Ein viel dringlicherer Tabubruch

Montag, 30. August 2010

Es ist ja nicht so, dass man grundsätzlich gegen grobschlächtiges, ruppiges Auftreten sein sollte. Das hat seine gute Billigkeit. Vorallem ist es das Anrecht des Tabubruchs - so einen muß man manchmal ungalant begehen. Problem ist dabei nur, dass der große Tabubrecher, diese schiefschnäuzige Karikatur einer Herrenmenschen-Parodie, überhaupt kein Tabu gebrochen hat. Er hat einfach nur den Stammtisch, den Kleinkrieg aus Mietskasernen und vom beruflichen Pausentisch aufgegriffen und in den öffentlichen Diskurs geschmettert. An jenen Plätzen qualmte nämlich schon immer dieser stinkende Sud aus sozialdarwinistischer und eugenischer Wissenschaftsramschware, aus rassistischer und nationalistischer Verranntheit, angereichert um faschistoides und barbarisches Heroentum - an den genannten Örtlichkeiten war all das nie tabu.

Diese schweigende Mehrheit, die man hinter dem ungestalten Tabubrecher vermutet, die gab es nie - das heißt, es gab sie schon als Masse, nur nicht als schweigende, sich bedeckt haltende Gruppe. An den richtigen Orten dampfte es seit alters her ordentlich, wurde immer schon gesagt, was gesagt werden musste - weils doch wahr sei. Das gilt nicht nur für das angebliche Tabu der Überfremdung - das gilt auch für die klassistischen Aussagen des "Klartext"-Politikers bezüglich Erwerblose, die für ihn eine funktionslose Klasse seien - eine Klasse, die folglich niemand brauche. Dergleichen war auch nie in die Stille verbannt, wurde an heimeligen Orten thematisiert, ausgegrölt, gut hörbar tremoliert.

Nein, da fand kein Tabubruch statt - dieser profilneurotische, offenbar an einem Aufmerksamkeitsdefizit nagende Herr, er ist nicht der Tabubrecher, er plappert nur nach, was irgendwie immer schon irgendwo von irgendjemanden gesagt, geflüstert, mindestens aber laut gedacht wurde. Und das wäre eigentlich schade, wenn es nicht so schön wäre. Denn Tabubrüche, die wären sicherlich entschieden geboten - es gäbe genug Tabus zu brechen in dieser Gesellschaft. Tabus, die der nichttabubrechende Tabubrecher vom Dienst nie zu brechen geneigt wäre. Da fehlte es an Substanz, an Schneid, an cojones, wie man im Spanischen und neuerdings auch im Deutschen sagt; cojones, die man benötigte, um dort Tabuzertrümmerer zu sein, wo einem auch Sturm blüht, nicht nur eine leichte Gegenbrise.

Ja, es gäbe genügend Tabus! Jenes beispielsweise, so zu tun, als ob Politik und Wirtschaft zwei gesonderte Posten seien - warum bricht man nicht dieses hemmende Tabu, entblößt die Politik als das, was sie ist: Wirtschaftspersonal mit Mandat. Wieso sind Berichte aus den Folterlagern der westlichen Welt tabu? Auch die Arbeitswut und der Arbeitfetisch der kapitalistischen Welt: warum tabuisiert man die, warum tabuisiert man des Menschen Recht auf Faulheit? Weshalb gilt es als Tabu, einem offensichtlichen Menschenhasser, einem Vernichtungsbürokraten in Lauerstellung, bei einer öffentlichen Veranstaltung nicht mit Häme begegnen zu dürfen? Warum gebietet es die diplomatische Gepflogenheit, auch so einem Kerl die Hand zu reichen?

Das klingt nach kleinem Tabubruch, nach Bagatelle, Pappenstiel. Jemanden nicht die Hand zu geben - das ist doch, wenn überhaupt, kein Tabubruch von Format. Aber das täuscht: genau das ist der Tabubruch schlechthin. Einem vor aller Welt die Hand zu verweigern, das seriöse Wort zu versagen, ihn eher anzuspucken als zu begrüßen - einem, der gegen Minderheiten hetzt und geifert, Menschen in wertvoll und wertlos katalogisiert, in dieser Weise den Respekt zu verwehren, ihn nicht als Gesprächspartner auf gleicher Augenhöhe anzuerkennen: das ist nicht Unbenehmen, das wäre ein weittragender Tabubruch. Man stelle sich vor, bei Anne Will würde man irgendwelchen Bankkantinenagitatoren den Respekt versagen. Mit Ihnen rede ich nicht! Mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch! Wäre das etwa kein Tabubruch in einer Gesellschaft, in der man sogar Eugeniker freundlich begrüßt und sie "sachlich" zu Wort kommen läßt? Aberaber, Arschloch sagt man doch nicht! Eben! Genau deshalb wankte da ein Tabu: bisher durften bestimmte solche nicht so geheißen werden!

Und was würde einem solchen Tabubrecher blühen? Nennte man ihn Klartext-Talker? Klartext-Talker bei Anne Will sagt, was Sache ist? Würde man berichten, dass er den von ihm mit einer Körpereinbuchtung bedachten Diskutanten hart rannahm, ihn des Rassismus, des Klassismus, der Volksverhetzung bezichtigte? Ihn deshalb verachten musste, wenn man nur noch ein Stäubchen demokratischer Ehre im Leib hat? Stünde irgendwo in einer Zeitung, dass man diesem Kerl mitteilte, dass es nur die gute Erziehung sei, die einen davon abhalte, wie ein tolles Alpaka durch die Gegend zu speien? Klartext-Talker vergisst Manieren, um Herrn X ebendiese beizubringen! - Würde man das irgendwo lesen können? Endlich sagt einer, was alle denken; endlich nennt einer Herrn X beim Namen! - Wo zierte dieser Satz das Feuilleton? Klartext-Talker bei Will: neunzig Prozent unserer Leser sagen, er hat recht! - Na, wer schriebe wohl dergleichen?

Nichts wäre es mit Klartext-Talker! Ein ungezogener Kerl wäre man, jemand, der es übertreibe - unsachlich wäre man, weil man der personifizierten Dummheit nicht mit endlosen Sachdiskussionen beigekommen war. Ein Mindestmaß an Betragen würde man einfordern; auch der Hetzer hat Anspruch auf grundlegende Respektsbezeugungen! Hat er? Hat er! Selbstverständlich! Man ging ihm nicht gleich aufgeladen vor Wut an die Gurgel: das zeugt doch von Respekt! Das ist eine kulturelle Leistung, wenn man denjenigen, der ganze Volksgruppen in Verruf bringt, damit Lebensrealitäten noch erschwert, nicht gleich unzimperlich begegnet. Sich zu beherrschen: das zeugt doch von Respekt! Keiner würde einen solchen Tabubrecher als Tabubrecher bezeichnen. Sie sind doch kein Tabubrecher - Sie sind nur schlecht erzogen! Man würde ihm die Berechtigung aberkennen, weiterhin solchen Runden beizuwohnen - den Hetzer lädt man aber wieder ein: er hat sich schließlich anständig benommen!

