Durch und durch unpolitisch

Sonntag, 13. Februar 2011

Zum Tode Peter Alexanders.

Natürlich könnte es für Diskussionen sorgen, weil an dieser Stelle ausgerechnet auf den Tod eines Mannes verwiesen wird, der sich mittels leichter Unterhaltung und operettenhafter Kost in die Herzen eines bürgerlichen Publikums nistete. Nun könnte der Verfasser dieser Zeilen ausführen, dass er jenen Mann gerne und mit Freuden sah, damals als er - der Verfasser - Kind war und sich noch an fünftklassigen Filmproduktionen, die im Kern den unausrottbaren Zwiespalt zwischen Pennäler und Pauker trugen, zu ergötzen vermochte. Das wäre zwar nicht gelogen, aber alleine das reichte nicht als Grund, Peter Alexander hier einige Zeilen zu widmen.

Was aber hierzu reicht ist Alexanders politisches Auftreten - oder besser gesagt: der Umstand, dass er niemals politisch auftrat. In einem Interview, als man ihn fragte, wie er sich dabei fühle, wenn ihm junge Leute von heute unterstellten (das Interview dürfte wohl Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre entstanden sein), er würde nur "heile Welt" fabrizieren und sich politisch gänzlich raushalten, gab Alexander zu Bedenken, dass ihm sein Bewegen in einer heilen Welt durchaus bewusst ist. Und was sei so schlimm an heile Welt, fragte er - wollen das nicht alle Menschen? Er formulierte es zwar nicht eindeutig, aber man konnte heraushören, dass er auch jenen, die in diesen damaligen Tagen auf Straßen protestierten, unterstellte, sie würden doch eigentlich auch nur auf die Straßen stürmen, weil sie sich davon eine heilere Welt erhofften. Er sei unpolitisch, meinte er, weil er Menschen vom bitteren Alltag ablenken wollte, denn das sei sein Beruf, ein wundervoller Beruf übrigens - im operettenhaften Kosmos des Alexander war schon alleine daher kein Platz für politische Seitenhiebe, um seinem Publikum nicht dem Verdruss auszuliefern, den die Politik den Menschen ohnedies bereitete.

Natürlich konnte man ihm das während seiner ganzen Karriere zum Vorwurf machen. Während Kriege tobten, Krisen wüteten, während auf der Welt das Spiel gespielt wurde, wie seit Jahrtausenden, nur diesmal im kolossal-industrialisierten Stil des Zwanzigsten Jahrhunderts, alberte und scherzte er über Bühnen und durch Filmsets, warf sich in Frauenkleider, spielte verzärtelte Liebesgockel und verkannte Oberkellner oder Pädagogen. Alexander war kein Schauspieler mit Tiefgang, kein Interpret epochemachender Gesangsstücke - er konnte zweifelsohne singen, er hatte Talent zur Parodie: dort war er nahezu unschlagbar. Aber er war unpolitisch durch und durch - er tingelte durch eine heile Welt, die es außerhalb der Theater und Filmstudios nicht gab. Doch er wähnte sich als Rädchen einer Industrie, die unterhalten und ablenken wollte, die sorgenerfüllte Menschen in rührende Geschichten oder heitere Stücke entführen sollte - da war er ganz Produkt der Nachkriegszeit, in der es darum ging, den Menschen Mut und Freude zu vermitteln, nachdem man den gröbsten Dreck aus Konzentrationslagern hinausgefegt hatte. Er war sich jedenfalls keiner Schuld bewusst, er verteidigte seine apolitische Haltung.

