Der Demokratie Schaden - des Bloggers Freud'

Montag, 20. Februar 2012

Was für ein grandioser Glücksfall! Arbeit ist gesichert! Material für Texte, für Polemiken, für Glossen. Ein passender Präsident für diese Republik. Ein Pfaff', der "Freiheit in Verantwortung" als Lebensmotto führt, der Freiheit jedoch nicht an Leben in Würde orientiert, sondern an der Freiheit, sich eine alternative Brücke aussuchen zu dürfen, unter denen man Obdach findet. Besser konnte sich die Junta der vier etablierten Parteien gar nicht absprechen. Niemand sonst könnte den Zeitgeist adäquater vertreten als der Theologe der Herzlosigkeit - er erhebt seine an Ketten gelegte Freiheitsrhetorik ins Metaphysische, entkleidet sie von sozialen Kategorien. Freiheit ist nur Freiheit, wenn sie nichts kostet - Arbeitslose und Niedriglöhner können demnach nur Freiheit beanspruchen, wenn sie unentgeltlich eingefordert wird. Der Sozialstaat an sich ist somit letztlich keine Schmiede der Freiheit, sondern ein unfreiheitliches Schattenreich.

Der Mann, der fünfzig Jahre lang an keiner freien Wahl teilnehmen konnte, der aber beharrlich auf freie Wahlen hoffte, der aus seinem theologischen Bunker heraus dem Endsieg harrte, sei ein leuchtendes Freiheitsbeispiel. Der Endsieg der Freiheit, wie er meint - der Endsieg des Kapitalismus: was er wirklich meint! Den Bunker gab es nie, der fast-schon-präsidiale Theologe fügte sich in die gefühlten "killing fields der DDR", sprich: in das System - und vergünstigt wurde dieses Arrangement auch noch. Davon weiß er heute nichts mehr. Wie gesagt, fünfzig Jahre wartete er auf eine freie Wahl - und nun wird er als Sieger aus einer Wahl hervortreten, in der es entweder keinen Gegenkandidaten oder lediglich einen Alibi-Kontrahenten gibt. Der Triumph der freien Wahlen! Und besonders eindrücklich würde dieser historische Sieg der freien Wahl, wenn sich nun die Grünen einen Gegenkandidaten nur deshalb aus den Rippen schälten, damit die Bundesversammlung nicht gänzlich zur Farce würde - womit sie natürlich erst recht zu einer solchen geriete.

Demonstranten sind kindisch, meinte er mal - wer gegen die kapitalistische Wirklichkeit steht, der ist infantil. Freiheit heißt auch, sich die Freiheit zu nehmen, die Knechtschaft des Kapitals frisch und frei zu akzeptieren. Die Freiheit, die dieser Pastor predigt, beinhaltet die Verantwortung - sie ist nur der kapitalistischen Ökonomie verantwortlich. Nicht ethische Standards, nicht unveräußerliche Rechte, nicht moralische Imperative sind es, die die Konturen seines Freiheitsbegriffes nachzeichnen, sondern wirtschaftliche Gespinste - er ist die "antipolitische Devotheit", die die unterwürfige Haltung vor der staatlichen und wirtschaftlichen Obrigkeit als Freiheit verklärt. In diesem Sinne ist er tief lutherisch geprägt - einen auf moralisch machen, auf Hier stehe ich, ich kann nicht anders! und andererseits die Bauern schelten, weil sie sich gegen das fürstliche Unrecht, das an ihnen begangen wird, auflehnen.