Dabei wäre es ein vorzüglicher Tabubruch, denn niemals stünden neunzig Prozent hinter einem - und wo nur zehn Prozent loyal sind, da bohrte man eher in ein Tabu, in eine schwärende Wunde, als dort, wo Mehrheiten die Nachhut bilden. Wenn man solchen asozialen Eiferern mal mit dem nötigen Respekt, also der Respektlosigkeit die nötig wäre, begegnete, dann bräche man jenes Tabu, das Hetzer hofiert. Das wäre ein Bruch, der wirklich etwas bewirken könnte. Denn wo sich zusehends geweigert würde, mit Aufwieglern zu diskutieren, sie sachlich zu behandeln, da entzöge man ihnen ihre Legitimität, würde sie in die anrüchige, kriminelle Ecke drängen. Sie können mich mal!, wäre nur ein kleiner Satz für einen Menschen, aber es wäre ein großer Satz, den die Menschheit nach vorne machte...



41 Kommentare:

Anonym 30. August 2010 um 10:20  

Der Mann ist eine Farce. Praktisch alles, was an Fakten aus den Vorabveröffentlichungen bisher bekannt ist, ist derart alberner Mumpitz, das man sein Buch vermutlich getrost unter Satire ablegen kann.
Was er in der Bild mal wieder bezüglich Vererbung absondert, ist einfach völliger Unsinn. Da reicht ein Blick ins deutsche Wiki.
99% der Daten die Sarrazin benutzt sind entweder schlicht falsch, ausgedacht (wie er mehrfach selbstzugibt), oder aber basieren auf einem derart hanebüchenem Unverständnis der entsprechenden wissenschaftlichen Disziplinen, das man kaum glauben kann, das ein Mann mit diesem Aussmaß an fehlender Bildung es bis zur Bundesbank geschafft hat.

Anonym 30. August 2010 um 10:54  

Lieber Roberto,

Du hast leider nur allzu recht mit diesem sogenannten „Tabubrecher“, der angeblich so wacker gegen den Strom des Gutmenschtums anschwimmt.
Hast Du Dir mal die Leserkommentare in der TAZ angetan? Der Tenor von gut zwei Dritteln: „Naja, mir pasönlich issa nich so sympathisch, aber sein rüpelhafter Ton ändert ja nix daran, dassa in der Sache recht hat...“
Ich fürchte, wenn die hiesigen Muslime für vogelfrei erklärt würden, zögen wohl etliche brave Büger mit Baseballschlägern, Schrotflinten und Molotowcocktails los...
Angesichts dieser „Debatte“, die eigentlich gar keine sein dürfte, weil Sarrazin sich durch seinen wirren Rassismus und seine, wie er dreist zugibt, „geschöpften“ Zahlen selbst desavouiert (wie ich zu meiner Verblüffung las, hält er seine abstruse Tirade nichtsdestoweniger für ein „wissenschaftliches“ Werk... insofern tatsächlich ein flagrantes Beispiel fürs grassierende Immer-dümmer-Werden hierzulande), fühle ich mich mit Grausen an Goldhagens Buch über „Hitlers willige Vollstrecker“ erinnert – der ja nachweist, welch weit offene Türen die Nazis eingerannt haben.

Liebe Grüße
Saby

Unterdosis 30. August 2010 um 11:09  

Tja, und jetzt echauffiert man sich nur, weil das J-Wort gefallen ist.
Merke: Andersgläubige und Arbeitslose darf man ruhig verhöhnen, verleumden und verbal verprügeln. Aber beim J-Wort, da hört in Deutschland der Spass auf!

Margareth 30. August 2010 um 11:13  

Das schlimme ist, dass diese Hassprediger und Brandstifter auf großen Zuspruch im Volk stossen , und dass nicht nur an den berühmten Stammtischen - Nein auch im sog. Bildungsbürgertum.
Wenn man heute in Bild , Welt und anderen Gazetten die Leserkommentare dazu liest, dann bekomme ich Angst!
Ja ich habe Angst - dieser Schoß ist fruchtbar noch ...........!

Und dies ist nicht nur ein deutsches Phänomen, sondern überall in Europa erhalten diese Hassprediger Applaus - und kommen an die Macht

Werden wir tatenlos zusehn ? werden wir unseren Enkelkindern einmal sagen: Wir haben das doch alles nicht gewußt ?
NEIN DIESE AUSREDE HABEN WIR NICHT !
Also wehret den Anfängen !

Anonym 30. August 2010 um 11:33  

...dass ein Mann mit diesem Aussmaß an fehlender Bildung es bis zur Bundesbank geschafft hat.

Gerade deshalb.

Aber die WHO und andere kommen ihm mit einer "Anti-Fruchtbarkeits-Impfung zu Hilfe. Selbstverständlich nur für die "unwerten" Bevölkerungsteile der Erde...

http://home.snafu.de/usp/antifert.htm

scribine 30. August 2010 um 11:55  

Bei "feynsinn" war ich noch der Meinung, dass man solche Leute wie S. und K. einfach ignorieren sollte . ..
Doch, wenn ich mir jetzt die Präsentation dieses Machwerkes von S. im Fernsehen anschaue (läuft gerade auf Phoenix), und höre was dazu eine "türkische Frauenrechtlerin" (deren Namen ich nicht kenne)an "verschwurbeltem, teutschtümmelnden Rassismus zusammenredet, dann revidiere ich meine Meinung ad hoc:
Dieser Typ muss zum Schweigen gebracht werden, ignorieren hilft da nicht mehr.
Denn: ich fürchte, dass dieser Typ ja "nur" als "Vorhut" voran geschickt wird. Er soll das Feld bereiten - für das "Weiterleben" von Rassismus und Faschismus.

In einer Zeit, in der es zwingend erforderlich ist, endlich (!) das friedliche Zusammenleben einer weltumspannenden Völkergemeinschaft zu "üben", um das Überleben der Menschheit doch noch zu sichern, haben sich die Kapitalmächtigen offensichtlich entschieden, die Menschen gegeneinander zu hetzen. Motto: Gebt den Völkern ihre Feindbilder und sie werden sich selber dezimieren.
Mir liegen religiöse Termini fern, aber das was hier abläuft ist "teuflisch" und richtet sich gegen die Menschenrechte.

hans 30. August 2010 um 12:29  

Großartiger Artikel, der beste, den ich je zu diesem Thema gelesen habe.
Die Seitenhiebe auf die Medienlandschaft, die bei der Scheiße auch noch mithetzt, das erkennen der wahren Tabus, und den Mitteln, wie man sie brechen könnte.
Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem mal einer der noch einen Funken Ehrlichkeit besitzt in einer dieser "Talkshows" aufsteht, die Dinge beim Namen nennt, die Hassprediger anspuckt, die Moderatorin gleich dazu, und sich aus dem Studio verabschiedet.
Leider wird dieser Tag nie kommen.

