Der Aufschwung kommt endlich bei allen an!

Freitag, 8. Oktober 2010

Ein Erfahrungsbericht aus dem Deutschland des wirtschaftlichen Aufschwungs. Ein anonymer Gastbeitrag.

Weil ich aus familiären Gründen gerne in den Raum Freiberg in Sachsen übersiedeln möchte, stellte ich vor ungefähr anderthalb Jahren bei meinem Arbeitgeber, der Deutschen Post AG, einen Versetzungsantrag. Bisher wurden mir jedoch nur hundsmiserable und absolut unterbezahlte Jobs angeboten. Wer möchte sich schon gerne verschlechtern? Daher bewarb ich mich bei einem renommierten Solarkonzern in Freiberg. Diese Firma stellt Solarzellen her und präsentiert sich in der Öffentlichkeit als innovatives und sozial engagiertes High-Tech-Unternehmen. Obwohl ich eine Bewerbungsmappe mit sehr guten Zeugnissen und Referenzen vorlegen konnte, bekam ich nach zwei Wochen eine Absage. Nach kurzer Rückfrage bekam ich von einer weniger freundlichen Dame des Personalbüros mitgeteilt, dass für Einstellungen die Zeitarbeitsfirma R. zuständig sei, die zufällig ein Büro direkt auf dem hiesigen Werksgelände eröffnet habe. So bewarb ich mich also nochmal bei R. und bekam prompt einen Vorstellungstermin in Freiberg.

Ich opferte einen Tag Urlaub und fuhr guter Dinge von meinem hessischen Wohnort nach Freiberg. Meine Freundin begleitete mich an jenem Tag. Das R.-Büro befindet sich in einem ziemlich hässlichen Zweckbau, direkt auf dem Werksgelände des Solarkonzerns. Als ich den anonymen Laden sah, da bekam ich irgendwie ein merkwürdiges Gefühl. Der Bunker erinnerte mich unweigerlich an eine Art von Hochsicherheitstrakt. Ich musste klingeln und wurde durch mehrere Sicherheitstüren geschleust. Anschließend wurde ich von einer Dame empfangen und ins Büro geführt. Dieses Büro ist ebenso kühl und hässlich wie das gesamte Gebäude. Es besteht aus einem schlauchartigen und völlig unpersönlichen Raum mit mehreren Schreibtischen, die quer zu den Fenstern angeordnet sind. Daran sitzen sich immer zwei Angestelle gegenüber. Im hinteren Bereich befindet sich offenbar das Büro eines Vorgesetzten, das mit einer großen Glasscheibe vom restlichen Raum abgetrennt ist. Mein freundlicher Gruß beim Betreten des Raums wurde nicht erwidert.

Mein mulmiges Gefühl verstärkte sich allmählich. Die Dame bat mich nicht etwa in einen gesonderten Raum, um sich mit mir unter vier Augen zu unterhalten, sondern handelte mich routinemäßig direkt an ihrem Schreibtisch ab. Unser Gespräch wurde mehrfach von lauten Zwischenrufen ihrer Tischnachbarin unterbrochen, die von Kollegen wissen wollte, ob man einen Herrn Krause nun am Montag in die Nacht- oder in die Frühschicht stecken wolle. Das irritierte mich sehr, denn diese Leute ließen offensichtlich jedes Fingerspitzengefühl im Umgang mit Menschen vermissen. Nachdem das Gespräch einige Minuten gedauert hatte, zog diese Dame mit einem sichtlich peinlich berührtem Gesichtsausdruck einen Arbeitsvertrag aus der Tasche. Man komme nun zum unangenehmen Teil, sagte sie wortwörtlich zu mir. Wie unangenehm dieser Teil war, das sollte ich wenige Sekunden später erfahren:

6,50 Euro brutto Stundenlohn, drei Schichten mit Wochenendarbeit auf Abruf, 15 Prozent Nachtzulage, 50 Prozent Sonntagszuschlag und 100 Prozent Feiertagszuschlag. Ich überschlug dieses überaus "großzügige" Angebot und kam auf einen monatlichen Nettolohn von etwa 1000 Euro. Das ist also die wunderbare Innovation und das soziale Engagement dieser Sunnyboy-Firma. Mir wurde schlagartig klar was die Aussage ihres Inhabers, zu bedeuten hat, als er verkündete, dass man noch viel billiger werden müsse. 6,50 Euro brutto! Dafür bin ich insgesamt 750 Kilometer gefahren. Super! Die R.-Mitarbeiterin sah meinen Gesichtsausdruck und meinte, dass ich es mir ja noch mal überlegen und ihr am kommenden Montag Bescheid geben soll.

