Rechnung wird zugestellt

Dienstag, 9. Dezember 2014

Dieses »neue deutsche Selbstbewusstsein« wird kein konsequenzloses Zwischenspiel sein.

Es ist erstaunlich, mit welcher Verve die Medien aufarbeiten wollen, wie junge Menschen dem Salafismus zugetrieben werden. Wie konnte es nur so weit kommen, dass diese Leute nur noch hassen?, fragen sie sich. Weitaus weniger Aufwand betrieb man mit den rechten Terroristen, die »Döner-Morde« begingen. Zuerst verschleierte man mit tendenzieller Berichterstattung die wahren Hintergründe. Danach las man viel über den Prozess und ihre Taten. Wie sie aber wurden, was sie waren, hat eher nicht interessiert. Bundesrepublik, dieses Trio und all die Helfer, die Befürworter und Mitwisser, das waren und sind deine Salafisten! Und wenn du verstehst, wie sie so werden konnten, dann überdenke dich selbst.

Ein Rückblick im Zeitraffer: Deutschland brennt während und nach der Wendezeit. Das Boot ist mal wieder voll. Zu viele Ausländer kommen angeblich ins Land. Zwischen 1990 und 1992 stürmen Skinheads Asylbewerberheime in der ganzen Republik. Die Union hat gewissermaßen Verständnis. Sie kann den Beifall des Mobs nachvollziehen. Es mag zwar nicht die feine Art sein, aber man erntet ja nur, was der linke Zeitgeist mit seiner Asylpolitik und seinem Multikulti versaut hat. Die Verantwortungslosigkeit der Konservativen ist erschreckend. Volker Rühe schreibt seine Kollegen an, sie sollten doch mal in den Länderparlamenten nachfragen, ob »Asylbewerber in Hotels oder Pensionen untergebracht« wurden und »zu welchen Kosten« und nimmt in Kauf, dass Öl ins Feuer gegossen wird. Ferner sollen laut Rühe die Ortverbände nach Fällen Ausschau halten, bei »denen Asylbewerber staatliche Leistungen unberechtigterweise« erhalten. Er trägt damit zum Klischee des kriminellen Ausländers bei und strukturiert die Hetze.

Kohl lädt zum Kanzlergespräch und will die Änderung des Asylparagraphen, eine Drittstaatenregelung, die Deutschland eine Pufferzone verspricht. Rühe macht wieder deutlich, was er von den Sozialdemokraten fordert: »Wenn sich die SPD [...] verweigert, ist jeder Asylant nach diesem Tag ein SPD-Asylant.« Golo Mann, selbst Sohn eines Flüchtlings, sieht es ähnlich und diktiert nach der Ausländerjagd von Hoyerswerda der »Welt am Sonntag«: »Bei weitem das Beste wäre es, die Grenzen derart zu schützen, dass sie gar nicht erst kommen können.« Die Mauer war gerade erst gefallen, doch schon will Mann eine neue. Wie der Justizminister von Mecklenburg-Vorpommern (CDU). Der glaubt nämlich auch, dass eine neue Mauer notwendig werde, denn »was uns überschwemmen wird, geht bis in die Türkei«. Und Arnulf Baring sagt der »Bild«, dass »selbst die Asylgewährung nicht das Recht auf eine Sozialhilfe einschließe, wie sie Deutschen zustehe«.

