Als mir die Kanzlerin an die Hose ging

Samstag, 11. Januar 2014

Kollateralschäden einer Falschmeldung, die gar keine war.

Ich hatte Feierabend und wollte nur schnell heim. An der ersten roten Ampel kramte ich mein Handy hervor, klinkte mich kurz bei N24 ein und las: "Merkel gestürzt!" Ich konnte kaum darauf reagieren, denn die Ampel wurde schon wieder grün, ich musste weiterfahren. Also warf ich das Ding auf den Beifahrersitz und machte mir so meine Gedanken.

Wer hat sie denn gestürzt? Gabriel und seine Sozialdemokraten? Sind sie doch noch über ihren Schatten gesprungen und haben erkannt, dass ihre Entscheidung für eine Koalition mit der Merkel-Administration falsch war? Oder war es ein parteiinterner Putsch, das Ende aller Zickerei und ist nun von der Leyen neue Geschäftsführerin? Ich konnte mir beides nur schlecht vorstellen. Und dass das Militär nach ägyptischer Maßgabe "das Volk befreit", glaubte ich schon gleich gar nicht. Und warum zum Teufel berichtet das Radio nichts darüber? Ich fummelte herum, landete bei Klassik und Country und blieb kurz bei einem Sender hängen, auf dem Dusty How I Can Be Sure trällerte. Unter anderen Vorzeichen wäre ich dort geblieben. Aber so? In Zeiten der Rebellion trachtete es mir nach Infos.

An der nächsten Ampel kein Empfang. An der übernächsten war es grün. Die darauf auch. Als es wieder mal rot wurde, war der Akku leer. Scheiße!

Nee, ich musste heim, wollte ich schnell mehr erfahren. Ich wurde ganz fickrig. Gab Gas. Wurde prompt auf der Heidelberger Straße stadtauswärts geblitzt und überfuhr fast zwei Fußgänger. Gut, dachte ich mir. Nach dem Sturz eines Herrschers gibt es oft Amnestien. Vielleicht erlassen sie mir ja mein Ticket. Man muss manchmal einfach realistisch bleiben. Besonders nach einem Umsturz. Jedenfalls rutschte ich auf dem Fahrersitz hin und her.

Ich parkte, riss die Autotüre auf, knallte sie gegen die Beifahrertüre meines Nachbarn, sprang über die Hecke, riss mir die Hose auf, lief zum Aufzug, der ewig nicht kam und rannte dann zuletzt doch die Treppe hoch. Wer mich gesehen hat, musste einfach annehmen, dass ich drauf und dran war, einen Schiss in die Kloschüssel hinüberzuretten. Ich schaltete einen Nachrichtenkanal ein, wartete auf die ersten Bilder vom Putsch, hörte aber nur was von einem Rutsch. Die Kanzlerin, so sagte so ein abgewichster Typ, ist gestürzt. Dass sie gestürzt wurde, bestätigte er nicht. Sie gehe jetzt immer dann an Krücken, wenn sie nicht im Bett liegt.

Leute, benutzt Verben! Nur sie beschreiben, was sich tut auf der Welt. Kanzlerin gestürzt! kann so vieles sein. Wurde oder ist - das ist doch die Frage.

Für so eine Marginalie habe ich Schaden in Kauf genommen, mir die Hose zerfetzt und eine Fotografie von mir beim Verkehr (ein so genanntes Aktfoto?) machen lassen. Kollateralschäden einer Falschmeldung, die keine war. Erst hat sie den Sozialstaat weiter deklassiert, dann Europa zu einer aus Brüssel gesteuerten deutschen Zone erniedrigt - und nun hat die Frau auch noch meine Hose ruiniert. Sie verursacht nur Schäden. Spätestens jetzt nehme ich das alles persönlich.


20 Kommentare:

Wolfgang Buck 11. Januar 2014 um 12:11  

Von mir gibt es da kein Mitleid.

Die gerechte Strafe für die willigen Sklaven der Smartphones.

Und eine kleine Strafe für jene die afrikanische Kinder in Coltankriegen verheitzen und asiatische Arbeiter dazu bringen vom Firmendach zu springen.

