Ein neues Zeitalter

Dienstag, 29. März 2011

Die Demokratie, so blökt mancher Optimist, habe in Baden-Württemberg einen fulminanten Sieg eingefahren. Die ganze Pracht solcherlei zuversichtlicher Äußerungen entfaltet sich vor einem Hintergrund, der bedenklich stimmt: 58 Jahre hat dort die Union geherrscht; 58 Jahre voller Skandale und Liederlichkeiten, Verfilzungen und Protektionen; angefangen bei Ministerpräsidenten, die entweder relativ harmloses NSDAP-Mitglied waren, bis zu solchen, die in Hitler-Deutschland Unrecht sprachen; dazwischen immer wieder Filz, Schiebung, Bestechlichkeit und korruptes Zuschustern von Aufträgen an Kameraden aus der Wirtschaft - Stuttgart 21 war da nicht mal der Gipfel, es war nur der letzte Akt in einem jahrzehntelang konservierten Milieu aus Freundschaftsdienst und Kumpanei, Reaktion und Revisionismus (man erinnere sich nur an Oettingers Plädoyer für Filbinger).

Die Demokratie funktioniert, denn sie hat nach 58 (in Worten: achtundfünfzig!) Jahren gegriffen und die Seilschaften durchtrennt - jedenfalls auf höchster, das heißt, auf Regierungsebene. Achtundfünfzig Jahre nur, um sich endlich endlich endlich von den Missständen zu befreien! Der Demokratie Mühlen, sie mahlen... wenn auch mit der Emsigkeit einer Schnecke. Und wäre Fukushima nicht gewesen, hätte die Debatte um die Kernenergie nicht ihren Lauf genommen, der Ländle-Filz, er säße fortan nicht in der Opposition, er würde weiterhin von der Regierungsbank aus Geschäfte delegieren, zuschustern, unter Freunden, Bekannten und Verwandten verteilen, die Atomenergie lauthals befürworten und Stuttgart 21 mit aller gebotenen Härte verteidigen und mit dem Feigenblatt zerschlichteter Befürwortungsmachung rechtfertigen.

Genau dieses Vorhaben wird nun Grün-Rot umzusetzen haben. Die Demokratie hat gesiegt: Grün-Rot baut Stuttgart 21! Natürlich mit einigen Bedenken, mit Missmut und der entlastenden Ausflucht, der Vorgängerfilz habe das Projekt ja gestartet und es sei doch nur verschwendetes Geld, wenn man die angefangenen Arbeiten nun einstellte - das wäre verantwortungslos gegenüber dem Steuerzahler! Das sind dann die Stimmen des "neuen Zeitalters", das nach der Landtagswahl in den grünen Fanmeilen beschworen wurde. Stimmen, die in der Erscheinung Kretschmanns kein schlechtes Bild abgeben - als grünkatholischer Wertekonservativer ist er angepasst genug, auch von solchen als Ministerpräsident akzeptiert zu werden, die bislang in seliger Gutgläubigkeit meinten, die Verfilzung von Politik und Wirtschaft, das Geben und Nehmen zwischen Schul- und Studienfreunden, Bumsfreunden und Bumsfreundinnen oder zwischen etwas profaneren Geschäftspartnern, sei ein Segen für die Allgemeinheit.

Hatten sich 1998, als die Grünen in die Regierungsverantwortung im Bund stolperten, doch schon vornehmlich angepasste Gestalten, Leute wie Fischer, Künast und Trittin, in Ämter manövriert, so ist doch Kretschmann die finale Karikatur eines Grünen, der endgültig in der (Spieß-)Bürgerlichkeit angelangt ist - gäbe es die Grünen nicht, er könnte als christlicher Naturbursche auch in der Union Karriere gemacht haben: als naturverbundener Konservativer, wie sie in der bayerischen CSU zum Beispiel in Legion heimisch sind. Es bleibt abzuwarten, ob man in den Aktenschränken wühlt, in denen 58 Jahre lang ad acta gelegt wurde, was da an Verflechtungen und Protektionen gelang, was da an Schmierfilm aufgetragen wurde, auf dem die Landesregierungen glitten; ob man darin wühlt, um es der Öffentlichkeit zu präsentieren - sicher, viele viele Papiere werden nun, da der Regierungswechsel ansteht, in den Aktenvernichter gestopft werden (Aktenvernichter werden gerade fleißig nachbestellt!), damit Grün-Rot nicht in die Verlegenheit gerät, Licht ins Schwarze zu bringen. Die Frage wäre nur: ist es nicht Lieblingsdisziplin vieler Wertekonservativer, nicht nachzutreten und kein schlechtes Wort über Vorgänger zu verlieren, zudem Kontinuität zu wahren?

