In eigener Sache

Dienstag, 17. August 2010

oder: wie angelt ein Millionär?

Endlichendlich Millionär! Noch nicht ganz, aber in einigen Stunden! Vom Tellerwäscher zum millionenfach besuchten Publizisten. Ja, ich bin nun Millionär: eine Million Besucher haben ad sinistram in knapp 32 Monaten aufgesucht - die werden sich ja nicht alle verlaufen haben, nehme ich an. Daher werte ich das als Auszeichnung. Eine Million Besucher, mancher davon sogar Leser, kühn gehofft: sogar regelmäßiger Leser. Ich bedanke mich herzlich!

So ein Millionär hat es schwer - überdies dann, wenn er gar kein pekuniärer Millionär ist. Nun habe ich mich kürzlich erst entschieden, von meiner Schreibe leben zu wollen, weniger optimistisch ausgedrückt: durch meine Klaue nicht sterben zu müssen. Mitnichten ein spielerisches Vorhaben! Dabei will ich nicht Millionär werden, Geldmillionär meine ich - Millionen Leser hätte ich aber, so unbescheiden bin ich dann doch nicht, schon gerne. Damit ich diese auch auf Dauer qualitativ befriedigen, mich der Schreiberei voll widmen kann, biete ich seit einigen Tagen - die regelmäßigen Leser werden es rechts, in der Seitenleiste unter dem Blog-Flattr bemerkt haben - die Möglichkeit einer Zuwendung, einer Spende an. Wer sich vor PayPal geniert, kann auf Nachfrage auch meine realen Kontodaten erfahren. Ich werde nicht Nein sagen. Für erwiesene und noch zugedachte Zuwendungen möchte ich mich schon jetzt - für schon erwiesene Zahlungen muß es heißen: erst jetzt! - bedanken.

Ein leidiges Thema, ich weiß. Einigen wird es nicht munden - wenn man sich aber entscheidet, mit der Schreiberei seinen Lebensunterhalt verdienen zu wollen, so neigt man zu jenem pikanten Thema. Heinrich Böll erklärte mal, dass es machen trösten mag, dass er möglicherweise Ewigkeitswerte schaffe. Ein Trost der unbenommen sei, so fährt er gefällig fort, solange er die sich organisierenden Schriftsteller nicht dabei hindere, sich im Hier und Heute Gedanken darüber zu machen, wie sie ihr Geld eigentlich verdienen. Das kann man so stehen lassen! Ewigkeitswerte sind wunderbar - wer ohne diese Absicht schreibt, wer die breite Öffentlichkeit mit seinen Werken nicht erreichen will, auch langfristig, sogar über den eigenen Tod hinaus, der hat seinen Auftrag verfehlt. Aber wenn er sich entscheidet, sein Leben diesem mehr oder minder vorhandenen Talent zu widmen, so soll er davon auch ein wenig zehren können. Reicht es nicht, dass seine Arbeit gemeinhin umsonst, also für die Katz' ist - muß es auch noch umsonst sein?

Ich hoffe auf Millionen. Millionen Leser. Eine weitere Million. Was würde ich mit einer Million Euro auch anfangen wollen? Das ist vermutlich das, was Böll als Ewigkeitswert bezeichnet: etwas hinterlassen zu haben, was viele Menschen erreicht hat und weiterhin irgendwie aktuell bleibt, sich in Zeitlosigkeit einreiht, ein Evergreen bleibt - wobei die Themen, die ich anreiße, weniger grün als grau sind, finde ich. Etwas zu schreiben, was seinen Weg in die Öffentlichkeit antritt, was Lob heraufbeschwört - man ist ja eitel; einen Schreiberling ohne Eitelkeit gibt es nicht. Flattr, Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten, Provision für Bücherempfehlungen haben nichts mit dieser Eitelkeit zu tun - sie greifen sie nicht an, machen jene Eitelkeit, niemanden außer dem, was man für Wahrheit hält, verpflichtet zu sein, keinesfalls mürbe. Sie sind nur notwendiges Übel.