Anonym 30. August 2010 um 12:33  

Der Typ hat schon vor Monaten immer mal wieder seine Positionen verkündet ... und sehr viele Menschen und Politiker haben ihm zugestimmt oder ihn zumindest gedeckt.
Und jetzt wird er geschasst?

Wovon soll diese aktuelle Aktion ablenken? Das ist noch was anderes im Busch, und DESHALB rauscht es gerade so laut im Blätterwald.

Anonym 30. August 2010 um 12:42  

Aus dem Kopp- Verlag Ulf Kotte): "Sarrazin statt Muezzin: Gründen Thilo Sarrazin, Eva Herman und weitere politisch unkorrekte Bürger eine neue Partei?"

Vielleicht, Anonym, könnte das deine Frage beantworten, was sich da möglicherweise zusammenbraut bzw. zusammengebraut werden soll!

Viel Spass mal beim Lesen!

hans 30. August 2010 um 12:49  

mir fällt gerade auf dass ich, gerade im letzten absatz meines kommentars, genau das gleiche "warten auf einen führer"-verhalten an den tag lege wie der braune sumpf, der jetzt sarrazin feiert. nur eben mit anderen vorzeichen. dieses verhalten scheint wohl tief in den menschen verankert zu sein. was soll man auch machen angesichts der ohnmacht, in der man sich befindet. jemand, der die massen erreicht ist nunmal von unschätzbarem wert. nur sollte er eben möglichst die "richtige" botschaft dabei haben :(

manassas 30. August 2010 um 12:56  

Seit wann wird Glauben vererbt? Ich dachte immer, Jude sein, heisst einer bestimmten Glaubensrichtung anzugehören.
Dieser Typ ist ein Faschist. Man kann über die Intergrierung/Intergrierbarkeit von Moslems durchaus diskutieren. Hochverschleierte Frauen auf den Strassen sind auch nicht das, was ich mir vorstelle, aber TS fängt an, Dinge zu vermengen, die nichts miteinander zu tun haben.
Erst die Moslems, dann die Juden, dann die Freimaurer, dann die Schwulen......
Herr S. gehört NICHT in die SPD. Die NPD wird ihn gerne nehmen.

Siehe auch diverse Ausgaben der "Jungen Freiheit".

PS: Der ideale Partner für Eva H.

Inglorious Basterd 30. August 2010 um 13:04  

Auch beim Spiegelfechter hat sich ein Gastkommentator dezidiert mit Aussagen von T.S. beschäftigt und sie widerlegt bzw. als falsch deklariert. Aber damit tappt man schon in die Diskursfalle, die T.S. aufgestellt hat. Gerade solche inhaltlichen Analysen wie im Spiegelfechter verleihen den Aussagen von Sarrazin auch noch die Weihen der sachlichen Auseinandersetzung.

Deshalb: Einfach ignorieren. Aber nach dem Medienspektakel ist es dafür zu spät.

Inglorious Basterd 30. August 2010 um 13:43  

Der Mediendiskurs schlägt weiter hohe Wellen. So sehe ich gerade auf den Webseiten von "Hart aber fair", dass sich der Grimme-Preisträger Plasberg auch des Themas angenommen hat. Schon beim ersten Gästebucheintrag weiß man, was einen dort erwartet. Beim Ansehen der kommenden Sendung befürchte ich, dass selbst die Begleitung von reichlich Alkohol an ihre Grenzen stoßen wird.

Plasberg hatte schon einmal das Thema Sarrazin auf Sendung. Damals wurde mir beim Lesen der Kommentare im Haf-Gästbuch richtig schlecht. Gegen diesen völkischen und rassistischen Dreck kann man nicht mehr anschreiben.

Wer sich mal etwas Genüssliches über den unter TV-Konsumenten als seriös geltenden Journalisten (Selbstbezeichnung: "Der Inlandskorrespondent!")geltenden Plasberg reinziehen möchte, dem biete ich diesen Link an:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,713833,00.html

Auch die meisten Kommentare dazu sind vom Feinsten.

Anonym 30. August 2010 um 13:48  

Bereits im Herbst 2008, nach dem Ausbruch der Finanzkrise und den anschließenden Rettungsaktionen für die Banken prophezeite der damalige SPD Finanzminister Steinbrück für die Zukunft viel härtere Verteilungskämpfe als bisher je gesehen.
Im Grunde warf er die Frage auf, wer die Zeche für den beinahe Chrash zu bezahlen habe.
Da die eigentliche Macht- u.Geldelite dieses Landes unter den heutigen Machtverhältnissen dafür ohnehin nicht in Frage kommet, geht es letztlich doch nur noch um die Verteilung dieser Lasten zwischen den so genannten Mittelschichten und der Unterschicht in allen ihren Schattierungen.
Da aber die Mittelschichten bei entsprechender Honorierung und Anerkennung schon immer begeistert den Transmissionsriemen für die Machtausübung der eigentlichen Elite abgaben, fürchten sie folglich nicht ganz zu Unrecht, zukünftig vom Kuchen des gesellschaftlich erwirtschafteten Reichtums weniger abzubekommen.
Der Grund dafür ist einfach, dass von den Unterschichten kaum noch was herauszupressen ist ohne die Gefahr gesellschaftlicher Erschütterungen, gar bürgerkriegsänlicher Zustände heraufzubeschwören.
Aus der Angst heraus, sich den verachteten Unterschichten ökonomisch anzunähern speisten sich alle reaktionären faschistoiden Ressentiments der Mittelschichten gegen alles von unten oder sonstwie fremdartig, bedrohlich erscheint.
Und dieser Herr Sarazzin ist im Grunde deren insgeheimer Bauchredner.
Dass Herr Sarazzin ebenso auch im Geiste der eigentlichen Eliten handelt, mit seinem ideologisch-politischen Nebelwerfereien auch deren weitere Macht über die Gesellschaft zu festigen trachtet, kann als abgemacht gelten.
Vergessen wir niemals, dass gerade die deutsche Mittelschicht der hauptsächliche Träger des deutschen Faschismus war, ebenso verhielt es sich in vielen anderen Ländern Europas.
Was tut Herr Sarazzzin eigentlich anderes als gerade die Mittelschicht wieder mal ein wenig faschistoid aufzumöbeln mit seinen vermeintlichen Tabu-Brüchen?
Es ist daher keinesfalls neu, wenn die eigentlichen Eliten wieder mal ihre Mittelschicht zu einer gehorsamen Gefolgschaft zusammen zu schließen versuchen um den neuen gesellschaftlichen Herausforderungen eben vor allem im Interesse der Macht und des Reichtums eben jener Eliten zu begegnen.
In diesen veränderten Zeiten haben die alten schwülstigen Platten von Zivilgesellschaft, Bürgergesellschaft, mehr Demokratie wagen etc.. für unsere Eliten ihre Schuldigkeit getan, gehören ausgemustert, in die Tonne gekloppt.
Dafür dürfen nun Herren wie Sarazzin, Clement, Koch und die ganze augehaltene publzistische Meute wieder ganz neue und im Grunde doch nur altbekannte (berüchtigte) deutsche Märsche blasen.
Der sprichwörtliche feuchte Schoß unserer Gesellschaft beginnt einmal wieder, ganz langsam, tröpchenweise einen reaktionäten bräunlichen Ausfluß abzusondern.
Aber ist das bei den heutigen Zuständen, dem einfachen Fehlen von politisch und ökonomisch relevanten Organisationen der Masse der normalen Arbeitnehmer noch verwunderlich?

