Womit wollen wir eigentlich werben in der Welt?

Dienstag, 3. Mai 2011

Die bessere Weltanschauung hat gesiegt! Bin Ladin ist tot und die USA können nach zehn Jahren jenen Kopf präsentieren, für den sie offiziell gegen den Terrorismus ins Gefecht zogen. Die Guten haben gewonnen! Die sanftmütigere, die aufgeklärtere Weltsicht obsiegte! Und wie diese Guten vor dem Weißen Haus jubelierten, Fahnen schwenkten und patriotische Liedchen trällerten, das wirft schon ein ernüchterndes Bild auf diese aufgeklärte Gesellschaft, die nun diesen erwünschten Leichnam vorzuweisen haben. Was unterscheidet die singende und feiernde Menge, die sich am Leichnam eines Menschen aufgeilt, von den tollwütigen Massen, die im Mittleren Osten soldatische Leichen zerfleddern als Zeichen "ihres Triumphes"?

Obama trat vor die Presse und teilte die Attraktion der Weltöffentlichkeit mit, merkte an, dass nun der Gerechtigkeit Genüge getan wurde. An diesem Ausspruch alleine läßt sich ermessen, wie es um die Ethik der Achse des Guten bestellt ist: Gerechtigkeit also! Tote mit Toten zu vergelten, das ist die Gerechtigkeit einer Nation unter Waffen und vor Gott - buchhalterische Mordsgerechtigkeit: Hie Tote von uns, dort Tote von denen, sauber verrechnet und ausgeglichen - und zwischendrin, als Krone der Gerechtigkeit quasi, der tote Boss. Über das erschossene Böse darf man jubeln, man darf sich über den Tod eines Menschen - und er bleibt trotz allem Mensch! - freuen, wie hippelige Kinder kurz vor der weihnachtlichen Bescherung - das ist sogar noch politisch korrekt! Nicht falsch verstehen: man müsste ja nicht trauern - aber skandierend und frohlockend durch die Straßen ziehen? Ist das das Angesicht dieser Gesellschaft aus Sanftmut, Aufklärung und Fairness, das man bombend und terrorisierend in die unzivilisierte Welt hinaustragen wollte?

Die Vereinigten Staaten fürchten sich nun vor Vergeltungsschlägen. Die US-amerikanische Administration weiß also doch, dass Gewalt nur Gewalt nach sich zieht, dass Augen mit Augen und Zähne mit Zähnen vergolten werden - die Wiederbelebung der Talionsformel: Z2 x Z2
= Z2 x Z2 = Gewalt2 Wenn nicht endlich einmal einer mit dieser Spirale der Gewalt bricht, dann kehrt ja nie Frieden ein! Man weiß und wußte das, man fürchtet sich davor und trotzdem machte man damals, vor zehn Jahren, die Vergeltung zum politischen Programm. Und was wenn Vergeltungsschläge eintreten? Hat man dann einen neuen Terrorfürsten in petto, den man eine Dekade lang jagen könnte? Übersät man irgendein afghanisches Kaff mit Splitterbomben, nimmt man eine irakisches Städtchen unter Feuer? Alles nur aus Rache? Bis dass deren Rache wieder die Rachsüchtigen ereilt? Freut sich der Pöbel auf den Straßen Amerikas denn auch darüber? Dass er bald wieder im Visier von Racheengeln stehen könnte? Oder juchzt er so, weil er weiß, dass nach der Rache vor der Rache ist? Gewalt gibt Gewalt gibt endlose Gewalt - und die Bürger der sanftmütigen und aufgeklärten Weltanschauung des Westens, die Menschen, die in der Achse der Guten leben, freuen sich pathetisch auch noch darüber!

Die Verbündeten, sie kennen auch kein Schamgefühl. Allen voran das rhetorische Nullsummenspiel im Hosenanzug, Kanzlerin Merkel: sie sei froh, dass es gelungen ist, Bin Ladin zu töten. Das ist die Aussage einer Frau, die einem Land vorsteht, das die Todesstrafe nicht mehr kennt; so artikuliert sich sonderbarerweise jemand, der Mitglied eines besseren Gesellschaftsentwurfes, einer fortschrittlichen Zivilisation sein will, in der man Respekt vor dem Leben hat - auf die Werte des Grundgesetzes und der Deklaration der Menschenrechte pfeift sie dabei. Von so jemand wird man regiert, von einem Racheengel in biederer Politikerinnenkluft - und was noch schlimmer ist: kaum einer stößt sich an solchen Aussagen; man läßt die Tante aus dem Kanzleramt tönen und eine gute Frau sein. Es sind manche schon für weniger zurückgetreten!

