Taktlose Empörung

Donnerstag, 17. November 2011

Mächtig empört ist die deutsche Medienlandschaft. Stramm rechtskonservativ ist sie zu großen Teilen. Aber rechts nie und nimmer. Deshalb werden die NSU-Totenkopfbrigaden natürlich verabscheut. Das gehört sich so. Man hat ein Image zu verteidigen. Das Image eines Deutschland, das gelernt hat aus seiner Vergangenheit. Nazi-Bestien! titulieren sie. Wobei fraglich ist, wie zielführend es ist, Schwerkriminelle zu Bestien zu machen - Bestien können nichts für ihr Tun, sie folgen nur ihrem Naturell. Einem Tiger kann man nicht mit Moral kommen, wenn er seinem Jagdtrieb folgt. Einer Bestie gleichsam nicht. Wer von Bestien spricht, wenn er Menschen meint, entbindet von Verantwortung.

Wenn wir schon bei Worten sind. Was ist das eigentlich für eine feine Medienart, die einerseits schrecklich empört ist ob der Morde, die aber andererseits das gewaltsam erwirkte Ableben von zehn Menschen, neun davon mit sogenanntem Migrationshintergrund, als Döner-Mordserie bezeichnet? Das Deutsch-Türkische Jugendwerk (dtjw) schrieb dazu in seiner Pressemitteilung, dass es "den Raubmord, den Sexualmord, den Serienmord" gäbe, der "Döner-Mord" aber sei "systematische Diskriminierung". Weiter erklärt das dtjw: "Worthülsen und sinnentleerte Neologismen sollen Ängste und Phantasien über düstere Machenschaften in nicht greifbaren Parallelwelten bedienen. Wenn die Mordopfer 'Ausländer' sind, kann man diese Morde unter 'Döner-Morde' zusammenfassen. Leichtfertig, jenseits von jeglicher Sensibilität und ohne einen Hauch von Taktgefühl."

Die SoKo Bosporus, ein Begriff, der von den Medien ohne jegliche Prüfung übernommen wurde, soll nun ermitteln. Die Morde geschahen aber nicht am Bosporus, wie auch das dtjw festhielt. Überhaupt müsste man mal nachfragen, ob die Opfer ursprünglich vom Bosporus kamen. Bosporus, das klingt so, als habe man es mit einer Sonderkommission zu tun, die das Treiben einer Migrantenmafia aufdecken soll. Waten im türkischen Untergrund. Der Untergrund war aber deutsch und nannte sich selbst nationalsozialistisch. Die Mörder waren ganz besonders stolze Deutsche.

Dieselbe Gruppierung, die die zehn Kleinunternehmer umbrachte, tötete auch eine Polizistin. Diese ist aber nicht Opfer der Döner-Mordserie. Das wird gesondert verbucht. Etwas mehr Respekt für eine deutsche Beamtin! Zu lesen war auch, dass es eine Mordliste gab. Einige halbprominente Namen waren darauf gestanden. Ein Christsozialer namens Uhl und der etwas bekanntere Grüne Montag. Wären sie Opfer des Totenkopfverbandes geworden, hätte man sie dann etwa auch zu den Döner-Ermordeten gezählt? Wohl kaum, darf man annehmen. Selbst in dieser Lage, da die Unkenrufe der Islamophoben sich ins Gegenteil verkehrt haben, da also nicht die Lebensgefahr von Muslimen herrührt, sondern diese in solche gebracht werden, kein Fünkchen von Respekt. Und schon gar kein Antrieb zur Integration. Nicht mal Getötete integriert man posthum, macht sie auch terminologisch zu "respektablen Opfern". Da sind deren Opfer und dort sind unsere Opfer, liest man aus diesem Sprachgebrauch heraus.

