Glücklich, verdammt nochmal, wir sind glücklich!

Dienstag, 20. September 2011

Die Genossen des Allensbach Instituts vermelden, dass der Genosse Deutsche glücklich ist. Die Bürger fühlen sich zunehmend wohl in unserer schönen Republik. Seit zehn Jahren gab es so viel Glück nicht mehr, erklärt Genosse Professor Raffelhüschen stolz. Wir dürfen zuversichtlich sein, dass dieses schwer erarbeitete Glück, uns eine sorgenfreie Zukunft einbringt.

Indes warnt das ZK zur Wahrung optimistischer Lebensgestaltung vor Studien, die landauf landab kursieren. Die Genossen des ZK appellieren dringlich an den gesunden Menschenverstand, die darin verbreitete Propaganda, nicht für bare Münze zu nehmen. Es entspricht nicht der Wahrheit, dass die Bürger unserer schönen Republik unglücklich wären, wie es diese ominösen Studien verbreiten wollen. Die Genossen des ZK wittern dahinter die Machenschaften defätistischer Gruppierungen, die unserem schönen Lande kein Glück gönnen wollen.

Der oberste Genosse des BMVg (Bundesministerium zur Verteidigung der Glücklichkeit) warnt daher nachdrücklich: Schenkt der defätistischen Subversion keinen Glauben! Seid glücklich und laßt euch keine Unglücklichkeit einreden! Solche Studien verfälschen nur die Wirklichkeit in unserem schönen Lande, wollen uns nur empfindlich in unseren Lebensstil pfuschen. Genießt das Glück - sagt, ihr habt das Glück genossen, Genossen! Seid Genießer, Genossen! Wir sind glücklich! Wir sind glücklich! Sagt es immer wieder! Und meldet all jene, die Euch kundtun, sie sehen das Unglück in unserer schönen Republik! Meldet all jene, die uns unser Glück vergällen! Alle, die uns unseren optimistischen Glauben rauben wollen. Wir sind glücklich! Wir sind glücklich! Merkt Euch das!

Und traut keinem, der anmerkt, der Genosse Professor Raffelhüschen habe selbst einst vom Unglück gesprochen, welches über unsere schöne Republik kommen könne. Defätistische Kräfte behaupten dreist, dass dieser verdiente Mann unsere Rente und unsere demographische Entwicklung für eine Quelle des Unglücks hielt. Aber das ist nicht wahr! Der gute Raffelhüschen war immer schon ein Botschafter des Glücks. Wir sind glücklich! Wir sind es! Nicht vergessen...



17 Kommentare:

Anonym 20. September 2011 um 17:20  

herrlich!

gut erkannt, in inhalt wie in form!

mein kommentar dazu auf der fb-seite.

epikur 20. September 2011 um 17:44  

Immer diese Propaganda vom unglücklichen Deutschen, der sich auf der Lohnarbeit gemobbt und nicht verstanden fühlt, von steigender Alters-, Kinder- und allgemeiner Armut in Deutschland, von steigenden psychischen Erkrankungen und Depressionen, von rasant gestiegenem Bedarf an Tafeln, von Sozialabbau, Lohn- und Rentenkürzungen, von Entlassungen, verfestigter Massenerwerbslosigkeit, Schikanen und Demütigungen von ALG2-Empfängern usw. usf.

Alles Propaganda und Lüge!

Wir sind glücklich!

Roberto J. De Lapuente 20. September 2011 um 17:47  

Da hast Du aber gerade noch eine Volte geschlagen, Markus. Ich dachte schon, Du wolltest hier defätistisches Gedankengut verbreiten. Hast aber am Ende doch eingesehen, wie glücklich wir sind.

Diebstuhl 20. September 2011 um 18:02  

Wir können auch wirklich glücklich sein hier. Ich komme gerade von einer Südostasien-Tournee und kann nur sagen, das ich trotz des schöneren Wetters dort froh bin, wieder hier im ingesamt entspannteren Deutschland zu sein. Immer fortwährendes Verbesserungspotential sei dabei gar nicht in Abrede gestellt.

antiferengi 20. September 2011 um 18:47  

Ihr elenden halbgaren Positivisten, Esoteriker und Eutopieverachter. Welche auch noch Dystopien benutzen müssen, um sich den wohligen Schauer des zufriedenen Halbglücks zu gegenwärtigen. Ihr benötigt dringend mehr Glück. Statisches Glück, lässt sich nicht kalkulieren. Wirtschaftliches Soziologenglück, berechnet man an seinem Wachstum. Das optimale Glück, ist daher, die nicht endend wollende Euphorie, bei geringst möglichem Grund dafür. Das, ... ist echtes Ökonomenglück.

Hartmut 20. September 2011 um 20:20  

Nichts ist schlimmer zu ertragen, als eine Reihe von glücklichen Tagen . So der Dichterfürst Goethe.
Was immer er damit auch sagen wollte, sei dahingestellt.

Im heutigen "Wellness-Zeitalter" werden wir eben zum Glücklichsein verdonnert. Basta. - Wer nicht glücklich ist, paßt nicht in diese Gesellschaft. Die/der hat doch selber Schuld, daß sie/er nicht glücklich ist. - Für soviel Glücksweisheit sollten wir dem "Prof. Raffelh...." dankbar sein.

