Söhnt euch mit eurem Diktator aus!

Freitag, 4. Februar 2011

Merkel, Sarkozy und Cameron mahnen Reformen in Ägypten an - es sollen aber Reformen unter der Führerschaft Mubaraks sein, finden sie. Denn Mubarak, so finden sie auch, sei ein Stabilitätsfaktor in jener Weltregion und im Hinblick auf Israel sei er derjenige, der weiterhin wünschenswert wäre.

Die Unzufriedenheit der Herrschaften Ägypter sei zwar nicht von der Hand zu weisen, aber Mubaraks Regime, das befriedende Auswirkungen nach Außen hatte, läßt sich eben auch als Erfolgsgeschichte lesen. Um außenpolitisch weiterhin Ruhe zu haben, nehmen Merkel, Sarkozy und Cameron innenpolitischen, innerägyptischen Unfrieden wohlwollend in Kauf. Demonstrieren mit Maß: das ja! Aber man mache aus Mubarak bitte keinen blutsaufenden Diktator! Überhaupt haben die Herrschaften Ägypter nicht so zu klagen, denn in unserem Lande, in Deutschland, hatte man wirklich mal einen richtigen Diktator: und haben wir gegen den etwa demonstriert? Nein, wir haben es ausgesessen, wir haben gewartet, bis er sich eine Kugel in die Schläfe schoss. Wenn wir das können, sollten es auch andere Völker können: schon alleine, um jene Weltregion nicht zu gefährden - um Israel nicht zu gefährden, treffender gesagt. Daher, Ägypter, söhnt euch mit eurem Diktator aus! Geht beide einen Schritt aufeinander zu!

Schon richtig, Mubarak regiert seit dreißig Jahren durchgehend; und: er regiert mittels Notstandsgesetzen. Aber bitte, liebe Ägypter, seid besonnen, damit die einzige Demokratie in jenem Landstrich, die israelische nämlich, am Leben bleiben kann; damit dort weiterhin demokratisch palästinensische Siedlungen geräumt und niedergewalzt, palästinensische Menschen gegängelt und palästinensische Zivilbevölkerung ausgehungert oder ausgebombt werden kann - als Demokratie, sei es die deutsche, französische oder britische, hat man Demokratien zu beschützen. Und dazu benötigt man einen Mubarak, der freilich etwas reformfreudiger sein könnte, um die Unruhen zu zähmen - aber grundsätzlich war Mubarak doch immer ein Garant des Friedens und der westlichen Interessen.

Sicherlich ist Mubarak kein Hitler, er unterhält keine Konzentrationslager und sieht europäische Touristen gerne in seinem Land. Aber er regiert dreißig Jahre am Stück ohne je freie Wahlen zugelassen zu haben - und er hat sich qua Notstandsgesetzgebung zum Alleinherrscher modelliert. Die Tragik an dieser ganzen Sache ist doch eigentlich nur, dass erst jetzt sein Volk aufbegehrt. Gleichwohl die westliche Welt die unterjochten Völker des Islam immer wieder ermutigt, sich ihrer Unterdrücker zu entledigen, teilweise sogar mitgewirkt hat beim Abschaffen eines Diktators, sollte sich das ägyptische Volk nun damit zufrieden geben, dass ein Despot nach dreißig Jahren abermals Reformen ankündigt, die er dann eh nicht einzuhalten gedenkt. Hätte Saddam Hussein Reformen angekündigt, hätte man ihn dann nicht in ein Erdloch verjagt? Mubarak mag zwar, frei nach Franklin D. Roosevelt, ein Hurensohn sein: aber er ist unser Hurensohn! Und genau das war eben Husseins Fehler: er wollte nicht mehr unser Hurensohn sein...

