Ein enttäuschender Schismatiker?

Freitag, 27. August 2010

Meine Güte, der Lapuente! Also sowas hätte ich nie von ihm gedacht! Schreibt der doch Sachen, die man als Linker niemals schreibe dürfte. Wie neulich, als er den Feminismus angiftete. Das sind wir von dem nicht gewöhnt. Jetzt spinnt er total! Lapuente, sag, drehst du durch? Manchmal kann man ihm nicht mehr folgen, manchmal gibt er seine sonst so vornehmen Positionen auf...

So oder ähnlich vernimmt man es zuweilen; so oder ähnlich gestalten sich Vorwürfe, mit denen man zu ringen hat. Natürlich sagt mir keiner auf den Kopf zu, dass man mir nicht mehr folgen könne - einerseits gibt niemand gerne Gefolgschaft zu, andererseits möchte ich nicht in der Weise verfolgt werden, wie man das hier verstehen möchte oder könnte. Man verfolge meine Zeilen, lese sie - aber man folge mir bitte nicht, mache mich nicht zum Anführer irgendeiner Gesinnung, zum geistigen Oberhaupt, der in geschmackvolle Worte packt, was man an dieser geschmacksarmen Welt verachtet.

Ich bin kein spiritual leader! Für niemanden. Dazu tauge ich nicht, dazu bin ich reichlich unfähig. Die eigene Leserschaft ist einem, das liegt im Wesen der Sache, besonders sympathisch. Ist es ein Affront, wenn man sie ab und an "brüskiert"? Wenn man ihr Texte reicht, die vielleicht nicht beliebt sind, weil darin Standpunkte aufgegriffen werden, denen nicht jedermann zugeneigt ist? So wie neulich, als ich den Feminismus kritisierte - oder so wie vor längerer Zeit, als ich manche elterliche Erziehung angriff, manche familiäre Selbstsucht? All das muß nicht gefallen - und es hat nicht mal Anspruch auf Richtigkeit. Wer bin ich denn, anzunehmen, immer recht haben zu müssen!

Was ich aber nicht will, das weiß ich ganz genau: ich mag es nicht, wenn man von mir enttäuscht ist! In der Art, weil ich doch sonst immer das Lebensgefühl mancher Leser träfe, jetzt aber offensichtliche Häresie betreibe. Seid doch nicht enttäuscht von mir! Ich bin auch nur ein Schmierfink, einer, mit mancher Flause im Kopf - bin oftmals Wirrkopf, jemand der sich irren kann: ein Irrkopf. Einer, der sich täuschen, der falsch liegen kann. Kein vergeistigter Wortjongleur, der immer und überall seiner kleinen Gemeinde mit Linientreue (welche Linie denn?) Freude bereiten muß - kein Auftragsschreiber meiner geschätzten Leser oder eines gewollten Dogmatismus. Wenn man mir vorwirft, befremdliche Töne von mir zu geben, dann wittere ich dahinter eine Gesinnung, die mich als absoluten Rechthaber, als allwissenden Propheten begreifen will. Bin ich aber nicht! Nie gewesen! Und bewahre, dass ich je annehmen werde, dergleichen zu sein!

Lapuente, du täuscht dich! Augenblick: De Lapuente, du täuscht dich - die Zeit für den Partikel will sein. Du hast unrecht, liegst falsch! All das kann ich ertragen. Aber, du enttäuschst mich, du befremdest mich!... neinnein, ich habe nie behauptet, immer richtig zu liegen. Das hört sich ja an, als wäre ich ein Abweichler. Aber wovon weiche ich ab? Welches Dogma beschmutze ich, wenn ich Dinge formuliere, die manchen nicht so sehr gefallen? Von Familie dürfte ich jedenfalls nicht zu intensiv schreiben, denn dann käme ans Licht, dass ich in dieser Frage eher konservativ eingestellt bin. Ich halte die Familie für eine relativ natürliche Angelegenheit, die dem Menschen zupass kommt - Familienmodelle auf andere Lebensentwürfe zu übertragen, halte ich für legitim und existenziell. Und freilich gibt es dort Hierarchien - ein Kind ist nicht angemessen mündig, um paritätisch an weittragenden Entscheidungen mitwirken zu können. Wovon ich nichts halte sind Versuche wie Kommunen oder ähnlich gearteten Lebensgemeinschaften, bei denen kreuz und quer gefummelt und hernach die große Eifersuchtslosigkeit geheuchelt wird. Die Eifersucht ist kein gesellschaftliches Produkt, sie schlummert im Menschen, wird von dort immer wieder mal aufbrechen. Offene Beziehung: bittesehr, wer es mag! Ich aber nicht - und deswegen enttäusche ich noch lange niemanden.