Betrauert einer der Verbündeten denn, dass man Bin Ladin nicht mehr vor Gericht stellen kann, dass die Chance vertan ist, ihn vor ein Tribunal oder nach Den Haag zu verfrachten? Die Demokratin Merkel freut sich, weil Bin Ladin getötet wurde - von Gerichtshöfen, als demokratische Einrichtung sozusagen, als Errungenschaft eines aufgeklärten Staatsgedankens letztlich, hält sie wenig. Sie verurteilt die Morde, die Bin Ladin begehen ließ und gratuliert trotzdem anderen Mördern, die aber gar keine Mörder sind, weil sie einen Mörder ermordet haben. Ist das das Rechtsempfinden einer westlichen Welt, die stets vorgibt besser zu sein, als die östliche Welt? Die Verbündeten, sie betrauern nicht, dass Den Haag verpasst wurde, sie betrauern nur, bald Opfer einer Racheaktion werden zu können. Oh Kleinmut, du bist politisches Programm der Sanftmütigen und Aufgeklärten auf Erden, diesen Neokons und Neoliberalen, dieser westlichen Krämerseelen und Militärs!

So anders seien sie, als die wilden Horden, die dem Terror folgen. Ganz anders! So liest, hört, sieht man es ständig. Und dann bejubeln sie den Tod eines Menschen wie ein wichtiges Tor bei einer Weltmeisterschaft, wie einen grandiosen Sieg beim Super Bowl. Unmoralische Moralisten, nicht nur in Hosenanzügen, betreten Bühnen und teilen ihre Freude darüber mit, dass dieser Mensch nun den Tod fand - keiner verlangt Trauer, aber Respekt vor menschlichen Leben, das wäre doch mal was. Auch der Terrorist ist Leben und auch er hat, qua seiner Verbrechen, ein Anrecht darauf, adäquat und fair von einem Richter verurteilt zu werden. Von einem Richter wohlgemerkt, nicht von einem Killerkommando, das in Hinterköpfe ballert! Das beinhaltet der Respekt vor menschlichem Leben - das muß man verlangen dürfen! Gerade dann, wenn man dem Toten unterstellte, er habe ebendiesen Respekt nie besessen. Da muß man ihm zeigen: so geht es besser, so ist es menschlicher, so ist es sanftmütiger aber dennoch konsequent!

Und uns wolltest du vernichten, Bin Ladin,
hätte man ihm hinwerfen können nach einem Prozess, uns, die wir dich trotzdem leben lassen, wenn auch in lebenslanger Haft? Sieh doch, wir sind sanftmütig, wir sind besser als die kleine Gruppe von Hardlinern, die Steinigungen für kleinere Vergehen als angebrachte Strafe empfinden. Das wäre gelebte Zivilisation, die wir uns ja allesamt einbilden im schönen Westen! Doch so, als Befürworter der Lynchjustiz: womit wollen wir dann eigentlich werben in der Welt? Was macht uns besser als die anderen? Die Reaktionen und Affekte aber, die man nach der "frohen Kunde" im Fernsehen sah, sie machen erschrecken - von der anderen Seite, mit talibanischen Augen geschaut, sehen die wilden Bestien nicht viel anders aus, als jene Bestien, die man uns präsentiert; die irren Massen auf der Straße, geifernd vor Hass, gleichen einander drastisch, ob in Washington oder Kabul, der Mob ist immer widerlich - das Gute, das Sanftmütige, das Aufgeklärte, kürzer gesagt: das Richtige, es ist immer Ansichtssache...



36 Kommentare:

Anonym 3. Mai 2011 um 11:56  

Wie heißt es in Internetsprech so schön:
full ack!

Anonym 3. Mai 2011 um 12:15  

Telepolis:
Tötung durch Kopfschuss ist kein Schuldbeweis

Roberto, ein sehr schöner Kommentar, ohne weitere Worte

klaus Baum 3. Mai 2011 um 12:25  

Roberto, Du schreibst, sie hätten einen Leichnam vorzuweisen. Darf ich fragen wo. Genauer gefragt, wo soll ich tauchen lassen, um die Leiche Bin Ladens auch wirklich sehen zu können?

epikur 3. Mai 2011 um 13:02  

Schöner Gegenentwurf zu Stefan Sasses "Liebeserklärung an die USA"!