landbewohner 30. August 2010 um 15:02  

ja die wahren sarazzinfans sitzen nicht in mietskasernen, kneipen und werkbänken, seine grössten fans sind die häuslebauer und rechtschaffenden mittelständler. und diese soll der s. aufhetzen gegen die fremdartigen und unterschichtler, damit sie ein ventil für ihre wut finden, wenn sie die milliarden für die banken zahlen müssen. und nur die letzteren kommen zum schröpfen in frage, da die armen eh nix haben und die wirklich reichen nix geben. und so macht der neueste sarazzinerguss -neu daran ist ja eigentlich nichts, hat er alles schon irgendwann mal gesagt- auch aus sicht seiner arbeitgeber sinn.
und ohne die wolfsohns, sloterdieks, anständigen "bürger" und herrschenden cliquen wäre ein sarazzin ein NICHTS.

Anonym 30. August 2010 um 15:04  

Zu dem Text, dem "Sie können mich mal!" und dem Tabubruch mit den Umgangsformen im Allgemeinen fiel mir diese bekannte Lied vom Schweizer Kabarettisten und Liedermacher Franz Hohler ein, so gut es grad ging ins Hochdeutsche übersetzt auf der Basis von

http://mikiwiki.org/wiki/Lied_%22Es_si_alli_so_nätt%22_(Franz_Hohler)


Es sind alle so nett


Kürzlich sind wir umgezogen
Aus einem kleinen Dorf mitten in die Stadt
Durchs Fenster sehe ich die Weite
Statt den Glärnisch [Name eines Berges] das Einkaufszentrum Glatt
Jetzt wohnen wir wieder bei den Leuten
Ersticken fast in dieser Nachbarschaft
Sie sehen uns in die Stube, in die Küche hinein
Aber eines hat uns überrascht

Es sind alle so nett
Es sind alle so nett - Wirklich, da heisst es immer, man könne nur auf dem Land gesellig leben
Es sind alle so nett - Das sagen nur die, die in der Stadt keine Wohnung gefunden haben
Es sind alle so nett - Das ist ein reines Vorurteil
Es sind alle so nett

Manchmal treffe ich Vereinbarungen
Worunter die Familie leidet
Musst du jetzt jetzt in Brig [Stadt in einem Alpental] aufspielen
Sagt meine Frau und sieht traurig drein.
Weisst du, sage ich danach, und hüstle
Es ging einfach nicht anders.
Die haben so lieb gefragt und geschrieben,
da konnte ich sie nicht hängen lassen.

Es sind alle so nett
Es sind alle so nett - du kennst ja die Frau Tischler und den Herr Roggenmoser vom Kellertheater, die haben uns oft genug angerufen
Es sind alle so nett - und wenn du das Publikum sehen würdest
Es sind alle so nett - und schliesslich muss man den Leuten zeigen, dass es westlich von Zürich auch noch Kabarettisten gibt, und gerade diese
Es sind alle so nett - Ich komme nämlich ursprünglich aus Olten. Olten bei Gösgen. [ein AKW-Standort]

Ich war in Gösgen demonstrieren
Weil ich gegen die Atomkraft bin
Darauf laden micht die Kernkraftherren
Zu einer kleinen Besichtigung ein.
Sie zeigen mir ihren Tempel
Dann setzen wir uns zusammen an einen Tisch
Unsere Meinungen sind völlig unterschiedlich
Aber das Verrückteste dabei ist:

Es sind alle so nett - wirklich
Es sind alle so nett - es sind doch Familienväter wie du und ich
Es sind alle so nett - Es sind sogar Wildwasserfahrer und Skilangläufer
Es sind alle so nett - Sie wissen wirklich, was Natur ist
Es sind alle so nett

Ich habe mich damit beschäftigt
Wem die Schweiz im Grunde gehört
Und ich bin auf ein paar Namen gestossen
Aber dann habe ich mich einigen von ihnen getroffen
Von dieser kleinen, mächtigen Herde
Die uns allen den Marsch bläst, ich sage euch
Es ist wirklich zum wahnsinnig werden

Sie sind alle so nett
Es sind alle so nett - guten Tag, Herr Doktor, guten Abend, Herr Direktor
Es sind alle so nett - Sie haben sogar Sachen von mir gelesen
Es sind alle so nett - sie kennen einzelne Stellen aus dem Totenmügerli auswendig
Es sind alle so nett

Letzthin träumte ich tatsächlich
Ich hoffe, es wird nie wahr werden,
Man habe mich zum Tode verurteilt
Ich sei eine zu grosse Gefahr
Aber das Schlimmste, kurz vor dem Enthaupten
Kamen alle diese freundlichen Köpfe
Von Staatsanwalt, Richter und Henker
Weit und breit kein Feind zu sehen

Es sind alle so nett - dürden wir ihnen die Binde um die Augen legen?
Es sind alle so nett - haben Sie noch einen letzten Wunsch?
Es sind alle so nett - ach so, Sie sind Nichtraucher
Es sind alle so nett - dann legen Sie jetzt bitte Ihren Kopf auf diesen Pflock hier
Es sind alle so nett, so nett, so unheimlich, so grauenhfat NETT!

scribine 30. August 2010 um 16:09  

Das "Teuflische" an der Szenerie (in der S. ein kleiner Randdarsteller ist), ist die gigantische, weil nahezu grenzenlose, Vernetzung derer, die dabei das "Drehbuch" schreiben bzw. von denen, die ganz wild darauf sind, darin "mitzuwirken":

Da bringt der Spiegel wochenlang Aufmacher und warnt vor der "Islamisierung". (Hagen Rether hat dazu einen aufschlussreichen Beitrag gemacht, zu sehen auf youtube), da wird klamheimlich der Lissabon-Vertrag verabschiedet (. . .Europa muss sich den Zugang zu den Ressourcen der Welt mit Waffengewalt offen halten können. . .) und dazu passt auch das "Schickmachen des Krieges" in Afghanistan durch einen "verarmten" Adligen - es wäre noch viel mehr zu benennen - es wird hoffentlich deutlich: es hängt alles zusammen - und geht gegen der Menschen Recht auf ein würdiges Leben.