Da kann man noch so empört berichten. An den Worten liest man sehr wohl ab, dass man sich nicht mal mit toten Migranten und deren Hinterbliebenen solidarisiert. Man ist natürlich geschockt. Es ist ja auch schade, dass man da nützliche Dönerverkäufer tötete. Schade, wirklich. Wieder ein Döner ermordet. Ob das wohl auch die Wortwahl der Scharführer der NSU war, wenn sie planten, wieder einen Türken zu töten? Hätte man eine fiktive Mordserie an Deutschen, die in der Türkei geschehen wäre, nur mal als Schweinebraten- oder Sauerkraut-Massaker thematisiert...



31 Kommentare:

christophe 17. November 2011 um 08:02  

"Empört euch" - aber in Maßen. Die zahlreichen Sarrazin-Provinzstammtische wollen die Kirche im Dorf lassen. Natürlich sind diese jungen Heißsporne zu weit gegangen (sie sind ja auch jetzt tot), aber diese vielen Ausländer überall... Hier ist ein mächtiges Wählerpotential für die etablierten Parteien, welches man nur zu gerne vereinnahmen würde.
Dafür greift man wieder das unsägliche NPD-Verbot auf, weil die ja Steuergelder verwenden, die die etablierten Parteien so gut brauchen können. Jetzt fehlt nur noch der Vorschlag, gleich alle 'extremen' Parteien zu verbieten, dann hätte man Ruhe im Karton.

Inglorious Basterd 17. November 2011 um 08:28  

Gefunden auf "Gegenrede" von Freerk Huisken (Auszug):

„Brauner Terror“, heißt es, liegt dann vor, wenn deutsche Rechtsextremisten aus dem
Untergrund heraus über mehr als ein Jahrzehnt lang in ihrem fanatischen Ausländerhass
türkische Dönerbuden- oder Kioskbesitzer gezielt töten und wieder abtauchen, ohne in
Bekennerschreiben extra darauf hinzuweisen, dass für sie jeder in Deutschland lebende
Türke oder Grieche einer zu viel ist.

Von Terror, zumal von „braunem Terror“ kann deshalb da nicht die Rede sein, wo im Zuge demokratisch legalisierter Ausländerpolitik um
Europa eine „Mauer“ gezogen wird, die den Zuzug von unerwünschten Ausländern verhindern soll und an der jährlich Hunderte von Ausländern jämmerlich verrecken – zu
Lande, aber vor allem im Massengrab Mittelmeer.

Auch dort kann von „braunem Terror“
nicht die Rede sein, wo Menschen mit fremder Staatszugehörigkeit auf der Grundlage
des Ausländergesetzes hierzulande das Leben so schwer gemacht wird, dass sie entweder freiwillig wieder in jene Regionen zurückkehren, in denen sie um ihr Leben fürchten
mussten, oder sich hier umbringen (Selbstmorde auf Abschiebeflügen etc.).

Schließlich fällt es nicht unter „braunen Terror“,
wenn Menschen, die sich hier illegal aufhalten, erst in Ausländerbaracken konzentriert,
dann zusammen mit abgelehnten Asylbewerbern in Abschiebegefängnisse überführt und schließlich gefesselt per Flieger wieder
dorthin zurück verfrachtet werden, wo sie ihres Lebens nicht sicher waren.

Es handelt
sich in diesen Fällen deswegen nicht um „braunen Terror“, weil all diese, rücksichtslos
gegenüber Leib und Leben von Ausländern durchgeführten Maßnahmen erstens nicht
von fanatischem Ausländerhass, sondern von politisch kalkulierter Ausländerfeindschaft
demokratischer Regierungen zeugen, weil sie zweitens nach Recht und Gesetz verfügt
werden, weil sie drittens nicht aus dem Untergrund, sondern in aller Öffentlichkeit im
polizeilichen Obergrund passieren und weil sie viertens regelmäßig mit „Bekennerschreiben“ versehen sind, die sich in allen deutschen Tageszeitungen als Informationen
der Innenminister über neue Maßnahmen zum Schutz der Heimat vor illegalen Ausländern und als Statistiken über deren erfolgreiche Durchsetzung lesen lassen.

