Ihre Meinung zu BILD...

Donnerstag, 12. Mai 2011

Das Konzept ist ungemein durchtrieben. Um Eigenwerbung zu betreiben, wirbt die BILD-Zeitung prominente Zeitgenossen an, die frei von der Seele weg etwas zu eben dieser BILD-Zeitung sagen dürfen - gerne auch etwas Negatives. Kritischere Promis lassen sich deshalb auch darauf ein. Denn immerhin erhalten sie damit die Möglichkeit, öffentlich und medienwirksam gegen den Axel Springer Verlag zu schießen - und dabei wie kritische und unbequeme Persönlichkeiten zu wirken. Leider reagieren nicht alle BILD-Gegner wie Judith Holofernes. Im Gegenteil, sie wähnen sich besonders ausgekocht, weil sie glauben, der BILD ein Ei ins Nest zu legen, wenn sie etwas Kritisches absondern - "ist die BILD doch tatsächlich so blöde und erlaubt mir, auf ihren eigenen Seiten gegen sie zu schießen", freuen sie sich dann. In Wirklichkeit geben sie aber der BILD-Zeitung einen selbstkritischen und offenen Anstrich - plötzlich sieht es so aus, als würde man im Hause Springer auf Objektivität achten und auch BILD-Kritiker ernstnehmen und zu Wort kommen lassen.

Könnte man diesen scheinbar faustischen Pakt, der keineswegs dazu führt, dass der werbende Prominente dem Blatt Schaden zufügt, der eher dazu führt, dass er vorgeführt und lächerlich gemacht wird, weil er durch seine kritischen Worte die BILD objektiviert... könnte man diesen Pakt denn wirklich so ausnutzen, dass die Werbekampagne zum Nachteil gereicht? Judith Holofernes' mutige Zeilen waren rigoros - aber selbst die zog die BILD-Redaktion heran, um sie als Werbung zu mißbrauchen. Wie aber sonst vorgehen? Ist es ganz und gar ausgeschlossen, eine solche Anfrage des Axel Springer Verlages so zu verwenden, dass am Ende nicht Objektivität, sondern eine öffentliche Anklage steht?

Wer benötigt würde, wäre ein halbwegs annehmbarer Prominenter, der nicht allzu verdorben wäre vom herrschenden Medienzirkus und seinem Hang dazu, auch eigentlich unpolitische Künstler in Talkrunden zu laden, in denen sie Farbe bekennen sollen. Und es müsste ein halbwegs begehrlicher Mensch sein, der für die BILD-Zeitung einen werbenden Leckerbissen darstellt. Diese Person müsste sich vertraglich versichern lassen, dass seine Äußerung auch wirklich erscheint - er würde sich nicht die Mühe machen, sich etwas zur BILD einfallen zu lassen, nur damit es hernach in der Schublade der PR-Agentur landet, via der BILD an ihre Werbefiguren herantritt. Dann nur ein kurzer Satz vielleicht, der Werbung ist und zugleich Anklage: "Die BILD hat bei der Tötung Rudi Dutschkes mitgewirkt. Sie schrieb damals: 'Man darf über das, was zur Zeit geschieht, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Und man darf auch nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen. Schlafen unsere Richter? Schlafen unsere Politiker?' - Daher lese ich BILD, weil ich wissen will, wer als nächstes dem Volkszorn vorgeworfen, wer als nächstes er- oder angeschossen werden soll!"

Erschiene dieser Ausspruch eines couragierten Prominenten auf Plakaten und zierte Bushaltestellen und Litfaßsäulen, vermutlich würde die BILD-Redaktion nicht davor zurückscheuen, ihn als großes Lob zu stilisieren. BILD zeichnet den politischen Betrieb nicht nur nach, würden sie stolz erklären, BILD macht sogar noch mordsmäßige Politik...