Damals hatten sie zumindest mit den Nürnberger Prozessen noch versucht, die Verbrechen juristisch und vermeintlich "gerecht" aufzuarbeiten. Heute wird in Guantanamo, im Irak, in Afghanistan usw. losgeschossen und gemordet. Staatsterrorismus nenne ich das.

Anonym 3. Mai 2011 um 13:16  

"Hie Tote von uns, dort Tote von denen, sauber verrechnet und ausgeglichen............." Nix ist ausgeglichen:

Laut internen Dokumenten des US-Verteidigungsministeriums (siehe Iraq War Logs), die am 22. Oktober 2010 über die Internetplattform WikiLeaks veröffentlicht wurden, waren im Zeitraum 2004 bis 2009 unter den 109.000 Opfern im Irak 66.081 Zivilisten.

potemkin 3. Mai 2011 um 13:17  

Da sich die USA als Republik bezeichnet, kann sie leider nicht mit mit royalen Vermählungen aufwarten. Aber dafür gibt es Eliteeinheiten, die die Massen ebenso verzückt tanzen lassen wie die Royalties. In wirtschaftlich schlechten Zeiten, wenn auch das Brot knapp wird, müssen den von Armut bedrohten Massen zumindest Spiele geboten werden. Immerhin wurde der Leibhaftige nicht lebendig in einem Käfig durch New York gezogen... Trotzdem riecht das alles nach tiefstem Mittelalter!

Roberto J. De Lapuente 3. Mai 2011 um 13:24  

@ Anonym von 13:16 Uhr:

Dochdoch, alles ausgeglichen. Ein Amerikaner ist viel mehr wert als ein Afghane oder Iraker... bitte die Kurse beachten!

muetzenmaedel 3. Mai 2011 um 13:41  

Danke Robert für diesen Post.
Ich vermeide zu diesem Thema jetzt lange Texte und verlinke einfach

Anonym 3. Mai 2011 um 14:09  

Danke, Volltreffer! Ich dachte schon, ich bin der Einzige, der so darüber denkt.
Was ich da zum Teil in Foren lese, unterscheidet sich kaum von der amerikanischen Öffentlichkeit.
Der liebe Kant rotiert wohl gerade wie eine Schiffsschraube in seinem Grab.

anobo 3. Mai 2011 um 14:44  

Roberto,

Danke fuer diesen Eintrag! Ich will ja hier nichts mit Verschwoerungen anfangen, aber...

kwon 3. Mai 2011 um 14:49  

guten tag,
vom grundsatz ist der artikel, wie immer meistens auf der seite, gut geschrieben. doch was heisst denn bitte schön, dass die us-administration weiss, dass gewalt nur gegengewalt erzeugt? im realen leben ist das sicherlich richtig, doch aber nicht in bezug auf die selbst gegründete cia-aussenstelle al-kaida. selbst hier in D posaunt man aus allen propagandarohren, dass wir ja so bedroht sind. man müsse ja ganz schnell die im jahre 2011 ablaufenden terrorgesetze verlängern, am liebsten unbefristet. und jetzt erst recht, da ja die phantomtruppe nun vergeltungsmassnahmen üben könnte, da ihr chef nun angeblich gelyncht wurde (wers glaubt...)

hätte man ObL nach Den Haag verfrachtet, dann aber bitte nicht wegen dem 9/11. diesen beweis ist man noch heute der öffentlichkeit schuldig geblieben, dass er der angebliche drahtzieher war. dazu gibt es in der tat eine menge seriöse recherchen.
man hätte ihn, wie hier auf der HP des FBI dargestellt ( http://www.fbi.gov/wanted/topten/usama-bin-laden ) , höchstens wegen den dort aufgezählten verbrechen vor gericht zerren dürfen. 9/11 fehlt da irgendwie wegen beweismangel (o.ton fbi) aber auch das interessiert ja niemanden von den hofberichterstattern und der konzernpresse. es ist ekelhaft wie hier der westen seit 2001 agiert, wohl wissend, dass hier alles erstunken und erlogen ist. die durch die kriege der usa verursachten opferzahlen in bspw. afghanistan und irak, zählen scheinbar nicht oder werden ObL auch noch angelastet.

merkel sollte man nach ihren eigenen geäusserten wertverständnis behandeln. festnahme und ohne verhandlung einknasten. und damit wäre sie, ginge es nach ihr, noch gut bedient. denn wie auch hier erwähnt, scheint der hosenanzug aus der uckermark nicht viel von rechtstaatlichkeit zu halten. gut, gelernt ist eben gelernt....