Deshalb stecken Merkel, Sarkozy und Cameron freilich auch in der Misere, von Lobbyisten der Reiseindustrie belagert zu werden, die reges Interesse an der Beibehaltung des status quo haben. Wer weiß was dann kommt? Eine neue demokratische Regierung, die die Reiseindustrie ausgiebiger steuerlich melken will? Oder gar eine islamische Spielart, die Touristen nicht ins Land lassen will? Und was ist, wenn eine neue ägyptische Regierung sich der Sache des palästinenischen Volkes annimmt? Oder wenn sie Israel zukünftig für dessen menschenverachtendes und rassistisches Auftreten und Handeln rügt? Uns fährt doch dann keiner mehr die Pyramiden anschauen! In so einer unruhigen Region will doch keiner urlauben - daher für deutsche, französische und britische Touristen: einen Despoten stärken, ihn zwar medienwirksam tadeln und vermahnen, aber doch liebend gerne im Amt stärken! Und wenn das nicht geht, dann wird man Mubarak um einen Strohmann und nebenher um dessen Rücktritt bitten, damit letztlich alles so bleibt, wie es seit dreißig Jahren war...



29 Kommentare:

endless.good.news 4. Februar 2011 um 08:14  

Ähnlich wie beim Klimawandel werden in Veränderungen immer nur Weltuntergang und Katastrophen gesehen. Wieso kann es sich nicht in der Region auch zum besseren Wandeln? Im Irak hat man einen Musterstaat versucht. Man braucht immer noch Soldaten, um dieses "Ideal" zu halten. Lasst die Ägypter einfach machen. Es ist ihr Land. In der freien Marktwirtschaft sollen wir uns auch nicht einmischen. Wenn diese Menschen ihren Lebensweg finden wollen, dann mischt sich der politische Arm der Marktwirtschaft aber ein. Absurd.

Anonym 4. Februar 2011 um 09:10  

@endless.good.news
Ja, ja, einen "Musterstaat" haben sie geschaffen, die Neolib-Bande um Bush - Cheney - Rumsfeld. Diese Transformation verursachte "nur" 500.000 bis 1.000.000 Tote. Dieser Musterstaat garantiert 100%-igen Transfer aller Gewinne aus dem Irak heraus in die USA und anderen westlichen Plünderungsstaaten. Außerdem erließ Paul Bremer die Order 81.
Wikipedia:
"Im Frühjahr 2004 hat Paul Bremer als damaliger US-Beauftragter für den Wiederaufbau des Irak die „Order 81“ erlassen. Die Order 81 war eine von hunderten Gesetzespassagen, die die US-Besatzungsbehörde verabschiedete. Sie erlaubt Patente auf Saatgutzüchtungen: Verwenden irakische Bauern dieses Saatgut – aufgrund der Kriegsereignisse bleibt ihnen oft nichts anderes übrig – dürfen sie nicht mehr, wie seit Jahrtausenden in der Wiege der Landwirtschaft üblich, einen Teil ihrer Ernte aufheben und im nächsten Jahr als Saatgut aussäen. Haben sie sich einmal für patentiertes Konzern-Saatgut entschieden, müssen sie jedes Jahr Lizenzgebühren an die großen Saatgutkonzerne wie Monsanto, Syngenta oder Bayer zahlen.
So wurde der Irak als Markt für die Agrarkonzerne erschlossen, und die Bauern werden dazu gezwungen, industriell entwickeltes, gentechnisch manipuliertes und von Unternehmen patentiertes Saatgut zu verwenden."
Dieses Verbrechen nennt sich dann "Freihandel". Solche Aktionen der Mafia-Konzerne schreien doch nach einer Revolte. Wann ist es soweit? Wann gibt es im Irak (vielleicht werden sie von ihren ägyptischen Brüdern inspiriert), in den USA und Deutschland eine Revolte?
Nieder mit der Diktatur der Konzerne und dem Finanzfaschismus!
Freiheit für alle Menschen! Nicht nur für die 1% der "Superklasse" (David Rothkopf).
Anton Reiser

Anonym 4. Februar 2011 um 11:39  

für uns westler sollen andre völker leiden. das sind wir uns wert

Anonym 4. Februar 2011 um 12:06  

Folgende Schlagzeile fiel mir soeben ein:
"Das ägyptische Volk steht auf/wacht auf! --> Die Geo-Strategie des US-Faschismus wankt und das Zionistenpack (Peres, Netanjahu, Atombomben-Lieberman, Barak usw.)bekommt Panik-Attacken!"
Freiheit für die "Verdammten dieser Erde" (Frantz Fanon)!
Freiheit für Gaza!

