Die Deutschen zwischen Kant und Schiller

Freitag, 31. Mai 2013

oder Mein Appell an den deutschromantisierenden Türken.

Sagen Sie mal, Özkök, welche Deutschen haben Sie denn besucht? Ihr "Appell an die türkischstämmigen Deutschen", den sie kürzlich in der Bildzeitung veröffentlichen ließen, läßt da Fragen offen. Sie schreiben darin, dass die Werte der Deutschen von "Goethe, Schiller, Kant, Thomas Mann und Beethoven" stammen. Reden wir von diesem Deutschland oder kennen Sie ein anderes?

Sehen Sie, ich lebe hier seitdem ich geboren wurde. Alle Menschen, die mir hier begegneten, hatten irgendwelche Werte, nach denen sie ihr Leben ausrichteten. Viele bewusst, manche ohne genaue Kenntnis davon. Die meisten beziehen sich auf irgendeinen Gott, den sie entweder von der Kirche oder von einem Guru verabreicht bekommen. Andere pflegen das Ideal des Egoismus und nutzen ihren Ellenbogen als höhere Moral. Und manche - gar nicht so wenige! - scheinen ihr Wertebild direkt aus der Rassenkunde entnommen zu haben. Auf Goethe oder Schiller, lieber Özkök, haben sich die Deutschen, die ich so kenne, kaum berufen. Neuerdings eher auf Sarrazin und Buschkowsky - Kant halten die meisten vermutlich für einen Generalsekretär der SED und Thomas Mann war doch der, der den Motor erfunden hat, oder nicht?

Was für ein romantisches Bild Sie da von Deutschland pinseln! Eines, dass das Thema Integration, denn darum geht es in ihrem Text ja, als eine Einbahnstraße begreift. In diesem Land sind Türken ermordet worden, die das waren, was sie so beredt fordern: Integriert. Das hat denen alles nichts genützt. Sie wurden nicht nur getötet, man hat sie hernach sogar noch selbst dafür verantwortlich gemacht, hat von den Döner-Ermordeten gesprochen, wie von der Mafia getötete Mafiosi.

Sie haben echt Nerven, fabulieren da was von kantischen Werten, vom Mut, sich seiner eigenen Unmündigkeit zu entledigen und so weiter und so fort, nennen das ganze dann einen Teil der deutschen Wertekultur und damit für Integrationswillige unumgänglich und erkennen das Unwesen gar nicht, das in diesem Deutschland tobt. Mit Kant hat das nichts zu tun - mit klarer Kante gegen Ausländer schon eher. Was hätten die Erschossenen der NSU besser machen können, Özkök? Und verdammt nochmal, wenn wir schon bei Kant sind: Warum hatte die deutsche Polizei nicht den Mut, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen? Warum schrieb sich der deutsche Qualitätsjournalismus nicht Sapere aude! unter ihre Berichte von den Morden der Türken-Mafia, wie die NSU damals noch hieß?

"Alle Menschen werden Brüder", korrigierte Schiller sein Gedicht An die Freude in späterer Fassung. Beethoven komponierte Jahre danach seine 9. Sinfonie darauf. Sind das die Werte des modernen Deutschland? Ein Bekannter meinte neulich, dass die Mehrzahl der nach Deutschland kommenden Menschen aus der islamischen Welt, nutzlos und überflüssig sei. Ein anderer Bekannter stand dabei, bejahte diese Einsicht und glaubte sagen zu müssen, dass radikale Moslems keine Menschen seien. Özkök, das sind die Werte, die in diesem Land vorherrschen. Man muss kein Sympathisant der NSU sein, um so zu ticken, wie diese Mörder. Schiller und Beethoven und Kant sind Romantizismen, mit denen sich Deutschland als Kulturnation schmückt, während sich beharrlich eine Kultivierung rassistischen Gedankenguts in die bürgerliche Mitte hinein ausbreitet.