Meine Anmerkung: Sehr gut auf den Punkt gebracht, wobei ich die Bemerkung zu den "Bekennerschreiben" zum Ende des Textes am besten finde.

Inglorious Basterd 17. November 2011 um 08:39  

In den Pogromzeiten gegen Flüchtlingsunterkünfte Anfang der 90er Jahre gab es in autonomen Antifa-Zusammenhängen genau um meinen vorangestellten Inhalt die Diskussion, dass es nicht genügen würde, für die bürgerliche Mitte die Drecksarbeit zu machen, die Glatzen von der Straase zu hauen, damit der Normalbetrieb mit dem von Huisken beschriebenen rassistischem Konsens wie geölt weitergeführt werden kann.

Der Kampf gegen Rechts darf aber niemals aufhören, solange diese braunen Dumpfbacken eine konkrete Bedrohung für Minderheiten, Linke, Behinderte, Obdachlose, alles Nichtdeutsche und Unangepasste sind.

Die Neonazis brüsten sich gerne mit dem Zitat "Wahre Bräune kommt von innen." Ich sage dazu JA, man nennt es Scheiße.

Anonym 17. November 2011 um 09:11  

Entlarvend: Heute morgen auf N24 kurze Stellungnahme von Uhl zur Mordliste auf der auch sein Name erscheint:

"Da war ich sehr erstaunt, das hätte ich wirklich nicht erwartet"

Braucht wohl keinen weiteren Kommentar mehr !!!!

Gruß, Babs

Anonym 17. November 2011 um 10:47  

Naja, "die deutsche Medienlandschaft. Stramm rechtskonservativ ist sie zu großen Teilen"?
Nehmen wir uns mal 5 der 7 größten überregionalen Zeitungen:
Die Süddeutsche "stramm rechtskonservativ"? Die ZEIT "stramm rechtskonservativ"? Die TAZ "stramm rechtskonservativ"? Die Frankfurter Rundschau "stramm rechtskonservativ"?
Das Neue Deutschland "stramm rechtskonservativ"?
Diese einebnenden Pauschalurteile sind nicht hilfreich.

Anonym 17. November 2011 um 10:58  

Klar, die Wortwahl lässt schon einiges deutlicher werden von der braunen Soße in den Hirnen eben nicht nur der Mörder. Da stimme ich völlig zu. Aber dass die Medien in den Nebel der Politiker abtauchen, die behaupten, es handle sich bei den Verstrickungen des Verfassungsschutzes mit der Nazi-Szene um "Pannen", um "Nachlässigkeiten", um "Versehen", finde ich ein noch viel stärkeres Stück. Es sind keine Pannen, es ist gewollte Politik! Und zwar von ganz oben!
Für diese Behauptung spricht nicht nur die Geschichte des Verfassungsschutzes, der ja ein Organ des Staates Bundesrepublik ist, dafür spricht auch seine Gegenwart. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Und wenn unsere Bundesmutti mit frommem Augenaufschlag nicht etwa die Vorgänge in Thüringen und Hessen aufklären lassen will, sondern die NPD verbieten, wo sie weiß, dass sie, lax gesagt, vom Verfassungsschutz angeleitet wird und also ein Verbot der NPD mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in den Sternen steht, dann will sie das tun, was sie immer will: alles so lassen, wie es ist, das Ganze im Bereich des Irrationalen belassen, den sie nicht nur in dieser Frage gepachtet hat - es darf nur niemand merken. Selbstverständlich bin auch ich für ein Verbot der NPD, aber Merkel instrumentalisiert dieses Verbot, um am Ende nichts getan zu haben, denn leider, leider aber ist sie mit ihrem ach so vernünftigen Schrei der Unke gescheitert, bedauerlich. Man erkennt die Absicht und ist verstimmt. Wir werden sehen, was alles unternommen werden wird, um die Sache im Sande verlaufen zu lassen.

