Der innere Faschismus, der sich Bahn bricht

Montag, 15. Dezember 2014

Obdachlose in Marseille müssen ein gelbes Dreieck zur Kennzeichnung tragen. Polizisten ermorden Schwarze und verabschieden sich als freie Männer ins Wochenende. Die Versammlungsfreiheit soll in Spanien teuer werden. Bürgerwehren in vielen europäischen Ländern »kümmern« sich um Roma. Flüchtlinge liegen am tiefen Grund des Mittelmeeres und patriotische Europäer gehen intellektuell auf Grund. Waterboarding, Analfütterung und Unterkühlung simulieren Mengele und Kollegen. Und über allem steht eine Wirtschaft, die die Demokratie nach und nach als ineffiziente Plauderbude verunglimpft. Ich beginne zu glauben, dass der Faschismus kein abgelegter Begriff aus dem Geschichtsbuch mehr ist.

Er droht. Steht mal wieder stärker als gesellschaftliche Möglichkeit zwischen uns Menschen. Latent tut er es immer. Man ist als Gesellschaft nie davor gefeit. Demokratie will erkämpft sein. Nicht so, dass man alles zur Seite legt und sagt: »Es ist vollbracht!« Das Erreichte ist immer nur eine Momentaufnahme. Ist stets nur ein kurzer Augenblick, der nicht für die Ewigkeit gemacht sein muss. Das sieht man dieser Tage wieder blendend. Die westliche Wertegemeinschaft ist nicht aus dem Schneider. Sie ist gefährdet wie schon lange nicht mehr. Es läuft den Demokratien aus dem Ruder. Die Sachzwänge, die die globale Wirtschaft ihnen vorschiebt, verordnen diese Rückentwicklung quasi. Das spricht die niedersten Instinkte der Masse an.

Denn es ist keineswegs so, dass die »faschistische Tendenz« nur eine Spielart menschlicher Niedertracht ist, an der eine kleine, aus allerlei persönlichen Gründen dazu tendierende Gruppe, chronisch leidet. Die Tausenden von »patriotischen Bürgern«, die mit Neonazis marschieren, beweisen ja, dass nicht nur eine Handvoll Menschen sich dazu hingezogen fühlt. Sie ist auch nicht alleine eine Frage fehlender Moralerziehung oder mangelhafter Bildung. Gerade gebildete Leute liebäugeln ja in vielen Ausformungen mit ihr. Es werden ja wohl nicht nur Hartz-IV-Bezieher und Schulabbrecher bei Pegida mitlaufen. Wir sind mehr oder weniger alle von Denkweisen betroffen, die man als »faschistisches Grundmotiv« oder als »Einstieg in eine faschistische Grundhaltung« bezeichnen könnte. Da darf man sich nichts vormachen.

Jeder leidet darunter. Hier und dort und überall. Der erste Impuls bei zwischenmenschlichen Begegnungen kann oft verheerend sein, wenn man ihm folgt. Man sieht einen exotisch aussehenden Menschen und man kategorisiert ihn. Mancher hantiert mit Klischees. Andere halten ihren Geldbeutel fest. Dieses »Metafaschistische«, es ruht in allen. Es ist der Rohstoff für die Aufwiegler und Totalitaristen. Selbst der Aufgeklärte ist nicht immer ganz frei von diesem Urmotiv. Man kann Farbenblindheit nicht anerziehen. Innere Werte sieht man nicht. Das Aussehen ist immer unser erster Faktor. So ehrlich muss man schon sein. Man hört immer wieder, dass man eine Gesellschaft verwirklicht sehen möchte, in der man Behinderung oder Hautfarbe erst gar nicht mehr wahrnimmt. Ein schöner Gedanke, aber leider völlig weltfremd. Der Mensch ist ein Wahrnehmer. Und Wahrnehmen ist ja in Ordnung - es kommt darauf an, was man aus der Perzeption macht. Die Kunst ist es nämlich nun, sich davon nicht leiten, verführen, reizen zu lassen. Den Affekt gleich wieder in den Griff zu kriegen. Sich innerlich am Riemen zu reißen. Überdenken. Prüfen. Wenn Aufklärung überhaupt etwas bedeutet, dann das Ideal, seine kleinkarierten Ressentiments, seinen Hass, seine Vergeltungssucht, seine Rachegelüste nicht über sich siegen zu lassen. Kurz gesagt, sich dagegenzustemmen, den Faschismus in sich zu kennen und zu dressieren zu verstehen, kann als hohe Kulturleistung anerkannt werden.