PS: mir ist durchaus klar, das mein Netbook nicht auf dem Kartoffelacker wächst. :)

Anonym 11. Januar 2014 um 12:31  

Hallo, geht's noch?? Für die Meldung sind die Medien veranwortlich. Von wegen "persönlich nehmen"... Du glaubst, Merkel hat gebeten, das Verb wegzulassen, weil es in ihrem Interesse sei, dass die Leute annähmen, sie sei gestürzt worden?
Dämlicher geht's wohl nicht... Meine Fresse!

Anonym 11. Januar 2014 um 12:44  

....ja, da sind wir an einem Staatsbegräbnis vorbeigekommen...leider..

Roberto De Lapuente 11. Januar 2014 um 13:11  

@anonym von 12:31 Uhr. Schön dass du hierher gefunden hast. Schöner, wenn du wieder weg bist. Verstanden haste nüscht, gelle? Aber ich mag so Idioten wie dich. Sie bringen Lachen in meine Welt.

Anonym 11. Januar 2014 um 13:20  

Persönlich nehmen... dem Praktikanten, der die Überschrift verzapft hat? Man kann sich das Leben auch selbst schwer machen...

Anonym 11. Januar 2014 um 13:47  

Roberto, welche Dummköpfe lesen deinen Text von heute? Ich lache auch über diese Vollpfosten.

maguscarolus 11. Januar 2014 um 14:03  

Gibt's eigentlich Länder, deren Bevölkerung im Mittel noch weniger fähig ist, einen satirischen Text von einer drögen Agenturmeldung zu unterscheiden als Deutschland.
Wenn's was nützen würde, täte ich still in ein Taschentuch weinen.

Anonym 11. Januar 2014 um 14:10  

Ist hier jetzt der Humor von 10-jährigen angesagt? Schreib lieber weiter Lobhuldigungen auf NSDAP-Mitglieder wie Dieter Hildebrandt, das ist im Zusammenhang mit deiner Person amüsanter, Pissbirne.

Roberto De Lapuente 11. Januar 2014 um 14:48  

Hildebrandt, der Nazi? Ach komm, geh an dir rumspielen, Idiot. Ab jetzt wirst du wieder auf Schnauze halten temperiert.

grapefruitofdarkness 11. Januar 2014 um 15:59  

Was mir bei der ganzen Sache Kopfzerbrechen bereitete, war, dass man bei jemandem, den man normalerweise an der Garotte röcheln sehen möchte, die man möglichst selbst zuzudrehen wünscht, doch plötzlich Mitgefühl empfindet, weil die betreffende Person auf den Hintern fiel. Komisch. :(

Braman 11. Januar 2014 um 18:45  

Amtliches Foto, zerrissene Hose, Delle in Nachbars Auto.
Roberto, Dein Wunschdenken wird teuer.

MfG: M.B.

Anti-Frogs 11. Januar 2014 um 19:44  

Off-Topic:

@Roberto:

Ich schätze Deine fast täglichen Beiträge zu aktuellen Tagesthemen sehr!!

Aber wäre es nicht jetzt an der Zeit, „da man ja auch so in die Jahre kommt“, daß Du auch mal Heroinen und Heroen aus früheren Zeiten, die sich ebenfalls gegen diese perverse Ungerechtigkeit in dieser, unserer Welt gewandt haben, verbal widmest?

Ich persönlich, würde das gerne tun, aber meine verbalen Fähigkeiten reichen über „super, prima, Spitze, ecetera“ nicht aus, um Menschen zu gedenken, die auch sehr viel zur politischen Kultur in diesem, unserem Lande beigetragen haben, zu huldigen!

Mein momentaner Tipp ist:

Otto Dix!

Er ist ein Symbol der Teutschen Zwiespältigkeit, aber für mich vor allem einer der ersten Kriegsreporter vom brutalsten aller Kriege!

Du, als Deutsch-Spanier, spanischer Teutscher wärest doch der ideale, neutrale Berichterstatter über diesen bisher so unterschätzdem Künstler……

MfG

Anonym 12. Januar 2014 um 13:13  

Hallo Roberto,
erstens liest man nicht während man fährt und zweitens nicht die Hühnerkacke von N24. Aber ein guter Artikel mal wieder. Und ein Putsch in Beamten-Deutschland, no way ;-). Lg

Anonym 12. Januar 2014 um 13:56  

Meine Akklamationen sind an dich und nicht an die Leser gerichtet.
Es ist daher völlig irrelevant, ob du sie veröffentlichst.
Dass du das nicht merkst, offenbart wieder dein armseliges Spatzenhirn.
Drollig, wie hilflos du mit deiner "Macht" der Zensur wucherst.