Die Verteilungskämpfe haben längst begonnen und die Akteure (man findet sie unter den Heads der Bilderberger - siehe www.flegel-g.de) bedienen sich einer ausgeklügelten PR-Masche-(nerie).

Gestern sagte diese merkwürdige Frau, die sich von einer Minderheit zur Kanzlerin aller Deutschen hat "hochsetzen" lassen, dass die Bundesbank in ihren Entscheidungen unabhängig sei . . .
Na also: S. übernahm wieder einen Auftrag, das Ganze ist natürlich (!) vorher abgesprochen worden. Jetzt wird er seines Amtes (bei weiterlaufenden Bezügen, versteht sich) enthoben, um "Zeit" für weitere "Bücher" zu haben.

Und die SPD? Die diskutiert darüber natürlich auch wieder "werbewirksam" für die "Thesen des S.", ob sie den Mann nun vor "die Türe" setzt oder nicht.

Tja, und dem vielleicht baldigen Ex-SPD-Mitglied S. wird das Schreiben künftig noch mehr Spaß machen, denn ein Egozentriker hat es nun mal sehr gern, wenn die "Massen" IHM zuhören.

Die Promotion ist so gut angelaufen, man schätzt, dass von dem jetzigen Pamphlet zehn Millionen Exemplare verkauft werden könnten, schließlich soll ja eine "breite" Diskussion erreicht werden. Diverse Blätter und "Plasbergwillsche" Fernsehdiskussionen werden das gern "begleiten".

Und schließlich sollten ja auch seine "Kritiker" das Teil lesen, um "sachlich" argumentieren zu können - oder?

Das "Alles" ist Teil dieses "teuflischen" Skriptes: wieder wurde ein "Saatkorn" in die noch fruchtbare "braune" Erde gelegt.

Für mich bestürzend, man kann sich noch nicht mal mehr auf die "Prophezeihung" verlassen:
"Wer den Wind saet, wird den Sturm ernten" . . .denn wir haben es nicht "in der Hand" aus welcher Richtung der blasen wird - oder doch?

Anonym 30. August 2010 um 16:53  

Ich sehe zwei Intentionen der herrschenden Klasse. 1. Abschaffung der Mittelschicht in ökonomischer Hinsicht und 2. die physische Vernichtung der sogenannten Unterschicht. Beides wird miteinander verknüpft und die Frustration der ehemaligen Mittelschicht wird benutzt, zur Umsetzung von Punkt 2. Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich gedacht, dreh mal nicht durch und übertreib nicht. Ich bin mir aber in letzter Zeit ziemlich sicher, wir befinden uns schon im Faschismus " Neuer Prägung" und die physische Vernichtung "unwerten" und "unproduktiven" Lebens wird der nächste Schritt.
Mfg Stefan

Anonym 30. August 2010 um 17:23  

"[...]Tja, und jetzt echauffiert man sich nur, weil das J-Wort gefallen ist.
Merke: Andersgläubige und Arbeitslose darf man ruhig verhöhnen, verleumden und verbal verprügeln. Aber beim J-Wort, da hört in Deutschland der Spass auf![...]"

Völlige Zustimmung, aber diese Unseligkeit gibt es schon seit Opfergruppen der Nazis auf Entschädigung drängen.

Die Juden erhielten, völlig zurecht, eine Entschädigung, die Cinti und Roma (ebenso vom Völkermord betroffen), und die "Slawen" mußten länger kämpfen, bis ihnen ein Opferstatus anerkannt wurde, wenn die nicht vorher gestorben waren.

Von den "Asozialen" (z.B. Obdachlose, Bettler etc. - die mit dem "schwarzen Winkel" in den KZs und Vernichtungslagern) gar nicht erst zu reden, die werden bis heute verhöhnt, und ignoriert - von Deutschlands Mittel- und Oberschicht.

Man redete jahrelang davon Opferzahlen nicht zu vergleichen.

Jetzt wissen wir ja warum, und man sollte es wirklich einmal schreiben:

Es gibt auch hier eine Hierarchie.

Die mit Lobbies erhalten alles, die anderen gucken - auch Jahrzehnte nach 1945 - immer noch in die Röhre, d.h. im Fall der Cinti und Roma (auch "Zigeuner" genannt) war es so, dass die von dt. Behörden mit Nazi-Vokabeln, und den alten Nazi-Akten abgefertigt wurden - lange nach 1945. Wer es nicht glaubt soll mal Bücher über Antiziganismus (auch Zigeunerhass genannt) reinziehen.

Die sowjetischen Kriegsgefangenen, die vergast, erschossen und verhungert wurden sollte man auch nicht vergessen, zumal in einem Land wo immer wieder das Leid der dt. Landser thematisiert wird, aber nicht das Leid das genau diese Landser über Menschen in Osteuropa brachten.

Hätten wir alle diese Dinge klar beim Namen genannt, ein Sarrazin hätte keine Chance.

Gruß
Bernie

PS: Es gab sogar Moslems, die genauso wie Juden vergast wurden, wie ich kürzlich in einem Buch las - Der Grund? Die waren beschnitten, und für die Nazi-Schergen eben genau deswegen Juden statt Moslems - ein Irrtum, der auch Moslems, genauso wie Juden das Leben kostete. Beides gleich schlimm, und ein Beweis, dass über Nazi-Verbrechen immer mal wieder Neues ans Tageslicht kommt - sogar im Jahr 2010 n. Chr. noch.