Ich empfahl mich freundlich und verließ den Raum. Niemand grüßte mich zurück, als ich mich verabschiedete. Ein wirklich toller Umgangsstil, das muss ich schon sagen. Offensichtlich sind Menschen dort nicht mehr als eine beliebig verfügbare Massenware. Meine Freundin hatte noch eine Weile damit zu tun, mich wieder aufzubauen und mir Mut zu machen. Ein Gefühl blieb jedoch in mir zurück: eine Stinkwut! Ich wurde plötzlich an all die Fahrer von Subunternehmen erinnert, die für meinen Arbeitgeber für ein Taschengeld zehn Stunden am Tag mit dem LKW durch die Gegend fahren. Als der Montag kam, da hatte ich meine Entscheidung längst getroffen. Ich sagte R. ab und ließ die Herrschaften wissen, dass ich - sollten mal andere Zeiten kommen und die Bosse von R. im Steinbruch arbeiten müssen - gerne bereit bin, als Wachposten auf die Jungs aufzupassen, dass sie bloß nicht stiften gehen. Das würde ich mit großem Engagement sogar für 3,50 Euro brutto machen.

Man wolle mir meine Unterlagen in Kürze zukommen lassen, hieß es. Darauf warte ich bis heute vergeblich. Diese Bananenrepublik mutiert allmählich zu einer Art von Freihandelszone mit lausigen Hungerlöhnen auf Kosten der ArbeitnehmerInnen und zugunsten der Bonzen aus Wirtschaft und Hochfinanz. Sie rauben uns die Perspektiven und die Zukunft. Schuld an dieser Entwicklung sind angeblich natürlich all die "faulen" Hartz IV-Schlucker, Migranten, Juden und weiß der Geier wer noch. Es ist zum Kotzen!



24 Kommentare:

Rainer 8. Oktober 2010 um 07:46  

Ich kann Deine Wut gut verstehen! Und dann halten diese Schweine einem auch noch vor, keine Kinder in dieses Welt setzen zu wollen.
Aber ich bin mittlerweile unsicher, was mehr zum Kotzen ist: diese Machenschaften oder die Untätigkeit der betroffenen Massen.

Anonym 8. Oktober 2010 um 08:05  

...dabei ist das erst der Anfang. Der sogenannte Aufschwung wird ganz schnell zerplatzen, so daß die armen Unternehmer um ihre Riesengewinne zu sichern, noch stärker ausbeuten müssen.
Wer sollte sie hindern?
Die Politiker??
Die Gewerkschaften??
Ich fürchte, selbst Massenproteste schaffen es nicht mehr, denn dazu sind die Machtverhältnisse zu klar

Inglorious Basterd 8. Oktober 2010 um 08:29  

Derartige persönliche Erfahrungen werden von Politikern stereotyp als Einzelfälle bagatellisiert. Aber: Viele Einzelfälle ergeben einen Trend, viele Trends eine Struktur und viele Strukturen ein System.

Habe gestern auf arte noch einmal den Film über die Geschwister Scholl gesehen und musste mich bei dem hier geschilderten Scharm des architektonischen Ambientes der Vermittlungsfirma spontan an die kalten grauen Zellen und Gänge des Gefängnisses erinnern. Ralf Giordano schreibt in seinem Buch "Die zweite Schuld", dass Faschismus mit dem Verlust der humanitären Orientierung beginnt, und dieser drückt sich unter anderem auch in der Brutalität der Außen- und Innenarchitektur und in der Verletzung der Gesprächsintimität bei Bewerbungen aus.

Dies ist eines von vielen Beispielen in der Gegenwart.