P.S.: Auch wir sind in den Fangarmen der US-Imperialismus-Krake. Was, bitte schön, haben die dekadenten Kaugummifritzen (die überall in der Welt ihre Art von "Demokratie", d.h. Herrschaft des US-Finanz-Faschismus + der US-Konzerne, herbeibomben und herbeifoltern) in Ramstein (ca. 35.000 Soldaten, die der deutsche Steuerzahler komplett bezahlt!!!) usw. zu suchen? Warum lagern ca. 100 (?, es gibt keine offiziellen Zahlen) US-Atombomben auf deutschem Grund und Boden?
Anton Reiser

Anonym 4. Februar 2011 um 12:27  

Wird der Imperialisten-Vasall Mubarak nur durch eine neue Imperialismus(USA/EU/Israel)-Marinette ausgetauscht?
Die ägytische Generalität soll ja schon pausenlos Anweisungen aus Washington erhalten um das "Ding" zu schaukeln.

Anonym: Viele Menschen hier im Westen sind sich das Leid anderer Völker tatsächlich wert, nur sagen sie das nie so offen.

Anonym 4. Februar 2011 um 12:34  

Soeben auf Spiegel-Online:
>[12.20] Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hält Mubarak für den richtigen Mann, um Reformen in Ägypten anzuführen - der anhaltenden heftigen Proteste des Volkes zum Trotz. Im Rahmen des EU-Gipfels in Brüssel sagte er, der ägyptische Staatspräsident müsse die Zukunft des Landes regeln. "Ich hoffe, dass es in Ägypten einen Übergang zu einem demokratischeren System ohne Umsturz geben kann, mit einem Präsidenten wie Mubarak", so Berlusconi wörtlich.<

Da bleiben einem die Worte im Halse stecken. Dieses EU-Verbrecher_Pack!
Faseln von "Demokratie" und untersützen die abartigsten Diktatoren. Hauptsache die Milliarden fließen in ihre Taschen. Das ist eklig und widerlich. Diese EU-"Elite" ist faulig-dekadent bis ins innerste Mark. Bei Berlusconi wohlt eher bis in sein Geschlechtsteil.
Nieder mit der EU-Finanz/Konzern-Diktatur. Freiheit für die europäischen Völker!
Anton Reiser

Anonym 4. Februar 2011 um 13:14  

Im Iran war Demokratie der erste Schritt zu Islamismus und Terror. Warum sollte es in Ägypten und Tunesien anders sein? Bei den Palästinensern entwickelte es sich ähnlich. Die Hamas-Islamisten gewannen die Wahlen ganz demokratisch...

pillo 4. Februar 2011 um 13:21  

So offensichtlich wie momentan trat die Heuchelei des Westens bezüglich "Freiheit und Demokratie" selten zu Tage. Wie sich die Außenminister und Regierungschefs in ihren diplomatischen Floskeln winden, ist beschämend und bezeichnend zugleich. Keiner stellt sich klar auf die Seite des ägyptischen Volkes und fordert öffentlich den Rücktritt Mubaraks.

Dabei kann der Westen auch ganz anders, wenn es denn seinen eigenen Interessen dient. Anno 1991 breschte der damalige deutsche Außenminister Genscher mit der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens contra jeglicher Diplomatie einfach vor und feuerte damit den aufziehenden Bürgerkrieg in Jugoslawien erst so richtig an. Auch bei der einseitigen Anerkennung des Kosovo durch viele westliche Staaten im Jahre 2008 gab es kein Abwarten und Taktieren. Was aus diesem tollen Staatsgebilde geworden ist kann man in der Zeitung lesen.

Die Ungleichbehandlung von Despoten kann man auch an den Beispielen Alexander Lukaschenko (Weißrußland) und Islam Karimow (Usbekistan) sehen. In Punkto Menschenrechtsverletzungen, Unterdrückung der Opposition und Einschränkung bzw. Verwehrung der Bürgerrechte nehmen sich beide Diktaturen nichts. Lukaschenko wird (zurecht) als Diktator gebrandmarkt während man Karimow gewähren läßt. Außer den obligatorischen und halbherzigen Appellen, doch bitte die Menschenrechte zu beachten, muß sich Karimow nicht vor westlicher Einmischung oder gar Sanktionen fürchten, obwohl er 2005 hunderte Landsleute auf offener Straße massakrieren ließ.