Das trifft auf den Einzelnen zu. Aber natürlich auch auf die Summe aller Einzelner. Auf die Gesellschaft. Der historische Faschismus ist etwas, das nicht einfach mal in die Welt kam, sondern der war, weil es im Menschen steckte. Der Mensch kleidet sich heute anders, aber er hat sich in seiner »inneren Konstitution« nicht verändert. Der historische Faschismus bahnte sich seinen Weg, weil moralische Autoritäten und Instanzen wegbrachen, weil ein ethischer Nihilismus im Raum stand, gespeist aus dem Verlust von Milieus, Frontsoldatenerfahrungen und der Erkenntnis, dass die Ordnung des letzten Jahrhunderts endgültig flöten gegangen ist. Das dem Menschen immanente »faschistische Grundmotiv« spült sich in Zeiten der Orientierungslosigkeit an die Oberfläche. Denn Orientierung zu haben, ist auch so ein Kulturaspekt, ein künstlich geschaffenes Gerüst, das der Wut, der Rachsucht, dem Hass und der Gewaltbereitschaft nur sehr wenig Ansatzpunkte erlaubt. Wenn aber dieses Konstrukt wegfällt, nichts mehr bleibt, an dem man sich orientieren kann, alle ratlos, verirrt oder alternativlos scheinen, dann bricht durch, was in uns allen steckt.


Stabilisatoren wie Arbeit, Wohlstand, Familienglück sind ins Wanken geraten. Nicht alle werden deswegen Wochenendrassisten. Nichts ist alternativlos. Die einen haben ihren Verein, die anderen ihre Kirche. Und wieder andere den Trost der Philosophie. Die Schriften von Kant oder Rousseau, von Marx oder Adorno, Marcuse oder Arendt, sind gewissermaßen auch Orientierungshilfen. Sie brechen einem nicht so leicht weg. Und so geben sie Stabilität. Das klingt jetzt sehr verkopft. Aber man muss ja auch nicht verlangen, dass jeder sie gelesen haben sollte. Den Geist der Humanität, den sie vermitteln, den kann man auch nachvollziehen, ohne in ihre Schriften eintauchen zu müssen. Dass es ein Zeitalter gab, in dem es auch um die Bedürfnisse der Menschen ging, hat ja auch mit ihnen zu tun. Mit dem Bewusstsein von Gesellschaft, das sie uns als Erbe hinterließen. Noch schimmert diese Humanität durch. Man hat sie noch im Kopf. Aber sie gerät in Vergessenheit. Und das, obwohl man beständig von den Werten der Europäer salbadert. Verständnis, Verstehenwollen, Empathie und Courage sind die Werte, liebe Europäer! Was habt ihr gemeint? Hexenhammer und »Deus lo vult«? Inquisition und Zigeunerjagd? Stigmatisierung und Pranger?

Der historische Faschismus speiste sich ja aus vielen dieser »althergebrachten Werte«. Und er hasste all die liberalen Werte, die die Aufklärung vertrat, weil die diese »urfaschistischen Grundpfeiler« leugnete und bekämpfte, als irrationale Affekte einer in geistiger Umnachtung und Agonie befindlichen Masse definierte. Die Aufklärer waren nur etwas zu optimistisch. Sie dachten, wenn die Menschen erst gebildet seien, dann seien diese »inneren Teufel« alleweil gebannt. Dann würden die Menschen ihre wahren Unterdrücker erkennen. Kriegt man dieses dumpfe Gefühl nicht aus den Menschen? Kanalisieren scheint man es zu können. Nicht hundertprozentig. Aber gut genug, dass es immer wieder von der Oberfläche verschwindet, keine Massenbewegung wird. Und genau die scheint sich jetzt zu formieren. Die Wut auf Sozialabbau, Lauschangriffe, Bevormundung und Überkontrolle sucht sich Opfer, die leicht zu greifen sind. Die Unterdrücker sind es im Regelfall nicht. Randgruppen schon. Sich jetzt gesellschaftlich am Riemen zu reißen, innehalten, nachdenken und dann von diesem Wahnsinn ablassen, um mit Courage gegen die auftreten, die den Laden an die Wand fahren: Leute, das ist eine Kulturleistung. Habet den Mut, ein bisschen Kultur zu leisten!

