Alle Menschen sind gleich...

Mittwoch, 18. August 2010

Alle Menschen sind gleich, niemand darf benachteiligt oder bevorzugt werden – das Grundgesetz macht es möglich. Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, Glauben und Weltanschauung, Behinderung: nichts von dem dürfe zu ungleicher Behandlung führen. Jedenfalls steht es so auf dem Papier. Was man in der Aufzählung jedoch vermissen muß, das ist die eigentliche, die typisch kapitalistische Ausformung von Ungleichheit, das Fundament kapitalistischer Denkart, könnte man fast sagen: ob jemand Arbeit hat oder nicht!

Das ist beileibe kein nebensächliches Defizit des Grundgesetzes. Man beachte nur die Klänge, die aus dem medialen Äther tröpfeln. Da betrieb doch kürzlich ein bayerischer Innenminister befremdliche Auslesen, sprach von Zuwanderern, die man auch gebrauchen müsse, wenn man sie schon ins Land hineinließe. Das muß man sich schon auf der Zunge zergehen lassen: Gebrauchen! Etwa wie einen Schuh oder eine Tube Zahnpasta? Und was dem Schnabel des ehemaligen Berliner Senators entfleucht, damals als er von für den Arbeitsmarkt nutzlosen Kopftuchproduzenten sprach, ist ja beinahe schon das alltägliche Geschwätz deutscher Feuilletons. Hin und wieder erntet er für seine knorrigen Auslassungen Schelte, was prominente Zeitgenossen der Publizistik dazu ermuntert, ihm pflichtschuldigst beizuspringen. Wie neulich erst der Chefredakteur des Focus, der außerordentlich besorgt und beachtenswert erzürnt darüber war, daß da jemand nur dafür Ärger erhalte, weil er die Wahrheit formuliere. Freilich findet sich in diesem Geschwader erlauchter Verwertbarkeitsrhetoriker auch die Soziologie mit ein, die manchen namhaften Vertreter ins Gefecht schickt. Diese räsonieren dann im wissenschaftlichen Duktus darüber, ob es denn vielleicht möglich sei, daß in diesem Lande die falschen Leute Kinder bekämen. Eine scheue Fragenstellung, die die diversen Soziologen umgehend selbst beantworten – das wäre ja auch kein gescheiter Soziologe, kennte er keine unverbrüchliche Antwort!

Diese und weitere Zeitgenossen sind gar nicht so sehr Auswüchse einer nationalen Stammtischkultur, wie man etwas optimistisch vielleicht annehmen möchte. Sie sind vielmehr die Avantgarde einen selektiven Gedankens, der spätestens seitdem die Konkurrenz der Systeme zur Fußnote der Historie wurde, ungeniert zur vollen Entladung kam. Der Faschismus, so unkten manche, und tun es noch immer, sei letztlich die Perversion des Kapitalismus gewesen – aber man könnte dies auch bedenkenlos umdrehen und behaupten, daß der Kapitalismus zeitgenössischer Prägung eine überarbeitete, etwas kultivierter auftretende, wesentlich pragmatischere Abart der faschistischen Denkweise ist. Die selektive Essenz ist zweifelsohne erhalten geblieben, nur haben sich die Auswahlkriterien modifiziert. Es ist eher die Ausnahme im Lande politischer Korrektheit, daß jemand heutzutage aufgrund seiner Herkunft verunglimpft und ungleich behandelt wird; Frauen sind kein Anhängsel des Mannes mehr und weltanschauliche Fragen entscheiden nicht mehr über Gesellschaftszugehörigkeit – jedenfalls ist der Kapitalist in diesen Fragen ein Gleichmacher aus Leidenschaft; einige dumpfe Kahlköpfe, die Hitler für ihren Jesus halten, sind da natürlich anders gesittet. Der Kapitalist jedenfalls ist da wesentlich pragmatischer, bedeutend näher am Puls der Effizienz. Die aktuellen Machthaber in Wirtschaft und Politik – und zwar genau in dieser Reihenfolge! -, haben doch nichts gegen Ausländer und emanzipierte Frauen – sie dürfen nur nichts kosten, der Gesellschaft nicht auf der Tasche liegen, müssen Arbeit haben, sich als nützlich erweisen.