Ihre Romantik besagt auch, dass in diesem Lande alles für gelingbare Integration bereitet sei. Ihre Landsleute seien vielleicht nur nicht bereit dazu, etwas zum Gelingen beizutragen. Sie empfehlen sogar: "Werdet zu gleichwertigen Mitgliedern dieser Gesellschaft, integriert euch!" Das verrät doch einiges. Gleichwertig ist nur, wer sich so integriert, dass damit "der Deutsche" zufrieden ist? Die unbedingte Gleichheit des Menschen, Özkök, läßt sich bei Kant nachschlagen. Er hat die Sozial- und Kulturanthropologie in diesem Lande insofern bereichert, dass er zum Beispiel im Stammesleben der Naturvölker keine primitive Lebensweise, sondern eine historisch und sozio-ökonomisch bedingte Folgerichtigkeit erkannte. Es gab für ihn demnach kein ungleichwertiges Menschengeschlecht, sondern die Gleichwertigkeit aller Menschen. Und nun knüpfen Sie, der Romantiker deutscher Werte, die Gleichwertigkeit an Bedingungen - Sie wissen auch nicht so genau, was Sie eigentlich wollen, oder?

Sie richten Ihren Appell ausdrücklich als Türke an die türkischstämmigen Deutschen. Was ist das für eine Qualifikation, Türke zu sein? Ist das eine höhere Weihe? Kann der Türke mit Berechtigung die Türken in die Rolle des Spielverderbers rücken? Wenn es ein Türke sagt, muss es doch stimmen! Wie kamen Sie eigentlich dazu, den Haustürken Springers zu spielen? Soll ich mal wieder meine höheren Weihen abrufen, als Gastarbeiterkind über den deutschen Umgang mit Ausländern sprechen? Ich weiß, wie "offen" diese deutsche Gesellschaft für Menschen ist, die nicht deutsch sind.

Adorno, auch einer, der Werte vertrat, die freilich nicht so richtig in Ihre Romantik passt. Wieso führen Sie in Ihrer Riege deutscher Wertejünger eigentlich keinen Juden auf? Nicht mal Heine ist dabei. Adorno schrieb mal, dass Gedichte nach Auschwitz nicht mehr geschrieben werden könnten. Wissen Sie, Özkök, was ich behaupte und was ich als Teenager schon spürte? Folgendes: Nach Solingen ist keine Integration im Sinne von Assimiliation mehr möglich. Das ist fast auf den Tag genau zwanzig Jahre her - damals brannte in Solingen ein Haus und fünf türkische Menschen kamen ums Leben. Da gab es noch keine NSU und trotzdem war es möglich, dass man als Türke in Deutschland getötet werden konnte.

Ich war damals fünfzehn Jahre alt, ich hatte noch den Beifall aus Rostock-Lichtenhagen im Gedächtnis, als man den rechten Randalierern Solidarität zuklatschte, weil die ein Asylbewerberheim traktierten. Und all die Stimmen aus der Nachbarschaft, aus der Bekanntschaft, die zwar nicht applaudierten, aber irgendwo auch Verständnis für die jungen Leute hatten, die sich überfremdet fühlten. Mein Vater unkte, dass die Deutschen nie von ihrem Rassenwahn abgelassen hätten, das neue Großdeutschland ängstigte ihn, die Entwicklungen darin schienen ihm beizupflichten. Nach diesem Anschlag in Solingen war mir klar, dass auch ich ein Fremdkörper bin und immer bleiben will - Integration in eine Gemeinde fröhlich klatschender Totschläger sollte nach Solingen nicht mehr möglich sein.

Özkök, die Werte dieser Berliner Republik sind nicht die, die Sie irgendwelchen toten Männern in die Schuhe schieben wollen. Sie wurden auf den Straßen Rostocks und Möllns entworfen, in Solingen praktiziert, von Hetzern wie Schönhuber in emotionale Sprache gebannt und von Leuten wie Sarrazin "verwissenschaftlicht". Zwar hat die Öffentlichkeit sich gegen die NSU gestellt, aber hinter den Kulissen dieser Verurteilung tobt derselbe plumpe Rassismus, den es immer mehr oder weniger gab. Verschonen Sie mich also mit Ihrem Schwarzen Peter an die Türken in Deutschland. Sie haben überhaupt keine Ahnung, was es heißt, als Türke und Ausländer in Deutschland zu sein. So wenig wie von der Philosophie Kants und der Geisteshaltung Schillers.


28 Kommentare:

Anonym 31. Mai 2013 um 07:57  

Hallo Roberto, dein Vater hat Recht!
Diese Land ist rassistisch, diese Einstellung kommt nun auch aus katholischen Pristerseminaren in die Mitte der Gesellschaft.