Und wenn es dann wieder einen Anschlag auf westliche Touristen bzw. in einem westlichen Land gibt, werden unsere journalistischen und politischen Koryphäen fassungslos dastehen und sich wieder einmal fragen:
"Ja wieso hassen die uns nur so?"

Anonym 4. Februar 2011 um 13:35  

SUPER!!! Genau auf den Punkt gebracht!!!

Anton Chigurh 4. Februar 2011 um 14:27  

Wie moralisch verrottet die neoliberalen Führer Europas wirklich sind stellt sich gerade besonders brillant dar. Diesem heuchlerischem Gesindel geht es mitnichten um "demokratische Reformen", oder dass sich für die Bürger Ägyptens etwas zum Positiven ändert. Maxime ist einzig und allein die Frage: wie wird Ägypten stabil gehalten, sodass weiterhin Geschäfte mit diesem Land gemacht werden können ! Die Reiseindustrie macht mobil und der Suez-Kanal ist eine entscheidend wichtige Verkehrsader, die von jemand kontrolliert werden muss, der den Industrienationen gewogen ist - dabei ist es VÖLLIG gleich, ob das künftige Regime die Menschenrechte mit Füßen tritt oder nicht.
Allen europäischen Regierungen voran entlarvt sich unser zionistischer Enddarmbewohner Westerwelle wieder einmal als vollkommen skrupelloser Heuchler, der sich nicht eindeutig positionieren will. Selbst als Mubaraks Schlägertrupps in SA-Manier die Demonstranten zusammenknüppelt, weigert sich dieser Widerling eindeutig Stellung zu beziehen.
Es ist eina absolute Schande was gerade passiert !

Anonym 4. Februar 2011 um 14:41  

Wie sind denn die alternativen Personen, die für die Machtübernahme in Frage kommen, und wofür stehen sie? Das wäre mal ein wissenswerter Beitrag, der nicht von anderen Politblogs übernommen wäre.
Die Strukturen mit dem besten internen Organisationsapparat sind da stets in großem Vorteil. Deswegen ist sehr wohl damit zu rechnen, dass die Islamisten ein größeres Wörtchen bei einer neuen Regierungsbildung mitsprechen werden, als das ihrer Repräsentation bei den jetzigen Protesten entspricht.
Aber das ist sicher genauso propagandistisches Gewäsch wie die Al Qaida-Atombombenwarnung durch Wikileaks, nicht wahr?
www.fr-online.de/politik/spezials/wikileaks---die-enthuellungsplattform/el-kaida-beschafft-radioaktives--material/-/4882932/7146578/-/index.html

Totschka 4. Februar 2011 um 17:23  

Oh, es dürften auch noch andere Interessen als die touristischen sein, die es zu wahren gilt. Ich denke beispielsweise an wichtige Handelswege, die da in unmittelbarer Nähe vorbei führen, oder beispielsweise an das Projekt DESERTEC. All das braucht "Stabilität" und Ruhe. Wenn man weiß, welche Konzerne da alle mitmischen und nachhaltig Geld scheffeln wollen...

