Eine gelobte Rede und ihre Gehaltslosigkeit

Montag, 15. Februar 2016

Mit etwas zeitlichem Abstand zur Goldenen Kamera lässt sich sagen: Ja, Respekt vor Dunja Hayali! Sich täglich aufzurappeln, obgleich man den Hass dieser unterversorgten Bürger (mehr so geistig betrachtet) frontal zu spüren bekommt, das bedarf schon eines starken Charakters. Aber nein, so romantisch wie sie es dann bei ihrer Rede ausgemalt hat, war es niemals. Journalisten machen eben nicht nur immer mal Fehler, sie berichten oftmals zielgerichtet und vertreten nicht unbedingt die Wahrheit, sondern die medialen Belange von Interessensgruppen und Lobbyverbänden. Und es ist eben nicht so simpel, wie ihr Appell suggerieren wollte: Einfach mal das Gespräch mit Journalisten suchen und mit diesen um Argumente zu streiten, das klappte bei einer ganzen Reihe von Themen über Jahre hinweg überhaupt nicht. Das heißt aber natürlich auch wiederum nicht, dass es die von langer Hand geplante Lügenpresse gibt.

Wir hatten schon mal besorgte Bürger in diesem Land. Sie vereinigten sich dann in einer neuen Linkspartei. Das war auch - oder vor allem - eine Folge der Neoliberalisierung dieser Republik. Diese neue linke Partei wollte auch um Argumente streiten. Mit den anderen Parteien und nicht zuletzt mit den Medien, die viele Jahre lang die Agenda des neuen Reformkurses vertraten und zum Beispiel Lobbyisten als Experten in Interviews und Talk-Runden tarnten und so Objektivität vorspielten. Der Jauch hat das mehr oder minder bis zuletzt so gehandhabt. Die Linke wurde aber wenig bis gar nicht eingeladen. Und wenn, dann wurden ihre Argumente heruntergespielt und verlacht. Ihre Protagonisten wurden zu infantilen Politgestalten degradiert und verspottet. Eine Einladung zum Dialog, wie Hayali das so romantisch ausformulierte, gab es eher nicht. Man vertrat eine Leitlinie und strafte die Gegner dieses Kurses mit Nichtachtung, mit zynischem Humor oder Kriminalisierung.

Bei vielen Themen war diese Haltung der Ignoranz, ja auch gezielte Manipulation und Unterschlagung - vielleicht nicht der Wahrheit grundsätzlich, aber die Unterschlagung des neutralen journalistischen Standards ganz sicher - außer Kraft gesetzt. Es ist eben nicht so, wie Hayali das in ihrer letzte Woche gefeierten Rede deklarierte, dass nämlich Journalisten sich als Menschen einfach nur ab und zu irrten. Nein, sie verwirrten - als Berufsstand. Man nehme die Ukraine und die Treiberei hin zu einem Konflikt mit Russland als prominentes Beispiel. Passenderweise ist dann auch ein ehemaliger ZDF-Mann der Regierungssprecher, was die Melange aus Berichterstattung und Politik nachhaltig unterstreicht und zeigt, dass es nicht immer so niedlich abläuft, wie Hayali das so emotional skizzierte.

Mit welchen Argumenten bitte hätte man der die Glorifizierung der Bundeskanzlerin in den Medien entgegentreten sollen? Wo wurden die Gegenargumente zu ihrem Griechenland- und Europakurs ausgebreitet und hätte laute Widerrede Journalisten auf irgendeine Weise beeinflusst? Gegenstimmen gab es faktisch keine, nur in den Nischen des Medienbetriebes. Der Mainstream aber schwieg oder hagiographierte mit. Auch Hayalis Morgenmagazin hat zwar hin und wieder auf das Leid der Bevölkerung hingewiesen, aber dann auch die Alternativlosigkeit manifest gemacht in seinen Berichten. Bewegte sich der Journalismus, ließ er sich argumentativ treiben?

