An der Pforte zum Terror

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Der Moslem an sich, er hält nichts von Menschenwürde, Gleichberechtigung oder Meinungsfreiheit. Briefgeheimnis, Asylrecht oder der Schutz der Familie sind ihm gleichfalls Fremdworte. Denn der Moslem an sich, so liest man es derzeit überall, wolle sich nicht zum Grundgesetz bekennen. Islam und Grundgesetz, so weiß es der öffentliche Konsens in seiner Eigenheit als Nonsens ganz genau, gehörten nicht wirklich zusammen. Denn der Islam sei ja an die schari'a gekettet - und die schari'a an Unmenschlichkeit.

Mal ruft die Kanzlerin dazu auf, dass sich Moslems zum Grundgesetz bekennen sollen, mal ein farbloser Parlamentarier - das geht so weit, dass Muslime in Deutschland nach ihrem Namen und ihrer Begrüßung nachlegen müssen, zum Grundgesetz zu stehen: Achja, übrigens: Ich bekenne mich zum Grundgesetz! Und dass, obwohl ich Türke bin! Natürlich laufen auch domestizierte Paradetürken auf, die sich mit dem Nachbeten xenophober Suren Liebkind machen wollen - Achtet die Gesetze!, rezitieren sie: als ob alle Türken und Moslems hierzulande keine Rücksicht auf die Gesetzgebung nehmen würden! Deutschlands größtes Revolverblatt bauschte das Länderspiel zu einer Art Integrationswilligkeitsanalyse aus, befragte Türken auf der Straße und tätschelte denen den Kopf, die bekundeten, auch bei einem deutschen Sieg glücklich und freudetrunken zu sein. Überhaupt brauche Deutschland mehr Özils, wenngleich man doch mal nachfragen muß, weshalb Özil beim Spiel gegen das Land seiner Väter nicht über die Torerfolge jubelte! Sie lernen es eben nie, die bei uns lebenden Moslems, sind selbst dann noch integrationsunwillig, wenn sie in einer der hiesigen Länderauswahlen integriert sind. Fehlt nur noch, dass ein Aufmacher fragt: Warum sauft ihr Türken auf unseren Siegesfeiern nicht mit?

Die Integrationsunlust des Moslems an sich ist zum Allgemeinplatz geworden. Eine Prämisse, die endgültig und unabänderlich ist, die von keinem mehr beredt bezweifelt wird. Nicht bezweifelt, während man bei einem der vielen türkischen Obst- und Gemüsehändler oder in türkischen Supermärkten einkauft. Sie mögen sich ja nicht dem Grundgesetz verbunden fühlen, aber herrliche Früchte bieten sie an! Wenn der Preis und die Qualität stimmen, dann kauft man auch gerne mal beim Verfassungsfeind ein. Man sieht drüber hinweg, wenn der Döner mundet; man reist sogar ins Land derer, die sich an Grund- und Menschenrechte nicht orientieren wollen. Das Bekenntnis zum Grundgesetz ist Verhandlungssache! Süße Früchte, knackiges Gemüse und saftiger Döner machen alle Vorurteile vergessen. Grundsätzlich meinte man nicht den Ali aus dem Imbiss oder die Ayşe aus dem Istanbul-Market hinter dem türkischen Gemeindezentrum - die sind ja schwer in Ordnung und zuverlässige Geschäftspartner; man meine ja eher so den Moslems an sich halt, Moslems wie man sie sich vorstellte, wenn man wider besseren Wissens sich welche imaginieren müsste.

Man meint ja nur das Feindbild Moslem! Nicht den Türken, den man kennt. Den kann man ja einigermaßen gut leiden, denn der ist nützlich, wertvoll, tut was dafür, dass er akzeptiert werden kann. Aber all diese vorbeihuschenden Ausländer mit muslimischen Einschlag, diese Kopftuchweiber und Schnurrbartpeter, diese Schmarotzer und Verfassungsfeinde: die meint man! Solche kennt man zwar kaum oder gar nicht, aber dass es sie gibt, das weiß man - darüber schreibt Springer doch schließlich annähernd täglich. Gegen solche führen wir ja auch Krieg, gegen die moslemische Gefahr haben wir Armeen ausgesandt - und wir sollen die im eigenen Land dulden? Zu fremdartig, zu andersartig seien diese Moslems an sich - fremdartig, andersartig: abartig schon fast.

Der Diskurs zum Moslem ohne Grundgesetzbekenntnis, wird mit einer unglaublichen Simplifizierung betrieben. Den Moslem gibt es nicht - selbst die Unterteilung in Sunniten und Schiiten offenbart nicht, wie vielfältig die muslimischen Erscheinungsformen sind. So sind beispielsweise die muslimischen Tuareg eher matriachal organisiert - obwohl Moslems, wie man sie sich in der Öffentlichkeit als Feindbild entwirft, Frauen ja nicht schätzen; in Nigeria leben Moslems hingegen oftmals in Vielehen - wie dort lebende Christen übrigens auch: das ist sozio-ökonomisch bedingt, wie im mittelalterlichen Europa, in der die Polygynie vermutlich stark verbreitet war. Es gibt weder den Moslem - noch wird die schari'a als Gesetzesgrundlage überall gleichermaßen praktiziert. In vielen muslimischen Staaten ist sie sogar abgeschafft, beispielsweise in der Türkei.
Zudem wird nicht gesehen, dass moderne Muslime, im Westen ebenso wie im dar al-Islam, nicht derart reaktionär sind, wie man dies hier im blinden Eifer erzählt. Die Mehrzahl islamischer Frauen leben hierzulande ein selbstbestimmtes Leben - dass sie sich dennoch in der Überzahl für Familie und Kinder entscheiden, oft zusätzlich noch arbeiten, ist kein Anzeichen islamischer Repression, sondern kulturell anerzogen und womöglich sogar von jungen Muslimen gewollt - Familie ist für Muslime immer noch ein zentrales Lebensziel; die Aufweichung dieses Ideals in der westlichen Welt hat bewirkt, dass man solcherlei Lebensziele als oktroyiert zu entlarven versucht - möge sich die Psychoanalyse damit beschäftigen, ob dahinter Neid oder Minderwertigkeitskomplex einer ganzen Gesellschaft verborgen liegt. Emmanuel Todd berichtete zudem in seinem Buch "Weltmacht USA: Ein Nachruf", dass die Fertilitätsrate, die in der Demographie als ein maßgeblicher Faktor für Bildung und Selbstbestimmtheit von Frau und Mann gilt, selbst im Iran beträchtlich zurückging - 1981 gebar eine iranische Frau 5,3 Kinder, 2001 waren es nur noch 2,6. Das war freilich noch vor Ahmadinedschad, der jedoch immerhin nicht an die Macht geputscht wurde, sondern Wahlen gewann. Die Revolution hatte sich stückchenweise humanisiert, bis er die Bühne betrat. Aber auch seine Präsenz wird an der höheren Alphabetisierungsrate nicht rütteln können. Demonstrationen zeugten, und zeugen noch heute, von einer gesunden demokratischen Grundauffassung muslimischer Massen; dass es Leute wie Schirin Ebadi gibt, unterstreicht den demokratischen Geist ebenfalls. Wobei dies natürlich ein Geist ist, der nicht demokratisch im westlichen Sinne sein kann, sondern ein islamisches Demokratieverständnis darstellt.