Jener Avantgardist dieses selektiven Grundgedankens, der früher einmal im Berliner Senat tätig war, jetzt im Bankenunwesen selbiges treibt, bringt diesen Gesichtspunkt ja meistens relativ deutlich zum Ausdruck. Der amtierende bayerische Innenminister machte es ihm kürzlich in derselben Deutlichkeit nach. Sie haben ja alle nichts gegen Ausländer: nur nützlich müssen sie sein, Arbeit haben, sich selbst rechnen. Emanzipierte Frauen sind auch toll: besonders, wenn sie sich selbst versorgen können. Moslems sind feine Leute, solange sie nicht auf dem Arbeitsamt katzbuckeln. Ausländerfeindlich oder gegen andere Kulturen seien sie mitnichten, entrüsten sich jene oben genannten Kreaturen des Effizienzprinzips dann bei entgegenschlagender Kritik – die eher selten vorkommt -, denn die Verwertbarkeit des Menschen im Produktionsablauf, gelte selbstverständlich auch für deutsche Bürger, für Frauen und Männer, für Religiöse und Atheisten – alle Menschen sind gleich: wenn sie nur Arbeit haben! Für sie ist letztlich die Frau dem Manne gleichwertig, und im idealen Falle gilt das sogar andersherum – nur Frau und Frau oder Mann und Mann sind eben nicht gleich, wenn das eine Exemplar Geschlechtsgenosse Erwerbsarbeit hat und das andere nicht.

Das Gleichheitsprinzip ist in Gefahr. Daß Menschen, die keine Arbeit mehr finden können, bereits heute despektierlich behandelt, als Schmarotzer ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden, kann kaum mehr ernsthaft bestritten werden. Gelegentlich vernimmt man dann sogar Vorschläge, bei denen es einen schaudern läßt, wenn schwelgerisch von eigenen Wohnvierteln oder Erziehungscamps für junge Arbeitslose phantasiert wird – der Schoß ist gewiss mehr als nur angefeuchtet, richtiggehend naß sogar. Weil in dieser ökonomisierten Welt immer mehr von Effektivität und Brauchbarkeit in Verbindung mit menschlichen Wesen gesprochen wird, weil der Mensch zuletzt zum Produktionsfaktor herabgestuft wurde, sollte diesem Bassin an überquellender Ungleichheit gesetzlich das Wasser abgegraben werden.

Wenn man dem Grundgesetz überhaupt noch ausreichend Vertrauen entgegenbringen möchte! Das ist ja heute nicht mehr unbedingt üblich. So könnte man dafür einstehen, Artikel 3 dahingehend zu verändern, auch – zynisch gesprochen! – die „ökonomische Verwertbarkeit“ mitaufzunehmen, was heißt, die Gleichheit von Arbeitenden und Arbeitslosen neben der Gleichheit der Geschlechter, Abstammung und so weiter einzureihen. Diese wäre dann, gelistet zwischen all den anderen Attributen, eine materielle Komponente, brechtisch intoniert: sie wäre das Fressen, alle anderen die Moral. Moral, die wenig kostet, die eher sogar was einbringt – doch jene vor ungleicher Behandlung zu schützen, die keine Arbeit haben, das könnte uns richtig teuer zu stehen kommen und nebenbei manchem Hetzer die Lebensgrundlage entziehen. Wir werden die Gleichheit zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen daher nie gesetzlich festlegen – und wir werden daher zukünftig ein Grundgesetz haben, daß zwar viele Gleichheiten gewährleistet, aber die wichtigste Frage der Zukunft, nämlich die Ungleichbehandlung ökonomisch nutzlos gewordener Menschen, stillschweigend übergeht.

Dieser Text erschien erstmals am 2. August 2010 im Blättchen.



