Mehr als die Gewährleistung von Werbepausenfreiheit

Mittwoch, 23. Januar 2013

oder Was die Rundfunkabgabe sein könnte, aber nicht ist.

Die NachDenkSeiten wittern eine Kampagne gegen die Rundfunkabgabe. Das dürfte zutreffen. Gewillt bin ich trotzdem nicht, die Abgabe zu leisten, tue es lediglich unter Zwang. Nicht weil ich grundsätzlich dagegen wäre, sondern weil ich die Abgabe für das, was man mir als Programm aufzwingen will, nicht aufbringen möchte. Prinzipiell aber ist zu sagen, dass zur Erhaltung von Qualität ein Abgabesystem besser geeignet wäre, als es eine sponsorenbasierte Variante ist. Theoretisch jedenfalls. Praktisch und programmatisch hingegen, also mit Blick auf das Programm, auf Sendeinhalte und den Unterhaltungsstil, ist die Frage der Finanzierung des Fernsehens, nicht relevant. Sie bildet sich kaum an dem ab, was man zu sehen bekommt.

Ich darf für ein von öffentlicher Hand finanziertes Fernsehen bezahlen, das wie der privatfinanzierte Boulevardmist aussieht, der vom Dritten abwärts ausgestrahlt wird. Wenn für mich Rundfunkabgaben überhaupt etwas bedeuten, dann nur, dass sie notwendig sind, um sich von Sponsoren und Zuschauerquoten unabhängig zu machen, ein Programm anbieten zu können, wie es die Privatsender in ihrer Abhängigkeit zur Quote und den daran klebenden Geldgebern, nicht liefern können und wollen. Rundfunkabgaben könnten als die bedingte Befreiung von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Bezug zur Programmgestaltung angesehen werden. Bedingt wären sie insofern nur, weil es natürlich niemals eine völlig unabhängige Medienlandschaft gegeben hat und auch die Abgabe den Einfluss etwaiger Doktrinen nicht unterbindet. Der privatwirtschaftliche Einfluss könnte hingegen vermehrt schwinden und mit ihm eine Unterhaltungskultur, die auf Nichtigkeit, Groteskes, billigen Sex und der Pflege von Bullshit baut.

Rundfunkgebühren ohne betriebsökonomische Normen, ohne Schielen auf Kundschaft, die sich hier Quote nennt, ohne Ausrichtung an einen frugal-dümmlichen Massengeschmack, der sich via Privatfernsehen in die Kulturlandschaft dieser Gesellschaft geschlichen hat, und ohne die hiermit verbundenen Aufplusterungen von Randständigkeiten und Nichtigkeiten, könnte man als ein Stückchen Unabhängigkeit in einer ansonsten abhängigen Medienwelt verstehen. Sie könnten das per Lastschriftverfahren gegebene Versprechen für Qualität, Kultur und einigermaßen angewandte Neutralität sein.

Das ist leider nur ein Ideal, die Realität sieht anders aus. Wir haben es mit einer Art Privatfernsehen finanziert von der öffentlichen Hand zu tun, mit einer Programmkultur, die bei Pro7 klaut und bei RTL spickt. Prominente turnen und hampeln dort, Seichtigkeit durchzieht das Programm und Boulevardkonzepte bedienen eine Kultur, in der die gemachten Titten eines C-Starlets mehr bedeuten, als geplante Kürzungen im Sozialwesen. Quizformate im Abendprogramm sind der öffentlich-rechtliche Tummelplatz für halbwegs prominente Menschen. Es scheint ohnehin, dass bei ARD und ZDF nichts mehr ohne ein Team prominenter oder prominöser Clowns funktioniert, die den Zuschauer abendlich mit einer warmen Steppdecke aus Seichtigkeit einwickeln sollen. Vielleicht kann man mit einigem Zynismus noch den Polittalk als die kulturelle Erfindung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nennen. Diese Sparte medialer Monotonie hat man kultiviert und zu einer Form von dadaistischer Kleinkunst gemacht, in der zusammenhanglos gestammelt und wirr gestottert wird - so lange, bis die endgültige Desorientierung den Zuseher ins Bett treibt, bis er sich mit Dada-Affekten die Welt erklärt.