Anonym 17. November 2011 um 11:28  

Hier noch flink die Widerlegung, dass die meisten Medien stramm rechtskonservativ sind:

Prof. Dr. Magret Lünenborg von der Freien Universität Berlin hat im Auftrag des Deutschen Fachjournalistenverbandes die Einstellung von Politikjournalisten untersucht und unter anderem herausgefunden, wo sie sich politisch einordnen:
36,1 Prozent stehen keiner Partie nahe, sagen sie. Dann folgenden die Parteien: Grüne 26,9 Prozent, SPD 15,5 Prozent, CSU/CSU 9,0 Prozent, FDP 7,4 Prozent, Linke 4,2 Prozent, Sonstige 0,9 Prozent. Bei einer Wahl, bei der die Unparteiischen als Nichtwähler zu Hause blieben, gäbe das ein folgendes Ergebnis: Grüne 42 Prozent, SPD 24, CDU/CSU 14, FDP 12, Linke 7, Sonstige 1.

Roberto J. De Lapuente 17. November 2011 um 11:37  

Ja, das ist natürlich die totale Widerlegung. Selbst bei den Grünen zeichnen sich heute rechtskonservative Muster durch. Kretschmann ist das lebendige Beispiel. Was hat die Aussage "stramm rechtskonservativ" denn mit der Parteienlandschaft gemein? Das in einer Gesellschaft, in der CDU/CSU Synonym ist für FDP oder SPD oder Grüne?

adlersocken 17. November 2011 um 11:53  

Wir werden sehen, was alles unternommen werden wird, um die Sache im Sande verlaufen zu lassen.
Nachdem nun bald im ganzen Land die Weihnachtsmärkte öffnen, würde es mich nicht wundern, wenn es demnächst wieder Terrorwarnungen, ausgegeben vom BMI und hysterisch weiterverbreitet durch Bild & Co.,geben wird - diese dann natürlich wieder mit dem bevorzugten (Atten-)Täterprofil.
Damit könnte man diese "blöde" Geschichte mit dem "rechten Terror" unter den Tisch kehren, müsste nicht mehr eingestehen, dass es tatsächlich auch böse Nazis gibt...
Zudem wären dann endlich wieder die verdächtig, die den (anscheinend)meisten Menschen in diesem Land die liebsten Verdächtigen sind...

Anonym 17. November 2011 um 12:09  

Roberto, wenn selbst der Spiegel süffisant ausbreitet, wie die Konservativen in der CDU keinen Fuß mehr auf den Boden kriegen...
www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,797980,00.html
...dann mache mir mal einen Reim auf deine gegensätzliche Aussage.

Roberto J. De Lapuente 17. November 2011 um 12:15  

Der Spiegel wähnte sich mit Schröder und Blair noch linksliberal, als er schon lange Positionen der konservativen übernommen hatte. Das was in der CDU passiert ist ja kein Linksruck, keine Sozialdemokratisierung, wie man das immer sagt (wobei die auch nicht mehr das ist, was sie mal gewesen sein soll): es ist der Widerstreit zwischen Opportunismus und Konservatismus. Aber im Zweifelsfall immer für das conservare.

Gerrit 17. November 2011 um 12:26  

Ich kann auch nur sagen, dass man als Konservativer aus der CDU hinausgemobbt wird, also wenn man nicht für die immer weitere Verstaatlichung der Kinderbetreuung ist, wenn man gegen die zunehmende Auflösung der Bundeswehr ist, wenn man gegen die Preisgabe des dreigliedrigen Schulsystems ist, das als Erfolgsmodell in der Welt ankam, wenn man gegen den schnellen Atomausstieg ist, wenn man in der Mindestlohndebatte nicht mit der Parteilinie mitgehen will, usw.
Es gibt kaum mehr eine konservative Position, deretwegen man in der CDU nicht angefeindet wird.

Anonym 17. November 2011 um 12:31  

So schlimm findest du doch Konservatismus selbst nicht, Roberto. Es gab doch mal einen Artikel in dem du meintest, dass die heutigen vermeintlichen Konservativen gar nicht mehr für die eigentlichen konservativen Tugenden stünden.
Ich weiss nicht mehr, welcher Artikel das war.
Jedenfalls stimmt dann doch die Einordnung "rechtskonservativ" nicht mehr, weil es sich gar nicht um Konservatismus handelt.

