Ich habe leistungsfördernde Substanzen verschrieben

Freitag, 25. Januar 2013

Ich bin Lance Armstrong dankbar. Ich wollte in jenen Jahren Parforceritte sehen, schnelle Antritte am Berg, spektakuläre Aufholjagden, ein deklassiertes, in Sprengsel zerfahrenes Feld, das rackert und kämpft und zu den Dominatoren des Fahrerfeldes trotzdem nicht aufschließen konnte. Ich wollte sehen, wie jeder Attacke eine Riposte folgt und wie das Übermenschliche auf den Landstraßen in immer mächtigerer Übermenschlichkeit pedalierte. Und Armstrong hat mir und all den anderen Radsportbegeisterten genau das gegeben. Ich war die Nachfrage - er das Angebot.

Wir wollten Show und wir bekamen Show. Diese Show musste immer abenteuerlicher, immer epochaler sein. Die Giganten der Landstraße musste mit jeder Etappe und mit jedem Jahr gigantischer werden. Höher, schneller, weiter! Der Wettbewerb findet ja nicht nur zwischen den Sportlern statt, sondern auch im Buhlen um die Gunst von Zuschauern und Sponsoren. Gewinnt man zwei Bergankünfte und verliert bei der dritten Ankunft plötzlich drei Minuten auf den Konkurrenten, wirkt dabei nicht mehr besonders frisch, dafür abgekämpft und bleich, dann ist die Krise schon publizistisch vorbereitet, dann wird die Qualität hinterfragt und verkündigt, man sei doch kein so großer Champion wie angenommen. Und die Zuschauer sind natürlich ebenfalls enttäuscht, kraxelten sie doch extra Alpe d'Huez hoch oder verbrachten den ganzen Nachmittag bei Eurosport und dann tritt der Typ einfach nicht an, keine Attacke, stattdessen Langeweile und Leistungsvakuum. Wie oft kam der Angriff Ullrichs auf Armstrong nicht und man nannte ihn deshalb ein schlafmütziges und schlampiges Talent! Aus Jan wurde sodann ganz schnell wieder der Herr Ullrich. Wer nicht spurt, wer die Nachfrage nicht befriedigt, den straft man mit Liebesentzug. Der Wettbewerb innerhalb der strampelnden Konkurrenz ist fast schon ein Klacks - der Wettbewerb um die Gunst der Nachfrager, der Konsumenten und Showbegeisterten ist die wirkliche Tortur.

EPO sei dank bekamen wir unsere Show. Muskelpräparate und Eigenblut sicherten uns Entertainment. There's no business like show business. Um Schnelligkeit ging es gar nicht so sehr. Nicht um die messbare Schnelligkeit. Bei der Zielankunft interessiert alles, nur die gestochene Zeit so gut wie nicht. Der Anschein von Schnelligkeit war es, der uns beflügelte. Armstrongs Takt am Berg manipulierte uns, weckte den Eindruck bei uns, er tritt in die Pedale wie niemals zuvor und vielleicht niemals danach jemand. Man dachte, er fliege hinauf. Um Zahlen ging es nicht, nur um den Eindruck, um die vermittelte Sicht, um die Suggestion von Höher, schneller, schneller und noch schneller - und weiter. Die Gier nach augenscheinlicher Geschwindigkeit, nach nie zuvor gesehenem Spektakel, nach mindestens sensationeller Leistung - das war keine realistischer Anspruch der Öffentlichkeit, das war die Geilheit auf Show, auf Menschen, Räder, Sensationen!

Wenn wir Tickets für irgendeinen Komiker oder Kabarettisten erstanden haben, und dem stirbt einige Stunden oder auch Tage vor seinem Auftritt die Mutter oder seine ist Partnerschaft in fremde Betten entfleucht, verlangen wir dann nicht dennoch, dass wir auf unsere Kosten kommen? Der lachende Clown, dem zeitgleich die Träne seines privaten Unglücks über die Wange rinnt, ist ein dramaturgisches Leitmotiv, das diese Diskrepanz trefflich zeichnet. The show must go on - und nicht nur das: Die Show ist alles, ist das Leben, ist das was wir wollten seinerzeit. Man hat in dieser Gesellschaft einen marktwirtschaftlichen Anspruch auf Show. Show ist die Konstante. Wenn man nur Show vor Fakten legen kann, vor Lappalien, dann wirkt es gleich viel seriöser. Was war Armstrong anderes als ein Showmensch? Er und alle seine Strampelgenossen. Er und alle Sportler. Er und alle Radler, Läufer, Kicker, die am Montag lesen müssen, wie schlecht, wie beschissen und wie enttäuschend sie am Wochenende gesportelt haben. Sie bekommen entweder die volle Häme und Abneigung zu spüren oder die Liebe zu Füßen gelegt. Und manchmal geschieht beides binnen weniger Tage.

Ich mache mir nichts vor. Ich partizipiere an Armstrongs und Ullrichs und Contadors Gedope. Wie ich saßen Millionen vor dem Flimmerkasten, standen Hunderttausende an den Straßenrändern und warteten auf eine Show der Extraklasse, auf einen magischen Moment der Radsportgeschichte - wie an jenem Nachmittag, als Armstrong an einem Beutel eines Zuschauers hängen blieb, stürzte, aufholte und den Etappensieg mit zäher Leistung einfuhr; seither wartete ich jeden Tag auf ein Spektakel von mindestens dieser Güte und seither war eigentlich immer unbefriedigt zurückgeblieben. Nie mehr kam so ein Augenblick. Enttäuschung konnte ich mir da nicht verbeißen. Die Stimmen mehrten sich, dass das Pulk gelangweilt und satt und zu behäbig sei. Und wurde Ullrich Zweiter, so nannte auch ich ihn einen tragischen Verlierer, weil er in eine Epoche mit dem Texaner fiel. Ein tragischer Verlierer! Weil er Zweiter wurde! Nur Zweiter! Dabei war ich noch freundlich, andere hießen ihn zu dick, zu bequem und sportlich überbewertet. Ich und mit mir diese ganze selbstgerechte Fangemeinde, nicht der harte Kern passionierter Radsportler, die will ich aussparen, die lieben den Sport wirklich - wir, die wir uns mit dem Hype des Radsports plötzlich formierten, wenig Ahnung hatten, die Helden der Landstraße bewundern wollten und immer mehr und mehr erwarteten, haben verbotene Substanzen vorgeschrieben. In gewissem Sinne sogar durch erpresserische Erwartungshaltung verschrieben. Wir waren das Rezept dazu, eine seltsame Arznei- und Heilmittelverordnung. Wir zwangen niemanden, wir erteilten nur denjenigen Liebesentzug, die nicht mitspielten, die deshalb nur im Gruppetto zum Tourmalet keuchten. Nur! Schon wieder dieses Wort!

Mit Armstrong zusammen sitzt eine Journaille und eine Zuschauergemeinde Oprahs sich in Seriosität übenden Boulevardantlitz gegenüber.  
Haben wir je verbotene Substanzen genommen?, fragt sie uns. Antwort: Nein! Wir haben sie vorausgesetzt, weil wir absolute Leistung und absolute Leistungssteigerung erwarteten.
Bei allen sieben Tour-Siegen?, fragt sie weiter. Antwort: Nein! Schon vorher und auch danach und womöglich wieder, wenn es mal wieder ein Jahrhunderttalent wie Jan Ullrich gibt.
Hat das UCI davon gewusst?, fragt sie uns misstrauisch. Antwort: Sicher! Und den Medienhype, der in Maßlosigkeit und mit ahnungsloser Überheblichkeit losgetreten wurde, sogar noch entflammt. Es war doch schön, plötzlich als Sport im großen Stil wahrgenommen zu werden.

Machen wir es uns als Sportgesellschaften des Westens vielleicht einfach! Erst feiern wir diese Gladiatoren - dann lassen wir sie nicht nur fallen, sondern treten sie und überstellen sie dem Spott, der sich manchmal Journalismus nennt. Später schieben wir alle Schuld für Verfehlungen auf die Athleten. Als wäre Doping nichts, was nicht auch sozio-ökonomischen Mustern folgte; als wäre der Dopingsünder nicht auch immer ein Produkt eines ganz besonderen gesellschaftlichen Klimas der Überbewertung seines Sports. Es wäre zu viel, die Armstrongs als gesellschaftliche Abtretmatten zu bezeichnen, denn dazu haben sie meist zu gut verdient. Aber es ist auch zu wenig, uns als Teil des Spektakels für unschuldig zu erklären.



18 Kommentare:

ninjaturkey 25. Januar 2013 um 08:55  

Und wieder einer in der Richtung: Ihr seids ja selbst schuld. Nein! Mich kannst Du nicht mit in Haft nehmen. Diesen Schuh ziehe ich mir nicht auch noch an. Ich weiß bis heute nicht, was so toll daran ist, anderen dabei zuzusehen, wie sich mit Fahrrädern, Autos, Bällen oder sonstigen Gerätschaften durch die Gegend eilen, Kamera überwacht in Containern sitzen, sich gegenseitig bekochen, auswandern, Frauen tauschen, Häuser renovieren. Ja, ich bin blöd, weil ich nicht alles billig und sofort will. Ein nützlicher Idiot bin ich auch, weil ich mich nicht militärisch (!) einmischen will, egal wo. Vielleicht sogar ein Gutmensch und Wutbürger.
Ob ich einen Fernseher habe (1) und mir auch mal was billiges aus China kaufe (2)? Ja, weil es noch Nischen mit guten Inhalten gibt (1) und ich finanziell nicht immer in der Lage bin, alle Dinge, die ich aktuell wirklich brauche, in mit Rundum-Unbedenklichkeitssiegel zu erwerben oder selbst herzustellen.
Ich bin Teil des Systems weil niemand eine Insel ist, aber ich bin nicht die Ursache von dessen Auswüchsen. Ich stemme mich im Rahmen meiner Möglichkeiten sogar dagegen. So wie Millionen andere. So wie Du.
Oder hast DU Dir tatsächlich im Wissen um die Verlogenheit des Systems begeistert Radrennen angeschaut?

Roberto De Lapuente 25. Januar 2013 um 09:28  

Na, dann bist Du aber eh außen vor, wenn Dich Radsport nicht juckte.

Inglorious Basterd 25. Januar 2013 um 09:45  

In seinem ersten Buch "Tour des Lebens" beeindruckte Armstrong seine Leser und Fangemeinde mit der Rückkehr eines zum Tode durch verschiedene Tumore Verurtelten nicht nur ins Leben, sondern in die Weltelite des Radsports. Er war nicht zuletzt auch mit der Gründung seiner Krebsstiftung ein universales Vorbild für viele, die durch Sport gesund werden oder bleiben wollten.

Insofern unterscheidet sich seine Entlarvung als Dopingsünder und sein Coming Out von den anderen gedopten Teilnehmern der Apothekenrundfahrt.

Wenn Armstrong im Oprah-Interview sagt, die 5, die nicht gedopt hätten, wären in den Augen der anderen die wahren Helden der Tour gewesen, dann sagt das alles.

maguscarolus 25. Januar 2013 um 09:46  

Es gibt wohl nichts von öffentlichem Interesse, das nicht als Show inszeniert wird – mal professioneller, mal weniger professionell – aber der Anspruch ist immer derselbe, nämlich der auf Unterhaltung, die dem Unterhaltenen nichts und dem Unterhalter alles abverlangt.

Anonym 25. Januar 2013 um 10:01  

Danke für diese Erfrischung!

Herrlich derjenige, der seinen persönlichen, individuellen Beitrag zum Massenphänomen im Sündenbock verortet.

Die Masse MACHT mit als ihrer MACHT genau das, was in diesem Beitrag selbstkritisch umschrieben ist: Die Masse schafft Nachfrage und sie wird es auch weiterhin tun. Sie fordert gleichzeitig die eine Ethik sowie das pure Gegenteil davon und reibt sich an der notgedrungenen Widersprüchlichkeit. Nicht nur, sondern auch im Sport. Ganz im Sinne von Volker Pispers: Doping offiziell zulassen - voll transparent - da sieht man wenigstens was funktioniert. Team Epo gegen Team Transfusion.

Die Amis auf Kurs
Grüsse
kosh

PS: Man tut was man kann und man kann was man tut.

Lutz Hausstein 25. Januar 2013 um 10:30  

@ ninjaturkey:

Als Verursacher wollte und hat Roberto "uns" ja auch nicht darstellen wollen.

Ich denke eher, "wir" haben es billigend in Kauf genommen (und nehmen es heute noch mehr viel denn je in Kauf!), wenn einzelne Sportler außergewöhnliche sportliche Leistungen abgeliefert haben. All die Armstrongs, Ullrichs, Contadors. Die Johnsons, Lewis´ oder Bolts. Die ungenannten Gewichtheber oder Kugelstoßer. Oder oder oder.

"Wir" haben deren Ergebnisse bewundert, deren Dominanz über all die anderen Mitsportler und ganz tief drin in uns wollten wir am liebsten gar nicht so recht wissen, ob das alles mit rechten Dingen abgegangen ist. Auch wenn wir persönlich ihnen mglw. keinen jubelnden Empfang auf irgendwelchen Römern oder Rathausplätzen bereitet haben, so haben wir ihnen doch insgeheim zugejubelt.

Nein. Wir haben es so nicht gewollt, dass sie mit unlauteren Mitteln ihre Siege erringen. Wir haben niemanden dazu aufgefordert. Vermutlich i.d.R. sogar auch, weil wir es wirklich ehrlich haben wollten. Obwohl wir tief in uns wussten, dass der nichtdopende Sportler dem dopenden gegenüber deutlich im Nachteil ist. Rein ergebnistechnisch.

Mag sein, dass all das für Dich persönlich nicht zutrifft. Aber auf die über-überwiegende Masse Deiner Mitmenschen ganz sicher schon. Da nehme auch ich mich nicht aus.

Ich fand damals die Athletik Armstrongs toll, seine Attacken am Berg. Vor allem aber dann, wenn er kein einsamer Dominator war, sondern es noch jemanden gab, der ihm Paroli bieten konnte. Die Zwei-, Drei- oder Mehrfachkämpfe, welche die Spannung erst so richtig ausmach(t)en.

Okay. Die Dopinggerüchte um ihn gab es damals noch nicht oder sie sind nicht bis an meine Ohren gedrungen.

Nein, die Ursache von Doping sind wir Sportbegeisterte, wir Zuschauer, wir Hobbysportler primär nicht. Mehr oder minder. Von Ausnahmen abgesehen. ;-) Aber wir haben, bewusst, unterbewusst oder in Unkenntnis, weggeschaut, woher denn diese Leistungen kommen könnten. Von Ausnahmen abgesehen.

Ich glaube Dir, dass Du so handelst, wie Du es beschrieben hast. Aber Du kannst und darfst dennoch die Augen nicht davor verschließen, dass es die über-überwiegende Mehrheit Deiner Mitmenschen eben nicht so macht. Aus welchen Gründen auch immer.

Anonym 25. Januar 2013 um 10:48  

Seit im Sport das große Geld den Ton angibt (das fing in den 30er Jahren mit dem Box'sport' an), sind sportliche Veranstaltungen zu reinen Showveranstaltungen verkommen, bei der die 'Sportler' zu wandelnden Litfaßsäulen verkommen sind. Es heißt, die erste deutsche Fußballnationalmanschaft hätte sich noch mit einem Kasten Bier zufrieden gegeben. Heute heißt es: Elf Millionäre müßt ihr sein. Typen wie Blatter oder Samaranch verkörpern dieses perverse Milliardenspiel. Daher: No sports!(W. Churchill)

Inglorious Basterd 25. Januar 2013 um 11:41  

Bereits die Helden von Bern bekamen, wie heute retrospektiv ermittelt wurde, leistungsfördernde Substanzen injiziert. In einer Mehrwegspritze wurde damals mit dem Vitamin C auch das Hepatitisvirus C auf die Spieler übertragen.

http://www.aerzteblatt.de/archiv/76451

Dennis82 25. Januar 2013 um 13:46  

Ich war u. a. auch 2x in Alpe d'Huez. Allerdings bin ich auch selbst mit dem Rennrad hochgefahren. Und habe auf den schlechtesten Profi nur so viel Zeit verloren wie der langsamste Pro auf Armstrong... ;)

Profiradsportler sind im Grunde doch beneidenswerte Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen durften, wie Armstrong und Ullrich durch die üblichen kapitalistischen Begleitumstände wie Werbung und Exklusivverträge eine Menge Geld erhielten (also gerade von der "Show" profitierten). Die (eigentlich nur aus Sicht der Konsumenten existierende) "Show" ist denen relativ egal, sie ergibt sich von selbst, ist oft nervig, also wenn dann Mittel zum o. g. Zweck; für sich so viel Kohle rauszuschlagen wie nur möglich - um nicht wie wir alle mit schlecht bezahlter Lohnarbeit ihr Dasein fristen zu müssen...

Sportler sind also Freiberufler; völlig egoistische Individualisten in hartem sportlichen Konkurrenzkampf. Relativierungen von wegen irgend einer nennenswerten Mitschuld der Show, "Fans" oder "Konsumenten" sind einfach Fehl am Platze. Armstrong, Ullrich und der große Rest haben aus niederen Instinkten gedopt; um den Konkurrenten zu schlagen und mehr Geld zu scheffeln - und dann noch wegen ein wenig "Ruhm"... Aber sicher nicht um irgendwelche Bierbäuchigen Camper im Telekomtrikot von 98 (am Merchandising verdient doch auch jemand...?) am Tourmalet oder daheim vor der Glotze zu beeindrucken oder deren Erwartungen zu erfüllen. Ja, wieso ist jetzt der (naive) Fan plötzlich der Täter mit der Spritze in der Hand und den Blutbeuteln im Kühlschrank...?

Gedopt wurde auch nie, um die Strecke der Tour zu "überleben" - sondern um sie statt mit 25-30 km/h in 40 km/h zu fahren! Eine weniger selektive Strecke erhöht im übrigen die Zahl der potenziellen Sieger und somit auch den Konsums von Dopingmitteln.

Der Profi-Radsport war für mich übrigens genau an dem Tag gestorben, als Armstrong im Gelben Trikot (unterstützt vom kompletten Feld) das "schwarze Schaf" Simeoni an der Teilnahme in einer Fluchtgruppe hinderte.

Anonym 25. Januar 2013 um 16:38  

@Dennis82

- für sich so viel Kohle rauszuschlagen wie nur möglich ...
Aber sicher nicht um irgendwelche Bierbäuchigen Camper … am Tourmalet oder daheim vor der Glotze zu beeindrucken oder deren Erwartungen zu erfüllen. Ja, wieso ist jetzt der (naive) Fan plötzlich der Täter


Meines Erachtens ging's im Artikel um den ökonomischen Kausalzusammenhang, dass je beeindruckter der "bierbäuchige Camper" und "naive Fan", desto mehr "Kohle" lässt er springen für die Branche der Fahrradpiloten. Insofern ist Doping oberstes Gebot …

- … um nicht wie wir alle mit schlecht bezahlter Lohnarbeit ihr Dasein fristen zu müssen.

Je grösser also die Nachfrage durch "bierbäuchige Camper", desto grösser die monetäre Verlockung auf das Angebot der Fahrradpiloten. Der "naive Fan" ist darum so viel und so wenig Täter, wie der naive Mitläufer unter dem Angebot der Nazis, denn erst durch die schiere Masse der Mitläufer entsteht die entsprechende Nachfrage - ohne Moos nix los.

Die Amis auf Kurs
Grüsse
kosh

PS: Man tut was man kann und man kann was man tut.

almabu 25. Januar 2013 um 18:24  

Das Doping im Radsport fing aber nicht mit Lance Armstrong an! Zuvor gab es schon einmal einen solchen Übersieger aus Spanien, den Miguel Indurain. Seitdem hatte ich Zweifel. Seit Armstrongs drittem Toursieg habe ich mir das Zuschauen erspart, weil ich mir allerspätestens ab da verar...t vorkam! Schade, aber ich schaue auch keine Leichtathletik mehr!

Inglorious Basterd 25. Januar 2013 um 18:45  

Wie naiv und einseitig ist das denn, hier nur den Spitzensport anzuprangern. Nach einem
Artikel im Deutschen Ärzteblatt
vom 13.09.2009 zum Thema „Sport und Schmerzmittel: Unheilige Allianz zum Schaden der Niere“ ist die Einnahme von frei verkäuflichen Schmerzmitteln zu Leistungssteigerung im Breitensport seit langem üblich.

Es wurden bereits im Jahr 2009 1.024 Teilnehmer des Bonn-Marathons vor dem Start zu ihrem Medikamentenstatus
befragt. Mehr als 60 Prozent
der Befragten bekannten, schon vor
dem Start zur Schmerztablette gegriffen zu haben – die meisten aus Angst vor Schmerzen: Ein meist
sinnloses, aber potenziell gefährliches Vorgehen.

Urinproben von Teilnehmern des
Jungfrau-Marathons ergaben schon 1998, dass circa ein Drittel der Teilnehmer bereits vor dem Start
Schmerzmittel eingenommen hatte. Anlässlich des Boston-Marathons
2002 gaben 50 Prozent der
männlichen und 60 Prozent der
weiblichen Teilnehmer an, vor dem
Start zum Schmerzmittel gegriffen
zu haben.

Das ist die Vorbildwirkung des Spitzensportes. Im Extemfall Nierenversagen oder plötzlicher Herztod beim "Hobbyläufer".

pillo 25. Januar 2013 um 20:22  

Bereits im Jahre 2000 musste der mehrmalige "Bergkönig" Richard Virenque bewußtes Doping zugeben.

Eigentlich wurden nach und nach so ziemlich alle großen Namen des Radsports der letzten Dekaden des Dopings überführt.
Armstrong, Ullrich, Contador, Pantani, Virenque, Landis, Hamilton, Winokurow, Riis, Zabel, usw.

Auch viele aus der zweiten Reihe bzw. von den so genannten Wasserträgern haben im Nachgang Doping zugegeben - Jaksche, Sinkewitz, Aldag, Bölts, ...

Da fragt man sich doch unwillkürlich, handelte es sich wirklich um Betrug, wenn es anscheinend alle taten? Innerhalb des Pelotons wohl nicht, denn schließlich hat ja "Waffengleichheit" geherrscht.

Dennis82 25. Januar 2013 um 22:39  

@kosh: Es wurde im Rahmen des Leistungssports eine auf Betrug aufgebaute "Show" kreiert, an der der ganze Zirkus (incl. korrupter Veranstalter und Verbände) und besonders auch die Spitzenfahrer mehr als gut verdient haben...! Man hat die Gutgläubigkeit (auch von mir als damals noch sehr naiven Jugendlichen ausgenutzt). Im Gegensatz zu anderen Sportarten ist aber der "monetäre Faktor" des gemeinen Radsportfans weitgehend unbedeutend, da keine Einnahmen aus Eintrittsgeldern erzielt werden. Und die Fans stünden auch an der Strecke, wenn alle im Schnitt 5 km/h langsamer fahren würden. Das Dopen ist jedenfalls nicht mit der in allen anderen Sportarten völlig üblichen Erwartungshaltung der Fans zu begründen. Jemand, der in einem sportlichen Wettkampf der Beste sein will muss einzig und allein diese seine(!) Erwartung erfüllen und das Nötige dafür tun. Und genau deshalb dopt er - und eben nicht wegen der Meinung irgendwelcher "Fans", die ihm solange sie keine Fanartikel kaufen auch völlig am Allerwertesten vorbeigehen! Ich habe viel in Radsportforen kommentiert damals - und selbst da gibt es heute noch naive Hardcorefans, die seit 20 Jahren in Magenta und mintgrün tapezierten Wohnzimmern leben und weiter fest daran glauben wollen, dass der arme Jan aus Rostock Opfer einer gigantischen Verschwörung ist und er tatsächlich der einzige ungedopte Spitzenfahrer seiner Zeit war - denn er hat schließlich mehrmals gesagt, dass er "niemals jemanden betrogen hat"!

Was den letzten Absatz betrifft: Interessant, was man sich so alles zusammenkonstruieren kann...!

Anonym 26. Januar 2013 um 04:57  

Tja, es gibt so tolle Beispiele wie Gegenbeispiele. Mein Trainingspartner ist nicht nur einer der 3-5 besten Läufer meines Bundeslandes, sondern auch noch ungedopt und obendrein seit Jahren immer wieder Hartz IV'ler - hat dadurch viel Zeit zum Training - und gesellschaftlich ein Hammer Standing...
Das ist schon speziell.

Inglorious Basterd 26. Januar 2013 um 12:56  

pillo: Hab oben doch geschrieben, dass es 5 waren, von denen die anderen wußten, dass sie nicht gedopt sind. Das waren in den Augen der Mehrheit die wahren Helden. (Aussage von Lance)

dennis82: Du meinst doch nicht den Leistungssport. Das ist der, den alle machen, die irgenwie irgendwo an Wettbewerben teilnehmen und dafür trainiern. Du redest vom Spitzensport und seinen Sportkrüppeln.

Gutes Buch von Linken (u. a. Gremlitza, Ebermann usw.)dazu: "Wer macht den Sport kaputt?: Doping, Kontrolle und Menschenwürde" erschioenen im Verbrecher Verlag.

Anonym 27. Januar 2013 um 00:46  

Rainer N.

Ja, ich habe ein Fernsehgerät, nein, ich schaue keinen Sport oder so.

Ich bin SF Fan - da ist mir klar, da ist nichts echt. Also schaue ich nur Serien wie Babylon 5, in meinen Augen das BESTE SF das es je gab, deswegen habe ich mir die DVD´s gekauft und wenn dann mal "saure Gurken Zeit" im TV ist, schaue ich mir die Folgen sozusagen am Stück an, DS9 war auch gut, Stargate Anfangs, dann nicht mehr, Next Generation auch, aber sonst SF, eher nicht?

Dann noch einzelne SF-Filme wie Lautlos im Weltall, 2001, und ein paar andere Filme, wenn sie mal im TV kommen.

Nicht SF - OK, Neues aus der Anstalt, Monitor und so, aber sonst ... TV nein Danke.

Und nun die Ausnahme von der Regel - zum lachen - The Big Bang Theorie! Bedeutet, die 6. Staffel schaue ich ab dem 28ten an.

alien observer 29. Januar 2013 um 14:36  

Die Frage ist, wohin führt das alles?

Wir wollen den perfekten Menschen, die Radfahrmaschine, den Superbanker, die Pflegemaschine das Kreativitätswunder; den perfekten "Leistungsträger" in allen Bereichen.

Wer nicht mithält ist Minderwertig. Ritalin ist die Wunderdroge derer, die schon längst keine Lust mehr auf ihren Job haben und trotzdem Performen müssen.

Wer nicht Mithält aber sich der Psycho-Drogen verweigert ist ein Minderperformer; hat in unserer Gesellschaft nichts mehr verloren.

Schon in der Schule werden unsere Nachkommen mit Ritalin zu "Performern" gemacht wenn sie sich innerlich dem Stumpfsinnigen Frontalunterricht verweigern.

Der Mensch soll sich den Anforderungen anpassen und nicht umgekehrt. Wer das nicht tut geht kaputt und wird entsorgt. Die Wirtschaftliche Verwertbarkeit ist die einzige Existenzberechitigung.

Die Zukunft gehört dem Gendoping und nicht nur für den Leistungssportler.

Alles wird möglich, auch der an die wirtschaftlichen Anforderungen genetisch perfekt angepasste Mensch. Der Marktkonforme Mensch in der Marktkonformen Gesellschaft.

Wenn wir unsere Gesellschaft nicht verändern wird sie uns verändern.

Darf ich hier auf meinen Artikel dazu verlinken?

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