23 Kommentare:

Jutta Rydzewski 18. August 2010 um 11:20  

So scheu ist die Fragestellung "erlauchter Verwertbarkeitstheorektiker", unter den Soziologen, nun wirklich nicht. Ganz im Gegnteil, sie reißen ihr erbärmliches Schandmaul weit und hemmungslos auf. Nicht in der Zeit von 33 bis 45 im Stürmer, sondern am 16.10.2010 in einem so genannten Gastbeitrag in der FAZ, verkündet z.B. ein gewisser Professor Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Soziologe, Ökonom, Autor vielbeachteter Bücher und Aufsätze zur Demographie, der seit über einen viertel Jahrhundert an der Universität Bremen lehrt, Thesen einer alten/neuen Rassen- und Klassenhygiene, unter der Überschrift: Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen. In einem weiteren Artikel auf Welt-Online kotzt aus diesen Volksverhetzer u.a. heraus: "Uns fehlt doch nicht das vierte bildungsferne Kind der Sozialhilfemutter, sondern das erste oder zweite der hoch besteuerten und kinderlosen Karrierefrau", Wohl bemerkt, dieser Dreck steht nicht in einem rechtsextremen Hetzblatt sondern in den "Qualitätsmedien" FAZ und Welt. Dass gewisse zottelbärtige Philosophen, Banker und sonstiges rassistisches Gezumpele, dem Heinsohn zustimmen, dürfte nicht überraschen. Mir ist schon wieder übel.

mfg
Jutta Rydzewski

Inglorious Basterd 18. August 2010 um 12:00  

Bei dieser "Verwertbarkeitstheorie"
handelt es sich um Utilitarismus, einer Variante des Rassismus. Die ist nicht neu. Guckst Du:

http://www.youtube.com/watch?v=UpAUQY4Wwlo

Man könnte lachen, wenn es nicht so beschämend traurig wäre.

Anonym 18. August 2010 um 12:16  

Hallo Roberto, wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du also das Grundgesetz um einen wichtigen Passus erweitern, mit dem die Arbeitslosen ausdrücklich mit den Arbeit-Habenden verfassungsrechtlich(!) gleichgestellt werden.
Ein - zunächst gesehen -edler Gedanke !
Würden damit aber nicht alle Bemühungen unserer Politiker und ihrer Auftraggeber unterlaufen, Arbeitslose gerade auch unter Beschneidung von normalen bürgerlichen Rechten dazu zu nötigen, jede Arbeit zu jedweden Bedingungen anzunehmen?
Möchtest du etwa vielen unserer Zeitarbeitsfirmen, welche ja bekanntlich so viele Arbeitsplätze "schufen", die Totenglocke läuten?
Würden damit nicht gerade diese vielen modernen "Errungenschaften" der Hartz 4 "Reformen" wieder zurückgedreht in jene Zeit der "Stagnation", jene "bleierne Zeit", in welcher ein unförmlicher großer dicker Kerl alle Probleme einfach nur "aussaß"?
Möchtest du wirklich DAS ("mutige")"Lebenswerk" von Gerhard Schröder und vielen seiner Kampen aus der SPD zunichte machen?
Stell dir nur vor, der böse Hund(t) hat bereits damit gedroht, die Arbeitslosenzahlen UNTER 3 Millionen "sinken" zu lassen, natürlich mit besonders freundlicher Hilfe seines Kumpels F.W. in Nürnberg...
Wenn DAS erst mal geschafft ist werden sich viele Arbeitslose noch ganz andere unangenehme "Fragen" als bisher schon stellen lassen, warum sie "nicht arbeiten"!
Und dieser freudigen Zukunft("Vollbeschäftigung"!!!) möchtest du dich aufgeregt winkend in den Weg stellen mit so einem kleinen gelben Reclam-Heftchen mit dem Titel GRUNDGESETZ?
Nein, so naiv kannst und darfst du nicht sein!
Brandaktuell: Soeben hörte ich in den Mittagsnachrichten des DLF, wie die Beschäftigungszahlen in Deutschland weiter steigen und steigen.., neue "Statistiken" wurden vorgelegt...., in der Tagesschau heute Abend werden diese Zahlen dann ganz sicher "amtlich bestätigt"..., noch ein paar Stündchen Geduld, Geduld! :-)

Boomende Grüße von
Bakunin

Roberto J. De Lapuente 18. August 2010 um 12:29  

Schrieb ich nicht, lieber Bakunin, dass genau dieser Passus nie Realität werden würde?

Anonym 18. August 2010 um 12:42  

Roberto J. De Lapuente hat gesagt...