Was ist eigentlich schief gelaufen mit der ursprünglichen Idee der Rundfunkabgabe? Die sollte verhindern, dass man sich als Anstalt Konzepte aufzwingen läßt, die vielleicht viel Publikum ziehen, die aber nichts mit Bildungsauftrag, guten Geschmack oder auch nur Unterhaltung zu tun haben. Das soll keine intellektuelle Unterhaltungsabneigung sein. Ganz im Gegenteil, Unterhaltung ist ja notwendig. Aber ist es unterhaltsam, Menschen bei der Verrichtung ihres Alltags anzugaffen? Sind wir schon so weit, dass das Bettenmachen oder das Kofferpacken ein Spektakel ist? Ist es Unterhaltung, wenn reiche Menschen auf Kreuzfahrt gehen und man beim Schlürfen von Cocktails zusehen darf?

Natürlich läßt sich das mit dem Aufkommen des Privatfernsehens erklären. Plötzlich hatten die von der Öffentlichkeit finanzierten Sender Konkurrenz. Und gerade da hätte sich diese Form der Finanzierung ausgezeichnet, gerade da wäre sie die Versicherung gegen die Durchseichtung gewesen, wenn man nicht damit begonnen hätte, auch hier die Betriebswirtschaftslehre einzubauen, Rankings zu erstellen, Quoten zu messen, Publikumssegmente zu analysieren. Die Rundfunkabgabe gibt es nach wie vor - ihre eigentliche Aufgabe aber, frei und ohne Einflüsse seitens des Zeitgeschmacks und natürlich der Wirtschaft (und stückenweise auch der Politik) zu wirken, erfüllt sie nicht mehr. Sie ist somit ein Relikt aus Tagen, in denen die organisierte Kulturalität auch im Kapitalismus noch die Freiheit fand, sich frei und aufklärend zu formieren. Heute ist sie gehetzt und beschleunigt, an Messungen und Quoten gebunden und damit letztlich unfrei geworden.

Rundfunkabgaben sollten Freiheit gewährleisten. Das würde dem Zuseher, aber auch dem politischen Bürger nutzen. In der heutigen Ausgestaltung sind diese Abgaben im Verbund mit der Betriebsökonomisierung des Betriebes, nur ein Ärgernis. Man zahlt für ein Programm, das man auch kostenfrei herzappen könnte. Dort jedoch mit Werbepausen. Wenn Rundfunkabgaben nur die Gewähr dafür sind, relative Werbepausenfreiheit zu ermöglichen, dann ist das zu wenig, dann ist das ein Missbrauch der eigentlichen Funktion.

Die Kampagne, die Albrecht Müller von den NachDenkSeiten sieht und die es tatsächlich gibt, ist einseitig. Sie stellt die Rundfunkabgabe für falsch und erpresserisch dar, weil der freie Markt solche Zahlungen nicht im Repertoire hat. Theoretisch jedenfalls. Und die Kampagneros können eine solche Abgabe nicht einstreichen, was ihnen natürlich stinkt. Sie sehen darin Wettbewerbsverzerrung. Nun wäre es an der Zeit zu erklären, dass die öffentlich-rechtlichen Medien keinen Wettbewerb brauchen, weil sie kein Teilnehmer auf dem Markt sind (oder sein sollten), sondern ein Angebot, das sich nicht an Verkaufspotenzial etwaiger Produkte orientiert, sondern an Bildungsauftrag und Kulturangebot, an gehobener Unterhaltung und Objektivität. Es kommt nicht darauf an, was man verkaufen kann, sondern verkaufen will. Dann müsste nur noch das Messkriterium der Zuschauerquote fallen, dann stimmte diese Aussage vielleicht sogar ein bisschen.

Die Kampagne schimpft auf die Rundfunkabgabe und ich tue dies auch. Die Gründe sind jedoch, wie gesehen, andere. Das macht die Sache kompliziert, weil man dann mit denen auf eine Stufe gestellt wird, die bei BILD gegen AbGEZocktheit wettern. Die Abgabe wäre aber keine Abzocke, wenn sie das wäre, was sie als Ideal verspricht. Ich zahlte gerne, wenn sie weiterhin zweckgebunden wäre.



