Sich selbst adelnder Adel

Mittwoch, 3. November 2010

Braucht die Politik mehr Adel, fragt Alexander Joachim Graf von Schönburg-Glauchau in Deutschlands größtem Revolver- und Blaublüterblatt. Natürlich seien Adlige nicht von Natur aus die besseren Politiker, besänftigt er. Aber... ! Nach der Beschwichtigung ein Aaaber mit langgezogenem A, eine Wende, damit eine Bestätigung des Gegenteils - ein rhetorisches Stilmittel, das man ja hinlänglich kennt. Aaaber, meint Schönburg also, der Adel stehe für Tugenden - für Aufrichtigkeit, für Geradlinigkeit, für Rückgrat.

Es darf nicht verwundern, wenn ein Spross aus verarmenden Adel, der Graf Alexander ja ist, ein letztes Hohelied auf den Adel anstimmt. Er, Bruder der Gloria von Thurn und Taxis (Die Dame, die aristokratisch höflich einst feststellte, dass "Neger gerne schnackseln".), schrieb vor geraumer Zeit ein Buch über stilvolles Verarmen - ein Buch, das als Spöttelei auf jeden Sozialhilfebezieher gemeint sein könnte; denn wenn sich da ein adliger Dandy nonchalant über die langsam einschleichende Armut seiner Familie und seines Standes ergießt, dabei deutlich macht, wie schlecht es um ihn schon bestellt ist, weil er sich nur einen Urlaub im Jahr zulegen kann, dann darf man das getrost als dekadentes Parlando abtun - zumal er im gleichen Atemzug von Kurzaufenthalten in London und Paris berichtete, die er sich dann und wann einrichtet.

Aufrichtigkeit, Geradlinigkeit und Rückgrat! Angestoßen wird diese gesamte Debatte vom Gott des heutigen Adels, von Karl Theodor von und zu Gottesberg - und wie man neulich bei Plasberg sehen konnte: da bekommt ein ganzer Stand Auftrieb, da fühlt man sich wieder bestätigt, doch Primus zu sein - nicht inter pares freilich, man steht für sich. Graf Alexander erwähnt ja, dass es auch nichtsnutzige Adelige gibt, spricht aber im selben Satz von den Herren Weizsäcker und Dohnanyi, die den besseren Fall des Adligen darstellten - wie das gerade bei letzterem gemeint ist, kann leider nicht festgestellt werden; vielleicht ist er ja ein über viele Ecken angeheirateter Onkel des journalistischen Grafen, der gelobt sein will. Trotz allem, es gibt sie, die lotterhaften Adligen, läßt uns Alexander von Schönburg wissen - warum er allerdings nicht löblich über den Adel schrieb, als die vormalige Koryphäe des deutschen Adels in aller Munde war - die, die vor Guttenberg die Tagespresse bestimmte, erklärt er nicht. Damals, als Ferfried Prinz von Hohenzollern noch auf gelifteten Plastikweibchen rumzuckelte: wo sang er damals seine Hymne auf den Adel? Wo war er, als Ferfried, dieser neumodisch lüsterne Erzherzog Luziwuzi seinen offenen Hosenstall zu einem öffentlichen Hosenstall, zu einer res publica quasi machte? Luziwuzi, dies sei noch erklärend nachgeschoben, hieß eigentlich Ludwig Viktor und war Bruder des feschen Franzel, Kaiser Franz Josephs I. von Österreich. Er war ein ausgesprochen geiles Knäblein, fast so wie Ferfried - bloß in schwul. Er feierte homosexuelle Sausen und verweigerte seinen männlichen Saunagästen das Handtuch oder eine frisch bereitgelegte Unterhose für danach, um gegen deren Willen gar herrscherlich an den baumelnden Gemächtern zu pusseln - aber das war ja auch nur ein inzestuöser Habsburger; der deutsche Adel war von jeher anders: preußischer, gedrillter.