Libero 8. Oktober 2010 um 10:00  

Ja,ja, und dann gibts da noch diese tollen Jobs vom Arbeitsvermittler, für die ich mich nicht mal bewerben könnte mangels Anspruch, gibt es diese doch nur per Vermittlungsgutschein von der Arbeitsagentur. Es sei denn, ich wäre bereit, 1000 - 2000 € aus eigener Tasche auf den Tisch des Arbeitsvermittlers zu legen. Nä!!!

Anonym 8. Oktober 2010 um 10:08  

Hätte dazu noch einen gleichgearteten Fall, diesmal von VW. Das Arbeitsamt Berlin-Lichtenberg warb arbeitslose Dummköpfe für eine Drei-Schicht-Beschäftigung mit ebendiesem Satz von 6,50 € pro Stunde. Als einer von den Arglosen überschläglich berechnete, dass er da nach allen Abzügen auf ungefähr 650 € netto pro Monat käme, also noch unter dem Satz von Hartz IV, waren die Damen und Herren vom Arbeitsamt schockiert über so viel Frechheit. Nicht wegen der unverschämten Bezahlung von VW, sondern über die schnelle Reaktion des armen Teufels von Hartz-Vierer. Freiberg liegt im Osten, und da denkt man, im Osten sei eben alles möglich, aber Wolfsburg?

jürgen 8. Oktober 2010 um 10:50  

tja junge, da hast du mal gesehen wo die reise hingeht. wie der olle Richard von Weizsäcker schon vor zwanzig jahren sagte:
● Die Arbeitslosenzahlen worden weltweit ungeahnte Dimensionen erreichen.
● Die Löhne werden auf ein noch nie dagewesenes Minimum sinken.
● Alle Sozialsysteme werden mit dem Bankrott des Staates zusammenbrechen. Rentenzahlungen zuerst. Auslöser ist eine globale Wirtschaftskrise ungeheurer Dimension, die von Spekulanten ausgelöst wird.
● Ca. 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus werden in Deutschland wieder Menschen verhungern.
● Die Gefahr von Bürgerkriegen steigt weltweit dramatisch an.
● Die herrschende Elite wird gezwungen, zu ihrem eignen Schutz Privatarmeen zu unterhalten.
● Um ihre Herrschaft zu sichern, werden diese Eliten frühzeitig den totalen Überwachungsstaat schaffen, eine weltweite Diktatur einführen.
● Die ergebenen Handlanger dieses Geldadels sind korrupte Politiker.
● Die Kapitalwelt fördert wie eh und je einen noch nie dagewesenen Nationalismus (Faschismus) als Garant gegen einen eventuell wieder erstarkenden Kommunismus.
● Zum Zwecke der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren. Dies geschieht mittels künstlich erzeugter Krankheiten. Hierbei werden Bio-Waffen als Seuchen deklariert, aber auch mittels gezielter Hungersnöte und Kriege. Als Grund dient die Erkenntnis, dass die meisten Menschen ihre eigene Ernährung nicht mehr finanzieren können, jetzt wären die Reichen zu Hilfsmassnahmen gezwungen, anderenfalls entsteht für sie ein riesiges, gefährliches Konfliktpotential.
● Dem Rohstoffbesitz und dem eigenen Machterhalt dienend werden Großmächte Kriege mit Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen führen.
● Die Menschheit wird nach dem Niedergang des Kommunismus ein skrupelloses und menschenverachtendes System erleben, wie sie es noch niemals zuvor erlebt hat:
ihr Annageddon. Das System, welches für diese Verbrechen verantwortlich ist, heißt „unkontrollierter Kapitalismus".
zitatende

so isser, der pure kapitalismus und ihr im westen werdet noch kalte füße bekommen. immerhin habt ihr ja schon bei schröders HATZ-IV das maul nich aufbekommen...

trotzdem liebe grüße aus dresden.
von jürgen

ps: immerhin schon vor 90 jahren schrieb schon brecht http://www.youtube.com/watch?v=kFyGDfc3ZxA

kapiernix 8. Oktober 2010 um 12:20  

Ich glaube der Autor war über diese Zustände deshalb so geschockt, weil er anderes gewohnt ist und einfach zu hohe Erwartungen hatte.