Anonym 4. Februar 2011 um 18:00  

Nun wollen wir es aber wieder gut sein lassen mit diesen Ägyptern und ihren Protesten, gegen was, für was auch immer sie so erregt glauben demonstrieren zu müssen.
Für uns ist auch hier das wichtigste zunächst mal der Benzinpreis an der Tankstelle für unsere Autos, gern natürlich mächtige City-Rovers.
Mögen uns diese Ägypter diesen bei unserem christlichen Gott nicht ruinieren, schon gar nicht unseren EURO, unsere augeblicklich so brummende Konjuntur mit spektkulär fallen Arbeitslosenzahlen.
Ebenso müssen uns unsere Pyramiden und unsere beliebten Touristenplätze am Roten Merr erhalten bleiben.
Es steht für uns in diesen Tagen viel auf dem Spiel.
Warum diese Ägypter gegen Mubarak protestieren erschließt sich mir als Bürger und Wähler eines der freisten Länder der freien westlichen Welt sehr schwer, weil Herr Mubarak ja schon seit 30 Jahren ein geschätzter Partner und guter Freund unserer freien westlichen Welt, unserer demokratischen, von uns gewählten Politiker ist.
Selbst Israel scheint er sehr zu mögen, kämpft mit Israels Militär und Sicherheitsdiensten bereits seit Jahren gemeinsam gegen die palästinensischen Terroristen, Al Kaida und viele andere Finsterlinge aus dieser noch immer dem Koran huldigenden Welt.
Ganz persönlich hätte ich mir in so einer Situation als demokratischer Bürger dieses Landes von unserer Kanzlerin in dieser für uns so wichtigen Frage, also vor allem natürlich sichere Ölzufuhr, Freiheit des Suezkanals zu möglichst günstigsten Bedingungen für uns, Tourismus zu den Pyramiden und Taucherurlaub am Roten Meer, deutlich mehr Engagement, mehr mutiges Eingreifen für uns alle gewünscht.
Ich hätte mir sehr gewünscht, sie wäre, am Besten gemeinsam mit den Herren Sarkozy, Obama, Berlusconi, Cameron und Herrn Barosa als die Stimme unserer freien EU nach Kairo auf diesen PLatz gefahren und hätte den dort Demonstrierenden gesagt dass die gesamte freie westliche Welt, die EU, die Nato, die EZB, die Wirtschaft viel Verständnis haben für die Sorgen und Wünsche der Menschen, Herr Mubarak jedoch unbedingt weiter ihr Präsident sein müsse wegen der so wichtigen Stabilität. Sie hätte den Deeemonstranten zurufen müssen dass Reformen welche für Ägypten nötig sind schon längst in Washington und Brüssel koordiniert ausgearbeitet sind und Herrn Mubarak vor wenigen Stunden bereits übergeben worden seien. Bei erfreuter Entgegennahme habe er die heilige Versicherung gegeben, dieses fix und fertige Reformpaket des Westens sofort umzusetzen, sobald das Chaos in Kairo um diesen PLatz herum und in anderen Städten des Landes beendet wäre.
Anschließend hätte ich mir gewünscht, dass diese demokratischen Staatsführer und wichtigsten Politiker des Planeten die Demonstranten freundlich aber bestimmt aufgefordert hätten nun artig nach Hause zu gehen, weiteres dem unbestechlichen staatlichen Fernsehens zu entnehmen, wieder fleißig zu arbeiten und ihrem bewährten Präsidenten auch weiterhin wie schon in den letzten 30 Jahren zu vertrauen.
Mit so einer Geste hätte unser freier demokratischen Westen, die EU und die Nato zweifellos nicht nur die Herzen der Masse des ägyptischen Volkes gewonnen sondern darüber hinaus die Herzen des gesamten Nahen Ostens, insbesondere auch die des so fürchterlich geknechteten iranischen Volkes.
Warum aber geschieht nichts?
Will man diesen für uns alle so wichtigen geopolitischen Dominostein am Ende gar den Chinesen oder Nordkoreanern, eventuell gar diesen Menschenfressern aus Teheran überlassen?
Frau deutsche Kanzlerin, Reisen Sie unverzüglich ab!
Gott schütze uns und unsere Lebensweise, die EU, den Euro und die Nato, erhalte uns ein freundliches Ägypten! Amen!

Ein besorgter Demokrat, Wähler, Arbeitnehmer, Steuerzahler, Urlauber und Autofahrer der freien westlichen Welt.

Anonym 4. Februar 2011 um 19:53  

Israel ist KEINE Demokratie und war es nie. Dieses Märchen sollte nicht auch von linken Autoren verbreitet und unterstützt werden.

Merkel etc. werden nicht nur von "Reise"-Lobbyisten belagert auch die Rüstungsindustrie macht seit Jahren sehr gute Geschäfte mit dem ägyptischen Militär und "Sicherheitsindustrie". Der ägyptische Geheimdienst (in Zusammenarbeit auch mit dem BND) zählt zu den brutalsten der Welt.