Systemfrager 17. November 2011 um 12:34  

Ich genieße es richtig, was du zuletzt schreibst.
Es reicht wirklich, dass die Linken ihren Verfassungspatriotismus und Demokratietreue beweisen, indem sie sich mit den Rechten prügeln. Und der Konservative lacht, was für nützliche Idioten sie sind

Anonym 17. November 2011 um 12:50  

Anonym 12:09 Uhr: Einfach mal lesen, was hier über die "Leitmedien" und Ihren politischen Standort geschrieben steht:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=11313

Roberto J. De Lapuente 17. November 2011 um 12:51  

Jeder von uns hat konservative Aspekte, wenn wir das so nennen wollen. Ich schrieb mal irgendwo, dass ich nicht in einer Kommune leben möchte, dass ich mich im traditionellen Familienbild wohler fühle. Das ist damit aber auch nicht gemeint gewesen.

Ich rede vom Festhalten an eine überkommene Wirtschaftsform. Bewahren, conservare dieser Form mit einer alttestamentarischen Auffassung, wonach der leben können soll, der arbeitet - die, die nicht mehr in die Wirtschaft eingegliedert werden, fallen heraus. Wohin das führt, hat Amery mal angedeutet. Wir haben ja nur zwei Möglichkeiten: mitfüttern oder unnütze Esser irgendwie reduzieren. Wenn aber die Wirtschaft keine Reduzierung durch Integration darin bietet... bitte selbst ausmalen, wie das enden kann.

Das ist fern jeglicher demokratischen Gesinnung. Wie man den Euro rettet: Bewahrung des Euro durch undemokratische Mittel. Das ist Neo-Rechtskonservatismus.

Ich sprach nicht vom Wertekonservatismus, dem man auch als Linker etwas abgewinnen kann, sofern er nicht arg frömmlerisch praktiziert wird.

Ob nun Kinderbetreuungsfragen und dergleichen Tand. Das ist Tagespolitik. Und in der CDU der Merkel herrscht Opportunismus mit dem Markt. Daher die Tendenz, solche konservativen Positionen zu untergraben. Aber die grundsätzliche Richtung bleibt deshalb doch konservativ, und das macht man durchaus mit strammen rechten Mitteln (wenn man darunter versteht: undemokratisch).

Inglorious Basterd 17. November 2011 um 12:55  

NPD verbieten? Dass ich nicht lache. Vor ungefähr 10 Jahren hat man auch die rechtsradikale FAP verboten und was haben wir dafür bekommen? Autonome Nationalisten, Kameradschaften, Sauerlandfront usw.

Aber mit dem Verbot von Parteien schaft man sich ja lästige Konkurrenz bei Wahlen vom Hals.

Roberto J. De Lapuente 17. November 2011 um 12:57  

Ich bitte auch nochmal genau zu lesen. Ich schrieb "zu großen Teilen" - der Kommentator unterstellte, ich hätte alle gemeint. Bei den Tatsachen bleiben. Das nur als Nachtrag.

Anonym 17. November 2011 um 13:19  

"alttestamentarischen Auffassung, wonach der leben können soll, der arbeitet" - naja, mit genau dieser Haltung hat Deutschland ja eines der größten Wohlfahrtssysteme der Welt installiert... Dass es auf dieses Extrem hin Gegenbewegungen gibt, ist doch natürlich.

Manul 17. November 2011 um 13:21  

Worüber soll man sich denn da empören? Es waren doch nur ein paar Kanaken, die nun nicht mehr ihr minderwertiges Erbgut in Deutschland verteilen werden. Von denen gibt es ja schliesslich schon genug und wir brauchen auch keine weiteren Dönerbuden und Gemüsegeschäfte.