Wer erwartet, dass er in die neuen Bundesländer kommen kann und dabei noch mindestens genausoviel verdient wie in den Alten, der hat die letzten 20 Jahre wohl verschlafen oder hat sich schlecht informiert.

Ich weiß jetzt auch nicht auf welche Art Stelle er sich beworben hat und mit welcher Qualifikation aber wenn man betrachtet, dass das alles über eine Zeitarbeitsfirma läuft wäre er mit 1000€ Netto sogar noch relativ gut weggekommen.
Es gibt wesentlich schlechter bezahlte Jobs.

Aber ich denke von den zu hohen Erwartungen wurde er dadurch geheilt und geht solche Dinge demnächst anders an.

Anonym 8. Oktober 2010 um 15:23  

Der Autor war nicht Alt-Bundespräsi Richard von Weizsäcker, sondern Carl Friedrich v. W. - dies sei nebenbei angemerkt.

Die Beschreibung erinnert jedoch frappant an die aktuellen Zustände.

Dennoch: Wenn immer mehr Personen denken, es sei keine Änderung möglich, da die Machtverhältnisse zu eindeutig geklärt seien, kommt es doch zu einer eben solchen Änderung, da sich die ohnmächtige Wut von immer mehr Leuten schließlich nach außen richtet.

Meine Meinung!

Anonym 8. Oktober 2010 um 18:02  

Wenn am 1. Mai 2011 die Grenzen für den Zugang von Arbeitskräften und Leiharbeitgebern aus den osteuropäischen Beitrittsstaaten fallen, dann wird es noch billiger werden.

Roberto J. De Lapuente 8. Oktober 2010 um 18:04  

@ Anonymus von 18:02 Uhr:
Nicht nur das: man wird diese Billigarbeitskräfte anfeinden... Futter für die Sarrazins. Dass ein Mindestlohn hier helfen könnte, werden die üblichen verdächtigen Medien natürlich nicht erklären.

Fortunatus 8. Oktober 2010 um 19:55  

Das ist die traurige Realität heute. Vor ein paar Jahren hatte ich hier, in einer bayerischen Großstadt, ein Vorstellungsgespräch bei einem Wirtschaftsauskunftunternehmen. Gesucht wurden Mitarbeiter mit kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Die Arbeitszeit sollte 40 Stunden pro Woche betragen. Bereits nach kurzer Zeit war dem Chef und mir klar, dass die Arbeit nichts für mich ist. Ab da haben wir ein sehr direktes Gespräch miteinander geführt. Jedenfalls nannte er mir ein Gesamtbrutto von 1200 - 1300 Euro im Monat. Kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld und minimaler Urlaub. Und das für einen Ganztagsjob, bei dem einiges an Wissen nötig ist! Als ich ihm dann sagte, dass man damit hier nicht richtig leben könne, entschuldigte er sich für diesen Bedingungen. Er sagte, dass dies von der Firmenzentrale vorgegeben sei, die es damit begründen, dass sie ja in Chemnitz auch nicht mehr zahlen würden. Als ich dann sagte, dass wir hier aber nicht in Chemnitz sind und die Mieten sehr hoch sind, antwortete er, dass er dies wisse, aber der Markt gebe es eben her. So ist es auch heute noch, über eine Bekannten habe ich erfahren, dass in der Firma weiterhin diese Umstände gelten. Überstunden werden natürlich auch weder bezahlt noch ausgeglichen. Dank Hartz IV sind wohl derartige Arbeitsplätze mittlerweile eher die Norm als die Ausnahme

Anonym 9. Oktober 2010 um 12:35  

Fortunatus hat gesagt...
"Das ist die traurige Realität heute."...