"Schrieb ich nicht, lieber Bakunin, dass genau dieser Passus nie Realität werden würde?"

18. August 2010 12:29

Was die trostlose Gegenwart angeht, hast du natürlich absolut Recht!

MfG Bakunin

Die Katze aus dem Sack 18. August 2010 um 12:55  

Arbeit zu haben sagt noch nichts darüber aus, von dieser auch Leben zu können. In den bisherigen zeitlichen Verläufen wurden lediglich die Arbeitgeber mit staatlichen Transferleistungen subventioniert. Aber wir haben uns auch hier weiterentwickelt. Nun werden auch Arbeitnehmer mitsubventioniert. Gleichheit eben - damit es gerechter zugeht!?

Berggeist1963 18. August 2010 um 14:08  

Habe auch schon teilweise höchst erschreckende Kommentare in diversen Kommentarbereichen, auch der sog. "Qualtitätspresse", lesen müssen. Da überbieten sich manche Zeitgenossen in menschenverachtenden Vorschlägen nur so. Der eine oder andere hat sich dort auch schon höchstselbst "angeboten", dieses ganze "arbeitsscheue Pack mit dem Knüppel an die Arbeit zu bringen". Der Schoss ist äusserst fruchtbar noch und mensch fragt sich, ob Geschichte sich nicht doch wiederholen kann

Anonym 18. August 2010 um 15:17  

Alle Menschen sind gleich...
Stimmt doch.
Gerade bezüglich Arbeitsloser.
Die werden nämlich unmenschlich behandelt.
Ergo kann es sich hierbei nicht um Menschen handeln.
Ein Mensch ohne Arbeit ist kein Mensch.
Was zu beweisen war.
Freigegeben zum Abschuss ist so ein Mensch in einer ökonomisiert-neoliberalen Verwertungsgesellschaft.

Die Gleichheit der Mehrheit reduziert sich zur Ausbeutung durch das Kapital.

Anonym 18. August 2010 um 18:31  

Bei allem Ärger über die versammelten Miet-Schandmäuler der Republik, habe ich doch tatsächlich, lieber Herr De Lapuente, das Wichtigste vergessen: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zur ersten Million, zumal die erste bekanntlich die schwerste ist.

mfg
Jutta Rydzewski

PS: Übrigens, heute Morgen war die Million auch noch gar nicht erreicht, mittlerweile ist sie jedoch bereits weit übertroffen.

Anonym 18. August 2010 um 19:18  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

ich schreib ja schon lange von einem neuen Begriff, der von Südafrika aus die Welt erobert - die "soziale Apartheid".

Die alte Apartheid zwischen den "Rassen" ist abgeschafft, hat aber nicht zu besserer Welt geführt, sondern - nicht allein in Südafrika - zu einer neuen Apartheid zwischen den Klassen - eben sozialer Apartheid.

Eine Überlegung:

Sollte man nicht die weltweiten "Eliten" auf die eine Hälfe der Erdkugel konzentrieren, wo die leben können wie die wollen, und den Rest - die Unterschichten - auf die andere Seite des Globus, wo man eben - ohne elitäre Arbeitshetze und Ausbeutung durch die selbsternannten "Eliten", leben darf? Ich weiß, eine Utopie, aber ich wäre immer mehr dafür, zumal gerade "die oben" uns "unten" aufdrücken was die meinen wie wir unser Leben zu führen haben.

Eigentlich sollte man dieser Internationale der Superklassen eine neue Internationale der Unterschichten entgegensetzen.

Ich bin mir fast sicher, dass wir vor der Neuenstehung einer globalen Bewegung gegen die Superklassen stehen, d.h. ich hoffe es, denn so wie es ist kann es nicht weitergehen, weder in den Augen der Armen, noch in der der Umwelt die dank unserer "Eliten" immer mehr vor die Hunde geht.....und deren Wachtstumsideologie....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 18. August 2010 um 22:34  

@Nachdenkseiten-Leser
Die "soziale Apartheit" hat sich aber nicht erst nach dem Fall der alten Rassentrennung entwickelt, sondern ist mMn kontinuierlich gewachsen aus dem Moment als sich zum ersten Mal ein Mensch über einen anderen erhoben hat. Aus diesem Grund würde leider auch dein Vorschlag mit der Aufteilung der Welt nicht funktionieren. Denn eine Elite braucht immer andere Menschen, über die sie sich erheben kann.
Viele Grüsse
Nico

Anonym 18. August 2010 um 23:03  

@Nachdenkseiten-Leser....

