#Aufschrei der Dummheit

Samstag, 22. Juni 2013

Zunächst eine Information in eigener und des Lesers Sache und dann gehts zur Sache.

Ich habe mich für zweierlei entschlossen. Erstens: Ich führe eine neue Kategorie ein. Und zweitens: Meine Latein-Phase ist vorbei.

Das ehemals kleine Latinum wird eingedeutscht, wie die Kategorien dann heißen, erfährt man dort. Wer hochtrabende Label-Namen erwartet, wird enttäuscht sein. Die alten Kategorien werde ich einfach unter neuem Namen weiterführen.

Vielleicht ist es einigen schon aufgefallen, dass ich auch in den Seitenleisten das Lateinische herausgefischt habe. Mir sind die lateinischen Namen auf Dauer einfach zu unhandlich, zu statisch geworden. Fast wie Fremdkörper. Das war ich mal, bin ich aber nicht mehr. Ich will es weniger hochgestochen, etwas lockerer.

Die neuen Kategorie soll #Aufschrei der Dummheit heißen und sich mit Grafiken und Bannern beschäftigen, die mir in sozialen Netzwerken, vor allem bei Facebook begegnen. Die werde ich kommentieren und erklären, weshalb sie für mich Ausdruck von Dummheit sind. Ich tue das, weil die Segnungen der sozialen Netzwerke nur eine Seite der Medaille sind. Täglich begegnet mir bei Facebook auch die Gegenseite aufklärerischen und emanzipatorischen Bestrebens, begegnet mir die Brutpflege der Ahnungslosigkeit und die Kultivierung schwarzer Dialektik, die sich per Gefällt mir-Button auch noch gegenseitig stützt, gratuliert und in Gruppen hortet.

Und nun also der erste #Aufschrei der Dummheit. Weitere folgen nach Lust und Laune und Bedarf. Und wer will, darf mir gerne Hinweise schicken.


Hilfsbereites Volk, dem keiner hilft?
Seitdem die Springer-Presse ihre Anti-Griechen-Kampagne zu einer Art von deutschen Allgemeingut hat werden lassen, scheint sich die Ansicht, bei den Deutschen handele es sich um ein hilfsbereites und edelmütiges Völkchen, tief eingeprägt zu haben. Bei Facebook finden sich einige Grafiken hierzu. Die Grafik rechts gehört zu den beliebteren dieser Sorte.

Sie baut natürlich auf der falschen Prämisse auf, Deutschland würde Geld an die Bürger Europas verteilen. Quasi vom Fiskus direkt in die Hände von Konstantinos, Jannis oder Georgia. Dass die Milliardenpakete der EU zur Stabilisierung der Staatswesen gedacht sind, um die Verbindlichkeiten der Krisenländer gegenüber den so genannten Geberländern zu erhalten, kommt nicht mal als Gedankensplitter vor. Deutschland ist hier einfach nur naiv hilfsbereit und selbstaufopfernd großherzig, erbarmt sich in Mitleid ohne auf das eigene Wohl zu blicken. Während dieses Land Geld an die Europäer verteilt, spenden aber die Europäer nicht für die Deutschen, die in den Fluten ihr Hab und Gut verloren haben. Die Nachbarn Deutschlands sind egoistisch und undankbar. Wir sind umzingelt von ignoranten Völkern.

Gelder, die nun in der Vorstellung dieser Ahnungslosen nicht mehr dem griechischen Ladenbesitzer oder der Putzfrau aus Thessaloniki zugesteckt, sondern für Deutsche zurückgehalten werden sollen, möchte man "irgendwo gebunkert" wissen. Irgendwo! Bunkern! Man hat in Deutschland wohl ein Faible dafür, sich vor den Zugriffen von Außen in einem Bunker zu verstecken. Bunkern für den Bedarfsfall am "eigenen Volk". Das ist völkische Sprache, die ganz offensichtlich viele Befürworter hat, wie man an den "Teilhabern" bei Facebook erkennen kann.

Volkswirtschaftlich ungebildete Menschen, die vom "Geld bunkern" quatschen, als könne man Katastrophenvorsorge auf Basis von Kapitaldeckung betreiben, "organisieren" sich gegen ein Deutschland der Gefühlsduselei. Und das natürlich auf völkische Weise. So baut man den immer knapper werdenden Handlungsspielraum der öffentlichen Kassen um, blendet das Reservoire der Milliardenvermögen aus, an dem Handlungsspielräume geknüpft werden könnten und personalisiert die Gelder der Rettungsfonds, um der eigenen desinformierten Einfältigkeit eine Angriffsfläche zu gewähren. Da sind einerseits die schaffenden Deutschen und andererseits die raffenden Ausländer und irgendwo dazwischen sind solche, die mit dem Teilen und Gefälltmiren solcher Grafiken in Intelligenzdumping üben, sich gegenseitig an Dummheit unterbieten.