Vergessen sei übrigens auch nicht der Vorgänger des Vorgängers, Ernst August Prinz von Hannover mit Titel, ein äußerst charmanter, aufrichtiger, geradliniger Mann mit Rückgrat und Regenschirm. Hätte sich damals eine öffentliche Diskussion darüber entfacht, ob man einen Adel, dessen einzige Geradlinigkeit darin besteht, geradlinig an Expo-Pavillione zu pissen und dessen einzige Aufrichtigkeit es ist, nach fürstlich vollbrachten Besäufnis aufrecht zu stehen: was hätten sie doch not amused geunkt! Wir sind aber doch nicht alle so!, hätten sie gewinselt. Aber nun, da ein Messias blauen Blutes die Szenerie betreten hat, der das Spiel mit dem Blendwerk gar herzoglich beherrscht, da wollen sie eine Diskussion anstoßen; da rufen sie: Wir sind fast alle so gut und fein wie er! Jetzt kriechen selbst jene adligen Sprösslinge ans Tageslicht, die von sich behaupten, heute schwer bürgerlich in Ordnung zu sein - sind sie ja, aber adliger Herkunft sind sie eben auch; und ihre Erziehung und ihre Bildung und ihre feine Familiengeschichte nebst Stammbaum und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl wollen sie lautstark betonen. Ein bisschen Profit rausschlagen aus der Renaissance der Aristokratie. Von Guttenberg profitieren - aber zu Prinz Foffi jede Verbindung leugnen! Der Adel, er ist einfach das bessere Bürgertum! Nichts mehr Müßiggang, nichts mehr Luziwuzi oder Foffi: heute ist der Adel weniger Privileg als Verpflichtung zur harten Arbeit, weniger Bequemlichkeit als absoluter Leistungswille - noblesse oblige!

Guttenberg ist da nur das Paradebeispiel für viele andere Aristokraten, er ist nur der Primus - inter pares! Jetzt darf man inter pares hintendrein schieben, jetzt ist man ja unter sich. Graf Alexander deutet die Freundlichkeit mit "einfachsten Menschen" zu sprechen, zu einer Tugend, die zwar auch untadelige Unadelige besitzen können: mit aristokratischer Erziehung gelingt dergleichen aber sicherer. Dass der einfachste Mensch überhaupt als Begriff stattfindet, zumal in einer Diskussion, die mehr Standesdünkel offenbart als objektive Betrachtung überhaupt jemals möglich erscheint; eine Diskussion, die eine staubige Klasse wieder renovieren will: das sagt eigentlich schon alles aus! Wenn der Adel sich so herausputzt, wenn er Ideale als zwar universell und damit auf Unadelige übertragbar, aber vorzugsweise als aristokratisches Selbstverständnis verkauft, dann geht es nicht um Integration des Adels, dann beweist er nur seine Integrationsunwilligkeit, um bei den Begrifflichkeiten des politischen Alltags zu bleiben.

Der neue Erlöser der Noblesse, er ist einer der reichsten Männer im Lande; er betreibt ein Unternehmen, so berichtete das Magazin Zapp zu jener Zeit, als Guttenberg ins große politische Geschäft einstieg, welches seinen Reichtum verwaltet - und Alexander von Schönburg endet mit der Sentenz, dass es völlig genüge, wie Guttenberg zu sein! Es genügt also, ein eigenes Geldverwaltungsbüro zu besitzen! So sein wie er: Steuererleichterungen für Milliardenunternehmen fordern und Sozialstaatsstraffung vorschlagen, wie er das in einem seiner seltenen offenen Momente einem Magazin mitteilte. Der Vorreiter neuer Adelsverantwortung, die diesmal ja freiwillig vom Volk angenommen werden soll, er ist wahrlich integriert, kein verschrobener Spinner mit blauem Blut. Integrationspolitik betreiben hieße heute allerdings auch: die über Jahrhunderte erlangten Pfründe einer privilegierten Schicht in Staatsbesitz überführen, denn laut Grundgesetz verpflichtet nicht Adel, sondern Eigentum...