Ja, wer heute als Arbeitssuchender Glück hat und einen Job ergattern kann, kann sich oft in der Tat schon glücklich schätzen, WENIGSTENS noch 1200, 1300 EUR Netto auf die Kralle zu bekommen... - wenn!
Die seit vielen Jahren von Staat und Kapital angeheizte Massenarbeitslosigkeit plus den radikalen Absenkungen bei den Lohnersatzleistungen haben dem Kapital hier in Deutschland ein Paradies erschaffen mit massenhaft billigsten und willigsten Lohnsklaven, die Dank Aufstockererei auch zu praktisch JEDEN Lohn bereit sind anzutreten.
Aber glauben wir nicht den Lügen, Sophismen, Blindheiten, Verdrehungen mancher Leute, Kommentatoren, die nur immer von "Fehlentwicklungen", "falscher Politik", "fehlender Kenntnis von makoökonomischen Zusammenhängen" , (nur)"schwacher Binnenkonjunktur"... etc.. ,
schwadronieren, Nein! Das alles ist Programm, gewollt, seit mehr als 30 Jahren wurde auch in diesem Land(wie fast überall) auf genau jene Zustände zielsicher und unverückt hingearbeitet, unter denen heute Millionen von Menschen zu leiden haben, oft beschönigt, leider aber auch oft nur aus Unwissenheit ODER nur reiner HEUCHELEI "beklagt" werden(weil man scheu hat, sich mit den wirklich Mächtigen anzulegen, manchmal auch einiges zu verlieren hat..).
Die heutigen Zustände sind von unseren Eliten und deren politischen Handlagern gewollt, wollt ihr die Zustände ändern, hilft kein ewiges kleinkindliches Appellieren und Betteln um "bessere Einsichten" bei diesen Herrschaften sondern letztlich nur die BRECHUNG von deren ökonomischer, politischer, letzlich also gesellschaftlicher Macht über dieses Land!
Alles andere ist nur verbaler Klamauk, sinnloses Zeittotschlagen, einfach nur nutzloses "Meinen", Auskotzen, am Ende einfach nur öde, ermüdent, Tibetanische Gebetsmühlen...

MfG Bakunin

Anonym 9. Oktober 2010 um 13:14  

Die Kanzlette setzt sich für höhere Löhne ein - vollkommen unverbindlich und ohne Zahlen, versteht sich und natürlich nicht Mindestlöhne, sondern einfach nur Löhne.

Scheint so, als seien denen die schlechten Umfragewerte aufgefallen.

Regi54 9. Oktober 2010 um 14:51  

Ich kann die Wut verstehen, wenn einem so etwas passiert. Du hättest das Fahrgeld sparen können, in dem Du am Telefon danach gefragt hättest. Egal ob Odt oder West, die Löhne werden weiter sinken, denn das war das eigentliche Ziel von Schröder und Fischer. Schröder rühmte sich ja 2008, anläßlich einer kapitalistischen Massenansummlung im schweizerischen St. Gallen damit, dass es ihm mit Hartz IV gelungen sei Deutschland zum Billiglohnland nummer Eins in Europa gemacht zu haben.Das war der Hauptzweck für Hartz IV. Selbst der Namensgeber für dieses Projekt, inzwischen ja rechtmäig als Verbrecher verurteilt, sagt heute, dass Hartz IV nichts weiter als Betrug ist. Damit sollten Löhne gesenkt, und die Gewinne der Kapitalisten erhöht werden.
Jetzt haben wir den Salat, und keiner reisst das Maul auf und beschwert sich.
Es ist eigentlich die Zeit für einen Generalstreik gekommen, aber wo sind die Gewerkschaften???
Sie bringen ihre Schäffchen ins Trockene, abevor alles zusammenbricht.
HJR

pillo 10. Oktober 2010 um 23:20  

Tja, da hat sich der Schreiber wohl von der Hoffnung tragen lassen: neue Technologie=gutes Image=gute Arbeitsbedingungen.

Letztendlich ist die Branche der erneuerbaren Energien aber auch nur ein weiterer Mitspieler innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Wieso sollten da andere Regeln gelten als beim ganzen großen Rest. Das Prinzip der Profitmaximierung gilt im Kapitalismus universell. Und gerade mit regenerativen Energien konnte man in den vergangenen Jahren sehr viel Geld verdienen.