Anonym 3. Mai 2011 um 15:52  

Lieber kwon! Auch ich bin im Osten aufgewachsen und erzogen worden. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich mich für diese Frau schäme. Sie repräsentiert in keiner Weise die Mehrheit der Ostdeutschen! Bitte lass in Zukunft diese Querverweise.

udo haupert 3. Mai 2011 um 16:01  

Für alle, die mehr tun wollen, als nur Dampf ablassen:


Offener Brief 1

Frau Merkel,
mit Ihrer Aussage, sie seien froh über den Tod (eigentlich: die Ermordung) Usama bin Ladens, haben Sie öffentlich demonstriert, dass Sie des von Ihnen ausgeübten Amtes unwürdig sind. Sie missachten damit das Grundgesetz der BRD, dass zu schützen und zu bewahren Sie geschworen haben. Auch die Deklaration der Menschenrechte und das Völkerrecht scheren Sie nicht. Ich fordere Sie daher auf, unverzüglich Ihr Regierungsamt niederzulegen.

Mein Name



Offener brief 2

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Wulff,

Frau Merkel hat mit Ihrer Aussage, sie sei froh über den Tod (eigentlich: die Ermordung) Usama bin Ladens, öffentlich demonstriert, dass sie des von ihr ausgeübten Amtes unwürdig ist. Sie missachtet damit das Grundgesetz der BRD, dass zu schützen und zu bewahren sie geschworen hat. Auch die Deklaration der Menschenrechte und das Völkerrecht scheren sie nicht. Sie hat damit gezeigt, dass sie unwürdig ist, in Deutschland ein Regierungsamt auszuüben. Ich fordere Sie daher auf, sie unverzüglich ihres Regierungsamtes zu entheben.

Mit freundlichen Grüssen

Mein Name

landbewohner 3. Mai 2011 um 16:53  

WOHLTUENDER KOMMENTAR im gegensatz zu all dem verlogenen gesülze von merkels und politologen und rechtswissenschaftlern. man stelle sich einmal vor, jeder staat würde killerkommandos um die welt schicken und potentielle gegner, feinde etc. einfach mal so ermorden lassen. anschliessender jubel total ausrastender volksmassen inclusive.
zivilisiert kann man das kaum nennen.

Anonym 3. Mai 2011 um 17:36  

@ Landbewohner

Gewisse Staaten dürfen das. Eines davon unter dem Vetomantel der USA.

willi 3. Mai 2011 um 21:04  

Kann dir nur beipflichten. Das in Merkels Hosenanzug kein Platz ist für Recht und Gesetz, sondern bestenfalls für Machtgier, hatte sie ja schon bei den Fälschungen des Ölprinzen unter Beweis gestellt, als sie darauf hinwies, sie habe den Mann ja nicht als Doktor eingestellt.
Mit dem Gejohle um den Tod Bin Ladens hat der Westen dem Rest der Welt erneut gezeigt, dass die Hundertausende von Toten im Irak und Afghanistan, die als Vergeltung für die 3000 Toten in den Türme sterben mussten, keineswegs ausreichen, um unsere Rachegelüste zu befriedigen.
Allein das Zahlenverhältnis offenbart die Barbarei, die sich unter der Tünche abendländischer Zivilisiertheit verbirgt.

Was dürfte denn wohl die Antwort sein auf gezielte Tötungsaktionen mittels Drohnen, Bombern oder Killerkommandos sein? Friede? Wohl eher nicht. Ich halte aber die Kriegstreiber nicht für so blöd, dass sie dies nicht wüssten. Im Gegenteil:
Wir bleiben im Krieg und das soll auch so sein.

Anonym 3. Mai 2011 um 21:40  

Bin Laden war unbewaffnet und da konnte man ihnnicht festnehmen? Das war sicher eine Exekution!