Du täuschst dich: ja! Das kann ich vertragen! Du enttäuschst mich: nein! Das riecht mir zu sehr nach: Du Schismatiker! Aber, ich wiederhole mich: abtrünnig von was? Wer zuweilen den Mut aufbringt, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, der kann sich täuschen - aber enttäuschen eher nicht. Und mit der Israel- oder Palästina-Problematik, die in linken Kreisen sakrosankt ist, fange ich erst gar nicht erst an: ich würde nur wieder enttäuschen...



14 Kommentare:

antiferengi 27. August 2010 um 09:18  

Hihi, das Bild des Lesers über den Menschen hinter den Buchstaben. Das muss schon in gewohnte Bücher passen. Sonst sieht der Kerl nachher noch ganz anders aus, als man ihn sich vorgestellt hat. Im Vollbart und Nickelbrillen-Ambiente der Dichter mit tief liegenden Augen, kann man schon ein wenig Linie erwarten, - oder? Je nach politischem Wohlfühlspektrum, gehört sich das schließlich wohlfeil sortiert. Und vor allen Dingen, - stilgerecht. Nachher wird noch ein Glatzkopf mit Sonnenbrille und Goldkettchen daraus. Stell dir mal vor, Sarah Wagenknecht würde die gleichen Klamotten tragen wie Claudia Roth. Man hat doch Erwartungen, oder ;-)

Aber was anderes. Wer hat behauptet, das in Kommunen immer gefummelt wird?

Margareth 27. August 2010 um 09:45  

Meine Güte, der Lapuente!
Du hast nicht den "Feminismus" angegiftet, sondern Männerhassende Möchtegern Kampfemanzen.
Ein Vorzeigemodel dieser Sorte hat ja duch Ihre Ergüsse auf Deinem und Spiegelfechter Blog sehr anschaulich gezeigt, wie saudämlich, grotesk und einfach nur zum fremdschämen diese Kampfemanzen ticken.

p.s. Übrigens genauso so dämlich finde ich die "männlichen Frauenversteher". Bei denen habe ich immer den Eindruck , dass sie vor lauter " Frauenverstehn" gleich das menstruieren anfangen.

Dreykant 27. August 2010 um 13:20  

Lieber Roberto,

das ist Quatsch, was Du da schreibst. Du behauptest doch glatt, Du würdest Dich auch öfter mal irren und beanspruchstest keinsfalls ein Recht auf Wahrheit. Soweit so gut. Aber es ist nicht nötig, Deine hervorragenden Beiträge derart zu relativieren, denn einem jedem von ihnen spürt man an, dass im Vorfeld dazu viel gelesen, gestöbert und recherchiert worden war, bevor das Thema in Deinem Kopf jene Form annahm, in der es anschließend aus Deiner Feder floss. Daher auch meine Bitte an Dich: Unterstehe Dich gefälligtst zukünftig, Dich auch nur einen Deut kleiner zu machen,als Du bist. Es gibt zuviele Leser, die Dir aufrichtig dankbar sind für das, was Du ihnen an Niveau, an Bildung und an Menschlichkeit bietest.

Anonym 27. August 2010 um 16:34  

Würde ich das Gefühl haben, hier schreibt nur einer sein festbetoniertes Weltbild nieder, dann wäre ad sinistram nicht tägliche Lektüre. Es muß mir nicht alles gefallen, es soll zum denken anregen, auch mal in eine Richtung in die man bisher nicht gedacht hat.

landbewohner 27. August 2010 um 16:50  

bravo magarethe
eine emanzipierte frau ist das beste was einem mann passieren kann - eine alice schwarzer ist selbstmord in raten.
und zu dir roberto:
du darfst von fall zu fall gern andere ansichten haben als ich - für mich gilt natürlich gleiches, aber dein blog ist einfach gut.
das reicht.

