Nomen non est omen

Donnerstag, 18. November 2010

Heute: "Befriedung"
"Obama hatte im Dezember 2009 das Militär angewiesen, das Land nachhaltig zu befrieden und die Verantwortung schrittweise an die afghanische Regierung zu übergeben."
- Spiegel Online vom 15. November 2010 -
Als Befriedung wird eine gezielte Maßnahme verstanden, die dafür sorgen soll, dass Frieden und kein Kampf oder Krieg in einem bestimmten Gebiet mehr herrscht. In der Regel sollen Konfliktparteien daran gehindert werden, ihren Streit auszutragen. Von Befriedung wird meist dann gesprochen, wenn ein Krieg schon ausgebrochen ist. Denn befrieden meint selten eine Entmilitarisierung. Meist soll mithilfe des Militärs Frieden geschaffen werden. Das Schlagwort Befriedung ist nicht selten ein Euphemismus für Eroberung und Unterwerfung.

Der Begriff folgt dem militärischen Theorem, dass mit Waffen Frieden geschaffen werden kann. Dabei wird Frieden als ein Zustand beschrieben, indem keine Gewalt, keine Konflikte und eben keine Waffen verwendet werden. Das Schlagwort Befriedung ist insofern nicht nur ein Euphemismus, sondern auch ein Oxymoron, denn Frieden und Krieg schließen sich gegenseitig aus. Ähnlich wie der Begriff der humanitären Intervention wird das Schlagwort Befriedung häufig instrumentalisiert, um militärische Handlungen, Gewalt und Krieg zu legitimieren. Außerdem wird suggeriert, dass Frieden schaffen, das vorrangige Interesse des Befrieders bzw. des Eroberers sei, was nicht zwingend der Fall sein muss.

Die außerordentliche Befriedungsaktion war im Sommer 1940 eine Mordkampagne der Nationalsozialisten. Auf polnischem Staatsgebiet sollten Widerständler gezielt verfolgt werden. Insgesamt wurden 7500 Menschen verhaftet und ermordet. Die Verbrechen der außerordentlichen Befriedungsaktion wurde in den Nürnberger Prozessen behandelt.

Mittlerweile wird der Begriff nicht nur im militärischen Sprachgebrauch verwendet, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Befrieden meint dann vor allem "Frieden schaffen".
"So ein Sieg gegen einen hoch gewetteten Rivalen kann manchen teaminternen Konflikt befrieden und plötzlich jene ins Recht setzen, die vor Kurzem noch in der Kritik standen."
- Süddeutsche Zeitung vom 2. November 2002 -
Dies zeigt auf, dass viele militärische Vokabeln bereits im alltäglichen Sprachgebrauch Verwendung finden.

Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

3 Kommentare:

Daniel Limberger 18. November 2010 um 14:48  
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Anonym 18. November 2010 um 22:36  

Zum Thema Befriedung, hatten nicht bereits die alten Römer derartige oder ähnliche Vokabeln bereit um damit die endgültige Unterwerfung von Völkern euphemistisch zu umschreiben?

MfG Bakunin

Anonym 26. November 2010 um 11:19  

Exilierte Iraner haben einen Offenen Brief an Barack Obama geschickt, in dem sie die verzweifelte Lage inhaftierter Studenten beschreiben und vor Atomwaffen in den Händen eines derart brutalen Regimes warnen. "Gleichzeitig appellieren sie an die Welt - und insbesondere an den amerikanischen Präsidenten -, die Grausamkeiten der Islamischen Republik öffentlich und nachdrücklich zu kritisieren. Von Barack Obama erwarten sie, dass er mit allen nötigen Mitteln diese Verbrechen beendet - nicht nur als US-Präsident, sondern auch als Friedensnobelpreisträger."

http://persian2english.com/?p=16327

Und welch unrühmliches Bild gibt Ad Sinistram in diesen Angelegenheiten ab?

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