Natürlich steckt hinter all dem, was medial schiefging und noch schiefgeht, nicht der große Plan von langer Hand einiger alter Damen und Herren, die alle Medien mit Kalkül gleichschalteten. Wenn man überhaupt von Gleichschaltung sprechen kann, dann nur insofern, dass da im vorauseilendem Gehorsam »geliefert« wird. Die Gründe sind meist recht profan. Wenn man zum Beispiel den monatlichen Obolus in sechsstelliger Höhe nicht gefährden will, den ein großer Automobilhersteller mit seinen Werbeseiten in einer beliebigen Zeitung abwirft, dann will man dem Geldgeber natürlich nicht auf die Füße steigen. Wenn der dann auch noch die Agenda 2010 schätzt und befürwortet, wenn er Steuervergünstigungen möchte, dann hält man in dieser Sache eben die Füße still oder man wird sogar noch zum Erfüllungsgehilfen dieser Wünsche und Sehnsüchte. Hätte man da den Dialog mit dem Journalismus suchen sollen, mit Argumenten dagegen streiten sollen, wie Hayali das so pathetisch in den Abend gerufen hat? Einige haben es ja versucht, hatten ein rotes Parteibuch, waren aus dem linken Flügel der Sozialdemokratie (Schreiner, Ypsilanti etc.) – doch man hat nicht mit ihnen diskutiert, ihnen nicht mal ein Forum geboten. Und falls doch, dann war es nie ergebnisoffen, dann wusste man stets schon, wohin man deren Einwürfe verortete, um sie unglaubwürdig zu machen.

Die Linke (die parteiliche wie die anders organisierte oder lebende) hat in den letzten Jahren schnell ein Gefühl dafür entwickelt, dass in den Medien nicht das abgebildet wird, was tatsächlich geschieht. Sie hat begriffen, dass Argumentationslinien gar nicht erwünscht sind, weil die Medien eine Rolle übernommen haben, die mit der klassischen Diskussionskultur gar nichts mehr zu tun hatte. Deshalb haben sie aber nicht gleich »Lügenpresse, Lügenpresse!« gerufen. Sie wussten, dass es Lug und Trug gab, aber es gab Nischen, gab noch einige Journalisten, die ihren Auftrag auch erfüllten. Sicher nicht im ZDF-Morgenmagazin, sicher nicht bei den Tagesthemen oder bei Jauch. Außerdem ahnte man, dass es nicht die Lüge an sich ist, die die Presse fabriziert, sondern das Weglassen und Verschleiern, das Verschweigen von kritischen Gegenstimmen und so weiter. Anzunehmen, dass alle Medien gleich arbeiten und dieselben Ansichten hegten, ist nicht nur dumm, es zeugt auch davon, dass man nicht wirklich in der Lage ist, zwischen verschiedenen Medien und ihren Haltungen zu unterscheiden. Für solche Leute ist alles rot, auch wenn es gelb oder schwarz ist.

Man kann Hayali persönlich keinen Vorwurf machen. Ob sie eine gute oder schlechte Journalistin ist, muss an dieser Stelle auch gar nicht geklärt werden. Jedenfalls muss sie einiges aushalten. Das hat niemand verdient. Aber das Pathos an jenem Abend und das Lob in allen Zeitungen übertüncht doch letztlich, wie sich dieses Land medial aufgestellt hat in den letzten Jahren. Nein, so einfach und so romantisch ist es halt eben nicht abgelaufen zuletzt. Dass Journalismus eine offene Angelegenheit sein soll, die jedem Bürger Mitsprache sicherte, wenn er nur anklingelt und argumentativ dagegenhält, ist eine billige Mär jenes Abends bei der Goldenen Kamera. So war Journalismus nicht geplant. Das merken nicht nur die bersorgten Bürger, die dann falschen Aktionismus entwickeln, das merkten schon vorher alle, die den neoliberalen Kurs der Gesellschaftsveränderung nicht wollten.

Und dass dann auch noch Jauch am selben Abend ausgezeichnet wurde, da Hayali für die eigentliche Sauberkeit ihrer Zunft warb, spricht wirklich Bände ...

8 Kommentare:

Anonym 15. Februar 2016 um 09:44  

Dass Journalismus eine offene Angelegenheit sein soll, die jedem Bürger Mitsprache sicherte, wenn er nur anklingelt und argumentativ dagegenhält, ist eine billige Mär

Wie treffend. Merke ich selber schon länger. Denn wie oft habe ich schon den ortsansässigen Zeitungen auf Probleme hingewiesen, ohne das die Themen aufgegriffen werden. Selbst - mindestens eine arglistige Täuschung - aus meiner Sicht ein Betrug, wird ignoriert. Nicht nur von den Medien. Gesetze gelten eben nicht für alle. Und Richter ... da wirkt dann das "Krähengesetz" ...

maguscarolus 15. Februar 2016 um 16:23  

Nun, so einfach ist es sicher nicht, dass ein paar ältere reiche Damen und Herren von langer Hand bis ins konkrete Lügen-oder Weglassungsdetail die gesamte neoliberale und pro-atlantische Meinungsmache geplant hätten!

