Was ein kritischer Journalist fragen könnte

Donnerstag, 5. Mai 2011

Müssen kritische Journalisten nicht ungeduldig mit den Füßen scharren, wenn man sie mit unausgegorenen Geschichten abspeist? Ist es nicht ein Affront gegen den Journalismus, wenn ein Geheimdienstchef vor die Presse tritt und verkündet, man hätte den Terrorpapst ja festgenommen, wenn er sich nur nicht gewehrt hätte? Und das, obwohl gleichzeitig betont wird, dass dieser gar nicht bewaffnet war, als man ihn in seinem Versteck aufstöberte? Wird die ganze Fadenscheinigkeit der Story nicht unerträglich, wenn man den Berichten folgt, die jahrelang gestreut wurden - und das unter anderem vom besagten Geheimdienst selbst?

Es sollen 79 - in Worten: neunundsiebzig! - Soldaten eines Spezialkommandos gewesen sein, die Usama Bin Ladin hochgehen ließen. Dieser habe sich, ohne bewaffnet zu sein nochmals angemerkt, nicht anstandslos gefangen nehmen lassen und habe sich, dreist wie eh und je, dagegen gewehrt. Daraufhin wurde ein Kopfschuss nötig. Die ersten beiden Fragen eines kritischen Journalisten müssten lauten: Warum in den Kopf? Warum nicht, wie beispielsweise in der polizeilichen Praxis üblich, ein Schuss in den Oberschenkel oder in die Wade, um den Delinquenten ruhig zu stellen? Danach könnte man als Journalist, der gerade gut in Fahrt ist, nachlegen und fragen: Wieso schaffen es 79 Soldaten einer Spezialeinheit eigentlich durch bloße "Handarbeit" nicht, einen einzigen Mann in Gefangenschaft zu nehmen? Werden denn Soldaten aus Spezialeinheiten nicht in allerlei Kampftechniken geschult?

Man könnte die Fragenstellung auch noch etwas verfeinern und zum Beispiel vor eine Frage einige Vermutungen setzen, die dann ein neues Licht auf die am Ende gesetzte Frage würfen: Bin Ladin war höchstwahrscheinlich ein verbrauchter Mann, denn er wurde zehn Jahre lang verfolgt und musste sich stets versteckt halten. Zudem mussten sich die ersten Zipperlein des Alters bemerkbar machen bei diesem Mittfünfziger, der kein geordnetes Leben fristen konnte. Frage also: Warum bändigen 79 Soldaten diesen gebrechlichen Mann nicht, der fast schon eher ein Greis war, denn ein Mann im besten Alter? Und kramte ein kritischer Journalist in den Berichten der letzten Dekade, so würde er immer wieder auf Artikel stoßen, in denen von einer Krankheit Bin Ladins erzählt wurde. Selbst das CIA glaubte schon zu Anfangszeiten der Jagd, dass Bin Ladin ein Dialysegerät mit sich führe, weil er unter chronischem Nierenversagen leide. Außerdem habe er womöglich noch andere Gebrechen aufzuweisen, las man quer durch den internationalen Blätterwald. Man sah Videoaufzeichnungen, in denen uns ein Mensch als Usama Bin Ladin präsentiert wurde, der humpelnd am Stock lief und nicht gerade den Eindruck bester Gesundheit machte. Müsste die logische Konsequenz daraus nicht als Frage daherkommen? Nämlich: Kann man einen schwer kranken Mann nicht mit einigen Fausthieben außer Gefecht setzen? Sind Dialysepatienten denn so kraftvoll, dass es eines Kopfschusses bedarf, um sie zu zähmen?

Und wenn genug kritische Fragen gestellt wurden, dann könnte ein Journalist, der etwas auf sich hielte und dem die Wahrheit wichtiger ist als die political correctness - und sein Job -, ein Fazit ziehen. Vielleicht so: Die Ergreifung Usama Bin Ladins war nie als Ergreifung gedacht - sie war eine gezielte Tötungsaktion. Usama Bin Ladin war ein Verbrecher, aber der Umstand, dass man ihn schwächlich und unbewaffnet auffand, hätte dazu führen müssen, ihn einem internationalen Gericht zu übergeben. Die militärische und politische Administration der Vereinigten Staaten hat jene Menschenwürde mit Füßen getreten, von der Usama Bin Ladin nichts hielt und weswegen man ihn gejagt hatte - sie hat sich mit dem Täter gemein gemacht und dessen Spielregeln aufgegriffen; sie hat verbrecherische Rachegelüste zur politischen Maxime erkoren, um einen Verbrecher auszuschalten. Für einen Terroristen sind solche Mittel normal - für eine Demokratie, die die Vereinigten Staaten sein wollen, ist es ein Akt, der eigentlich in eine Staatskrise münden müsste.

