ad sinistram ist tot

Freitag, 17. Juli 2015

Jetzt ist es wohl passiert: ad sinistram ist tot. Jedenfalls habe ich das Gefühl. Wenn ich sage ad sinistram, dann meine ich nicht unbedingt diese bescheidenen Seiten hier. Ich spreche vom linken politischen Spektrum. Vom »Links um!«. Einen political turn wird es in so naher Zukunft nicht geben. Wir sind festgefahren. Linke Politik ist in Europa nicht durchsetzbar. Nicht unter diesen Vorzeichen. Wir sind als Linke, Humanisten, Egalitaristen oder wie man Alternatives auch immer nennen möchte, in die Defensive gedrängt. Das »Imperium der Schande« setzt seinen Siegeszug fort. Nicht unbedingt als strahlender Sieger - aber egal, es gewinnt letztlich trotzdem. Aber die Linke verliert an Boden - und das in Zeiten, in denen der Boden für linke Perspektiven fruchtbar wäre. Die Linke schabt hierzulande an den zehn Prozent. In anderen Ländern macht sie New Labour. Und kommen doch mal Linke an die Macht, brechen sie beim Druck, den Europa erzeugt, jämmerlich ein.

Der Zeitgeist ist nicht links, wie man das zuweilen liest. Das ist eine Lüge. Der Zeitgeist ist ein Rechter. Kein Faschist mehr. Er hat seine Stiefel abgelegt. Ein Nadelstreifen-Rechter. Die Yuppies haben unsere Epoche nachhaltig geprägt. Mitmenschlichkeit und sozialen Ausgleich haben sie nie gepredigt. Tja, man merkts. Nach deren Paradigma leben wir heute. Arrogant, egoistisch und rücksichtslos. Gemeinschaftsgefühl hat keinen Stellenwert mehr. Nur in Sonntagsreden. Wie kann eigentlich einer, der im Rollstuhl sitzt und auf Hilfe seines Umfeldes angewiesen ist, so wenig Empathie für Menschen haben, die jetzt Hilfe und Perspektiven brauchen?

Die Linke hat es auf dem gesamten Kontinent schwer. Erst eine so schwere Krise des Gemeinwesens hat mal wieder eine linke Regierung, die diesen Namen verdient, an die Spitze eines Staates gespült. Nach dem Sozialismus, den man einst geschaffen hatte, musste man links immer wieder mit diesem Gespenst ringen. Keiner wollte Sowjetmodelle. Verständlich. Und plötzlich war jeder Linke ein Wiedergänger von drüben. Als habe es linke Konzepte hüben nie gegeben. In so einem Klima verliert man Rückhalt. Dennoch muss sich die europäische Linke die Frage gefallen lassen, wieso es nicht klappt mit einer Reaktivierung einer starken Linken in Europa. Woran mangelt es? Sind die Konzepte, die sie vertritt, nicht praktikabel? Oder vermittelt man nicht richtig? Und dann diese ewige Zersplitterung linker Gruppen und Sektierer. Auch so ein Riesenfehler.

Alles was momentan links geschieht, geschieht aus Gründen der Moral. Damit man was tut in Zeiten, da die alternativlose Trostlosigkeit über uns gestülpt wird wie ein luftundurchlässiges Präservativ. Linke Abgeordnete sprechen im Bundestag, obwohl ihnen keiner zuhört. Und sie halten Referenden ab, die einige Tage später kassiert werden. Alles Makulatur. Andere betreiben ein Weblog und schreiben und schreiben und schreiben. Fast täglich. Sie verändern so viel wie alle anderen Linken derzeit: Nichts. Aber man tut es. Weil man muss. Weil es Leidenschaft ist. Man es für richtig erachtet und sich nicht nachsagen lassen will, man sei eingeknickt. Hasta la victoria siempre? Nun gut, wenigstens siempre. Nach victoria sieht es ja nicht gerade aus ...

Wer mag, der darf diese Sinnlosigkeit namens »ad sinistram« natürlich unterstützen. Denn es ist ja nicht so, dass ich jetzt einfach aufhöre. Gerade jetzt nicht! Und ich muss in dieser rechten Welt ja auch Rechnungen begleichen. Das geht entweder per Paypal (siehe rechte Seitenleiste) oder über den gewöhnlichen Bankweg. Meine Kontodaten teile ich auf Nachfrage gerne mit. Herzlichen Dank möchte ich an dieser Stelle mal wieder an alle richten, die mich seit langem unterstützen. Danke auch an alle, die dies künftig tun wollen.