Anonym 30. August 2010 um 17:44  

Eines der größten Tabuthemen überhaupt ist die protestantische Arbeitsethik in den modernen Industriegesellschaften. Die "Arbeit" als " Wert an sich" und eigentliche Qualität menschlicher Existenz. Eine Auffassung quer durch alle Fraktionen und Schichten der modernen Industriegesellschaft. Konnte schon mehrfach die Erfahrung machen, wie betreten die Stimmung wird, wenn man in einem Kreis fremder Leute auf die Frage, "Was machen Sie?" antwortet, "ich bin arbeitslos". Schlimmer wäre wohl nur noch "Obdachloser" oder "Kinderschänder". Unsere Arbeitsethik nimmt schon religiöse Züge an und jeder mit einer abweichenden Auffassung wird als Bedrohung der Zivilisation angesehen. Ich bin immer wieder über das Ausmaß an Zorn und
Hass ertaunt, welches einem teilweise entgegengebracht wird.
MfG stefan

Libero 30. August 2010 um 17:52  

Chapeau!
Das Schlimmste ist nämlich nicht der Herr Sarrazzin, ich kenne ihn gar nicht - jedenfalls nicht persönlich. Ich bin ihm nie begegnet, habe keinerlei selbst erlebte Erfahrung mit ihm gemacht, noch habe ich sein Buch gelesen, wie kann ich also wissen, wer und wie er ist, aber er ist derzeit in aller Munde – also : Ziel erreicht! Alles, was ich über diesen Menschen erfahre, bekomme ich durch Dritte, Vierte, Fünfte usw. serviert - stille Post fand ich als Kind schon ziemlich lustig, jedenfalls, wenn ich mich erinnere, wie weit entfernt das Endergebnis vom anfangs losgeschickten Satz stand. Nun ist das, was mir zugetragen wird, wahrlich nicht lustig. Dennoch kann ich nur sagen, der fruchtbare Boden, in dem die Saat des Herrn S. aufgeht, stimmt mich da wesentlich bedenklicher, löst doch so manche Meinung meiner Zeitgenossen, die durch unreflektierte Nachplapperei von irgendwo Aufgeschnapptem – „das steht schließlich in der Zeitung, da muß das ja stimmen“ oder „das hab ich im Fernsehen gesehen“ oder noch besser" "Ich hab mir meine Meinung geBILDet" einen immensen Würgereiz bei mir aus. Und sollten die Äußerungen des Herrn S. irgendwelche rechtlichen Folgen für ihn haben, so dürfen wir gewiß sein, dass mal wieder ein Bauernopfer fällig war.

Anonym 30. August 2010 um 18:06  

An alle Sarrazin-Jubler und BILD-Leser

Sarrazin hat noch ein Buch geschrieben, das er solange unter Verschluß hält, bis das gerade veröffentlichte "Werk" die gewünschte Verkaufszahl erreicht hat.
In seinem zweiten Buch weist Sarrazin nach, daß 70%-90% aller BILD-Leser einen gegenüber dem Durchschnitt stark verminderten IQ aufweisen.
Im zweiten Buch heißt es, BILD-Leser seien fauler als andere und in den Schulen können sie sich nicht einfügen und stören den Unterricht.
Er belegt dies einerseits anhand der Verkaufszahlen seines ersten Buches und anhand einer privat geführten Statistik. Es enthält auch eine Vorschau auf die negative Entwicklung Deutschlands, wenn es bei dieser Zahl von BILD-Lesern bleiben sollte.
Er führt Tierversuche an, die nachweisen sollen, daß es sich bei den BILD-Lesern um eine genetische Disposition handele.

Eurohasenbär, SZ-Leserforum

Anonym 30. August 2010 um 18:50  

Sarrazin und seine Genossen im Geiste mag man durchaus als schillernde Sumpfblüten ansehen, Geschöpfe, die den einen vor freudiger Erregung feuchte Wangen, anderen aber hochkommende Mageninhalte bescheren.
Der Sumpf aber, auf und durch den alle diese Gestalten so vortrefflich gedeihen ist nichts anders als unsere gegenwärtige deutsche bürgerliche Gesellschaft, und zwar Gesellschaft im umfassensten Sinne des Wortes.
In einer besseren, gerechteren, demokratischeren Gesellschaft würden allen Sarrazin dieses Landes ganz einfach die Themen ausgehen.
Richten wir also unsere klarsichtigen Blicke mehr auf diese Gesellschaft als ausschließlich auf Herrn Sarrazin!

Ermunternde Grüße von
Bakunin

unschland 30. August 2010 um 18:59  

offen gestanden kann ich bald nicht mehr klar denken vor angst.

man muss noch nicht mal marxist sein, um zu erkennen, dass das dritte reich nach wkII nur nominal unterging. das nach dieser katastrophe mehrheitlich sozialistisch gestimmte volk wurde mit stimmzettelfolklore und mitbeteiligung ruhiggestellt, während sich letztlich die restauration durchsetzte und die vernichtungsmaschinerie sich in der sog. dritten welt und stellvertreterkriegen austobte.

als kind wurde ich unter steinwürfen als "komunistenkind" von mitschülern durchs dorf gejagt, weil mein vater in der friedensbewegung aktiv war, zu einer zeit, in der ernst albrecht den frontkämpferbund als vorbild für die jugend darstellte. der bürgermeister war bis zu seinem ende der ehemalige leiter des reichsarbeitsdienstlagers im ort. kontinuität ist was feines.
man braucht nichtmal einen "migrationshintergrund", um sich hier unzugehörig zu fühlen.
meine schwester erzählt mir gestern, in ihrem kolleginnenkreis (Krankenschwestern im DIAKONIEVEREIN!!), würde ganz unverkrampft die zwangssterilisation von hartz IV-empfängern diskutiert, einer forderung, der ich auch schon vor jahren in einer parasiten-debatte begegnet bin. mich hätte der brave beamte, der dies guthies, zwar davon ausgenommen, weil unverschuldet nach schlaganfall, aber...

noch gebiert der braune schoß so mediale missgeburten wie sarrazin, aber sowie einer mit mehr "charisma" die bühne betritt, werden wir entweder die reinste barberei erleben oder eine technisch aufgemotztere version, faschismus 2.0 - wegen TINA. es darf ja keine denkverbote mehr geben. tittytainment für die unterschicht kost ja auch geld und macht nicht wirklich glücklich - da wärs schon humaner den funktionslosen pöbel auszurotten, zu UNSER aller bestem. schicksalsgemeinschaft- wissenschon

ist ja wahrhaft beruihgend, dass ich als behinderter eine sonderstellung genießen darf, wegen dem krüppelbonus, werd ich eben später abgeholt und darf mir die scheiße länger mitansehen. auf demos darf ich nicht, wegen der blutverdünner und dem risiko polizeilicher liebesbekundungen und für alle noch legalen, organisierteren widerstandsformen bin ich mitlerweile zu fertig.
alkohol vertrag ich nicht, alle anderen drogen sind zu teuer, bleibt der strick, oder falls der reißt, benzin und selbstverbrennung, macht wenigstens was her.
hurrah! WIR sind wieder wer!
und für deutschlands wohl lässt man sich ja gerne weg-rationalisieren

Anonym 30. August 2010 um 19:12  

@Stefan

"[...]Eines der größten Tabuthemen überhaupt ist die protestantische Arbeitsethik in den modernen Industriegesellschaften[...]"