Die Katze aus dem Sack 27. August 2010 um 18:11  

Lass die Unken rufen. Sie verraten damit ihre Position im Sumpf, so dass ihnen besser aus dem Weg gegangen werden kann. Danke dafür.

ritinardo 27. August 2010 um 18:19  

Was für ein Dünnsinn Herr Lapuente. Wenn ihnen rechtgegeben wird, nehmen sie das Lob an, aber wenn man sie für ihren Frauenhass kritisiert, dann ziehen sie sich in ihr Schneckenhaus zurück und ihnen gehen die Argumente aus? Das ist eine einzige Jammerstrophe ohne jeglichen inhaltlichen Gehalt. Und keine Angst: für einen Anführer hat sie niemand gehalten.

Roberto J. De Lapuente 27. August 2010 um 20:43  

Für meinen Frauenhass! Sie sind ein lustiger Jeck, muß ich schon sagen... gefällt mir, ich mag Menschen mit Humor.

Adalbert Naumann 28. August 2010 um 01:21  

Hallo Herr De Lapuente,

ganz im Gegensatz zur Meinung des werten Kommentators "ritinardo" kann und möchte ich Ihrem Artikel keinesfalls den inhaltlichen Gehalt absprechen - eher und im Gegenteil den geschätzten Vorredner/innen beipflichten. An den besagten Herrn werde ich mich nicht explizit wenden, da er meine Antwort an ihn sicher zwischen den nachfolgenden Zeilen erkennen wird - und weil ich solche Kommentatoren zu genau kenne, um auch nur eine Sekunde meiner Zeit für Diskussionen mit ihnen zu vergeuden.

Zwar muss ich "Dreykant" zustimmen, dass es nicht notwendig erscheint, dass Sie sich für die geistigen (oder auch sonstigen) Unpässlichkeiten schuldig fühlen, die der/die eine oder andere Leser/in auf spezielle Meinungen und Artikel, wie die scheinbar "beanstandeten" von Ihnen, zurückführen zu müssen glaubt.

Doch zu guter Letzt schließe ich mich "Anonym 16:34 Uhr" an und beende meinen sicher mehr als flüssigen (= überflüssigen) Kommentar mit dem freundlich und gut gemeinten Ratschlag, sich im nächsten eventuell des Weges kommenden Zweifelsfalle der Langmut der deutschen Eiche zu entsinnen, sowie die Bitte, einfach so zu bleiben wie sie sind und zu schreiben wie es Ihr Herz und Verstand von Ihnen verlangt.

Beste Grüße, A. N.

philgeland 28. August 2010 um 03:25  

Es macht halt einen gewaltigen Unterschied, ob man es mit einer wirklich emanzipierten Frau zu tun hat oder mit einem Zombie, der sich männliche Verhaltensweisen zu eigen macht, um in der "Welt der Männer" erfolgreich sein zu können.

Eine wirklich emanzipierte Frau braucht zum Beispiel keine Kostümchen, die an die Schlips-und-Kragen Welt der "Herren" erinnern.

Bernd Kudanek 28. August 2010 um 09:03  

Lieber Roberto, kommst Du etwa in die Jahre? Es ist doch eigentlich das Vorrecht reiferer Jahrgänge, damit zu kokettieren, sich einsichtig selbst auf die Schippe zu nehmen und dabei augenzwinkernd glaubwürdig zu sein. Du bist eben immer Du selbst und nicht, was andere in Dir sehen (wollen). Und genau deshalb lesen wir ad sinistram so gerne! ;-)

Grüße aus Berlin.

Anonym 28. August 2010 um 09:42  

Zum Thema "Kampfemanzen" und dem "Vorzeigemodel dieser Sorte" und " wie saudämlich, grotesk und einfach nur zum fremdschämen" diese "ticken" würden ein berührender "offener Brief an Männer":

http://isis-welt.blog.de/2010/08/27/offener-brief-maenner-9264769/

"Ich kann auch verzeihen, dass du mich Alice Schwarzer nennst, weil dir zuviel Feminismus auf die Nerven geht. Und ich verzeih dir Proudhon, als noch ein Kind seiner Zeit, und dir verzeihe ich sogar ein bisschen Sexismus. Dafür nenne ich dich dogmatisch und gehe rechtzeitig in Deckung.
(...)
Ich verlange nicht, dass du verstehst, wie es ist, heute eine Frau zu sein, aber ich wünsche mir, dass du mich verteidigst, wenn mir jemand zu nahe tritt. Ich werde das Gleiche für dich tun. Ich bin eine Freundin, Genossin und Linke. Steh bitte zu mir, wie ich zu dir."