Jene Demokratie, die der Westen ins dar al-Islam tragen möchte, kennen die Muslime ja schon. Sie haben sie als koloniale Erfahrung kennengelernt. Der Iran beispielsweise orientierte sich unter Reza Schah Pahlavi - und später unter seinem Sohn - schon früh am Westen. Es wurde eine brutale Säkularisierung betrieben; traditionelle Kleidung wurde verboten, religiöse Feste unterbunden und der hadschdsch, die Pilgerfahrt nach Mekka, durfte nicht mehr bestritten werden. Widerstand wurde mir aller Härte bestraft; der Schah ließ in die Menge schießen. Es war ein Angleichen an den Westen mit der Brechstange; Demokratie, die Menschenrechte bringen sollte, wurde mit den Bajonett erzwungen, war damit auch keine Demokratie mehr. All das geschah unter reger Teilnahme westlicher Industriestaaten. So wie westliche Staaten von jeher eingriffen, auch antidemokratisch eingriffen, wenn es ihren Interessen diente. Moslems haben Demokratie, so wie wir sie im Westen kennen, meist als Unterdrückung und Disziplinierung erfahren. Es ist geschichtsvergessen vom Westen, nun den Moslems ein Demokratieverständnis westlicher Machart auferlegen zu wollen.

Diverse Regime innerhalb des Haus des Islam haben eine Angleichung an den Westen betrieben - speziell der Iran wurde hierbei schon angesprochen. Wesentliches Konzept der Verwestlichung war es stets, die Religion von der Politik zu scheiden, eine Säkularisierung zu erstürmen. Dabei handelt es sich allerdings um eklatante Unkenntnis des Islam. Während das Christentum immer eine Religion der Weltabgewandtheit war, wo Nähe zu Gott nur erlangt werden konnte, wenn man sich in eine vita contemplativa stürzt, galt für den Islam die Geschichte und damit die Politik als Schaubühne der Gotteserfahrung. Der Christ wandte sich von der Politik angewidert ab; der Islam der ersten Stunde verbreitete, dass im Diesseits Gottesnähe erbracht werden muß: durch eine soziale und egalitäre Strukturierung der Gesellschaft. Die Kalifen der ersten Stunde, jene der Umaijaden, hatten beharrlich mit dem Vorwurf zu leben, den Islam verraten und pervertiert zu haben, weil sie ein Leben voller Luxus lebten - die Gottesnähe sei dadurch aufgegeben worden. Weltabgewandtheit hier, geschichtliche Präsenz dort: beides sind Kinder der Historie; das Christentum wandte sich ab, weil es lange verschmäht wurde, der Islam stand fest im Hier und Jetzt, weil er sich schnell verbreitete. Es ist durchaus als eurozentristische Lesart zu werten, wenn man die Verbreitung des Islam nur auf das Schwert zurückführt. Durch Gewalt mehrt man nicht unermüdlich sein Terrain - man muß schon mehr zu bieten haben.
Politik und Religion machten das Wesen des Islam von Anbeginn aus - das Christentum hat die Politik erst später für sich entdeckt, weswegen es für seine Kritiker nur eine Rückkehr zum ursprünglichen Zustand darstellte, wenn sie Säkularisierung oder Laizismus predigten. Ein unpolitischer Islam wäre keine Rückkehr: er wäre eine Neuheit! Man kann diese Verbundenheit von Politik und Religion sicherlich für problematisch erachten; westliche Betrachter sehen das im Regelfall ohnehin skeptisch: dennoch sollte die westliche Welt, wenn sie schnell über den Islam und die Muslime urteilt, über diese Zweisamkeit informiert sein. Sollte verstehen, warum Muslime verdutzt wirken, wenn man von ihnen verlangt, Religion sei die Sache des stillen Kämmerlein.

Doch es ist mitnichten so, dass die Moslems nichts von liberalen Grundrechten hielten - sie tun es; im fiqh, im islamischen Recht also, werden Prinzipien wie schura (Konsultation) und idschma' (Konsens durch einen repräsentativen Teil der umma) gefördert. Der Islam ist somit nicht nur als autoritärer Überbau zu verstehen - er kennt demokratische Säulen. Schon der Urislam war eine "demokratische" Bewegung, die auf sozialen Ausgleich und Besserstellung der Frau abzielte - natürlich erlebte der Islam, bzw. bestimmte islamische Auslegungen, wie jede Religion, einen Wandel im Laufe der Zeit. Die Frauenfeindlichkeit mancher muslimischer Gruppen scheint dem byzantinischen Christentum entnommen worden zu sein - die katholische Kirche, einst auch frauenfreundlicher, hat sich bei derselben Quelle bedient. Darüber weiß die westliche Welt in ihrer anhaltenden, fast schon angeborenen Islamophobie wenig zu berichten - vor den innerislamischen Prozessen verschließt sie obendrein die Augen. Denn jene Prozesse sind viel mannigfaltiger, lassen sich nicht auf die Taliban beschränken, die es als Beißreflex auf die westliche Einflussnahme natürlich auch noch gibt. Aber sie sind auf das gesamte Haus des Islam gemünzt, nur eine Randerscheinung - eine fanatische Splitterpartei wie jene christlichen Evangelikale oder jüdische Ultraorthodoxe, wahrscheinlich eine noch viel kleinere Gruppe als diese beiden der dhimmis. Alle zusammen ergeben sie eine Ökomene der von der Moderne Enttäuschten. Und die arabischen Wahhabiten sind gleichfalls nicht das Aushängeschild der umma. Und jene Moslems in Deutschland, in der Mehrzahl Türken, sind von den Taliban oder den Wahhabiten in etwa so weit entfernt, wie Anhänger der katholischen Soziallehre von kriegslüsternen Evangelikalen.

Die Moslems dieses Landes leben mehrheitlich ein friedliches Leben. Was wir hier aktuell erleben: es ist die Verhetzung einer Volksgruppe. Nichts von dem, was berichtet wird, entspricht einer objektiven Wahrheit, Extremfälle werden pars pro toto umgerechnet, wohltuende Alltagserfahrungen beim Türken um die Ecke zu Ausnahmefällen degradiert. Der ehemalige Leiter des Zentrums für Türkeistudien, Faruk Şen, erklärte einmal, dass die Türken "die neuen Juden Europas" seien. Die Schelte war riesig; sein Rücktritt Konsequenz - was freilich nicht traurig stimmt, sofern man seine Äußerungen zum Völkermord an den Armeniern kennt. Sieht man von dem ab, was später am Wannsee endgültig besiegelt wurde, so könnte man wirklich behaupten, dass diese deutsche Gesellschaft momentan in eine Phase eintritt, die man als Vorphase des Kesseltreibens oder als Pforte zum Terror bezeichnen könnte. Diese Gesellschaft wird aufpassen müssen, wohin sie sich entwickelt - der Moslemhass, er formt sich langsam aber sicher dahingehend, eine Bevölkerungsgruppe weiter zu marginalisieren, sie zum Prügelobjekte frustrierten Deutschtums zu machen. Ob noch mehr folgt, ob aus Hetze dann das folgt, was den Juden widerfuhr, konnte selbst der renommierte Historiker Wolfgang Benz in der "Kulturzeit" nicht entkräften. Kommt diese Gesellschaft nicht zur Besinnung, kann es bitter enden, so sei Resumee.

Man schaut verdattert zurück, begreift nach mehr als siebzig Jahren immer noch nicht, weshalb es damals hat dazu kommen können - obwohl man historisch natürlich wissen könnte - und auch weiß! -, wie es damals dazu kam. Pogromstimmung entsteht nicht durch Führererlass - sie entsteht durch kleine Nadelstiche, durch Tropfen, die man über Jahre und Jahrzehnte in ein Fass träufelt, bis dieses dann übergelaufen gemacht wird. Man schaut verdattert zurück und sieht nicht, was um uns geschieht...