Eliten gibt es nur so lange, wie sie gesellschaftlich akzeptiert werden.
Sie kommen und gehen, wurden manchmal einfach enteignet, entmachtet, manchmal auch gleich einen Kopf kürzer gemacht, ganz nach den jeweiligen Umständen.
Freiwillig werden sie jedenfalls nicht verschwinden, so wenig wie deren Handlanger aus der Politik und den Medien.
Was daraus folgt dürfte eigentlich jedem normalen Menschen klar sein!

Anonym 18. August 2010 um 23:39  

@Nico

"[...]Die "soziale Apartheit" hat sich aber nicht erst nach dem Fall der alten Rassentrennung entwickelt, sondern ist mMn kontinuierlich gewachsen aus dem Moment als sich zum ersten Mal ein Mensch über einen anderen erhoben hat[...]"

Kann sein, aber der Begriff kam mir so zuerst in einem TV-Bericht über Südafrika (vor Jahren) vor, der eben betitelte, dass die Apartheid nicht vorbei sei, sondern nur durch eine andere Art der Apartheid, eben die "soziale Apartheid" zwischen den Klassen in Südafrika abgelöst wurde. Damals dachte ich noch, dass ist nur in Südafrika so, aber leider hat diese "soziale Apartheid" - dank neoliberaler Ideologie - den weltweiten Siegeszug angetreten - vor der Finanzkrise.

"[...]Aus diesem Grund würde leider auch dein Vorschlag mit der Aufteilung der Welt nicht funktionieren. Denn eine Elite braucht immer andere Menschen, über die sie sich erheben kann.
Viele Grüsse
Nico
[...]"

Hast auch wieder recht, aber ob die Strategie der "Elite" so immer aufgeht ist fraglich - der Spartacusaufstand, die Jahreszahlen 1777 (amerikanische Revolution) und 1789 (Große franz. Revolution) sprechen da eine andere Sprache.

Ein alter Spruch sagt:

"Der Krug geht solange bis er bricht um...."

Auf das Brechen des Kruges warte ich - der nie ein Fan von Konservativen war - nun schon seit 1988.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Die große Enttäuschung durch die zweite CDU SPD und die GRÜNEN als zweite FDP sparte ich da mal ausnahmsweise aus ;-)

Anonym 18. August 2010 um 23:42  

"[...]Was daraus folgt dürfte eigentlich jedem normalen Menschen klar sein[...]"

Wie bereits erwähnt - als Nicht-Fan von Schwarz-Gelb warte ich schon seit 1988 auf dein "was daraus folgt"....

Im autoritär-obrigkeitshörigen Deutschland wird da nie was draus, und deswegen setze ich meine Hoffnung auf eine neue globale Internationale von ganz unten....

....aufdass die Fackel des Aufruhrs.....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

unschland 19. August 2010 um 00:01  

@ inglorious basterd

"Bei dieser "Verwertbarkeitstheorie"
handelt es sich um Utilitarismus, einer Variante des Rassismus"

das ist so schlichtweg falsch!
dem kantschen utilitarismus liegt bestimmt keine menschenverachtende verwurstungslogik zugrunde.

"das ist gut, was mir nützt"
bedeutet nicht zwangsläufig ausbeutung und ungleichheit. es setzt aber einen erheblichen grad an aufklärung und denkfähigkeit der zusammenlebenden individuen voraus. die kurzsichtigkeit unserer unempathischen, soziopathischen elite, die gier und sozialdarwinismus zu tugenden verklärt, wird ja durch die kürzlich veröffentlichten studien über ungleichheit von gesellschaften deutlich!
ein sklave oder personenschützer für 1,50 wird sich kaum eine kugel einfangen, um meinen fetten, reichen arsch zu retten.
der empirische befund, der gesunde menschenverstand- oder schlicht ein normales empfinden (spiegelneuronen!) legt nahe, dass ein sicheres überleben nur in einer solidarischen gesellschaft möglich sein wird, ohne sich zu verbiegen oder schaden zu nehmen.