Das wird sich vielleicht so mancheiner denken und ob diese Empörung überhaupt echt ist, wage ich sehr zu bezweifeln. Gestorben sind ja nicht Menschen, sondern ungebetene Gäste und mit denen hat man bekanntermassen keinen großen Mitleid.

TaiFei 17. November 2011 um 15:21  

@Gerrit
"...wenn man gegen die Preisgabe des dreigliedrigen Schulsystems ist, das als Erfolgsmodell in der Welt ankam..."
Wo ist diese Schulsystem denn bitte ein Erfolgsmodell?

Roberto J. De Lapuente 17. November 2011 um 17:07  

So, Entwarnung, Springer hat einen Experten herangezogen. Jaschke heißt der. Und der sagt: Kein rechter Terror - das sind keine Terroristen. Plakativ fragt man bei Springer: Rechter Terror oder pure Mordlust?

Und wir haben uns Sorgen gemacht! Alles im Lot in der Gute-Laune-Republik. Jedenfalls so halbwegs.

Hartmut 17. November 2011 um 17:30  

@ R.J. De Lapuente 17:07

Jetzt bin ich aber total perplex !

Ich hoffe das ist Zynismus in höchster Potenz...

Mir fehlen die Worte... vielleicht paßt grotesk !

Momo 17. November 2011 um 21:02  

@Anonym, 17. November 2011 10:47
@Anonym, 17. November 2011 11:28

Sie zählen zu den "fünf der 7 größten überregionalen Zeitungen" die Frankfurter Rundschau, die taz und das Neue Deutschland.

Was soll der Terminus "überregional"? Entscheidend ist doch letzten Endes die Auflagenstärke der Zeitungen! Und wie möchten sie "regionale" von "überregionalen" Zeitungen abgrenzen? Ist z.B. die Nürnberger Zeitung, die Sie auch außerhalb Bayerns kaufen können, eine regionale oder eine überregionale Zeitung?

Die sieben auflagenstärksten deutschen Tageszeitungen (3. Quartal 2011) sind:

-- Bild (stramm konservativ): Auflage 2.898 Tsd.
-- Süddeutsche Zeitung (Politik: liberal/linksliberal; Wirtschaft: stramm konservativ/neoliberal): 415 Tsd.
-- WAZ (früher: SPD-nah/heute: konservativ): 397 Tsd.
-- FAZ (stramm konservativ/neoliberal): 361 Tsd.
-- Rheinische Post (stramm konservativ): 343 Tsd.
-- Südwestpresse (konservativ): 298 Tsd.
-- Freie Presse (konservativ): 274 Tsd.

Diese Daten sind selbstredend!

Nebenbei bemerkt: Die Auflage der taz beträgt lediglich 53 Tsd., die Auflage des Neuen Deutschland 37 Tsd. und die Auflage der Frankfurter Rundschau 120 Tsd.

Eine Anmerkung zur Frankfurter Rundschau: Das ehemalige linksliberale Flaggschiff innerhalb der deutschen Zeitungslandschaft gehört seit einigen Jahren zu 50% einem konservativen Kölner Medienkonzern (DuMont Schauberg). Dies macht sich seit einigen Jahren in einem zunehmend konservativen Kurs der FR bemerkbar.

Sie erwähnen die angebliche politische Einstellung der deutschen Journalisten. Diese Erhebung ist m.W. bereits mehrere Jahre alt. Nach meinem Eindruck hat sich innerhalb des deutschen Journalismus in den vergangenen Jahren eine zunehmend anpasserisch-konservative und neoliberale Geisteshaltung breit gemacht. Doch selbst wenn dem nicht so sein sollte, dann bedeutet dies noch lange nicht, daß die deutschen Zeitungen "links" ausgerichtet seien. Denn die Eigentümer der privaten Medienkonzerne würden einen "linken" Kurs ihrer Zeitung mit allen Mitteln verhindern. Und die Journalisten sind gezwungen, sich unabhängig von ihrer persönlichen politischen Überzeugung nach dem Motto "Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe" zu richten, ansonsten würden sie sich sehr schnell auf der Strasse wiederfinden.