Anonym 31. Mai 2013 um 08:54  

Nachtrag:
Ratzinger, Bischof Richard Williamson, Williamson Prozeß Regensburg, Priesterseminar Würzburg, ...

altautonomer 31. Mai 2013 um 09:10  

Özkök schreibt: "Die Bundesregierung hat erkannt, welche Schritte notwendig sind, damit Ausländer – gerade auch Türken – sich in Deutschland wohler fühlen können."

Bevor nun die Begriffsverwirrung grenzenlos wird, damit alle Menschen, die keine deutschen "Wurzeln" haben, auch schön auseinanderdividiert werden in asylsuchende Ausländer (rechter Kampfbegriff: Asylant!), Ausländer mit Arbeitserlaubnis ohne deutschen Pass, Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit, Illegale Einwanderer usw., lehne ich den Begriff "Ausländer" schon prinzipiell ab. Alle, die sich innerhalb des deutschen Staatsgebietes aufhalten sind INLÄNDER. Deutsche auf Mallorka sind dagegen Ausländer aus der Sicht der hier verbleibenden Inländer anderer Nationen und Deutscher.

Korrekt wäre es evtl., von nichtdeutschen Inländern zu sprechen, wobei das "nichtdeutsche" schon wieder einen gewissen diskrimierenden und ausgrenzenden Charakter hat.

Anonym 31. Mai 2013 um 09:20  

"Integration in eine Gemeinde fröhlich klatschender Totschläger sollte nach Solingen nicht mehr möglich sein."

Er liest sich gut, Ihr Text und ich gebe Ihnen mit vielem Recht, nur dieses pauschale Deutschen-Bashing ist falsch. Sie tun vielen, vielen Menschen damit Unrecht, die z.B. einem Sarrazin nicht recht geben und dagegen anprechen und -schreiben, wo sie nur können.Auch gibt es nicht nur die negativen Beispiele der Nichtakzeptanz und des Ausgrenzens von Nichtdeutschen sondern es gibt auch das ganz normale Zusammenleben, auch davon muss man schreiben.
Ihre einseitige Darstellung liest sich sicher gut - ist aber falsch und kontraproduktiv.

Anonym 31. Mai 2013 um 10:17  

Eigene Erfahrungen prägen das Bild, welches man sich macht.

So sehe/lese ich ihren Text.

Aber der ist eben nur IHRE Sicht der Dinge, mit Scheuklappen, denn Sie können nicht alles sehen.

Wie habe ich vor Jahren einmal geschrieben:

Vorurteile sind Fehlurteile, hervorgerufen durch falsche oder unvollständige Informationen.

Dummerweise können eigene Erfahrungen nie vollständig sein.

Ach, und zu den "Deutschen Werten" habe ich einmal einen Leserbrief geschrieben - den ich auch an die CDU direkt sandte, damals, ohne je eine Antwort oder Reaktion zu erhalten:

Als ich diese Meldung las, überraschte mich sehr, dass Frau Merkel jetzt eine Kultur der Toleranz als Teil der so genannten neuen Leitkultur der CDU bezeichnet. Für mich hat bereits einmal ein großer Deutscher, Johann Wolfgang von Goethe, gesagt, die Toleranz sei nur als eine vorübergehende, bis zum endgültigen Anerkennen geeignete Haltung. Denn Tolerieren heißt, etwas nur zu dulden, ohne es zu akzeptieren.

Dies ist aber nichts als die Verweigerung der Anerkennung des Anderen. Mir kommt das ganze Gerede eher als "Selbstmit-Leid-kultur" der abgewählten, von Finanzskandalen gebeutelten CDU vor. Vielleicht soll das zukünftige Tolerieren in der neuen Leitkultur dafür sorgen, die Skandale der CDU zu tolerieren. Das wäre der falsche Weg, Frau Merkel. Wenn Sie denn schon eine neue Leitkultur wollen, dann leben Sie doch eine als Vorbild, indem Sie eben nicht alles in der eigenen Partei mit Dulden ertragen und nur den politischen Gegner kritisieren, sondern endlich tatsächlich eine Erneuerung wagen. Denn alle Abgeordneten des Bundestages sollen gemeinsam die Interessen des Deutschen Volkes vertreten, so steht es im Grundgesetz. Von Parteiinteressen steht dort nichts. Wenn Sie also auch das Miteinander als zweiten Punkt in Ihrer Aufzählung nennen, dann können Sie ja sofort damit anfangen. Das entspräche dann auch den Verfassungswerten, die Sie als den dritten Punkt auf führen. In der Verfassung steht nichts von Fraktionszwang, wie er von den Parteien eingesetzt wird. Zuletzt ist Weltoffenheit, Ihr vierter Begriff, ebenfalls ohne Anerkennung anderer Lebens oder Kulturarten nichts als eine leere Worthülse. Toleranz ist also, wie Sie sehen, die falsche Voraussetzung für eine Kultur, die für andere als Leitbild dienen soll.