Margareth 29. August 2010 um 07:23  

zu @ Anonym 28. August 2010 09:42
Also " Isi´s- welt " und wie Sie die "Männer sieht" hat die Dame sehr anschaulich hier und auf Spiegelfechter dargestellt, bis hin zum Unerträglichen!!!!

Von daher ist dieser Auszug aus" Isis kleiner Welt" wohl ein Scherz !

²"Ich verlange nicht, dass du verstehst, wie es ist, heute eine Frau zu sein, aber ich wünsche mir, dass du mich verteidigst, wenn mir jemand zu nahe tritt. Ich werde das Gleiche für dich tun. Ich bin eine Freundin, Genossin und Linke. Steh bitte zu mir, wie ich zu dir."

BITTE ?? Was soll das denn !!!!!

Isi verlangt das man zu ihr steht? Ach Gottchen wie rührend . Das passt aber nun so garnicht zu Isi gegen den Rest der Welt Kampfparolen.
Erst prügelt sie auf die bösen Männer ein, und dann kommen die Tränchen- och büdde büdde seid doch lieb zu mir - ich arme Frau muss doch beschützt werden.

Nee sorry - wieder einmal nur FREMDSCHÄMEN angesagt "Schwester"!

Anonym 30. August 2010 um 03:06  

Hallo Roberto,

ich kann Dich gut verstehen, ich bin politisch auch links und doch wieder nicht. Ich bin katholisch, eigentlich wertkonservativ und wähle DESHALB die Linkspartei, obwohl mir bei den familienpolitischen Vorstellungen der Linken die Haare zu Berge stehen. Aber die Linke ist die einzige Partei, die christliche Werte in Sachen Sozialpolitik vertritt. Und was nützt mir eine CSU-Familienpolitik, wenn einerseits die "normale" Familie hochgehalten wird und andererseits knallharte neoliberale Politik umgesetzt wird.

Ich finde Patchwork-Familien für Kinder gar nicht toll, noch halte ich es für erstrebenswert, wenn man als Kind jedes Jahr einen neuen Papa und neue Geschwister vorgesetzt bekommt. Aber inzwischen wird die Patchwork-Familie ja schon fast als Ideal propagiert (auch von "bürgerlicher Seite") - meines Erachtens, weil es für die Wirtschaft viel praktischer ist, wenn das "Humankapital" nicht durch völlig überflüssige Bindungen zur Familie daran gehindert wird, sich wie Schachfiguren hin und her schieben zu lassen.

Ein weiterer Punkt ist meine Gläubigkeit. Es ist immer wieder extrem irritierend für manche Linke, dass ich gläubig und dann auch noch katholisch bin (wenn man das mit dem Glauben schon nicht lassen kann, dann wähle man als Linke doch bitteschön wenigstens die zeitgeistigere Evangelische Kirche). Man passt einfach nicht in die entsprechende Schublade.

Wieso bin in nur dann links, wenn ich es befürworte, dass Babys am besten schon vom Kreißsaal aus in Fremdbetreuung gegeben werden? Wer legt eigentlich fest, dasss ich mich als Frau (oder auch Mann) nur im Beruf selbst verwirklichen kann? Ich jedenfalls liebe meine Sohn über alles, war gerne bei ihm daheim, habe ihn sehr gerne 21 Monate lang gestillt usw. Ich möchte diese Zeit nicht missen, das kann für mich keine Karriere und kein Geld der Welt aufwiegen. Einer anderen Frau ist vielleicht die Karriere wichtiger, na und? Müssen wir alle Frauen über einen Kamm scheren? Wieso werden die Frauen diffamiert, die gerne bei ihrem Baby bleiben möchten?

Lieber Roberto, ich schätze sehr an Dir, dass Du Dich nicht in Schubladen einordnen lässt. Wir Menschen sind viel zu verschieden, als dass man denkende Exemplare einfach irgendwelchen Ideologien zuordnen könnte. Ideologien sind etwas für Dummköpfe.

Liebe Grüße aus München!

Andrea

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