38 Kommentare:

BlueLion 14. Oktober 2010 um 07:42  

Ad sinistram,
wenn ich deinen Blog lese, bleibe ich oft verständnislos zurück, das Philosophieren ist nicht so meine Sache. "An der Pforte zum Terror" aber ist erschreckend in seiner Klarheit und Wahrheit. Gerade im abschließenden Absatz finde ich mich 100%ig wieder - als sehr geschichtsbewußter Mensch sehe ich um mich, und bin erschrocken ob dieser kalten, gleichgültigen und zunehmend xenophoben Gesellschaft. Ist Leitfiguren wie Sarrazin, Seehofer u.ä. eigentlich noch klar, was sie anrichten?

Berggeist1963 14. Oktober 2010 um 08:51  

Tja, BlueLion, ich fürchte, den von Dir erwähnten Herren ist durchaus klar, was sie anrichten könn(t)en. Die machen und sagen nichts ohne Berechnung. Evtl. stecken da auch gewisse "Auftraggeber" dahinter, für die sie sich an die "vorderste Front" begeben. Der Dank in Form entsprechender finanzieller Zuwendungen oder späterer hochdotierter "Jobs" bei diesen Auftraggebern wäre ihnen garantiert gewiss.
Für Herrn S. hat sich sein Pamphlet ja bereits höchst posiiv auf sein ohnehin schon gut gefülltes Portemonnaie ausgewirkt. Zudem vermeine ich irgendwo gelesen zu haben, dass er sein Buch sowieso im Auftrag des Verlages geschrieben hat. Halt nach dem Motto "So, Thilo, jetzt schreibe mal was über unsere ausländischen Mitbürger, insbesondere über jene aus dem islamischen Kulturkreis. Aber bring da ordentlich Pfeffer mit rein, dann verkauft es sich noch besser!"

Das Ganze dient m.E. lediglich dem weiteren Erhalt bzw. der Ausweitung
der Pfründe "interessierter Kreise" aus Wirtschaft/Industrie und Politik durch gegeneinander ausspielen und aufhetzen bestimmter Bevölkerungsgruppen. Wenn diese immer schön mit und gegen sich selbst beschäftigt sind lässt sich herrlich weiter reGIERen und manipulieren.
Und wie man täglich sehen, hören und lesen kann - es klappt wunderbar!

Anonym 14. Oktober 2010 um 09:18  

Danke für die näheren Erklärungen zum Wesen des Islam. Bei mir im Osten habe ich oft festgestellt, dass Menschen gegen Türken wettern, aber keinen einzigen davon kennen und in keins dieser Geschäfte gehen. Wenn man dann auf diese Menschen zugeht (im Bekanntenkreis) und sie direkt zur Rede stellt, ist Ruhe, können sie keine Antworten geben, weil sie nichts über Türken geschweige denn den Islam kennen. Es ist noch viel zu tun, um der Hetze gegen Menschen die Spitze zu nehmen. Da sind wir alle gefragt.

Inglorious Basterd 14. Oktober 2010 um 09:29  

Das Thema wird uns auch nach seiner Verwurstung bei Maischbeger und Plasberg noch einige Zeit begleiten.
Im online-Gästebuch von "Hart aber fair", einem in Journalistenkreisen als seriös geltenden TV-Format, stellen sich gefühlte 99,9 % hinter die Aussagen von Sarrazin und Seehofer. Nicht selten beginnen die islamophoben Gästebucheinträge mit dem Vorspann: "Ich bin bestimmt kein Rassist aber............"!. An dem, was dann folgt, erkennt man sie jedoch in der Regel als solche.

Ich stelle mir in letzter Zeit immer häufiger die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht,dagegen anzuschreiben.

Derartig rassistische Profilierungsversuche einzelner Spitzenpolitiker hat es in der Vergangenheit auch gegeben und ich hoffe inständig, dass diese Kampagne genau so schnell wieder in Vergessenheit gerät. Guckst Du:

Helmut Schmidt, deutscher Bundeskanzler (SPD):
"Mir kommt kein Türke mehr über die Grenze." (Die Zeit, 5. Februar 1982).

„Man kann aus Deutschland mit immerhin einer tausendjährigen Geschichte seit Otto I. nicht nachträglich einen Schmelztiegel machen. Weder aus Frankreich, noch aus England, noch aus Deutschland dürfen Sie Einwanderungsländer machen. Das ertragen diese Gesellschaften nicht… Schauen Sie sich die Lage in diesen beiden Kunststaaten an, die in den Pariser Vorortverträgen 1919 geschaffen worden sind… Aus Deutschland ein Einwandererland zu machen, ist absurd…“
(Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, SPD, in der Frankfurter Rundschau vom 12. September 1992)

Otto Schily, Innenminister (SPD):
"Die Grenzen der Belastbarkeit durch Zuwanderung sind überschritten." (Süddeutsche Zeitung, 3. November 1999).

Anonym 14. Oktober 2010 um 09:32  

Wird vielleicht nur die kommende Auseinandersetzung mit Machmut vorbereitet !?!

Gegen John Rambo ham se damals kriegsnachteilig protestiert die Jungen und Schlauen

Anonym 14. Oktober 2010 um 09:33  

Es ist Beängstigend, die jahrelange Hetze gegen den Islam zeigt mehr und mehr seine Wirkung. Die Vernuft erodiert und Allgemeinplätze gewinnen die Oberhand. Es scheint als würden die Menschen einen Schuldigen für ihre Probleme und Nöte suchen, und den Rufern des "bösen Islams" unreflektiert zustimmen.

Dabei sind es gerade die Politiker und Funktionäre, welche von "den Ausländern" eine Bekenntnis zum Grundgesetz fordern, die es selbes mit Füßen treten. Menschenwürde und Selbstbestimmung sind für Sie nicht mehr wichtig wenn es um "Harzies" geht. Datenschutz und Anonymität sind für Sie Bedrohungen denen mit Überwachung begegnet wird. Stimmabgaben bei Wahlen ekennen Sie nur im Wortsinn - diese Stimmen danach nicht zu erheben.

Die Leute wissen das im Land der Neoliberalen einiges Faul ist, aber Sie können den Finger nicht auf die Ursache legen. Da kommt "Der Islam" als Sündenbock nur gelegen. Wo Lügen nur oft genug erzählt werden verliert die Wahrheit. Diese Entwicklung erinnert beängstigend an die Zeit vor einer längst überwunden geglaubten Ära. Was tun, damit es nicht wieder genau so endet?

Antifax 14. Oktober 2010 um 09:41  

"Grundsätzlich meinte man nicht den Ali aus dem Imbiss oder die Ayşe aus dem Istanbul-Market hinter dem türkischen Gemeindezentrum - die sind ja schwer in Ordnung und zuverlässige Geschäftspartner; man meine ja eher so den Moslems an sich halt, Moslems wie man sie sich vorstellte, wenn man wider besseren Wissens sich welche imaginieren müsste. "

Die Posener Rede Himmlers vom 4.10.1943 enthält ähnliche Elemente (Ideologeme), wie sie von Roberto beschrieben wurden:

"Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude. Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Euch werden die meisten wissen, was es heisst, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei - abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen - anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte, denn wir wissen, wie schwer wir uns täten,..............".

Einer meiner besten Freunde und Marathoni (ALG I Kandidat)meinte gestern am Telefon, Seehofer habe etwas Richtiges gesagt und es sei doch für Deutschland insgesamt viel besser, wenn alle Muslime -ob deutsch oder nicht- wieder in ihre Heimatländer zurückkehren würden.
Ich will damit sagen: Die "Einschläge" kommen näher.