Andererseits sind die bestehenden Eigentumsverhältnisse und Verflechtungen eine Tatsache und ein Machtfaktor, dessen Drohpotential für jeden karrierebewussten Journalisten von entscheidender richtungweisender Bedeutung sein dürfte.

Natürlich werden dabei immer wieder mal abweichende Meinungen – da mal mehr, dort mal weniger – eingestreut, damit der Leser das überwältigend häufigere Mainstreamige besser schluckt, aber der mediale Schwerpunkt in allen wichtigen Schicksalsfragen unserer Tage liegt doch so, dass die herrschenden Interessen, also die Interessen der Herrschenden, dabei weitgehend unbeschadet bleiben, also leicht verschleiert aber mit klarer Stoßrichtung und fest anvisiertem Feindbild als unanfechtbare Wahrheit dargestellt wird, was zu tun ist.

Jeder, der sich rational überlegt, wem es wohl nützen könnte, diesen oder jenen Umsturz oder Krieg anzuzetteln, landet mangels allgemein zugänglicher Informationen zwangsläufig in jener Ecke, in der er sich als Verschwörungstheoretiker beschimpfen lassen muss.

Das ist, ins Ungefähre gesprochen, die unbefriedigende Situation, in der man sich lieber aus diversen Blogs oder kleineren Medienformaten informiert, als sich über die allenthalben (wort)gleichen Meldungen zu ärgern, denen man von weitem schon die Absicht anmerkt, die mit ihnen verfolgt wird.

Anonym 16. Februar 2016 um 14:29  

"Ja, Respekt vor Dunja Hayali! Sich täglich aufzurappeln, obgleich man den Hass dieser unterversorgten Bürger (mehr so geistig betrachtet) frontal zu spüren bekommt, das bedarf schon eines starken Charakters." …... „Man kann Hayali persönlich keinen Vorwurf machen. Ob sie eine gute oder schlechte Journalistin ist, muss an dieser Stelle auch gar nicht geklärt werden.“

Lieber Roberto – tut mir leid. Nachdem mir nach Lektüre Deines Textes die Lachtränen getrocknet sind, raffe ich mich auf, in möglichst höflicher Form einen Kommentar darauf hinzubasteln:

NEIN ! Zu denken, dass dieses arglose Häschen nicht weiß, was sie da Tag für Tag in den Äther absondert, wäre reichlich naiv. Für naiv halte ich Dich aber nun mal gar nicht.
Diese heruntergekommene mediale Bordsteinschwalbe weiß GANZ GENAU, was und zu wem sie es sagt. Es handelt sich hier mitnichten um ein argloses Mädchen vom Land, sondern um eine geschulte, ferngesteuerte Propagandistin, die ganz genau weiß, was für monströse Lügen sie in ihrem vom Bürger mit Zwangsmaßnahmen finanzierten Medienbordell fabriziert.

„Jedenfalls muss sie einiges aushalten. Das hat niemand verdient.“

Jetzt kommt mir gleich die Galle hoch ! Das kannst Du nicht wirklich ernst meinen, oder täusche ich mich ???
Diese hochgradig kriminelle Lügenpresstituierte ist maßgeblich mitverantwortlich für Kriegspropaganda, die seit geraumer Zeit Tausende Tote fordert. Sie ist ein Rädchen im System, das hilft, Misstrauen und Kriegsbereitschaft zu generieren.
Um so verkommener ist Hayali, dass sie es wagt, sich in einer unerträglich erbärmlichen Schmierenkomödie öffentlich hinzustellen, um sich als Opfer von Verschwörungstheoretikern darzustellen.
Das ist in allerhöchstem Maße zynisch und moralisch verkommen.
Ich kann nicht glauben, dass Du auf solch eine Masche reinzufallen scheinst !

Anton Chigurh

Roberto De Lapuente 16. Februar 2016 um 15:56  

Ja, natürlich, Anton Chigurh, diese Frau ist der Unterteufel aus der Hölle und auch verantwortlich für das Ozonloch. Auf dem Teppich bleiben, sie ist nur eine Journalistin, die wahrscheinlich nicht mal so genau weiß, was sie da verbreitet.