Natürlich fordern Grüne und Sozialdemokraten, jetzt in der Stunde ihres Triumphes... wobei, Triumph: dass die Sozialdemokratie aus dem Ländle feiert, als habe sie die Wahl gewonnen, ist schon ein Hohn. Freilich, es gibt nach 58 Jahren CDU in Baden-Württemberg nun endlich den Beweis, dass die Demokratie griffe, wenn es tatsächlich Alternativen gäbe; aber die SPD hat ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten in Baden-Württemberg eingefahren und hat dennoch mitgewirkt bei der Ablösung des Immergleichen - das ist schon kurios, fast so kurios, wie die überschwängliche Freude von Sozis, die schwächeln wie nie zuvor und dennoch vor Beglückung fast platzen. Manche nennen so ein Verhalten Lebensfreude, andere Schwachsinnigkeit. Die Stunde des Triumphes also, in der wird viel gefordert und geträumt. Und so fordern sie also den Baustopp, vielleicht sogar noch ein Plebiszit zur Zukunft von Stuttgart 21 - und dann? Verwirft man alles? Neue Schlichtung, neuer Geißler, ein neues Medienspektakel mit diesem stündlich buckliger werdenden Greisen zur Belangweiligung all derer, die meinen, Demokratie sei vor allem Transparenz durch Zerschlichtung?

Das neue Zeitalter, bewirkt durch eine augenscheinlich funktionierende Demokratie, es könnte so aussehen, dass es dem alten Zeitalter gar nicht so unähnlich ist. Sicher, so viel Verfilzungen wird es zunächst nicht mehr geben, denn 58 Jahre Regierungsmacht muß man sich erstmal zusammenschmieren. Schon möglich, dass es einige Veränderungen bei der Atompolitik gibt, jedenfalls solange, wie die Öffentlichkeit noch reges Interesse für diesen Themenkomplex zeitigt; ein wenig ökologischer Tand wird auch mitspielen und bei Stuttgart 21 wird man penibel darauf achten, dass das "Gebaut wird aber trotzdem!" nicht zum öffentlichen Ärgernis wird - Grüne wissen ja, wie man unliebsame Entscheidungen mit grün-freundlicher Tünche präsentiert; so hat man schon Auslandseinsätze der Bundeswehr mit einigem Liebreiz herbeigeschmeichelt. Mit diesem Anstrich hat man schon vormals das gesamte Parteigefüge, das einst Ökologie mit sozialer Gerechtigkeit verband (weil nur beides Hand in Hand sinnvoll ist!), auseinandergenommen und auf so genannten Realokurs gebracht - Hartz IV, mit freundlicher Genehmigung der Grünen von der SPD verwirklicht, nahm nicht unter dem Druck des Schröderianismus seinen Anfang; es war im Keim der Realogrünen, die sich Anfang der Neunzigerjahre durchsetzten und die so genannten "Fundis" vertrieben, bereits angelegt. Hartz IV, soziale Spaltung, der repressive Abbau des Sozialstaates: all das geschah nicht unter Duldung der Grünen; es geschah eher, weil die Grünen eine solche Politik für sich und ihre finanzstarke Klientel für richtig erachteten.

Sozialpolitik? Bildungspolitik? Wird man für die Klientel, für die Kretsch- und Biedermann steht, eine dünkelhafte Politik bieten? Bekenntnis zu einem Schulsystem, das mehr aussiebt als fördert, mehr trennt statt zusammenschweißt? Weiterhin ein Credo auf das SGB II anstimmen? Politik für feiste Häuslebauer? Das alles ist sehr wahrscheinlich, denn der Atomausstieg brennt auch denen unter den Nägeln, denn die wollen schließlich ein strahlendes Häuschen im Grünen, kein grünes Häuschen in Strahlung. Was schert da die Klientel der Grünen, die ja ohnehin finanziell saturierter ist, die Sorgen der Habenichtse? Das neue Zeitalter ist für die, die wenig oder nichts haben, das alte Zeitalter in zwei neuen Farben...



