Bayern, des samma mia

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Chauvinismus, Selbstverliebtheit und Unmoral, abgekürzt CSU. Das sind die Alleinstellungsmerkmale und »Tugenden« Bayerns, die man im Rest des Landes derzeit wieder besonders wahrnimmt. Aber der Freistaat ist nicht die CSU. Es gibt ein anderes Bayern. Mia san ned bloß mia - mia san a andas.

»Sie sind aus Bayern, oder?« Das höre ich oft. Mein Dialekt lässt sich nur schwer in den hochdeutschen Griff kriegen. Dazu artikuliere ich die Vokale zu offen, mische ich A und O zu gewandt. Das kriege ich nicht weg. Und so merkt man nach zwei Sätzen, dass ich die meiste Zeit meines Lebens in Oberbayern zubrachte. »Ja, ich bin aus Bayern. Merkt man das denn?«, kokettiere ich als Antwort meist. Und dann legen sie los. Bayern sei toll. Nette Leute und das Bier. Meist wird es dann politischer. Die einen sagen: Und fähige Leute in der Landesregierung. Die anderen meinen: Leider sind die Bayern - deutschlandweit betrachtet – schon chauvinistisch, selbstverliebt und unmoralisch. Im Regelfall nicke ich beim zweiteren Typus. Vom ersteren verabschiede ich mich meist ganz schnell. Beide Exemplare offenbaren aber einen großen gemeinsamen Nenner: Sie reduzieren das Bayerische, wie immer man das letztlich definieren mag, als das CSU-Bayern. Und das ärgert mich zunehmend.

4 Kommentare:

kevin_sondermueller 22. Oktober 2015 um 17:31  

Bayern ist so etwas wie die USA im mini-club-Format:
auch dort gibt es neben den Sheeples Menschen, die
sowas von hellwach sind, dass Hoffnung aufkommen
könnte.

Könnte Hölderlin tief in die Zukunft geschaut haben,
als er in seinem »Hyperion« schrieb: »Wo aber Gefahr ist,
wächst das Rettende auch«?

Braman 22. Oktober 2015 um 17:44  

"Im bayerischen Gemüt gibt es auch eine Veranlagung für liberalen Geist, für linke Positionen und alternative Wege. Vielleicht nicht als Mehrheitsmeinung."

Vielleicht? Du bist dir also nicht sicher, ob es vielleicht doch eine Mehrheitsmeinung ist?

Anonym 23. Oktober 2015 um 09:02  

Föderalismus nach bayrischer Lesart:

Wir produzieren zwar Atomstrom, aber für die Endlagerung sind dann doch bitte andere Bundesländer zuständig.
Windkraftanlagen sollten doch bitte nicht die bayrische Landschaft verschandeln, das können doch die Norddeutschen machen.
Klar, den grünen Strom hätten wir schon gerne, aber bitte nur, wenn die Leitungen über Baden-Württemberg laufen.
Länderfinanzausgleich? Wozu sollen wir noch für die Verschwenderländer im Norden zahlen?
Daß wir übermäßig von Bundesinstitutionen profitiert haben und uns vor Jahrzehnten sehr geholfen wurde, wenn interessiert das heute noch?
Hmm... wir haben da momentan ein Flüchtlingsproblem und diese egoistischen, restlichen Bundesländer helfen uns viel zu wenig. Wie können die nur so dreist sein?
Ein wenig Nachdenken über Dreistigkeiten könnte hilfreich sein!

Roberto De Lapuente 23. Oktober 2015 um 14:28  

@ anonym von 09:02 Uhr:
Man braucht klare Feindbilder, oder? Man darf den Feind nicht mal anders sehen, oder?

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