10 Kommentare:

Anonym 17. Juli 2015 um 06:59  

"[...]Wie kann eigentlich einer, der im Rollstuhl sitzt und auf Hilfe seines Umfeldes angewiesen ist, so wenig Empathie für Menschen haben, die jetzt Hilfe und Perspektiven brauchen?[...]"

Ich kann nur aus eigener Erfahrung schreiben: Er ist wohl verbittert, menschenverachtend und ideologisch verblendet - Bis auf die letzten zwei Punkte durfte ich sowas vor Jahren - als es den Zivildienst noch gab - bei einer älteren Rentnerin beobachten, mit der ich von der AWO aus auf Einkaufstour gehen durfte weil der eigene Sohn nicht "fähig" dazu war....obwohl er eigentlich gekonnt hätte....verbittert eben die Frau....und Schäuble war damals schon Rollstuhlfahrer, d.h. ich ahnte schon wohin die Reise mit diesem Mann gehen würde....bis auf die Tatsache dass der wohl etwas mehr Kohle hat als die ältere Rentnerin für bzw. mit der ich als Zivi auf Einkaufstour gehen durfte.

Übrigens frag doch mal nichtbonzenhafte Rollstuhlfahrer was die von Schäuble halten - ich bin mir (fast) sicher der ist bei denen auch mehr als unten durch....

Zynischer Gruß
Bernie

Anonym 17. Juli 2015 um 07:23  

Gibt es noch einen besseren Beweis, dass Wahlen und Volksabstimmungen nichts ändern werden?

Wolfgang Oesters 17. Juli 2015 um 08:18  

Selbst wenn es stimmen sollte, was im Artikel oben steht, nämlich „dass die Linke tot ist“, so bin ich mir doch sicher, dass viel Wichtiges was von der linken Seite her immer wieder ganz besonders betont wurde, nämlich solidarisches Handeln, Fairneß, Rücksichtnahme … weiterleben wird, und zwar so lange es Menschen gibt! - Und obendrein – gerade auch wenn es wirklich stimmen sollte, dass die Linke tot ist, folgt daraus dann nicht auch – dass dann auch rechte Positionen nicht mehr (allzu lange) existieren können, da mit dem Erlöschen eines Teils eines Gegensatzpaares der andere Teil bekanntlich ebenfalls erodieren muß?

"Vielleicht" werden die gegenwärtigen Probleme dadurch auf die meines Erachtens nächst höhere und schon von Namen her weitaus relevantere Ebene, die Ebene von Menschlichkeit/Unmenschlichkeit verlagert, und wenn das so ist, dann sehe ich gute Chancen, dass sich die Menschen insgesamt – zunächst einmal wie heute meist noch sehr irritiert – für ein menschliches MITEINANDER, also für die Menschlichkeit und somit gegen die heute noch vielfach verbreitete Unmenschlichkeit in Politik und Wirtschaft entscheiden werden. Was derzeit noch wie ein Klagelied anmutet, kann in Zukunft also auch Anlaß zur Freude sein, sofern wir im fortdauernden Jetzt nicht nachlassen, uneingeschränkte Fairneß und Mitmenschlichkeit im Umgang miteinander aus dem Herzen heraus und nicht auf irgendwelche Doktrinen gegründet zu praktizieren und auch für alle Anderen zu fordern.

Wir erleben und erlernen von klein auf das Polarisieren und kommen offenbar so leicht nicht los davon; ich halte es aber für einen Gewinn (und nicht etwa einen Verlust), wenn das altbekannte Gegensatzpaar (polit.) rechts oder links verschwindet und dadurch die oben erwähnte eigentliche Fragestellung Menschlichkeit oder Unmenschlichkeit deutlicher hervortritt. Wenn dann nach einer Zeit der Konfusion (in der wir uns meines Erachtens schon längst befinden) wiederum dieses Gegensatzpaar erlischt, weil wie ich hoffe der Wunsch nach Menschlichkeit siegen wird, dann wird man auch sagen können, dass die Menschheit die nächst höhere Bewußtseinstufe tatsächlich erreicht hat.

W. Oesters (zeitgeistkrit. Website „achtgegeben.de“)

Reinard 17. Juli 2015 um 09:27  

Natürlich muss man! Seit Jahrhunderten fragen sich das Schreibende. Der Griechenmüller, Lichtenberg, Tucholsky...

Wer umfällt ist tot.

Anonym 17. Juli 2015 um 10:20  

Rechts wird aus allen Rohren geschossen.
Links kommt gegen dieses Trommelfeuer nicht an.

Rechts hat deshalb aber noch lange nicht recht,
wie die mit konkreten rechten Ungereimtheiten sich beschäftigten einschlägigen Links zeigen.
Rechts ist nicht rechts.
Rechts ist das Gegenteil.
Unrecht.