der nachsatz des obersten christlichen gebots (liebe deinen nächsten wie dich selbst,) DENN ER IST WIE DU wird genau deshalb in unseren breiten weggelassen, sonst könnte sich noch was ändern

Inglorious Basterd 19. August 2010 um 08:56  

unschland hat gesagt:
Zitat Inglorious Basterd "Bei dieser "Verwertbarkeitstheorie"
handelt es sich um Utilitarismus, einer Variante des Rassismus"



Es gibt eine Form von Rassismus, die sich in wohlmeinenden Äußerungen selbsternannter Antirassisten manifestiert: "Wenn alle Ausländer morgen Deutschland verlassen, bricht unser Wirtschaftssystem zusammen." oder -- "Die Ausländer haben unsere Kultur bereichert!" (Pizza, Döner, Peking-Ente), -oder- "Ich habe nichts gegen Türken, fahre sogar jedes Jahr in die Türkei in Urlaub." Das diesen Behauptungen inhärente Nutzenkalkül
bezeichne ich als Utilitarismus - jenseits der Kantschen Theorie, jedoch ähnlich dem positiven Rassismus einiger Linker (die Nichtdeutschen sind die besseren Menschen).

Die aktuelle Fassung des von Dir abschließend erwähnten chisliche Gebots heißt in der neoliberalen Fass übigens "Schmiede Deinen Nächsten, solange eer noch heiß ist." (scherz)

Ich darf doch davon ausgehen, dass Du Claudi nicht in Schutz nehmen wolltest?

Anonym 19. August 2010 um 11:10  

Hallo Dr. L.,

meinten Sie

ALLE MENSCHEN SOLL(T)EN GLEICH SEIN
z.B. "vor dem Gesetz" (Kafka)?

In der ganzdeutschen Wirklichkeit sind grad "vor dem Gesetz" manche gleicher als gleich, z.B. JUSTIZANGEHÖRIGE.

Oder meinten Sie schöngeistig-feuilletonistisch was ganz Anderes?


Gruß

anon

Anonym 19. August 2010 um 14:02  

Es sind (gottseidank) nicht alle Menschen gleich.

Wenn alle Menschen bzw. BürgerInnen z. B. dieses Landes gleich sein sollen, können sie nicht frei sein. Das ist ein Widerspruch in sich. Gleichheit bedingt Unfreiheit.

Weil seit der frz. Revolution immer wieder verkündet wird, dass alle Menschen gleich bzw. gleich zu behandeln seien, werden nach meiner Erfahrung nun auch die Menschen gleich behandelt und mit dieser Begründung in ihrem Dasein oder dem, was davon übrig ist, abgewürgt. Durch den allgemeingültigen Zwang zur Gleichbehandlung werden sie de facto ungleich behandelt. Und fast niemand, außer jenen, die ein Herz in der Brust haben und dem eigenen Empfinden trauen, wagt, davon abzuweichen.
Es GIBT aber Unterschiede, die eine Ungleichbehandlung geradezu erforderlich machen ... und trotzdem wird man nun gleich behandelt wie die anderen ... in den letzten Jahrzehnten z. B. unter Beihilfe von Mietprofessoren. Vermutlich geschieht dis, um befürchteten Konflikten aus dem Weg zu gehen - Gleichbehandlung dient dann dem Eigenschutz des Gleichbehandelnden vor: "Warum kriegt der dies und das? Wieso steht das mir nicht zu?!" - also die Angst vor individuellen oder sozialen Unruhen.)
Gleichbehandlung kann eine Folter und absolut widersinnig sein - sowohl in der individuellen Sache, als auch, wenn sie einer falsch verstandenen betriebswirtschaftlichen Denke folgt, um eigene Pfründe (Posten, Prämien, Gehälter) zu sichern oder Kosten an ungeeigneter Stelle zu schmälern, um damit wiederum eigene Pfründe oder die Aussicht darauf zu sichern ... und damit einhergehend und langfristig der Volkswirtschaft(en) zu schaden.

