Kulturkampf und Kampf der Kulturen

Dienstag, 14. Juni 2011

Sie leben in unserem Land, befolgen aber unsere Regeln und Gesetze nur dann, wenn sie mit ihrem Kodex vereinbar sind. Es handelt sich um illoyale Bewohner dieser Nation, die einer auswärtigen Instanz folgen, die lediglich ihrem religiösen Gewissen lauschen und dabei eine geistig-moralische Weltherrschaft anstreben. Man müsste sie unseren nationalen Werten unterwerfen, von ihnen absolute Treue einfordern, ihren Haßpredigern Auftrittsverbot erteilen. Hart durchgreifen! Unsere sittlichen Werte und unsere freiheitlich-demokratische Ordnung sind es, denen sie untertan sein sollten. Nicht ihrem Glauben, nicht ihren spirituellen Führern, nicht den Leitlinien ihrer Religion!

Ihr geheiligtes Buch, so wie sie es hermeneutisch entziffern, ist mit unseren Gesetzen nicht vereinbar. Solche Leute sollten keine Kinder erziehen und ausbilden dürfen. Überhaupt sollte man solche Leute aus dem öffentlichen Dienst entfernen. Unverträgliche Elemente unterwandern unsere Nation, sie untergraben unser Selbstverständnis, unsere deutsche Leitkultur. Leute, die ihren Predigern und ihren religiösen Kapitänen aus fernen Ländern mehr Beachtung schenken, als unseren Instanzen, der hiesigen Obrigkeit, gehören empfindlich bestraft und, falls es gar nicht anders geht, aus dem Land geschmissen. Das ist eine Sache von nationalem Interesse, ja, von nationaler Sicherheit geradezu - loyale Bürger braucht ein Land, keine fremdgesteuerten Eiferer.

Moslems? Warum Moslems? Gemeint waren Katholiken, die im Kulturkampf mit denselben Vorwürfen zu ringen hatten, wie die heutigen Muslime in Deutschland. Denen unterstellte man, sie seien ultramontan, gesteuert von "jenseits der Berge" (ultra montes, über den Bergen; gemeint ist der Vatikan, jenseits der Alpen), würden dem Papst gefällig sein, nicht aber der neuen deutschen Nation. Die aufgebauschte Stimmung jener Jahre ließ besonders fanatische Katholikenfeinde behaupten, der Katholizismus würde die Weltherrschaft anstreben. Und der Katholik an sich, der würde den Gesetzen nur dann brav folgen, wenn der Mufti in Rom seinen Segen dazu gibt. Muslime in Deutschland erleben einen Kulturkampf neuer Sorte. Die heutigen Vorwürfe klingen ganz ähnlich. Angereichert wird diese aktuelle Debatte jedoch um biologische Aspekte, die man bei den damaligen Katholiken, die ja Deutsche waren, nicht anführen konnte - auch war die "darwinistische Konfession" noch keine jüngerstarke Kirche.

Der Katholik, der vor anderthalb Jahrhunderten noch jemand war, den man hätte ausweisen wollen, weil er nicht ins deutsche Konzept passte und sich nicht der deutschen Leitkultur unterwarf, sollte sensibilisiert sein, wenn sein muslimischer Glaubensbruder (Sind die Religionen nicht verschwistert?) angefeindet wird. Sein Urgroßvater galt selbst noch als verdächtiges Subjekt. Sollte so eine Erfahrung nicht dem sittlichen Kollektivempfinden zugeschlagen werden? Wäre es nicht Aufgabe des katholischen Klerus, mit Bedacht auf die eigene Vergangenheit, lauthals aufzuschreien, wenn man seinen muslimischen Bruder zu einem Gesellschaftsfeind kriminalisiert? Das widerfahrene Unrecht, sinnigerweise als Grundlage eines generalisierten Moralanspruches? Der Kulturkampf jedenfalls ist deutscher Kult - und das Vergessen auch...



10 Kommentare:

Anonym 14. Juni 2011 um 10:20  

früher waren die katholiken moslems. jetzt sind die moslems katholen

Lambert D. 14. Juni 2011 um 11:11  

Es ist eine Frechheit, daß Sie Katholiken mit Moslems gleich setzen. Der Vatikan vertritt den einzigen und wahren Glauben. Der Islam ist nur ein nachäffen von unserem Christentum. Es handelt sich um Ketzer.

Anonym 14. Juni 2011 um 11:35  

"Lambert D. hat gesagt...
Es ist eine Frechheit, daß Sie Katholiken mit Moslems gleich setzen. Der Vatikan vertritt den einzigen und wahren Glauben. Der Islam ist nur ein nachäffen von unserem Christentum. Es handelt sich um Ketzer."

Ein wenig Ironie zum Ausgang des Pfingstfestes? :-)

MfG Bakunin

Natascha 14. Juni 2011 um 12:21  

Ich bin überzeugt davon dass die Menschheit irgendwann ohne den Glauben an den unsichtbaren Mann in den Wolken auskommen wird, der unser aller Leben bis ins letzte Atom überwacht und steuert wie eine Ausgeburt Schäublescher Totalüberwachungsfantasien. Ob man diesen imaginären Vater nun Allah, Jahwe, Gott oder Cthulhu nennt ist dabei herzlich egal.