Jutta Rydzewski 14. Oktober 2010 um 10:03  

"Überhaupt brauche Deutschland mehr Özils, wenngleich man doch mal nachfragen muß, weshalb Özil beim Spiel gegen das Land seiner Väter nicht über die Torerfolge jubelte!"

Nicht nur diese Nachfrage muss gestellt werden, lieber Herr De Lapuente. Ein gewisser Thilo Sarrazin, zwischenzeitlich die unbestrittene Integration-Kapazität in Deutschland, hat sich, schon lange vor dem Spiel gegen diese Türken, bitter darüber beklagt, dass dieser Özil das Deutschlandlied nicht mitsingen würde. Nun hätte dieser Özil das alles wiedergutmachen können, wenn er gegen diese Türken die deutsche Nationalhymne mitgesunden hätte. Und was tut dieser Özil? Er hat es wieder nicht getan. Ein unglaublicher Skandal. Es kommt aber noch schlimmer. Auch die Lippen dieses Sami Khedira (welch ein komischer Name) blieben fest verschlossen, genauso wie die von diesem Lukas Podolski. Herrschaften, wo leben wir denn, dass diese "gemischten" Halb- Viertel- Achtelausländer unser geliebtes Deutschlandlied nicht mitsingen? Herr Sarrazin und die restliche deutsche Meute, übernehmen Sie, schließlich ist das deutsche Abendland in Gefahr!!!

mfg
Jutta Rydzewski

PS: Wenn die drei Genannten beim nächsten Mal wieder nicht mitschallern, plädiere ich für den Ausschluss, und nicht nur aus der Nationalmannschaft.

Anonym 14. Oktober 2010 um 12:06  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

wie wäre es, wenn wir alle Konfessionslose würden?

Die von Dir zitierte Friedrich-Ebert-Studie verleiht uns Konfessionslosen ja beinahe einen Heiligenschein:

"[...]Während die Studie keine signifikanten Unterschiede zwischen Gewerkschaftern und Nicht-Gewrkschaftsmitgliedern aufweist, sieht das bei Kirchenmitgliedern anders aus: Fast durchgängig findet sich unter Kirchenmitgliedern christlicher Konfessionen eine höhere Zustimmung zu rechtsextemen Einstellungen als unter Konfessionslosen[...]"

Quelle und ganzer Text:

http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/deutschland-stillgestanden

Vielleicht liegt es daran, dass Atheisten,Agnostiker, Religionskritiker & sonstige Konfessionslose (z.B. Ex-Muslime, http://www.ex-muslime.de) eine neutrale Position einnehmen?

Wir kritisieren eben den Islam, aber fallen nicht in pure Islamfeindlichkeit ab, und dies schon lange vor dem 11. September 2001.

Es gibt nur einige wenige Ausnahmen der Islamfeindlichkeit bei Konfessionslosen, die sind aber ähnlich unbelehrbar wie christliche Evangelikale (z.B. der Neubekehrte ehemalige US-Präsident, und Ex-Alkoholiker, George W. Bush).

Die Frage bleibt:

Liegt es am "autoritären Charakter", dass kirchlich Gebundene eher auf Rechtsextremismus, und Führerkult stehen?

Scherzhaft:

Wieso benötigen wir einen Führer? Wir haben doch schon eine Führerin: A. Merkel.

Wobei das A. für Angela ebenso wie für Adolf steht.....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

PS: Den Hinweis auf die Ex-Muslime nur, weil die nicht mit Frau Kelek vergleichbar sind, die auf Sarrazin steht, und diesen sogar noch verteidigt - Die Ex-Muslime sind allesamt vom Glauben abgefallene Muslime, die sich öffentlich outen, und aus den unterschiedlichsten Motiven den Islam ablehnen, daher "Wir haben abgeschworen!". Ein mutiger Schritt, da in den Heimatländern der Ex-Muslime der Glaubensabfall mit Todesstrafe geahndet wird - Das sollte man als dt. Atheist auch mal schreiben.

klaus Baum 14. Oktober 2010 um 12:27  

der durchschnittsmensch hält in der regel die philosophie für überflüssig, vermutlich deshalb, weil er sonst die primitivität seiner denkungsart erkennen müsste.
eine der elementaren unterscheidungen in der philosophie etwa von kant oder hegel ist die zwischen dem an sich, dem für sich und dem an und für sich. das klingt zunächst rätselhaft. wer sich aber in die genannten philosophen vertieft und wer sie dann auch versteht, der lernt, dass es den moslem an sich gar nicht gibt.
es gibt den koran und den ganz unterschiedlichen umgang damit.

es gibt die bibel und den ganz unterschiedlichen umgang damit. der evangelische theologe paul tillich, lehrer von adorno und emigrant wie dieser, prägte den begriff des literalismus. literalisten sind sind leute, die die bibel wörtlich nehmen, die infolge dessen auch nicht unterscheiden zwischen metaphorischer und faktischer rede. für den literalisten ist alles faktisch, er nimmt jedes wort wörtlich.

der christliche literalist kommt dem nahe, was wir heute unter einem islamistischen fundamentalisten verstehen, wobei der literalist nicht unbedingt aggressiv in die welt hinweinwirken will, auch wenn er missioniert, so wie es die zeugen jehovas tun.
ein evangelischer religionslehrer kann mit seinen schülern sich kritisch mit dem entschiedenen christentum auseinandersetzen, ja, er wird in der regel ein gegner christlicher literalisten sein.

das christentum umfasst ein derart breites spektrum, dass die einen, die aufgeklärten christen, die anderen, die literalisten, ablehnen, und zwar mit gründen.

so wenig wie es nun den christen an sich gibt, so wenig gibt es den moslem an sich. aber vorurteile und ressentiments gedeihen da am besten, wo man urteilt, ohne ahnung, wissen, kenntnisse von einer sache zu haben.

wie dialektisch es innerhalb einer religion zugehen kann, hat einst ernst bloch formuliert:

nur ein atheist kann ein christ sein, nur ein christ kann ein atheist sein.

B. Feiden 14. Oktober 2010 um 12:56  

"Die Frauenfeindlichkeit mancher muslimischer Gruppen scheint dem byzantinischen Christentum entnommen worden zu sein - die katholische Kirche, einst auch frauenfreundlicher, hat sich bei derselben Quelle bedient."
Dies sieht Karl Heinz Deschner anders:
"Wir wissen sicher, daß Paulus, der eigentliche Gründer des Christentums, Jesu Person weitgehend ignoriert und seine Lehre fundamental verändert hat, daß er nicht nur die Askese, die folgenschwere Verachtung der Frau und die Diffamierung der Ehe im Christentum eingeleitet, sondern auch eine Reihe ganz neuer, der jesuanischen Botschaft strikt widersprechender Dogmen aufgestellt,..."
http://www.humanist.de/religion/deschner.html
Trotzdem, guter, richtiger und wichtiger Text!