Auch als Millionär, Zugriffsmillionär, angelt man nach Einkünften, wenn man bei Kräften bleiben will. Ich würde meine Texte ja gerne gegen Semmeln oder Bratwürste eintauschen: nur fehlt es an Bäckern und Metzgern, die mit mir ins Geschäft kommen wollen. Daher Flattr, Tantiemen, Provisionen - daher sei dem gedankt, der auf mein Buch zurückgreift - daher schlussendlich die Möglichkeit, mir eine Zuwendung zukommen zu lassen. Sei es per PayPal, sei es konventionell nach Rückfrage bei mir: vielen Dank!



17 Kommentare:

Anonym 17. August 2010 um 18:44  

Das kann gar nicht sein, allein ich war hier sicherlich schon mindestens eine Million Mal :)

Tipp: Mach mal die rss-feed-Funktion besser sichtbar.

Otherwheres 17. August 2010 um 20:01  

na, vergiss es. die ganzen hits kommen von einem verfassungsschutz rechner, der deine seite automatisch aufsucht um nach "Bombenbauanleitung" zu suchen.

Kalle 17. August 2010 um 22:20  

Was machen Sie denn demnächst mit so viel Geld? Sie werden Millionär werden, daran besteht kein Zweifel, auch in Euro versteht sich. Sie verstehen Ihr Handwerk. Ihre Sprache ist wortgewaltig, menschlich und ehrlich.

In jungen Jahren habe ich auf roter Asche Fußball gespielt, habe mir jedes Mal beim Reingrätschen in den Gegner an Oberschenkeln blutige Schürfwunden zugezogen. Das war mir egal. Der Sieg über den Gegner war mein Ziel. Am Abend nach dem Spiel, wenn ich meine Jeans auszog, klebte sie an meinen entzündeten Oberschenkeln fest. Jeden Sonntagabend musste ich Jeans und Entzündungsherd voneinander trennen. Ich brach mir oft Knochen, Bänderrisse, Schlüsselbein. Das war mir egal. Der Sieg über den Gegner war mein Ziel. Dann kamen sie auf mich zu, diese Headhunter an den Banden, boten mir viel Geld, wenn ich zu ihnen kommen würde. Ich sagte zu, stieg auf in nächst höhere Klasse, und spielte seit dem auf Rasen. Keine Schürfwunden mehr. Alles war einfacher geworden. Ich spielte auf Rasen und bekam dafür auch noch für jedes gewonnene Spiel eine Siegprämie. Seitdem war mein Ziel nicht mehr der Sieg über den Gegner, sondern der Sieg für Geld.

Bleiben Sie wie Sie sind, Herr Lapuente. Klagen Sie mit Ihrer Sprache an, auch wenn Sie Euromillionär werden.

klaus Baum 17. August 2010 um 22:38  

Ich bin einer der ersten, der dir einen euro überweist. bei 1 million besucher wirst du dann tatsächlich millionär, wenn dir jeder einen euro überweist.

Die Katze aus dem Sack 17. August 2010 um 23:56  

Es heisst doch, die erste Million ist immer die schwerste - alle weiteren kommen wie von selbst. Zu wünschen bleibt es Dir und uns als Lesende und Kommentierende.

Danke für Deinen "Unzugehörig"en Erstling und danke für diesen Blog.

Inglorious Basterd 18. August 2010 um 08:36  

Da muss ich erst mal meinen Dauerauftrag für die Taliban kündigen, um "Mittel" freizubekommen.

ThomasX 18. August 2010 um 09:00  

Nix zu danken, gern geschehen (der regelmäßige Besuch freilich).
Dein Buch besitze ich schon. Ich musste es auch schon mehrmals verborgen, denn wie es eben so ist: man kann schlecht zum Interessenten sagen, kauf dir´s, wenn man es im Regal stehen hat.

Tut man ja nicht, wenn man schon froh ist (sein muss?), dass sich auch andere für diese Thematik interessieren.

Für die Eigenwerbung musst du dich nicht entschuldigen. Schreib einfach so weiter und der Erfolg ist dir (sicherlich) gewiss.