18 Kommentare:

endless.good.news 3. November 2010 um 07:33  

Als ich die ersten Sätze las, da musste ich auch sofort an Prinz August von Hannover denken. Wieso sollte ein adliger Mensch besser sein, als ein "normaler" Mensch? Gibt es Adelsgene? Wurden diese durch jahrhundertelange Inzucht veredelt? Nach Sarrazin bestimmt, nach der Genetikforschung eher nicht.
Wenn ein Adliger die Qualifikation mitbringt (Beziehungen, Talent, Sympathie, Einfluss), dann soll er ein Amt bekleiden. Denn auf keinem anderen Weg kommen die anderen "Spitzen"politiker nach oben.

potemkin 3. November 2010 um 09:03  

Zu Beginn des vorletzten Jahrhunderts konnte man ohne Adelstitel kaum ein höheres Regierungsamt bekleiden. Und da wir im Schweinsgalopp in die Vergangenheit reiten, wird es spätestens für unsere Enkel wieder normal sein, dass zumindest Minister das 'von' vor dem Namen tragen. Vielleicht könnte man mangels adelsbefugtem Monarchen auch das Bundesverdienstkreuz durch die Verleihung es erblichen Adelstitels ersetzen. Die Erhebung in den Adelstand wird dann live von RTL aus der Paulskirche übertragen.

persiana451 3. November 2010 um 11:10  

Wir werden immer noch vom Adel regiert. Der angeblich mächtigste Mann der Welt hat enge verwantschaftliche Beziehungen zu allen europäischen Herrscherhäusern und huldigt ihnen. Bush soll ja sogar einen Ehrenadelstitel erhalten haben.
Die EU ist ebenfalls ein Projekt des Adels und zwar der Habsburger. Die OST -EU-Erweiterung war für sie ein Grund für eine Riesenparty - warum wohl, weil wir bald alle umsonst werden arbeiten müssen.

Es hat nie aufgehört. Deswegen brauchen Angehörige des Adels nur mal irgendwo hinzupissen, um in der Zeitung zu stehen.

Anonym 3. November 2010 um 11:14  

Anonym potemkin hat gesagt...

"Die Erhebung in den Adelstand wird dann live von RTL aus der Paulskirche übertragen."

Spotte nur munter weiter, potemkin...

Bei DIESEM Volk mit seinem "differenzierenden" .... "Bildungssystem" und den dieses noch "veredelnden" Medien ist - frei nach Toyoto - nichts unmöglich, WENN es denn RÜCKWÄRTS geht!
Meine Bildungsempfehlung: Deutsche Geschichte der letzten 170 Jahre, unter besonderer Berücksichtigung des ausgehenden 20 Jahrhunderts.

MfG Bakunin

jürgen 3. November 2010 um 12:42  

Sehr geehrter Herr Roberto De Lapuente,

Ihr Rundumschlag GEGEN die offensichtliche Bemühungen des deutschen Adel, gleicht ja wohl leider, muss ich feststellen,
eher einer Sozial-Neid-Debatte als einer sachlichen Auseinandersetzung.
Eruieren Sie doch bitte gerade jene feingeistigen Tugenden einer durch die grausamen Ereignisse der Novemberrevolution und ihrer bis heute spürbaren Folgen der in unserem heiligen Deutschland unterdrückten Minderheit. Jahrzehntelang verschmäht und seiner materiellen Besitztümer beschnitten oder nur zur gesellschaftlichen Dekoration missbraucht, sollte es doch als (später) Sieg gefeiert werden, das gerade in den Zeiten der Not, sich ein Land seiner Wurzeln erinnert und jenen eine Chance gibt, die ihren Beitrag einer gottgegebenen Führungsrolle im Großen wie im Kleinen leisten können und wollen.
Auch wenn es die Eine oder Andere Entgleisung der Angehörigen unseres Standes gab, die mit Häme breitgetreten wurde -
Wir, der deutsche Adel, stehen zu unserer Verantwortung und sind bereit, auch außerhalb der demokratischen Kurzlebigkeit, unsere Begriffe von Tugend, Ehre und Treue als Gottesgnadentum vorzuleben und dem ganzen deutschen Volk selbstlos zur Verfügung zu stellen.