Kein Kandidat könnte diese Epoche der kalkulierten Alternativlosigkeit so trefflich abbilden, wie dieser Mann - und seine Nominierer. Die vier Parteien, die einig an einem Tisch sitzen und es als großen Erfolg verbuchen, dass es eigentlich nicht mal einen Gegenkandidaten braucht, sie sagen mit der Nominierung dieses einzelnen Kandidaten, dass There is no alternative! eine Konstante ihres politischen Wirkens ist. Gleichwohl ist ihr Kandidat einer, der Alternativlosigkeit und die stille Hingabe zu ihr, als einen Akt freiheitlich gesinnter Zivilcourage und unbedingter Bürgerpflicht, postuliert. Diesen Glücksfall, den die vier Parteivorsitzenden in die Kameraobjektive lächelten, er zeichnet das Pech nach, das die Demokratie ereilte. Ein elitärer Theokrat, der zum Präsident der Oberschichten taugt, installiert von den Machern einer Zeitung, die vorgibt, die des kleinen Mannes zu sein, die aber erbarmungslos die Interessen der Wirtschaft vertritt: Was soll daran ein Glücksfall sein?

Und doch ist er es. Denn er liefert Schreibstoff. Er ist die Projektionsfläche der Zustände in diesem Land - und schon die erste Ansprache dieses sonderbaren Freiheitsapostels wird Grund zur publizistischen Arbeit bieten. Blogger und linke Publizisten halten sich nun erschrocken den Kopf - aber sie dürfen auch lächeln, denn es gibt eine neue offizielle Charaktermaske, an deren Nase es sich zu ziehen lohnt. Der, der uns alle diese ominöse, ins Metaphysische gleitende Freiheit vorgaukelt, er ist die zerknautschte Karikatur einer Demokratie, die es nur noch als Karikatur gibt.

Nun ist jener Präsident so gut wie gemacht, der willfährig die Gesetzesvorlagen unterschreibt, die in Planung stehen. Einer, der Freiheit als Knechtschaft an einer nicht gar zu fest gezurrten Kette definiert - einer, der sich selbst als oberste moralische Instanz ohne Fehl und Tadel sieht - einer, der in seiner Tätigkeit in der Behörde, die im Volksmund seinen Namen trug, kleine und oft unschuldige IM jagte, wie weilandt Torquemada Ketzer. Die Demokratie könnte daran Schaden nehmen - wenn sie nicht schon ein Schadensfall wäre.



29 Kommentare:

hartmut 20. Februar 2012 um 12:24  

Danke , Lieber Roberto

Ich bin erschüttert.

Anonym 20. Februar 2012 um 12:51  

...ja, wenn man dieses Foto sieht...es nicht zum erbrechen....

Anonym 20. Februar 2012 um 12:59  

feiner artikel. der gauckler im bellevue. es kommt ein "bürgerrechtler". leider kann niemand so genau benennen, welche verdienste er sich als dieser erworben hat. im gegenteil. man wollte einen versöhner, es kommt ein spalter.

klaus augenzeuger

klaus baum 20. Februar 2012 um 13:00  

Als ich heute Morgen die Sendung KONTROVERS auf Deutschlandfunk hörte und dazwischen die Nachrichten, in denen auch Claudia Roth zitiert wurde, und zwar mit dem Satz, der Demokratie würde jetzt Glanz verliehen, als ich die Glanz-Rhethorik vernahm, war mein erster Gedanke: Man frohlocket, wenn man der Jauche-Grube endlich einen goldenen Deckel verpasst, wobei der Vergleich von Gauck mit einem goldenen Deckel unzutreffend ist, denn was da glänzt ist kein Gold.

Anonym 20. Februar 2012 um 13:09  

Dieser wird nicht mein Präsident - es sei, er schwört dem Zeitgeist ab. Mir fehlt allerdings der Glaube, dass es dazu kommt. Viel mehr teile ich Deine Befürchtungen zu diesem Kandidaten.

Er wird der Präsident aller Deutschen - aller Deutschen mit ausreichendem Einkommen und fehlendem sozialen Gewissen! Aller Deutschen, außer den Armen und den Wählern der Linken.

Die gesellschaftliche Kluft wird er nicht zuschütten, er wird sie vertiefen!