Solange das Volk schweigt und sich einfach abwendet, sich verweigert, hat die Rechte freies Schussfeld.

Polizeistaat
https://twitter.com/hashtag/SandraBland?src=hash

alien observer 17. Juli 2015 um 10:50  

Ich stimme den meisten Punkten zu, vor allem was den Zustand einer linken Politik hier in Deutschland betrifft.

Ich will aber auch eine andere Perspetive bieten. Das Problem der Linken in Deutschland ist, dass sie den Postmarxismus nicht aufzugeben bereit ist. Der Erfolg der Linken kann nur über den Leichnam der Klassenkampfideologie der Altlinken geschehen.

Wenn wir heute auf die erfolgreichen linken Parteien in Europa schauen, Syriza und Podemos, dann muss man erkennen, dass sie Erfolgreich waren, weil sie die atavistische Klassenkampflogik überwinden konnten. Tsipras und Iglesias sind postmoderne Linke, die sich auf die Strategien von Ernesto Laclau berufen. Laclau, der leider 2014 verstorben ist, war nicht nur theoretischer Vater dieser Parteien sondern auch persönlicher Freund der Strategen von Syriza und Podemos.

Ich wil hier nicht die Theorien von Laclau aufrollen, ich habe das auf Stefan Eichners Blog versucht zu tun.

Es ist richtig, dass ein linkes hegemoniales Projekt heute gegen die hegemoniale Macht des neoliberalen Marktradikalismus in den Instiutionen keine Chance hat. Aber wahre Revolution findet nicht in den Institutionen statt. Es geht um eine verschiebung des Diskurses und einer Dekonstruktion der neoliberalen Ideen. Dieser Prozess st langwerig und mühsam. Ohne ihn aber gibt es keine Chance auf wirkliche Veränderung der Prinzipien auf die diese Gesellschaft beruht.

Die Gegenseite hat das erkannt. In der Einseitigkeit der Medien und in ihrer Aggresivität gegen Syriza, in der Sprache der Politiker und der angeblichen "Experten" (neoliberalen VWLer) wird deutlich, dass es in den sog. "Verhandlungen" nie um eine Lösung der griechischen Misere ging, sondern um den Kampf gegen ein linkes Projekt mit alle Mitteln, ein Kampf um die Deutungshoheit der Marktlogik.

Diesen Kampf der Ideologien um die Vorherrschaft in den Köpfen hat Schäube in Griechenland verloren verloren. Der Rückhalt von Syriza in der Bevölkerung ist sogar gestiegen, wenn man den Umfragen trauen kann.

Stefan Becker 17. Juli 2015 um 12:31  

Wie immer herzlichen Dank für dein Engagement.
Sei gewiss, ich werde dich mit den mir möglichen Mitteln unterstützen .


Venceremos

Gruss
Stefan B. aus MS

FelixK 17. Juli 2015 um 13:59  

Ich finde nicht, dass man so eindeutig sagen kann, dass der Zeitgeist ein rechter sei. Er ist aber natürlich auch kein linker. Es ist ein gemischter. Was die Anerkennung verschiedener sexueller Orientierungen anbelangt ist zumindest die veröffentlichte Meinung und das, wie es sich politisch entwickelt, doch sicher links einzuordnen. Der Zeitgeist ist aber eben mit Sicherheit nicht links, wenn es um Ökonomie geht. Da hat sich eine Ideologie in einem Maße durchgesetzt, dass sie weitgehend selbst gar nicht mehr als Ideologie wahrgenommen wird, gleichzeitig aber andere Vorstellungen als "ideologisch" beschimpfen kann. Die Gesellschaft ist in unterschiedlichen Fragen nach rechts und nach links gerückt. Durch das Primat der Ökonomie ist es aber natürlich so, dass sich die Entwicklung nach rechts in diesem Bereich wesentlich stärker auswirkt.

Anonym 17. Juli 2015 um 15:03  

Ein Prozent gegen neunundneunzig Prozent
Herrenmennschen vs. Untermenschen

Vernichtung der sozialen Marktwirtschaft
Hartz IV-Diktatur

Leibeigenschaft

'Gerettet' wird nicht Griechenland,
gerettet wurde und wird das Große Geld.

Ein kriminelles Schneeballsystem,
legalisiert von politischen Hütchenspielern.


Greece Is Just The Beginning: The 21st Century 'Enclosures' Have Begun
http://www.zerohedge.com/news/2015-07-16/greece-just-beginning-21st-century-enclosures-have-begun

klaus baum 19. Juli 2015 um 16:27  

was bleibt von ad sinistram übrig?

ad sin!!!!!!!!!!!1

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