Und um auf Ihr Zitat “Der Neger an sich schnackselt gern.” das unserer Gloria von Thurn und Taxis offenherzig heraus rutschte, zurück zu kommen: nicht nur der Schwarze, auch der Muselmann tut es ohne sich der Folgen bewusst zu sein, wie der rhetorische Geldzähler aus Berlin schon statistisch feststellte.

Aber vergessen wir nicht: hätten nicht alle tapferen Vertreter des europäischen Adels mit ihren Untertanen, angeführt von dem polnische König Jan Sobieski III. am 12. September 1683 eine achtwöchige Belagerung Wiens, der Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, durch das Osmanische Heer unter dem Großwesirs Kara Mustafa siegreich beendet, so würden Sie und Ihre verehrten Leser nicht vom süßen Klang der Glocken Ihrer Kirchen, sondern nur vom Geplärr des Muezzin an Ihre, sicher vernachlässigten, religiösen Pflichten erinnert werden.

Hochachtungsvoll
Ihre
Conny von Striesen

landbewohner 3. November 2010 um 13:20  

der adel ist nun einmal etwas besonderes, da man auch nach abschaffung der adelstitel in der brd - eine sache, die man nie so richtig verknuusen konnte- beim blaublütigen nachwuchserzeugen immer unter sich blieb, dürfte sich die durch diese "inzucht" ein bedenkliches mass an degeneration in den adelskreisen vorhanden sein. das weiß jeder karnickelzüchter.
und wenn diese kaste immer noch eine art eigenleben führt, dann deshalb weil auch 2 weltkriege den zusammengeraubten reichtum der altvorderen nicht vernichtet haben.
und neben den genannten "musterbeispielen" auffälliger adelssprösslinge fallen mir sofort auch solche elemente wie ein graf lambsdorff oder die dame von den leyden ein, die sich durch ein übermass an asozialen ansichten hervortaten und noch tuen.
zum eigenbild des adels möchte ich auf jutta dittfurt verweisen, die bei plasberg erwähnte, daß für adlige der bürger das menschenähnlichste wesen sei.

Roberto J. De Lapuente 3. November 2010 um 14:38  

@ Jürgen

Ob das alle als Satire erkennen (wollen)?

Tidaltree 3. November 2010 um 16:09  

Diese Vermittlung der Wahl zwischen Neoraubadel und alter Schule nervt langsam ein bisserl. Als ob die Rückkehr zu denen, dies im Mittelalter schonmal (an sich) gerissen haben, Aussichten auf bessere, gesellschaftliche Verhältnisse mit sich bringen würde...

Anonym 3. November 2010 um 17:20  

Die Mitglieder des Adels ergaben am Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich ein vorzügliches Guillotinenfutter.

lebowski 3. November 2010 um 17:58  

Gerade Ernst-Haugust könnte für die Deutschen noch wichtig werden, erleichterte er sich doch seinerzeit an dem Türkischen Pavillon
auf der EXPO. Wir können mal davon ausgehen, dass hier ein neuer Prinz Eugen heranreift. Der wird den Deutschen allemal lieber sein als der bürgerliche Sarrazin.

klaus Baum 3. November 2010 um 19:53  

interessant mal zu googeln mit den stichwötern: adliger verbrecher.

ein ergebnis:

>>Wird eine adlige Dame geschont, ein adliger Verbrecher jahrelang gedeckt, so wird einem bäuerlich oder bürgerlichem Delinquenten schnell mit dem Rad oder dem Pfahl der Garaus gemacht.<<

Diese Schonung kann man als Privileg bezeichnen.

