Die Infantilisierung der Volksverhetzung

Freitag, 20. August 2010

Kinder sind manchmal grausam. Und grausam ist jene elterliche Gesinnung, die diese kindliche Grausamkeit unterstützt, im Anflug von Laissez-faire-Pädagogik sogar für wertvoll erachtet. Eine Erziehungsmethode, die es stets in der einen oder anderen Form gab, die aber heute in ihrem Gewährenlassen oft tyrannische Züge annimmt - und das unterstützt und gewollt von den Eltern selbst. Ellenbogen anspitzen, sie einzusetzen lernen, gehört heute zum guten Ton bürgerlicher Kindeserziehung - sie müssen sich ja durchzusetzen wissen, die lieben Kleinen. Unbestritten ist das recht und billig: die dazugehörige Rücksichtslosigkeit gegen Wehrlose, gegen Schwächere, wäre damit aber eigentlich nicht gemeint. Dem entgegenzuwirken wäre der Auftrag einer aufgeklärten Pädagogik, die Bestimmung von Eltern und Lehrern, von Gesellschaft und Staat.

Kinder zu lehren, dass man sich durchsetzen muß, dass der Rechtsstaat Mittel kennt, einer Ungerechtigkeit nachhaltig zu begegnen; einfach auch mal Nein sagen zu lernen, Courage zu zeigen, sich selbstbestimmt zu verweigern, ohne erst auf Befugnisse und Anordnungen zu blicken: all das beinhaltet aufgeklärte Erziehungsarbeit. Seine Ellenbogen dann auch mal einzufahren, gerade bei solchen, die sich kaum wehren können, geriete dabei zur Selbstverständlichkeit. In einem solchen Klima könnte die als Nebenprodukt kultureller Teilhabe anfallende Brandmarkung einer Gesellschaftschicht, wenn schon nicht bedingungslos anerkannt, so doch zähneknirschend erduldet werden. Dort gefiele es zwar nicht jeden, dass Kinder aus Bedarfsgemeinschaften, vulgär Hartz IV-Kinder genannt, mit Bildungs-Chips ausgestattet würden, aber man hätte wenigstens die Gewissheit, dass solche Kinder nicht dem Spott anheimfielen, in eine Atmosphäre allgemeinen Verständnisses stolperten.

Wie gesagt, Kinder sind grausam - und anwachsend ist die Zahl solcher Eltern, die ihre Kinder zur Grausamkeit ermuntern. Setz dich durch!, rufen sie ihrem Nachwuchs zu. Trau dich! Hau auf den Tisch! Bis hierher wäre alles in bester Ordnung - das kann man meist unterstützen, muß man sogar, wenn man aufgeklärte Menschen formen möchte. Doch oft, viel zu oft, hört man auch: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern! Auf dieser Unverschämtheit gründet manches pädagogische Weltbild, gründet die Ablehnung neuer Schulmodelle - man denke nur an Hamburg. Du bist besser als die da! Bring uns so einen nicht heim! Kleinwüchsige Tyrannen werden da gezüchtet, Diktatoren des Schulhofes! In vielen Bundesländern könnte man sich damit trösten, dass der Kindersegen solcher snobistischen Familien bald schon vom hauptschulischen Schulhof verschwindet, um höheren Schulen seine Aufwartung zu machen. Gerade in höheren Gesellschaftschichten und in den wohlhabenderen Segmenten dessen, was man vereinfachend Mittelschicht nennt, geht eine Saat auf, die die Egomanie fördert und diese für den Antrieb des gesamten wirtschaftlichen, ja gesellschaftlichen Lebens erachtet. Ein pragmatischer Utilitarismus der kundtut, dass jeder auf sich selbst zu achten habe, wenn die Gesellschaft funktionieren soll - kümmert euch nicht um die Schwachen, um die Wehrlosen, sie behindern nur den Ablauf! Jeder schaut auf sich!, war schon der arg verkürzte, blinde Wahlspruch klassischer Utilitaristen. Jeder schaut auf sich und drängt zur Seite wen er nur kann!, ist die heutige rücksichtslose Erweiterung jener Losung. In so einem Milieu Kinder zu brandmarken, sie - metaphorisch gesprochen - mit kennzeichnender Armbinde auszustatten, ist kein Akt von kultureller Teilhabe, von aufgeklärter Politik, von Nächstenliebe gar - es ist die Infantilisierung allgemeinen Kesseltreibens, öffentlicher Hetzjagd gegen die Unterschicht, wie wir es aus den Gazetten, aus dem Fernsehen, vom Stammtisch her schon kennen.

Was hier manifest wird, ist die nächstenliebende Fassade, mit der diese Gesellschaft immer zielgerichteter Menschen den aufgehetzten Ressentiments der gesellschaftlichen Mitte und der Bessergestellten ausliefert. Man überstellt Kinder den Schmähungen und Lästerungen, den Erniedrigungen und Kränkungen ihrer Altersgenossen. Warum zahlt deine Mama alles mit Asi-Card? Man züchtet sich zwei Klassen Bürger heran: diejenigen, die schon von Kindesbeinen an lernten, dass der Spott gegen gut beschilderte Schwache Volkssport ist - und jene, die seit Anbeginn ihres Erinnerungsvermögens wissen, dass sie zum Gerümpel, zu beschimpfenswerten Inventar dieser Gesellschaft gehören; einer Gesellschaft, die Teilhabe mit Brandmarkung gleichsetzt. Der Bildungs-Chip, der eben nicht nur Museumsangestellten oder Vereinsmeiern sichtbar macht, dass das Kind ein Hartz-Sproß ist, er wird obendrein den Kindern aus anderen Gesellschaftsschichten sichtbar: er ist ein Anschlag auf die Würde des Kindes - ferner auch auf die Würde der Eltern, die ohnehin dem Bescheid entnehmen können, dass ihr Kind, dessen Kindergeld voll angerechnet wird und für dessen erstes Lebensjahr sie zukünftig nicht einmal mehr Elterngeld erhalten werden, einen Minderwert besitzt.