Währenddessen wüten die rechten Schläger weiter. Ausländer kommen zu Tode. Der Aufschrei erfolgt leise. Die »Bild« meldet: »Fast jede Minute ein neuer Asylant.« Mehr Sorgen bereitet das Boot, das nicht absaufen soll. Ein NPD-Mann sagt vor laufender Kamera, dass er »mit diesen Händen [...] die Gashähne wieder aufdrehen« werde. Diese Aussage ist jedoch kein Imageschaden. Die Rechten ziehen in jenen Jahren in einige Landtage ein. Auch im Westen des Landes. Sie haben Oberwasser. Ein Mordprozess gegen eine Gruppe Skinheads, die einen Kosovo-Albaner erschlugen, dokumentiert die Stimmungslage. Der Mann lebte über 20 Jahre in der Bundesrepublik. Der »Spiegel« zitiert einen Zeugen: »Sie haben eigentlich das gemacht, was alle denken. Gegen Scheinasylanten ist doch jeder. Das ist doch ganz normal.« Dasselbe Magazin berichtet, dass 34 Prozent aller Bundesbürger Verständnis für rechtsradikale Tendenzen haben.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Rudolf Karl Krause greift in einem Papier Ausländer an. Es geht ihm um »rumänische Zigeuner« und »kriminelle Polen«. Er behauptet, dass in Deutschland »kriminellen Asylbetrügern mehr Herzenswärme entgegengebracht wird als den eigenen deutschen Volksgenossen.« Verurteile Ausländer sollten »harte Arbeit zum Wohle der deutschen Gemeinschaft« leisten - und zwar im »Straßenbau, Wegebau auf dem Lande, Arbeit in den Forsten, Gräben- und Kanalbau«. Er spricht sich für eine Querfront zwischen konservativen und rechtsextremen Parteien aus. Letzte würden lediglich »von der linken Presse-Mafia als rechtsextrem verunglimpft«. In Wirklichkeit gingen diese Parteien »mehr auf die Verfassung ein als die etablierten Parteien.« Er schreibt das im Februar 1992. Ein halbes Jahr später brennt in Rostock-Lichtenhagen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber. Zuschauer jubeln und recken die Hand zum Hitlergruß. Die Polizei ist überfordert. Auf TV-Bildern sind Beamte zu sehen, die offen sympathisieren.

»Es ist viel Abschaum an Kriminalität in die Stadt gekommen, von China, über Russland, Rumänien und so weiter«, sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU im Abgeordnetenhaus. Er spricht von Ratten und Gesindel und Verwahrlosung. Er klingt wie einer dieser Neonazis und trifft den Nerv der Zeit. Und wer sich zusammenreißt und nicht so klingt, der verharmlost und tut so, als handle es sich um leicht verstörte Spielkinder. So wie der Rostocker CDU-Bürgermeister, der nach dem Pogrom sagt: »Es ist völlig klar, dass hier unkontrolliert große Mengen an ausländischen Leuten zu uns gekommen sind. Das sind Leute mit Lebensgewohnheiten, die man auch nicht einfach umkrempeln kann, die aber auch nicht unbedingt die Zustimmung der Anwohner haben.« Der Fraktionsvorsitzende der CDU aus Mecklenburg-Vorpommern schließt sich ihm an. Denn dass die Ausländer »unsere Sitten und Gebräuche nicht kennen und vielleicht gar nicht kennen wollen, stört die Befindlichkeit unserer Bürger.«

Kohl mischt sich ein. Er ergreift aber nicht Partei für die Opfer rechter Übergriffe. »Die Grenze der Belastbarkeit ist überschritten [...] Wenn jetzt nicht gehandelt wird, stehen wir vor der Gefahr einer tiefgreifenden Vertrauenskrise gegenüber unserem Staat, ich sage mit Bedacht: ja, eines Staatsnotstandes.« Handeln heißt Änderung des Asylparagraphen. Nicht der Neonazi muss lernen, dass die Welt sich verändert hat, er bekommt eine Welt verwirklicht, die so rein ist, wie er sie sich wünscht. So könnte man die Logik der Konservativen aus jenen Tagen zusammenfassen.

Und es brennt weiter. Menschen sterben in Flammen. Drei Tage nach dem Brandanschlag in Mölln hofiert Gottschalk den Vorsitzenden der Republikaner in seiner »Late Night«. Und kapitulierte, wie der »Spiegel« feststellt. Einige Monate später ein ähnlicher Fall in Solingen. Wieder Tote. Nicht nur der Osten versinkt also im rechten Sumpf. Im Westen grölen auch die Schaulustigen. Viele geben sich zwar empört, verstehen aber doch gut, wie es dazu kommen konnte. Ein Polizist sagt der »FAZ«, dass man »betrunkene Jugendliche nicht zu Skinhead-Banden hochstilisieren« dürfe. Der Berliner Innensenator Lummer (CDU) spricht sich offen gegen »eine Utopie einer multikulturellen Gesellschaft« aus. Man unterstelle Deutschen »völlig zu Unrecht Ausländerfeindlichkeiten«. Den Beifall für die Schläger und Mörder will er nicht sehen. Der Bundeskanzler sorgt sich nach Solingen erneut. Jetzt sei Aufklärungsarbeit notwendig, »um den Anschein neonazistischer Gefahr in Deutschland entgegenzutreten«. Seit der Wiedervereinigung vor zweieinhalb Jahren gab es mindestens 26 Todesopfer rechter Gewalt. Aber der Kanzler spricht weiterhin vom Anschein einer solchen Gefahr. Als sei nichts gewesen ...