Die oben gemachten Ausführungen sind keine Entschuldigung dieser »Refaschisierung«. Nur eine Erklärung. Die Entwicklung aber ist unentschuldbar. Man wird es dieser Generation nie verzeihen, dass sie die Tendenzen nicht erkannt hat. Und das, obgleich es Präzedenzfälle in vielen Ländern gab. Aber aus der Geschichte lernt man nicht. Man vereinfacht sie, filtert einen Gedenkkult heraus und vergisst irgendwann, um was der ganze Zinnober betrieben wird. Es wird der Tag kommen, da man der Shoa gedenkt und die wenigsten wissen, was es damit auf sich hat. So wie wir heute alle geschlossen Ostern feiern und die Hälfte keine Ahnung hat, woher der Feiertag ursprünglich stammt und welche Bedeutung dahinter steckt.

Dass sie alle an Gedenken und an Rückblicken teilhaben, hin und wieder auf Ereignisse rückbesinnen, die in der Epoche des Faschismus geschehen sind, ist also kein Beweis dafür, dass faschistische Tendenzen heute ausgemerzt sind. »Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Nein, er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus«, soll der italienische Sozialist Silone angeblich mal bemerkt haben. Wahrscheinlich schob man ihm dieses Aperçu unter. Aber es passt so schön auf unsere Zeit.

18 Kommentare:

Peinhart 15. Dezember 2014 um 09:53  

Verzeihung, aber das naturalisiert mir viel zu vieles, vermengt Dinge, die zu differenzieren wären und macht Gegensätze auf wo keine sind bzw wo es eigentlich um innere Widersprüche ginge. Der Faschismus ist eine Form der bürgerlichen Herrschaft und steht insofern durchaus auf einer Stufe mit dem, was wir als Demokratie kennen. Nicht 'die Gesellschaft' schlechthin ist davon gefährdet, sondern die moderne Gesellschaft, eben die, die auch und erst durch Aufklärung und Liberalismus entstanden ist. Wenn der Faschismus 'immer schon' im Menschen steckt, dann wohl auch der Kapitalismus? Oder sind nicht doch beide historisch spezifisch und müssten auch so betrachtet werden, um sie zu verstehen? Hasst denn der Faschismus wirklich die 'liberalen Werte' eines Hobbes, Bentham oder Malthus? Könnte es denn nicht vielmehr sein, dass er dort sogar seine spezifischen Wurzeln hat?

So kommst du dann bei ganz persönlichen Verantwortungen heraus, wo eher Strukturen zu hinterfragen wären, einerseits bei der ganz persönlichen Verantwortung jedes Einzelnen für 'seinen' Faschismus, andererseits forderst du 'mit Courage gegen die auf[zu]treten, die den Laden an die Wand fahren' - ja was meinst du denn was die Pegdidas glauben, dass sie tun? Nach ihrem Selbstverständnis doch wohl genau das. Persönliche Schuld zu halluzinieren, wo Strukturen ihr Eigenleben entfalten, wo 'der Laden an die Wand fährt' weil wir ihm ein Eigenleben zugestehen, weil er uns beherrscht statt wir ihn - war das nicht genau das, was auch der Nationalsozialismus gemacht hat?

Das heisst natürlich nicht, dass wir von Verantwortung frei wären, als Einzelner nicht und auch nicht als Gesellschaft. Eben weil wir nicht an diese Strukturen gehen wollen, weil wir uns unsere sozialen Beziehungen von 'der Wirtschaft', von 'den Märkten', von den allgegenwärtigen 'Sachzwängen' vorschreiben lassen, weil wir 'Wirtschaft' und 'Soziales' als etwas getrenntes, wenn nicht sogar gegensätzliches denken statt ihre genuine Einheit zu erkennen.