ninjaturkey 31. Mai 2013 um 10:30  

Ich will keine überangepassten "Ausländer" welcher Nationalität auch immer. Besonders keine, die lauthals in den Integrationstenor der deutsche Politiker und Medien mit einstimmen.
Ich will echte Türken, Griechen, Italiener, Iraner, Inder, Polen, Russen und auch alle anderen aus allen Himmelrichtungen (auch Amerikaner). Ich will Pluralität und Buntheit, will Sprachen, Speisen, Gerüche und Geschichten. DAS könnte DEUTSCH sein, maßlos und üppig - und lebens- und liebenswert.

Anonym 31. Mai 2013 um 12:36  

Klare und wahre worte, Roberto. Danke.

oblomow

Roberto De Lapuente 31. Mai 2013 um 13:38  

"... nur dieses pauschale Deutschen-Bashing ist falsch."

Patriotismus ist in diesem Lande immer nur als "Gemeinde fröhlich klatschender Totschläger" denkbar. Es ist ein Konstrukt aus Rasse und Blut. Ein Konzept des Staatsbürgers, der eine Art Verfassungspatriotismus lebt, existiert hier nicht. Es ist kein Deutschen-Bashing, sondern die Verurteilung des wurmstichigen Nationalismus, die Verurteilung patriotischen Deutschtums.

Hartmut B. 31. Mai 2013 um 15:11  

Ein toller Artikel - Danke Roberto.

Wenn ich die letzten 40 Jahre vor meinem geistigen Auge hinsichtlich der Frage des Rassismus Revue passieren lasse, kann ich Deinem Vater nur zustimmen.
Einen Unterschied den ich zu den letzteren 20 Jahren sehe ist der ,daß davor weder in der Öffentlichkeit noch im Privaten der Rassismus so offen propagiert wurde. Das geschah mehr hinter vorgehaltener Hand. Und in der Tat, seit Solingen und Rostock ist hier wieder eine Pogromstimmung im Land, die mich ängstigt.

maguscarolus 31. Mai 2013 um 16:04  

"Der berühmteste Journalist der Türkei", "Der klügste deutsche Wirtschaftsprofessor", ...

Wer braucht da noch Argumente oder ein fundiertes Wissen?

Anonym 31. Mai 2013 um 16:39  

Ein Mittel gegen Rassismus könnte dieses Buch sein.

Aus der Inhaltsangabe:

"[...]Wessen Haut ist eigentlich hautfarben? Gab es Rassismus schon in der Antike? Gibt es eine Welt ohne Rassismus? Susan Arndt bietet in diesem Buch Einblicke in Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Rassismus, in das Wissen das ihn trägt und jenes, das ihn hinterfragt. Es gibt kaum Menschen, die sich gern als Rassistinnen oder Rassisten bezeichnen lassen. Er ist aber keineswegs auf kleine rechtsextreme Zirkel beschränkt. Vielmehr lauert er selbst in scheinbar harmlosen Begriffen unserer Alltagssprache. Sich zu fragen, was man über Rassismus weiß – und was nicht – und was er mit einem selbst zu tun hat, das ist der beste Weg, sich Rassismus zu widersetzen. 101 der wichtigsten dieser Fragen werden in diesem Buch beantwortet[...]"

Quelle und kompletter Text:

http://www.chbeck.de/Arndt-101-wichtigsten-Fragen-Rassismus/productview.aspx?product=10271080

...für mich war es ein Augenöffner...

Bei der Autorin Frau Susan
Arndt merkt man, dass es ihr wichtig ist über den Alltagsrassismus vieler Deutscher aufzuklären, aber auch dass die sich intensiv mit dt. Kolonialgeschichte befaßt hat, einer Zeit als Rassismus in Deutschland, insbesondere gegen Schwarzafrikaner, salonfähig war.