Man hat den Kindern der Unterschicht systematisch die Würde entzogen - der Bildungs-Chip ist die dazugehörige Kennzeichnung, die Krone dieses Vorgangs. Von der Leyen, die sich gerne als Mutter der Nation aufspielt, müsste es besser wissen - sie müsste als Mutter wissen, zu welcher Grausamkeit Kinder neigen können. Davor müsste sie Kinder eigentlich bewahren wollen. Drückt das Sozialministerium unter ihrer Ägide diesen Kindern ihr Hoheitszeichen in Form dieser Karte auf, ist das nicht nur ein Kavaliersdelikt: es ist der Leitfaden, der bereitete Einstieg in den Pogrom, speist Volksverhetzung - es ist, man muß es ruhig so sagen: ein krimineller Akt!



41 Kommentare:

Anonym 20. August 2010 um 08:47  

Gut beobachtet!
Ich kann mir lebhaft vorstellen, was geschieht, sollte die Chipkarte tatsächlich eingeführt werden.
An der Grundschule meiner Tochter gab es unter den Kindern Streit und Missgunst wegen des vergünstigten Mittagessens für sogenannte Hartz IV Kinder. Da haben die anderen Kinder wohl nur die Meinung ihrer Eltern widergespiegelt. Empathie oder gar Solidarität sind da völlig unbekannt oder gar ungewünscht. Traurig.

Anonym 20. August 2010 um 09:19  

Ich denke das ist der Anfang, ein Test vielleicht. In einigen Jahren werden ALG-II Bezieher GRUNDSÄTZLICH nur noch mit Chipkarte leben, die übrige Bevölkerung allerdings auch. Die Regierungen in Europa hätten doch gerne das Bargeld abgeschafft wg. Kriminalitätsbekämpfung und so.
Die Erwerbslosenkinder sind erstmal der Versuchsballon, bei Akzeptanz kommen später alle dran...

dr.richard albrecht 20. August 2010 um 09:49  

Ja, Herr Lapuente, Sie haben leider Recht mit Ihrer Kritik.

Der Chip für wie Sie schreiben Peter-Hartz-Vier-Kinder ist nur die Oberfläche. Auf der der Sozialzynismus dieser Elitelumpen/Lumpenelite freilich faßlich wird.

Ob es "Volksverhetzung", also ein StGB-Straftatbestand, ist, kann ich nicht beurteilen.

Es ist in jedem Fall härteste Ausgrenzung, hard-core-exclusion.

Wie lange diese inhaltlich menschenfeindliche und alle Grundlagen von "Kapitalismus als Kultur" (Claessens/Claessens) zerstörende Politik in Ganzdeutschland noch massenhaft erduldet wird und wann und wo es Übergänge zum gegenwärtigen Faschisierungsprozeß gibt - das sind für mich zwei durch Ihren Text in Erinnerung gebrachte politiksoziologisch-theoretische und handlungspolitisch-praktische Anschlußfragen,

Gruß;-)

Richard A l b r e c h t

Anonym 20. August 2010 um 09:57  

A.

... es ist Faschismus!

Anonym 20. August 2010 um 10:03  

Es geht schon los! Schulanfang in Rheinland-Pfalz. Hartz4 Kinder bekommen ihre Schulbücher gratis. Natürlich nicht anonym, sondern in der Klasse im Karton von der Lehrin auf den Tisch geknallt. Dann geht die Fragerei natürlich schon los, wieso bekommt der die Bücher und wir müssen sie kaufen. Danke lieber dicker Beck (Ministerpräsident) dass du nach dem Waschen und Rasieren jetzt die Hartz4 Kinder für deine Propaganda entdeckt hast.

epikur 20. August 2010 um 10:41  

Was Kinder vor allem auch zu Tyrannen macht, ist, wenn man ihnen keine Grenzen setzt. Sicher, die Erziehung darf sich nicht im Grenzen setzen reduzieren, aber sie müssen trotzdem sein. Solche Kinder lernen früh, dass sie sich alles erlauben dürfen und werden später zu Tyrannen.

Solche Erziehungsmethoden sind weit verbreitet in Deutschland und auch wenn es keiner hören mag: gerade die türkischen jungen dürfen alles in ihren Familien, während den Mädchen viele Grenzen gesetzt werden. Ich finde, auch das muss man als Linker sagen dürfen, ohne gleich als rassistisch zu gelten. Denn das bin ich garantiert nicht.

Isi 20. August 2010 um 10:51  

Wenn Sie Ihr Anliegen ernst meinen, veröffentlichen Sie nichts mehr beim Spiegelfechter.
Da wurden zBsp. auch meine Kinder schon als "prekär" beschimpft.

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/3850/vaterrrecht-und-mutterpflicht#comment-79295

Und ich bin nicht mal arbeitslos, ich habe eben "nur" Kinder und diese und ich werden von Menschen bewertet, die sich nicht vorstellen können, dass eine Mutter arbeitet. Das ist normal. Oder nicht? Beim Spiegelfechter ist es normal und sie bedienen den noch fleißig und geben so eine Plattform für solche Hetze.

Unschön und inkonsequent.

Die von Ihnen beschriebene Infantilisierung (der Volksverhetzung) ist zum guten Teil umetikettierter Frauenhass, denn diese (weiblichen) "Schmarotzer" und deren "prekäre" Brut leben auf Kosten der (männlichen) Steuerzahler. Zum anderen ergibt sich diese Haltung aus der Situation der Männer, sich selbst nicht um Kinder kümmern zu müssen und arbeiten zu gehen, aber diese Aufgabe den Frauen zu überlassen, mit dem Effekt (vorallem im Westen, aber leider sind die in der Mehrheit), dass die Frauen nicht arbeiten können, zum "Schmarotzer" werden. Arbeitslosigkeit ist ein Frauenproblem.