11 Kommentare:

klaus baum 12. Mai 2011 um 07:54  

BILD ist so falsch, dass es da gar nichts Richtiges geben kann.
Erinnert mich an gewisse Prozesse, in denen der Angeklagte, egal was er tut oder sagt, immer schon verloren hat. Gelegentlich läßt man Hoffnung in ihm aufkeimen, es könnte sich zum Besseren wenden. Aber auch das ist nur Schein.

Anonym 12. Mai 2011 um 14:29  

Lieber Roberto,

in der Tat macht BILD mordsmäßige Politik – und das ist höchstwahrscheinlich (neben der allgemeinen Volksverblödung durch Alien-Stories und Promireportagen, Schpocht und primitiven Hurra-Patriotismus, Sex and Crime und verleumderische Hetze gegen Leute, die sich nicht wehren können, wie Asylanten und Hartz-IV-Empfänger) von Beginn an Sinn, Ziel und Zweck dieser sogenannten „Zeitung“.
Worauf ich in diesem Zusammenhang gern verweise, ist der Umstand, dass – wie in Andreas von Bülows „Im Namen des Staates“ (Fußnote 873, Seite 593) ausgeführt – der Pike-Report „bei der Aufzählung der CIA-Gelder zur Verbreitung von Propaganda an Medien in aller Welt ein europäisches Verlagshaus als den größten Geldempfänger (nannte), der seit 1951 gefördert werde (CIA Pike Report, S. 190). Ken Lawrence: The Real Task of the CIA Remains Covert Action, CAIB 35, S. 6, nennt Axel Springer als den rechtslastigen Pressemagnaten in Westdeutschland, der zum Start seines Unternehmens in den fünfziger Jahren rund sieben Mio. Dollar aus geheimen Fonds der CIA erhalten habe.“
Diese Verflechtungen und Abhängigkeiten – wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing! – erklären nicht nur den penetranten Großeinsatz für rechte „Eliten“ in den USA („amerikafreundlich“ wäre hier das falsche Wort, denn es geht dabei ja nie um das Wohl und Wehe des amerikanischen Durchschnittsbürgers), sondern natürlich auch das innige Verhältnis zum BND bei der Bedrohung (womöglich sogar bis hin zur Liquidierung) von Verlagsfeinden und unliebsamen (Ex-)Mitarbeitern, worüber Günther Wallraff alias Hans Esser ja einiges zu berichten wusste.
Ich hoffe allerdings, dass der Auflagenschwund immer weiter voranschreitet, und – toitoitoi – so sieht es ja tatsächlich aus. Ich vermute, die Behauptung des Springerverlags, die Auflage von (laut Bildblog.de) derzeit 2,86 Millionen (statt 4,51 Mio. anno 1998) würde von rund 12 Mio. Lesern gelesen, ist genauso getürkt wie die meisten BILD-Artikel. Wir alle sollten bildlesende Freunde und Bekannte immer wieder darauf hinweisen, dass man sich mit diesem Blatt in der Hand einfach nur „voll peinlich“ macht.

Liebe Grüße
Saby

Anonym 12. Mai 2011 um 14:39  

Sowohl Max Goldt hat öffentlich Vernichtendes und Entgültiges zur Blödzeitung geschrieben, wie auch Gerhard Henschel. Beides sind "Prominente", jedenfalls für mich.
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Ich glaube nicht, dass die Reklameagentur, die diese Schlagersängerin erfolgreich ("Ich glaub, es hackt") angeschrieben hat, sich trauen würde, Max Goldt oder Henschel um Reklame für BLÖD anzubetteln.
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-Jeeves

W. Buck 12. Mai 2011 um 15:01  

Der Versuch durch die BILD der BILD ihre Unredlichkeit vorzuhalten erinnert mich spontan an das altbekannte Paradoxon: Ein Kreter sagt: "Alle Kreter lügen."