In diesem Klima reiften Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt. Es waren die Jahre ihrer Sozialisation. Reifejahre. Damals statteten sich die Deutschen mit einem neuen Selbstbewusstsein vor der Welt aus. Ein bisschen so wie heute, wo man auch jemand sein möchte und ein neues Sendungs- und Selbstbewusstsein kultiviert. Die drei Terroristen waren Kinder dieser Ära. Von ihr haben sie sich nie erholt. Dort lag der Keim ihrer Radikalisierung. Die Menge, die klatschte, die keinerlei Mitgefühl zeigte, die rassistische Thesen mit Anerkennung zollte - all das hat sie geprägt. Ihre Taten legitimierten sie mit den Empfindungen jener Tage. Die spätere NSU ist nicht denkbar ohne diese Zeit, die man heute gerne wegwischt, als sei sie ein Zwischenspiel ohne nennenswerte Konsequenzen gewesen. Doch die Konsequenz aus dieser Zeit ermordete später mehrere türkische Kleinunternehmer.


Die NSU mag heute tot sein. Aber Wiedergänger sind bei diesem aktuellen Klima nicht ausgeschlossen. Rassismus wird bejubelt und verkauft Bestseller. Man zieht über Roma her und fürchtet sich vor Überfremdung und bulgarischen Sozialbetrügern. »Wie viele Ausländer verträgt Deutschland?«, fragt man. Sonntag nach dem Mittagessen sorgt sich ein TV-Theologe, wann das Boot wohl zu voll sei. Man kann doch über alles reden, nicht wahr? Die europäische Freizügigkeit wird zurückgedreht und man findet es richtig. Die feinen Neonazis aus der gesellschaftlichen Mitte bekommen Foren und werden gewählt. Ja, diese Tage gleichen jenen Jahren von damals. Wieviele perspektivlose Jugendliche werden heute sozialisiert? Junge Menschen, die sich als Verlierer fühlen und ihren Minderwertigkeitskomplex Türken oder Arabern in die Schuhe schieben. Die den Fernseher einschalten und hören, wie das Boot schon wieder zu voll ist. Die in der Trinkhalle um die Ecke lauschen, wie Erwachsene über die Scheinasylanten herziehen oder behaupten, dass ein kleiner Führer notwendig wäre. Die konservativen Politikern von Schwarz bis Rot dabei zuhören, wie sich diese in rassistischen Untertönen verirren.

All das weist diesen jungen Menschen den Weg. Gibt die Richtung vor. Der rechtsextreme Terror ist nicht vom Tisch. Diese Gesellschaft »verhandelt« über ihn. Unbewusst. Die aktuelle Lage zieht neue Mörder heran. Beate sitzt im Knast, die beiden Uwes sind tot. Der Preis für die wilden Jahre nach der Wende ist bezahlt. Er war hoch. Wann bezahlen wir den Preis für heute? Wie teuer mag es werden? Wir sollten nicht glauben, dass diese Stimmung, die pogromartige Atmosphäre gegen Roma und die Abkehr von Europa ein konsequenzloses Zwischenspiel bleibt. Das haben wir schon mal geglaubt. Die Geheimdienste haben brav entwarnt und die Polizei die Augen verschlossen und wir haben uns mit der Vorstellung eingerichtet, dass es keinen rechten Terror mehr gibt. Wir glaubten es überwunden zu haben. Wie heute. Die Rechnung stellt man uns noch zu.

23 Kommentare:

Enno 9. Dezember 2014 um 07:18  

Es ist das Gefühl der Verdrängung, dass dem rechten Rand in die Hände spielt. Heimat beinhaltet auch die Verbundenheit mit den Nachbarn. Wenn sich die Nachbarschaft über die Jahre völlig verändert, hat das schon Auswirkungen auf das eigene Lebensgefühl. Ich bin Vater zweier Kinder, die nur zur Hälfte Deutsch sind und selbst mich beschleicht ein ungutes Gefühl, wenn ich auf der Geburtsstation im Krankenhaus nur "Ausländer" sehe. Gegen das Gefühl kommt man mit Logik nicht an.