26 Kommentare:

Anonym 29. März 2011 um 07:29  

Bei der Formulierung "Sozialdemokraten" haben Sie sich verschrieben, es müsste "Spezialdemokraten" heißen.

Kowalsky 29. März 2011 um 07:55  

Genau so ist es, Roberto... ähnlich waren meine Gedanken am späten sonntag abend.

Daß der Wein in den neuen Schläuchen nicht anders schmeckt als vorher, werden zuerst die bemerken, von denen das grünrot überhauchte Bürgertum weiterhin nichts wissen will. Und das Abschneiden der Linken zeigt doch nur, daß die ausserhalb des erwähnten Bürgertum stehenden sich weiterhin in der Rolle der Schafe begnügen.

Die Wahlen sind vorbei, Mutti... was läuft heut abend nochmal auf RTL?

Zum Kotzen, das alles!

christophe 29. März 2011 um 07:57  

Das alles ist natürlich richtig, der linke Flügel der Grünen ist längst rausgeeckelt oder auf ein Restrisiko minimiert, man sollte von den Grün-roten nicht allzuviel erwarten.
Aber wenn man wie ich in diesem Bundesland seine Kindheit und Jugend verbracht hat, wird es einem trotzdem warm ums Herz. Natürlich sitzen in den Verwaltungen, Behörden und sonstigen Hierachien die CDU-Seilschaften und werden größere Veränderungen blockieren. Dennoch: Ich hatte bis zuletzt nicht mit einer Niederlage der CDU gerechnet. Das Wahlvolk, zumal das ländliche, ist eine äußerst träge Masse, die sich mit der Geschwindigkeit tektonischer Platten bewegt. Aber irgendwann bebt es doch...

usus 29. März 2011 um 08:43  

Mir scheint, dies ist der erste logische, vernünftige Kommentar zu den Wahlen in BW und RPf. Wenn ich mir Kretschmann so ansehe, weiß ich, dass er bei den Grünen keine Ausnahmeerscheinung ist. Es ist das spießige Kleinbürgertum, das nun Hand in Hand mit Teilen der Großindustrie, die dabei ein neues Feld für neue Profite entdeckt hat, die erneuerbare Energie durchsetzen wird. Und richtig, der alte Filz war ungeheuerlich, wie ungeheuerlich wird der neue sein?
Danke, ad sinistram, für diese klaren Worte zu dem, was heute hierzulande unter Demokratie verstanden wird.

Anonym 29. März 2011 um 09:09  

SPD und Grüne haben in diesem Lande einen Sozialkahlschlag vollzogen, die jedem eingefleischten Marktfetischisten endlos feuchte Nächte beschert. Es gibt keinen Grund anzunehmen es kommt zu einem Politikwechsel in irgendeiner Hinsicht. " Den Kapitalismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf." Mfg Stefan

Anonym 29. März 2011 um 10:08  

"Mutti" hat immer betont, dass die BW-Wahl zu einem Volksentscheid über S21 zu werten sei. Nun haben 2/3 der Wahlaktivisten (CDU und SPD) FÜR S21 gestimmt. Ich bezweifle daher erst einmal, ob Kretschmann von allen SPD-Landtagsabgeordneten zum MinPräses gewählt wird.