Anonym 14. Oktober 2010 um 13:01  

Anonym Berggeist1963 hat gesagt...,

Hallo Berggeist, so wie du es in deinem Beitrag sagst sehe ich es auch.
Pseudo-Debatten ankurbeln, um von den tatsächlichen Mißständen, der alltäglichen Korruption in Politik und Wirtschaft, zwischen beiden u.v.a. abzulenken.
Was kommt als nächstes? Vielleicht mal wieder das "Unrecht der Vetreibung", "Benesch-Dekrete", im kommenden Februar dann wieder "Dresden", oder mal wieder ein netter kleiner "muslimischer" Ehrenmord?
Die Hauptsache: Das Volk wird untehalten, beschäftigt und Alles bleibt für die Eliten und deren Erfüllungsgehilfen so wie es ist!
Und überhaupt die pausenlos "sinkenden" Arbeitslosenzahlen, die "boomende Wirtschaft", das neue "deutsche Arbeitsmarktwunder"...., ob da nicht schon wieder die Trommel gerührt wird für noch mehr "Tapferkeit" unserer Politiker gegen "Arbeitsunwillige", "faule Arbeitslose", Überhaupt Langzeitarbeitslose, die es doch in dieser "boomenden Wirtschaft", auf diesem "boomenden Arbeitsmarkt".... "eigentlich" gar nicht mehr geben dürfte?
Welche "Sau" wird uns als nächstes präsentiert werden?
Zumindest verbal läuft der Terror schon heute auf Hochtouren...., auffällig aber auch, wie schnell und beliebig die "Zielobjekte" dieser Hetzereien austauschbar sind, beinahe schon tagtäglich!
Ob vielleicht Sarrazin oder ein anderer prominenter Polit-Ganove, ob da schon wieder an neuen "Werken", "wichtigen Büchern" geschmiert wird???

MfG Bakunin

Anonym 14. Oktober 2010 um 13:46  

Ich bin mir sicher, die Endlösung der Arbeitslosenfrage, steht ganz oben auf der Agenda. Mfg Stefan

Anonym 14. Oktober 2010 um 14:20  

@Klaus Baum

Seh ich genauso.

Man sollte vielleicht statt Religionsunterricht einen Unterricht über Religionen einführen, wie in Berlin - nach einer Volksabstimmung ("Pro Reli") - praktiziert?

Bei mir hat es immerhin dazu geführt, dass ich andere Religionen genauso ablehne wie das Christentum, da ich alle Religionen (weltliche wie rein geistliche) für absolut verlogen halte.

Einige Jahre später wurde ich dadurch sogar, vom strenggläubigen röm.-kath. Christen zum überzeugten Atheisten der härteren Sorte, d.h. ich lehne jeglichen Glauben als unseriös ab, auch den Glauben, den angeblich Mit-Atheisten haben sollen - Das Problem fängt doch schon beim blinden Glauben, und dem Nachbeten dieses Glaubens, an.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 14. Oktober 2010 um 14:25  

@B. Feiden

Deschner ist mir bestens bekannt.

Man sollte hier auch auf seine Bücher in Sachen röm.-kath. Sexualfeindlichkeit hinweisen, die zwar im regulären Buchhandel nicht mehr erhältlich sind, aber über manche Verlage doch noch.

Ich meine sein Buch "Das Kreuz mit der Kirche - Eine Sexualgeschichte des Christentums"; Edition Enfer 2010.

Wie bereits erwähnt, man erhält es nur noch über den Verlag, aber das Buch ist hochaktuell, auch noch dieser Tage.

Wer meint, dass Sexualfeindlichkeit nur eine Sache der Muslime ist, der sollte sich einmal mit der Geschichte der Sexualfeindlichkeit im Christentum befassen, die bis vor einige Jahren sogar in Deutschland noch praktiziert wurde. Oswald Kolle, leider 2010 gestorben, sei dank sind wir heute ja nicht mehr so frauenfeindlich in Deutschland.

Übrigens, wer mehr auf Comics steht, dem empfehle ich die Comics von Ralph König - vor allem die aktuellen, die sich mit Religion (auch dem Islam) befassen.

Wirklich mehr lehrenswert als blinde Vorurteile diese fundierten Werke.

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 14. Oktober 2010 um 14:27  

Anonym hat gesagt...

"Ich bin mir sicher, die Endlösung der Arbeitslosenfrage, steht ganz oben auf der Agenda. Mfg Stefan"

Seehofer verkündet für Bayern, Brüderle für BaWü praktisch schon "Vollbeschäftigung", auch über diese beiden Bundesländer hinaus werden pausenlos die Arbeitslosenzahlen zum "Sinken" gebracht.
Geraten bei derartigen pausenlos in die Welt posaunten "Arbeitsmarkterfolgen" nicht automatisch alle die vielen tatsächlichen Arbeitslosen, Arbeitssuchenden nicht fast schon automatisch in den Verdacht, "nicht arbeiten zu wollen" oder "erhöhten Ansprüchen" zu frönen?
Wird nicht so der Boden vorbereitet für "mutige" und "tapfere" Poliiker, die den noch "verbliebenen wenigen" Arbeitslosen endlich(!) mal Beine machen?
Müssen wir dann auch noch erstaunt sein über Umfrageergebnisse, die bei entsprechend suggestiven Fragestellungen massenhafte Zustimmung bekunden zu weiteren "Verschärfungen", Einschnitten und sonstigen Zumutungen für die Millionen von tatsächlichen Arbeitslosen und Unterbeschäftigten?
Wie die Herren Müller und Lieb von den NDS immer wieder unermütlich darlegen: Das ist die ganz alltägliche Meinungsmache, Stimmungsmache, Manipulation der öffentlichen Wahrnehmung in diesem Land. Statistiker, Wirtschaftsinstitute, Politiker und Medien Hand in Hand bei der Formung der "öffentlichen Meinung".
Das man so auch zu einer "Endlösung der Arbeitslosenfrage" kommen kann, ist leider keine nur schaurige Zukunftsmusik mehr.
Das Volk wird jedenfalls schon mal vorbereitet....

MfG Bakunin

Anonym 14. Oktober 2010 um 14:30  

@Bakunin

Was mir an der Debatte auffällt ist tatsächlich was auch du bemerkt hast - die Vorurteile sind beliebig austausbar, die man gegen Hartz IV-EmpfängerInnen, gegen Arbeitslose generell, gegen Nichtdeutschstämmige und gegen Moslems hat.

"Faulheit" scheint derzeit das liebste Vorurteil aller Deutscher zu sein:

"[...]Wochen tobt die Sarrazin-Debatte, es ist schick geworden, Migranten als faul, lernunwillig und nutzlos zu beschimpfen. "Ich frage mich inzwischen, ob ich nach 30 Jahren noch in Deutschland dazugehören will", sagt die Frau[...]"

Quelle und ganzer Text:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/muslime_fuehlen_sich_verfolgt/314458.php

...man befürchtet sogar Pogrome gegen Muslime (im oben erwähnten Text).

Eigentlich wäre es doch höchste Eisenbahn, dass irgend ein Politiker dies angreift.

Wo bleiben die denn? Oder müssen erst wieder Synagogen (in diesem Fall Moscheen) brennen, bevor....

Gruß
Nachdenkseiten-Leser

Anonym 14. Oktober 2010 um 16:20  

Lieber Roberto,

Danke mal wieder für diesen tollen Kommentar! Mir ging die ganze Zeit schon die Himmlerrede durch den Kopf, deren Wortlaut ich eigentlich googeln wollte – die hat nun aber, wie ich gerade sehe, bereits Antifax vor mir zitiert. 2 Seelen und 1 Gedanke.
Damals waren es die Juden, heute sind es die Muslime, die als Popanze und Sündenböcke aufgebaut werden. Damit das doofe Volk bloß nicht auf den Gedanken kommt, denen auf die Finger zu klopfen, die tatsächlich von der Krise profitieren... Und der dumme Michel fällt wieder drauf rein, spielt sich jetzt wacker als Moslem-Basher auf und dünkt sich wunder wie kritisch (wo er doch so einen dollen IQ ererbt hat!). Dabei trottelt er nur einfältig der Mohrrübe hinterher, die die Eliten ihm verlockend vor der Nase baumeln lassen.