LG Omnibus56

Anonym 20. Februar 2012 um 13:13  

Fantastisch auf den Punkt gebracht !

potemkin 20. Februar 2012 um 13:21  

Der GAU(ck) ist eingetreten. Das wird ein Stammtisch-Präsident, wie man sich ihn bisher nicht vorstellen konnte. Er wird sich Dinge herausnehmen, die andere nicht mal in Erwägung ziehen. Denn dieser Herr ist kein Kanzlerkandidat, keiner, der für seine unverhoffte Spätkarriere Dankbarkeit zu zeigen hat, und bei ihm wird man alle Augen zudrücken, allein schon deshalb, damit die 5 Jahre mal wieder voll werden. Dannach leben wir vielleicht schon in einer anderen Republik...

klaus baum 20. Februar 2012 um 13:31  

Ich muss noch etwas hinzufügen, und zwar zu der Verbindung von Freiheit mit Verantwortung. Diese Gedankenfigur taucht in ähnlicher Form bei Sloterdijk und bei Thea Dorn auf. Sie geht unter anderem zurück auf den deutschen Idealismus, auf die Philosophie der Aufklärung, die versuchte deutlich zu machen, dass ungezügelte Freiheit keine Freiheit ist, sondern Willkür. Nun soll aber keine Autorität außerhalb des Subjekts vorgeben, was dieses darf und was nicht, sondern das Subjekt soll qua Einsicht Moral internalisieren. Kant nennt das: Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit.

Ein einfaches Beispiel: Werkzeuge sind auf ihr Material, das sie bearbeiten sollen, abgestimmt. Es gibt Holzbohrer, Metallbohrer, Steinbohrer, Schlagbohrmaschinen für Beton usw.
Freiheit bedeutet eben nicht, ich entscheide willkürlich, womit ich Löcher bohre, sondern das Material gibt mir die Art des Bohrers vor. Und wenn ich dem folge, erreiche ich, was ich möchte.

Freiheit und Notwendigkeit stehen in einem dialektischen Verhältnis.

Idealiter muss der Einzelne zum Beispiel etwas lernen, sich anstrengen, sich bilden, trainieren, üben usw.

Das trifft auf alle Subjekte zu, wenn sie selbständig werden wollen.

Was aber nun die Crux bei Leuten wie Dorn, Sloterdijk, Gauck ist, sie abstrahieren von den gesellschaftlichen Bedingungen. Oder anders gesagt: Die gesellschaftlichen Bedingungen sind per se im Recht, und wenn beim Einzelnen etwas nicht klappt, ist der Einzelne selbst schuld.

Wer seinen Arbeitsplatz verliert, weil seine Firma Tausende entlässt, ist selbst schuld.
Wer nicht im Lotto gewinnt, ist selbst schuld, er hätte ja die richtigen Zahlen tippen können.

Gesellschatfliche Bedingungen werden durch bloße Metaphysik zum Verschwinden gebracht.

pillo 20. Februar 2012 um 14:07  

Lieber Roberto!
Aus diesem Frohlocken über neuen Schreibstoff spricht der Treibstoff des Grundübels jedes Lobbyismus - die Erhaltung der eigenen Pfründe als oberstes Anliegen.
Sich als Blogger des Slogans der Wald-und-Wiesen-Journaille "schlechte Nachrichten sind gut fürs Geschäft" so überdeutlich - gar in der Überschrift - zu bedienen hinterläßt ein G'schmäckle...
Nichts für ungut.

Hurra 20. Februar 2012 um 14:16  

Merkel hinterließ eine Nachricht auf der Mailbox mit der Bitte um Rückruf.
Schließlich meldete sich Gauck aus dem Taxi, Merkel bat ihn ins Kanzleramt zu der Besprechung. Nun saß man beieinander und musste auf den Kandidaten warten. Was tun? Gab es noch etwas zu besprechen? Die Runde geriet ins Plaudern. Merkel berichtete über den Stand der Griechenland-Verhandlungen.