Trojanerin 3. Mai 2011 um 21:45  

Mir ging es genauso. Bin Laden war ein Verbrecher und hätte vor ein internationales Gericht gehört.
Trotzdem bin ich völlig befremdet ob der Menschen, die darüber jubelten, weil ein Mensch gestorben ist. Befremdet ist vielleicht nicht das richtige Wort. Ich bin angewidert und bestürzt.
Angela Merkel hat wieder einmal eine ganz schlechte Figur gemacht. Wie die führende Vertreterin einer fortschrittlichen Zivilisation, die Respekt vor dem Leben hat, reagierte sie wahrlich nicht.
Wie kann man auch von ihr etwas anderes erwarten, wo doch auch hierzulande die Menschenwürde so mancher Menschen all zu oft mit Füßen getreten wird.

Anonym 3. Mai 2011 um 22:43  

@Willi: wobei wohl die von Ihnen genannten Hunderttausenden Toten in der überwiegenden Mehrzahl Opfer von Bombenanschlägen von (meist) islamistischen Terrorgruppen sind. Dies im übrigen etwas, das ich gar nicht verstehe, der "heilige" Krieg scheint mehrheitlich eine innerislamlische Angelegenheit zu sein ...

Karl Mosbach 3. Mai 2011 um 22:49  

Wir erleben mit dem Jubel eine sicherlich bedauerliche menschliche Regung. Warum sollte "der Westen" auch gänzlich frei davon sein?
Nie aus den Augen zu verlieren ist der Unterschied zwischen Menschenansammlungen, die sich jubelnd wegen des Ablebens einer Symbolfigur zusammenrotten, und Menschenansammlungen, die sich mit brennenden Fahnen zusammenrotten und in Botschaften brandschatzen - z.b. auf Zeitungskarrikaturen hin...

Anonym 3. Mai 2011 um 23:03  

Danke schön für diesen Beitrag, Roberto! Danke auch an die vielen Kommentatoren hier. Ich zweifelte schon an mir, denn nirgends hört man in Verbindung mit Bin Ladens Ableben kritische Stimmen... schon gar nicht in unseren Medien.

Als ich Mutti Merkel im Fernsehen verkünden hörte, wie glücklich sie sei, dass es gelungen wäre Bin Laden zu töten, war ich fassungslos darüber WAS und WIE sie es sagte.

Dann entdeckte ich das entsprechende Video auf Youtube ( http://www.youtube.com/watch?v=MFY22RpQFJc ) und nach nochmaligem anschauen kann ich nur sagen, dass ich es als _unerträglich_ empfinde, dass sich eine Bundeskanzlerin hinstellt und so etwas äussert!

Wenn man sich ihre Körpersprache anschaut, bekommt man den Eindruck, ihr selbst ist nicht so ganz wohl bei dem was sie da absondert. Widerlich und Menschenverachtend, unsere Mutti.

Armes Deutschland.

Diana

Anonym 3. Mai 2011 um 23:55  

läßt sich dank dieser Entgleisung nicht eine Kampagne gegen Merkel starten? Udo hat schon die Idee, kann man sowas nicht in großen Zeitungsanzeigen machen mit vielen Unterschriften rechtschaffener Bürger. Ich bin dabei, wenn jemand ´ne Idee hat, wie wir eine solche Kampagen ans laufen kriegen.

Schweigsam 4. Mai 2011 um 05:48  

Roberto, ich kann deine Wut nachempfinden. Über den "Mob" in der westlichen Welt kann man nur noch den Kopf schütteln, und fragen was unterscheidet euch von Terroristen? Auge um Auge, Zahn um Zahn und die Menschenheid wird Blind.

Norbert Schnitzler 4. Mai 2011 um 07:25  

Deine Erkenntnis "Der Mob ist immer widerlich" ist ja berechtigt, deinen Pessimismus kann ich in diesem Fall aber nicht teilen. Bedenke, daß der Mob, den du in den USA zu sehen glaubst, doch immerhin über früher vorhandene Grenzen hinweg die Bevölkerung halbwegs verbindet. Es ist nicht mehr der weiße Mob, der sich darüber freute, daß ein Schwarzer aufgehängt wurde, der es gewagt hatte, wählen oder andere Bürgerrechte in Anspruch nehmen zu wollen.