Arbeitslosigkeit, Erwerbslosigkeit und die Hetze dazu, ist darum ein Symptom der dualistisch sortierten Geschlechterverhältnisse und dadurch erklärbar: Auf der einen Seite steht der erwerbstätige, solvente, finanziell überlastete Mann gegen die "schmarotzende", erwerbslose Frau, samt deren Anhang. Bis zu einem gewissen Grad, ist es ihm recht, den Gönner zu mimen und großherzig die familiäre zu ernähren, aber sein Einkommen schwindet, die Belastung wächst und rennt ihm dann noch die Frau weg, geht die Welt mit ihm unter.

Den arbeitslosen Frauen direkt vorzuwerfen, dass sie aus fremden Taschen (fleißiger Männer) leben, fällt aber den Hetzern nicht leicht, denn a) ist es deren Wunsch, dass das so ist (sie können ihn sich nur nicht leisten) und b) klingt es abstrakter, wenn man die Kinder beschimpft, wenn man die Mütter meint.

Sollten die Chipkarten eingeführt werden, werde ich eine Initiative zum Austausch gegen Bargeld gründen. Vielleicht beteiligen Sie sich dann daran. Wenn ich nämlich als "prekär" oder "Asi" beschimpft werde, grinse ich breit und es ist immer leichter, sich zu wehren, wenn man nicht betroffen ist.

Anonym 20. August 2010 um 11:19  

Anonym hat gesagt...

A.

... "es ist Faschismus!"

20. August 2010 09:57

Warum immer gleich Faschismus?
Der altbekannnte bestialische, größenwahnsinnige deutsche Imperialismus zeigt nur wieder Stück für Stück seine wahre häßliche Fratze, hat sein Schafskostüm, welches er bis 1989 zu seinem eigenen Leidwesen benötigte, abgelegt.
Offene, gesellschaftlich sanktionierte Menschenverachtung, ist das nicht der rote Faden, der sich durch die gesamte jüngere deutsche Geschicht seit gut 100 Jahren zieht?
Und komme mir da keiner mit der kindischen Feststellung, von 1949 - 1989 wäre alles anders, besser gewesen, sei ein Beweis, wie die guten Deutschen, d.h. vor allem ihre Elite aus Wirtschaft und Politik, doch aus der Geschichte gelernt haben.
Alles Unfug!
Diese Zeit, die man rückblickend sehr wohl als eine der besten nennen kann, welche die Masse der gewöhnlichen, einfachen Deutschen in beiden deutschen das Glück hatte zu erleben, wurde bestimmt und geprägt von Kräften und Umständen, auf welche Deutschlands seit eh und je Herrenmenschen-Elite nur einen sehr bedingten, beschränkten Einfluß hatte, deshalb sich öffentlich, international nur im Schafspelz präsentierte, deren politische damaligen Bonner Handlanger nur nach dem Verschlingen von Unmengen von Kreide von Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung, atlantischer Partnerschaft, Westen und Nato faselten, die Welt mit dieser verlogenen Heuchelei zu beeindrucken suchten.
Seit Wiedervereinigung, sprich Eroberung und Vernichtung der DDR, seit den ungesümen Osterweiterungen der EU, welche Deutschlands Herrschenden Unmengen an neuen politischen und ökonomischen Vasallen plus Unmengen an neuen billigen Arbeitskräten bescherte hat sich endlich erfüllt, was man in den 50er des letzten Jahrhunderts Jahren noch eher prophetisch vorweg nahm: Wir sind wieder wer!
Und das war für Deutschlands niedere Teile des Volkes noch nie eine angenehme Sache, war letztlich gerade auch für jenen Teil immer verbunden mit Blut, Schweiß und Tränen - und nicht geringer offiziöser Verachtung.
Und die meiste Zeit davon sogar ganz ohne (offenen) Faschismus!

Anonym 20. August 2010 um 11:26  

Isi hat gesagt...

"Die von Ihnen beschriebene Infantilisierung (der Volksverhetzung) ist zum guten Teil umetikettierter Frauenhass"

Reichlich skurril. Sie haben da einen schönen Hammer gefunden und sehen nun überall Nägel?

Wäre es im Übrigen nicht besser, wenn Sie ihre Ressentiments gegenüber dem "Spielgelfechter" direkt mit Jens Berger klären würden?

Gruß
Andreas

Oscar 20. August 2010 um 11:36  

Sehr guter Artikel, Orwell lässt grüßen! :)

MfG, Oscar

Anonym 20. August 2010 um 11:44  

Hallo isi, es macht wirklich wenig Sinn, alle Klassen-, Schichten- und sonstigen Gegensätze wie nun schon seit Jahrzehnten der bürgerliche Femminismus(Schwarzer & Co.). auf den Unterschied der Geschlechtsmerkmale der Menschen herunter reduzieren zu wollen!
Jede Gesellschaft, jede diese beherrschende Oberschicht erzieht sich halt ihre Untertanen wie sie sie gerade braucht.
Bildungswesen, Medien, die ganze offizielle Kultur dienen der Indoktrination der zu beherrschenden Menschen.
Und der immer wieder behauptete Gegensatz von Mann und Frau ist nur eine Varianten unter unzähligen anderen!

Ganz antifemministische Grüße von
Bakunin

Isi 20. August 2010 um 12:06  

@ Bakunin

Der echte Bakunin war kein Antifeminist. Er fordert als einer der ersten Männer die Emanzipation und Gleichstellung der Frau und tritt für die Abschaffung der legalen Ehe ein.

Zur Bewertung der angesprochenen Fakten belesen Sie sich bitte, bevor Sie sich dazu äußern. Diese vom Tisch zu wischen, weil es sich (angeblich) um "Feminismus" handelt, ist peinlich und falsch: Es geht dabei um wissenschaftliche Befunde.

Isi 20. August 2010 um 12:14  

@ Anonym

Ich pflege hier Ressentiments gegen Lapuente: Es ist inkonsequent, Hetze gegen Hartz-IV-ler zu kritisieren, aber genau dort zu veröffentlichen, wo sie (auch) zu Hause ist. Jeder neue Beitrag mit eben jenem Thema wird dort exakt das verursachen, was hier kritisiert wird.