Und nicht zu vergessen, dass Kretschmann im Wahlkampf auch eine Koalition mit der CDU nicht ausgeschlossen hat. Ich tippe auf große Koalition am Ende des Regierungsfindungsprozesses.

landbewohner 29. März 2011 um 13:23  

der unterschied zwischen grünen und cdu ist schon seit etlichen jahren weitaus geringer als der zwischen spd und cdu, wobei ja letzterer auch immer mehr gegen 0 tendiert. und eigentlich waren es nur die diffusen ängste des spießbürgers vor den grünen, die ja angeblich manchmal auch bunte haare haben und so wilde musik hören sollten - soviel wusste er - die ihn daran hinderten , sich auch nur damit auseinanderzusetzen, ob er sie wählen könnte.
aber jetzt, wo dank japan die angst vorm akw und die sorge ums häusle und die gesundheit der seinen riesengross geworden ist und man nun feststellen konnte, daß der kretschmann sogar ein ordentlicher katholik ist, da sind die grünen sogar besser als die nur noch dem ausland und der eu "das gute geld" hinterherschmeissende cdu.
von wegen wutbürger!

Anonym 29. März 2011 um 13:45  

"Achtundfünfzig Jahre nur, um sich endlich endlich endlich von den Missständen zu befreien!"

Andere Bundesländer haben durch den Länderfinanzausgleich 58 Jahre von den Verhältnissen in Baden-Württemberg gelebt.
Im internationalen Pisa-Vergleich bewahrten Deutschland die überdurchschnittlichen Bildungswerte in Baden Württemberg vor einem schlechteren Abschneiden.
Und und und. Das jetzt alles so leichtfertig bespucken und mit Füßen treten?

W.W.

Roberto J. De Lapuente 29. März 2011 um 14:34  

Ja wirklich W.W., Undank ist der Welten Lohn... schrecklich unfair, was da passiert ist in BaWü.

Anonym 29. März 2011 um 15:52  

Entschuldigung, aber mein Kommentar spricht lediglich Ihre Abrechnung an, nicht den Ausgang der Wahl.

W.W.

Geheimrätin 29. März 2011 um 16:11  

@ landbewohner

kann es sein, dass deine platte nen sprung hat?

immer diese pauschalisierungen u. ewig gleichen phrasen, es ödet einen derartig an.

btw, auch oskar lafontaine ist katholik, so what?

was die sogenannten "wutbürger" betrifft, so kennst du die anscheinend auch alle persönlich, ja? dann kannst du mir ja auch sagen, wer das nun genau sein soll? die s 21 gegener aus der schwabenmetropole? oder der häuslebauer aus dem hinterland? das linkenparteimitglied aus dem atkonsbündnis, die rote zora oder die ex-cdulerin die schon ein paar wochen vor fukischima nach gorleben gepilgert ist, weil sie sich im kreise der anti-s21 erstmals tiefergreifend informiert u. kritisch mit dem ganzen kladeredatsch auseinandergesetz u. eben genau dadurch zu neuen erkennissen gekommen ist ?

oder meinst du all diejenigen wutbürger, die ihren Dampf jetzt in der Opposition ablassen müssen?

Roberto J. De Lapuente 29. März 2011 um 16:48  

Ach Gott, W.W., ich undankbarer Tropf, erweise PISA keine Ehre...

chrisse 29. März 2011 um 17:50  

Als jemand, der sein Schbädslesbschdegg nicht nur jederzeit dabei hat, sondern auch richtig aussprechen kann, möchte ich auch mein Viertele in die Diskussion schütten: Glaubt irgendjemand im Ernst, die Schwaben (und Badener) hätten sich jetzt verändert, nur weil sie grün gewählt haben? Ha! Grün hat sich verändert, um von Schwaben gewählt zu werden, und Schwarz-Gelb hat sich einfach nur selbst dekonstruiert. Gäbe es noch den MP Teufel, wäre all das vermutlich nicht passiert! Ich mach' mir da keine großen Hoffnungen.

Noch was zu der Solidaritätskohle an andere Bundesländer: Was hat das mit 58 Jahren CDU zu tun? In BW findet man eben in jedem noch so mickrigen Kaff irgendeine Fabrik, die irgendein merkwürdiges Produkt herstellt und damit einer der Weltmarktführer ist. Und zugegeben: ich bin darauf stolz...auch wenn das hier wahrscheinlich nicht so gut ankommt :)

Anonym 29. März 2011 um 18:09  

Ich weiß nicht, warum Sie auf meine bescheidenen Hinweise immerzu in die Polemik ausweichen, Herr Lapuente.
Es so hinzustellen, als käme nun ein Bundesland endlich zum Atmen, das bisher die Finanzierung der Sozialaushalte der anderen Länder gestützt hat, läßt doch an Ihren konstruktiven Motiven zweifeln, wenn man nicht Besseres annehmen würde.
Oder soll es eben doch um den ganz großen Umsturz gehen, nach dem unklar ist, wie es dann weitergehen soll?