16 Kommentare:

Anonym 22. Juni 2013 um 14:25  

Die Serifenschrift ist bei langen Texten sehr anstrengend. Ja, klar kann ich die ändern, aber das kann nunmal nicht jeder und du wolltest ja viele Leser.

Sledgehammer 22. Juni 2013 um 16:16  

Der Kampagnen-Journalismus der Springer-Presse verfängt bei den "Arglosen", weil er ihre falschen Grundannahmen vom Finanz- und Wirtschaftswesen, die ihnen sukzessive vermittelt wurden und die sie internalisiert haben, nährt.
Die fehlerhaften Schlussfolgerungen, die jene daraus ziehen, sind systemimmanent und nachvollziehbar.
Werke, wie das des Argentarius "Vom Gelde", waren mir über die Zeit ein wertvoller Hinweisgeber, um meine eigenen manifesten Denkfehler zu minimieren.

Anonym 22. Juni 2013 um 18:15  

@Roberto J. De Lapuente

Als Hauptschüler, der nie Latein hatte finde ich es gut, das ihre Latein-Phase endet!
Ich habe immer so meine Probleme damit, wenn meine Mitmenschen etwas unnötigerweise auf Lateinisch sagen, wenn es doch auch in „normalem“ Deutsch geht oder übermäßig viele Fremdwörter verwenden.
Ich denke dann immer automatische, dass ich es mit einem Klugscheißer zu tun habe, der sich für was besseres hält als ich. Das mag ja auch an meiner mangelnden Bildung liegen, aber dennoch: Ich krieg das einfach nicht raus aus meinem Kopf!

Roberto De Lapuente 22. Juni 2013 um 18:56  

@ Anonym

Glauben Sie mir, das habe ich nie getan, um mehr darzustellen, wie ich bin. Mir gefiel es einfach, tut es noch immer, aber ich wurde dessen einfach überdrüssig.

nebelwind 23. Juni 2013 um 10:26  

Mensch Roberto, du glaubst nicht, was ich mich schon geärgert hab über diese bescheuerten Textgrafiken! Diesen Gedankenmüll finde ich auch immer mal wieder auf meiner facebook-Seite. Und das Schlimmste ist: Ich tipp da lange Kommentare drunter, erklär, wo das viele Geld in Wirklichkeit landet usw., und was passiert? Die nächste Textgrafik! Kann man so informationsresistent sein?! Vor einiger Zeit lief da auch solch ein Ding rum, ging ungefähr so: "Kann mal jemand an Merkel schreiben und ihr sagen, dass es hier arme Menschen gibt, die hungern, und wir schicken unser Geld nach Griechenland." Aaaargh!! Na, da haben die Griechen jetzt Schuld an Hartz IV? Man fasst es nicht! Irgendwann war ich es leid, gegen die blanke Doofheit anzuschreiben, und hab's gelassen.

Schlimm ist ja auch: Ich hab bei fb nur wenige Freunde, ich kenn die wirklich einigermaßen. Wenn auch manche nur aus dem Internet, aber ich sammle da keine "Freunde", egal wen. Und von denen kommt dann so ein Scheiß! War schon in Versuchung, die halbe Freundesliste einfach wegzuklicken. Wenn die wenigstens mal zuhören würden!

Anonym 23. Juni 2013 um 11:37  

Die Lateinei hatte mir ganz gut gefalle, obwohl ich es nur ein halbes jahr lang gehabt habe (und gehasst habe). Man konnte da immer ein wenig dazu lernen. Was mich allerdings verwunderte, dass keine Artikel in Spanisch verfügbar sind, dabei hätten nicht zuletzt die Themen der letzten Zeit das auch verdient. Da hätte ich zwar noch schlimmer nachschlagen müssen, jedoch sind ein paar Brocken Spanisch als Weltsprache sicher nicht hinderlich in einer internationalen Welt.

Frank B. 23. Juni 2013 um 11:55  

@Roberto J. De Lapuente

Ich finde es gut solchen "Wer das auch findet soll das teilen"-Hetzen humoristisch und aufklärerisch den Wind aus den Segeln zu nehmen - habe ich auch schon getan. Wir sollten aktiv das kritische Potential von FB anhalten dies zu einem neuen, völkisch gesprochen, Volkssport werden zu lassen. Bin dabei...

Zu den Fremdwörtern - lass es, du hast das nicht nötig. Denk an das klassische Model in der Kommunikationstheroie: Sender, Empfänger, Intention. Wäre doch der Sache abträglich wenn der Empfänger nur wegen solchen "Klugscheißereien" die Intention des Senders hinterfragt. Dafür macht die Sache doch viel zu viel Spaß, derartige Erkenntnisfeindlichkeiten zu verarschen.