Anonym 18. August 2010 um 09:30  

Für diese grandiose Leistung erhälst Du von mir den goldenen Topflappen am Bande mit Henkel. Du weißt schon:vom Tellerwäscher zum Millinär usw, blablabla.
Mach weiter so Roberto, es winkt der Milliardärs-Orden am blutroten Faden, persönlich überreicht von Mutti und ihren Politnutten im Wartestand! ;-)

Margareth 18. August 2010 um 10:24  

Lieber Roberto,

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH und DANKESCHÖN für Deine herausragenden Artikel.

Dein Buch ist die Krönung Deines Blogs - und Lesepflicht.

Werbetipp:
Ich habe meine Lieblingsbuchhandlungen animiert "Unzugehörig" in den Bestand zu nehmen - und möchte die Leser/innen von ad-sinistram bitten, dies bei Ihren Buchhandlungen auch zu tun.

p.s. und für die Facebook Freunde:
ad- sinistram unbedingt aufnehmen:
http://www.facebook.com/pages/Ad-sinistram/144175012269116

Anonym 18. August 2010 um 14:52  

DER GANZDEUTSCHE MILLIONÄR

DER HAT´S SCHWÖR, DER HAT´S SCHWÖR

GRAD WENN´s NUR KLICKMILLINÄR ist;-)

unschland 18. August 2010 um 17:01  

ich sehe in dir einen modernen ignaz wrobel! du schaffst es, kritik, wut und empörung in eine genüsslich, augenzwinkerde bös-artigkeit zu verpacken, die einen bei dir die bombenbauanleitungen nicht vermissen lassen, denn fast jeder deiner einträge ist sprengstoff pur.
du hast es dir auf jeden fall verdient, mit schreiben leben zu können. ich dir und uns lesern, dass das auch klappt!
ich fürchte nur als hofnungsloser kulturpessimist, dass wir uns in nicht all zu ferner zukunft auf ostseeinseln oder spezialknästen persönlich kennen lernen werden.
der feuchte schoss, von dem du gerne erwähnst, gibt sich nicht mehr mit 3welt-diktatur-dildos zufrieden. reiss unserer möchtegern-junta auch weiterhin ihre maske runter, damit man die hässliche fratze des menschenschinders dahinter sehen kann! entblöße sie! mach sie fertig!
liebe grüße und weiter so!
(wir sehen uns hoffentlich nicht so bald)

Geheimrätin 18. August 2010 um 23:32  

Lieber Roberto,
herzlichen Glückwunsch zur Million! Möge es auch ordentlich flattrn bei dir! Ich werde bald ein paar Büchlein kaufen und verschenken, sobald ich etwas zaster in der Tasche habe und außerdem Margareths Tipp befolgen und deine Bücher den Buchhandlungen empfehlen.

Ansonsten werde ich aktuell derartig absorbiert von meinem eigenen kleinen Mikrokosmos u. dem Versuch, auch etwas neues aufzubauen, was ein paar wenige Euros reinbringt - aus diesem Grund kam ich jetzt schon tagelang nicht mehr zum Blogs lesen und fühle mich regelrecht abghängt! Ja ich komm nicht mehr nach, weder mit deinen Texten noch mit anderen. Bitte nimms mir nicht übel, aber bei den Millionen Besuchern fällts ja nicht groß auf. Nur für mich selber ist es natürlich ein echtes Dilemma, hier den Anschluss zu verpassen. Ich hoffe also auf dein nächstes Büchlein, wo ich dann alles versäumte in Ruhe nachlesen kann.

Alles Gute
G. vom See.

Stimmvieh 19. August 2010 um 20:07  

Rock on!

Anonym 24. August 2010 um 12:36  

Glückwunsch! Ich bin täglich hier!

antiferengi 24. August 2010 um 14:31  

Uii. Geht schon los. So ein Millionör hat's schwör. Na, da werden auch noch zwei draus. Glückwunsch, - ganz besonders zur Entscheidung sich ganz darauf konzentrieren zu wollen.

klaus Baum 24. August 2010 um 17:49  

glückwunsch. endlich bin ich einer unter einer million.
die sprache blitzt mich gerade wieder so doppeldeutig an.

antiferengi 24. August 2010 um 20:02  

Ups. Faux-Pax von mir. Riesensorry.
Mit Konzentration, meinte ich natürlich das Schreiben, nicht die zwei Millionen ;-)

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