Den Menschen überhaupt, und insbesondere den seit Jahrtausenden arbeitsteilig organisierten, zuerst als Einzelnen und erst danach als gesellschaftliches Wesen zu denken, ist das nicht der Widerspruch in sich, der Faschismus erst möglich macht? Ist er denn nicht nur die vollends unerfreuliche Steigerung der Konkurrenz der Vereinzelten, als die uns diese nachgelagerte Gesellschaftlichkeit dann zwangsläufig nur noch erscheinen kann? Der Liberalismus lässt grüßen. Gerade auch über ihn und seine mindestens zwei Seiten sollten wir nachdenken. Und, wo wir gerade dabei sind, auch über die Aufklärung, die das 'Andere der Vernunft' nur verdrängt und unterdrückt, aber eben nicht mitgedacht geschweige denn 'bewältigt' hat.

Anonym 15. Dezember 2014 um 10:01  

Danke! Völlig richtig, es wird immer beängstigender, auch im Bekanntenkreis greift`s entsetzlicherweise schon um sich!

Aber dieser Satz hier macht mich dann doch sehr traurig:

..."Gerade gebildete Leute liebäugeln ja in vielen Ausformungen mit ihr. Es werden ja wohl nicht nur Hartz-IV-Bezieher und Schulabbrecher bei Pegida mitlaufen."...

Wie bitte?? Kann ja wohl nicht sein!

Langsam sollten wir es doch wissen: H4-Betroffene sind eben nicht automatisch völlig verblödet - wie die Medien es uns immer weismachen wollen - sondern Menschen wie du & ich und die Anzahl der Akademiker unter ihnen/uns ist enorm.

Alles Gute!

Anonym 15. Dezember 2014 um 10:33  

ANMERKER MEINT:

Ich kann fast alles unterschreiben, was Du schreibst, Roberto. Aber, dass Faschismus eine dem Menschen innewohnende Verhaltensvariante ist, die nur "hervorgekitzelt" werden muss, um virulent zu werden, diese Interpretation lässt außen vor, dass Faschismus ein Herrschaftssystem ist, das immer dann von den Kapitalisten aus dem Hut gezaubert wird, wenn das Volk zu "übermütig" wird, es zunehmend erkennt, dass da was mit der Verteilungsfrage nicht stimmt und evtl. sogar zu Umwälzungen bereit wäre. Genau dann beginnen sich die Kapitalisten zu wehren, z.B. durch Produktion von Elend, welches dann im Verein mit den Angst- und Sicherheitsdenkern nach Schuldigen sucht und die Falschen findet. Die Falschen deshalb, weil es die Steigbügelhalter in der Politik gibt, die dabei helfen, den Menschen was vorzugau(c)keln, ihnen das Spielfeld der Ressentiments eröffnen, statt sie aufzuklären, sie zu unterstützen, ihnen Arbeit , Brot und Bildung zu geben. Deshalb ist unser Kampf gegen die "Dumpfbacken" dieser Welt dringender denn je!