Wohlan denn laßt uns glücklich sein. Amen.

Ludwig Trepl 20. September 2011 um 20:29  

Eben hab' ich dieses Raffelhüschen in der Berliner Abendschau gesehen und ich muß sagen: einen besseren hätte man für diese Aufgabe nicht finden können.

Anton Chigurh 21. September 2011 um 00:14  

Jau, wat sind wir glücklich !
Uns gehtet ja sowat von gut !
Und wenn uns dann die Tage auch noch der verwirrte Tattergreis aus Rom mit seinen rosa Schühkes seinen Segen verabreicht, sollten wir alle konsequent wie die Lemminge vor lauter Glück in die Emscher springen. Geilomat. Aber genau dat brauch ich jetz: Die Ergebnisse von so paar durchgeknallten Zahlenverdrehern, die Systempresse, die diesen Dreck mit Juchhei in den Äther schleudert und zum Abschluss der Glückseligkeit eine lächerliche Schießbudenfigur, die mir was vom Wassergeist vorfaseln will !
Hömma: da werd ich nich glücklich von, da geh ich in Keller und hol die Axt !!!
Deutschland besteht nicht nur aus Primaten, die Fernsehgarten kucken und deren IQ bestenfalls die Höhe der Körpertemperatur erreicht, dat musse nich glaben, ne ?!!!

W.Buck 21. September 2011 um 00:41  

Ich war heute schon überrascht, wie sehr sich mein Leib- und Magen-Radiosender (SWR3) an diese Studie inklusiver ausführlichem Interview mit diesem Prof. Raffelinsgebüsch herangeschleimt hat.

Auch ich habe mich spontan an gewisse andere "gleichgeschaltete" Zeiten erinnert in der es nur EINE Meinung gab: die RICHTIGE!

Egal234 21. September 2011 um 03:46  

Ich habe kurzzeitig gedacht, es ist September 1989 und DDR2 sendet in der AK2 die aktuelle Planübererfüllung, als dieser "Studie" gestern abend als Top-Story 5 Minuten ganz am Anfang des Heute-Journals gewährt wurde.

Welche Verbindungen spielen da, dass man solch ein Machwerk aus der Feder des äusserst dubiosen INSM-Botschafters Raffelhüschen an solch eine mediale Spitzenposition hieven kann!?

Daher, einerseits bin ich ziemlich entsetzt über den Vorfall, andererseits wie schon gesagt, kommt es mir langsam vor wie September 1989. Und bis November ist es nicht mehr weit...

Roberto J. De Lapuente 21. September 2011 um 07:19  

Putzig finde ich immer die Einwürfe, die uns dann weismachen wollen, dass wenn nicht wir, wer dann glücklich sein sollte auf Erden. Afrikaner vielleicht? Das meint einerseits, das Glück materiell ist - andererseits: wollen wir uns mit Afrika vergleichen und daran orientieren? So gesehen könnte man auch sagen, dass die Erde der Planet ist, auf dem die glücklichsten Menschen leben...

Pia 21. September 2011 um 12:26  

Man hört hier permament heraus, dass Dankbarkeit keinen Platz im Leben der Leute hier hat, weil das angeblich die Verhältnisse stützt und den Auflehnungsgeist korrumpiert.
Meiner Meinung eine fatale, menschenunfreundliche und ungesunde Einstellung. Aber sie sei den Leuten belassen, die meinen, gut damit zu fahren.

Anonym 21. September 2011 um 13:41  

Professor Raffelhüschen: Der Glücksbote der Versicherungsindustrie hat mich endlich vor meinem potentiellen Unglücksgefühl errettet. Hosiahna!

Anhänger des 04.08.1789

Anonym 21. September 2011 um 16:42  

Das schöne Lied zur (be)schön(ige)n(den) Propaganda-Studie:

http://www.youtube.com/watch?v=sF7vTEM3Mu4.

Besonders für Pia …

Berggeist1963 22. September 2011 um 17:58  

Dann bekommen wir wohl bald ein neues Gesetz verabreicht, in dem das Glücklichsein offiziell angeordnet wird: "Ab dem soundsovielten 2011 hat jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland glücklich zu sein! Ausnahmeregelungen für einzelne Bevölkerungsgruppen sind hierbei nicht vorgesehen! Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt!"

Und wer absolut sichergehen will, dass er dabei zukünftig bloss nichts falsch macht, kann sich bei Prof. Raff(el)hüschen dann hinsichtlich einer entsprechenden Versicherung gegen das Unglücklichsein beraten lassen.

Na denn, Glück Auf!

Anonym 29. September 2011 um 21:18  

Ich frage mich, aus welchem Konzentrationslager Leute wie der Anonymous vom 21. September 2011 16:42 eigentlich schreiben... Offenbar aus mangelndem Wissen keinen Plan mehr von Verhältnismäßigkeit. Darauf abgestimmt daher auch die KZ-Erwähnung. Man benutzt am besten die Sprache desjenigen, mit dem man spricht, um ihn zu erreichen.

Anonym 30. September 2011 um 12:45  

@Letztanonyme/r:

Och, Ihr schöner Schlips,
jetz isser dreggisch :D

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