>>Die einzelnen Biographien zeigen in mehr oder weniger frappierender Weise den engen Zusammenhang zwischen Verbrechen und Gesellschaft. Besonders deutlich wird dies bei Gilles de Rais, Elisabeth Báthory und Darja Nikolajewna Saltykowa drei exponierte Vertreter der herrschenden Klasse, deren gesellschaftlicher Status ihre grauenvollen Verbrechen förderte und lange Zeit unbestraft ließ.<<

http://www.historische-serienmoerder.de/index.php?id=leseprobe

Seb 3. November 2010 um 21:01  

So sehr ich dem Inhalt wohl zustimme, sei angemerkt, dass Herr von Hannover NICHT GEGEN den Pavillion gepißt (am im Sinne von in der Nähe ist schon was anderes) hat, wie es einem BILD und andere Schundblätter weismachen wollen.
(Mehr dazu im "Gossenreport" ;) )

Auch für eine ansonsten gelungene Polemik sollte man sich nicht am BILD-Schmutz bedienen.

Anonym 3. November 2010 um 23:13  

Warum ist die Sofa-Frau auf dem focus-Bild KOPFLOS?

Berggeist1963 4. November 2010 um 05:30  

Wie ist das eigentlich mit dem AusSpruch "Arbeit adelt"? Die Vorfahren der "hohen Herrschaften" jedenfalls sind doch weitestgehend auf dem Rücken der "kleinen Leute", deren Schweiss und deren Blut zu ihren gesellschaftlichen Stellungen und Besitztümern gelangt. Und das deren Nachkommen schwielige Hände, Rückgratverkrümmungen (allerdings nur körperlich betrachtet) oder sonstige, durch harte Arbeit entstandene sichtbare Merkmale haben, ist mir bislang nicht bekannt.

Graf Lollipop von Knorr zu Maggi us Ritzengrind an der Knatter 4. November 2010 um 07:41  

Noch schlimmer finde ich den neureichen Geldadel mit Namen wie "Der Wendler".

Anonym 5. November 2010 um 08:22  

Nun, man sollte sich mal in Brandenburg umsehen, wie sie wieder da sind, die abgehalfterten verschleimten Junker, die nach 1945samt Kind und Koten enteignet wurden, wohl nicht ganz zu Unrecht, wie sie nach 1990ihre "Stammsitze" auf Kosten der Steuerzahler wieder aufgehübscht haben und nun ganz bürgerlich-harmlos Pferdezucht und Bioläden betreiben. Vom Adelsklatsch und -schnulz lebt nicht nur der Boulevard, sondern zum Beispiel auch die brandenburgische Tourismus-Industrie. Setze man sich in einen Bus dieses oder jenes Reiseunternehmens, man wird in aller Ausführlichkeit erfahren, wann August der Verrotzte dieser oder jener Freifrau die Ehre nahm, sie schnöd im Gutshofbrunnen versenkte und wie dann sogleich eine Legende vom Schwarzen edlen, aber grausamen Ritter durch die Tagelöhnerkaten geisterten (vom Recht der ersten Nacht natürlich ganz zu schweigen, das teilweise noch bis in den zwanziger Jahren ausgeübt wurde). Solche Milchmädchenerzählungen werden erwachsenen Menschen in der Tat allen Ernstes von den Reiseunternehmen erzählt, den Leuten wird da anständig was "geboten". Wenn ich da nur an all die wahren und ausgedachten Märchen vom guten König Fritz denke (um diesen Potentaten kommt man in Brandenburg nirgends herum, egal, ob in Kleinkleckersdorf oder Großnaselang). Was man nicht erfährt: zu welchem Preis sich die Blaublütigen zum Beispiel die Genossenschaftsäcker unter den Nagel gerissen haben oder wie hoch zum Beispiel die Arbeitslosigkeit am Ort ist. Solch praktische Fragen zu stellen würde als Pietätlosigkeit abgetan werden. Und das adlige Pack mausert sich, eines Tages wird es wohl wieder heißen müssen: Junkerland in Bauernhand. Gott oder Gysi gebs.

Michel: ein rant 6. November 2010 um 20:07  

@ Robert de Lapuente

Sie haben vergessen, den schwedischen Adel zu erwähnen. Je nachdem, welche Boulevard- oder Nachrichtenzeitung man konsultiert, hat der sich wohl während seiner Ehe, allerdings schon vor einigen Jahren, mit heruntergelassenen Hosen ausgetobt. Je nachdem ist von Swinger-Clubs, Discos oder auch Bordellen die Rede, mal mit mehr und mal mit weniger Mafia-Beteiligten, welche entweder Kunden oder Bordellbesitzer waren.