Sicher kann ich verstehen, wenn man sich mal etwas von der Seele schreibt und es ist in der tat ein Problem, wenn auch dieser Text nur an der Oberfläche schabt und bestenfalls sensibiliseren kann, aber er wird auch die hetze verstärken, weil er a) keine Lösung bietet, b) Fragen nur anreißt, nich beantwortet und c) eben (mutmaßlich) wieder Anlaß zur hetze geben wird. Ein sozial-/gesellschaftskritisch Text muß "reißfest" sein und sicher verwahrt. Das versuche ich hier zu erreichen: Ein Text mit Kritik gegen Arbeitslosenhetze darf keine neue hervorrufen.

Bitte.

Richard A l b r e c h t 20. August 2010 um 12:30  

@ Lapuente; epikur; isi


Erlauben Sie mir bitte, hier nur mal e i n e n weitergehenden Aspekt anzusprechen, von dem ich einen weiteren (so mal vor etwa 15 Jahren in einer Polemik gegen die akademische Groß- (nicht Rotz-) Nase Herrn Prof. Hurrelmann/BI genannt) gesellschaftlichen Schiziophrenisierungsprozeß erwarte … die Krippen/Kitaplatzfrage. Betrachten Sie´s folgende bitte als Vermittlungsversuch, auf dessen Grundlage meiner Meinung nach, freilich kontrovers, weiter und kultiviert jenseits von Janeinstandpunkten diskutiert werden könnte:

1-Angenommen, es gäb mehr dieser Plätze … dann fehlten immer noch je nach volkswirtschaftlicher Rechnungsart vielleicht drei, vielleicht sechs Millionen (teil/vollzeitliche) Erwerbsarbeitplätze insbesondere für Frauen/Mütter und Frauen als Mütter. Damit würde die Lücke zwischen Wollen und Können grad auf dem sog. Arbeitsmarkt noch größer. Die hier bewußt angesproche Krippen/Kitaplatzfrage, auf die heuer alle Polithanseln beiderlei Geschlechts und aller Farben und Ränge populistisch abfahren, zeigt auch, daß diese Damen & Herren immer noch an den Rockschößen des spätestens mit der deutschdeutschen Staatvereinigung und dem Farewell des Rheinischen Kapitalismus empirisch gescheiterten Modells männlich bestimmter Erwerbsgesellschaft hängen (was man/frau auch als Hintertreppenwitz der Geschichte bewerten kann …)

2-Das ist alles nicht neu: Ulrich Beck nannte´s Mitte der 1980er in seiner RISIKOGESELLSCHFT plastisch: „Die Frauen sind oft nur ´einen Mann weit´ von der Armut entfernt“ – ohne freilich damals (1986) darauf zu verzichten, die „Individualisierungsspirale“ als Ergebnis und Ausdruck kapitalistischer „Arbeitsmarktindividualisierung“ darzustellen. Ich selbst hab´s vor zwanzig Jahren als Ausdruck von Umbruchsprozessen zusammenfassend beschrieben -> Differenzierung - Pluralisierung – Individualisierung -> Gewerkschaftliche Monatshefte, 41 (1990) 8: 503-512; http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1990/1990-08-a-503.pdf und wenig später als Ausdruck für die selbstzerstörerische Tendenz des (Spät-) Kapitalismus bewertet -> Von den Selbstheilungskräften zu den Selbstabschaffungstendenzen des Marktes; in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 42 (1991) 8: 508-515 -> http://www.forced-labour.de/archives/1267#more-1267

3-Unabhängig von diesen SoWi-Deutungen läßt sich das Krippen/Kitaplätze-müssen-her-Syndrom auch immanent beschreiben als Schicksal aller (angeblich) gut gemeinten Politprojekte, die in der (insofern gnadenlosen) sozialen Wirklichkeit nächstens wieder mal empirisch veranschaulichen werden, daß gut gemeint gesellschaftlich nichts Anderes als das Gegenteil von gut ist. Und auch daß die hier zu Recht und richtig kritisierte Frau Bundesminister(in) an der hier angesprochnen Politfront nachhaltig aktiv ist dürfte kein Politzufall sein ...


(P.S. Zur angesprochenen Publikationspolitik von Jens Berger habe/werde ich mich öffentlich nicht einlassen. Dazu hat Thomas Meese in wohlgewählten Worten so kritisch wie lucide schon vor Wochen das Nötige gesagt -> http://www.forced-labour.de/archives/1407 )



Besten Gruß,

Richard Albrecht

dr.richard.albrecht@rechtskultur.de
http://ricalb.files.wordpress.com/2010/07/cv1.pdf

Anonym 20. August 2010 um 12:47  

Erziehung wäre im besten Fall, dass die Eltern (und andere Erziehungs-berechtigten!) das vorleben, was sie für gut und richtig empfinden. Das setzt aber selber "erzogene" - besser erwachte - Menschen voraus. Im schlechtesten Fall leben die "Erzieher" ebenfalls vor, was sie für richtig empfinden, wenn auch vielleicht klammheimlich nicht für gut. Der zweite Fall ist im Großen und Ganzen der status quo. "Unerzogene" Eltern und andere "Berechtigte" können gar nicht anders, als ihr Verwirrung und Angst weitergeben. Deshalb kann es nicht wundern, dass in einer verwirrten Gesellschaft Kinder heranwachsen, welche dies übernehmen. Und Verwirrung und Angst kann nur eines bewirken: Noch mehr Verwirrung und Angst und die angesprochene Grausamkeit ist die natürliche Folge davon.

Diese Art von Erzieher kann den Kindern nichts - GAR NICHTS - geben. Sie machen die Kinder durch ihre Überzeugungen nur schwach und schwache Menschen verachten sich und damit auch alle Anderen.