W.W.

udo haupert 29. März 2011 um 19:06  

raider heisst jetzt twix, sonst ändert sich nix.

lebowski 29. März 2011 um 20:25  

@W.W.
"Andere Bundesländer haben durch den Länderfinanzausgleich 58 Jahre von den Verhältnissen in Baden-Württemberg gelebt.
Im internationalen Pisa-Vergleich bewahrten Deutschland die überdurchschnittlichen Bildungswerte in Baden Württemberg vor einem schlechteren Abschneiden."

Nur weil jetzt SPD und Grüne an die Macht kommen, bricht jetzt der Kommunismus, oder wie. Grüne und SPD sind doch zur Not noch neoliberaler als sich FDP und CDU das je trauen würden. Kohl hätte die Hartz-Gesetze damals nicht durchgekriegt. Da musste erst der Schröder kommen.

Anonym 29. März 2011 um 21:16  

@Roberto J. de Lapuente

Zunächst ich glaube auch, dass wir hier in Baden-Württemberg vom Regen in die Traufe kommen - einige Äußerungen des designierten Ministerpräsidenten machen schon hellhörig. Z.b. hieß es im SWR zur Atomfrage, dass wäre nicht Länder- sondern Bundessache (der Atomausstieg), und schon ist die klassische "Realo"Ausrede geschaffen. Bei Stuttgart21 ahne ich ähnlich übles, zumal der CDUler und Attacie Heiner Geißler den designierten Grünen Ministerpräsidenten umgarnt als ginge es um die Wurst.

Was nun die CDU selbst angeht, ich geb's zu ich - als alteingesessener Baden-Württemberger - bin froh, dass die endlich einmal auf die Oppositionsbank muss.

Eine Frage, die sich mir schon Jahre vor dieser Wahl stellt kann mir hier evtl. jemand beantworten:

Ist es nicht nach über 58 Jahren an der Regierung per se so, dass eine Partei dikatorische Allüren bekommt?

Irgendwie hatte ich bei der hiesigen CDU immer den Verdacht, und dachte sogar schon ans Auswandern aus meinem "Ländle", dass ich eigentlich sehr liebe ( nur der CDU-Filz, der jetzt weggewählt wurde, hat genervt seit ich politisch selbständig denken gelernt habe). Tja, jetzt kann ich bleiben, aber ich ahne auch bei Grün/Rot Übles im Busch. Sorry, ich schweife ab, eigentlich ging es mir rein um die CDU.

Mappus wurde ja nicht einmal gewählt, sondern, was nicht vergessen werden sollte, von Öttinger als "Kronprinz" zum Ministerpräsidenten gehievt.

Dank des sehr merkwürdigen Wahlsystems in Baden-Württemberg (nur 1 Stimme, und keine Zweitstimme und sonst noch so seltsame Ausrutscher) hoffte Mappus - wie ein konstitutioneller Monarch - darauf "wiedergewählt" zu werden.

Daraus wurde ja nichts, zum Glück.

Schade, dass nun in Stuttgart die Aktenvernichter heißlaufen, mich würde - angefangen von der untersten Kommunalebene - schon einmal interessieren wie das schwarze Filzsystem 58 Jahre in Baden-Württemberg funktioniert hat.

Da reden alle von der SED, und der NSDAP, aber dass auch "demokratische" Parteien nach über 58 Jahren diktaturähnlich werden - rein evolutionär bedingt -das wird totgeschwiegen. Dabei würde mich echt interessieren, ob das ein Naturgesetz ist, dass nun ein Fiasko erlebt.

Übrigens gibt es irgendwo in Deutschland noch ein Bundesland, und noch eine Partei - mal die längst vergangenen SED und NSDAP ausgeklammert - das solange autoritär regiert wurde wie Baden-Württemberg?