...Aufklärung im besten Sinne, gegen eigenen, oft nicht mehr bewußten, und fremden, Rassismus....

Auch die angebliche "Deutschenfeindlichkeit"kommt im Buch von Frau Arndt vor, als Ausrede vieler Rassisten, die einfach nicht wahr haben wollen, dass Deutschland eben nicht der Mittelpunkt der Welt ist, und die man - außerhalb der rechtsextremen/-radikalen Szene - oft in sogenannten konservativen Kreisen findet.

Wobei mich widerrum wundert, dass es "Quotentürken" gibt, die sich genau in diesen konservativen Kreisen - CDU/CSU/FDP sind hier mal gemeint - bewegen.

Wissen die eigentlich nicht, oder noch schlimmer, wollen die nicht wissen, wer die Gründer dieser Parteien waren, und dass dort immer noch der alte konservative Rassismus der angeblichen "Elite" Deutschland rumwabert?

Frägt sich
Bernie

Anonym 31. Mai 2013 um 16:42  

Ergänzung:

Zum Text von dir paßt als Ergänzung auch, dass hochqualifizierte Ausländer hier oft nicht arbeiten dürfen, wenn die keinen Abschluß aus Deutschland nachweisen.

Gibt es nicht seit Jahren dass nichtdeutschstämmige Ärzte mit Putzjobs, und sonstigen Billigarbeiten um die Runden kommen müssen weil eben deren Abschlüße in Deutschland nicht anerkannt werden?

Oder ein Beispiel aus meiner Lebenspraxis:

Wieso werden Studenten/-innen eigentlich nach dem Studium in Deutschland in ihre jeweiligen Heimatländer abgeschoben? Aufenthaltsberechtigung haben die oft nur für die Dauer des Studiums - meine ich. Oder hat sich daran was geändert?

Frägt sich
Bernie

Schorschel 31. Mai 2013 um 18:21  

Schiller, Goethe usw. hatten nie einen Einfluss auf das öffentliche Alltagsleben in Deutschland. Die lernt man in der Schule und später vergisst man sie wieder.

Das Thema Arbeitslosigkeit hat(te) aber in Solingen und auch im Osten Deutschlands sehr wohl einen Einfluss auf unser aller Alltagsleben. Die hohe Arbeitslosigkeit wurde damals von einigen politischen Parteien so instrumentalisiert: Die Ausländer waren hier der Sündenbock für gescheiterte Politik. Sie wurden z.B. zu Unrecht für die dortige Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht (siehe z.B. die erwähnte Partei Die Republikaner). Motto: Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg.
Das stimmte zwar nicht, wurde aber von diesen Parteien so propagiert.
Und ein Teil des Volkes glaubte jener Propaganda, denn die Wahrheit war viel komplizierter als jene simple Propaganda.

Die Wahrheit passt im Fall der Arbeitslosigkeit eben nicht in eine Überschrift der Bildzeitung und die ist auch nicht in 5 Minuten in einer Talk-Show erklärt. Dieser Anspruch läßt sich nicht erfüllen.

maguscarolus 31. Mai 2013 um 21:59  

Zitat (Anonym 16:39): Wobei mich widerrum wundert, dass es "Quotentürken" gibt, die sich genau in diesen konservativen Kreisen - CDU/CSU/FDP sind hier mal gemeint - bewegen.

So sehr braucht einen das nicht zu wundern. Es gibt bei den nationalistischen Türken durchaus eine gewisse Seelenverwandtschaft zum deutschen Großmachtwahn des 20.Jhdts.

Anonym 1. Juni 2013 um 09:01  

"[...] sehr braucht einen das nicht zu wundern. Es gibt bei den nationalistischen Türken durchaus eine gewisse Seelenverwandtschaft zum deutschen Großmachtwahn des 20.Jhdts[...]"

Mag schon sein, aber mir ging es nicht um den Nationalismus, den es in der Türkei auch geben soll, und um den "deutschen Großmachtswahn..." sondern um den Rassismus gegenüber Nichtdeutschen den man überwiegend in CDU/CSU/FDP findet - daher wundere ich mich ja, dass sich - nicht allein Türken - in diesen Parteien engagieren.