PS: Anteilnahme und Hilfsbereitschaft erfährt man auf einer Geburtsstation reichlich. In dieser Situation spielen Sprachbarrieren keine Rolle

Roberto De Lapuente 9. Dezember 2014 um 07:21  

Was will der Kommentator sagen?

maguscarolus 9. Dezember 2014 um 11:43  

Was der Kommentator sagen will? - Eine rhetorische Frage.

Der Deutsche ist Idylliker und empfindlich gegen jede Störung seines Idylls. "Einigkeit" bedeutet bei deutscher Befindlichkeit immer Ausgrenzung von allem was "fremd" ist und was diese Einigkeit stört, an die man sich ängstlich klammert. Daher kommt auch die deprimierend große Zustimmung zu Merkel. Sie steht perfekt für diese deutsche Abneigung gegen Meinungsvielfalt, Streit und Kompromissfindung.

Anonym 9. Dezember 2014 um 14:03  

was er sagt ist, daß er nur deutsche nachbarn haben will. ausländische nachbarn nehmen ihm die heimat.

Roberto De Lapuente 9. Dezember 2014 um 15:16  

Ja, meine Frage war rhetorisch. Einiges ist da eindeutig. Wenn einer betont, dass seine Kinder nur zur Hälfte Deutsch sind, kann das stimmen oder es ist einfach nur die übliche Tour, sich als jemand hinzustellen, der keine Kontaktschwierigkeiten hat. Nach dem Motto: Ich habe viele ausländische Freunde.

Dass jemand Heimat mit Nachbarn verbindet, ist eine Sache. Aber dass Nachbarn suspekt werden, weil sie sich verändert und zwar ausländischer wird, das macht nur klar, wer hier als Wolf im Schafspelz turnt.

PeWi 9. Dezember 2014 um 15:26  

@Enno: Gefühle kommen nicht von irgendetwas. Gefühle werden von den Medien/Politiker gezüchtet. Gefühle werde auch von der eignen Logik und dem eigenen Denken bestimmt. Wenn ich mir aber das Denken von anderen abnehmen lasse- was heutzutage eine große Anzahl von Menschen mit sich geschehen lassen - kommt irgendein Geschwurbel heraus, was die Neonazis prima verwerten können. Was Sie auf der Geburtsstation des Krankenhauses sehen sind MENSCHEN.

kevin_sondermueller 9. Dezember 2014 um 16:16  

Eine wirkliche Heimat kann einem niemand nehmen, da sie in der Seele verortet ist bzw. kulturelle Identität an sich. Ich fange doch z.B. nicht eines Tages an, Salafist werden zu wollen, weil ich alle 50 m an einem Dönerimbiss vorbeikomme und ab und an eine verhüllte Muslimin mir begegnet. Wer so um seine Heimatbindung fürchtet, hat keine oder eine sehr schwache. Aber auch das ist typisch deutsch: die Schuld für die eigene Unzulänglichkeit bei Anderen zu suchen – dafür sind Ausländer sehr willkommen!

Eine andere Heimat als wirkliche Identität kann ich mir sowieso
nicht als realitätsfähig vorstellen.

Anonym 9. Dezember 2014 um 18:25  

"[...] Geheimdienste haben brav entwarnt und die Polizei die Augen verschlossen und wir haben uns mit der Vorstellung eingerichtet, dass es keinen rechten Terror mehr gibt. Wir glaubten es überwunden zu haben. Wie heute. Die Rechnung stellt man uns noch zu.[...]"

Lieber Roberto J. de Lapuente,

bei aller Zustimmung, aber eines hast du vergessen, die Doppelmoral der Merkel-Gabriel-Bande in Berlin.

Da wird einerseits, völlig richtig, gegen neue (Neo-)Nazis in Deutschland Stellung bezogen während man andererseits Faschisten, die mit Helmabzeichen der Waffen-SS in der Ukraine (wohlgemerkt einem Land, wo über jüdische Massengräber, die auch mit Hilfe ukrainischer Mörder geschaffen wurden, wirklich das sprichwörtliche Gras gewachsen ist, in den letzten Jahren nach 1945) morden, hofiert.