Liebe Grüße
Saby

willi 14. Oktober 2010 um 17:39  

Sehr guter Artikel -viel zu gut für den größten Teil des öffentlichen Diskurs, der nur Arno Dübel und Mehmet, den Serientäter kennt.
Was man derzeit in einer Studie der Friedrich Ebert-Stiftung über den Fremdenhass lesen kann ist einfach gruselig, nicht zuletzt, weil man sich doch einen klitzekleinen Lerneffekt aus der Geschichte der Verfolgung in Deutschland erwarten durfte.
Es scheint als funktioniere die Kombination aus skrupellosen "Eliten", die bereit sind jedes noch so dumme Ressentiment für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und der Dummheit vieler, die darauf hereinfallen, immer noch bestens.

Wenn's nicht so traurig wäre könnte man sich darüber totlachen: Da werden gerade 90% der Bevölkerung nach allen Regeln der Kunst von den oberen 10% ausgeraubt und die Geplünderten machen sich Gedanken über den Integrationswillen von Moslimen, die -wenn ich nicht irre- gerade mal 4% der Bevölkerung ausmachen.

Anonym 14. Oktober 2010 um 17:39  

An Bakunin;

Da ist mir ein echter Fauxpas passiert, wollte meinen Kommentar "Endlösung der Arbeitslosenfrage" eigentlich in dem Seehofer Artikel schreiben. Aber wie Du schon sagtest, die Sau welche durchs Dorf getrieben wird und welche Sau der Verkünder ist, spielt schon gar keine Rolle mehr. Es wird alles verwurstet. Mfg Stefan

Manul 14. Oktober 2010 um 18:12  

Das ist aber typisch. Ich bin keine Türkin, aber schon vor 20 Jahren kam von den Deutschen die bescheuerste Frage überhaupt, nämlich warum wir zu Hause kein Deutsch reden. Die beantwortete ich irgendwann standardmässig nur noch mit: "Damit ihr etwas habt worüber ihr euch aufregen könnt."

Überhaupt habe ich in den letzten 20 Jahren die Erfahrung gemacht, dass man zwar "Integration" sagt, aber "Assimilierung" meint. Wir Polaken haben es etwas einfacher, weil wir nicht auffallen, aber die Thematik betrifft jeden lebenden Ausländer hier. Richtig Deutsch werden wir auch nie sein, selbst wenn wir Deutscher sind als die Deutschen und wenn wir so sind, wie unsere Mentalität es uns sagt, dann sind wir 'intergrationsunwillig'.

Anonym 14. Oktober 2010 um 18:23  

@Berggeist1963
... ich fürchte, den von Dir erwähnten Herren ist durchaus klar, was sie anrichten könn(t)en. Die machen und sagen nichts ohne Berechnung. Evtl. stecken da ...
Die alten "Verdächtigen" werden die Neuen sein. Genauso rekrutiert sich auch die Fan-Gemeinde, damals wie heute.

@Inglorious Basterd
Ich stelle mir in letzter Zeit immer häufiger die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht,dagegen anzuschreiben.
Das kommt darauf, welcher Sinn gesucht wird. Dass jemand "zuhört", bevor man sich dem Leid ergibt, daran glaube ich nicht mehr, schon länger nicht mehr. Das lehrt auch die Historie, hatte nie wirklich einen prophylaktischen Erfolgssinn.

Insoweit denke ich, liegt der Sinn lediglich darin, es getan, nicht aufgegeben zu haben. Mit viel Glück bekommt es dann nachträglich einen Sinn.

Derartig rassistische Profilierungsversuche einzelner Spitzenpolitiker hat es in der Vergangenheit auch gegeben und ich hoffe inständig, dass diese Kampagne genau so schnell wieder in Vergessenheit gerät.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und auch das ist ein wohl kalkulierter Faktor.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/fuehrt-angela-merkel-deutschland-in-den-buergerkrieg-.html

Als der Autor vor einem Jahr ein Sachbuch zu dieser sich abzeichnenden Entwicklung veröffentlichte, da lachte man ihn aus. Denn der Titel lautete: Vorsicht Bürgerkrieg. Genau ein Jahr später schreibt selbst das ehemalige Nachrichtenmagazin Spiegel in Zusammenhang mit Stuttgar-21 nun vom »Bürgerkrieg im Schlossgarten«.

Linke gegen Rechte, Arme gegen Reiche, Ausländer gegen Inländer, mittendrin religiöse Fanatiker - das explosive Potential ist gewaltig. Fast alles, was aus der Sicht der Deutschen bislang als "sicher" galt, ist nicht mehr vorhanden. Es gärt im Volk, die Wut wächst und die Spannungen nehmen zu. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann sich aufgestauter Ärger und Hass entladen werden. Noch im Jahre 2008 prognostizierte die CIA die Unregierbarkeit vieler deutscher Stadtviertel in einer Studie für das Jahr 2020. Da ahnte selbst der amerikanische Geheimdienst noch nicht, wie schnell die Entwicklung im Herzen Europas die Studie überholen sollte. … Von Internierungslagern bis zu Zwangsdurchsagen im Radio wird derzeit alles vorbereitet. ....

Und die Politik wird die Bevölkerung immer weiter in diese Richtung treiben. Die französische Zeitung La Tribune schreibt gerade von einer »Revolte der Bürger«, die durch ganz Europa zieht. Die Rückkehr der Wirtschaftskrise wird den Machthabern überall in Europa keine andere Chance lassen: sie werden das eigene Volk und dessen Kundgebungen der Unzufriedenheit niederknüppeln lassen wie die Machthaber es auch in Nordkorea oder Iran tun.“


Da braucht man schon eine riesige Portion "Hoffnung".

Sehr geehrter Herr De Lapuente
Sehr schöne Ausarbeitung und im Kontext „ ...dann kauft man auch gerne mal beim Verfassungsfeind ein ...“ passt es perfekt hierzu: http://ad-sinistram.blogspot.com/2010/10/wo-protest-ist-ist-demokratie.html

Anonym 14. Oktober 2010 um 18:50  

@klaus Baum 14. Oktober 2010 12:27

"der durchschnittsmensch hält in der regel die philosophie für überflüssig, vermutlich deshalb, weil er sonst die primitivität seiner denkungsart erkennen müsste."

Nicht nur der Durchschnittsmensch (was ist das?) und nicht nur für die Philosophie, sondern es gilt m.E. nahezu für alle Wissenschaften, die das Gewissen des Menschen streifen könnten. Wie immer man sie auch bezeichnen mag ... Sozial-, Human-, Kultur-, .... Geisteswissenschaften.

Man konnte förmlich zusehen, wie sie ihre Reputation verloren, zu einem Oberbegriff "Blümchen-" oder Wischiwaschiwissenschaften" zusammengefasst wurden, in dem Maße, wie sie zunehmend hinderlich wurden. Nebenbei sei die rhetorische Frage erlaubt, kann man dies nicht auch stets in der Historie beobachten ...?

So schlossen sich andere Wissenschaften zusammen um sich zu erheben, selbst, wenn sie sich später verrieten.

Übrig bliebe da die Betriebswissenschaft, die m.E. selbst die Konkurrenz der Volkswirtschaft nicht zu ertragen bereit war, streift sie doch gefährlich nahe an unerwünschten Themenbereichen vorbei.

Der Rest, naturwissenschaftliches, …., technisches, wurde schlichtweg zum Erfüllungs- bzw. Produktionsgehilfen degradiert.