Dass man jetzt mit Chipkarten und Bloßstellen durch "Hilfe" agiert, beweist nur diese totale Schwäche. Es ist durch und durch morbide!

Siebenstein 20. August 2010 um 12:58  

Lieber Roberto dela Poente,

ich habe mir erlaubt ihren Beitrag dem WDR 5 zu empfehlen und ich hoffe
ihre Sichtweise der Dinge und wie sie sie beim Namen nennen, haben auch beim WDR5 und seiner Redaktion Eindruck hinterlassen.

Es gibt kaum noch Menschen die den Nagel so punktgenau auf den Kopf treffen wie sie. Und das alles mit einer sprachlichen Genialität, die nichts zu wünschen übrig lässt.

Vielen Dank für Ihre hervoragende Arbeit in Ihrem Blog

Roberto J. De Lapuente 20. August 2010 um 13:37  

Liebe Isi,

im Gegensatz zu Jens Berger, bin ich dieses Wochenende nicht im Urlaub - damit werden hier die Umgangsformen aus Mangel an Redaktion nicht einreißen.

Ich habe hier von der Verhetzung gegen Arbeitslose und Arbeitslosinnen geschrieben, gegen Aufstachelung deren Nachwuchses, von Jungen und Junginnen also - was hat das mit feministischen Sichtweisen und Sichtweisinnen zu tun?

Zu unser aller Belustigung lasse ich Sie noch ein wenig mitmischen - aber irgendwann nervt es mich nur noch. Ich bin da übrigens ganz gleichberechtigt - mich können Frauen genauso nerven, wie es mich Männer ohnehin tun... und dann bin ich, wie jeder Patriarch: ich betreibe Zensur und Zensurin...

Isi 20. August 2010 um 14:06  

@ Herr De Lapuente

Ja, das frage ich mich auch: Was hat mein Hinweis auf die Rolle der Frauen (Arbeitslosigkeit ist ein Frauenproblem!) mit Feminismus zu tun? Und warum empfinden Sie diesen als unangenehm?

Erklären Sie es mir.

@ Herr Dr. Albrecht

Ihnen danke ich herzlich, vor allem für den Hinweis im PS.

Ansonsten gilt: Frauen sind (auch) nur 'einen Mann weit' von der politischen Diskussion entfernt.

In die Diskussion werde ich (hier) erst einsteigen, wenn auch Feminismus erlaubt ist.

Anonym 20. August 2010 um 14:12  

Anonym Isi hat gesagt...

@ Bakunin

Veehrte Isi, hatte ich nicht vom BÜRGERLICHEN FEMINISMUS ges prochen, also einer Spielart BÜRGERLICHER IDEOLOGIE?
Dass Michail Bakunin nicht nur an die Befreiung des männlichen, sondern auch des weiblichen Teils des Proletariats gedacht hat ist auch mir gut bekannt.
Als Frauenfeind- oder Verächter hat es sich meimnes Wissens nirgends geoutet.
Mir ist ebenfalls bekannt, dass schon seit Ewigkeiten in zahllosen(!) wissenschaftlichen Publkationen die kolossale Benachteiligung von Frauen in dieser Gesellschaft nachgewiesen wurde.
Doch wenn diese Fakten schon so lange bekannt sind, warum wurde bisher so wenig zur Verbesserung unternommen, erreicht?
Und wo diese Alice Schwarzer mittlerweile politisch gelandet ist, darüber ist schon genug bekannt geworden.
Und was folgt aus alledem?
Das insbesondere die lohnabhängigen, tätigen oder gerade nichtätigen Männer und Frauen gemeinsam für ihre sozialen, ökonomischen Interessen eintreten, kämpfen sollten, und zwar ganz unabhängig aller sonstigen Dinge, die unsere gute "Mutter Natur" ansonsten veranlasst haben mag, Männer und Frauen mit durchaus verschiedenen Reizen und zumindest teilweise auch psychologischen Verschiedenheiten auszustatten.
Beide "Species" gehören nur zu einer Gattung, nämlich der des MENSCHEN.
Gegenseitige Verachtung, Haß, Machtmißbrauch, Unterdrückung,Gewalt, ökonomische Abhängigkeiten bis hin zur offenen oder mehr versteckten legalisierten Prostituton(bürgerliche Ehe) sind keinesfalls angeborene Attribute jener Gattung Mensch, oder auch nur von einem Teil davon("böse" Männer..), sondern konditionierte Verhaltensweisen von Klassengesellschaften, ob nun der Sklaverei, des Feudalismus oder Kapitalismus.
Falls Sie tatsächlich an wissenschaftlich gestützen Erkennen interessiert sein sollten, dann empfehle ich Ihnen an dieser Stelle wärmstens die Arbeit DER URSPRUNG DER FAMILIE, DES PRIVATEIGENTUMS UND DES STAATES von Friedrich Engels.

Bis dahin.... Alles Gute und viel Erfolg beim Lesen(?)!
Bakunin

maguscarolus 20. August 2010 um 14:20  

Gegner noch weiter in den Dreck zu treten, die schon wehrlos sind – das ist in vielen Köpfen naturgesetzlich verankert.

Ist so etwas nicht nur eine spezielle Spielart der weit verbreiteten Haltung, fremdes Missgeschick als eigenen Statusgewinn zu werten?

Auf die deutsche Arbeitswelt übertragen:

Seit Jahren kommen die Regierungen dieses Landes damit durch, den Gerechtigkeitsgelüsten der rudimentären Mittelschicht dadurch zu willfahren, dass "die Hartz IV'ler" immer weiter entwürdigt werden, statt der Wirtschaft Rahmenbedingungen zu setzen, unter denen der (noch) arbeitende Teil des "Mittelstandes" finanziell spürbar besser gestellt würde

Uschi Basfeld 20. August 2010 um 14:33  

Roberto J. De Lapuente 20. August 2010 13:37 [...]
Ich treffe kaum die Tastatur, also kein Kommentar von mir, schließe mich Siebenstein an und geniesse meinen nicht verebben wollenden Lachanfall. Danke!