Wie paßt das Zusammen? Meines Erachtens müßte doch, wenn die heutige Welt noch normal wären, ein konsequentes Ablehnen mit dem Satz "Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg" von Deutschland ausgehen....

...ich weiß nur ein Traum, den ich träume...."Faschisten" gibt es keine in der Ukraine, und wer etwas anderes behauptet ist ein Putin-Versteher.....

Wie sieht es denn aus, wenn die angeblich "dümmliche russische Propaganda" von den ukrainischen "Faschisten" wirklich stimmen würde? Würde Merkel Nazis Waffen liefern, während die im Inland Nazis bekämpft? Ich weiß, eine hundsgemeine Frage, aber interessieren würde mich die doch...zumal wir eine machtg.... Kanzlerin haben, die sogar mit H... ins Bett gehen würde, Hauptsache, die bleibt mächtig.....

Zynischer Gruß
Bernie

PS: "Doppelmoral-Angie" ist doch ein toller Spitzname für Merkel? Oder?

enno 9. Dezember 2014 um 19:11  

@Roberto de Lapuente Ich bin regelmäßiger Leser hier, weil ich die Haltung, die in ihren Artikeln zum Ausdruck kommt sehr schätze. Das ich bei meiner ersten Wortmeldung gleich als Nazi beschimpft werde, lässt mich an meiner Menschenkenntnis zweifeln.

enno 9. Dezember 2014 um 19:23  

@PeWi Natürlich sind das Menschen. Ein bunter Haufen. Das muss nicht extra betont werden. Ich arbeite als Übersetzer und habe Einblick in und Verständnis für andere Kulturen. Trotzdem kann einem das gelegentlich zuviel werden. Interessanterweise haben die Migranten, mit denen ich darüber spreche durchaus Verständnis dafür. Verständnis, welches den Nazischreiern hier offensichtlich fehlt

enno 9. Dezember 2014 um 20:00  

@PeWi Ich habe Verständnis für jeden der sich in einem anderen Kulturkreis unwohl fühlt, weil es mir gelegentlich selbst so geht. Wie man dann mit seinen Befindlichkeiten umgeht ist der entscheidende Punkt. Im Übrigen scheint es - gerade gefunden - auch biologische Ursachen für Xenophobie zu geben. siehe

http://www.leuninger-herbert.de/herbert/archiv/migration/80_Fremdenfeindlichkeit_Ursachen.htm#_Toc48690540

Satmos 9. Dezember 2014 um 20:04  

@ PeWi
"Wenn ich mir aber das Denken von anderen abnehmen lasse- was heutzutage eine große Anzahl von Menschen mit sich geschehen lassen"

Dieses "heutzutage" hört man oft, ich finde das immer sehr lustig und abwegig. Glaubst du das wirklich?
Haben die Leute sich das Denken weniger abnehmen lassen, als es drei Fernsehkanäle und eine Tageszeitung als Input gab? Oder davor?

Anonym 9. Dezember 2014 um 23:45  

Neonazis, wer gehört eigentlich wirklich nicht hier her? Man möge doch /Heim ins Reich/ gehen. Als Radikal-Demokrat sehe ich hier keinen Platz für untergegangenne Versager.

Roberto De Lapuente 10. Dezember 2014 um 06:48  

@Enno. Hm, das Wort "Nazi" habe ich gar nicht verwendet. Das wäre nur bedingt meine Art. Außerdem sehe ich ja nicht in jedem, der Probleme mit Multikultur hat, als Nazi an. Die Schreier der Neunziger, die ich in dem Text beschreibe, sind ja auch meist keine Nazis. Aber sie haben am Fundament gearbeitet. Ob sie es wollen oder nicht. Die, die mit Pegida auf die Straße gehen, sind gerade dabei, neue Mörderbrigaden einzuleiten.

Das heißt jetzt wiederum nicht, dass Enno einer ist, der das in Kauf nimmt. Man kann diesem Hass nicht mit dumpfen Gefühlen des Verständnisses gegenüberstehen, ohne denen, die dieses Hass exzessiv ausleben, eine Legitimation zu verschaffen.

enno 10. Dezember 2014 um 08:01  

@Roberto de Lapuente Ich kann nachvollziehen, dass mich die Formulierung meine Kinder seien nur zur Hälfte Deutsch in ein ungünstiges Licht gerückt hat. Ein Schmunzeln lässt sich im geschriebenen Wort nicht immer unterbringen. Ich witzele oft mit meiner Frau über die Eigenarten unserer Kinder, die Verhalten aus beiden Kulturen zeigen.