Der Verfasser dieser Zeilen meint, Peter Alexander hatte auch nie Notwendigkeit, sich einer Schuld bewusst zu sein. Zwar wurden hier schon desöfteren Possenreißer, die man heute Comedians nennt, kritisiert, weil sie sich der politischen Situation nicht stellen - aber das ist unter einem anderen Aspekt zu betrachten. Die überkorpulente Grazie, die aus Marzahn stammen soll, um mal die als Beispiel heranzuziehen, verhöhnt Menschen aus gesellschaftlichen Schichten, die sich gemeinhin nicht (mehr) zu wehren wissen - sie gelten als gesellschaftlicher Abschaum und müssen sich abendlich auch noch auf ordinärste und kaltschnäuzigste Art verarschen lassen; Ingo Appelt zieht Themen wie Bundeswehr und Krieg heran, äußert sich aber nicht kritisch; neulich war dann ein solcher Comedian in Afghanistan, der die Truppe zum Lachen brachte, berichtete die Presse. Würde man sie fragen, warum sie so wenig kritisch sind im Hinblick auf politische Motive, dann würden sie wahrscheinlich nur erläutern, dass das das gesellschaftliche Milieu ist, in dem sie sich bewegen, aber grundsätzlich seien sie völlig unpolitisch - sie ziehen solche Hintergründe nur heran, um darin ihre harmlosen Scherze zu machen; eigentlich seien sie aber der Politik entschwoben. Diese Erklärung wäre aber so falsch wie hirnverbrannt!

Denn indem sie solcherlei Motive aufgreifen, bringen sie diese ihrem Publikum dergestalt nahe, dass diese Themen bekömmlich und verdaulich werden - wenn Appelt von einer schwulen Bundeswehreinheit in Afghanistan berichtet, die nicht auf Taliban schießt, sondern sie tuckenhaft verschreckt, dann wird ein mehr als politisches Motiv dazu benutzt, um es nebenbei salonfähig zu machen. Man darf durchaus auch über Krieg spotten - das ist nicht der Punkt! Wie man schwerfällige Themen humoristisch aufgreifen kann, hat beispielsweise Roberto Benigni in La Vita e bella gezeigt, oder Radu Mihaileanu in seinem Zug des Lebens. Man muß es so tun, dass man dem Thema gerecht wird - der Missstand darf nicht hinter dem Scherz verdeckt werden.
Appelt und Konsorten würden sicherlich auch erklären, Protagonisten einer heilen Welt zu sein: ihr Publikum will unterhalten und beschäftigt werden, würden sie sagen. Der Unterschied zu Alexander aber ist, er hat nie politische Motive herangezogen. Seine Zoten waren fraglos oft flach, manchmal banal - seine Kunst war die Parodie, nicht der gezielte, der scharfe Witz. Er hat auf seine Weise unterhalten, sich aber nicht politischer Grundlagen bedient, in die er seine Sketche hineinbettete. Bei ihm ging es um Klatsch, um Alltägliches, um die Liebe, um kleine Kneipen und darum, dass es der Papa schon richten wird. Manchmal spießige Kleinkunst fürwahr - aber wenigstens tat die keinem weh, wenigstens war sie unpolitisch und damit nicht Helfershelfer von Missständen.

Peter Alexander war sicher auch jemand, der auch deshalb zu schätzen war, weil er wusste, wann er abzutreten hatte. Es fand keine greise Selbstdemontage eines Idols statt; er wusste es zu verhindern. Das ist eine Rarität - nach seiner öffentlichen Ära zog er sich gänzlich zurück, keine Auftritte mehr - zu seinem achtzigsten Geburtstag ließ er sich kurz nochmal filmen, klimperte auf dem Piano, sang drei Zeilen und verzog sich eiligst wieder in sein Privatleben zurück. Keine Interviews, kein seniler Hobby-Politologe oder Pseudo-Soziologe wurde aus ihm - er schwieg und blieb insofern Philosoph, frei nach Boethius; ein Philosoph heiterer Schule, heiler Welt und trivialer Operette freilich - aber dennoch oder gerade deshalb nicht ganz unweise für sein doch eher wenig tiefsinniges Fach.