Richard A l b r e c h t 20. August 2010 um 15:19  

@isi; Siebenstein; Bakunin

Zur Sache halt ich mich jetzt erstmal bewußt zurück, hätte Roberto L. nicht
einen (Danke, Siebenstein, aber ob sich WDR-"Kritisches Tagebuch" zu Senden traut? schaunwermal ...) wichtigen Kurzbeitrag veröffentlicht, würde ich mich am "Diskurs" nicht beteiligt haben, bei dem ich methodisch vorschlage, immer die Sache selbst einerseits und den RL-Text als ihre kritische Kommentierung andererseits auseinanderzuhalten.

Möge es folgend eine kultivierte Debatte, zu der Bakunin schon mal den wichtigen Hinweis auf Gemeinsames gab, werden, weshalb ich anrege, daß RL [das ist ein publizistikgeschichtliches Kürzel] von Zeit moderiert, zwischenfacittet;-) oder wie auch immer. Auch davon erwarte ich, daß isi hier weder ausgegrenzt wird noch sich selbst ausgrenzt.


In diesem - präzisen - Sinn,
besten Freitagnachmittagruß


Richard Albrecht

Anonym 20. August 2010 um 15:32  

Sehr, sehr guter Text.
Ich fühle ein Stück weit meine eigene Kindheit und frühe Jugendzeit vor Augen gehalten. Ich bin Jahrgang 84 und meiner Meinung nach mit eine der ersten Generationen, die mit dem Erstarken der neoliberalen Ideologie, dessen deregulierende Auswirkungen auch im hier angesprochenen Bereich der Erziehung erleben mussten. Es ist zwar inzwischen alles noch schlimmer geworden - und die heutigen Schüler tun mir sehr Leid - aber dieses Gewährenlassen und Nichteingreifen und das Sichselbstüberlassen der Kinder habe ich auch nur zu gut schon am eigenen Leib erfahren.
Die Folgen sind fatal. Introvertiertere, ruhiger ausgerichtete Persönlichkeiten können darunter kaputt gehen und werden ernsthaft krank. Ich sehe in dieser Entwicklung eine, wenn nicht die Hauptursache, der Zunahme von Amokläufen.

Margareth 20. August 2010 um 16:48  

Das Kasperltheater von " isi" geht also hier weiter.

BITTE NEIN !

Auf Spiegelfechter Blog konnte ich (leicht gequält)noch lächeln über "Isi´s Kampf gegen die böse Männerwelt" - aber nun ist es nicht nur mehr langweilend , sondern schlicht zum fremdschämen!

Roberto ,bitte geleite die Dame " Isi " hinaus , Dein Artikel
"Ich, Zensor und Schwächling trifft auch auf " Isi" zu.

"Zum Thema notwendiger Intoleranz, ein kurzer Einwurf in eigener Sache. Wenn Toleranz zum stillschweigenden Absegnen auch menschenverachtender Meinungen wird, einem Absegnen unmoralischer Geisteselaborate, dann wird sie - die Toleranz - zum repressiven Mittel. Daher sprach ich mich kürzlich dafür aus, die Intoleranz immer dann walten zu lassen, wenn die Menschenverachtung über den toleranten Umweg Einzug in die Diskussion findet "
http://ad-sinistram.blogspot.com/2009/05/ich-zensor-und-schwachling.html

unschland 20. August 2010 um 18:26  

"pragmatischer Utilitarismus der kundtut, dass jeder auf sich selbst zu achten habe.."
das problem ist doch dieser dumme pragmatismus, der menschen verdinglicht und nach ihrem nutzen bewertet, in zahlen gegossene soziopathenlogik oder eben dummheit, empathieunfähigkeit, dekadenz, geistige inzucht oder was weiß ich,
- aber nicht utilitarismus -

"was geht?", "was kann ich rausholen?", "was ist der sklave wert?" sind fragen für buchbrüfer oder den psychiarter, aber keine der ethik

der menschenschinder muss in ewiger angst leben, ob er seine leibwächter gut genug bezahlt, seine bank keine cd-brenner zulässt.
also wenn ich reich wär, würd ich nach dursicht der studie über gleichheit und ungleicheit von gesellschaften überlegen, ob es nicht vielleicht "pragmatisch" wäre in sozialisten zu investieren. alles andere ist stressig und führt zu kriegen und herzinfarkt.

( ich glaub bill gates ist nerdig genug, um das so zu sehen. der guckt sich die welt an, denkt an seine bluescreen-vorführungen und sagt sich:
"ich muss das scheiß-geld loswerden, wenn ich weiter mit meinem i-phone spielen will)

Die Katze aus dem Sack 20. August 2010 um 22:08  

Klingt wie ein Zuchtbetrieb für 'Psychopathen' in den Waffengattungen "männlich" und "weiblich", die hier beschrieben werden. Ich-fixierte Zwischenmenschen - kein Gewissen plagt dabei ihr jeweiliges Tun und Handeln. Woher auch? Sie haben es nie gelernt, nie erfahren.

Ich merke schon, viel Grund zur Freude wird es auch in Zukunft nicht geben, aber es wird immer spannender.

Anonym 20. August 2010 um 23:41  

Wie es weitergehen könnte, zeigt der Vorschlag des so genannten Wirtschaftsweisen Wolfgang Franz. Er hat angeregt, das Arbeitslosengeld II von 359 Euro auf gut 250 Euro im Monat zu kürzen.
Franz hatte sich schon vor zwei Jahren in Spiegel online für Stundenlöhne unter drei Euro ausgesprochen.
Das Absurde die Theorie, daß egoistisches,
selbstbezogenes Handeln altruistisch wirke,
weil auf diese Weise angeblich die Wohlfahrt
der gesamten Ökonomie maximiert wird, ist ein mathematischer Ableitungsfehler.

Nach der Bildungskarte kommt die Lebensmittelkarte.