Dann schließlich erschien Gauck: Er betrat den Kabinettssaal und war sichtlich ergriffen. "Er weinte", erinnert sich ein Teilnehmer - vor Rührung. Er gab der Kanzlerin die Hand, dann reihum den anderen Parteichefs. Claudia Roth umarmte ihn. Das macht sie fast bei jedem. Gauck erklärte sich bereit, die Kandidatur zu übernehmen, bedankte sich bei allen Anwesenden für die Unterstützung. Alle freuten sich, die Stimmung war plötzlich sehr gelöst.

Anonym 20. Februar 2012 um 15:07  

Das deutsche Volk wählt seinen Henker selbst. Tag für Tag: Bild.

Dagmar Henn 20. Februar 2012 um 15:21  

Ja, es könnte eine Entblössung sein; aber mir will die Wahl von Hindenburg zum Reichspräsidenten nicht aus dem Kopf. Seit einiger Zeit bringt mich jedes Stück diktaturkompatibles Personal zum Gruseln, sei´s Guttenberg, sei´s Gauck. Darin einen Anlass zur Freude zu sehen, dafür ist die Veräußerung der Demokratie schon zu weit fortgeschritten, wie gerade in Griechenland bewiesen wird.

Matjes 20. Februar 2012 um 15:50  

Aus den Nachdenkseiten:
"Gauck als Bundespräsident dürfte sich jedoch im Hinblick auf die Bundestagswahl 2013 für Merkel und ihre Partei und vor allem auch für die FDP schon bald als Glücksfall erweisen, denn eine höhere amtliche Autorität gegen die SPD und die Grünen, sollten diese Parteien sich im Wahlkampf mit sozialen Themen profilieren wollen, könnte sich Schwarz-Gelb gar nicht wünschen."

Die Blog-Szene hat nun mit Hunderten Blogs volle anderthalb Jahre Zeit, Millionen von Lesern an den Mainstreammedien vorbei aufzuklären und damit eine Wiederwahl von merkel zu verhindern. Verpasst sie (die Blogszene) dies trotz der für eine außerparlamentarische Opposition noch nie dagewesenen publizistischen Reichweite, hat sie sich dies vollständig selbst zuzuschreiben.

Anonym 20. Februar 2012 um 16:14  

http://www.freitag.de/politik/0018-wiedersehen-herr-gauck

mann_von_nebenan 20. Februar 2012 um 16:18  

Zum Allem, was zu dieser Knallcharge bereits berechtigt kritisch geäußert wurde, nur eine Ergänzung: Wie kann jemand, der Zeit seines Lebens von verschiedenen Systemen alimentiert wurde und auch niemals nur 1 Pfennig (Ost/West) oder Cent durch Unternehmerinitiative erwirtschaftet hat (ach ja, seine unsäglichen (Buch-)Publikationen;-)) sich so als Herold des v. Hayek´schen Ordoliberalismus gerieren?

Ach ja, die moralische Schamlosigkeit eines Pfaffen nach dem Herzen Luthers, der zu Zeiten von Willem II. oder Adolf dem Einzigen besser aufgehoben gewesen wäre.

Ach diese Ungnade der zu späten Geburt …

Anonym 20. Februar 2012 um 16:35  

Freuen Sie sich nicht zu früh. Er ist für Überwachung. Von dort zur Zensur ist es nicht weit.

Wenn dann die Bloggs eines Tages nicht mehr erreichbar sind, nützt das Schreiben auch nichts mehr.

JÜRGEN 20. Februar 2012 um 17:26  

Trefflich kommentiert - BRAVO!

Anonym 20. Februar 2012 um 17:57  

Wie ich heute früh nach einer fast schlaflosen Nacht zu meinem Mann sagt:

Gauck gibt das beste Feindbild ab seit Franz-Josef Strauß.

Vielleicht kann er durch seine Provokationen bei manchen auslösen, was unsereiner vergebens herbeischreiben will. Eventuell fühlen sich manche durch ihn derart beleidigt, dass ihnen endlich ein Licht aufgeht (insbesondere ein Licht über die sogenannte "Opposition"). Aufmerksame DDR-Bürger wissen es schon länger, wir Westler glauben ja doch mehrheitlich immer noch, wir seien frei und würden in einer Demokratie leben.