Deinen Vergleich mit dem Kulturkampf finde ich äußerst weit hergeholt. Dem Lotsen ging es wohl weniger um eine Art postmoderne Arisierung (wie dem Moslemfeind Heute), als um Macht. Die katholische Kirche war seinerzeit die größte institutionelle Macht nach dem Staat, diese wollte er brechen und als Konkurrenz zur preussischen Obrigkeitsherrschaft ausschalten.

Solche Äpfel- und Birnenvergleiche finde ich grundsätzlich eher sinnlos, auch der derzeit beliebte Moslems-sind-die-Juden-von-Heute-Vergleich zählt für mich dazu.

Hier geht es doch weniger um die Angst der Herrscherklasse vor einer Nebenregierung, vor einer fünften Kolonne die aus Rom bzw. Mekka gesteuert wird, als um die übliche und zu allen Zeiten präsente Angst des Spießbürgers vor Überfremdung welche die Oberen im Sinne des guten alten divide et impera nutzen um von den wahren Blutsaugern abzulenken.

Anonym 14. Juni 2011 um 12:26  

"Sie leben in unserem Land, befolgen aber unsere Regeln und Gesetze nur dann, wenn sie mit ihrem Kodex vereinbar sind."

So ist es, denn der Großteil schleppt seine ganzen Angehörigen hier her und und lässt sie vom Staat durchfüttern,und nennt den Deutschen bei Kritik dann einen "Schweinefleischfresser"!

Roberto J. De Lapuente 14. Juni 2011 um 13:07  

Willkommen werte Freunde der BILD-Zeitung... genug von euch für die nächsten drei Wochen an dieser Stelle.

Anonym 14. Juni 2011 um 15:55  

„Der Kulturkampf jedenfalls ist deutscher Kult - und das Vergessen auch...“
Deutsch-Schweizer Kult auch, und auch, aber nicht nur, das Vergessen. Meine ersten zwei Schuljahre verbrachte ich in diesem Schulhaus: http://www.lenzburg.ch/de/volksschule.html

Ganz rechts, auf dem Photo kaum zu erkennen, prangt ein riesiges Wandbild mit brennendem Dorf im Hintergrund und Johann Heinrich Pestalozzi mit Kriegswaisen auf dem Arm. Es geht um den Krieg der bürgerlichen Aufklärung, personifiziert durch die französischen Truppen im Jahr 1798, gegen die religiöse Reaktion, personifiziert im katholischen Kanton Nidwalden.

Der „Mythos Pestalozzi“ ist sehr, sehr widersprüchlich, siehe etwa http://www.heinrich-pestalozzi.de/de/dokumentation/biographie/stans/index.htm : „Pestalozzi hatte zuvor in seiner Funktion als Herausgeber des offiziösen "Helvetischen Volksblatts" den Einmarsch der Franzosen öffentlich gutgeheißen, da er die Einheit des Staats in Gefahr sah. Er hatte freilich nicht mit Blutvergießen und sinnloser Zerstörung gerechnet, sondern glaubte, die Anwesenheit der Truppen würde die Bewohner veranlassen, sich dem höheren Landesinteresse zu fügen.“

Wie auch immer: Das Bild hat sich ein mein Gedächtnis eingebrannt, und an Schweizer Bier-Stammtisch-Diskussionen wurde - wenn es denn um den bösen Islam ging – meine Einwände unter Verweis auf die Erinnerung an diesen „Kulturkampf und Kampf der Kulturen“ noch fast immer verstanden. Diese kollektive Erinnerung ist lebendig.

Anonym 14. Juni 2011 um 17:59  

Wer sich als Gläubiger von Weltreligionen eher mit dem Jenseits befasst, dem fehlt der Blick für die Schuldner des Diesseits.

Moslems? Nein,Katholiken!
Ach was!
Einfach Neoliberalinskis.
Der Krampf der Unkultur.

Die vorherrschende Religion unserer Zeit aber ist weder die abendländische noch die morgenländische, sondern die neoliberale.
Verpuppt als Heilslehre dahergekommen, entpuppt sie sich als Irrlehre.

Anonym 15. Juni 2011 um 07:39  

Sie sind Optimist!

"Sittliche Werte" passen einfach nicht zu oberhirtlich gedeckten Kinderfickereien.

Die so genannte "freiheitlich-demokratische Grundordnung" mag in Sonntagsreden ihren Platz haben; in der Realität macht sich das Lügen- mit dem Finanzpack auf unser aller Kosten gemein, um ein insgesamt korruptes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem am Leben zu erhalten.

Bedient sind wir mit den Dienern Gottes und erst recht mit denen des Volkes.
Machen wir deren Lügenmärchen ein Ende.
Auf Straßen und Plätzen!

Wir sind das Volk.

Anonym 15. Juni 2011 um 08:44  

Anonym 7:39 Uhr: Wir sind das Volk? Ich nicht. Ich gehöre zu den "Leuten", obwohl bereits ein alter "Leut."

Dazu gibt es eine sehr guten Aufsatz von Georg Seeßlen:
http://www.seesslen-blog.de/2009/10/26/ist-das-volk-dumm/

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