Das könnte ein kritischer Journalist kurz vor seiner Entlassung noch schreiben - ob es aber gedruckt würde? Stattdessen schreiben es Weblogs und erledigen das, was der Journalismus immer mehr verpasst, als Hure der (Welt-)Politik der er ist, mit laienhafter Wahrheitsliebe...



20 Kommentare:

christophe 5. Mai 2011 um 07:22  

Bei der ganzen Angelegenheit wird vergessen, dass es sich hier um einen innenpolitischen Akt der USA handelt. Der Wahlkampf hat begonnen und man braucht dringend Argumente, um den Kostenfaktor Afghanisten aufzugeben. Dabei ist es völlig unerheblich, ob bin Laden wirklich tot, schon länger tot oder tatsächlich am Montag exekutiert worden ist. Die Wahrheit wird man wohl nie erfahren, wenn es nicht geziehlte Indiskretionen geben sollte.

Anonym 5. Mai 2011 um 07:35  

Ich setze einfach mal einen passenden Kommentar dazu ein. Wiglaf Droste in "Junge Welt":
http://www.jungewelt.de/2011/05-05/023.php

Anonym 5. Mai 2011 um 07:51  

Wenn es stimmt, dass anschließend das ganze Haus niedergebrannt wurde, dürften bei mir die Alarmsirenen schrillen.

daMax 5. Mai 2011 um 08:08  

Schau mal, was Johannes Boie von der SZ dazu schreibt:

http://blogs.sueddeutsche.de/schaltzentrale/2011/05/04/ach-nee-doch-nicht/

Frank 5. Mai 2011 um 09:07  

Ich denke mal, in der derzeitig in der deutschen Medienöffentlichkeit vorherrschenden Stimmung ("USA böse, ohnehin schon immer böse gewesen. Bin Laden auch böse, aber der hat ja nichts mehr zu sagen.") bedarf es keinen großen Mutes, diese Fragen zu stellen. Es wird auch kein Journalist entlassen, wenn er sie stellt. Allerdings fehlt mir bei den Fragen doch etwas die Ergebnisoffenheit. So mahnt der Autor an, die SEALs hätten bei ihrer Attacke die Einsatzregeln für Polizeieinsätze beachten müssen. Was, wenn es gar kein Polizeieinsatz war, sondern ein militärischer Einsatz? Schließlich hat die USA Soldaten geschickt, keine FBI- oder CIA-Agenten. Dafür spricht auch, dass Bin Laden der USA den Krieg erklärt und Angriffe auf ihre Einrichtungen angeordnet hat. Dafür spricht, dass sowohl Bush als auch Obama mehrfach betont haben, Amerika befände sich in einem Krieg gegen den Terror. Es gibt keine Kapitulation, keinen Waffenstillstand, keinen Friedensvertrag. Und Bin Laden ist als Oberbefehlshaber der gegnerischen Kräfte permanenter Kombattant. Der darf nur dann *nicht* erschossen werden, wenn er sich erkennbar ergeben hat oder wenn er sich bereits in Gewahrsam befand (Kriegsgefangene, die zu fliehen versuchen, dürfen deswegen nicht getötet werden).

Die nächsten kritischen Fragen: Soso, 79 Soldaten sollen also dabei gewesen sein? Wie sollen die dann alle auf das Gelände gekommen sein, mit nur zwei Kampfhubschraubern? Und wie stellt sich der Autor den Rückzug vor, nachdem ein Hubschrauber ausfiel und aufgegeben werden musste? Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass der Kampfauftrag lautete: "Ziel angreifen, ausschalten, Beweise sichern, dass es Bin Laden ist, Bin Laden festnehmen, wenn er sich ergibt, sonst umbringen. Auf jeden Fall zurückkommen, niemanden zurücklassen." Das ist so in einem Krieg. Und die USA hat diesen Krieg nicht begonnen. Es mag sein, dass der US-Präsident mit diesem Einsatz auch die Botschaft ausstreuen wollte: "Wer uns angreift, wird dabei drauf gehen." Unsere Soldaten in Afghanistan würden sich vielleicht freuen, wenn ein deutscher Politiker den Schneid hätte, ebenfalls eine solche Botschaft an ihre Feinde zu senden - oder die Soldaten morgen früh in ein Flugzeug nach hause zu setzen.