Eulenspiegel 10. Dezember 2014 um 13:21  

@ Robert de Lapuente

Ich würde einen Unterschied zwischen "verstehen" und "zustimmen" machen, in der Alltagssprache ist das nicht immer eindeutig.

Ohne die Hasser zu verstehen, kann man sie weder entmachten, noch bekämpfen und schon garnicht verhindern.
Man kann die Handlungen eines anderen verstehen, ohne ihnen zuzustimmen. Man muss sich mal genau ansehen, warum dieser braune Sumpf entsteht. Unterlegenheitsgefühle durch wirtschaftliche Chancenlosigkeit sind sicherlich ein Grund dafür. Auch gibt es immer weniger Institutionen, die die Verlierer wirtschaftlich und sozial auffangen. Sportvereine, Pfadfinder, Jugendclubs usw. sind im Niedergang begriffen. Der 2. Bildungsweg, eine realistische Chance für Leute ohne Abitur, ist auch weitgehend ausgetrocknet. Man sehe sich mal an, welche Kurse für Schulabschlüsse die VHS (Volkshochschule, Abendschule) heute überhaupt noch anbieten kann. Da ist nicht mehr viel.

Ich komme aus einer nicht wohlhabenden aber doch auch nicht armen Familie, wie die meisten meiner Mitschüler auch. Dennoch war es in den 90ern ausgesprochen schwierig für unsere Lehrer, eine Fahrt in ein KZ zu organisieren, um das Verständnis für die Verbrechen der Nazis zu vertiefen. Wenn das jetzt schon für Schüler mit meiner Herkunft schwierig zu organisieren ist, wie schwierig ist das erst zu organisieren für Schüler aus ärmlicheren Verhältnissen?

Anonym 10. Dezember 2014 um 23:22  

@Eulenspiegel

"[...]ch komme aus einer nicht wohlhabenden aber doch auch nicht armen Familie, wie die meisten meiner Mitschüler auch. Dennoch war es in den 90ern ausgesprochen schwierig für unsere Lehrer, eine Fahrt in ein KZ zu organisieren, um das Verständnis für die Verbrechen der Nazis zu vertiefen. Wenn das jetzt schon für Schüler mit meiner Herkunft schwierig zu organisieren ist, wie schwierig ist das erst zu organisieren für Schüler aus ärmlicheren Verhältnissen?[...]"

Wie kommst du nur darauf, dass ein Besuch in einem ehemaligen KZ, oder Vernichtungslager wie Auschwitz, vor Nazismus/Faschismus "heilen" kann?

Was dämlicheres habe ich nicht gelesen, zumal in einer Zeit wo die Nachfahren der Hilfstruppen der Waffen-SS in der Ukraine Krieg führen - über jüdische Massengräber, und Ruinen von KZs und Vernichtungslagern, hinweg....in der Ukraine....

Übrigens, das Vernichtungslager Qsziewicze, uns Deutschen besser bekannt als Auschwitz, in Polen, verfällt auch zusehends, und - so zynisch es klingen mag - so manch einer, der einmal eine Klassenfahrt in ein KZ mitgemacht hat ist dennoch, oder gerade deswegen, (Neo-)Nazi geworden....

Dein Sozialdarwinismus ist übrigens auch zum Kotzen, und m.E. keinen Meter vom Rassismus der AFD bzw. Pegida-Unterstützer entfernt....

....darüber solltest du einmal nachdenken....

...Woher kommt es wohl, dass "die Hasser" so werden, wie die sind?...

...kleiner Hinweis....gerade solche dümmlichen Meinungen wie deine darwinistische hier, von wegen (Neo-)Nazis sind "wirtschaftliche Chancenlosigkeit" und "Unterlegenheitsgefühle" sind der Motor für diese sich bestätigt zu fühlen, und - noch schlimmer, jetzt werde ich ganz zynisch, die lenken, davon ab, dass es eben nicht die angeblichen Bildungsverlierer sind, die "braunes Gedankengut" kultivieren, sondern eben die selbsternannte "Elite" Deutschlands, die überwiegend aus Nachfahren derer besteht, die schon einmal für 12 Jahre einen Massenmörder als Diktator an die Spitze Deutschlands gehievt haben....namens A.H.


