Aktuell in Ewigkeit?

Montag, 20. Dezember 2010

oder: ein wenig in eigener Sache, so kurz vor Ende eines quälenden Jahres.

Ein Jahr ist es nun her, dass ich meinen Erstling auf den Markt der schönen Eitelkeiten werfen ließ. Aus dem, der rein in Pixeln publizierte, ist einer geworden, der altmodisch Seiten mit Tinte schwärzt. Eine Eintagsfliege, meinte ich ursprünglich - ich habe mich geirrt, mehr dazu aber gleich.

Ich schrieb seinerzeit über die Absurdität desjenigen, der sich täglich ins Getümmel des gedruckten Wortes wirft; über das Leben als Ausländer in Deutschland; über bärtige Sozialrassisten; über Behördenallerlei; über faschistoides Gedankengut - ich hätte Unzugehörig auch ab heute zum Verkauf feilbieten können: denn die Inhalte sind immer noch aktuell, vielleicht sogar noch aktueller als damals. Als ich ehedem unter dem Titel "Heldenmut" einen schemenhaften Kriegsminister anblaffte, da hampelte in diesem Ministerium noch ein wortkarger Gartenzwerg durch die Flure - das Buch erschien zwar im Dezember und da war bekanntlich schon der fesche Theodor am Ruder, aber der Text wurde bereits vorher, im September oder Oktober geschrieben, als noch der Geistesgnom fuhrwerkte. Kurzum, heute turnt ein lasziv mit den Kameraobjektiven schmusender Blaublüter durch die Szenerie - und alles was in "Heldenmut" zu lesen ist, gilt heute gleichfalls: nur noch verstärkter!

Selbst jener Text, der sich mit dem Mord an Buback befasst, kann noch nicht ad acta gelegt werden. Immer wieder rollen sie jenen Fall auf, wieder und wieder - und stets wollen sie wissen, wer war der Mörder, wer der Fahrer, wer Mitwisser, wer hat die Mörder verköstigt und ihnen die Haare geschnitten. Mit Stumpf und Stiel will man diese terroristische Mischpoke ausrotten - dass es sie schon gar nicht mehr gibt, das vertuscht jener Schaum vorm Mund, der bis über die Augen hochquellt und klare Sicht verbietet. Unseren ewigen Buback gib uns heute!
Es ist, wie es schon letztes Jahr war und im nächsten sein wird.

Daher könnte ich mich nun zurücklegen und selbstzufrieden sagen, es reiche ja, dass ich ein Buch auf dem Markt habe, welches arg an Aktualität leidet, womit ein weiteres Exemplar gar nicht mehr nötig wäre. Sage ich aber nicht!
Im Januar des kommenden Jahres wird ein weiteres Buch erscheinen, das den Titel "Auf die faule Haut - Essays & Anderes" trägt. Darin werden Texte zu finden sein, die noch nicht publiziert wurden. Ich hoffe, wie jeder, der Bücher schreibt, auf weite Verbreitung und auf Rückmeldung seitens der Leser. Ob die darin enthaltenen Essays auch noch Ende 2011 oder sogar 2012 zeitgemäß sind, kann man freilich nicht felsenfest behaupten - man kann es aber zumindest felsenfest erahnen. Womöglich noch ein wenig posthume Ehre, die ich mir gesichert habe...

"Unzugehörig - Skizzen, Polemiken & Grotesken" ist erschienen im Renneritz Verlag - "Auf die faule Haut - Essays & Anderes" wird ebendort erscheinen. Zudem können Sie, wenn Sie mögen, ad sinistram unterstützen. Entweder per Paypal (siehe rechte Seitenleiste) oder über den gewöhnlichen Bankweg. Hierzu ließe ich den Datenschutz ruhen und teilte Ihnen gerne meine Kontodaten mit.



9 Kommentare:

Libero 20. Dezember 2010 um 09:34  

Na, das ist ja mal 'ne frohe Botschaft!

Geheimrätin 20. Dezember 2010 um 10:03  

hey, na siehste, hab ich nicht gesagt?! Herzlichen Glückwunsch!
Bin schon gespannt, werde dann wieder ein paaar Exemplare vom neuen De Lapuente in unserer Buchhandlung bestellen ;-)

best wishes und schöne Feiertage

G.

klaus Baum 20. Dezember 2010 um 10:17  

Falls Dein angekündigtes Buch vorübergehend an Aktualität verlieren sollte, so kannst Du sicher sein, es ist nur vorübergehend. Alles, was im 19. Jhr. über Armut gesagt worden ist, war zum Beispiel nach 1945 bis zirka 1980 nicht mehr aktuell. Jetzt ist es wieder.

Herzliche Grüße
kb

epikur 20. Dezember 2010 um 15:45  

Herzlichen Glückwunsch!

Ich schreibe auch gerne wieder eine "Gefälligkeitsrezension" (Zitat: Ritinardo - Isis Busenkumpel), schließlich bezahlst Du mich ja dafür und machst mit meiner Rezension einen Haufen Asche. Soviel Kohle, dass Du Dir eine Villa am Meer leisten kannst! Du Luxus-Linker Du! *g*

Roberto J. De Lapuente 20. Dezember 2010 um 16:30  

@ Epikur: Was sind das für Leute?

Siebenstein 21. Dezember 2010 um 08:11  

Lieber Roberto de Lapuente,

ich freue mich schon auf die neuen bissigen, mit unter poetischen,lyrischen,politischen,monströsen,wahren,humanen,nachdenklichen,
warmen,vernichtenden,informativen,philosophischen...... Texte. Auf ihren Zweitling.

Herzliche Grüße
S.B.

hartmut 21. Dezember 2010 um 08:30  

bestellt!

Christine Vole 25. Dezember 2010 um 09:27  

Lieber Roberto,

nun endlich finde ich den Mut -Gelegenheiten gab es ja mannigfach- einen Ihrer Beiträge zu kommentieren.
Ich bin seit geraumer Zeit begierige Leserin Ihres Blogs und selbstredend war "Unzugehörig" Pflichtlektüre.
Umso mehr freue ich mich auf Ihr zweites Werk.
Meine Sprachgewalt,Intellektualität und Scharfzüngigkeit werden in diesem Leben nun nicht mehr an die Ihre heranreichen,ich darf aber mit Fug und Recht behaupten, dass Sie der zündende Funke waren,der mich veranlasste, nicht nur über den Tellerrand, vielmehr über den ganzen Tisch hinaus zu schauen.
Und,obschon es bei den anderen Lesern wahrscheinlich eher umgekehrt ist, meine Annäherung an Philosophie begann mit LaPuente und setzt sich nun fort über Camus bis hin zu Sartre.
Nur die Polemik scheint mir angeboren, dies verwundert jedoch nicht wirklich,da Angehörige des prekären Fußvolkes ;)

Ich möchte Ihnen somit schlicht
DANKESCHÖN
sagen.

Christine

Data9eleven 31. Dezember 2010 um 15:12  

Lieber Roberto De Lapuente,
vielen Dank für dieses Buch. "Unzugehörig" ist mit Abstand das Beste was ich in der letzten Zeit lesen durfte. Ihr Wortwitz und die Treffsicherheit Ihrer Aussagen sind mir tief unter die Haut gegangen. Ich wünschte, andere Schreiber würden sich auch der Sprache bedienen, welche, für gerade diese Themen, die Sie aufzeigen angemessen und verständlich ist.
Ich verneige mich vor Ihnen und bin schon auf das Nächste gespannt.
Mit lieben Grüßen Data

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