Vielleicht hilft Gauck ungewollt, ein paar Augen zu öffnen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wolfgang Buck 20. Februar 2012 um 18:05  

Kurz gefasst: Gauk ist der Präsident den die Berliner Republik verdient hat.

In sofern können wir geradezu dankbar sein, dass er Bundespräsident wird. Wenigstens kein verlogener Alibi-Präsident, sonder einer der die Vier-Parteien-Junta würdig vertritt.

ulli 20. Februar 2012 um 19:10  

Vieles an diesem Artikel gefällt mir nicht: Die gestrige Parteienriege, die Gauck kürte, war vielleicht gewöhnungsbedürftig. Aber mit einer "Junta" hatte das nichts zu tun. Und es ist vollkommen abwegig, die Stasi-Behörde in einen Zusammenhang mit der Ketzerverfolgung durch die Inquisition zu bringen. Wer nicht weiß, wer die Stasi war, sollte vielleicht mal das frühere Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen besichtigen. Der Besuch bildet ungemein.
Sicher sehe ich die Dinge anders als viele, weil ich schon in den 80ern in Berlin lebte und mich noch gut an Mauer und Grenzkontrollen erinnern kann. Ich kann mich auch an Tagesausflüge nach Ost-Berlin erinnern (man musste ja immer Riesensummen zwangsumtauschen) und daran, welch ein ultraspießiges, vollkommen graues Land von kleinlichsten Despoten und Duckmäusern die DDR war. Wieder zurück in Kreuzberg musste ich erstmal ein Bier trinken gehen, um den Mief abzuspülen.
Die Erinnerung an die DDR zeigt, dass die Freiheit der Bürger in der Tat das wichtigste Kriterium zur Beurteilung einer Gesellschaft ist. Sicher ist Gauck blind für die Untiefen und Nachtseiten der bürgerlichen Freiheit (um es mal so auszudrücken). Dennoch hat er recht: Die Freiheit ist das wichtigste.

So finde ich es ganz gut, dass ein Vertreter der DDR-Opposition Präsident werden soll.

Spartaner 20. Februar 2012 um 21:02  

Das ist absolut richtig. Dem ist nicht viel hinzu zufügen, außer....

Es war ein schönes und historisches Bild gestern im Fernsehen. Besser konnte man die Zwei-Parteien-Demokratie nicht entlarven. Da saßen sie alle in friedlicher Eintracht die eine Partei FDPCDUCSUSPDBÜNDNIS90DIEGRÜNEN. Dies war schon der erste Ausblick auf die nächste Bundestagswahl mit einer großen 3 oder 4 Parteienkoalition!Die Linke wurde wie immer komplett ignoriert und bald verboten. Gauck wird es schon entsprechend begründen.

Traurige Zeiten stehen uns bevor.

Hartmut 20. Februar 2012 um 21:18  

Sehr lange habe ich über diesen einmalig guten Artikel nachgedacht.

Ich lebte ein viertel Jahrhundert in Essen.
Mein Lieblingsplatz war dort das Ehrenmal der Kriegsgefallenen, mit weitem Blick über die Ruhr.
Hier konnte ich am besten (Nach)Denken.
Das waren die 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Hier war ich stolz auf unsere Verfassung, genannt GG, Grundgesetz.

Heute nach Kohl-Schröder-Merkel Regierung bin ich mehr als traurig !
Ich bin verzweifelt !

Ihnen, Herr Roberto De Lapuente,
möchte ich auf diesem Weg ganz herzlich danken für Ihre unübertroffenen Gedankengänge.

Herzliche Grüße
Hartmut

Roberto J. De Lapuente 20. Februar 2012 um 21:46  

@ Ulli:

Junta, im Spanischen juntos, was heißt zusammen. Was ist an einen Zusammenschluss, Junta letztlich, denn auszusetzen. Wer an die absolute Knechtschaft der DDR-Bürger glaubt, der hat, so denke ich, wenig Bezüge in den Osten gehabt - so war es nicht. Ungerechtigkeiten, sicher, die gab es - Verbrechen an der Menschlichkeit, die gab es - aber das war nicht der allgemeine Standard. Die Freiheit das wichtigste? Sie ist nichts, ohne die soziale Sicherung, ohne kulturelle Teilhabe, ohne Zusammenhalt... Gauck ist nichts davon.