MEINT ANMERKER

flavo 15. Dezember 2014 um 11:59  

Nein, er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.
Da nun braucht man nicht weit schauen, um eine Wahrnehmung zu erhalten. Es kommt nur darauf an, was man unter Faschismus versteht. Leute, die Anti-Faschisten auf der eine Seite sind, auf der Seite von Hautfarbe, sind auf der anderen Seite, blanke Faschisten, auf der Seite der Klasse.
Nun muss man auch die Differenzierung zulassen, dass Faschismus nicht nur aktivisch vonstatten geht, sondern auch passivisch: nämlich dann, wenn man gleichgültig gegen einzelne Formen des Faschismus ist.
Der Neoliberalismus liebt es ja geradezu, ja es ist seine modernistisch-aufklärerische Flanke, spezifische Diskriminierungen, etwa der Hautfarbe und der Behinderung, zu missbilligen. Hingegen aber ist er in seinem eigensten Wirkungsfeld, wenn legitme Diskriminierungen erzeugt: Pauperismus, Zersetzung und Umweltzerstörung. Es ist dies ja auch der Haken, an den zahlreiche sog. Intellektuelle und überhaupt zahlreiche kritische Denkansätze abgeholt und passgenau in ihn eingehängt wurden. Man hat weiterhin den Antifaschistischen Kampf und kann nebenher vollegitim faschistisch sein. Das aus der Homöostase der Psyche heraus gesehen äußerst wohltuend und entspannend. Daher ist es auch so verbreitet.
Nun, wie gesagt, was der Faschismus sei, davon hängt es ab, was man ersehen kann. Taktil betrachtet ist das Kennzeichen des Faschismus wohl die Härte und Unnachgiebigkeit. Nur mit großer Kunst wird man vermögen diese beiden Attribute nicht als Leitmotive der marktgerechten Existenz sehen. Weich und nachgiebig sein? So weich kann gar niemand mehr sein, als dass er die auf ihn knüppelnden Ellbogen dann noch aushielte. Nein, wird man sagen, Härte und Unnachgiebigkeit ja, aber mit einem aufgeschraubten Werteaufsatz. Hart, aber menschenrechtlich. Daran mag wohl etwas dran sein, aber erfahrungsgemäß kann der Werteaufsatz volatil sein und wenn er mal bricht, haben wir die blanke Härte. Der Hart IV Mensch wird von Härte und Unnachgiebigkeit genug zu erzählen haben, obwohl auch dort der Menschrechtsaufsatz draufgeschraubt ist. Inzwischen haben wir schon Kriege mit aller Härte mit aufgeschraubtem Moralbehälter, der endlos ausfließt. Also irgendwas stimmt mit der Härte in allen Fällen nicht.
Was ist also der Faschismus? Kann man allgemein sagen, dass der Faschismus eine endliche Zahl (z.B. 3) an Einteilungsrelationen, und sagen wir es ruhig auch, das gängige Vokabel, Diversitäten unter Menschen gesellschaftsstukturell so remodelliert, dass diese endliche Zahl an Einteilungsrelationen, sind sie denn dann operativ faschistisch, in den von ihnen markierten Menschen auf der einen Seite eine faschistische Haltung zur Erlebensform anbieten und auf der anderen Seite, den Diskriminierten also, unterschiedlichste Formen von Leid, Schmerz und Benachteiligungen in den Lebensstrom inserieren? Wenn man heute mit Zeitgenossen redet, dann ist es wirklich erstaunlich, wie manch einer sich vehement dagegen wehrt, wenn unter der Ägide des Neoliberalismus Menschen verarmen und im Siechtum dahinleben und dieses als eine Form des Faschismus betrachtet wird. Wie sattgegessen und mit prallem Mund wähnt man sich am Ufer der Gerechtigkeit und Vernunft: Hitler ist Faschismus, heute haben wir Wohlstand.

Eike Brünig 15. Dezember 2014 um 13:32  

Das "Innewohnen" kommt durch die Erziehung. Die Leute die 1990 ff. die Asylantenwohnheime abgefackelt haben, deren Sprösslinge sind jetzt dabei es zu wiederholen. Mich wundert es nicht wirklich. Das war mehr als vorhersehbar.

Anonym 15. Dezember 2014 um 13:32  

hallo Roberto,

ich bin sozusagen eine ganz normale menschin und doch habe ich manchmal so gedanken, dass ich "fremde" nicht da haben will.

nun, ich erkenne diese gedanken als etwas "fremdes" in mir und so kann ich ihnen entgegentreten und das "fremde" wieder gutheissen.

ich kann mir vorstellen, dass viele menschen solche oder ähnliche faschistische gedanken haben, aber denen ihren lauf lassen.

es ist nichts schlimmes an faschistischen gedanken, die sich formulieren im kopf aber es ist schlimm, wenn sie als reaktion ausgelebt werden.

ich weiss nicht, ob Du verstehst was ich meine. ich kann von mir sagen, dass ich kein faschist bin. aber eben auch nicht fehlerlos im denken.

gruss von

frau, 59 jahre, langzeitarbeitslos jetzt erwerbsgemindert berentet.

Anonym 15. Dezember 2014 um 15:39  

Roberto, ich finde einige Deiner Ausführungen zwar treffend,möchte Dich aber darum bitten, nicht selbst zu stigmatisieren, in dem Du in den Sprachgebrauch neoliberaler Medien verfällst ..Es gibt keine HARTZ IV -Bezieher , es gibt ALG 2 Berechtigte.