Eckart Spoo veröffentlichte im Mai 2008 in der NRhZ folgenden interessanten Beitrag: "Medienmonopole – eine Gefahr für die Demokratie".
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12411

Darin heißt es:

"Als 1965 der konservative Journalist Paul Sethe (Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) die Pressefreiheit suchte, fand er sie weder bei den Journalisten noch bei den auf Medien angewiesenen Bürgerinnen und Bürgern, sondern schon damals erkannte er, unter den realen Verhältnissen der Bundesrepublik Deutschland sei Pressefreiheit „die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“ bzw. durch von ihnen bezahlte Journalisten verbreiten zu lassen. Falls diese Definition zutrifft, wäre unser aller Grundrecht zum Privileg einer kleinen Gruppe von Unternehmern verkommen, die nach ihren Interessen öffentliche Meinung formen. Das Grundrecht wäre also in sein Gegenteil verkehrt. (...)
Paul Sethes anfangs zitierte Äußerung ist dahingehend zu aktualisieren, daß der weitaus größte Teil der deutschen Presse heute in der Hand von nicht mehr als zehn Konzernen ist (Bauer, Bertelsmann, Burda, DuMont, Holtzbrinck, Ippen, Madsack, Springer, Stuttgarter Zeitungsverlag und WAZ)."

Diese 10 privatwirtschaftlichen Medienkonzerne sind nahezu vollständig konservativ bzw. neoliberal ausgerichtet.

Electric Eye 17. November 2011 um 21:07  

"Wer von Bestien spricht, wenn er Menschen meint, entbindet von Verantwortung. "

Sehe ich auch so.
Muss wohl die Tollwut gewesen sein. Das passiert halt immer wieder mal, da kann man nichts machen.

Beim Uhl hätte man das ja den Schweinebraten-Mord nennen können
Für mich sind das ja schlicht die NSU-Morde gewesen, Döner-Mord ist tatsächlich eine unverschämte Diskrimierung. Ich glaube, es waren tatsächlich nur zwei Döner-Verkäufer unter den Opfern.

Noch fieser wird die Sache ja dadurch, dass der Döner in einschlägigen Kreisen sowieso schon lange als abwertendes Symbol für die Türken in Deutschland benutzt wird.

Wenn man mal eruiert, wer "Döner-Mord(e)" das erste mal geschrieben hat wird man bestimmt wieder bei der Blöd landen.

Electric Eye 17. November 2011 um 21:31  

"Anonym hat gesagt...
Hier noch flink die Widerlegung, dass die meisten Medien stramm rechtskonservativ sind:

Prof. Dr. Magret Lünenborg von der Freien Universität Berlin hat im Auftrag des Deutschen Fachjournalistenverbandes die Einstellung von Politikjournalisten untersucht...."


Nur mal flink als heisse Luft entlarvt:
Es kommt halt darauf an, was gelesen wird.
Und nicht auf den Durchschnitt aller Politikjournalisten.
Ich glaube, bei der Blöd nennt sich auch keiner Politikjournalist. Und trotzdem hat die den grössten Einfluss auf die politische Bildung.

Anonym 17. November 2011 um 23:24  

Hab mir mal die Mühe gemacht, die krassen Ungereimtheiten in dem Fall zusammenzutragen, die mich befremden:

Erst mal wundert das jahrelange Fehlen öffentlicher Bekenntnisse durch die Mörder, wenn jene denn eine politische Dimension ihres Tun anivisierten. Denn die Tötungen genügten ja nicht, um bundesweit Verunsicherung auszulösen. Sie blieben bis auf den Mord an der Heilbronner Polizistin lokale Ereignisse, die man der Schutzgeldmafia zuschrieb. Im Sinne einer politischen Motivierung der Taten kann das nicht gewesen sein.
Der "Nationalsozialistische Untergrund" trat gar nicht als solcher und als Systemfeind hervor.