Es wird auch nicht thematisiert, dass Deutschland von 1933 - 1945 genau mit diesem Begriff "Arbeit" Menschen physisch vernichtet hat, und dass die zynische Parole "Arbeit macht frei" über einem der größten Vernichtungslager Europas Auschwitz stand.

Zwangsarbeit ist nicht ohne grund im Grundgesetz als verboten deklariert....ich weiß, unsere "Regierung" findet ja mittlerweile Mittel- und Wege auf verfassungswidrigem Wege genau dieses Verbot zu durchlöchern (via Ein-Euro-Jobs, "Bürgerarbeit" etc. usf.) wie einen Schweizer Käse.

Gruß
Bernie

Anonym 30. August 2010 um 19:19  

@Bakunin

Nichts anderes meine ich, wenn ich Sarrazin zynisch für sein Buch lobe, denn er hat zwischen zwei Buchdeckel gepresst wie unsere neoliberal-rechten "Eliten" querbeet durch alle Bevölkerungs-; Gesellschafts- und Parteienhierarchien ticken.

Mega-Rückständig.

Gruß
Bernie

PS: Sarrazin sollte lieber einmal Bücher lesen, z.B. von Wissenschaftsjournalisten wie Jörg Blech, um zu sehen was für einen Unsinn er glaubt, und zwischen zwei Buchdeckel presst. Die moderne Gentechnik ist nämlich seit Jahren - ganz im Gegensatz zu Sarrazins angeblichen Kenntnissen darüber - fortgeschritten. "Juden-Gene" gibt es heute ebensowenig wie "Zigeuner-Gene" und "erbkranken Nachwuchs" - Fazit: Sarrazin ist 1945 stehen geblieben, während die moderne Gentechnik seine Kenntnisse als hanebüchenen Unsinn eines Ewiggestrigen enttarnt.

Anonym 30. August 2010 um 19:49  

Es ist übrigens schon einige Zeit her, dass ich einen Vortrag des türkischstämmigen Kabarettisten Serdar Somuncu im TV gesehen habe -Er beschäftigt sich satirisch mit Hitlers "Mein Kampf".

Sarrazin hat jetzt etwas losgelassen, dass mir aus der Erinnerung des Vortrages von Serdar Somuncu kenne, und keiner fragt ob Sarrazin nicht ein Exemplar von Adolf Hitlers "Mein Kampf" zuhause stehen hat:

"Jeder Hunde- oder Pferdezüchter lebt davon, dass es große Unterschiede im Temperament und im Begabungsprofil der Tiere gibt und dass diese Unterschiede erblich sind. Das heißt auch, dass manche Tiere schlichtweg wesentlich dümmer oder wesentlich intelligenter sind als vergleichbare Tiere ihrer Rasse"

Zitat: Thilo Sarrazin aus seinem Buch "Deutschland schafft sich ab".

Ich meine, dass Serdar Somuncu ein sehr ähnlich klingendes Zitat - vor damals noch lachendem Publikum, ob des Unsinns von "Mein Kampf" - gehört zu haben.

Fazit:

Schreibt Sarrazin von Adolf Hitler ab?

Gruß
Bernie

antiferengi 30. August 2010 um 20:38  

Gott sei Dank. Endlich mal jemand, der es auf den Punkt bringt. Ich dachte schon, die ersticken alle an ihrem eigenen "political correctness". Thanks roberto.

Anonym 30. August 2010 um 21:02  

Ich bin mir nicht sicher.
Sollte mal (fiktiv) ein Volksentscheid zu Pro und Contra Sarrazin stattfinden, ich fürchte mich vor dem Ergebnis.

mfg
WW

Anonym 30. August 2010 um 22:07  

Wer ist/sind die Ghostwriter von Sarrazin?

Ich bin der Meinung vieles davon schon so bei Charles Murray u.a. gelesen zu haben.

Der Link zum Bildzeitungstext ist für mich nichts anderes als eine Wiederholung von Charles Murrays Begriff Armutsfalle.

Wie es in Deutschland weitergeht, wie die Sozialhilfe reformiert wird, hängt von den Wünschen einer kleinen Gruppe von ungefähr 3000 Personen, unserer Elite, ab.

Ich denke, die ticken genauso wie Sarrazin.

Anonym 30. August 2010 um 22:28  

"Und auch das sollte man nicht schönreden: Hartz-IV-Familien können mit der Zahl ihrer Kinder ihr Einkommen steuern und staatliche Leistungen beziehen, selbst wenn sie ihre Kinder nicht pünktlich in die Schule schicken."

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-sozialleistungen-hartz-iv-alle-fragen-offen-1.993657-2

Was kommt nach dem Tabus gebrochen wurden?

Der Satz ist keine Idiotie, er soll Stimmung machen gegen ALG2-Empfänger und daß tut er.

Da in Bayern nur wenige Familien von ALG2 abhängig sind, im Osten aber viele.
Muß es an den unterschiedlichen Genen von Bayern und Sachsen liegen.

Banana Joe 31. August 2010 um 01:06  

Zitat von Margareth (30. August 2010 11:13)

"...Wenn man heute in Bild , Welt und anderen Gazetten die Leserkommentare dazu liest..."

...dann sollte man sich auch darüber im klaren sein, dass dort "Auftragsschreiber" unterwegs sind, die dem Leser ein Zerrbild der "Mehrheitsmeinung" präsentieren. Schon mal darüber nachgedacht?

Siehe z.B. hier...
NDR Zapp

Deshalb den Kopf nicht hängen lassen und immer wieder dagegen halten!

Banana Joe

Daniel Limberger 31. August 2010 um 01:28  
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Anonym 31. August 2010 um 05:02  

Lieber Herr De Lapuente

Sehr treffend beschrieben, dem gibt es m.E. auch nichts mehr hinzuzufügen.

Zitat unschland 30. August 2010 18:59 :"man braucht nichtmal einen "migrationshintergrund", um sich hier unzugehörig zu fühlen."
Stimmt auffallend. Deswegen zwingen sich mir rund um die geschilderte Integrationsproblematik stets die Fragen auf: "In was integrieren"? - "In eine sich im zunehmenden Maße zersplitternde Gemeinschaft"? - "Kann man es wirklich noch als eine solche bezeichnen oder ist es nicht doch schon eher eine reine Zweckansammlung lauter Individuen"? - "Ist es nicht so, dass jede Gesellschaft, die bereit ist, ganze Teile davon auszugrenzen eher rein nutzungssorientiert agiert als einer Gemeinschaft dient?"

Nach Tönnies handelt es sich somit bei "Gesellschaft" theoretisch um eine Kür, die sich stets am individuellen Nutzen orientiert. Eine solche Gesellschaft kann adaptieren oder ausschließen. Integrieren, im soziologischem Wortsinne oder sich gar zugehörig fühlen, kann man nicht, dazu bedarf es m.E. eines gewissen Gemeinschaftssinnes, der natürlich einem Zweck und Nutzen dienlich sein kann.