Der Fehler der Neuen Linken jener damaligen Jahre war, dass sie in allem Politik witterte; Rainer Langhans, der intellektuell noch irgendwo zwischen Kommune I und Münchner Highfish-Kommune meditiert, vertritt auch heute noch diese These, wonach alles was man tue auch politisch sei. Möglich, dass er diese Einsicht von Ulrike Meinhof entlehnt hat, die gerade in der Kindererziehung eine hochgradig politische Ambition ahnte. Das mag alles grundsätzlich nicht mal falsch sein, eher sogar nachvollziehbar und vielleicht auch richtig, aber für den größten Teil der Menschen stellt ihr Leben kein Politikum dar. Jeden zur politischen Aktion aufzufordern, das war das schreckliche Unbenehmen einiger damaliger Linker - das trifft ja durchaus noch in manchen Fällen zu; von einem wie Nuhr, der sich ja nun ins scheinpolitische Fach wagt, könnte man dergleichen verlangen; vom jemanden wie der Marzahnerin auch, immerhin verprellt sie ganze Gesellschaftsgruppen, indem sie das RTL-immanente Klischee vom Hartz IV-Empfänger unter ihr Publikum streut. Aber von einem wie Alexander, der vorher nie politisch ambitioniert war: das ist einfach nur verblendet und an der Realität vorbeigedacht gewesen.

Ein Entertainer und Komödiant, der sich penibel aus politischen Motiven herausgehalten hat, dem kann man wenig Vorwürfe machen - die Clique heutiger Faxenmacher könnte sich an Peter Alexander ein Beispiel nehmen: wenn man schon nicht kritisch ist und nichts weiter als das Unterstreichen von Klischees und Vorurteilen auf den Weg bringt, um sein tristes Repertoire zu füllen, dann doch lieber gleich die Klappe halten - dann sich lieber ganz aus dem Politischen heraushalten und Vertreter einer operettenhaften heilen Welt werden, bevor man im realen Jammertal noch mehr Brandherde schürt...



15 Kommentare:

Rasputin 13. Februar 2011 um 15:59  

Zur Würdigung Peter Alexanders siehe übrigens auch das ihm gewidmete Kapitel in Dieter Bohlens erstem Buch, der ja 1991 Alexanders letztes Album produzierte. Darin äußert sich Bohlen ungewohnt respektvoll, Peter Alexander sei der honorigste und am besten vorbereitete Sänger gewesen, mit dem er es je zu tun hatte.

Man muß aber sagen, daß auch ein Blog wie dieses für viele genau das liefert, was Peter Alexander zeitlebens lieferte: Die Rückversicherung des eigenen Weltbilds. Alexander besang die heile Welt, Lapuente beklagt die unheile Welt, und das Publikum lehnt sich jeweils bestätigt in seiner Gemütslage zurück.

Ich ertappe mich selbst, wie ich hier nach Artikeln zu mir sage: "Alles im Lot mit meinem Weltbild, es hat sich wieder bestätigt: die Bösen sind oben, die Geknechteten unten. Lapuente hat mein Weltbild einmal mehr abgesegnet, jetzt kann ich ruhig schlafen gehen."

Roberto J. De Lapuente 13. Februar 2011 um 16:44  

"Alles im Lot mit meinem Weltbild, es hat sich wieder bestätigt: die Bösen sind oben, die Geknechteten unten. Lapuente hat mein Weltbild einmal mehr abgesegnet, jetzt kann ich ruhig schlafen gehen."

Wenn das die Quintessenz ist, dann haben Sie - verzeihen Sie mir - nichts begriffen. Dass "die da oben" durchaus nicht die Bösen dieser Welt sind, wird bei ad sinistram häufig thematisiert...

Rasputin 13. Februar 2011 um 17:18  

Dass "die da oben" durchaus nicht die Bösen dieser Welt sind, wird bei ad sinistram häufig thematisiert?
Ich bin eben nochmal die zahlreichen Artikel der letzten 10 Wochen durchgegangen und habe nichts dergleichen gefunden.

Wenn sich irgendeine Essenz aus Ad Sinistram herauslesen läßt für mich, dann die, dass "auf der Welt das Spiel gespielt wird wie seit Jahrtausenden" (Zitat aus dem aktuellen Artikel).
Das Immergleiche kleidet sich nur immer neu ein.

Wenn man ein bestimmtes Weltbild hat, dann kann man sich bei Ad Sinistram zurücklehnen, weil man Tag für Tag Bestätigung findet.
"Es ist wirklich so, wie ich denke", ist der Hauptimpuls aus dem Gelesenen. Warum sollte man dann aber "nichts begriffen" haben?

Anonym 13. Februar 2011 um 17:24  

Muss jeder politisch sein? Zumal man dann (heutzutage?)Teil eines "Spieles" ist/ wird, das verhindert, klar zu sehen, was wirklich abgeht(Stichwort: Postdemokratie).