Cygnus 5. Mai 2011 um 09:53  

Es offenbart sich nicht nur in der US-Lynchaktion, sondern auch im Bekenntnis der Freude unserer Kanzlerin über die Hinrichtung:

Al Qaida triumphiert. Der islamistische Terrorismus hat "den Westen" nun endgültig moralisch dort, wo er ihn haben will — auf Augenhöhe!

Anonym 5. Mai 2011 um 10:03  

Ich kann nur noch den Kopf schütteln und zynisch feststellen, dass Bin Laden sogar zwei mal sterben konnte. Das ist doch was.

Anonym 5. Mai 2011 um 10:56  

"Was ein kritischer Journalist fragen könnte"(R.Lapuente)

Einen wirklich (wenn auch "bürgerlichen")kritischen, guten Journalisten, Peter Scholl-Latour sehe ich vor meinem geistigen Auge einfach nur grinsen, grinsen, grinsen....

MfG Bakunin

Anonym 5. Mai 2011 um 11:05  

Lieber Roberto,

der Einfachheit halber hier gleich noch mal der Kommentar, den ich heute früh für den Offinger Freidenker geschrieben habe.
Um es vorwegzunehmen: Auch ich bin gegen Lynchmorde. Dennoch glaube ich, die allermeisten Zeitungsartikel und Blogs, die sich über Osama Bin Ladens gewaltsamen Tod und Merkels beschämend kriecherischen Beifall empören, zäumen das Pferd von hinten auf.
Mein Bauchgefühl sagt mir: Komisch, sehr, sehr komisch, dass die Mainstream-Medien diese ganze Story treuherzig im Indikativ berichten: „ist erschossen worden“ statt des üblichen „soll angeblich – wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet...“ Auch Wikipedia übrigens: „Am 1. Mai 2011 ließ ... (Präsident Obama) den Al-Qaida-Führer Osama bin Laden in Abbottabad, Pakistan, durch ein Spezialkommando der Navy Seals erschießen.“
Da das getürkte Foto vom erschossenen Osama Bin Laden – übrigens ein echtes Photoshop-Desaster! – aber dummerweise schon seit dem 15. April durchs Web schwirrt, das bekanntlich nichts vergisst, mussten sich die Dienste von dieser blutrünstigen Illustration schleunigst distanzieren.
Das alles deutet darauf hin, dass die Redakteure die Vollzugsmeldung interessierter Geheimdienste ohne eigene Recherche abgetippt haben. Die Frage bleibt aber: Sagen die beteiligten Dienste die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit?
Das bezweifle ich.
Ich selber glaube, David Ray Griffin hat recht mit seiner (in „Osama Bin Laden – Dead or Alive“, Arris Book 2009) schlüssig belegten Vermutung, dass dieser (wirklich nur bis zum Abzug der russischen Besatzung aus Afghanistan aktive? Oder vielleicht doch bis zuletzt in US-Diensten stehende...?) CIA-Agent schon Mitte Dezember 2001 seinem schweren Nierenleiden erlegen ist – und übrigens bis dahin jede Beteiligung am 9/11-Anschlag mit Nachdruck bestritten hat.
Erst nach dem 13. Dezember 2001 bekannte sich ein mäßig osamaähnliches (dickeres, jüngeres, knubbelnasigeres) Individuum enthusiastisch zu sämtlichen ihm zur Last gelegten Untaten... ohne doch das FBI soweit zu überzeugen, dass deren „Wanted“-Aufruf (in dem 9/11 bekanntlich gar nicht vorkommt) entsprechend aktualisiert worden wäre. (So geht das leider, wenn man am falschen Ende – hier: an der Schauspielergage – spart; ein gewisser Herr von und zu könnte wohl ein ähnlich trauriges Lied vom billigsten aller Ghostwriter singen).
Nun ist es anscheinend an der Zeit, den künstlich am Leben erhaltenen Popanz ganz offiziell in einem nassen Grab zur letzten Ruhe zu betten, um dem nach ungünstigem Midterm-Wahlausgang geschwächten und entsprechend zahmen Präsidenten Obama die Wiederwahl zu ermöglichen.
Die Frage „Aber warum denn Obama und nicht gleich Sarah Palin?“ beantworte ich mal (in Analogie zu Schröder vs. Kohl): Weil ein afroamerikanischer demokratischer Präsident seinem Volk Zumutungen plausibel machen kann, an denen eine strunzdumme Republikanerin jämmerlich scheitern würde.

Saby

denkbonus 5. Mai 2011 um 12:20  

Nachdem das erste Todesfoto Bin Ladens sich eindeutig als Fake, zusammengesetzt aus zwei unterschiedlichen Konterfeis, herausstellte, entschied Obama (nicht Osama), dass das Foto des toten Osama (nicht Obama) nicht veröffentlicht würde. Zu grausam, unzumutbar. Mein Gott, ich frage mich ja ehrlich, wie oft die den armen Kerl noch umbringen wollen.