Andererseits sehe ich auch, daß schon wieder die Hardliner, die wohl Osama lieber mit Waterboarding verhören würden, dem Präsidenten vorwerfen, die Meldung zu wenig begeistert vorgetragen zu haben. Die Einigkeit wird also nicht lange anhalten.

In Deutschland ist es aber nicht anders, schon melden sich viele KritikerInnen zu Wort - schau nur mal in die heutigen Presseschauen. Bei den üblichen Verdächtigen (Katrin Göring-Eckardt usw.) reagiere ich ohnehin allergisch, dir nehme ich aber die ehrliche Empörung ab. Nur ist eine spontane Freude über den Tod des Al-Quaida-Leiters 1. nicht das letzte Wort und 2. auch nicht so dramatisch. Schließlich kommt die Aktion, ob es nun eine mißglückte Verhaftung oder eine gezielte Ermordung war, doch einem Tyrannenmord nahe.

Die von Wikileaks veröffentlichten Filme zeigen die wirklichen Verbrechen.
Da wurde nicht abgewogen wie bei Osama Bin Laden, bei dem wohl auch ein Angriff mit Marschflugkörpern oder Drohnen und wesentlich mehr Toten aber ohne Gefährdung eigener Soldaten in Frage gekommen wäre. Sicher hätten wir einem Prozeß gegen Osama entgegenfiebern können - was wäre dabei alles herausgekommen, z.B. über Pakistan? Aber daß es soweit gekommen wäre, ist doch fraglich, und auch das ist m.E. ein größerer Skandal. Bei kleineren Fischen wurde schon ein Prozeß in New York aus "Sicherheitsgründen" bekämpft, und ein bei der Festnahme 16jähriger, der nur mit einer Flugabwehrrakete herumgefahren war, saß länger in Guantanamo als mancher Nazi-Massenmörder nach den Nürnberger Prozessen. Und immerhin war es Angela Merkel, die "unseren" Murat Kurnaz da rausgeholt hat. Frank-Walter Steinmeier hat das nicht für nötig gehalten und sein heutiger parlamentarischer Geschäftsführer Thomas Oppermann verteidigte ihn dafür in einer Weise, daß sogar Wolfgang Bosbach entsetzt war. Ich bin da nachtragend, in diesem Fall zugunsten von Frau Merkel.

Aber dir geht es ja anscheinend nicht um den Getöteten, der gehofft hatte, jetzt seine 72 Seejungfrauen genießen zu können. Sondern darum: "Womit wollen wir eigentlich werben in der Welt?" Das ist ein anderer Ansatz. Zumindest der Aspekt, daß das Handeln zu den moralischen und rechtlichen Grundsätzen passen muß, gefällt mir gut. Mache weiter so!

Der Aspekt des mütterlichen "was sollen denn die Leute denken?" ist aber auch gefährlich. Nicht alles, was man gut findet (insbesondere bei Werten und Menschenrechten), muß als Werbung geeignet sein. Nun wird wohl niemand z.B. Naziübergriffe im Beitrittsgebiet unbedingt als Werbung für Reisen in diese No-Go-Areas betrachten, deshalb versuchte man ja oft, sie herunterzuspielen. Aber in den Niederlanden ist schon diskutiert worden, ob man so argumentieren darf, als sich Übergriffe allochtoner Muslime auf Juden oder auch auf Homosexuelle häuften und man Folgen für den Tourismus fürchtete. Wäre es denn in Ordnung, wenn dadurch mehr Touristen kämen?
Deshalb fände ich die Frage "Wofür und womit wollen wir eigentlich werben in der Welt" besser.

Anonym 4. Mai 2011 um 07:59  

Roberto 13:24: Danke für die Korrektur. Ich hatte die Arithmetik der "Guten" nicht berücksichtigt.

Anonym 4. Mai 2011 um 08:13  

1. Homo proleteus hie wie dort an der Macht oder mit Einfluss oder Leserschaft der nur noch meinungsmachenden Medien.

2. Was erwarten "Sie" von einer Kanzlerin in einem Land, in dem friedliche BürgerInnen, die in Stuttgart protestieren, mit Wasserwerfern be-handelt und/ oder kriminalisiert werden?!

2a. In China erhält ein sog. Dissident den Friedennobelpreis, wenn er etwas gegen die dortige Regierung sagt. Assange wird hier wegen Wikileaks geschasst. Wie kommt das?