Zu Herrn Alexander:
Er war politisch, weil er mit seiner Schauspielerei/ Singerei große Teile des Volkes für die (Beschäftigungs)Politik zubereitete - nolens volens vermutlich.

Als Kind bin ich auch mal in die eine oder andere seiner Sendungen hineingeraten und fand (auch) ihn überaus langweilig: Ich habe mich als Kind immer gefragt, wie ein so gut aussehnder erwachsener Mann sich derart zum Affen machen kann?!
Heute würde ich sagen: Um Geld zu verdienen (das ist die selten eingestandende Begründung Vieler heute, die sich in Betrieben oder im TV zum Affen machen), um seine wahre Persönlichkeit vor der Öffentlichkeit zu verbergen und unangreifbarer zu sein in seiner Privatsphäre, um seine latente Traurigkeit? zu verbergen/ nicht spüren zu müssen. Wir wissen es nicht und ich möchte mir da kein Urteil anmaßen.


Wie viele verdienen mit einem eben solchen Gehabe ihr Gehalt heutzutage: Wenn sie auf der eigentlich ungeliebten Betriebsfeier mitschunkeln, den KollegInnen tausendmal wiederholt 'Frohe Weihnachten' wünschen, ehrenamtlich Tafeln gründen/ betreuen und sich energetisch ob der (in)direkt mitverursachten Hilflosigkeit und erkennbar erwarteten Dankbarkeit der Tafel-Kunden aufladen, die Leiharbeiterschaft dulden, Karneval feiern, Oktoberfest feiern, usw.. Auch die nächste Fußballmeisterschaft, olymische Spiele, DSDS,Big Brother, etc. sind keine würdigen Nachfolger der individuellen und kollektiven Verdrängung, denn P.A. hatte wenigstens Stimme. Oder doch?

@ Rasputin:
Ich kann Ihnen nur zustimmen! Immer mehr ermüdender Kampf der Weltbilder statt Konsens, echte Neugier auf den/ die Anderen und echt gemeintes Aufeinanderzugehen.
Es scheinen immer wieder junge Menschen nachzuwachsen, die diese Weltbilder teilen, da über Kindergarten, Schule und Kirchenutnerricht, usw. reinsozialisiert werden oder die in der sog. Rebellion in der Gegenabhängigkeit Teil des "Spiels" und im Systemdenken bleiben. Und zu Viele von den Älteren bis Alten scheinen nichts dazulernen zu wollen.


PS: Ich selber habe viele Jahre lang die (aus heutiger Sicht) falsche Partei gewählt (und eine richtige sehe ich nicht), obwohl ich politisch sehr interessiert war und schon frühzeit ziemlich eigenständig denken konnte.
Heute weiß ich, dass alle mir bekannten Parteien den P.A. gaben/ geben.
Selbst eine eigene bzw. von mir zu gründende Partei würde z. B. auf Grund der üblichen Gruppendynamik, Gier, Engstirnigkeit, Konkurrenzdenken, usw. genauso enden.
Die Ägypter beginnen (vermutlich) demokratisch gerade das, womit wir bereits so völlig am Ende sind.

Und nun?

Roberto J. De Lapuente 13. Februar 2011 um 17:29  

Tut mir leid, aber hier wird oft über die fehlende kritische Masse gesprochen... und das ist das gewaltigste Problem unserer Tage; nicht die da oben. Das Problem ist nicht die BILD, sie ist nur Symptom... und das läßt sich immer wieder hier herauslesen.

Anonym 13. Februar 2011 um 17:39  

Die Ägypter beginnen (vermutlich) demokratisch gerade das, womit wir bereits so völlig am Ende sind.

ja, deswegen herrscht da jetzt eine militärgruppe, von der man noch nicht weiß, ob sie im amt bleiben wird. vielleicht gefällt dem westen das militär. unddann?

Anonym 13. Februar 2011 um 17:54  

@ Herrn De Lapuente, 17:19 Uhr:

zu: "kritsche Masse":

Hm, eine kritische Masse gegen wen, gegen welches Weltbild?