Noch merkwürdiger sind ja die Umstände der Identifizierung der Täter. Zwei eiskalte Killer, die von einem Streifenpolizisten gestellt werden, richten ihre Waffen gegen sich selbst?! Die Schlüssigkeit dessen glaubt doch hier wohl niemand?
Und wie durch Zauberhand werden plötzlich Straftaten aufgeklärt, die die Ermittler jahrelang vor Rätsel stellten? Obwohl die Terrorzelle offenbar aus überwiegend schlichten Gemütern bestand, konnte es ihnen gelingen, jahrelang abzutauchen? Warum schießen Ausländerhasser deutschen Polizisten in den Kopf, erschießen sich dann vor einem anderen Polizist aber plötzlich selbst? Und wie hat ausgerechnet die DVD mit dem nachträglichen Bekennervideo die Explosion und den Brand der Wohnung überstanden?

Als ob das nicht schon alles zusammen den Vogel der Seltsamkeit abschießt, wird es ja noch abstruser:
Alle drei Täter waren in der Neonazi-Szene über den "Thüringschen Heimatschutz", dessen einstiger Chef vom Verfassungsschutz viel Geld erhalten hat. Und am 6. April 2006, unmittelbar vor dem Mord am türkischen Betreiber eines Internetcafes in Kassel, hat ein Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes den Tatort sondiert.

Glaubt da jemand noch der konsenshaften Einordnung der Sache durch die Medien da draußen?
Die Sache und ihre massenmedial kommunizierte Deutung stinkt zum Himmel...

Trojanerin 17. November 2011 um 23:47  

„Taktlose Empörung“ ist ein Text, der auch meine Empfindungen angesichts der medialen Aufbereitung dieser Mordserie widerspiegelt.
Neben der Sache an Sich (Morde, dubiose Rolle des Verfassungsschutzes) ist die Wortwahl (Dönermorde), die von vielen Medien verwendet wird, wirklich beschämend und entlarvend.
Es gab bei Ad sinistram mal einen Text, der von Opfern zweierlei Würde sprach.
Hieran musste ich denken. Ich sehe es auch so, dass die Opfer ein zweites Mal verunglimpft werden, wenn sie im Nachhinein mit so unsachlichen Bezeichnungen, wie Opfer der Dönermorde gewesen zu sein, bedacht werden.
Das ist diskriminierend. Die Opfer von Jack the Ripper werden als Ripper Opfer bezeichnet. Hier ist der Täter ausschlaggebend. Der Begriff Dönermorde suggeriert ja eine gewisse Logik für die Verbrechen, die in der Person der Opfer liegt.
Ich fürchte, in 20 Jahren werden viele Leute bei dem Begriff Dönermorde nicht mehr an Verbrechen an türkischen Mitmenschen , sondern an von Türken begangene Verbrechen denken.

Anonym 18. November 2011 um 13:49  

>Dönermorde< klingt schon so roh und dumm, weil automatisch das Bild von einem versäbelten oder in den Dreck geworfenen Döner entsteht, anstelle eines Menschen, der sich mit dem Verkauf von Dönergerichten zu Lebzeiten redlich sein Geld erwarb.
Oder handelt es sich eher um eine unfreiwillige Selbstentlarvung dieser Scribifaxe qua Freudscher Verschreiber, weil in deren Unterbewußtsein Türken & Co auf der gleichen Wertigkeitsskala rangieren wie verunglückte Billignahrung?
Warum fällt mir gerade >Tonio Schiavo< von FJD seligen Angedenkens ein …

Deutsch-Pole 19. November 2011 um 18:48  

Ah, vor einem solchen Hintergrund werden wir in Polen uber Rechtsradikalismus und Antisemitismus (beides ein weitaus geringeres Problem in Polen als in Deutschland...) von div. dt. "Intelektuellen" belehrt....ganze ironiefrei nat.

Electric Eye 20. November 2011 um 02:33  

Wer mal über das gruselige Thema herzlich lachen möchte sollte sich das ansehen:

http://www.spiegel.de/spam/0,1518,797802,00.html

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