Da stellt sich nur nebenbei die Frage, ob sich beispielsweise die Ingenieure ihren zugewiesenen Platz so vorgestellt hatten, als sie sich gegen die Geisteswissenschaften aussprachen?

Anonym 14. Oktober 2010 um 19:23  

@Manul 14. Oktober 2010 18:12

Überhaupt habe ich in den letzten 20 Jahren die Erfahrung gemacht, dass man zwar "Integration" sagt, aber "Assimilierung" meint.
... dann sind wir 'intergrationsunwillig'.


Die Frage, was ist eigentlich "Deutsch", ist wohl nicht hinlänglich geklärt ;-). Wobei ich mir nicht sicher bin, ob man das überhaupt zu klären wünscht ...

Und als Deutsche sag ich Ihnen, ich verspüre nicht die geringste Motivation, mich darin "assimilieren" zu lassen, was ein Großteil der Bevölkerung wohl darunter verstehen mag.

Manul 14. Oktober 2010 um 22:59  

@Anonym 14. Oktober 2010 19:23:

"Die Frage, was ist eigentlich "Deutsch", ist wohl nicht hinlänglich geklärt ;-). Wobei ich mir nicht sicher bin, ob man das überhaupt zu klären wünscht ..."

Ich glaube, man sagt zwar 'Deutsch', meint aber die 'Preussisch'. In Polen, wo man ja schon seit 1000 Jahren viel Erfahrung mit den Deutschen als Nachbarn hat, gibt es bis heute jede Menge Vorurteile gegenüber den Deutschen, die auf Jahrhunderte zurückgehen - und insbesondere auf die Zeiten der Teilung, wo das Preußen über ganze Teile Polens regierte und später natürlich des 2 WK.

Zu diesen Preussischen 'Tugenden' zählte im 19. Jahrhundert z.B. der polnischen Bevölkerung die Nutzung der eigenen Sprache zu verbieten, es gab sogar direkt Strafen dafür. Man hat versucht die Bevölkerung quasi zu germanisieren und hat damit eigentlich die ganze Kultur und die kulturellen Sitten der Menschen unterdrückt.

Wenn man sich das aber so vor die Augen führt, dann zeigt das aber gut wessen Geistes Kinder diejenigen sind, die etwas von 'deutschen Werten' palavern.

Trojanerin 15. Oktober 2010 um 00:51  

Ich bin deutsche Atheistin, mein Mann ist türkischer Christ. Das er Christ ist steht ihm nicht auf der Stirn geschrieben. Wir haben viele türkische und arabische muslimische Freunde, die tolerant, weltoffen und unheimlich gastfreundlich sind.
In der Debatte über Integration und Zuwanderung wird schon viel zu lang und viel zu oft die Fragestellung nach dem Nutzen für unser Land gestellt. Wenn es weltfremd ist, danach zu fragen, ob es auch um humanitäre Gründe wie politische Verfolgung, wirtschaftliche Not in den Herkunftsländern oder um den Wunsch, die Familie zusammen zu führen , geht, dann bin ich gern weltfremd.

Die Fernsehsendung „Hart aber fair“ vor ein paar Wochen mit Thilo Sarrazin, Arnulf Baring und Michel Friedmann fand ich auch bezeichnend: Da wurde viel über türkisch- und arabischstämmige Kinder und Jugendliche gesprochen und darüber schwadroniert, ob es das „Intelligenzgen“ gibt oder nicht und ob Herrn Sarrazins Ausflüge in die Genetik fundiert sind oder nicht usw.

Es war ein unerträgliches, jeden Wissenschaftler beleidigendes Geschwafel.
Ich glaube mich zu erinnern, dass während der gesamten Sendung weder von den Talkgästen, noch vom Moderator, noch bei den zitierten Zuschauerfragen ein einziges Mal die Begriffe Bildung und Bildungsgerechtigkeit gefallen sind.
Wenn das nicht symptomatisch für die Diskussionskultur ist ...

Berggeist1963 15. Oktober 2010 um 08:14  

Heute sind es (mal wieder) "die Muslime" und "der Islam", morgen die "Hartzies", übermorgen die "Luxusrentner" und danach fangen wir eben wieder von vorne an.
Gas-Gerd hat vor einigen Jahren zur Abwechslung auch noch die Lehrerschaft für ein paar Tage für die öffentliche Prügelstrafe auserkoren ("Alles faule Säcke" - man erinnert sich?). Das Schlimme daran ist hauptsächlich, dass das "Volk" genau dieses will. Es zehrt regelrecht danach, seinen Geifer an und über vermeintlich "unter ihm" stehenden abzusondern. Da es aber auf Dauer langweilig wird, nur auf Muslime oder nur auf Hartz IV-Opfer einzudreschen muss ihm halt immer wieder mal eine andere Bevölkerungsminderheit zum Frass vorgeworfen werden. Abwechslung tut eben auch hierbei not. Die Politik nebst ihren Auftraggebern weiss das ja und sorgt schon für die nötige "Abwechslung", wenn es ihr erforderlich und nützlich erscheint.

Zudem hat der "aufrechte Deutsche" dann das befriedigende Gefühl, dass ja noch soooo viele weit unter ihm stehen und er trotz allem immer noch "was Besseres" darstellt.

Stuttgart ist meiner Meinung nach nicht mehr bloss ein Streit um einen Bahnhof. Es geht mittlerweile um Demonstration der Macht und Stärke einerseits und dem Signal "Mit uns könnt Ihr nicht mehr alles machen" auf der anderen Seite. Dank mancher Medien sind die Gegner des Projekts ja inzwischen zu von "Linksextremen" aufgehetzten Wirrköpfen, "autonomen Berufsdemonstranten", "grünen Spinnern", "Gewalttätern" usw. mutiert. Beängstigend auch, wie gehässig und schadenfroh z.B. auf Won viele Kommentare hinsichtlich des seines Augenlichts verlustig gegangenen Rentners ausgefallen sind und wieviel erhobene Daumen dazu Zustimmung signalisierten.

Man mag sich kaum vorstellen, was erst los sein wird, falls sich wider Erwarten (wegen der erfolgreichen Meinungsmache halt leider dem Bereich Science Fiction zuzuordnen) doch noch mal alle "sozial Schwachen" (Arbeitsuchende, Aufstocker, Niedriglöhner/Geringverdiener, "Kleinrentner" usw.) solidarisch zeigen und gemeinsame Massenproteste auf die Strasse bringen. Die "Knüppelsuppe" (wenn nicht sogar Übleres) dürfte hierbei besonders deftig ausfallen. Aber das wird dann unter dem Begriff "Wehrhafte Demokratie" verpackt und dem treudoofen Michel schon ausreichend verkauft werden. Das dient ja alles nur seinem eigenen Schutz, dem Schutz seines Eigentums, etc. blablabla. Und der Michel jauchzt und klatscht dazu...

Wolfgang 15. Oktober 2010 um 16:37  

Fragen die sich mir aufdrängen:

Wie weit ist Herr Seehofer eigentlich in seinem christlich-sozialem Kulturkreis verankert, wenn er fordert es dürften nur hochqualifizierte Türken hier einwndern. Fraglos besteht die (recht geringe) Zuwanderung aus der Türkei in erster Linie im nachzug von Familienangehörigen. Familie wird doch in der CSU gaaaanz groß geschrieben ... dachte ich jedenfalls.

In wie weit steht eine Bundesregierung zu unserem Grundgesetzt, die nahezu permanent Gesetze und Verordnungen erlässt, die vom Bundesverfassungsgericht wieder kassiert werden?

Was sollen wir mit Politikern machen, die offensichtlich gegen christlich-jüdische Tradition (was ist das eigentlich) und gegen Büerger und Menschenrechte verstossen? Abschieben nach Helgoland?