2b. Hat Obama den Friedensnobelpreis nicht zu recht bekommen? Wer sitzt eigentlich alles im Nobelpreiskomitee?

2c. Die G7, G8, G 20 werden so gesehen und behandelt als seien sie ein völkerrechtlich legales und legitimes Gremium mit weitreichender Entscheidungsbefugnis, die selbst die UNO in den Schatten stellt. Und kaum einer merkt's.

3. Wir haben diese Länder ausgebeutet bzw. runtergewirtschaft u.a. mit unserem Export (auch von Arbeitslosigkeit). Wenn die Leute dort nicht mehr weiterwissen, zu Piraten mutieren, um ihre Liebsten vor dem Verhungern zu schützen, schicken "Wir" unsere Armada, um diese "Verbrecher" zu bekämpfen und unsere Traumschiff-Touristen, die dort nichts zu suchen haben, zu beschützen. Unsere Bundeswehr hat ja sonst nichts zu tun.

(Anmerkung: Ich möchte nicht das Verhalten der sog. 'Piraten' entschuldigen, jedoch kann ich es durchaus begreifen/ nachvollziehen.)

4. Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich verurteile die Anschläge des 11. September u.a..
Sollten wir jedoch nicht langsam auch in diesem Bereich nicht aufhören, Symptome zu bekämpfen und stattdessen mal langsam an die Ursachen herangehen.

5. Wovon soll diese Aktion zu diesem Zeitpunkt eigentlich wieder ablenken?
Von der desolaten Wirtschaftssituation hier wie dort, von der Unfähigkeit ordentliche Erwerbsarbeitsplätze zu schaffen hier wie dort, von der eigenen Angst, nicht wiedergewählt zu werden hier wie dort, usw..

6. Je älter ich werde, desto mehr frage ich mich, warum wir es nicht allmählich schaffen, uns nicht mehr wie die 'Affen auf den Bäumen' zu verhalten.

7. Ist das alles (Verhalten, Symptome, deren Ursachen) das Ergebnis unserer Bildung, unserer Schulen, Kirchen, (Elite)Universitäten?

8. Und täglich grüßt das Murmeltier ... in stets etwas abgewandeltem Gewande ... aus Plastik.

9. Und was das Verhalten einer christlichen Kanzlerin/ Partei anbelangt. Das Christentum bzw. Kirchentum fast jeglicher Art hier wie dort ist das Marketing für unbändige Machtgelüste, die nur dahinter versteckt werden.

Anonym 4. Mai 2011 um 11:23  

Der richtige Ansatz, Roberto. Mob macht nie eine schöne Figur, egal, ob auf der Straße oder in Regierungsverantwortung. Mir treibt es die Schamesröte ins Gesicht, wenn ich an Merkel denke, die entwickelt sich immer mehr zum Monster. Aber wetten, dass wieder mal eine Mehrheit der Deutschen die wiederwählt?

Anonym 4. Mai 2011 um 13:03  

Warum diese Geknicktheit über den Tod bin Ladens in den deutschen Medien?, fragt Jörg Lau in der ZEIT in einem quasi Gegenentwurf zu Robertos Artikel. Dieser Tod nützt der arabischen Demokratiebewegung: "Der Tod des Massenmörders ist Wasser auf ihre Mühlen: Neben den Tyrannen und Autokraten wird nun noch ein Fluch von der islamischen Welt genommen - die Gegen-Tyrannei des religiösen Faschismus bin Ladens. Wie kann man darüber keine Freude empfinden?"

http://blog.zeit.de/joerglau/2011/05/03/ist-bin-ladens-tod-kein-grund-zum-jubeln_4863

Anonym 4. Mai 2011 um 19:08  

Nachtrag zu heute, 08:13 Uhr:

10. Frau M. ist garantiert nicht blöde. Sie hat ihre 'Freude' bewusst verkündet. Warum?:

Wenn Sie ihre Freude verkündet, wird dies von vielen Anhängern Bin Ladens als Provokation verstanden werden. Rache-Terrorakte für diese Bemerkung werden wohl in weitere Anschläge in unseren Landen münden.