20 Kommentare:

Inglorious Basterd 23. Januar 2013 um 08:24  

Nicht erwähnt hast Du leider, dass das darstellende Personal bei den privaten und den öffentlich-rechtl. immer identischer wird. Diese Hackfressen aus dem Dschungelcamp, den virtuellen Gerichtsshows und Schnüffelrealitiformaten treffen wir dann auch in den Unerhaltungssendungen, Quizs- und Talkshows der Bezahlsender ARD, ZDF usw. wieder.

Allein bei "hart aber fair" der Tolkshow des Quotenfetischisten Palasberg frage ich mich immer wieder, ob man eine kriminelle, rasssitschie oder sexistische Grundposition vertreten muss, um dort überhaupt als Gast eingeladen zu werden. Die sogenannte weiße Weste scheint dort ein Ausschlusskriterium zu sein.

Hinzu kommt, dass immer mehr ÖR-Sendeformate von Privatproduzenten fertig angeliefert werden.

Anonym 23. Januar 2013 um 08:43  

Bravo! Wenn man die neue Rundfunksteuer kritisert, wird man reflexartig in den Verlegersack gesteckt und geprügelt. Aber: Wenn zwei das Gleiche fordern, ist es noch lange nicht das gleiche. Man kann die Rundfunkabgabe als Finanzierung unliebsamer Konkurrenz ablehnen, man kann aber auch an den ursprünglichen Bildungsauftrag erinnern, der von den Öffentlich-rechtlichen völlig pervertiert wurde. Hier wurde eine absurde Zwickmühle konstruiert, die einerseits die Einschaltquote als Maß aller Dinge sieht, andererseits aber die Zwangsgebühr als Befreiung von kommerziellen Zwängen preist. Ich könnte jedes Mal kotzen, wenn ich die alljährliche Meldung lese, dass es der ARD wieder mal gelungen sei, die Privaten bei der Vergabe von Fußballübertragungsrechten zu überbieten. Ohne diese Milliardenbeträge könnte der Beitrag schon fast halbiert werden!

Claudia Thur 23. Januar 2013 um 09:54  

Im Prinzip stimme ich der Kritik an dem aktuellen Programm ja zu, nur wie kann entschieden werden, was zum kulturellen Unterhaltungsauftrag gehört und was nicht.
Diese sogenannten Reality Soaps gehören leider zur Wirklichkeit vieler Leute dazu, sich davor zu versperren, weil man es für seichten Unsinn hält, wäre in der Tat etwas überheblich. Wo müsste die Grenze gezogen werden? Serien ja, Tele novelas nicht mehr, oder umgekehrt? Wenn die öffentlich rechtlichen einen Auftrag haben alle Deutschen mit Programm zu bedienen, dann müssen auch die „Dummbatzen“ bedient werden.

Was natürlich nicht angehen kann, ist die private Produktion von öffentlich rechtlichen Programmen. Die Mitarbeiter bei den ÖR verpflichten sich, frei von politischen und wirtschaftlichen Interessen zu arbeiten. Die privaten Zulieferfirmen tun das nicht, damit haben deren Programme im ÖR nichts zu suchen. Auch sollte die Werbestunde im Vorabendprogramm abgeschafft werden, um die Bezahlung unerlaubter Schleichwerbung nicht zu einfach zu machen. Wenn es gar keine Werbeeinnahmen geben darf, dann kann auch keine unerlaubte Einnahme darunter versteckt werden.

Moto 23. Januar 2013 um 10:09  

Ich stimme Dir in allem zu, was Du zu den Öffentlich-rechtlichen gesagt hast. Bloß: was soll die Schlußfolgerung sein ?

Die Rundfunkgebühren (oder jetzt ja Rundfunkbeiträge) abzuschaffen, würde die Öffentlich-rechtlichen endgültig auf die Linie der Privaten zwingen. Da würde ich es doch vorziehen, statt auf die Rundfunkbeiträge auf die Programmverantwortlichen (und die die Medien "kontrollierenden" Politiker) zu schimpfen. Beide scheinen ja - ohne Not - dieses betriebswirtschaftliche Denken von Einschaltquoten, "Zielgruppen" und "Marktdurchdringung" völlig verinnerlicht zu haben.