Mit freundlichen Grüssen

Ihre altruistische Bertelsmann-Stiftung

Margareth 21. August 2010 um 09:01  

Es gibt ja schon folgende Forderung:
"Hartz IV Empfänger haben kein Recht sich zu vermehren, weil es ja scheiß-teure neue Hartz IV Empfänger werden"

Was ist denn das?
Sind Hartz IV Kinder weniger wert als Kinder von Menschen in gehobeneren Stellungen?
Müssen wir nun auch unsere Kinder unter dem Aspekt der Effizienz zeugen?
Müssen wir in Zukunft den dicken Taschenrechner auspacken und den Rotstift, um eine marode Familien- und Bildungspolitikpolitik zu rechtfertigen?

Wir leben in Gesellschaften, die das ständige Wachstum zum Goldenen Kalb erhoben haben, um das sie nun wahnwitzig und selbstzerstörerisch herumtanzen. Niemand macht sich Gedanken, warum wir uns eine milliardenschwere Industrie leisten, die unsere Kinder vor der Flimmerkiste halten soll, sie generell verdummen lässt, dies auch noch mit milliardenschweren Werbemaßnahmen verwirklicht (man muss ja erst mal einen Bedarf schaffen, den es nicht gibt bzw. den niemand nachfragt!), die auch noch staatlich subventioniert werden, während ein kümmerlicher Betrag in die Familien und Bildungspolitik fließt.
Man stelle sich mal vor, wir würden all die Milliarden in sinnvolle Bildungsprojekte stecken! Aber – Mist! – Dann verdienen die Konzerne nix mehr, weil die Produkte erst mal nachgefragt werden müssten, bevor sie (in Übermaß) produziert werden. Will sagen: die Rendite stimmt nicht mehr! Und das kann ja nicht angehen!!!

Deshalb pflanzen wir allen Zweiflern das (falsch verstandene) Leistungsprinzip in Zusammenhang mit Effizienz und Wirtschaftlichkeit in die Köpfe und siehe da: wir beurteilen unsere Kinder mit zweierlei Maß!!

Richard A l b r e c h t 21. August 2010 um 12:49  

@ zuletzt Margareth

Klares Jein;-) – also Ja und Nein zugleich als Ergebnis des Nachdenkens über Ihre Hinweise:

(1)
Wenn Frau BM´in mit der Diskriminierung über Chipkarten was, wie ich vermute, etwa austesten will, dann kann sie ganz hervorragend an den Vorstoß letzten Herbst eines Ex-SpitzenSozi anschließen http://www.ef-magazin.de/2009/10/03/1534-volksverhetzung-das-hat-sarrazin-wirklich-gesagt anschließen.

Von Einzelheiten abgesehen findet sich dort geballt der versammelte reaktionäre, biologistische, rassische Politdreck dieser ganzdeutschen Elitelumpen.

Wenn davon nicht abgesehen wird - geht’s in der sozialen Wirklichkeit heuer sowohl um die NILKS (no income lot of kids) = einkommensarme Kinderreiche, als auch um meist „alleinerziehende“ USCHIMs = Unterschichtsmütter (deren unterhaltsverpflichtete Männer meist nicht zahlen wollen und selbst wenn sie wollten dies oft nicht können). Wobei Herr Sarrazin dazu als weiteres, drittes Moment stark die türkisch-islamischen Einwandererfrauen im Blick hatte („Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate“), also bewußt auf der Klaviatur des „alltäglichen Rassismus“ spielt/e.


(2) soll folgen ...

Ric 21. August 2010 um 12:52  

(2)

Ohne, was möglich wäre, hier aber zur Argumentation nicht erforderlich ist, gerechnet zu haben: Die Minderheitsgruppe, der vermutlich zuerst wohlfahrtsstaatliche Transfer- (vulgo „Sozial“-) Leistungen entzogen, vulgo „gekürzt“, werden sollten, wären „alleinerziehende“ USCHIMs im allgemeinen und unter diesen die ohne Deutschpaß im besonderen. Da würden dann Frau von der L. (CDU) und Herr S. faktisch ein großkoalitionäres Politpaar.

Im übrigen erinnerten mich die nochmal gelesenen Ausführungen des Herr Sarrazin an eine „alte“ Grundeinsicht der weiland linksproletischen Sozial- und Arbeiterbewegung: faschistoide Propaganda schließt immer an Teile der erfahrbaren sozialen Wirklichkeit, sogenannten Realitätspartikel, an und verkehrt diese Erfahrungen dann politisch nach rechts und ins Reaktionäre.

Was sich konkret ähnlich wie schon vor vierzig Jahren bei Strauß/CSU („Strauß sagt was alle denken“) zeigte ist heute dasselbe Grundmuster bei Sarrazin/SPD, zu dessen sozialer Hetze (zu) viele sag(t)en: „Wo er recht hat hat er recht“. Und genau hier liegt „das Einfallstor“ politisch reaktionärer und sozial faschistoider Tendenzen, Strömungen und Tendenzen.

Richard Albrecht
21. August 2010

Margareth 21. August 2010 um 15:35  

Richard A l b r e c h t

danke für Ihre weiter gehenden Ausführungen zu meiner Anmerkung.
Und ein Klares Ja genauso von mir- kein Jein :))

p.s. Empfehlung Albrecht Müller´s Artikel:
"Über die sonderbare Resonanz der besonderen Spezies Sarrazin, Henkel, Metzger, Dohnanyi, Baring und Co.2
http://www.nachdenkseiten.de/?p=5878#more-5878

und von Wolfgang Lieb:

Von der Leyen spielt die Bildungskarte aus – oder die Kapitulationserklärung der Bildungspolitik
http://www.nachdenkseiten.de/?p=6542

Roberto J. De Lapuente 21. August 2010 um 16:32  

Dem Kommentator Gogolin, den ich zensiert habe, weil er von der Frechheit des Sozialhilfe-Adels schrieb, der sich jetzt auch noch beschwere, der Leistung "geschenkt" bekäme (sic!), sei an dieser Stelle dargelegt, dass es für ihn vielerlei Kommentarabladestellen gibt - hier ist aber keine solche. An einem besseren Tag, an dem ich besser aufgelegt gewesen wäre, hätte ich die niedergeschriebene Hirnverbrennung durchgehen lassen: zur Belustigung aller und zur Bloßstellung Ihrer Person. Heute bin ich aber mies drauf und ich will nicht lachen...