Anonym 15. Dezember 2014 um 18:05  

Lieber Roberto J. de Lapuente,

stimme mit dir überein zumal ich schon vor Jahren hörte, dass in jedem von uns ein "kleiner Hitler" steckt, und die menschliche Kulturleistung eben ist diesen inneren Adolf, in jedem von uns allen, zu bekämpfen.

Was die Erinnerung an die Shoa angeht, da hast du auch recht, aber ich merke jetzt schon, dass die Erinnerung an die NS-Verbrechen nachläßt.

Wie?

Man erinnert neuerdings immer an das Menschheitsverbrechen der Vernichtung der "europäischen Juden" (Zitat: Raul Hilberg) und vergißt dabei, dass die ersten Nazi-Mordopfer keine Juden waren sondern russische Kriegsgefangene - sogenannte "Slawen" - auch die Euthanasieopfer wurden lange vor den Juden vergast.

Ich will jetzt keine Hirarchie der NS-Opfer aufstellen, sondern nur daran erinnern, dass nicht erst das neue neoliberale Merkel-Deutschland Geschichtsklitterung betreibt.

Tja, die Erinnerung an die Shoa wird ebenso nachlassen wie an die oben erwähnten NS-Verbrechen....

Übrigens fremdschäm, auch ich wußte lange nicht, dass die ersten KZs für sogenannte "arbeitsscheue Elemente" (Zitat der Buchautor Wolfgang Ayaß) gebaut wurden - Arbeitslose, die anno 1932 so aus den Statistiken verschwanden....

Trauriger Gruß
Bernie

kevin_sondermueller 15. Dezember 2014 um 20:16  

Faschismus ist doch auch nur so eine Faschiermegamaschine, die ALLE durch den Wolf dreht und ALLES faschiert (zu Burger-Rohmasse vermanscht, der Bürger als Burger hähä).
Von daher hat RdlP doch Recht.

P.S.: Hoffe, Bildübertragung funktioniert ohne unbillige Unschärfen und Informationsentropie.

Anonym 15. Dezember 2014 um 21:11  

"[...].Es gibt keine HARTZ IV -Bezieher , es gibt ALG 2 Berechtigte[...]"

...zuerst war Hartz IV erst dann kamm ALG 2 - Roberto stigmatisiert also nicht sondern du bist auf eine Verharmlosung des ursprünglich nach einem gewissen, vorbestraften Dr. Hartz, nach dem das Gesetz von Anfang an benannt war, reingefallen.

maguscarolus 15. Dezember 2014 um 21:17  

Faschismus und Kapitalismus. Eine perfekte Symbiose!

DIe Katze aus dem Sack 15. Dezember 2014 um 21:37  

Ja, mir ist auch schon aufgefallen, dass ihr alle völlig anders ausseht als ich. Aber ich wäre wohl nie von selbst auf die Idee gekommen, darin einen bestimmten Makel zu erkennen. Das ist übrigens noch immer so, selbst als man mir versuchte zu erläutern, worin diese mannigfaltigen Makel bestehen sollen. Was ist bloss los mit mir?

Eike Brünig 15. Dezember 2014 um 22:30  

Kann mir mal jemand erklären, warum man eine Vergangenheit nutzen sollte, die keiner von uns erlebt hat? Die Gegewart ist doch viel verstörender. Es braucht nicht mal mehr einen sogenannten Führer. Nur dank Promisupport stand es 3:1 für Pegida in Dresden. Das sind die neuen Maßstäbe. Es wird noch etw 6 Monate dauern, dann erleben wir hier wieder Pogrome und zwar gegen jede Art Minderheit. Gesellschaftlich anerkannt ist das Minderheitenbashing schon seit etwa 20 Jahren, unabhängig von Ost und West. Da aber dummerweise sowohl angeblich normale wie auch Schattenwirtschaft schwächeln, kann man sich die Entwicklung an einer Hand abzählen. Anschläge auf Flüchtlingsheime, Moscheen und Synagogen waren nur die ersten Schritte. Wir befinden uns vor dem 3. Schritt: Der offenen Ermordung Andersartiger. Gut, wer seine Mittelmäßigkeit zumindest schauspielern kann und keinen ausgefallenen Namen trägt, da die Äußerlichkeiten dafür das erste Kriterium sind. Ach so: Pegida gegen andere derzeit 3:1 durch prominente Bundesunterstützung oder in Zahlen: Fünfzehntausend zu Fünftausend. Dabei darf man nciht vergessen, dass es sich dabei nur um eine Provinzposse handelt. Vermutlich wird es sich in Bielefeld daher ähnlich strukturieren können. Dann nehme man die SOWI-Formelsammlung und rechen sich das selber hoch. Zum Glück habe ich eigene Kinder vermieden. Ich wusste, warum.