Frank F. 4. Februar 2011 um 20:52  

@ anonym 18:00

Wow! Der Gag mit dem vorverlegten Wort zum Sonntag ist Ihnen bestens gelungen. (Gibt's das eigentlich noch?) Sind Sie zufällig der Herr Dieter Nuhr - ja, der vom besten Satiregipfel aller Zeiten? Jedenfalls nett dass ich auch Sie hier treffe.

Anonym 5. Februar 2011 um 00:48  

Und wie paßt da nun Guttenberg hinein?

Guttenberg: Weder Europäer noch Amerikaner dürften den Eindruck erwecken, dass ihnen autoritäre Regimes oder Diktaturen im arabischen Raum lieber seien als Regierungen, die in freien Wahlen gewählt und auch abgewählt werden könnten.

Ich erwarte jetzt den Presslufthammer-Artikel, der dieses Statement als feiste verlogene Schleimerei festnagelt.

Roberto J. De Lapuente 5. Februar 2011 um 09:03  

@ anonym von 19:53 Uhr

Israel ist keine Demokratie. Schrieb ich etwas anderes? Wer lesen kann und so...

Anonym 5. Februar 2011 um 10:59  

Sehr treffend ausgedrückt, ich staunte gestern nicht schlecht als ich hörte, dass 30.000 dt. Touristen in Ägypten ausharren - in einem, derzeit (noch), ruhigen Ecken dieser Diktatur. M.E. sollten die sich in Grund und Boden schämen, die jetzt - oder in den letzten Jahren - trotz Wissens über diese furchtbare Diktatur Urlaub in Ägypten gemacht haben. Übrigens, so ein neoliberaler "Experte" meinte gestern irgendwo im dt. TV, dass die Bevölkerung ja zu Beginn mit dem Diktator Mubarak durchaus zufrieden gewesen wäre, und es sich erst jetzt geändert hätte. Man spule dies um einige Jahrzehnte zurück, und das moralische Versagen der neoliberalen Ideologie wird auch hier offensichtlich, denn selbige Aussage kann man ja auch über Hitler, Stalin, Mao oder Pol Pot machen, wenn man auf Moral von Anfang an verzichtet.

Da sind mir erklärte Demokratiefeinde denn doch ehrlicher als alle neoliberalen FDP/CDU/CSU/SPD/GRÜNEN-Heinis.

Übrigens, die "Realos" sind auch bei der Linkspartei die erklärten Heuchler, die aus dieser Partei eine Wendepartei, wie Fischer mit den GRÜNEN machen wollen.

Gruß
Bernie

PS: Mich würde nicht wundern, wenn dt. Touristen auch in heute massenmordenden Ländern Urlaub machen würden - Im Sudan z.B. oder in Nordkorea bzw. Kolumbien. Moral? Wo? Hauptsache billig Urlaub. Übrigens vor kurzem las ich irgendwo im Netz, dass ein Reiseveranstalter tatsächlich Urlaub in Krisenregionen, wie z.B. Afghanistan und dem Irak anbietet. Vielleicht schreibt mal ein Blogger über eine derartige Verkommenheit von Billiganbietern, und Touristen, die diese Angebote auch noch annehmen.

Anonym 5. Februar 2011 um 15:26  

Anonym Frank F. hat gesagt...

@ anonym 18:00

"Wow! Der Gag mit dem vorverlegten Wort zum Sonntag ist Ihnen bestens gelungen."

Leider kein Gag, verehrter Herr Frank!