Rösler, und das schreibe ich obwohl ich kein Fan Röslers bin, machte mit "seiner FDP" doch vor einiger Zeit auch die Erfahrung, dass es Rassismus in den konservativen dt. Parteien gibt:

"[...]„Asiatisches Aussehen“: Hessens FDP-Chef entfacht Rösler-Debatte[...]"

Quelle und kompletter Text:

http://www.express.de/politik-wirtschaft/partei-kommt-nicht-zur-ruhe--asiatisches-aussehen---hessens-fdp-chef-entfacht-roesler-debatte,2184,21694348.html

...der gute Mann hat zwar abgewiegelt, der diesen unseligen Satz geäußert haben soll, aber es blieb dennoch bei mir hängen, dass eben CDU/CSU/FDP bei allem verbalen Geäußerten gegen Rechtsextreme/-radikale eben auch nicht besser sind als NPD, NSU, DVU & Konsorten....

Man sollte wohl zukünftig beim Thema Rassismus nicht auf die Ablenkungsdebatte der Unionsparteien reinfallen, die immer wieder auf rechtsextreme Parteien verweisen, aber in Wahrheit eben auch nicht weit vom Rassismus dieser (Neo-)Nazi- Parteien entfernt sind - kein Wunder bei wichtigen Parteimitgliedern der NSDAP, die sich nach 1945 in diesen Parteien eine neue Heimat gesucht haben -

Es sei nur an zwei davon erinnert, die, nach dem Ende des Dritten Reiches, in der CDU eine neue Heimat gefunden haben:

Globke (Mitinitiator von Hitlers Rassengesetzen) und Filbinger (Blutrichter)....

Jetzt klarer worauf ich eigentlich hinaus will?

Frägt sich
Bernie

PS: Auch Genschers Bild fängt an zu bröckeln seit bekannt wurde, dass auch dieser FDP-Chef wichtige Funktionen im NS-Staat Hitlers gehabt haben soll....und da frägt man sich wirklich, bei dem Umfeld was suchen nichtdeutsche bzw. nichtdeutschstämmige Mitbürger ausgerechnet in diesen Parteien - so masochistisch können die doch wohl nicht drauf sein? Oder doch?

Anonym 1. Juni 2013 um 09:19  

@Schorschel

Du machst es dir aber nicht zu einfach? Oder?

Ich sah vor gar nicht langer Zeit eine Befragung von Passanten zum Gedenken von Mölln und Solingen, im Fernsehen.

Ein Solinger Bürger entblödete sich natürlich nicht die üblichen rassistischen Tiraden gegen Frau Saime Genc loszulassen - von wegen es sollte mal Ruhe sein, und Frau Genc hätte doch Entschädigung genug erhalten, um endlich ihr Maul zu halten.

Das, wohlgemerkt, 20 Jahre nach dem Brandanschlag in Solingen....

...Arbeitslosigkeit zählt hier wohl nicht mehr als Ausrede....

Bei der Aufarbeitung des NSU-Terrorismus stört mich übrigens auch, dass man in den Medien viel über die Täter erfährt, aber wenig über die Opfer- und Angehörigenschicksale.

Auch daran hat sich - 20 Jahre nach Solingen und Mölln - nichts geändert.

Gruß
Bernie

Schorschel 1. Juni 2013 um 21:25  

@ Bernie:
Ich habe hier nur die Ursache für die eignetlichen Taten von damals genannt.

Dein Thema (Befragung 20 Jahre später) allerdings zeigt ein typisch deutsches Phänomen der (nicht vorhandenen) Kritikfähigkeit:
Die betroffenen Opfer sollen Schweigen. Das sei erledigt. So geht man hier in D allerdings nicht nur mit Frau Genc um. Die gleiche Antwort erhält man zum Holocoust und man wird sie auch in vielen Jahren zum NSU-Prozess so erhalten. Man hat in D kein Mitgefühl mit Opfern, ist aber leicht beleidigt wenn man als Deutscher auf solche Vorkommnisse angesprochen wird. Das zeigt, dass die Deutschen im Verhältnis zu ihrer Geschichte nicht kritikfähig sind und dass man mit den Opfern nicht solidarisch ist. Das ist auch schlimm, aber so ist es leider...