Abgesehen davon, dass man wohl hinterfragen kann, ob ein Freier als Ehemann, Vater und König geeignet ist, ist die angedeutete Mafia-Verbindung doch bedenklich, falls das wahr ist. Ein König, der einen Mafia-Puff besucht??? Abgesehen davon, dass solche Sachen ein Staatsoberhaupt, auch ein rein repräsentatives, erpressbar machen, arbeiten die Damen im Mafia-Rotlichtviertel durchaus unter den schlimmsten Bedingungen ihrer Zunft.

Soviel zum Boulevard.

Jetzt mal zum interessanten Teil: die Schwester besagten königlichen Ex-Freiers beschrieb die Erziehung ihrer selbst und ihrer Geschwister als eher kühl, mit wenig emotionalen Bezugspersonen. Und dies scheint mir ebenfalls eine erbärmliche Tradition des Adels zu sein: emotional-psychische Verkrüppelung des Nachwuchses, scheinbar zwecks Abhärtung. Wem beigebracht wird, Gefühle zu missachten, wird gefühlskalt und emotional gestört. Prinz Charles von England soll auch unter derartigen Zuständen gelitten haben. Die englische Königin soll ihre Hunde mehr lieben bzw. sich mehr um sie gekümmert haben als um ihre Kinder oder deren Ehen. Als Diana und Fergie Eheprobleme hatten, hat Königin Elisabeth sich rausgehalten. Wie schwer wäre es für sie gewesen, Prinz Andrew (Fergie) einen Militärposten zu geben, der ihm mehr Zeit mit seiner Frau ermöglicht? Wie schwer wäre es für die englische Königin gewesen, Camilla Parker Bowles durch Versetzung von Camillas Ehemann, so einem Militärdödel, von Charles fern zu halten? Auch über den englischen Adel wird berichtet, dass die Kinder dort gerne körperlich gezüchtigt wurden und teilweise noch werden.

Auch unser deutscher Kai__ser-Ur-Ur...-En_kel von Hohen_zoll-ERN scheint die Intelligenz eines Durchschnittsmenschen minus die Anzahl seiner Vorfahren geerbt zu haben. 197_6 geboren, studiert er mittlerweile immernoch im Master, immerhin mit 34, nachdem er schon früher mal mit dem Studieren angefangen hatte. Wenn man ihn nach seiner Adels-Bedeutung fragt, wortbruchstückt er irgendwas mit "Bedeutung des Hauses Preußen für Deutschland erhalten" zurecht, dabei entfallen aber regelmäßig in Wort und auf Website solche kleinen Details wie Unterdrückung des Parlaments, Zensur, Zensuswahlrecht und 1. Weltkrieg, vom dadurch darauffolgend verursachten 2. ganz zu schweigen.


Zuletzt:
Inwiefern gute Charaktereigenschaften, Ehrgeiz, "Moral" und ähnliches ausschließlich dem Adel oder ausschließlich bestimmten Exemplaren des Adels vorbehalten sein sollen, ist mir nicht klar. Es gibt doch keine Korrelation zwischen genetischer Abstammung und einem aufrechten Charakter? Und ein aufrechter Charakter ist einem Rotblütigen doch nicht deshalb unmöglich zu erwerben, weil er nicht Blaublütig ist, oder?

Al zu Schaumburg Lippe stellt diesen Zusammenhang aber geradezu her, obwohl er garnicht da ist. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Charakter/Persönlichkeit und Adelsabstammung!!!!!!!!!!!!!!

Frank Powers 12. November 2010 um 18:24  

Zu Gräfchen Alexander möchte ich der Allgemeinheit diese Kolumne Harald Martensteins, der damals noch öfter die richtige Tonlage traf, aus der ZEIT nicht vorenthalten:

http://www.zeit.de/2005/15/Titel_2fMartenstein_15

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