Gruß
Bernie

Anonym 29. März 2011 um 21:18  

@udo haupert

Ich teile deinen Verdacht ;-)

Es wird nun regiert frei nach dem Motto:

"Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten. Wer war mit dabei? Die grüne Partei".

Gruß
Bernie

landbewohner 29. März 2011 um 21:58  

geheimrätin

es ist nun einmals so, daß diese wahl weder die verhältnisse noch die wähler im ländle verändert hat. und jeder, der da meint, es wäre anders, der irrt sich da. mein ich jedenfalls und das hab ich, wenn auch mit anderen worten, gesagt.
und wenn du das anders siehst, auch ok. aber da scheinst eher auf seiten derer zu stehen, die demnächst ein böses erwachen zu befürchten haben.

Anonym 29. März 2011 um 22:42  

Auch hier wieder das klare Signal sowohl im Artikel als auch in den Kommentaren, dass nur ein grundsätzlicher Umsturz - der ja nicht aus dem System heraus sondern von außen und damit gewaltsam erfolgen muss - eine Lösung sein kann.
Das sollte man dann ruhig auch so aussprechen.

Trojanerin 29. März 2011 um 23:01  

„Was schert da die Klientel der Grünen (...) die Sorgen der Habenichtse?“
Die Grünen haben das SGB II maßgeblich mitverantwortet. Sie Stehen für den Abbau des Sozialstaates. Die Grünen – eine Friedenspartei? Das haben die Grünen längst verworfen. Bleibt in meinen Augen die Ökologie. Ich bin mal gespannt, wie sie sich aus der Affäre ziehen. Das die Grünen die Atomkraft ablehnen ist gut, richtig und wichtig. Aber Ökologie bedeutet auch Nachhaltigkeit und keine falsche Anbetung des Gottes Wachstum. Die Industriebetriebe müssen immer mehr und mehr produzieren, weil nichts so schlimm ist, wie wenn es kein Wachstum gibt. Wenn immer mehr Menschen immer mehr produzieren bzw. konsumieren, dann steigt auch der Energiebedarf. Diesem Dilemma wird auf Kosten der ärmsten Länder der Erde begegnet. Die gnadenlose Ausbeutung von Menschen und Ressourcen und die Zerstörung der Umwelt sind Folge der fehlenden Einsicht, das dem Wachstum nicht alles untergeordnet werden darf.
Hier sehe ich bei den grünen Realpolitikern eigentlich keine Konzepte, um etwas entgegenzusetzen.

antiferengi 29. März 2011 um 23:11  

@udo haupert
Da kann ich nur zustimmen ;)

Oi,oi.
Ich lebe in diesem finsteren Stück Deutschland, wo alles um gut zehn Jahre hinterherhinkt, was im Rest als zeitgemäß gilt. Was soll ich sagen? Das Jahr 200 rekapituliert auf 2010, und die nächsten zehn Jahre Bertelsmann-Studien? Wow.

@chrisse
Deinem ersten Teil kann ich noch von ganzem Herzen zustimmen, - aber ....

In BW findet man eben in jedem noch so mickrigen Kaff irgendeine Fabrik, die irgendein merkwürdiges Produkt herstellt und damit einer der Weltmarktführer ist

Ich wohn jetzt fast drei Jahrzehnte hier, und ich suche immer noch nach dem, was die Leute hier genauso behaupten. Irgendwie, gibts da einen Minderwertigkeitskomplex, .... oder?
Wo soll das hinführen? Da ist nichts !!!! Dies, - bezeichne "ich" als Egozentrik.

Geheimraetin 30. März 2011 um 10:39  

@ landbewohner

ich habe mich zum wahlausgang überahaupt nicht geäußert. werde das auch nicht tun. viell. liest versuchst du nochmal zu erfassen, was ich geschrieben habe.