Ständig und von klein auf der Gleichheits-Din-Norm folgen zu müssen oder zu wollen, verhindert Eigen-Artigkeit und Vielfalt und fördert Herdendenken einerseits und Stigmatisierung und Ausgrenzung andererseits.
Meines Erachtens geht es nicht um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und Vernunft, sondern um natürliche gewachsene Ungleichheit, Humanität und Weisheit. Dann erst könnten wir überhaupt erst von Brüderlichkeit (frz. Rev.) reden.

Hat die Wirtschaft für den Menschen dazu sein, oder der Mensch für die Wirtschaft?

PS: Das Grundgesetz ist mit Absicht auf Papier gedruckt. Und Papier ist geduldig.

Anonym 19. August 2010 um 14:49  

PS: Das Grundgesetz ist mit Absicht auf Papier gedruckt. Und Papier ist geduldig.

19. August 2010 14:02

Ein höchst interessanter Gedanke!
Wäre dieses Grundgesetz auf Steintafeln festgehalten wie noch zu Moses Zeiten, könnten wir diese nicht dann einfach Zertrümmern und uns eine neue zeitgemäße Verfassung geben?
Aber Papier ist natürlich geduldiger...

MfG Bakunin

philgeland 19. August 2010 um 15:01  

Um zehn Uhr morgens in einem Stehcafé frühstückende Handwerker in Arbeitskleidung veranschaulichen Begriffe wie "Verwertbarkeit" und "Soziale Anerkennung" auf deutliche Weise. Sie haben "ein Recht dazu", auch mal herumzustehen und einen Plausch zu halten.

Nix gegen Handwerker. Der Punkt ist, dass es selbst in einem Stehcafé zu differenzierenden Betrachtungsweisen der Anwesenden kommen kann. Es findet auch hier eben bei vielen Zeitgenossen eine Selektion im Kopf statt. Und die richtet sich schlicht danach, ob jemand Arbeit hat oder nicht.

Ein Grüppchen sich unterhaltender Hartz-IV-Empfänger kommt zur gleichen Uhrzeit im besagten Café eben anders rüber.Und mit Sicherheit finden sich dann immer Leute, die "denen" stillschweigend das Recht absprechen, sich dort aufzuhalten.

Anonym 19. August 2010 um 16:09  

Die ökonomische Verwert- und Austauschbarkeit wird ja erst durch Gleichheit und Standardisierung des Menschenmaterials ermöglicht
(ein Beispiel: das neue Bachelor- und Master"studium").

unschland 20. August 2010 um 03:04  

@ Inglorious Basterd:
claudia roth beschützen?
jetz wernse ma nich ausverschämt!
ne, spaß beiseite:
die frau gehört doch in den streichelzoo und nicht vor die kamera!
auch meine moral kennt grenzen.

obwohl, irgendwie wirkt sie schon ein wenig schutzbedürftig. ich hoffe sie kann ihren drogenlevel halten oder findet zuflucht in einem schweigekloster, wo man sie weiter vor der bösen realität beschützt (und den rest der welt vor ihrem gesabbel)

aber kann es sein, dass die benutzung des begriffs "utilitarismus" im zusammenhang mit kapititalistischer bzw. faschistischer verwurstungslogik bei deren aktuellen kritikern eher ironisch gemeint ist?
ich glaub nicht, das man einen zusammenhang zwischen kant und rassismus konstruieren kann. und kant und claudia roth in einem satz, wirkt auch befremdlich.

nenne aus-nutzen utilitaristisch und du kehrst einen durch eine anspruchsvolle und eudaemonische ethik besetzten begriff in sein gegenteil um.
das warme gefühl, das einem entsteht, wenn man einem kind ein schönes geschenk macht, ist ja auch ein nutzen!
deshalb auch das "er ist wie du",
so zen-mäßig und so,
der hatte durchaus seine lichten momente der jupp :-)

philgeland 21. August 2010 um 00:15  

@unschland
Claudia Roth ist ein perfektes Aushängeschild für die Grünen. Die Gute repräsentiert im perfekten Wechselspiel mit Trittin und Künast genau das, was von denen inhaltlich übrig geblieben ist.

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