Nicht nur bei der Herstellung der Solarmodule herrscht mittlerweile ein gnadenloser Wettbewerb auf dem Rücken der Arbeiter, auch die Firmen, die die Anlagen (Freiland wie Dach) installieren, speisen ihre Arbeiter und Angestellten zumeist mit Hungerlöhnen ab. 7,50...9,00€/h (brutto, plus Auslöse)sind die Regel. Dafür müssen die Leute dann 10, 12, ja bis zu 14 Stunden pro Tag (6 Tage die Woche) bei Wind und Wetter schwere körperliche Arbeit verrichten.
Zudem gibt es ein Zeitkonto von weit über 100 Stunden. Erst wenn dieses aufgefüllt ist, bekommen die Mitarbeiter ihre tatsächlich geleisteten Stunden bezahlt. D.h., gerade in den ersten Monaten sind Nettomonatslöhne von 700...900 € eher die Regel denn die Ausnahme.
Da die Fluktuation hoch ist, kommt nur ein kleiner Teil der Belegschaft in den Genuß eines vollen Zeitkontos und somit annehmbarer Monatslöhne.

Die von den Arbeitern (und der Systemkonfrontation bis '89) in einem langen Kampf errungenen guten Löhne und Arbeitsbedingungen in der Industrie wurden/werden immer weiter ausgehöhlt. Neu entstehende Branchen starten heute innerhalb der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin. Wenn ab nächstem Jahr noch das Herkunftslandprinzip zur Anwendung kommt, werden wir wohl bald den "schönen Zeiten" nachtrauern, als man noch mit 900€ netto entlohnt wurde.

Anonym 11. Oktober 2010 um 03:17  

Der IQ unserer sogenannten "Eliten" dümpelt offensichtlich irgendwo in der Nähe der Durchschnittstemperatur.
Sie begreifen nicht, daß sie die Wurzeln trockenlegen, von dem Baum, dessen Spitze sie zu sein glauben.

Klaus H

Anonym 11. Oktober 2010 um 09:54  

Das ist aber nichts neues. Das Problem ist die Eitelkeit der unter 35 jährigen die jeden Tag etwas anderes am Fernsehen und in den Medien zu sehen bekommen. Keiner kann aufgrund des Gruppenzwanges zugeben das er zwischen 1400 - 1600 Euro verdient und sich ein Auto was zwischen 10.000 und 20.000 Euro kostet und einen Urlaub gar nicht mehr leisten kann (Exkurs: Schulden & Finanzkrise). Alle über 35 jährigen leben noch in einer fremden Welt vor 1990. Mich verwundert es immer wieder wie erschrocken "über 35 jährige" auf NORMALE Arbeitsbedinungen von unter 35 jährigen reagieren. Die Grenze zieht sich nicht zwisch Ost und West, sondern zwischen zwei Generationen, dem Eisenbahnbeamten mit 35 Tagen Urlaub, Brückentagen und ihm ZUSTEHENDEN 6 Wochen Krankheit im Jahr bei einer 32 Stundenwoche verwöhnt vom Klassenkampf Westen gegen Ostblock und dem befristete beschäftigtem Zeitarbeiter der seine Arbeistleistung mit den Chinesen und dem rest der Welt im Kampf/Wettbewerb täglich neu messen muß. Das ist zwar sehr ärgerlich und traurig, entspricht aber der realität. Die Konkurenz aus der ganzen Welt wartet schon darauf das Verdi & Co. die deutschen Wettbewerber ausschaltet.

Anonym 11. Oktober 2010 um 10:11  

Ein Trostplaster für die Enntäuschung: Diese Solarfirmen werden die nächten Jahre nicht überleben, die Konkurenz aus Asien macht heute schon mächtig Druck. Ich gebe den Firmen noch wenige Jahre, dann macht hier die letzte Solarfabrik die Lichter aus.

So gesehen wäre er in wenigen Jahren sowieso entlassen worden und hätte mit der Erfahrung auch nichts neues gefunden, ein Deppenjob zu diesen Konditionen findet man heute überall, da muss man nicht unbedingt in die auf den ersten Blick vielversprechende Solarzellenbranche.

Anonym 11. Oktober 2010 um 10:40  

Wie kann man als gestandener Mann den nur so naiv sein. Ich bin jetzt 42 Jahre. Habe 20 Jahre ddr erlebt und nach 6 Jahren Bananenrepublik habe ich gemerkelt, wie hier der Hase läuft. Also bitte, es gibt kein unbegrenztes Recht auf Demokratie und auf Wohlstand schon gar nicht! Ich persönlich kenne mindestens 5 Länder, in denen es sich besser lebt als in D., aber es geht den Deutschen immer noch zu gut. Deshalb wird sich bei Euch auch nichts ändern.