Till 5. Mai 2011 um 12:26  

Ich bin froh, dass man wenigstens hier mit Verschwörungstheorien die Füsse stillhält und einfach mal abwartet, was an weiteren Informationen zutage tritt.
Es macht für uns ja keinen Unterschied, ob man sich jetzt ein Bild der Lage macht oder rückblickend in ein paar Monaten.
Warum jetzt schon versuchen, die Sache umfassend zu bewerten? Gibt es dafür irgendeinen Grund?

Anonym 5. Mai 2011 um 12:27  

Danke für diesen Artikel. Die widersprüchlichen Informationen, die nachträglichen Korrekturen, von denen man sich fragt, warum sie nötig waren, wenn die Sache klar war, die Ungereimtheiten jeder Art innerhalb dessen, was die US-Administration selbst verlauten ließ und lässt, legen nahe, dass es sich schlicht um eine Hinrichtung handelte, die man ein bisschen mit einer fiktiven Festnahmemöglichkeit kaschieren will. Die Glaubwürdigkeit der Administration liegt in der Nähe von Guttenberg u.ä.
Diese Aktion dürfte als Rache- und Strafakt primär dem Wahlkampf des Friedensnobelpreisträgers verpflichtet sein. Die Überlegungen, es sei alles rechtens, weil Krieg erklärt usw., halte ich für irrelevant, es ist juristischer Hokuspokus, der vom Inhaltlichen ablenkt, und der nach Belieben eingereichtet werden kann. Eine Gesellschaft, die behauptet, bestimmte rechtsstaatliche und humane Prinzipien zu vertreten, muss sich daran halten. Das gilt um so mehr, als es sehr unwahrscheinlich erscheint, dass Bin Laden von seinem Versteck noch irgendwelche relevanten Führungsaktivitäten entfaltete. Also auch ein präventives Argument ist nicht überzeugend.
Wahrscheinlich gibt es im Übrigen zwischen den Befürwortern der Hinrichtung bzw. Freudigen und den Befürwortern von Folter, den Adepten der Todesstrafe, denen, die eine Diktatur gegebenenfalls für hilfreich halten, usw. eine starke Überlappung. Es ist ein Typus Mensch, von dem in den nationalen und weltweiten Konflikten der Zukunft nichts Gutes zu erwarten steht.

Anonym 5. Mai 2011 um 13:20  

Bei einer Verhaftung Bin Ladens hätte man mit Geiselnahmen von Seiten Al-Qaidas rechnen müssen, um ihn freizupressen.
Es ist die alte und immer wiederkehrende Frage, ob man mit Prinzipien brechen und ein kleineres Übel in Kauf nehmen soll um ein größeres zu verhindern.
Die Welt funktioniert nun mal nicht mit geradlinigem Durchziehen von Prinzipien. Jeder Mensch kann das ja an sich selbst sehen:
"Bis zu 200 Mal am Tag behelfen wir uns mit großen und kleinen Lügen durch den Alltag."
www.3sat.de/page/?source=/nano/bstuecke/09381/index.html

Es ist daher von geradezu monströser Vermessenheit, von anderen etwas anderes als von sich selbst zu erwarten.

martin 5. Mai 2011 um 14:09  

Vermutlich hat Bin Laden mit Kastanien geworfen. Das erklärt auch den Schuss durchs Auge.

Anonym 5. Mai 2011 um 18:31  

Heute interessantes gesehen, ein Journalist hat Nachbarn des Hauses interviewt in welchem Osama Bin Laden ermordet wurde - heute redet die USA auf einmal davon, dass Osama Bin Laden eine Waffe neben dem Bett gehabt haben soll, seltsam, aber dies ist ein anderes Thema, denn eigentlich wollte ich auf etwas anderes hinaus -
Ein Fanatiker trat auf, der meinte, dass Osama Bin Laden nicht in diesem Haus gewohnt haben soll, und die üblichen Taliban-Sprüche losließ. In diesem pakistanischen Ort sei der Mann aber als Fanatiker bekannt, und ein anderer Nachbar wies diesen Fanatiker und sein unqualifiziertes Gerede zurecht, aber eine Tatsache bestätigte auch er: Osama Bin Laden soll nicht in diesem Haus gewohnt haben, auch andere, nichtfanatische, Nachbarn bestätigten, dass sie Osama Bin Laden nie gesehen hätten - in Persona. Tja, nun stellt sich mir die Frage: Wer lügt hier? Oder ist Osama Bin Laden gar so plastisch verändert worden, dass er nicht einmal für seine eigenen Anhänger als Osama Bin Laden erkennbar war. Zutritt zum Haus erhielt übrigens dieser westliche Journalist nicht, was Spekulationen Tür und Tor öffnet.
Wetten, dass nun die ersten kommen und behaupten, die USA hätten einen anderen erschossen und Osama Bin Laden wäre noch am leben? Wundern würde es mich nicht, wenn man die Nachbarn - einen fanatischen stadtbekannten Taliban und die nichtfanatischen - hört. Vielleicht wäre ein Beweis doch besser? Um solche Lügenmärchen zu entlarven. Oder?