Demokratie lebt von Mehr- und Minderheiten. Minderheiten haben in diesem System die A...karte, sollen sich gefälligt anpassen im Sinne von Unterwerfen. Also sollen sie kritisch werden (auf der Mikroebene stimmt das auch) - in der Hoffnung, dass sie einmal Mehrheit werden. Und dann? Dann geht es wieder von vorne los, dann wieder andersherum oder in einer anderen einseitigen Ausrichtung - wie von Herrn Rasputin richtig beschrieben.
Ermüdend und langweilig.

@ Anonym 17:29:
Vielleicht gibt es zu Demokratie, Militär, dem Überlaufen der Ex-DDR, usw. noch eine Alternative, die ALLEN gerecht wird und ALLEN ermöglicht, gem. ihrer Bestimmung und Berufung zu leben.

Rasputin 13. Februar 2011 um 18:20  

Meines Erachtens wird hier nach einem System gesucht, das die Menschen nicht mehr Menschen sein läßt. Denn zum Menschsein gehören die menschlichen Fehler, die zu den Problemen führen, um die es sich hier dreht.
Um die Menschen in Würde menschlich leben zu lassen, gehört also gerade die Akzeptanz ihrer Fehler, die zu unmenschlichen Verhältnissen führen.
Die Nichtakzeptanz dieser Fehler führt wieder zu Unterdrückung, die genau das produziert, was man vermeiden will.

Mein Fazit: Das Grundproblem, gegen das hier angegangen wird, ist unlösbar.

Rasputin 13. Februar 2011 um 18:34  

Anders gesagt:
Das konsequente Vorgehen gegen Rechtsfaschismus führt zu Linksfaschismus, da lediglich eine Unmenschlichkeit gegen eine andere ersetzt wird.

Ich halte es da mit dem Neuen Testament, das den Menschen ihre Fehler zugesteht und Verzeihen lehrt. Verzeihen als der wichtigste Akt für innere Befreiung.
Unbenommen bleibt einem aber auch die Ermahnung anderer - womit wir wieder bei der Funktion eines Blogs wie diesem wären. ;)

Anonym 13. Februar 2011 um 18:38  

@ Rasputin, 18:20 Uhr:

zu: "Mein Fazit: Das Grundproblem, gegen das hier angegangen wird, ist unlösbar."

Wozu leben wir dann in diesem einseitigen Hamsterrad, in dem immer öfter täglich das Murmeltier grüßt?


zu: "Meines Erachtens wird hier nach einem System gesucht, das die Menschen nicht mehr Menschen sein läßt.":

Wir sind es doch schon längst nicht mehr, Menschen.
Wir ernähren uns nicht mehr artgerecht, funktionieren beruflich und privat wie Automaten, machen aktiv unsere Gesundheit kaputt, unterliegen der Meinungsmache, usw.. Wir sind genormt und standardisiert - selbst in der Abweichung.

Sicher, alles menschlich.Und Fehler werden (immer wieder) begangen, auch das ist menschlich. Fehler sind eine (nicht immer notwendige) Voraussetzung zum Lernen.

Wann beginnt das Lernen?

Sind wir wirklich schon am Ende angekommen?

Rasputin 13. Februar 2011 um 19:55  

"Wozu leben wir dann in diesem einseitigen Hamsterrad"

Es gibt viele individuelle Antworten auf den Sinn des Lebens - die Auswahl für eine davon sollte man sich nicht abnehmen lassen.

"Wir ernähren uns nicht mehr artgerecht"

Die ganzen Bakterien früher im Essen, die die Menschen früher dahinraffte - soll das artgerechte Ernährung gewesen sein?

"funktionieren beruflich und privat wie Automaten, machen aktiv unsere Gesundheit kaputt, unterliegen der Meinungsmache, usw.. Wir sind genormt und standardisiert - selbst in der Abweichung."

Und das war wann mal anders?
Das Leben vor 100 Jahren wäre den Menschen vor 200 Jahren auch viel zu anstrengend gewesen.
Wir alle genießen heute die kürzesten Arbeitszeiten der Menschheitsgeschichte und haben entsprechend mehr Zeit für anderes.