Trojanerin 20. Februar 2012 um 22:05  

Können Blogger und linke Publizisten sich angesichts der Karikatur einer Demokratie, wie sie her Gauck verkörpert, über viel Stoff für Kritik freuen?
Für mich ist zum einen erneut deutlich geworden, wie dumm und selbstzerstörerisch die SPD ist.
Zum anderen höre und sehe ich nun Ständig in den Medien Berichte über die enorm große Zustimmung zum Kandidaten Gauck in der Bevölkerung. Also entweder ich lebe auf einem anderen Stern oder die Berichterstattung ist eine einzige Farce.
Trotzdem bin ich vor allem traurig und enttäuscht, wenn ein Vertreter einer neoliberalen Ideologie, die unmenschliche, unsolidarische Grundzüge zeigt, Bundespräsident werden soll.
Sicherlich passt Herr Gauck wunderbar zur Regierung und man wird seine Auftritte und Reden auseinander nehmen und kritisieren können. Die neoliberale Suppe auslöffeln müssen jedoch die ohnehin Ausgegrenzten und Benachteiligten.

landbewohner 21. Februar 2012 um 05:12  

nun ist der gau(ck) eingetreten, den bild-friede wollte. wer könnte die asozialen und kriegerischen unternehmingen von rosa-oliv-schwarz-gelb besser absegnen als ein präsi mit christlichem hintergrund?
demnächst werden wir dann von gottes gnaden ins unheil getrieben.

Morgen 21. Februar 2012 um 10:37  

In der Stunde der Not müssen eben die Männer Gottes nach vorn, allen Beschwörungen, wie wichtig die Trennung von Staat und Kirche sei, zum Trotz. Die Wahl stand ja zuletzt zwischen Bischof Huber und Pastor Gauck.
Wen hättet Ihr denn gewählt - unter Ausschluss von Kabarettisten und der Alternative der Abschaffung des Amts?

jürgen 21. Februar 2012 um 20:06  

jetzt also n(d)och ein gauckler.

einer, der sich erfolgreich durch seine vergangenheit eierte und als erster im amt, die chancen für einen neuanfang bewußt vertat und dem jetzigen inhaber die notwendige reinigung überließ. zu ostzeiten hat er sich wohl auch erst in der abendröte, als die götterdämmerung den niedergang des realen sozialismus noch einmal erleuchtete, aus dem schützenden dunkel der kirchlichen schutzräume getraut, um im BÜNDNIS 90 den pfaffenbund zu stärken. so einer, der christlich-eisern zu den nachkriegskriegen zwischen balkan und hidukusch schwieg, der den gravierenden abbau des sozialstaates durch seine (un)moralische gutheisung mit der der verhöhnung der kritiker erhöhte, der den beginnenden protest gegen die unerträgliche überheblichkeit des geldes auf kosten der allgemeinheit noch durch sein mediales nachtreten verunglimpfte, dessen herz wohl nie von der urchristlichen menschliebe durchdrungen war und wenn doch, im laufe seines lebens, wohl eher zum stein in der brust wurde - so einer soll es jetzt machen: präsident für ALLE zu sein.
die kommenden zeiten werden es sicher offenbaren: in den zeiten der not, wird er sich eher durch grausamen kadavergehorsam als bekennender opportunist der macht, eher dem verrat luthers an den bauernaufständen, als müntzers vison einer gerechteren welt, verschreiben. Einer muss den Bluthund machen! sagte Gustav Noske als er die aufstände der arbeiter zu beginn der Weimarischen Republik von der soldadeska der freikorps niederschießen ließ.
und einer wie gauck wird nie sich vermittelnd zwischen die verhärteten fronten stellen, sondern eher die bestie von der kette lassen...
eitel genug ist er, ob dies ausreicht eine polarisierende gesellschaft in einer ungewissen zukunft zusammen zuhalten, wird sich zeigen.

