hiermit einen Gruß vom niedersächsischen Landesparteitag DIE LINKE. in Goslar ausrichten und mich auf @ anonym 13.56h beziehen:
Aktueller Stand beim Thema Koalitionsbereitschaft mit der derzeitigen "S"PD : Quer durch alle Kreisverbände geht die Meinung: mit denen NICHT !
In der derzeitigen Ausrichtung und mit dem derzeitigen Personal ist diese angeblich sozialdemokratische Partei Deutschlands als Koalitionspartner definitiv unvorstellbar.

Anton Chigurh

pillo 9. Februar 2014 um 17:49  

Ich habe nie verstanden, wie man diese Frau jemals als links oder emanzipatorisch einordnen konnte. Ihr Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen war doch in Wahrheit zumeist ein Kampf gegen alles männliche - vollkommen dogmatisch, verbiestert und simplifizierend.

Schwarzer war und ist der Prototyp der "Kampfemanze", die Dinge allein schon deshalb gut findet, wenn sie von einer Frau anstatt von einem Mann exekutiert werden. Wer schon normalen Sex zwischen Männern und Frauen zu einem Gewaltakt stilisiert und in allen Männern potentielle Vergewaltiger sieht, hat in meinen Augen einfach einen an der Klatsche.

- Sie warb 2005 einzig deshalb für Merkel, weil sie unbedingt eine Frau im Kanzleramt haben wollte.

- Schwarzer wurde von der CDU in die Bundesversammlung zur Wahl von gauck berufen.

- Sie warb und schrieb für die BILD.

- Sie vorverurteilte Kachelmann in eben diesem Schmierblatt und trat selbst nach dessen Freispruch noch nach.

- Sie führt einen derart dogmatischen Kampf gegen die Prostitution, dass selbst Prostituierte sich dagegen wehren.
http://www.youtube.com/watch?v=LjQ__khZc1s

- Tja, und nun kommt heraus, dass sie jahrzehntelang Geld in der Schweiz gebunkert und Steuern hinterzogen hat. Wieso hat mich das nicht überrascht?

Wer so jemanden als "moralische Instanz" ansieht, dem ist nicht mehr zun helfen.

Ute Gisela 9. Februar 2014 um 20:27  



Frau Schwarzers Schwarzgeldkonten könnten mit eine Erklärung dafür sein, warum sie 'Frauenarmut' nicht in den Vordergrund ihrer Kampagne gegen Prostitution rückte. ;-)

flavo 10. Februar 2014 um 09:36  

Geschlecht und Klasse. Es ist im Feminismus geschehen, dass der Neoliberalismus die Klasse wegdefiniert hat und somit hatte man nicht mehr mit zu denken, dass es auch Klassen gibt, sondern konnte nur mehr denken, dass es nur Geschlecht gibt. Wären die Klassen noch anerkannt geblieben, wäre wenigstens ein Anreiz da zu überlegen, ob man denn die eigenen Klassengrenzen transzendieren tue bzw. wie man denn von der eigenen Klassenzugörigkeit konditioniert werde. Dies gibt es aber nicht mehr, man gehört einem allgemeinen gesellschaftsweit diffundierten Zeitgeist an.
Zweifellos war die Erwartung berechtigt, dass die ganzen progressiven Strebungen der Nachkriegszeit ein Interesse an ungerechten Klassenordungen haben würden. Offensichtlich aber konnte on the fly in den Neoliberalismus übergewechselt werden und die Klassen verschwanden und an ihre Stelle rückten Atomindividuen, deren Position in der Sozialhierarchie (0...2) aus der Formel psychophysische Leistungspotenz (0...1) + Wille (0...1) zu resultieren hat. Axiom ist dabei: eine mittlere Position entspricht der 1 und mit maximalem Willen erreicht man diese Position.
Das Geschlecht wird in der beispielhaften sozialhierarchischen Lage 1,4 dann zu einer Dekonstruktionsaufgabe. Die ästhetische Parodie ist etwa die Antwort auf allzu feste Zuschreibung einer Frauenrolle, z.B. die kurzen Haare statt der langen Haare oder eine besonders gestylte Hausschürze mit Zehensandalen. Ernstere feministische Anliegen sind dann z.b. die Anzahl von Frauen in Aufsichtsräten.
Die Entwicklung dieser Generation ist äußert seltsam. Zweifellos gibt es psychische Gemeinsamkeiten. An diesen fasste sie der Neoliberalismus auch an und verstärkte ganz verhaltenstherapeutisch die positive Rückmeldung an diesen Zügen, sodaß diese Vorrang gewannen (z.B.: deine gute Position im allumfassenden Markt hast du nur durch deine Leistung erreicht. Fordere eine solche Leistung also auch bei anderen ein und versage ihnen einen lähmend-schützenden Sozialstaat oder einen guten Lohn) Manche, wie Joseph Fischer konnten ihre größenwahnsinnigen Neigungen ausleben und wurden Großkapitäne der Geopolitik. Viele siedelten sich in den Akademien an und wurden mit Lorbeeren von den besten amerikanischen Eliteuniversitäten überschüttet und die Exquisitheit intellektueller Kammermusik lies sie mit der Zeit eine Aversion gegen alles niedere verspüren. Jene, die nicht kompliziert genug sprechen können wurden stillschweigend entmündigt. So gilt die tiefmetaphysische Hintergrundannahme heute im Zeitalter der Postmetaphysik mehr denn je: was immer es zu sagen gibt, es muss kompliziert sein. Das Nachdenken über Welt, Mensch und Natur ist kompliziert. Einfache Aussagen sind nicht richtig. Warum dies so sei, weiß niemand. In der Sprache gibt es jedenfalls einen Sektor, an dem die Wörter so angeordnet sind, dass nur wenige sie entziffern können und zugleich die Wörter eine Wahrheit aussagen. Warum es diesen Raum in der Sprache gibt, weiß man nicht. So gibt es auch im Geld einen Sektor, wo es dichter ist und einen weiten brachen Sektor, wo es dünn wächst.

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