"Wann beginnt das Lernen?"

Es geht langsam voran, weil jede Generation wieder von vorne an die Dinge herangeführt werden muß. Auch das liegt in der Natur der Sache, ist menschlich.

"Sind wir wirklich schon am Ende angekommen?"

Ich weiß nicht, wie man darauf kommen kann. Wir haben heute anders Lebensumstände als vor 100, 200, 300, ... Jahren - warum sollte dieser Prozeß nicht weitergehen?

Anonym 14. Februar 2011 um 10:18  

Der Sinn des Lebens ist: Leben.



Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Anonym 14. Februar 2011 um 11:59  

@rasputin
"Wir alle genießen heute die kürzesten Arbeitszeiten der Menschheitsgeschichte und haben entsprechend mehr Zeit für anderes."

Woher wissen Sie das? Sind das nicht Mythen des Kapitalismus und des Industrialismus, um dem „Fußvolk“ die Versklavung schmackhaft zu machen?
Der US-Anthropologe Marshall D. Sahlins (geb. 1930 Chicago) wies nach, dass die Steinzeitgesellschaften („Stone Age Economics“) viel weniger „arbeiten“ (für den Bau der Unterkunft, Herstellung der Kleidung und der Werkzeuge, Nahrungssuche) mussten, als wir, ach so fortschrittlichen Gesellschaften heutzutage, höchstens 2-4 Stunden/Tag. Der Rest war „Freizeit“: Erzählungen am Lagerfeuer, Spiele, Faulenzen(!), im Wasser plantschen usw.
Diese Leute waren (scheinbar?) viel freier als wir – ohne Staat, ohne Werbung …
Natürlich muss man vorsichtig sein, diese Zeit bukolisch zu verklären.
Selbst im angeblich „finsteren“ Mittelalter (die Hexenverfolgungen fanden in der frühen Neuzeit statt – nicht im Mittelalter! – auch so ein Mythos) arbeiteten die Menschen viel, viel weniger als wir. Sie waren noch ganz der Natur angepasst, also begann die Arbeit mit Sonnenaufgang (im Winter war der Arbeitstag also wesentlich kürzer) und endete mit Sonnenuntergang. Es gab viel, viel mehr katholische Feiertage … (z.B. den Josephstag, Maria Lichtmess usw.) – die wurden erst mit dem Protestantismus und der Industrialisierung abgeschafft. Außerdem waren das ja keine durchrationalisierten „Arbeitsplätze“ (die gibt es vielleicht seit 200 Jahren – als Folge des Kapitalismus: Es werden nur noch Tätigkeiten ausgeführt, wo man aus Geld noch mehr Geld machen kann – „Profitismus“ oder „Onkel-Dagobert-Prinzip“. Alle anderen Tätigkeiten sind nur noch was für Hausfrauen, Idealisten und Dummköpfe – „Donald-Duck-Prinzip“ – die „lohnen“ nicht mehr.), sondern es wurde das getan, was getan werden musste.
In früheren Zeiten brauchten die Leute halt auch viel weniger als wir. Damals gab es noch keine PR-Profis, die die Leute verarschen und ihnen irgendeinen Blödsinn aufschwatzen, den sie jetzt unbedingt benötigen, um ein richtiger Mensch zu sein/zu werden. Ich wage mal die These, dass die Steinzeitmenschen nicht frustriert waren, weil ihnen der Fernseher fehlte …
Anton Reiser

Anonym 15. Februar 2011 um 15:31  

Haha, sehr gut Roberto!

Eine wunderschöne Schleife gezogen. Das gefällt.
Hier anfangen, dort hinschwenken und doch wieder hier ankommen. Schön und getroffen. Die "Peter"-Geschichte als Würdigung, Verteidigung und dann aber doch noch riesig mit Kritik verbunden. hossa. hingelangt.

:-) Gruß _BB_

Anonym 20. Februar 2011 um 13:57  

Passend:
www.welt.de/wirtschaft/article12595845/Der-deutschen-Politik-gehen-die-guten-Leute-aus.html
...niedergeschrieben (im Sinne von runtergemacht) von der Journaille, die keine Menschlichkeit, d.h. Fehler, erlaubt...

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