Die Abschaffung der Rundfunkbeiträge wäre da aus meiner Sicht eine Kapitulation vor diesem Marktdenken und würde jede Möglichkeit verbauen, das doch noch zu realisieren, was Du (völlig zu Recht) von öffentlich-rechtlichen Medien einforderst.

Anonym 23. Januar 2013 um 10:10  

Was die Hauptsender ZDF, ARD und die Masse der dritten Programme angeht, so ist deine Kritik wie so oft berechtigt.
Hierbei darfst du aber nicht vergessen, daß diese Sender natürlich im Fokus des Beirates stehen und entsprechend der neoliberalen Agenda "Verblödung, Versklavung, Verwertung" unterliegen. Einfach mal den Sendersuchlauf starten und die Perlen des ÖR in der Favoritenliste abspeichern.
Da empfehlen sich schon eher Sender wie ZDF Kultur oder EINS Festival.
Auf ZDF Kultur hatte ich gestern das Vergnügen eine Verfilmung von "Herr der Fliegen" aus dem Jahr 1934 zu sehen, ein unglaubliches Erlebnis.
Ohne jede billige Effekthascherei ließ der Regisseur seine kindliche Laienschar größtenteils improvisieren.
Letztes Jahr lief eine mehr als erschreckende Dokumentation über Satanismus auf ZDFInfo. Das dieser Kult bis in höchste Kreise reicht und auch im Jahre 2012 nicht vor Menschenopfern zurückschreckte.
Diese beide Sendungen konnten nur dort stattfinden.
3sat und ARTE sind ebenfalls mehr als empfehlenswert. Man muß nur ein bißchen suchen.
Außerdem gibt es zig Radioprogramme wie WDR3 die klassische Musik bieten.
Nein,mit den 17,98 € kann ich besser leben, als mit 9,99 € für die ÖR Hauptsender.
Oder glaubt hier jemand im Ernst, dass ohne Weltuntergang die deutsche Politik auf diese ihr von den alliierten Siegermächten geschenkte Spielwiese und die Art ihrer Finanzierung verzichtet ?
Immer wieder verlangen aktive Blogger im Internet von ihren Lesern sich ein eigenes Bild zu schaffen, sich über den Nachrichten Einheitsbrei zu erheben und die wenigen Perlen der Information im WWW zu nutzen. Gleiches gilt für den Blogger und die gefühlten 9146 Fernseh- und 13256 Radiokanäle. ;)

Grüße, Bernd

Anonym 23. Januar 2013 um 12:31  

Sternjournalist Ulrich Jörges gestern bei Marklus Lanz: "Das Dschungelcamp ist wirklich gute Unterhaltung!"

PeWi 23. Januar 2013 um 12:32  

Ich persönlich bin für die Finanzierung des ÖR. Ich bin auch dafür, dass Sendungen laufen, die mich nicht die Bohne interessieren, aber meine 90-jährige Schwiegermutter vom Hocker reißt. Auch die endlosen Sportübertragungen nerven mich, aber sehr viele eben nicht. Ich finde in den Spartenprogrammen immer noch genügend gute Dokus und Gespräche, die mich interessieren, sicherlich wiederum andere nicht. Ich denke, dass wir ein kritischeres Publikum werden müssen, damit der ÖR z.B. kritische Mails, die sich mit der Art und Weise einzelner Sendungen auseinandersetzen, nicht mehr in den Spam-Ordner verfrachten kann, wie es mir so vorkommt. Eine Flut von Missfallensmails und -briefen kann man m.E. nicht so einfach übergehen im Gegensatz zu jetzt, wo man keine Antworten mehr auf seine kritischen Mails erhält. Wenn wir als Geldgeber des ÖR nicht wenigstens das bisschen Macht ausschöpfen, was wir haben, müssen wir uns nicht wundern, dass sich absolut nichts bewegt. Wer kämpft denn dagegen an, dass gute Sendungen ins Nachtprogramm verschoben werden? Wenn nach massiven Interventionen auf allen Ebenen sich nichts ändert, dann erst können wir abkotzen. Es sei auch darauf hingewiesen, dass es viele Menschen gibt, die gern ARD und ZDF schauen, die sehr zufrieden mit dem Programm sind. Die schauen eben sehr gern die Serien und Filme, die ich total doof finde. Nur, wer bin ich, dass ich diesen Menschen das verwehren will. Ich subventioniere Vieles, was ich nicht nutze, was mir missfällt und was mir völlig Schnuppe ist und ich auch völlig überflüssig finde und das ist gut so. Ich subventioniere es, weil es viele gibt, die darauf angewiesen sind oder es wollen. Ich denke, dass die Anzahl der Menschen, die in meinen Augen gern Mist sehen, sogar überwiegt. Mein Geschmack kann kein Maßstab für Sendungen sein.