mein präsident hieße schramm und wenn die USA schauspielern diese chance gab, dann sollte sich deutschland, als erster europäischer bundesstaat von amerikas gnaden, nicht zu vornehm sein.
ein verramschen von menschlichkeit zu gunsten der eliten (oder die sich dafür halten), einen ausverkauf auf kosten des souveräns, der die werte erst geschaffen hat und einen unterschriebenen blancoscheck für die banken der EU, die skupellose finanzmafia der welt, wird es mit ihm, schramm, niemals geben...

Morgen 21. Februar 2012 um 21:44  

Sieht so als, als seien hier alle unhinterfragt auf eine Filterbubble hereingefallen:

http://blog.karlshochschule.de/2012/02/20/gauck-in-der-filterbubble-oder-wie-wir-lernten-den-kontext-zu-ignorieren

hok 24. Februar 2012 um 09:49  

Danke für den Link zu dem erhellenden Blogeintrag.
Besonders am Ende ist eine Liste der Publikationen und Autoren zu finden, die sich gefolgsam bemühen, an der Medienkampgne PRO Gauck teilzunehmen und sich nicht dabei zu schade sind, die pseudowissenschaftliche Verdummung voranzutreiben. Lügen haben es immer leicht.

Was den Blogeitrag betrifft: er hat sich ja Zeit genommen. Nur nicht mit der Biografie von Gauck. Da kommt er auch nur mit seinen "ich habe Gauck immer als ... wahrgenommen". Prima. Bauchgefühl gegen Bauchgefühl. Das Phänomen der verkürzt wiedergegebenen Zitate stimmt schon. Da werden auch ideologieschlachten geführt, die immer verkürzen.
Aber es ist auch ein ungleiches Verhältnis. Alle Medien röhren Ihre Behauptungen im Dauerfeuer (z.B. Bürgerrechtler) ohne einen einzigen Beweis zu liefern. Lediglich von jenen, die das Bezweifeln wird dann für Ihre Zweifel der Beweis verlangt. Und dabei stehen ihnen dann so wirklich die Medien nicht mehr offen.

Es hat sich aber auch mal jemand die ungleich größere Mühe gemacht und hat den Kontext der Zitate noch weiter gezogen. Über Gaucks Selbstauskünfte in einer Rede hinaus. Es ist doch dämlich, Gaucks Haltung einzig von einer Rede, die ja einen Zweck hat abzuleiten.

http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2012-02-21/der-boese-gauck-und-das-netz
Kurz nochmal zu der dreistesten Lüge "Bürgerrechtler Gauck":
Fakt ist, Gauck ist erst im Oktober 89 zum Neuen Forum gekommen und war vorher im "Wiederstand" nicht nur nicht zu sehen, sondern die Stasi hat sogar eine "Unbedenklichkeitserklärung" in den Akten. Sein Privileg der Reisefreiheit war zu keiner Zeit eingeschränkt. Nachzulesen in der ersten Biografie. Trotzdem wird er als Bürgerrechtler bezeichnet. In einem Beitrag vom WDR sogar als "führender". Das haben sie dann auf meinen Widerspruch hin gelöscht. Die Lüge Bürgerrechtler ist geblieben.

Das habe ich schon einmal hier genauer ausgeführt:
(ziemlich am Ende - Anonym 18. Oktober 2011 18:03):
http://ad-sinistram.blogspot.com/2011/10/veteranengeschwatz.html

In der Ostseezeitung ist übrigens der aktuelle Umfragestand: 22% für, 74% gegen Gauck. Dort muß eine andere Spezies leben.
Beim MDR haben sie am 20.2. ein ähnliches Ergebnis gehabt - plötzlich war dann bis heute die Seite nicht mehr erreichbar...
http://i.imgur.com/wKpo7.png

h.

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