Crypsis 23. Juni 2013 um 13:20  

Warum soll man auch erwarten, dass unsere Nachbarländer, im weitestens Sinn(etwa Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und Co) uns mit Spendengeldern unterstützen? Es geht hier nicht um die Rettung von Banken. Es geht um das einfache Volk. Die Deutschen haben - so wie es das Bild propagiert - auch nicht den Griechen geholfen. Nein, sie haben versucht die Banken zu retten. Das hierdurch der gemeine Angestelle in Spanien seinen Job verliert und in Griechenland Schulen geschlossen werden müssen, hat dabei nicht interessiert. Warum sollte es also andere interessieren, was mit "uns" passiert, wenn sie "uns" doch ebenso gleichgültig waren.

Was ich an dieser Thematik jedoch zu bemängeln habe ist, dass wir imstande sind, Millionen von Euros für Kriegsdrohnen ausgeben zu können, dass wir Millionen Euros ins den Bankentopf werfen können, aber dass der Staat keine Millionen zur Abdeckung einer Katastrophe hat, die auf die Spenden der Bevölkerung angewiesen ist.

nightowl 23. Juni 2013 um 13:53  

Finde ich sehr gut: habe zwar Großes Latinum mit Bestnote *aufbläh* :) , fand es aber kontraproduktiv, wenn es doch darum gehen sollte, möglichst viele denk- und wissbegierige Menschen zu erreichen.
(Sorry für meinen Germanistenreflex, aber es heißt für alle Nichthessen *g* : "...habe ich nie getan, um mehr darzustellen, ALS ich bin").

Ad rem: Es ist alles noch viel schlimmer. Bildung, Moral, alles im A....!
Siehe http://www.fr-online.de/wirtschaft/markt-und-moral-der-preis-des-lebens--5-10-euro,1472780,23491762.html

Anonym 23. Juni 2013 um 18:36  

Ist mir ehrlich gesagt gar nicht aufgefallen, dass die alten Kategorien zu statisch und unhandlich waren, da ich mein sämtliches Latein vergessen habe.
Davon abgesehen sind mir persönlich die Kategorien gar nicht wichtig - ich lese lieber Ihre Texte :-) Und ich hoffe auch, dass Sie nicht auf Spanisch wechseln, wie ein Mitkommentator vorschlug...dann würde ich leider gar nichts verstehen - da würde mir fast schon was fehlen.

Wie alt ist denn eigentlich der durchschnittliche Facebook-Nutzer? Vermutlich doch um einiges jünger als der Durchschnittsdeutsche? Kann man da viel Reflektiertheit oder Nachdenklichkeit erwarten?

PS: Tunesien hat 2 Tonnen Datteln an die Hochwasserhelfer gespendet. Nur mal so...

Lazarus09 23. Juni 2013 um 18:51  

Errare humanum est, bonus vir semper tiro..

Roberto De Lapuente 23. Juni 2013 um 19:05  

Lazarus, so sehe ich es auch. Lehrling para siempre - damit soll mein Spanischsoll erfüllt sein. Mehr gibt es nicht, womit Anonym von 18:36 Uhr befriedigt sein dürfte.

Manul 24. Juni 2013 um 03:50  

Das Schlimme, was ich daran immer finde ist, dass diese naive Meinung tatsächlich von vielen Menschen vertreten wird.
Nette Kategorie also, die wohl noch so einige Denkfehler hervor kramen wird, die man sich hierzulande erzählt. Die Propaganda wirkt irgendwie doch.

nebelwind 24. Juni 2013 um 12:21  

@anonym 13:53: Es war zwar gestern, aber ich muss nochmal etwas sagen. Durchschnittliches Alter der fb-Nutzer hin oder her, aber ich bin 62, und die Leute, mit denen ich über facebook Kontakt halte (ehemalige Kollegen zum Beispiel) sind alle mindestens um die 50. Denen könnte man schon ein wenig differenziertes Denken abverlangen, oder meinste nicht? Nee, man sieht schon, Doofheit hat wenig mit dem Alter zu tun. :o)

Anonym 24. Juni 2013 um 15:28  

ich bin 62, und die Leute, mit denen ich über facebook Kontakt halte (ehemalige Kollegen zum Beispiel) sind alle mindestens um die 50. Nee, man sieht schon, Doofheit hat wenig mit dem Alter zu tun. :o)

Hab' ich das jetzt richtig verstanden ..hast du das echt so gemeint .. :-P

Lazarus09 24. Juni 2013 um 15:31  

Oooh nein .. das war nicht Anonym das war ich, Lazarus09, der den falschen Dingens geklickt hat .. ;-)

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