Anonym 2. Juni 2013 um 13:38  

@Schorschel

Eben ;-)

Gruß
Bernie

Anonym 3. Juni 2013 um 09:11  

@ Schorchel

"Man hat in D kein Mitgefühl mit Opfern, ist aber leicht beleidigt wenn man als Deutscher auf solche Vorkommnisse angesprochen wird. Das zeigt, dass die Deutschen im Verhältnis zu ihrer Geschichte nicht kritikfähig sind und dass man mit den Opfern nicht solidarisch ist. Das ist auch schlimm, aber so ist es leider..."

Und Du bist dann also kein Deutscher?

Schade, dass hier derart zensiert wird. Die texte las ich regelmäßig, aber eine solche rigidität im Forum habe ich noch nirgends erlebt.

Anonym 3. Juni 2013 um 20:01  

"[...]Und Du bist dann also kein Deutscher?[...]"

? Muss man "kein Deutscher" sein um sein Geburtsland zu verachten?

Was soll denn das für eine Bemerkung sein?

Ist dir persönlich evtl. entgangen, dass kein Kind festlegt wo es geboren ist?

Oder gibt es schon das Geburtsrecht als Deutscher auf die Welt zu kommen dank NSU, und Konsorten?

Anonym 3. Juni 2013 um 21:05  

"[...]Schade, dass hier derart zensiert wird. Die texte las ich regelmäßig, aber eine solche rigidität im Forum habe ich noch nirgends erlebt[...]"

Yep, wir sind alles "böse, vaterlandslose Gesellen" hier, die .de kritisieren, und Roberto J. de Lapuente zensiert deine Texte.

Very amused wishes
Bernie

Roberto De Lapuente 4. Juni 2013 um 07:01  

"... aber eine solche rigidität im Forum habe ich noch nirgends erlebt."

Das hier ist kein Forum.

Anonym 4. Juni 2013 um 08:32  

@ Anonym

"? Muss man "kein Deutscher" sein um sein Geburtsland zu verachten?

Was soll denn das für eine Bemerkung sein?

Ist dir persönlich evtl. entgangen, dass kein Kind festlegt wo es geboren ist?

Oder gibt es schon das Geburtsrecht als Deutscher auf die Welt zu kommen dank NSU, und Konsorten?"

was soll denn das für eine antwort sein?
jeder darf sein vaterland verachten, keine frage.
aber keiner darf für sich in anspruch nehmen, für alle sprechen zu können und sich als einziger ausnahme herauszunehmen.

Anonym 4. Juni 2013 um 15:17  

"[...]was soll denn das für eine antwort sein?
jeder darf sein vaterland verachten, keine frage.
aber keiner darf für sich in anspruch nehmen, für alle sprechen zu können und sich als einziger ausnahme herauszunehmen[...]"

Interessant, du antwortest nicht auf meine Fragen und verdrehst hier einfach die Tatsachen *grins*

Wo spreche ich denn hier für alle? Und wo behaupte ich, dass ich die einzige Ausnahme bin?

Würde mich einmal interessieren, deine Antwort.....und diesmal ohne gleich mit Unterstellungen und unwahren Behauptungen an meine Person....bitte *grins*

Anonym 5. Juni 2013 um 07:38  

@ Anonym 15:17

Meine antwort, auf die du zuerst angesprungen bisst, ging ja an schorchel. Er schreibt dort: „Man hat in D kein Mitgefühl mit Opfern, ist aber leicht beleidigt wenn man als Deutscher auf solche Vorkommnisse angesprochen wird. Das zeigt, dass die Deutschen im Verhältnis zu ihrer Geschichte nicht kritikfähig sind und dass man mit den Opfern nicht solidarisch ist. Das ist auch schlimm, aber so ist es leider..."

Ich habe ihn daraufhin gefragt, ob er denn kein deutscher sei.

Dann kamst du mit deinen etwas wirren fragen, die du ja selbst kennst und die ich deshalb hier nicht nochmal zitiere. Meine antwort „jeder darf sein vaterland verachten, keine frage.
aber keiner darf für sich in anspruch nehmen, für alle sprechen zu können und sich als einziger ausnahme herauszunehmen.“ bezog sich dann logischweise auf den text von schorchel, zu dem ich mich ja geäußert hatte. also nicht auf dich, weshalb es auch keine „unterstellungen“ gibt. Mit deinen fragen kann ich nichts anfangen, da ich derartiges nicht geschrieben habe.