Carlo 16. Februar 2016 um 17:01  

Nein, ich denke zwischen der harten Lüge und der Verlogenheit sollte unterschieden werden. Max Frisch hatte mal in einem Aufsatz das klargelegt. Lügen, ja andere zu täuschen, hinters Licht zu führen und sie zu übervorteilen, geschieht bewußt, kostet reichlich Willen und Energie. Allerdings ist das auch ein schwerwiegendes Wagnis in einer "vielleicht" offenen Gesellschaft.
Man könnte ja voll und ganz alles verlieren!
Ganz einfach deswegen, weil man ja auch ertappt werden kann, und damit hat "es" sich. Es gibt ja nicht umsonst solche "christlichen Sprüche" in dieser Umgebung.
Verlogenheit ist etwas anderes. Der Verlogene lügt nicht bewußt, er hat die Ausgangslüge bereits verinnerlicht und kann gar nicht mehr anders.
Das bestätigt meiner bescheidenen Meinung nach, Karl Marx, nämlich, daß die realitäre Existenz (das Sein) das Bewußtsein, insbesondere der TV-SchwätzerInnen bestimmt.

Carlo 16. Februar 2016 um 17:02  

Nein, Roberto, die glaubt bzw. ist überzeugt davon was sie sagt.

Anonym 16. Februar 2016 um 17:55  

@ Roberto

nicht DER Unterteufel, aber eine von vielen verlogenen Medienhuren wie Kleber, Roth, Buhrow, Slomka, Sievers, Atai, Eigendorf, Becker, Bidder, Reichelt, Reitschuster etc pp.
"Nur" eine Journalistin ??
Sie ist mitverantwortliches Mitglied der Medienmafia und zuständig für die Kriegstrommeln, die tagtäglich Menschen das Leben kosten. Es sind die Darmparasiten der imperialistischen US-Kriegsmaschinerie.
Hayali ist TÄTERIN, die ist doch nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen, die hat die knallharte US-Propagandistenschule mitgemacht und WEISS was sie tut.

Anton Chigurh

Alles nur Satire 17. Februar 2016 um 11:30  

Einerseits verstehe ich Ihren Text, Herr de Lapuente durchaus als sehr kritische Beschreibung "marktkonformen Journalismus" und "den handelnden Journalisten", die der erzwungen Marktkonformität täglich ihren Tribut zollen. In gesetzten und wahrscheinlich mit Absicht, nicht mit harschen Worten, geschrieben.

Frau Hayalis Wirken ist auch mir unangenehm, wie alle Berichte und Berichterstatter des Mainstreams.
Im ZDF und der ARD wird ganz "systemrelevnt" erst nach 22:30 Uhr ab und an ein klein wenig Kritik zugelassen.

Es darf niemanden verwundern. Hochbezahlte Programmverantwortliche mit Parteibuch, sowie Räte und Gremien, durchsetzt und unterwandert mit aktiven berufspolitikern. Was das ZDF ja in diesem jahr ändern muss. Bin nur gespannt wie, Zeit genug zum Überlegen hatten sie ja.

Hayali wurde besonders oft wegen ihrer Herkunft angegriffen, Berechtigte Kritik an journalistischer Arbeit wurde willkommenweise mit rassenfeindlichen Angriffen vermengt. Weil es sich für "gewisse Kreise"anbot. Das ist mir zuwider; Leitkultur, dazu hatte ich mich hier schon deutlich zu Wort gemeldet.

Trotz allem, die Worte von Anton Chigurh sind vielleicht etwas sehr deutlich und ihm unterstelle ich ganz gewiss keine rassistischen Tendenzen. Die lese ich auch gar nicht aus seinem zornigen Beitrag heraus.
Frau Hayali weiss, was sie tut, und weiss auch wie sie "Mitleid" für ihre Person und als Frau creiren kann. Und das ist sehr billig.

Carlos Hinweise auf max Frisch fand ich (schon wieder mal) sehr informativ bezgl. Lüge und Verlogenheit.

Die Dame und ihre KollegInnen führen ein mehr als ausreichend entlohntes und privilegiertes Leben, durch das was und wie sie es machen und verbreiten.

Menschlich, aber nicht entschuldbar. So haben sich schon viele Gestalten ihrer Verantwortung entwunden, schon immer. Auch Journalisten und die können mit Worten nun wirklich hervorragend umgehen.

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