Richard A l b r e c h t 21. August 2010 um 20:23  

Danke, Margareth², ich habe den Müller-Kommentar -> http://www.nachdenkseiten.de/?p=5878#more-5878 gelesen, er greift wie andernorts methodisch beschrieben -> http://www.saarbreaker.com/2009/09/kritik-des-eindimensionalen-denkens doppelt zu kurz:

Er geht (1) nicht von der wirklichen Wirklichkeit, sondern von der TV-Talkshow-Realität aus und er wirft (2) wo Differenzierung nötig wäre alles in einen Politsack, genauer: Wer einen hetzender Ex-SpitzenSozi wie Müllers SPD-Genossen Sarrazin mit einem bedeutenden WiWi wie Hankel in einen Topf wirft betreibt das Geschäft des "hilflosen Antifaschismus".


Gruß

Richard Albrecht
21. August 2010²

Margareth 22. August 2010 um 06:58  

@ Richard A l b r e c h t,

Sind Sie eigentlich Leser der NachDenkSeiten ? Ich denken Nein.

Täglich leisten die NDS herausragende Arbeit zum Aufbau Gegenöffentlichkeit, indem sie interessengebundenen Kampagnen der öffentlichen Meinungsbeeinflussung beleuchten und systematisch betriebene Manipulationen aufdecken.

Und wenn Sie Herrn Albrecht Müller " Eindimensionales Denken und noch schlimmer das Geschäft des "hilflosen Antifaschismus" vorwerfen, finde ich das gelinde gesagt LÄCHERLICH!

Vielleicht bemühen Sie sich einmal das Buch "Meinungsmache" von Herrn Albrecht Müller zu lesen - und dann können wir uns gerne noch einmal über Ihre persönliche Wahrnehmung der " wirklichen Wirklichkeit" unterhalten

mfg

Richard A l b r e c h t 22. August 2010 um 10:36  

@Margareth³

Sehn Sie, das nenne ich UNKULTIVIERT, ich nehm mir die Zeit/mach mir die Mühe, geh´ Ihrem link nach/lese den von Ihnen empfohlenen Text, kritisiere diesen spezifisch & auch mit einem Lit.verweis in Linkform---und werde dann von Ihnen dafür dreifach ex cathedra abgekanzelt als Ignorant, weil ich a) diesen NS´en-Blog nicht lese, b) Dr. M. als Buchautor nicht angemessen würdige und c) Ihnen meine (zugegeben: teilweise linksleninistische) Kritik politideologisch nicht den Kram paßt: Ich kritisierte tatsächlich die mangelnde Differenzierung des Textes des NS´en-Herausgebers Dr. M., der einen rechtsextremistischen Hetzer wie seinen Parteigenossen Dr. S. auf eine Stufe stellte mit dem bedeutenden Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Wilhelm Hankel (gegen den Dr. M. & Dr. S. intellektuell verzwergt wirken...)


Da bitte ich weder Sie noch wen immer nicht mal um Fairständnis, daß ich mich als Autor nach dem UND-TSCHÜSS-Motto aus solchem "Diskurs" ausklinke.


Richard Albrecht

Richard A l b r e c h t 22. August 2010 um 12:49  

P.S.


"linksleninistisch" mit Bezug auf die Bedeutung der Metapher "hilfloser Antifaschismus" (W. F. Haug 1967).


Richard Albrecht/22. Aug. 2010²

Margareth 22. August 2010 um 15:47  

@ Richard A l b r e c h t
Wer ist Dr. M ?
Aber auch unwichtig , meine Kultiviertheit hält mich davon ab weiter auf Ihre Provokationen einzugehn.

Und Tschüss !

Anonym 22. August 2010 um 17:52  

Chipkarte, Nachdenkseiten, Feminismus, Zensur - an der unsere Kinder betreffenden Politik und der abgeleiteten Diskussion ist der Krieg der Welten abzulesen. Auch wenn die an ihren Mief gewöhnten Entscheider zurzeit nur mehr Gestank produzieren, ist das wohl probatestes Mittel um den politischen Stuhlgang endlich einmal wirksam einer Prüfung zu unterziehen. Ehe da kein Blut im Stuhl gefunden wird, geht niemand zum Arzt, der Durchfall bleibt noch eine Weile.

Was ich eigentlich sagen will, die Gesellschaft muss wohl zerbrechen, bevor sie ihre Grundprinzipien überdenken kann und das dauert wenn es schnell läuft mindestens noch eine Generation der Tyrannei damit es jeder spürt.

Meine Leseempfehlung:

Jürgen Kuczynski: Dialog mit meinem Urenkel - Neunzehn Briefe und ein Tagebuch

Anonym 23. August 2010 um 22:05  

Grins-Politik: vom Stopp-Schild zur Chip-Karte.
Der Lächlerin liegen arme Kinder am Herzen - nur kosten darf's nix!

Anonym 24. August 2010 um 17:11  

@ ISI

Sie errinern mich an meine verückte alte Nachbarin, die jedem der nur an ihr vorbei geht einen Vortrag an den Kopf klatscht, der Ihrem Kommtentar sehr ähnlich ist.
Heißt: alles Unrecht auf die Männerwelt zu schieben ohne irgend einen Anlass dafür.
Schade, dass es Leute wie Sie gibt..

Granado 15. Januar 2011 um 09:14  

Vielleicht kann man Richard Albrecht mal darauf hinweisen, dass er Wilhelm Hankel mit dem in den Nachdenkseiten benannten Hans-Olaf Henkel verwechselt.

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