Die "Bloßstellung" der BILD kann nie unmittelbar von der BILD geleistet werde. Gut...jeder denkende Mensch muss beim bewussten lesen von allein darauf kommen, das er gerade Meinungsmacher-Müll liest. Derjenige, der allerdings nicht darauf kommt wird die verarsche auch nicht merken wenn auf Seite eins in großen Lettern stehen würde: "BILD verarscht Dich!"

Anonym 12. Mai 2011 um 18:50  

Überflüssiges Gedankenspiel. In dieser Kampagne kann dieses Kampfblatt neoliberaler Propaganda nicht verlieren, selbst dann nicht, wenn man ihr eine Untat abscheulichsten Ausmaßes mit Fußnoten nachweisen würde.

Die Kampagne ist sehr schlau, denn sie zielt auf das Ego der dort (unfreiwillig) werbenden Personen, die denken mit ihrer Kritik sonst wie schlau zu sein.
Holofernes ist das beste Beispiel. Sie ist mir ja sympathisch aber warum nicht einfach die Anfrage in den Müll werfen, sondern auf dem eigenen Blog zu den bereits Bekehrten predigen? Hätte sie mal ihr Studium durchgezogen, hätte sie die Entwicklung sehen können.

Dutschke ist auch ein merkwürdiges Beispiel. Gedankengang beim Leser: „Dutschke? Ah ja, hat irgendwas mit RAF zu tun, passt schon“

Roberto J. De Lapuente 14. Mai 2011 um 10:51  

Bei Blogger gab es Probleme. Daher verschwand dieser Text gestern auch wieder. Leider. Mit ihm verloren sind all die Kommentare, die hier schon abgegeben wurden. Die Kommentatoren sind hiermit aufgerufen, ihre Kommentare bei "Ihre Meinung zu BILD..." nachzureichen. Mich würde es freuen, nachdem ich mich gestern über Blogger/Blogspot geärgert habe.

Anonym 14. Mai 2011 um 15:34  

Der Pöbel gebildet,
stürmisch die Zeit.

Gebt uns Brot und Spiele,
gebt uns Sündenböcke.

Wir lechzen nach Blut.
Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Unser ist Rache und Vergeltung.
Mord erfreut.

gez.
Freiheitlich demokratische Grundordnung mitsamt westlicher Unwertegemeinschaft

Anonym 15. Mai 2011 um 14:45  

Mit Rudi Dutschke anzukommen ist in dem Zusammenhang ganz falsch.
Da werden sofort zwei Reflexe ausgelöst:
1. "Wenn man schon Jahrzehnte zurückgehen muss, um ein Beispiel für die Abwegigkeit von BILD zu finden, dann kann an den Vorwürfen ja nicht viel dran sein."
2. "Da soll der heutigen Redaktion wohl eine Erbschuld der damaligen angelastet werden."
Gerade mit diesem Erbschuld-Ding macht man sich massiv angreifbar.
Also mit diesem Textvorschlag stellt man sich weit ins Abseits, da kann sich die BILD-Zeitung die Hände reiben.

W.W.

Roberto J. De Lapuente 15. Mai 2011 um 16:52  

Erbschuld nicht. Aber die derzeitige Redaktion hat vor einiger Zeit vehement versucht, die Geschehnisse von damals umzudeuten und umzuschreiben. Damit hat sich die Schuld von damals auf sich geladen.

Anonym 15. Mai 2011 um 20:00  

Der Antwortbrief von Frau Holofernes war für sich ja schon ein nettes Stück Eigenwerbung. Aber stimmt schon: Wie geht man mit so einem unmoralischen Angebot um?

Max Goldt wäre ein passender (Semi-)Prominenter, wird aber wohl eher nicht gefragt werden.
Zitat M. G.: "Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun."

Dem ist nichts hinzuzufügen.
Lieben Gruß,
Jan von Hollern

epikur 16. Mai 2011 um 10:56  

"Ihre Meinung zu BILD..." ist doch out. Es lebe BILDLOS! ;-)

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