Und wozu sind Anschläge nütze?:
Na zum Ablenken von innländischen und anderen globalen Problemen. Davon, dass unsere Politik z. B. in Hinblick auf die sog. Finankrise nicht mehr weiterweiß, immer noch nicht die Finanzmärkte reguliert, usw..
Davon, dass sie nicht wissen, wie ordentliche Erwerbsarbeitsplätze geschaffen werden können. Abgelenkt von der Forderung nach Mindestlöhnen, denn das Völkchen wäre ja mit dem Überleben und der eigenen Prävention beschäftigt.

Durch Anschläge und das danach aufkommende Medienspektakel, die Angst der Noch-nciht-Betroffenen usw. würde das Völkchen so manches schlucken, weil es dann vor lauter Terrorpräventionen und -akten überhaupt nicht mehr zum Nachdenken käme (Stichworte: Datenschutz, Aufrüstung, Waffenexporte, usw.).

Nee, Frau M. und andere wissen genau, was sie tun, wenn sie ihre 'Freude' verkünden. Sie wollen von sich als Zielscheibe ablenken.

Ach ja: Der Zulauf zur Berufsbundeswehr wäre vermutlich auch noch höher, denn dann kann das jüngere Völkchen Heldentum spielen. Die Arbeitslosenstatistik würde dabei weiter sinken, usw. usw.

PS: Den größten Schaden könnten sog. Terroristen in Deutschland anrichten, wenn sie NICHT mit Attentaten auf diese 'Freude' reagieren, denn dann würde das deutsche Volk so manches selber ent-decken können, was bei uns so alles nicht stimmt

Nemo 4. Mai 2011 um 19:56  

Es fällt wahrscheinlich in der heutigen Zeit gar niemandem mehr auf, aber ist es nicht erstaunlich, dass sich ein wegen mehrtausendfachen Mordes offiziell von der UNO zur Verhaftung ausgeschriebener Verbrecher gegen seine Festnahme wehrt und man in Deutschland einzig und allein die Begleitumstände kritisiert?

Anonym 5. Mai 2011 um 09:50  

Nachtrag zu 04.05. 19:08 Uhr:

10a) Und sollte eine Frau M. & Co. doch selber einem Attentat zum Opfer fallen (was ich ihr und uns nicht wünsche) und dieses überleben, ihr würde vom inländischen Nützlings-Volk der Heiligenschein aufgesetzt werden ... und alles ginge wieder von vorne los bzw. weiter wie bisher ... ob mit Merkel in Amt und Würden oder ohne sie. Merkels gibt es so viele wie es Christen und andere Kirchlinge gibt.

Anonym 9. Mai 2011 um 13:35  

Man spricht mit dieser Bekundung der Freude über Bin Ladens Tot eben auch mal die Sprache der Anderen. Wenn das nicht der Völkerverständigung dient?
In islamischen Staaten ziehen sofort jubelnde Menschenscharen über die Straßen, sobald es im Westen irgendwo brennt. Warum sollte man nicht für die Menschen verständlicher werden, indem man ihre Sprache spricht?

Anonym 9. Mai 2011 um 15:03  

Es ist wirklich sehr arm, was die meißten hier von sich geben!
Was ihr wirklich gut könnt ist euch beschweren, zu nörgeln, zu ningeln, zu hetzen, - Sätze auf die "Goldwaage" legen!

Werdet doch selbst Kanzler, dann könnt ihr es in Zukunft besser machen.


mfg

Roberto J. De Lapuente 9. Mai 2011 um 15:16  

Lach! Genau! Amen!

Anonym 11. Mai 2011 um 15:30  

Bei einer Verhaftung Bin Ladens hätte man mit Geiselnahmen von Seiten Al-Qaidas rechnen müssen, um ihn freizupressen.
Es ist die alte und immer wiederkehrende Frage, ob man mit Prinzipien brechen und ein kleineres Übel in Kauf nehmen soll um ein größeres zu verhindern.
Die Welt funktioniert nun mal nicht mit geradlinigem Durchziehen von Prinzipien. Jeder Mensch kann das ja an sich selbst sehen:
"Bis zu 200 Mal am Tag behelfen wir uns mit großen und kleinen Lügen durch den Alltag."
www.3sat.de/page/?source=/nano/bstuecke/09381/index.html

Es ist daher von geradezu monströser Vermessenheit, von anderen etwas anderes als von sich selbst zu erwarten.

Roberto J. De Lapuente 11. Mai 2011 um 17:39  

Wir können also guten Gewissens die Rechtstaatlichkeit entkräften, weil wir als Menschen hin und wieder lügen?

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