Anonym 12. Januar 2014 um 15:38  

Einige Menschen können einfach nicht mit Satire umgehen.
Andere wiederum sind offensichtlich so perfekt, dass sie nie Fehler machen und deswegen das Recht haben, anderen deren Fehler vorzuhalten.

Zum Thema:

Mir ist schon ein paar mal der Verdacht gekommen, so manche Medien wollen, dass man ihre Überschriften nicht beim ersten mal versteht, damit man auch ja ein zweites mal hinsieht.

Gerade bei der Bild passiert mir das immer wieder. Das letzte mal bei der Überschrift: „Karl Dall wehrt sich gegen Sexvorwürfe.“ Was meint die Bild denn mit Sexvorwürfe, dachte ich, als ich die Überschrift bei Rewe sah. Wehrt er sich dagegen, dass jemand behauptet hat, er hätte Sex gehabt? Es ging natürlich um die Vergewaltigungsvorwürfe, aber um das herauszufinden musste ich näher ran und genauer lesen und habe dabei Lebenszeit an die Bild verschwendet.

Friederike 12. Januar 2014 um 17:54  

Jetzt bleibt nur noch die Frage, ob Sie die zerissene Hose der Kanzlerin in Rechnung stellen - oder N24. Ich empfehle, in diesem Fall zweigleisig zu fahren. Das steht absolut dafür. Danke für diesen herrlichen Post!

Roberto De Lapuente 12. Januar 2014 um 18:40  

Akklamationen, anonym von 13:56 Uhr, Akklamationen! So nennst du die gequirlte Scheiße also. Mit Macht und Zensur hat das nichts zu tun. Hausrecht, könnte man dazu sagen. Aus gutem Grund, denn andere Blogger haben sich lange genug mit allerlei Arschlöchern angelegt, ihre Kommentare damit gefüllt, und am Ende haben sie sich so aufgerieben, dass es sie heute kaum noch gibt. Da nenne ich keine Namen. Ich lösche deinen Hirnwichs einfach und erfreue mich meiner Beliebtheit bei dir. Das ist es dann auch schon. Das meiste von dem Scheiß, das Gestalten wie du an "akklamieren", lese ich eh nicht. Nach dem ersten Satz landet der Mist in der Tonne. Wer braucht das schon. Also, schönes Jahr noch, bis nicht mehr.

Anonym 13. Januar 2014 um 07:35  

"Gestürzt" ist als Partizip auch eine Verbform ;-)...es muss also heißen Verwendet Hilfsverben.

Ansonsten: Lustiger Text!

Anonym 13. Januar 2014 um 16:49  

Ich will ganz ehrlich sein:
Mir ist im Zusammenhang mit den beiden prominenten Skiunfällen der letzten Wochen schon der Gedanke gekommen:
Hätte jetzt nicht der Schumi das Becken und die Merkel die Birne.....ich weiß: Pfui, politisch total unkorrekt, aber "die Gedanken sind frei", wenigstens die Gedanken werden noch nicht kontrolliert in unserer marktkonformen Demokratur.

Anonym 14. Januar 2014 um 18:11  

Mal aus aktuellem Anlass zu einem anderen Kanzler respektive Präsident:

"Herr Präsident, sind Sie noch Sozialist - oder ein Liberaler?" war die zweite Frage an Hollande auf der Pressekonferenz heute. Hollande hatte eine Agenda für 2014 präsentiert, die deutlich wirtschaftsfreundlich ist und den Bürgern Einschnitte abverlangt.
"Wir müssen mehr produzieren und besser produzieren", fordert er. Dazu plant Hollande eine Erleichterung der Steuerbelastung von Unternehmen.
Auf der andere Seite werde der Staat seine Ausgaben zurückfahren.

Da stellt sich dringend die Frage: Hat Hollande verstanden?

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