Hartmut 23. Januar 2013 um 13:33  

Es ist eine Zwangsabgabe und nichts anderes.

In der Satzung ist willkürlich festgelegt, daß jeder Haushalt zur Rundfunkgebührenabgabe verpflichtet ist, unabhängig davon, ob überhaupt ein Fernseher vorhanden ist, ob ferngesehen wird oder fernsehen, aus welchen Gründen auch immer, abgelehnt wird.

Es wäre das Gleiche, als wenn jeder Haushalt zu einer Kfz-Steuer verpflichtet würde auch wenn gar kein PKW vorhanden wäre.

Dieser Willkür gebe ich das Attribut: idiotisch !

Roberto De Lapuente 23. Januar 2013 um 13:51  

Hartmut, diese Willkür halte ich für ebenso verwerflich. Die Praxis ist eine Sauerei - der mögliche Sinn der Finanzierung dahinter allerdings nicht.

Anonym 23. Januar 2013 um 15:11  

Die Spartenprogramme sind allerdings schon wieder an bestimmte Empfängervoraussetzungen gebunden. Der ÖR sollte aber öffentlich verfügbar sein, d. h. JEDEM offen stehen. Selbst die Zwangsabgabe fände ich in Ordnung, wenn denn der Rundfunkstaatsvertrag auch umgesetzt würde. Einige der Spartenkanäle sind sogar teils privat. Das ist ein Ding was gar nicht gehen dürfte, denn es ist somit eine Wettbewerbsverzerrung, ähnlich, wie die Subventionierung der Arbeit einiger Postfirmen. Aber die alten Medien werden ohnehin bald in der Bedeutungslosigkeit versinken. Sie arbeiten sogar selber dran. Auch wenn man (noch) viel gutes in den ÖR sehen kann. Die Frage ist auch wann. Es nützt mir wenig, wenn ein gutes Programm zwischen 24 und 4 h läuft. Exemplarisch könnte man sich mal das Frühstücksfernsehen (ard/zdf) vs. Morgenmagazin (sat1) rauspicken. Beides sind (inzwischen) reine Dauerwerbesendungen.

Anonym 23. Januar 2013 um 15:53  

Die öffentlich Rechten tun viel für die Kultur:

Was sie einerseits verdummen durch BLÖD-kompatible Produkt-Ergüsse machen sie durch Ess-"Kultur" morgens, mittags und sogar im Abendprogramm wieder wett:

Je mehr Arme es in Dumpfland gibt, desto wichtiger sind Kochsendungen!

Roberto De Lapuente 23. Januar 2013 um 15:57  

Um Garnelenbrutzeln zu erlernen und sich Schuhbeck-Gewürze für 7,95 aufschwatzen zu lassen?

Anonym 23. Januar 2013 um 16:16  

Dumpfländer können sich offensichtlich nicht satt sehen, weshalb sie in Niedersachsen ausschließlich HartzIV-Befürworter-Parteien ins Parlament gewählt haben. Wann sie das satt werden bleibt unergründlich.
Lass sie sich an Kochsendungen ergötzen, bis sie es satt sind!!

Anonym 23. Januar 2013 um 19:09  

Hallo Roberto,

"Man zahlt für ein Programm, das man auch kostenfrei herzappen könnte."

