Nomen non est omen

Donnerstag, 17. Juli 2008

Heute: "Neiddebatte"
"Sie - Anmerkung: die Diskussion um zu hohe Managergehälter und Abfindungen - geht inzwischen weit über das zu verantwortende Maß hinaus. Das schürt den Neid, das ist mir zu populistisch."
- BDI-Präsident Jürgen Thumann am 25. Dezember 2007 im Nachrichtensender N-TV -
„Die Diskussion um die Besteuerung von Erbschaften droht immer stärker zu einer Neiddebatte zu werden. Wir müssen in der Debatte zu den Realitäten zurückfinden.“
- Matthias Löttge, finanzpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Mecklenburg Vorpommern, in einer Pressemitteilung am 18. April 2007 -
"Eine solche Neiddebatte schadet aber dem Ansehen der Unternehmer insgesamt und führt dazu, dass das Unternehmertum in Deutschland weiter verunglimpft wird."
- WJD-Bundesvorsitzende Kirsten Hirschmann am 17. Dezember 2007 -
Der Begriff der 2006 von der Gesellschaft für deutsche Sprache ausdrücklich gerügt wurde, wird oft als Kampfbegriff von Vermögenden gegen weniger Vermögende bzw. arme Menschen benutzt. Dabei wird den weniger Vermögenden eine negative Eigenschaft, genauer eine der sieben Hauptsünden des Christentums unterstellt: der Neid. Mit diesem Kampfbegriff sollen Menschen, die noch ein gesundes Gerechtigkeitsgefühl empfinden, ein Maulkorb verpasst werden. Schließlich ist dem Kapitalismus die extreme Ungleichheit sowie die ungerechte Behandlung der Menschen inhärent. Dies zu kritisieren käme einer Systemkritik gleich und wird daher von den Profiteuren dieses Systems bekämpft. Somit soll eine ernsthafte öffentliche Diskussion über soziale Gerechtigkeit sowie eine gerechte Verteilung der gesellschaftlichen Güter und Reichtümer von vornherein unterbunden und der Status quo erhalten werden. In Zeiten von steigender Kinder- und Altersarmut sowie zunehmender sozialer Spaltung die Menschen als neidisch abzustempeln statt als hilfebedürftig anzuerkennen, ist realitätsfremd und zynisch. Der Begriff offenbart den menschenverachtenden Egoismus vieler sogenannter Eliten, die weder den Hals voll genug bekommen können, noch wissen (wollen) was Armut für die Betroffenen wirklich bedeutet.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

3 Kommentare:

Roger Beathacker 17. Juli 2008 um 09:38  

Habsucht ist auch eine Todsuende, wenn ich mich nicht irre - das wirklich perfide aber sind die Neiddebatten, die diese beneidenswerten "Vielbeneideten" immer wieder loszutreten sich nicht schaemen: wenn es zum Beispiel darum geht, diejenigen, die wenig haben gegen diejenigen, die fast nichts haben aufzuhetzen, weil letztere angeblich "Ihr Geld bekommmen, ohne dafuer was zu tun, faul in den Tag hineinleben koennen usw. .."

epikur 17. Juli 2008 um 10:03  

@ roger: richtig beobachtet. man denke nur an die derzeitige konstruierte "neiddebatte" zwischen alt und jung, die es nur in den medien, aber im alltag nicht gibt. sie lenkt jedoch hervorragend zwischen dem wirklichen gesellschaftlichen konflikt, der zwischen armen u reichen menschen, ab .

Inge 17. Juli 2008 um 17:02  

Neidisch also... Da überlege ich doch gerade mal: Ja, sie haben vermutlich die besseren Computer als ich und können sich jeden Typen leisten, der ihnen erklärt, wie es funktioniert damit. Und ich plage mich mit geschenkten, und gebrauchten PC's herum, freue mich, wenn ich mal etwas Moderneres erwische, das ich noch nicht vorher hatte - auch wenn ich dann nicht gleich damit klarkomme.
Neidisch also? Nein, denn ihnen entgeht vermutlich der schöne Moment des Erlernens, der Erkenntnis, wie etwas zusammenhängt und funktioniert.
Neidisch sonst? Als behinderter Mensch, der unter heftigen Dauerschmerzen leidet, und Krämpfe bekommt, nutzt auch ein Swimming-Pool nicht viel. Wenn es reicht zur Ernährung, zu dem was Mensch so braucht, bin ich sehr zufrieden. Ich wohne auch schön mitten im Grünen, wer hat das denn sonst noch? Nicht alle, also.
Ich beneide sie nicht, die Reichen und was weiss ich wen, denn ich bin reich an Lebenserfahrungen, mir war selten langweilig im Leben, und das ist etwas, das ich schätze. Das Selber-Denken als wunderbares Abenteuer im Leben kann auch nicht mit Geld gekauft oder ersetzt werden. In allen Punkten müßte ich diese Herrschaften widerlegen.
Und doch, es geht darum, dass Gerechtigkeit nicht vollends ausgerottet wird, und verschindludert wird, wie das leider schon zur Genüge der Fall ist.

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