Till 15. Oktober 2010 um 16:57  

@ Wolfgang
"Wie weit ist Herr Seehofer eigentlich in seinem christlich-sozialem Kulturkreis verankert, wenn er fordert es dürften nur hochqualifizierte Türken hier einwandern."

Er folgt dabei wohl strikt dem deutschen Amtseid, der da lautet:
"Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden... werde."

Roberto J. De Lapuente 15. Oktober 2010 um 17:02  

Volkszugehörigkeit und Staatszugehörigkeit ist nicht dasselbe.

Daniel Limberger 15. Oktober 2010 um 18:58  
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Till 15. Oktober 2010 um 19:19  

"Volkszugehörigkeit und Staatszugehörigkeit ist nicht dasselbe."

Darauf wies ich ja gerade hin: Politiker schwören offiziell dem Volksangehörigen, nicht dem Staatsangehörigen.

Anonym 15. Oktober 2010 um 21:10  

Was auch sehr interesant, aber auch frapant ist, ist die absolute, wie soll man es nennen, Naivität, Unbedarftheit oder doch bodelose SA-Mentalität in der diese Rassistensprüche abgesondert werden. Als ob man auch nicht morgen, sowie in den vergangenen zig Jahren mit "Mirganten" zusammenleben und aukommen müsste.

Wissen diese Schrottköpfe eigentlich, dass man trotzdem weiter miteinander leben muss oder bilden die sich ein das sie kurz mit den (Zauber)hacken zusammenschlagen und die "Migranten" sind weg? Das ist ein Irrglaube. Diese Leute nehmen, bewusst oder unbewusst, Ausschreitungen schlimmster Art in Kauf. "Die" "Migranten" werden sich soetwas nicht bieten lassen. Das müsste den geistigen Tieffliegern aller gesellschaftlichen Schichten doch wohl einleuchten, oder? Oder merken die nichts mehr?

Als kleine Anekdote füge ich den Text einer Auktion bei EBay bei, über die ich heute zufällig gestolpert bin.

"Diese Schuhe kommen aus einem tier- und kinderfreien deutschen Nichtraucherhaushalt und sind voll tragbar."

Welch eine brutale Sprache. Wahnsinn. Ich habe den Typen sofort als potentielllen Käufer gesperrt.

Zoran

Anonym 16. Oktober 2010 um 02:24  

Daniel Limberger hat gesagt...

@Roberto J. De Lapuente 15. Oktober 2010 17:02

" Volkszugehörigkeit und Staatszugehörigkeit ist nicht dasselbe."

"Da möchte ich aber entschieden widersprechen!"

Lieber Daniel, hier muss ICH(Bakunin) dir leider mal widersprechen!

Volks -u. Staatszugehörigkeit sind nicht identisch, da die verschiedenen Völker eine Entwicklungsgeschichte vorzuweisen haben, die eben nicht immer einherging mit der Bildung "geschichtsbestimmender("mächtiger") Nationen".
Die Geschichte der vielen Ethnien und großen und kleiner Völker, Völkerschaften ging keineswegs immer so vonstatten, dass es zu Bildung unabhängiger Staaten kam. In vielen Fällen wurden diese schon lange existieren Völkerschaften einfach nur "eingemeindet", erobert, manchmal weitgehend in Ruhe gelassen, manchmal aber auch brutalen Assimilierungsabsichten unterworfen, manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolgen.
Ich könnte hier viele Beispiele aus der Geschichte Europas und anderer Erdteile anführen, die dies belegen.
Kurzum: Kultur- und Sprachgemeinschaften haben häufig eine viel längere Geschichte als die Geschichte der "großen Nationen", "weltgeschichtlichen Nationen".
Roberto, dessen Vater aus dem "spanischen" Baskenland stammt, weiss über derartige "Feinheiten" eben wohl doch doch etwas besser Bescheid als so ein typischer "Reichsgermane"(alter österreichischer Spitzname für Deutsche)wie du(vielleicht?).
Lieber Daniel: Bitte manchmal die dicke Ideologie-Brille absetzen und die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen! (Sage ich dir in aller Freundschaft und politischer Verbundenheit! :-)

Beste kammeradschaftliche Grüße von
Bakunin

Anonym 17. Oktober 2010 um 14:59  

Die Jungle World ("Linke Wochenzeitung") posaunt jetzt auch gegen Deutschenfeindlichkeit:

http://jungle-world.com/artikel/2010/41/41861.html

"An etlichen Berliner Schulen sehen sich nicht-migrantische und nicht-muslimische Schüler Angriffen ausgesetzt. Der Zusammenhang mit der muslimischen Männerkultur ist offensichtlich.
... Niemand opfert sein Kind für die Integration."

philgeland 18. Oktober 2010 um 00:25  

Apropos, wie sieht's eigentlich mit dem "Grundgesetzbekenntnis" so mancher deutscher Staatsbürger aus?

Kurt 18. Oktober 2010 um 16:00  

Zuerst: Ich bin gegen jede Religion, weil Religionen die Menschen trennen und weil jede Religion die Erlösung immer im Jenseits und nicht auf Erden verkünden, und das heißt: Religionen balbieren die Menschen über den Löffel, sie machen sie unfrei, zwängen sie in ein Denk- und Handlungsgebäude. (Was wäre zum Beispiel aus Deutschland geworden, hätte es die christlichen Missionare nicht gegeben? Eine Horrorvorstellung?) Noch heute bedaure ich, dass die Römer mit ihrer einfach und lässig zu praktizierenden Religion sich einst hinter den Rhein zurückgezogen haben und es dann auch noch den Urgermanen Hermann mit seinen Teutonen bzw. Cheruskern geben musste.

Für mich ist es schon erstaunlich, wie ansonsten intelligente, vernunftbegabte Menschen, ohne über sich selbst zu erröten, sagen können: Ich bin gläubig, ich glaube an einen/meinen Gott. Mich nervt die ganze gegenwärtige Diskussion um "christlich-jüdische Werte" und auch um den Islam. Wann endlich begreifen wir, dass uns aus der Misere des Hier und Jetzt kein überirdisches Wesen (das die Menschen sich übrigens selbst geschaffen haben, wie absurd, sie anzubeten!) befreien wird, sondern nur wir selbst? Wir wissen es ja im übrigen, sonst würden wir praktischerweise den lieben langen Tag nur um unser Seelenheil beten und würden uns entwicklungsgeschichtlich noch auf dem Berge Sinai befinden. Und dabei ist es mir egal, ob es sich um jüdisch-christlichen oder moslemischen Fundamentalismus handelt. Mir ist jeder Mensch angenehm, wenn er nur nicht vergisst, dass alle Menschen der Welt ein Recht haben, auf Erden glücklich zu werden und nicht erst im Himmel oder im Paradies, und wenn derjenige dann alles dafür tut, und sei es im Bunde mit dem Langschwänzigen.

Das ganze Gerede um den Islam dient doch nur dazu, von den gegenwärtigen Turbulenzen der kapitalistischen Welt abzulenken,
von den Schweinereien unserer korrupten Häuptlinge. Das Volk diskutiert! Wie angenehm für die da oben. Wie können wir da so bedeppert sein, darauf überhaupt noch einzugehen?

Anonym 19. Oktober 2010 um 13:42  

Kurt, "Noch heute bedaure ich, dass die Römer mit ihrer einfach und lässig zu praktizierenden Religion sich einst hinter den Rhein zurückgezogen haben"

Sie reden von dem heutige katholischen Italien, deren Zustände Sie gerne hier hätten?

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