Anton Chigurh 5. Mai 2011 um 19:25  

Die Nummer mit der Entrüstung über das Abknallen des Hernn Bin Ladin kann man sich getrost schenken.
Es gab vor diesem Indianerüberfall schon dutzende Ereignisse und Vorgänge, die eine ethisch/moralische Bewertung von Handlungen seitens der Amerikaner nötig gemacht hätten.
Der Drops von der "Gerechten Sache" ist doch schon seit Jahrzehnten gelutscht. Man muss da nicht mal Korea, Vietnam, Mittelamerika und Irak als Eckpfosten für den zu errichtenden Moralgalgen nehmen.
Die Aussage eines einzelnen einflussreichen republikanischen Abgeordneten in dieser Woche reicht völlig aus, um die ganze Illusion von Gerechtigkeit und Demokratie ad absurdum zu führen. Dieser Knallkörper hat nämlich konstatiert, dass Folterungen eine gerechte Sache seien.
Mehr muss man dann gar nicht mehr hören, oder ?
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind in ihrem Handeln als moralische Instanz genau so geeignet, wie Lothar Matthäus als Leiter eines Mädcheninternats.

Manul 6. Mai 2011 um 01:52  

Es ist wie im Mittelalter, bloß mit einem modernen Anstrich. Wir kämpfen auf Kreuzzügen gegen Ungläubige und wenn wir sie gefasst haben, dann werden ihre abgeschlagenen Köpfe den Massen gezeigt. Ich finde es irgendwie gruselig.

Anonym 6. Mai 2011 um 10:14  

Ken Jebsen über den von den US-Militärs verkündeten Tod O.B. Ladens mit kleinem Schönheitsfehler:

http://youtu.be/sY6gr1kBt38

TaiFei 6. Mai 2011 um 10:56  

@ Frank
"Soso, 79 Soldaten sollen also dabei gewesen sein? Wie sollen die dann alle auf das Gelände gekommen sein, mit nur zwei Kampfhubschraubern? Und wie stellt sich der Autor den Rückzug vor, nachdem ein Hubschrauber ausfiel und aufgegeben werden musste? Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass der Kampfauftrag lautete: "Ziel angreifen, ausschalten, Beweise sichern, dass es Bin Laden ist, Bin Laden festnehmen, wenn er sich ergibt, sonst umbringen. Auf jeden Fall zurückkommen, niemanden zurücklassen." Das ist so in einem Krieg"
Ist mir in dem Zusammenhang neu, dass Pakistan ein offizieller Kriegsschauplatz ist. Stellt sich also die Frage wozu ein taktischer Rückzug von "feindlichem Territorium" notwendig gewesen sein soll.
Ferner wurden sowohl Al Qaida- also auch Taliban-Mitglieder von den USA nie als Kombattanten anerkannt, sonst hätte man sich ja auch an Konventionen für Kriegsgefangene halten müssen und Guantanamo wäre jede auch nur halbwegs gültige Rechtsbasis entzogen.

epikur 9. Mai 2011 um 11:40  

Kritische Journalisten, die etablierte Privilegien und Medien-Mechanismen in Frage stellen, sind nicht erwünscht und werden kalt gestellt.

Wie man bei offensichtlichen Gleichschaltungstendenzen der bürgerlichen Medien, bei wirtschaftlicher Abhängigkeit von Anzeigenkunden, bei Kumpanei, Filz und Gefallen-Journalismus, bei Falschmeldungen, Lügen, Verzerrungen, einseitiger Berichterstattung, das dumpfe Abschreiben von Nachrichtenagenturen-Meldungen, gezielter Inszenierung, Agenda-Setting. Meinungsmache usw. usf. von "vierter Gewalt" noch sprechen kann, ist mir schleierhaft.

Vielleicht war der Journalismus in Deutschland mal eine Kontrollinstanz, sollte vermitteln und aufklären, das ist aber lange vorbei.

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