Das Privatfernsehen scheint nur kostenfrei zu sein. Die Werbemillionen, die die Firmen ausgeben, zahlt der Verbraucher über den Preis der beworbenen Produkte.
Ich befürchte, dass ich für die Privatsender, die ich so gut wie nie sehe, mehr bezahle als für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (17 Cent pro Tag).
Ich werde die Privatsender aber nicht einschalten, nur damit ich weiß, welche Produkte oder Firmen ich boykottieren muss.

Bezüglich des Niveaus der öffentlich-rechtlichen Sender, bin ich mit Dir einer Meinung. Da das Beste in Spartenkanäle ausgegliedert wurde, sollte man die Hauptkanäle eigentlich in "ARD Doof" und "ZDF Doof" umbennen.

Grüße
Klotzkopf

Anonym 23. Januar 2013 um 21:18  

"Rundfunkgebühren ohne betriebsökonomische Normen, ohne Schielen auf Kundschaft..."

Würde ich mir für ARD und ZDF zwar auch wünschen, aber es gibt ja mehrere andere öffentlich-rechtliche Sender, die genau auf dieser gewünschten Basis funktionieren, wie 3Sat, ARTE, Phoenix, ZDFInfo.
ARD und ZDF machen da weniger als ein Drittel aus.

Hubert Marcks 24. Januar 2013 um 09:28  

Wenn der ZDF Intendant (wie neulich bei seiner Haus- und Hoftalkmasterin) stolz über die Marktanteile seiner Anstalt redet und dabei ganz selbstverständlich auch vor "werberelevanten Zielgruppen" und anderem BWL-Neusprech nicht zurückschreckt, dann schmerzt es natürlich schon, wenn dieses Manager-Gehabe von öffentlichen Abgaben finanziert wird.

Man sollte sich vielleicht auch mal die Frage stellen, welche Bedeutung den allmächtigen Quoten tatsächlich zugestanden werden sollte.
Die erfassen nämlich keineswegs, ob der jeweilige Zuschauer gebannt dabei zusieht, wie sich erwachsene Menschen vor der Kamera zum Affen machen, oder ob die Glotze einfach nur beim Bügeln für ein bisschen Hintergrundrauschen sorgt.

Noch viel weniger quotentechnisch erfassbar ist der Umstand, dass die meisten Leute nachdem sie sich durch dreißig scheußliche Programmangebote gezappt haben irgendwann einfach da hängen bleiben wo es am wenigsten weh tut. Oder dass viele Menschen das Ding vor allem deswegen einschalten, weil man da wenigstens mal das Gefühl haben kann, sich in Gesellschaft zu befinden und nicht alleine zu Hause die Freizeit bis zum nächsten Arbeitstag totschlagen zu müssen.

Keine statistische Erhebung kann schließlich erfassen, ob das was da läuft einfach als gegeben hingenommen wird, oder ob das Quotenvieh vielleicht auch ganz andere Sachen interessant fände, wenn es sie denn gäbe.

Die Damen und Herren Intendanten, Programmdirektoren, Redakteure und wie sie sich sonst noch alle nennen wähnen sich dagegen allwissend und halten sich für ausgewiesene Experten, wenn es gilt, die Bedürfnisse des Einschaltvolkes zu erkennen und vorherzusehen.

Dass dabei nur wenig wirklich Neues, oder gar vom mainstream Abweichendes erzeugt wird ist natürlich verständlich. Auch die billigste Doku-soap kostet Geld, ganz zu schweigen von Fußballübertragungsrechten. Da bleiben die Schuster lieber bei ihren Leisten und hoffen auf maximale Rendite bei geringstmöglichem Einsatz.

Da das Medium Fernsehen nun leider auch starken Einfluss auf einen großen Teil der Zuschauerschaft ausübt, liegt der Verdacht nahe, dass man sich mit den immer gleichen Angeboten auch die entsprechende Nachfrage schafft.

Wer immer nur Dreck zu fressen bekommt, wird sich womöglich mit Schrecken abwenden, wenn plötzlich mal richtiges Essen auf dem Tisch steht.

Wenn ARD und ZDF damit aufhören würden, die selbe Soße zusammen zu rühren, wie die private Konkurrenz, dann hätte ich jedenfalls kein Problem mit einer Rundfunksteuer.