Denn um sich "unzugehörig" zu fühlen reicht es m.E. hier völlig aus, über das bisschen Mehr in Sachen Sozialkompetenz zu verfügen.

Auf den Rest der vielen Ausschlusskriterien mag ich gar nicht erst eingehen.

Das Thema rund um die "Dramatik" der "falschen" Geburt: "meine schwester erzählt mir gestern, in ihrem kolleginnenkreis (Krankenschwestern im DIAKONIEVEREIN!!), würde ganz unverkrampft die zwangssterilisation von hartz IV-empfängern diskutiert, einer forderung, der ich auch schon vor jahren in einer parasiten-debatte begegnet bin." wird stets wieder aufgewärmt. Frei nach dem Motto, steter Tropfen höhlt den Stein bzw. das Tabu, welches keines mehr ist. Man nennt es heutzutage: "längst überfällige Wahrheiten, der Verkündung Mut symbolisiert". Und wie Herr De Lapuente an anderer Stelle bereits umfangreich ausführte, zieht man hierbei gerne Wissenschaftler heran, die der Sache dienlich sind.

Eine treffende Stellungnahme zu jüngsten "Aktion" dazu hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=4936

Dabei resultieren solche Wahrheiten letztlich m.W.n. alle pathologisch auf der Angst, schon vor der Angst. Selbst die Verkündung verlangt insoweit nur den Mut zum Test, inwieweit man sich hier mit Gleichgesinnten zusammenschließen kann. Ein solcher Zusammenschluss ist jedoch mit einer Auseinandersetzung der Ängste nicht gleichzusetzen, ganz im Gegenteil.

Anonym 31. August 2010 um 05:07  

II.

Das Thema rund um die "Dramatik" der "falschen" Geburt: "meine schwester erzählt mir gestern, in ihrem kolleginnenkreis (Krankenschwestern im DIAKONIEVEREIN!!), würde ganz unverkrampft die zwangssterilisation von hartz IV-empfängern diskutiert, einer forderung, der ich auch schon vor jahren in einer parasiten-debatte begegnet bin." wird stets wieder aufgewärmt. Frei nach dem Motto, steter Tropfen höhlt den Stein bzw. das Tabu, welches keines mehr ist. Man nennt es heutzutage: "längst überfällige Wahrheiten, deren Verkündung Mut symbolisiert". Und wie Herr De Lapuente an anderer Stelle bereits umfangreich ausführte, zieht man hierbei gerne Wissenschaftler heran, die der Sache dienlich sind.

Eine treffende Stellungnahme zu jüngsten "Aktion" dazu hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=4936

Dabei resultieren solch "zu verkündende Wahrheiten" letztlich m.W.n. alle pathologisch auf der Angst, schon vor der Angst. Selbst die Verkündung verlangt insoweit nur den Mut zum Test, inwieweit man sich hier mit Gleichgesinnten zusammenschließen kann. Ein solcher Zusammenschluss ist jedoch mit einer Auseinandersetzung der Ängste nicht gleichzusetzen, ganz im Gegenteil.

Yusuf Zenj 31. August 2010 um 10:06  

Tabubrüche hatte ich mir schon vor Jahren von unserm lieben Joschka Fischer erhofft, wurde aber enttäuscht. Er plauderte nett und 'sachlich' mit Massenmördern, Diktatoren und Kriegstreibern.

Anonym 31. August 2010 um 13:07  

Anonym Yusuf Zenj hat gesagt...

" Tabubrüche hatte ich mir schon vor Jahren von unserm lieben Joschka Fischer erhofft, wurde aber enttäuscht. Er plauderte nett und 'sachlich' mit Massenmördern, Diktatoren und Kriegstreibern."

31. August 2010 10:06

Dafür ist ja auch inzwischen dort angekommen wo er insgeheim - auch noch in Turnschuhen - schon immer hin wollte, nämlich in die oberen Ebenen dieser Gesellschaft.
Und alle seine damaligen und heutigen Bewunderer teilen mit ihm die gleichen Ambitionen, nur mit dem Unterschied, dass das Gros seiner Bewunderer bereits ziemlich weit unten auf den Karriereleitern hängen bleibt.

MfG Bakunin

Anonym 31. August 2010 um 13:15  

30. August 2010 11:55 hat scribine gesagt...

"In einer Zeit, in der es zwingend erforderlich ist, endlich (!) das friedliche Zusammenleben einer weltumspannenden Völkergemeinschaft zu "üben", um das Überleben der Menschheit doch noch zu sichern, haben sich die Kapitalmächtigen offensichtlich entschieden, die Menschen gegeneinander zu hetzen. Motto: Gebt den Völkern ihre Feindbilder und sie werden sich selber dezimieren."


Sind diese Konstellationen der Feindbildkontruktion(en) nicht auch eine Quelle zerstörerischer Konflikte? Ist hier nicht eine Krux des Menschen begraben, daß er nämlich nicht Herr dieses Zusammenspiels seiner unbewußten Kräfte ist, sondern getriebener seiner eigenen aufoktroyierten Weltanschauung?
Sicher, es gibt immer genug Mitläufer, die es besser wissen und doch mitmachen. Ist es nicht Angst und Ohnmacht des Individuums, das für Mitläufertum ausschlaggebend ist? Und Täter, sind diese selbst nicht genauso durch Angst vor ihrem Selbst angetrieben? Wird der Hass auf das Fremde nicht gerade im Hass auf das eigene Selbst geboren?

Liebe deinen Nächsten WIE dich SELBST!

Das ist das einzige Rezept gegen diesen Konfliktwahn.

Peinhart 31. August 2010 um 16:26  

Ein erstaunlich brauchbarer Kommentar auf n-tv...

Anonym 31. August 2010 um 19:16  

Gedicht
Überschrift: Der Schnauzer
Text: Schnauze!

ThomasX 1. September 2010 um 20:38  

Wollt ihr wissen, was hierzulande stino Jugendliche über den unsäglichen S. denken und wie sich das dann auswirkt:

http://extreme.pcgameshardware.de/wirtschaft-politik-und-wissenschaft/115695-thilo-sarrazin-hat-er-recht-oder-nicht.html

Wenn der Link stört, kann er gern entfernt werden. Schlimm ist jedoch, dass gerade in jugendorientierten Foren die rechten Hetzer und Bauernfänger unterwegs sind. Und sie haben sehr oft leichtes Spiel.

Gerade in der Gamer-, Fun- und Music-Szene gibt es derzeit eine regelrechte Kampagne pro S. und "seiner Wahrheit" ...

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