Gestern Nacht konnte ich auf einem der ständig laufenden Newsticker unter Berufung auf eine große deutsche Nachrichtenagentur lesen, dass sich nicht näher bezeichnete ´führende Unionspolitker´ zunehmend ungehalten zeigen sollen über das Chaos und die Unstabilität in Ägypten, energisch ein Ende von Gewalt und Chaos, eine Rückkehr zur Ruhe und Ordnung forden.
Bereits 2 Tage zuvor konnte ich einem anderen Newsticker entnehmen, dass sich zu Anfang der Woche auch führende Vertreter des DGB und der wichtigsten großen Einzelgewerkschaften unter Leitung von Michael Sommer in einer nächtlichen Krisensitung ebenfalls sehr besorgt über die Lage in Ägypten geäußert haben sollen. In einer noch zu veröffentlichenden Resolution sollen beide Konfliktparteien zu Mäßigung, Gewaltverzicht und partnerschaftlicher Zusammenarbeit, der Übernahme des so bewährten deutschen´rheinischen Modell´aufgerufen werden.
Ein hoher IGM-Vertreter habe am Rande dieser Sitzung einem Journalisten für die kommenden Monate eine umfangreiche erschöpfende wissenschaftliche Bewertung der Ereignisse durch die Hans-Böckler-Stiftung in Aussicht gestellt.
Um die weitere Entwicklung in Ägypten aus einer sachlichen und maßgebenden Perspektive beurteilen zu können dürfte es sich in den nächsten Tagen und Wochen als sehr vorteilhaft erweisen, Verlautbarungen aus dem Umfeld des Konrad-Adenauer-Hauses zu Berlin als auch aus dem Umfeld von Michael Sommer verstärkt Augen und Ohren zu verleihen.
Bis dahin, zwischendurch empfehle ich allen Autofahrern unbedingt die Tankstellenpreise weiter verschärft im Auge zu behalten, im Falle einer etwaigen Verschärfung der ägyptischen Lage vorübergehend unbedingt auf eine der Freien Tankstellen auszuweichen, einfach den Anbieter wechseln.
WIR werden es unter dem europäischen Sternenbanner gemeinsam schaffen.

Anonym 5. Februar 2011 um 15:44  

Anonym Anonym hat gesagt...

dass 30.000 dt. Touristen in Ägypten ausharren - in einem, derzeit (noch), ruhigen Ecken dieser Diktatur. M.E. sollten die sich in Grund und Boden schämen,.."

Nun gönnt doch unseren mit Hilfe von Betriebsräten, Gewerkschaftern und natürlich vor allem Unternehmensleitungen durch den Einsatz von Leiharbeitern und sontige prekär beschäftigten Leute geschützten und abgepufferten, in Krisen auch mal mit Kurzarbeitergeld aus der ALV gepamperten Arbeitnehmern deren Urlaub in Ägypten, Malle oder dem Kongo, der Karibik, Thailand.
Als getreue Schildknappen und ergebene ökonomische Prätorianergarden unserer Eliten haben die sich das doch wohlverdient?
Ebenso der ganze Mittelstand, dass gesamte aus Staatstöpfen gut Honig saugende Bildungsbürgertum.
Schon wegen ihrer Bildung brauchen die mindestens einmal im Jahr den Anblick einer Pyramide oder Tauchurlaub am Roten Meer.
Geht es denen gut, geht es "Deutschland" gut!

Anonym 5. Februar 2011 um 15:50  

>Israel ist keine Demokratie. >Schrieb ich etwas anderes? Wer >lesen kann und so...
wie wärs mit:
<"Aber bitte, liebe Ägypter, seid <besonnen, damit die einzige <Demokratie in jenem Landstrich, die <israelische nämlich,"

Na, Roberto steigt dir dein "Ruhm" schon zu Kopf?

Anonym 5. Februar 2011 um 16:16  

@ Bernie
"Moral? Wo? Hauptsache billig Urlaub."

Kuba fehlt in Deiner Auflistung...
www.erlebekuba.de

Roberto J. De Lapuente 5. Februar 2011 um 16:42  

Na, Roberto steigt dir dein "Ruhm" schon zu Kopf?

Ja, ich kann an nichts anderes mehr denken, als an Rum!

Anonym 5. Februar 2011 um 21:20  

"[...]Geht es denen gut, geht es "Deutschland" gut!
[...]"

Deinen Zynismus teile ich ;-)

Grüße
Bernie

Anonym 5. Februar 2011 um 21:27  

"[...]Kuba fehlt in Deiner Auflistung...
www.erlebekuba.de[...]"