Anonym 24. Januar 2013 um 19:08  

Neil Postman hat das schon treffend formuliert:
"Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert."

Vielleicht ist die Flimmerkiste einfach das falsche Medium.

MfG Bile

Anonym 24. Januar 2013 um 20:52  

Meiner Meinung nach sollte die Zwangs-Fernsehsteuer nach dem Haushaltseinkommen berechnet werden. Ich habe keinen Fernseher, gucke kein Fernsehen und kann es mir ehrlich gesagt auch nicht leisten, 2% meines Monatseinkommens dafür zu verbraten, dass meine Mitbürger "Sturm der Liebe" oder so gucken wollen.
Ich habe mir mal das ARD-Programm auf der website angeschaut. Es gab 5 x Tagesschau (die aber nicht aufrufbar war) und sonst nur Seifenopern. Eine Sendung gab es noch, die ich aber vergessen habe, und die auch nicht informativ war.

Ich fände es gut, wenn man die Nachrichten dauerhaft im Internet nachlesen (und anhören) könnte. Für Unterhaltung müsste man direkt pro Sendung bezahlen können. Dann wird auch sehr schnell klar werden, ob der Bürger 5 € pro "Sturm der Liebe" bezahlen will. (Sorry für das Herumreiten auf dem Sendungstitel; ich weiß gar nicht mehr, ob die Sendung so oder nur ähnlich hieß.)

pillo 24. Januar 2013 um 21:10  

"Fernsehen mach die Klugen klüger und die Dummen dümmer." (Marcel Reich-Ranicki)

Damit hat er vollkommen recht, auch wenn der erste Teil der These immer schwieriger umzusetzen ist. Für anspruchsvolles bzw. informatives und kritisches Fernsehen muss man entweder auf die Spartenkanäle (arte, 3sat, phoenix) bzw. Regionalsender (NDR, WDR, etc.) ausweichen oder bei ARD und ZDF sehr lange wach bleiben.

In der immer weiter voranschreitenden Zersplitterung der ÖR-Senderfamilie sehe ich auch einen Ausdruck und gleichzeitigen Verstärker einer gesellschaftlichen Tendenz.
Die Menschen wohnen in verschiedenen Stadtvierteln, gehen in verschiedene Supermärkte bzw. Discounter einkaufen, leben in unterschiedlichen Arbeitswelten und schauen nun auch noch vollkommen unterschiedliche TV-Programme. So entfernt man sich immer weiter voneinander und das gegenseitge Verständnis schwindet zunehmend.

divide et impera

Michel 12 29. Januar 2013 um 12:01  

Wieviele Regionalsender haben wir mittlerweile?
Brauchen wir wirklich die 15 oder 20 verschiedenen, öffentlich-rechtlichen Fernsehsender? Ich sehe ja ein, dass es mehr als 2 oder 3 sein sollten, aber wenn ich auf WDR eine Sendung über Ausflugsziele im Münsterland inklusive des dort jeweil angebotenen Kuchenbüffets sehe, dann frage ich mich schon, warum ich für so einen seichten Mist GEZ zahlen soll.

Erfreulicherweise hat die Konkurrenz der Öffentlich-Rechtlichen bisher verhindert, dass deutsche Privatfernsehen auf US-Niveau absinkt, man denke dort an den berühmten FOX News Sender oder auch an die Verschwörungstheoretiker wie Rush Limbaugh oder Glen Beck, der aus Worten oder Farben politische Ideologien bis hin zum Faschismus herzuleiten glaubt.

Ich will gutes Öffentlich-Rechtliches Fernsehen, nicht 20 oder 30 Sender (Rundfunk mitgerechnet). Ich will nicht, dass die Bundesliga-Fußballmillionäre vom den GEZ-Gebühren für den ÖR finanziert werden. Einen Ball kicken zu können sollte keine Leistung sein, die mit Millionen belohnt wird.

Und ich will auch keinen Dschungelcamp-Ekel-Scheiß oder irgendwelche Dieter-Bohlen-erniedrigt-Jugendliche Vorführungen. Solche Sendungen sind menschenverachtend und wiederwärtig.

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