Darüber solltest du mal nachdenken, statt hier die uralten, dümmlichen Vorurteile von strunzdämlichen (Neo-)Nazis zu verbreiten....

Gute Nacht
Ein Rassisten- und Sozialrassistenfresser (-darwinistenfresser)

nightowl 11. Dezember 2014 um 22:35  

@Anonym (17 - immer diese "Anonym"s, bei denen man nicht weiss, ob es verschiedene sind, oder...): Ich finde deine Wortwahl unangebracht.
Das ist der Tonfall derjenigen, die du so zu hassen vorgibst.
Wo war denn Rassismus - habe ich den überlesen?
Zudem: das braune "Fußvolk", diejenigen, die die Drecksarbeit machen, sind eben doch meistens die "Bildungsverlierer". Wenn du selbst keine Lust auf differenzierte Betrachtung des Themas hast, dann werfe genau das bitte anderen nicht vor.

@Roberto:
"Man kann diesem Hass nicht mit dumpfen Gefühlen des Verständnisses gegenüberstehen, ohne denen, die dieses Hass exzessiv ausleben, eine Legitimation zu verschaffen."

Was soll das denn heißen? "Das DARF man nicht (dumpf) fühlen"?
Die Gefühle sind nicht das Problem, die legitimieren erst mal gar nix.
Niemand legitimiert z.B. den Mord an Asylbewerbern, nur weil er sich irgendwo mal komisch fühlt, wenn er dort nur Russisch und Türkisch hört und kein Wort versteht.
Normalerweise gibt es zwischen Fühlen und Handeln eine Kontrollinstanz: den Verstand/die Vernunft. Mangelnde Reflexion und fehlende Selbstkontrolle sind also eher das Problem.
(Manche halten es allerdings auch für Denken, wenn sie sich ein paar Argumente zusammenklauben, um zu rechtfertigen, weshalb sie ihre Gefühle aggressiv ausleben...).

Roberto De Lapuente 12. Dezember 2014 um 05:57  

@nightowl
Doch, exakt so ist es. Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten. Achte auf deine Taten, denn sie werden deine Gewohnheit. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn sie werden dein Schicksal.

nightowl 12. Dezember 2014 um 09:04  

@Roberto: Du hat mir damit nicht widersprochen. Denn zuerst argumentiertest du mit GEFÜHLEN.
Zwischen einem Gefühl und dem Gedanken, der dann zur Tat wird (oder nicht)sollte ein Prozeß der Selbstabfrage und -regulation stattfinden.
Ein Gedanke ist etwas, das über die bloße Verbalisierung eines Gefühls hinausgeht. Oder? :)

Kat 12. Dezember 2014 um 09:38  

@Eulenspiegel hat leider völlig Recht, Dank dafür...hier liegt das große Problem:

..."Auch gibt es immer weniger Institutionen, die die Verlierer wirtschaftlich und sozial auffangen. Sportvereine, Pfadfinder, Jugendclubs usw. sind im Niedergang begriffen. Der 2. Bildungsweg, eine realistische Chance für Leute ohne Abitur, ist auch weitgehend ausgetrocknet. Man sehe sich mal an, welche Kurse für Schulabschlüsse die VHS (Volkshochschule, Abendschule) heute überhaupt noch anbieten kann. Da ist nicht mehr viel."...

Massiv und über Jahre gekürzte Stellen & Etats bei Bildung und Prävention (gegen Gewalt, Langeweile und Ignoranz) von Kindern und Jugendlichen haben zu dieser riesigen Welle von un-reflektierten Leuten geführt, die jetzt - auf beängstigende Weise - gegen Zugewanderte auf die Strasse gehen.

Der anonyme Poster und Menschen-Feind von 23:22 Uhr ist ein plastisches, trauriges Beispiel für diese neue Art von Dummköpfen, "Denker" kann man sie ja leider nicht mehr nennen...

Gerade auch wenn sie - was für ein Hohn - Anderen ein Übermaß an "sozialer" Einstellung vorwerfen.