maguscarolus 16. Dezember 2014 um 12:58  

@Elke Brünig Kann mir mal jemand erklären, warum man eine Vergangenheit nutzen sollte

Der Hitler war zu Beginn aus der Sicht des Kapitals auch nichts Anderes als eine Marionette, ein Schreihals, den man sich gefügig machen würde – bis er dann mit seinem rassistisch- faschistischen Hokuspokus die Hirne und Herzen der berühmten deutschen "schweigenden" Mehrheit befallen hat und seinen Herrenmenschenwahn in die Form eines Weltkrieges bringen konnte.
Heute ist die Gefahr eines Krieges weniger von den deutschen "Eliten" zu befürchten als vielmehr von den milliardenschweren transatlantischen Auftraggebern ("Pragmatikern")
Allerdings ist natürlich latenter oder virulenter Faschismus auf der Seite der Völker, die beherrscht werden sollen, eine willkommene Veranlagung, weil dadurch der kritische Verstand als Hürde für den Hegemon wegfällt.

Anonym 16. Dezember 2014 um 18:11  

@maguscarlos

Seh ich ganz genauso.

Übrigens es gibt bereits einen Roman wie es wäre würde A.H. heute noch leben - Titel "Er ist wieder da" von einem gewissen Autor namens Timur Vermes oder so....

...bin mal gespannt ob Roberto J. de Laputente das Buch auch kennt, und wenn ja noch mehr auf seinen Kommentar zu diesem fiktiven Wert, dass leider hochaktuell ist....

Timur Vermes geht es übrigens nicht um eine Verherrlichung des Nazismus sondern darum, dass ein "wiedergeborener" Hitler sich im heutigen Merkel-Deutschland ziemlich wohl fühlen dürfte, weil sich - so Timur Vermes, wenn ich den Autor richtig verstehe - nichts geändert hat...außer, dass heutige Nazis keine braunen Uniformen mehr benötigen, aber in vielen dt. Hirnen ist immer/wieder derselbe unselige Geist wach wie damals vor 1933....

Gruß
Bernie

Roberto De Lapuente 17. Dezember 2014 um 07:11  

Ja, Bernie, ich habe das Buch gelesen. Ganz nett. Mehr eigentlich nicht. Die Idee ist toll. Habe ich nicht sogar mal wo was dazu geschrieben? Ich schreibe so viel, dass ich manchmal nicht weiß, was ich rausgehauen habe. Ich finde, dass Vermes viel Potenzial vergeben hat. Alle arbeiten sie also für den Führer, aber der ist nur eine Medienfigur, die zwar so an die Macht kommen will, aber letztlich keine erhält. Vermes hätte ruhig weiter gehen können.

Ach ja, eben gefunden, im April wies ich in einem Heppenheimer Hiob darauf hin:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/930511.bitte-keine-gespraeche-mit-interessanten-gespraechspartnern-mehr.html

Anonym 17. Dezember 2014 um 18:12  

@Roberto J. de Lapuente

Seh ich ganz genauso, und übrigens sorry, dass ich, im Eifer des Gefechts wohl überlesen habe, dass die Vermes bereits kennst, und auch was zu dessen Buch geschrieben hast - fremdschäm.

Gruß
Bernie

Till Eulenspiegel 19. Dezember 2014 um 14:54  

Die Frage ist doch mal, welche Kräfte von diesen Ideologien profitieren. Lieschen Müller und Hans Meier ganz sicher nicht.
- Absatzmärkte sichern
- Rohstoffzugänge sichern
- Billige Arbeiter zur Ausbeutung
- Breite Masse dumm halten
- Ein Imperium aufbauen und dieses auf die dumme breite Masse, Fremdenhasse und das Militär stützen


Die Eliten wollen mehr:

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58903

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