Blinkfeuer 11. Oktober 2010 um 12:21  

@11. Oktober 2010 09:54, welch Unfug. Es sind genau die Branchen, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten (und einen hohen gewerkschaftlichen Org-grad haben, die noch tariflich hoch zahlen.
Die NICHT diesen Wettbewerb haben, Friseure, Bäcker, Maler und andere Kleinganoven, beuten aus. Und lassen sich vom Amt + den Banden von "Personaldiensleistern" helfen.

Anonym 11. Oktober 2010 um 14:12  

Was sind denn Ihrer Meinung nach diese mindestens fünf Länder?

Ich bin auch schon ein wenig in der Welt herumgekommen und habe erst dabei gemerkt, wie sehr man in D. ver**scht wird. Ich war geradezu schockiert zu sehen, welch einen hohen Lebensstandard es in den skandinavischen Ländern gibt, aber wenn man den Medien und den Lehrern glaubt, dann bricht ja jenseits der Bundesgrenzen die dritte Welt an.

Anonym 11. Oktober 2010 um 21:49  

EIN PFERD KLAGT AN

Ich zog meine Fuhre trotz meiner Schwäche
Ich kam bis zur Frankfurter Allee.
Dort denke ich noch: O je!
Diese Schwäche! Wenn ich mich gehenlasse
Kann 's mir passieren, daß ich zusammenbreche.
Zehn Minuten später lagen nur noch meine Knochen auf der Straße.

Kaum war ich da nämlich zusammengebrochen
(Der Kutscher lief zum Telefon)
Da stürzten aus den Häusern schon
Hungrige Menschen, um ein Pfund Fleisch zu erben
Rissen mit Messern mir das Fleisch von den Knochen
Und ich lebte überhaupt noch und war gar nicht fertig
mit dem Sterben.

Aber die kannt' ich doch von früher, die Leute!
Die brachten mir Säcke gegen die Fliegen doch
Schenkten mir altes Brot und ermahnten
Meinen Kutscher, sanft mit mir umzugehen.
Einst mir so freundlich und mir so feindlich heute!
Plötzlich waren sie wie ausgewechselt! Ach, was war
mit ihnen geschehen?

Da fragte ich mich: Was für eine Kälte
Muß über die Leute gekommen sein!
Wer schlägt da so auf sie ein
Daß sie jetzt so durch und durch erkaltet?
So helft ihnen doch! Und tut das in Bälde!
Sonst passiert euch etwas, was ihr nicht für möglich haltet!



Text: Bertolt Brecht

Anonym 12. Oktober 2010 um 10:27  

Sei dankbar! Diese Menschen haben Dir zu verstehen gegeben, was man von dem Laden hält. Es war nicht bösartig von ihnen, Dich nicht zu grüßen. Es ging ihnen auch nicht besser und wenn man schon zum "unangenehmen" Teil übergeht, dann verstehst Du es doch. Wir brauchen mehr Verweigerer. Aber nimm es nicht persönlich. Lass Dich nicht von frustrierten Menschen frustrieren! Wir sind gequälte Tiere. Seid nett zueinander und versteht Eure Schmerzen. Du hättest Deine Entscheidung schneller fällen sollen. Dein Bauch hat Dir schon gesagt, daß "der Laden kalt ist". Also geh mal davon aus, daß jemand aus dieser Arbeitsvermittlung hier mitliest. Das sind keine Unmenschen. Es sind Menschen wie Du.

Anonym 12. Oktober 2010 um 17:25  

Auch ich habe mich letztes Jahr auf eine Lehrerstelle an einer Privatschule im Osten Deutschlands beworben. Ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und hatte hierfür auch einen etwas längeren Anfahrtsweg. Man machte mir dann das Angebot auf Honorarbasis 8 Stunden die Woche für 15 € die Stunde an zwei unterschiedlichen Standorten, die jeweils 40km auseinander liegen zu arbeiten. Tolles Angebot! In dem Moment war ich aber leider so perplex, dass ich es vergaß dem Schulleiter mal ordentlich meine Meinung zu geigen. Heute ärgere ich mich darüber.

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