Diesen neuen "Hooligans/Nazis/Hasspredigern" wurde leider jedes mitmenschliche Sein, jede Empathie, jede Toleranz, jede Menschenliebe, jedes Wissen um das Leid Anderer, jeder Wunsch dieses Leiden zu beenden, also bald all die Gefühle, zu denen angeblich NUR Menschen imstande sind...in kürzester Zeit und ganz bewusst komplett abtrainiert, das Hirn gewaschen, um wieder den un-menschlichen Zombie herauzulassen, der als brauner Mob nun die Straßen & die Allerärmsten überrollt.

Entsetzlich & gruselig und es macht große Angst vor einem Umschlagen dieser - vorsätzlich produzierten - Wut auf sämtliche Ebenen, die dann wieder schnell mit massiver Unterdrückung Anders/Sozial-DENKENDER durch dumpfe Uniformierte einhergeht, einschließlich der so gut bekannten "Eliminierungen".

Nicht-Gehirngewaschene, SOZIAL- Eingestellte jedoch wissen, dass diese Zugewanderten komplett gegen ihren Willen hierher (und in die gesamte EU) gekommen sind, aus der schiersten Not & Angst heraus, den weiten, gefährlichen Weg in eine äusserts unsichere Zukunft im Westen, unter widrigsten Umständen häufig über Jahre blockiert.

Aus SOZIALEM, menschlichen MIT-Gefühl heraus wird den Geflohenen wie selbst-verständlich geholfen, werden sie aufgenommen, wird zusammengerückt...

und auch aus dem Verständnis heraus, dass diese jahrhundertealten Landesgrenzen (in die sich die Zombies so gern wieder einriegeln wollen) nur menschen-gemacht sind, jedoch keine Gültigkeit mehr haben, wenn plötzlich ohnehin *alle Menschen überall sind* - obendrein meist gegen ihren Willen -

UND dass wir uns daran gewöhnen müssen, dass dies jetzt auch so bleiben wird, nicht mehr rückgängig zu machen ist und offensichtlich zu dieser neuen Zeit gehört.

Eine große Chance auch, wie mir scheint, zu einem Um-Denken, um endlich zu verstehen und buchstäblich am eigenen Leib, dass nun ein *globales* Denken angesagt ist, über unsere kleinen Grenzen hinaus und endlich einzusehen, dass unsere menschlichen GEFÜHLE immer die gleichen sind, ganz egal welche Farbe die Haut hat, die unseren Körper umgibt und ebenso egal, wie der "Gott" heisst, an den wir uns wenden, denn den kümmern auch keine Grenzen.

Und dass wir überhaupt keine Angst haben müssen, weil die sogenannten Ausländer keine mehr sind, sondern unsere Nachbarn und liebe Mit-Menschen von der Geburtsstation bis zum Grab...

Roberto De Lapuente 12. Dezember 2014 um 14:11  

@nightowl, wie es der Zufall so will, gibt es hier an Montag einen Text, der den Prozess der Selbstabfrage, wo Du es nennst, behandelt.

Anonym 12. Dezember 2014 um 19:37  

@nightowl

Danke für die Antwort.

Du machst es dir wirklich einfach, denn statt auf meine Argumente einzugehen beleidigst du mich persönlich ohne mich zu kennen, der ich erklärter Sozialrassistenhasser (-darwinistenhasser) bin - bleib dabei.

Was dagegen?

Mit dem "du machst es dir wirklich einfach" meine ich, dass die gefährlichsten (Neo-)Nazis eben nicht die von dir erwähnten "Bildungsverlierer" sind, sondern im Gegenteil, die sich selbst erhöhnende "Elite Deutschlands", die selbst kackbraune Gedanken hegt, wie mir ein Blick in die Hinweise des Tages bei Nachdenkseiten heute beweist (Dank an die Nachdenkseiten-Gestalter Albrecht Müller und Wolfgang Lieb für die Info):

http://www.nachdenkseiten.de/?p=24271#more-24271

Punkt 4 - und Unterpunkte a. bis c.

Und? Was meinst du dazu? Würde mich mal interessieren, was Menschen wie du darüber denken - über die neudeutsche Doppelmoral in Zeiten Merkels 2014.

Gute Nacht
Ein Rassisten- und Sozialrassistenfresser (-darwinistenfresser)

  © Free Blogger Templates Columnus by Ourblogtemplates.com 2008

Back to TOP