Anton Chigurh 30. März 2011 um 14:51  

Wenn es nicht so prägnante Wahlthemen wie S21 und die Japan-Katastrophe gegeben hätte, wäre es niemals zu einem grünen Wahlsieg gekommen. Wenn sich Mappus und Gönner nicht so superarschig verhalten hätten, wäre der Ausgang der Wahl niemals so zustande gekommen.
Dann hätte die "S"PD erneut mit Hochgenuss den Stiefellecker gespielt und sich für das Hinaufhelfen der schwarzen Banditen in den Regierungssattel wieder mit unwichtigen Ministerpöstchen zufrieden gegeben.
Beispiele gibt es ja nun reichlich:
Thüringen im letzten Jahr, Sachsen Anhalt in diesem...
Einen echten POLITIKWECHSEL will doch in Wahrheit niemand, nicht einmal die Grünen !

Anonym 30. März 2011 um 21:24  

Wie immer - ein guter Beitrag auf eurer Seite.

Als Nicht-Partei-Liebhaber, weder linker, noch rechter, noch mittiger Natur kann ich dem soweit zustimmen.

Die sogenannten Wähler sind nur noch zu Lagerwechslern verkommen. SPD und Grüne, unterwandert von Contentmafia und anderen Lobbyisten, genährt durch Sprösslinge der besseren Art, welche gerne den Hartzies und anderen Zeitgenossen kräftig gegen das Schienbein treten und dann sagen "hey, ich hab`s geschafft, DU nicht?", diese Leute sind dort zu finden. Wohl auch ewig Gestrige, brav angezogen und doch tun sie so, als wenn ihnen die Natur am Herzen liegen mag.

Ich bin dieses Geschwurbel von oben herab sowas von satt. Aber solange genug Wähler sich vernaschen lassen, solange liegt kein Grund für eine Revolution vor.

Die stetigen Meldungen vom Aufschwung und den neuen Wegen, die uns in eine sichere Zukunft führen, all diese Märchen vom "es geht jetzt viel besser als vor der Krise", das kommt immer noch gut an beim Volke.

Genau an diesem Zipfel muss gerüttelt werden und die Augen müssen auf. Ganz weit und das für lange Zeit, damit genug Licht der Wahrheit hineinscheint.

Ich orakele mal: S21 wird gebaut, verändert aber gebaut. Das wird dann mit passender Propaganda unterlegt um die Massen mitzunehmen. Damit sind dann alle zufrieden. Wie mit jeder anderen Aktion, die seitens der NeoCons durchgezogen wird. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Heute Schwarz-Geld, morgen SPD-Grüne, nur billiger wird`s. An dem Kern ändert sich nichts. Die Linke wird zunehmends in den Hintergrund geraten, wenn die sich nicht endlich mal aufmachen und in ihrem Laden aufräumen und klare Linien ziehen.

Anonym 2. April 2011 um 19:55  

"[...]Heute Schwarz-Geld, morgen SPD-Grüne, nur billiger wird`s. An dem Kern ändert sich nichts. Die Linke wird zunehmends in den Hintergrund geraten, wenn die sich nicht endlich mal aufmachen und in ihrem Laden aufräumen und klare Linien ziehen[...]"

Wo soll die Linke aufräumen? Und was für klare Linien meinen Sie?

Übrigens, das Phänomen des Wechselwählers ist in der alten Bundesrepublik, lange vor der dt.-dt. Einheit, nichts unbekanntes gewesen - Der, seines Zeichens selbst so genannten, Erzkonservative Sebastian Haffner hat Jahre vor seinem Tod ein Buch über die typischen Wechselwähler in Deutschland geschrieben - 2002.

Ist das Phänomen des Wechselwählers bereits in Vergessenheit geraten, dass Sie es als neu darstellen?

Ich würde mich nicht wundern, wenn viele CDU-FDP-Wähler nun eben, dank dem Unsympathen Mappus, erstmals Grüne gewählt haben, und das nächste Mal halt wieder Schwarz-Gelb. Ich wundere mich sowieso, dass dieses Phänomen öffentlich totgeschwiegen wird, dass doch gar nicht so abwegig ist - das Wechselwählen.

Die Frage ist nur:

Wer profitiert von der Totschweigerei des Wechselwähler-Phänomens?

Übrigens, nach Lust und Laune wählt der dt. Wechselwähler halt die FDP, die nun am Abstürzen ist, weil die selben Wechselwähler nun eben die Grünen wählen.

Und wer ist die nächste Partei, die vom Wechselwähler-Phänomen profitiert?

Frägt sich
Bernie

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