Ist pure Absicht, denn wer Kuba heute noch als sozialistische Diktatur bezeichnet, der ist einfach nicht mehr zeitgemäß informiert.

In Kuba darf man schon lange demokratisch wählen (siehe z.B. Hans Weiss Buch, dass mit den Märchen über Kuba aufräumt), und unter Raul Castro befindet sich Kuba auch auf dem besten Wege in die Marktwirtschaft:

"[...]Aktivisten der Kuba-Solidaritätsbewegung in Deutschland bezeichnen die aktuelle Debatte in Betrieben und Massenorganisationen über wirtschaftspolitische Neuerungen in dem sozialistischen Karibikstaat als "historische Herausforderung" und heben den "demokratischen Beteiligungsprozess" dabei hervor[...]"

Quelle und kompletter Text:

http://amerika21.de/nachrichten/2011/01/22224/deutschland-kuba-solidaritaet

Fazit: Außer Honduras, Kolumbien & anderen rechtsregierten Ländern gibt es in Mittel- und Südamerika keinen Kommunismus mehr.

Wer den längst toten Kommunismus sucht, um dort Urlaub zu machen, der geht nach Nordkorea, oder zu dessen Verbündeten der VOLKSREPUBLIK CHINA (Deutschlands größtem Handelspartner, trotz Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens durch die chin. Rote Armee).

Nix für ungut.

Gruß
Bernie

Anonym 6. Februar 2011 um 20:43  

Bernie,
ich liebe China... War dort bei den Olympischen Spielen 2008.

Anonym 7. Februar 2011 um 18:45  

"[...]Bernie,
ich liebe China... War dort bei den Olympischen Spielen 2008[...]"

Und? Die Chinesische Diktatur hat sich da sicher von der Schokoladen-Seite gezeigt oder? Ich kenne auch Austauschschüler, die in China - bei Vorzeigefamilien - waren, und nur bestens von dieser Diktatur, die Massenhinrichtungen und andere Grausamkeiten für die eigene Bevölkerung bereithält, wenn die die Politik kritisiert, reden. Was willst du sagen? Ich sei antichinesisch?

Da muß ich dich enttäuschen, lieber anonym:

Ich habe Hochachtung vor der chinesischen und koreanischen Kultur, aber dass dort in der Politik autoritäre Staatskommunisten agieren, die ebenso schlimm sind wie Russland zu den besten Sowjetzeichen halte ich für eine Schande, und dass die Wirtschaft dort eiskalt in frühkapitalistische Zustände abdriftet ist mit eine Schande für diese uralten Hochkulturen.

Übrigens, für die größte Schande halte ich hier, ebenso wie in Ägypten und Tunesien bzw. Honduras und Kolumbien - die neoliberale Doppelmoral in Deutschlands PolitikerInnenkreisen.

Was dagegen?

Gruß
Bernie

Anonym 7. Februar 2011 um 18:49  

Noch was:

Meine Meinung über China und Nordkorea gilt auch für Kuba oder die ALBA-Länder Ecuador, Venezuela und Bolivien - sollten die sich am chinesischen Beispiel orientieren.

Der derzeitige Hass der Neoliberalen gegen die lateinamerikanischen Reform-Staaten Kuba, Venezuela, Bolivien und Ecuador spricht aber eher dafür, dass diese Länder einen eigenständigen wohlfahrtsstaatlichen Kurs fahren, der Niebel, Westerwelle & Konsorten (Merkel, Von der Leyen etc.) eben nicht passt - die halten schon den Wohlfahrtsstaat für reinsten Sozialismus/Kommunismus - ganz ohne an Lenin, Stalin oder Chruschtschow zu erinnern, da bin ich mir als Feind der asozialen Hartz"Reformen" sogar sicher.

Gruß
Bernie

Anonym 8. Februar 2011 um 19:06  

Leider jubeln sie da in Ägypten nun einem Faschisten zu, mit einer Zeile eines verpönten Verses der deutschen Nationalhymne:
"This is the time for us to say one thing only, 'Egypt is above all else.'"
("Ägypten über alles")
http://edition.cnn.com/2011/WORLD/africa/02/08/egypt.protests/index.html?hpt=T1

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