Mich nervt es (das bezieht sich auf den artikel von herrn lapuente und auf schorchels text) wenn man die deutschen immer derart pauschal abwertet und dabei vergisst, dass man ja selber einer ist. Und wenn man nicht gerade an wahrnehmungsstörungen leidet, muss einem eigentlich bewusst sein, dass das spektrum in diesem land zum glück immer noch recht bunt ist und nicht überwigend braun.

Anonym 5. Juni 2013 um 08:53  

[...]Mich nervt es (das bezieht sich auf den artikel von herrn lapuente und auf schorchels text) wenn man die deutschen immer derart pauschal abwertet und dabei vergisst, dass man ja selber einer ist. Und wenn man nicht gerade an wahrnehmungsstörungen leidet, muss einem eigentlich bewusst sein, dass das spektrum in diesem land zum glück immer noch recht bunt ist und nicht überwigend braun[...]"

Danke für die Klarstellung - Deine Denkweise - Deutsche die Deutschland kritisieren sind "wirr" - verrät eigentlich mehr über Dich als über die Diskussionsgegner von dir....

...Tja, es scheint wohl wieder "in" zu sein, zumindest bei Dir, gleich mit küchenpsychologischen Erkenntnissen, und persönlichen Angriffen, zu antworten, wenn jemand dein geliebtes "Heimatland" Deutschland kritisiert - Typisch "Nationbesoffen", um mal in deinem Gusto zu antworten.

Und danke dafür, dass du mich in meiner "wirren" Haltung bestätigt hast, denn Menschen deines Schlages machen mir Deutschland noch mehr abspenstig als zuträglich....

Mir ist ein multi-kulturelles, und weltoffenes Deutschland nämlich tausendemal lieber als eines, dass in rechtsextremen Hirnen rumgeistert.....das ist gott sei es gedankt anno 1945 mit A.H. im Führerbunker verreckt....

Was du unter "recht bunt" verstehst hat wohl mit Verharmlosung des NSU-Terrorismus mehr zu tun als du denkst - Übrigens, der Alltagsrassismus vieler Deutscher geht dir ja auch am A... vorbei. Oder? Betriebsblind? Nix gemerkt? Oder einfach nur das Glück in einer überaus "weißen Gegegen" zu wohnen?

Ich selbst erlebe nämlich im Alltag das Gegenteil von dem was du hier beschreibst.....

...tja, aber wie meinst du selbst, und tust es typisch hoeness-deutsch-doppelmoralig doch, man soll nicht pauschalieren.....

...küchenpsychologisch-sarkastisch-ausgedrückt, du pauschalierst ja gar nicht, wenn du Roberto J. de Lapuente samt Anhang eindeutschen willst.....

...auf deren Antwort warte ich mal gespannt...

...die Antwort auf meinen Text hier kannst du dir übrigens sparen, denn ich les die eh nicht mehr, was nicht heißen soll, dass ich weg bin...wie Roberto J. de Lapuente völlig richtig schreibt "dies ist kein Forum hier"....

...ich ergänze noch, auch nix für komische Wesen, die beim "Hobbit" - dem neuen Film der Ringe-Triologie - unter Brücken hausen....Trolle sind gemeint *grins*.....

Anonym 5. Juni 2013 um 09:06  

Ergänzung:

Ich bin übrigens, wie der große dt. Dichter und Schriftsteller der Weimarer Republik Kurt Tucholsky ein Gegner jeglicher Nationalisten, und jeglichen Nationalismus - deswegen in deinen Augen wohl "wirr" im Kopf.

Wie schrieb Tucholsky schon 1919 über deinesgleichen:

"[...]Das Feuer brannte, das sie geschürt.

Löscht es aus!

Die Imperialisten,
die da drüben bei jenen nisten,
schenken uns wieder Nationalisten

[...]"

Quelle und kompletter Text:

http://meister.igl.uni-freiburg.de/gedichte/tuc_k03.html

Nationalismus und Faschismus haben übrigens eines gemeinsam - es sind keine Meinungen, sondern Verbrechen.....

Anonym 6. Juni 2013 um 11:37  

Passt Euch doch mal vernünftig an! Wir haben schließlich Kant & die Wertstofftonne, sowie das Glühbirnenverbot!
http://venturevillage.eu/how-to-be-german-part-1

  © Free Blogger Templates Columnus by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP