Friede Springer entlässt den Bundespräsidenten

Donnerstag, 16. Februar 2012

Zu vermuten ist, Diekmann ist drauf und dran, eine Wette zu verlieren. Nämlich jene, dass er der mächtigste Mann Deutschlands ist. Es scheint eine Frist zu geben, bis wann Wulff aus dem Amt sein soll - und das soll möglichst bald geschehen, könnte man meinen. Springer bringt nämlich jedes Fitzelchen, das Wulff belasten könnte, jede Zote auf den Bundespräsidenten, jedes noch so aberwitzige Statement als Neuigkeit. Fast im Sekundentakt neue Aufmacher bei BILD Online. Minutiös wird jede Regung zu Wulff festgehalten und aufgebauscht. Dahinter kann nur die Absicht lauern, Wulff endgültig aus dem Amt zu werfen.

Jede Krume wird aufgelesen

Jede noch so randständige Bemerkung ist Schlagzeile; jedes noch so lausige Wortspiel ist recht, um Wulff zu befeuern. So schrieb BILD, man fliege mit dem Bundespräsidenten über den Rubikon, auf seine damalige Bemerkung anspielend, die er auf Diekmanns Anrufbeantworter gesprochen haben soll. Irgendeine Person, Name schon wieder entfallen - nicht wichtig genug! -, verkündet, dass in zwei Wochen Wulffs Rücktritt zu erwarten sei - für BILD Online eine Schlagzeile! Ein CDU-Pfarrer verteidigte Wulff in einer Talkshow - ebenfalls Schlagzeile! Als sei sowas in der Geschichte dieser Mediokratie und seiner Polit-Geschwätz-Shows noch nie geschehen, als haben dort Parteifreunde nie zuvor Parteifreunde an der Wahrheit vorbei in Schutz genommen. Dann heißt es, dass Schauspieler Wulff meideten - Aufmacher für zwei Stunden! Kalkofe veräppelt Wulff, meldete man hinterher - so verspotten die Narren Wulff, hieß es alsdann. Bilder von den Karnevalswagen schon vorab; so was gab es noch nie, ein Bundespräsident als Zielscheibe närrischen Spotts! Und Bernd Stelter, der witzelt auch; und der Jörk Knör auch; und "Dat Filmmännchen"... - wer immer das wieder ist.

Und es findet sich immer noch ein und noch ein Quatschkopf, der Wulff verteidigt, ausgelacht, persifliert, aufgefordert, hinterfragt, analysiert, Mut zugesprochen, den Rücktritt ans Herz gelegt, schwere Zeiten vorausgesagt, verspottet oder ermahnt hat. Jede Krume zum Thema Wulff wird aufgelesen. Kurzum, es wirkt fast so, als würde die ganze Republik auf Seiten Diekmanns und seines Arbeitgebers stehen.

Eine Nation gegen Wulff

Um Gerechtigkeit oder Wahrheit geht es Diekmann dabei nicht. Das entspräche auch nicht der üblichen Agenda. Jede noch so belanglose Stimmungslage gegen Wulff, jede Neuigkeit oder die aufgewärmten schon bekannten Erkenntnisse, sind nur deshalb Thema, weil Diekmann sich und dem Land etwas beweisen will. Mit dem kleinlichen Schlagzeilen-Bombardement will er deutlich machen, dass gegen ihn und den Konzern, für den er steht, niemand im Amt bleiben kann. Einen Minister konnte er letztes Jahr nicht halten - Machtverlust witterten da viele. Aber aus dem Amt jagen, dass kann Springer noch. Die Republik soll wissen: Wer dem BILD-Chefredakteur dumm kommt, der fliegt - und braucht es dazu eben boulevardeske Brachialgewalt, so sei es so - und male man hierzu das Gemälde einer Nation gegen Wulff, so sei es so - jedes Mittel ist recht, wenn nur bewiesen wird, wer in diesem Land Präsidenten macht und wer nicht.

Diekmanns Chefin hat als Mitglied der Bundesversammlung Christian Wulff gewählt. Jetzt hat sie ihrem Chefredakteur angewiesen, ihn wieder aus dem Amt zu entfernen. Und jedes noch so kleine Fitzelchen, das sich gegen Wulff sammeln läßt, soll zur Entlassung beitragen. So machen das Arbeitgeber zuweilen mit unliebsamen Mitarbeitern, Fakten sammeln und aufbauschen, erfinden und überhöhen, Kollegen befragen und jede noch so randständige Meinung zur Kenntnis nehmen. Manche nennen das Mobbing, wie es kurz vor Kündigungen oft vorkommt - Springer nennt das Journalismus...



26 Kommentare:

Anonym 16. Februar 2012 um 07:40  

Die Medien bezeichnen häufig Angela Merkel als die mächtigste Frau Deutschlands. Falsch. Es gibt nämlich zwei und die heißen Liz Mohn und Friede Springer.

André Tautenhahn 16. Februar 2012 um 07:57  

Es geht wohl weniger darum, Macht zu demonstrieren, als mit dem Thema Wulff Auflage und Kasse zu machen. Die banalen wirtschaftlichen Interessen des größten Medienhauses Europas dürfen nicht unter den Tisch fallen.

Dass der Springerkonzern Macht und Eunfluss hat, folgt allein schon aus dessen Größe und der willfährigen Vernetzung zum traurigen Medienrest dieser Republik.

Man könnte das Argument ja auch umdrehen und behaupten, das Spiel mit Wulff würde gar nicht betrieben, um ihn zwecks Machtdemonstration aus dem Amt zu schreiben, sondern um die sedierte Öffentlichkeit eine Weile und auch noch auf deren Kosten zu beschäftigen.

Anonym 16. Februar 2012 um 08:23  

na ja, bis jetzt steht Wulff ja stramm und kneift die Arschbacken so fest zusammen, dass´n Markstück die Prägung verliert....aber was haben die sonst noch gegen ihn über den Umwag Bettina im Sack und wann kommen sie damit raus?

Seismograph 16. Februar 2012 um 08:37  

Bei solch aufgebauschten Pseudothemen
frag ich mich immer, welch riesige Sau gleichzeitig quasi "hinterrücks" an unserer nun bestens abgelenkten Aufmerksamkeit durchs Dorf getrieben werden soll.

Anonym 16. Februar 2012 um 09:10  

Andre Tautenhahns Vermutung erscheint mir richtiger, logischer und sachlicher als der "ursprüngliche Post" eines übereifrigen Verschwörungstheorienverbreiters, der uns Herrn Wulff plötzlich in positivem Licht sehen läßt, quasi nur als (endlich mal ein) Gegner des pösen Herrn Diekmann.
- Klaus

Anonym 16. Februar 2012 um 09:23  

Lieber Roberto,

wer (wie ich) seine eMails über AOL verschickt, der wird, ob er will oder nicht, von Welt-Online zugetextet - und klar, täglich ist mindestens eine aufgeregte Wulff-Schlagzeile dabei. Heute zum Beispiel: "Teurer Rechtsbeistand: Anwaltskosten könnten für Wulff zum Problem werden."
Irgendwas muss er wohl richtig gemacht haben, um soviel Wut und Hass heraufzubeschwören; ich vermute, es war der Satz, der Islam gehöre zu Deutschland.
@Andre Tautenhahn: Ich bezweifle, dass "Auflage und Kasse zu machen" als Motivation ausreicht, um derart heftig auf ein ehemaliges Hätschelkind einzuprügeln. Zumal gerade Bild-Lesern, die sich ja gewohnheitsmäßig in Blut, Rotz und Sperma suhlen, der blasse Wulff längst zum Hals raushängen dürfte.
Sensationen, Sensationen! Was aber ist sensationell daran, wenn er für sein Söhnchen einen Bobbycar geschenkt bekam?
Wahrscheinlich muss da bald die nächste Stufe gezündet werden: Frau Bettina und das Rotlicht-Milieu. Obwohl dieser Schuss ja gewaltig nach hinten losgehen kann - man denke nur an „Pretty Woman“ und die tiefe Befriedigung der Zuschauer, als Richard Gere seinem schmierigen Kumpel einen gewaltigen Kinnhaken verpasst, weil der Julia Roberts‘ angemacht hat…

Liebe Grüße
Saby

Horst Schmidt 16. Februar 2012 um 09:38  

Wo bleibt die Aufregung über den eigentlichen Skandal, dass u.a. diese Friede Springer und Liz Mohn eine Bundeskanzlerin installiert haben, im Amt halten?
Wenn diese dann einen solchen Schnäppchenjäger präsentiert, darf doch wohl als kleiner "Betriebsunfall" durchgehen.
Sollte das alles aber eine Mahnung an die Rose aus der Uckermark sein,auch du bist vor uns nicht sicher, wäre es zu "begrüßen", jedoch die endgültige Bankrotterklärung für unsere "Demokratie"!

Ach ja, wir sind ja schon in der Postdemokratie angelangt.

Anonym 16. Februar 2012 um 10:18  

Ich will jetzt Wulff nicht verteidigen, aber ich denke Roberto J. de Lapuente liegt richtig, und vermute außerdem noch, dass es Friede Springer, und Bild, darum geht zum einzigen Leitmedium Deutschlands zu werden, wie einst "Die Prawda" in der alten UdSSR.

Wie ich drauf komme?

Bild hetzt neuerdings sogar gegen das Bundeskriminalamt - in "Bild am Sonntag", und andere Schreiben davon ab.

"[...]11.02.2012 Zwickauer Terrorzelle - BKA ließ Ermittlungsdaten bei der Bundespolizei löschen.
Wollte das Bundeskriminalamt Informanten im Umfeld der Zwickauer Terrorzelle schützen? Wie "Bild am Sonntag" berichtet, ließen BKA-Mitarbeiter bei der Bundespolizei wichtige Ermittlungsdaten in dem Fall löschen. Der BKA-Präsident dementiert[...]"

Quelle und ganzer Text:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,814743,00.html

...sehr verdächtig.....zumal von einer Zeitung, die in Wahlkampfzeiten - so der Bild-Kritiker Günter Walraff - "immer ganz Rechts steht".

Was bezweckt Springer wohl mit einer solchen Meldung? Will man sich mit dem BKA anlegen? Frei nach dem Motto: Bild-Journalisten sind so mächtig, dass sogar dt. Kriminalbeamte vor ihnen zittern müssen?

Frägt sich
Bernie

potemkin 16. Februar 2012 um 10:33  

Nochmals: Bitte bleib! Dieser Präsident passt so gut in die Landschaft,ein getreueres Abbild dieser Republik gibt es nicht! Jeder Ersatz kann nur schlimmer werden,denn das Personal ist so knapp geworden,und mit Wulff kann man wenigstens Springer etwas ärgern...

Roberto J. De Lapuente 16. Februar 2012 um 10:36  

Ja, Klaus, ich habe Wulff auch schwer verteidigt in der Sache... lesen hat oft schon geholfen; manche glauben aber, überfliegen sei lesen...

Anonym 16. Februar 2012 um 10:49  

@Horst Schmidt

Das mit der Postdemokratie stimmt völlig, aber dass das Thema Liz Mohn und Friede Springer bzw. Angela Merkel als dt Medien-Troika nirgends auftaucht, dass stimmt so nicht - es gibt Bücher, Blogs und Meldungen dazu zuhauf.

Mein Problem damit ist dasselbe, dass Albrecht Müller von Nachdenkseiten einmal geäußert hat - "Solche Skandale haben einfach keine Konsequenzen mehr", und dies wo es sogar Horden von Spatzen von den Dächern pfeiffen....

...der dt. Michel/die Michelin, und auch eingebürgerte Mitdeutsche, haben eben andere sorgen als "Politik"....

...übrigens meine eigene Mutter, und meine weiblichen Geschwister, ärgern mich ständig mit folgendem Satz "Du immer und deine Politik"....

...dabei rege ich mich nicht über Merkel, Wulff, die SPD und andere Parteien sowie Wirtschaftsmächtige auf....nein, die Korruption, die Wirtschaftskriminalität und die Uneherlichkeit in Deutschland seit Helmut Kohls Zeiten ärgert mich.....

Was das mit "Politik" zu tun haben soll, dass wissen nur meine Verwandten, die alles - was nicht mit kochen, campen oder gärtnern bzw. dem normalen Lebensalltag zu tun hat - eben als "Politik" bezeichnen.

Ich bin mir fast sicher, dass es auch andere Menschen in der "marktkonformen Demokratie" so sehen wie meine Mutter, und meine Geschwister....Postdemokratie eben....wie Sie völlig richtig schreiben....

Gruß
Bernie

Anonym 16. Februar 2012 um 11:13  

Als ich Anfang der 70er im öffentlichen Dienst war, konnte ich feststellen, daß das wichtigste des Tages die Bildzeitung war; und zwar vom Amtsboten bis zum leitenden Direktor ! Ein Stud. der Politikwissenschaft "studierte" ebenso die Bildzeitung, neben dem "Aktenstudium".
Damals nannten wir das noch faschistoid . Und das war noch ironisch gemeint.
Heute nach 40 Jahren Bild-Verblödungsstrategien können wir die "Früchte ernten", wofür damals und auch schon früher die Saat gelegt wurde.

Gruß
Hartmut

klaus baum 16. Februar 2012 um 12:45  

Ich habe, was Meldungen über Wulff betrifft, schon seit Wochen abgeschaltet. Ich weigere mich, jede Erbse, die mir vorgezählt wird, wahrzunehmen.

Anonym 16. Februar 2012 um 13:47  

Dieser Artikel hier setzt den Fall Wulff vs. BILD, der zu einer absurden Komödie verkommen ist, wieder in die richtigen Relationen. Würde mich nicht wundern, wenn Wulff am Ende als Sieger dasteht - weil die anderen als die noch grösseren Profiteure erkannt wurden. War da nicht mal was bezüglich von unzähligen Rabatten und Vergünstigungen profitierenden Journalisten?

"Und es findet sich immer noch ein Quatschkopf" ...oder talkshowteilnehmender Blogger...
Hart aber fair.

der Herr Karl

Stephan 16. Februar 2012 um 13:50  

...jede Krume wird aufgelesen....
ja was denn sonst?

BLÖD ist doch nichts anderes als das, was an Kehrricht anfällt, für mehr reicht´s doch auch nicht bei der Leserschaft.

Michel 17. Februar 2012 um 00:51  

Ich bitte Herrn De Lapuente, dieses Post stehen zu lassen, weil es schon mit dem Artikel zu tun hat und auch weil die Verbreitung des Inhalts wichtig ist.

Es geht um Googles neue Nutzungsbedingungen und den Informationen, die sie über die Nutzer speichern und verarbeiten.

Auch was Leute wie Springer oder Mohn mit solchen Informationen gerne machen würden, möchte man sich garnicht vorstellen.
Mit solchen Infos könnten die fast jeden aus seinem Job herauskegeln.


Auch weil es auch mit Medien zu tun hat, möchte ich kurz mal zeigen, was die neue Google Privacy Policy (neue Nutzungsbedingungen von Google) alles sagt:

Sie speichern ALLES und verknüpfen ALLES. Informationen über die verwendete Software und Hardware, Adressen, Telefonnummern, angesurfte Websiten, deren Dienste und deren Werbeanzeigen... alles.

siehe: http://www.google.de/intl/de/policies/privacy/preview/


Das wird eine Katastrophe.
Man mag sich garnicht vorstellen, wie man sich noch politisch engagieren soll, wenn das durchkommt. Denn dann wissen die anhand der angesurften Websiten, der bei amazon gekauften Bücher usw. sofort, dass man links ist und damit praktisch ein Staatsfeind.

Michel zum zweiten 17. Februar 2012 um 01:07  

Wulff wird regelrecht filetiert. Da fragt man sich schon, WARUM?
Schlimmere durften und dürfen im Amt bleiben und auch noch mit Würde, gelle.

- Die Filetierung Wulffs nützt Merkel, weil dies von Griechenland/Schuldenkrise/EU/EZB usw. ablenkt.

- Die Filetierung Wulffs können Merkels politische Gegner nicht nutzen. Gegen Wulff zu wettern, würde keiner Partei und keinem Politiker helfen, es sähe kleingeistig und engstirnig aus. Es traut sich ja auch noch kein Politiker von Rang und Format, so richtig und öffentlich gegen Wulff vorzugehen.

- Warum Springer/Bild den Wulff unbedingt absägen will, ist mir nicht so ganz klar. Es könnte eine Machtdemonstration nach der Guttenberg-Niederlage sein. Es könnten aber auch handfeste politische Gründe sein, angeblich hat Wulff sich sehr deutlich über Merkels Politik bzgl. Griechenland und Schuldenkrise geäußert und gesagt, dass Merkels Politik nicht funktioniert. Ich weiß aber nicht mehr, was genau oder wo das war.

Michel zum III. 17. Februar 2012 um 01:14  

Andererseits wirds auch langsam langweilig.

Es könnte sein, dass die "Erbsenzählerei" der Bildzeitung im Falle Wulff nach hinten losgeht. Wenn Bild anfängt, dem Wulff Vorwürfe zu machen, weil er ein 20€ - 50€ teures Bobbycar fürs Söhnchen angenommen hat, dann wirds langsam peinlich. Sowas verschenkt man nunmal unter Freunden. Da kann Bild irgendwann schreiben, was sie wollen, die Leute sehen das nicht ein, wenn es um Kinder und um Geschenke für Kinder geht.
Irgenwann überwiegt bei den Menschen auch das Mitleid für denjenigen, den sie als "Underdog" wahrnehmen.

Das Strafverfahren bzw. die Aufhebung der Immunität von Wulff ist natürlich ernst zu nehmen.

Aber wenn er halbwegs clever ist, dann hat er genug gegen andere in der Hand, um da halbwegs glimpflich wieder herauszukommen.

Anonym 17. Februar 2012 um 02:07  

Es geht darum, dass Wulff dem ESM kritisch gegenueber steht und da bald etwas unterschreiben muss.

Der ESM ?

http://www.youtube.com/watch?v=uY7nGXn_mZQ

!!!

Wulff hat sich in einer Rede im August 2011 dagegen ausgesprochen.
Das wird wohl der Grund sein dass er weg gemobbt wird.

landbewohner 17. Februar 2012 um 06:45  

das rätselhafte am fall wulff dürfte ja wohl sein, daß niemand weiß, warum will ihn friede springer weghaben. denn ohne auftrag oder billigung von friede ist dieckmann eine art beissender bettvorleger. und bei all der aufregung um urlaube, kredite und sonstigen kleinkram, der bei einer durch und durch korrupten klasse zum alltag gehören dürfte, gerät die frage nach dem warum völlig ausser sichtweite.

O. aus M. 17. Februar 2012 um 11:35  

Du Hellseher, du...

Anonym 17. Februar 2012 um 12:41  

Die Causa Wulff wirft mehr Fragen auf als jemals beantwortet werden .

Selbst wenn Wulff sich tatsächlich ein paar Vorteile ergaunert hat, so haben diese Geschichten doch nur Westentaschenformat gegen das Gebahren anderer Politiker. Vorteilsnahme im Amt kann unmöglich der wahre Grund für diese mediale Hetzkampagne unter Führung der Bild gewesen sein, denn sonst müßte die gesamte Politikerkaste inkl. der meisten Bürgermeister bereits im Knast sitzen. Dazu müßte man sogar noch Knäste neu bauen um alle Schuldigen zu adäquat zu „versorgen“.

Nun darf man nicht vergessen, dass die Bild im Grunde genommen von Friede Springer geführt wird, die eine enge Busenfreundin unseres Hosenanzugs ist. Derselbe Hosenanzug der eben Wulff mit Gewalt in dieses Amt gehievt hat.
WARUM also sollte ausgerechnet die Bildzeitung das eigene Patenkind zum Abschuß freigeben und dabei die Jagd auch noch offen anführen? Hat der Hosenanzug seine Meinung geändert und zum Halali geblasen, aber welchen Grund gäbe es dafür? Sicher hat ein Wulff nicht das Stehvermögen seiner Gönnerin Merkel in Sachen ESm mit einer Unterschriftsverweigerung ans Bein zu pinkeln. Ein Indiz gegen Merkel als Täterin: Als sie heute vor die Kameras trat, wirkte sie sichtlich angeschlagen…..

Oder andersherum: Will vielleicht eine Friede Springer über den Umweg Wulff der Kanzlerin demonstrieren, wer die wirkliche Macht im Staate hat? Ging es darum, der Kanzlerin einen gewaltigen Schuss vor den Bug zu setzen? Ein Indiz dafür ist die allseits bekannte Seite First-Lady_Skandal, die im besten Bildzeitungsstil daherkam und in jeder Hinsicht absolut professionell gemacht war. Sowohl was den aggressivst-vorstellbaren Hetzfaktor angeht, als auch was die Anonymität der Seitenbetreiber angeht. Übrigens ist diese Site seit der Rücktrittserklärung von Wulff vom Netz. Gestern abend lief sie noch…..

Und in diesem Zusammenhang muß die Frage erlaubt sein: Gibt es Verstrickungen, die „im allgemeinen Einverständnis“ zwischen Presse und Politik in der Medienkampagne aussen vor gelassen wurden, aber so brisant sind, dass man Wulff und seine Gattin unbedingt loswerden wollte? Hat sich Wulff etwa mit der Unterwelt eingelassen, und wer steckt eventuell noch mit drin? Wen würde ein Durchsickern solcher Informationen noch in den Abgrund reißen? Oder könnte es sein, dass seine Frau im Rahmen der laufenden Gerüchte über ihr Vorleben evtl zu viel über hochrangige Politiker weiss und deshalb zu gefährlich war? Ich will hier nicht ins schmierige Milieu abgleiten, aber diese Fragen müssen erlaubt sein.

Oder gibt es einen ganz anderen Grund, der nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist ? Wulff hat sich IMMER für eine Integration des Islam in D ausgesprochen. Aber gerade der Islam wird derzeit in Europa und USA dringend als unverzichtbares Feindbild benötigt um eine immer umfassendere Überwachung der eigenen Bevölkerung durchzusetzen im Namen des „Kampfes gegen den Terrorismus“.

ff

Anonym 17. Februar 2012 um 12:43  

“. Noch ist nicht klar, wozu diese Datenfülle dienen sollen. Sinnvoll wird diese Überwachung nur, wenn man weiss, dass umfassende Überwachung ein Kennzeichen totalitärer Staaten ist. Roberto hat in einem seiner letzten Artikel die EU als „sanfte Diktatur“ bezeichnet. Ja, bis jetzt ist diese Diktatur (noch) relativ sanft, aber es brodelt in der Volksseele und es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis zu griechischen Verhältnissen und brennenden Banken. Und dann wird diese Diktatur ihre wahre Fratze zeigen, wie sie es jetzt schon in Griechenlaqnd tut. Weshalb schreibt eigentlich niemand darüber, dass sich in Griechenland die Zahl der Gefängnisinsassen stark vermehrt hat, seit den Aufständen. ….

Sollte Wulff also mit seinem humanitärem Engagement pro Islam einen derartigen potenziellen Strich durch die Absichten dieser „sanften Diktatur“ getan haben, dass man ihn sofort und pronto abgeschossen hat?

Möglich wäre es, dafür sprechen folgende Indizien:

Die Merkel war`s höchstwahrscheinlich nicht.

Die allseits bekannte Website, ein Herzstück der Kampagne, war so aufwendig und professionell gestaltet, dass sie unmöglich von Laien gestaltet werden konnte. Ich tippe auf Bildzeitung.

Friede Springer ist nicht nur Busenfreundin vom Hosenanzug sondern ist auch eine der mächtigsten Personen der Finanz- und Medienwelt. Gewissermassen ein führendes Mitglied der europäischen Schattenregierung aus Lobbyismus des Neoliberalen Kapitalismus. Sie würde in jedem Falle die Interessen ihrer Klientel über die Interessen einer popeligen Kanzlerin stellen.

Ich weiss nicht, ob ich auf der richtigen Spur bin, aber die causa Wulff ist derartig ungewöhnlich und rätselhaft, dass wesentlich mehr dahinter stecken muss, als der doofen Öffentlichkeit bisher gezeigt wurde.

Gruß, Babs

Banana Joe 17. Februar 2012 um 15:15  

Glückwunsch Roberto: Ein Artikel mit hellseherischem Blick...

maguscarolus 17. Februar 2012 um 15:59  

Zitate aus Wulffs "Lindauer Rede" vom 24.August 2011 vor den versammelten Wirtschafts-Nobelpreisträgern:


Das Versagen von Eliten bedroht langfristig den Zusammenhalt in der Gemeinschaft, in der Gesellschaft. Wer sich zur Elite zählt und Verantwortung trägt, darf sich eben auch nicht in eine eigene abgehobene Parallelwelt verabschieden. Sondern jede, jeder hat Verantwortung für das Ganze und für den Zusammenhalt in einem Land. Dass es nicht fair zugeht und Lasten einseitig verteilt werden, dieses Gefühl haben aber immer mehr Bürgerinnen und Bürger.
….

Statt klare Leitplanken zu setzen, lassen sich Regierungen immer mehr von den globalen Finanzmärkten treiben. Wenn der Dax, der Börsenindex fällt, sollen Politiker ihren Urlaub abbrechen. Wenn es gut läuft, war es die Wirtschaft, wenn es nicht so gut läuft, ist es die Politik. Das kann nicht die Aufgabenteilung in der Gegenwart und Zukunft sein. Immer öfter treffen die Politiker eilig weitreichende Entscheidungen kurz vor Börsenöffnung, anstatt den Gang der Dinge längerfristig zu bestimmen. Dies trifft Demokratien in ihrem Kern.
….

Politik muss ihre Handlungsfähigkeit zurückgewinnen. Sie muss sich endlich davon lösen, hektisch auf jeden Kursrutsch an den Börsen zu reagieren. Sie muss sich nicht abhängig fühlen und darf sich nicht am Nasenring durch die Manege führen lassen, von Banken, von Ratingagenturen oder sprunghaften Medien. Politik hat Gemeinwohl zu formulieren, mit Mut und Kraft im Konflikt mit Einzelinteressen.


Da könnte ich mir einige Leute vorstellen, denen das nicht gefallen hat.

Anonym 18. Februar 2012 um 19:40  

Die Frage nach dem "Warum" hat Roberto schon einmal in einem früheren Kommentar beantwortet. M.M.n. sehr schlüssig. Hinzuzufügen wäre noch das was Gregor Gysi im Bundestag vor ein paar Monaten von Wullf zitierte, in dem Gysi dann von postdemokratischen Verhältnissen sprach.

Wullf war offensichtlich nicht bereit neoliberales Agendasetting zu betreiben, wie das noch Roman Herzog und Horst Köhler getan haben. Er hat dahingehend nie etwas gesagt, weder von Ruck's, die durch Deutschland gehen müssten noch von Wirtschaftskriegen gefaselt, sondern von Integration, Bankenregulierung und die Trennung von Staat und Kirche angemahnt, als der Papst im Bundestag seine Rede hielt.

Ich will hier keineswegs Wullf verteidigen, zu einem guten Präsidenten fehlte ihm vieles, denn dann hätte er seine Themen sehr viel nachdrücklicher in den Vordergrund stellen müssen, die Menschen bewegen müssen. Wulff ist Systemkonform, wollte mal hier und da "seines Amtes walten" und kritische Kommentare ablassen, wie sich das für BuPrä's eben so gehört. Ein Karnevalspolitiker, dem die Ernsthaftigkeit fehlte, der vermutlich tatsächlich keine Ahnung hatte, dass er sich gerade mächtige Feinde machte und dazu auch noch glaubte eine reine Weste zu haben. Das glaubt er garantiert noch heute. Wo "Freundschaft" aufhört und Korruption anfängt, versteht er schlicht nicht. Wer Menschen wie Maschmayer zu seinen Freunden zählt, ist tief gesunken. Der Volksmund sagt das so: "Zeig mir deine Freunde und ich sag dir wer du bist."

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